Alle Beiträge von sasha

Frisch gelesene Bücher: Die lange Erde

Nach knapp 1800 Seiten und fast so vielen Universen bin ich wieder aufgetaucht aus der “Langen Erde” und berichte kurz, knapp und begeistert von diesem Ausflug.

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Mission: Bezirke bezirzen – drittes Kapitel: Karl-Chemnitz-Stadt

Unerschütterlich und voller Forscherdrang durchwühlten wir nun weiter die antiken Zentren jenes untergegangenen Kleinreichs namens DDR. Dieses Mal im Auge der Peripherie – Chemnitz formely known as Karl-Marx-Stadt. Der erste und unspektakulärste Teil in der herrlichen sächsischen Dreifaltigkeit welche aus Produktion, Verkauf und Verprassen bestand (besteht?). Dreimal dürft ihr raten welche Aufgabe hierbei Chemnitz zugedacht war. Wohl ein Grund warum dem gemeinen Residenz- oder Messestadtsachsen herzlich wenig zu Chemnitz einfällt. Wir meinen: Schade, uns hat es gefallen und wir freuen uns dank dieses Erlebnisses tatsächlich auf noch mehr Sachsen.

Die bisherigen Stationen der Bezirkskursion. Thüringen abgehakt. Jedenfalls bis zur Kreiskursion.

Frisch gegessene Küchen: Korea – Wedding – Sam Yuk Gu

Die koreanische Küche als fleischlastiges und feuriges Findelkind unter all den bunten Gesundheitskindern Asiens konnte sich schon von jeher meiner Sympathie gewiss sein. So ist es fast schon ein wenig beschämend, dass es geschlagene neun Monate brauchte, bis ich dieser verheißungsvollen neuen Lokalität die Ehre erwies. Im kalten Winkel der Seestraße, dem gesichtslosen Transitbereich zwischen den Fleischtöpfen des Leopoldkiezes und der Fettlebe der Osloer Straße öffnete letztes Jahr auf der Asche eines südostasiatischen Allzweckbistros das “Sam Yuk Gu”.

Mit frischem Interieur und urbanen Flair begrüßt man hier seine Gäste. Aufmachung und Anspruch lassen leicht erkennen, dies hier ist zweifellos nicht mehr Teil jener kulinarischen Expeditionen für den ich den Wedding einst schätzte. Jene Plastiktischatmosphäre in gemächlich angefetteten Kaschemmen, wo man stets der Illusion hinterherjagte, diese wirklich authentische Genüsse aus fremden Kulturräumen zu erhaschen. Nein, derlei Späße waren hier nicht zu erwarten, aber wir sind ja aufgeschlossen und stets bereit die wenigen positiven Aspekte der Gentrifizierung mit allen Sinnen zu genießen.

Der ehrenwerte Stammtisch, geboren aus Gelaber, Trank und Spiel hatte sich zusammengefunden um erstmals mit kulinarischen Genüssen den Mittwoch zu feiern. Auf den ersten Blick ein würdiger Start. Die kompakte Speisekarte verhieß Gutes. Die so freundliche wie unaufdringliche Bedienung leitete uns charmant durch all die Freuden welche die ferne Halbinsel für uns vorbereitet hatte. Zwei Tischgrills standen flugs bereit und rasch klapperten die Stäbchen konzentriert durch die duftenden Kostbarkeiten. Frische wie Qualität der Zutaten ließen keine Wünsche offen. Natürlich muss hier noch ein zweiter und dritter Besuch absolviert werden um jedweden Zweifel auszuräumen, aber ich würde mich hier kurzentschlossen auf eine Weiterempfehlung festlegen.

So kann daher abschließend all jenen höhnischen Beobachtern aus den gentrifizierten Sektoren, welche seit Jahren voll ungeduldiger Missgunst mit der Parole “Der Wedding kommt” Angst verbreiten, gelassen entgegengehalten werden: Der Wedding kommt nicht, der Wedding is(s)t.

“Sam Yuk Gu” – Seestraße 71 – 16-22:30 Uhr – Montag Ruhetag

Frisch gelesene Bücher: Geschröpft und zur Ader gelassen

Aus gegebenen Anlass ein wenig Lektüre um dem Prügelkanben auf dem Pausenhof der Moderne ein wenig unter die Arme zu greifen. Die Rede ist vom Schmuddelkind Schulmedizin. Als Rüstzeug für zukünftige Diskussionen habe ich mir folgendes Buch zu Gemüte geführt. “Geschröpft und zur Ader gelassen. Eine kurze Kulturgeschichte der Medizin” von Roy Porter.

Alles weitere hier in bequemer Tonspur zum Genusse dargereicht.

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Frisch gelesene Bücher: 1913. Der Sommer des Jahrhunderts

Und der nächste Schlag. Mit “1913” also endlich mal wieder ein echtes Schwergewicht in der Besprechung. Was der Bestseller unter der Haube hat, erfahrt ihr in der nachfolgenden kleinen Vertonung.

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Kulinarischer Endkampfgegner: Karpfen

Karpfen – lange Zeit das wohl einzige Lebewesen, der in Europa frei erwerbbaren, welches meinen hungrigen Avancen wacker widerstand. Zu mürbe und wabbelig seine Konsistenz, zu fad und erdig seine unmotivierten Geschmacksnoten und dann eben auch die Vita dieses lethargischen Schlammwühlers. Doch in den wagemutigen Momenten, die wohl jeder experimentierfreudige Gourmet kennen dürfte, ereilte mich dann der Ehrgeiz diesen geschmacksresistenten Gründelfisch essbar zu machen.

Schließlich ist das Essen aus anderen Gründen ja durchaus anzuraten. Einerseits gehört der Karpfen wohl zu den Fischen die aus ökologischer Perspektive am vertretbarsten zu essen sind und andererseits, da meine Sympathien mit dem Karpfen auf Teichgrundniveau sind, ist jeder gegessener Karpfen per se ein guter Karpfen. Denn eine Welt ohne Karpfen ist vorstellbar.

Blieb nur die Frage wie? Die Alternativen aus der Hölle, blau oder als Sülze schieden postspeiend aus. Starke Geschmacksverfremder waren gesucht. Daher wagte ich einen Blick in die Küche traditioneller Allesverwerter wie die asiatische und wurde schnell fündig. Mittels einer soliden Mischung aus Knoblauch, Chilli, Paprika, Zwiebeln und diversen Marinaden enstand ein bunter Sud, der auserkoren war um den Karpfen beizukommen. Der Fisch selber wurde kurz darauf schnell und ohne ihn mit allzu viel Aufmerksamkeit beehrt in ein Sesamölbad geworfen, wo er langsam aber sicher, jedenfalls äußerlich, viel von seiner Karpfigkeit verlor. Nach absolvierter Frittur beerdigte man ihn dann flugs unter der Gemüsepampe und ließ das Ganze geduldig einwirken.

Ein Bild voller Entracht und tränentreibender Schärfe, doch Vorsicht, unter all dem bunten Plunder lauert ein modriger Karpfen.

Und hat das alles geholfen? Die Geschmacksknospen zitterten bang dem großen Moment entgegen. Sagen wir es einmal so, der Asiate versteht sein Handwerk. Ein ganz und gar feuriges Ensemble voller Leben und Turbulenz, was sich da auf der Zunge entwickelte, doch als der Gaumen dann auf das welke Karpfenfleisch traf, da kamen Erinnerungen hoch und dies waren keine guten. Mürb und kraftlos wankte es im Mund zwischen all den aufgekratzen Geschmackspartygästen umher und ließ sich nicht dazu ermuntern auch etwas zur Feier beizutragen. Fazit: Freunde werden wir nicht aber einigen wir uns mal kulant auf ein Unentschieden.

 

Frisch gelesene Bücher: Unterleuten

Die Buchbesprechung nun auch in ihrer ursprünglichsten Form: gesprochen! Ich nehme das außergewöhnliche Erlebnis, welches der Ritt durch Juli Zehs Roman für mich darstellte, als Anlass um dies mit einer Tonaufnahme gebührend zu würdigen.

Und wie versprochen hier noch der Podcasttipp, welcher mir mit Leichtigkeit das Grausen vor aktuellen Gegenwartsromanciers nahm und daher unweigerlich dafür verantwortlich zu machen ist, dass ich fortan behaupten werde DEN deutschen Gegenwartsroman zu kennen.

Und im Anschluss meine werte Meinung

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Frisch gelesene Bücher: Helix

Die Bücher des Herrn Elsberg, welcher in trauter Regelmäßigkeit der Reihe nach die tönernen Säulen auf denen unsere Gesellschaft ruht, abklopft und szenarisch überprüft, wie es ohne sie aussähe, sind mir stets willkommener Lesestoff. So konnten bislang die Ideen des Autors zu eine Welt ohne Strom (“Blackout”) sowie einer Welt mit stark pervertierten Internet (“Zero”) nachvollzogen werden. Mit “Helix” widmet er sich nun einem weiteren überaus relevanten Thema und zwar der Gentechnik.

Ob es nun daran lag, dass ich von der Materie am wenigsten Ahnung habe oder war es in der Tat anfangs ein wenig langatmig und knöchern aufgezogen. So richtig mochte mich das neueste Werk nicht fesseln. Doch mit zunehmender Lesestrecke begann ich zu verstehen, dass es dieses Mal eben weniger ein spannungsgeladener Thriller war, sondern ein schlichter Roman über ein Problem, dass uns alle angeht und uns alle betreffen wird. Hier versucht Elsberg das Kunststück ein aufgeladenes Thema der Gegenwart von allen Seiten zu beäugen und abzuwägen. Schlussendlich gelingt es ihm meines Erachtens ganz annehmbar herauszuarbeiten, inwieweit hier Fluch oder Segen am wirken sind. Insbesondere das Ende wirkt gelungen, atmet dieses doch den Geist unserer versachzwangten Spezies – trocken und realistisch lauten die letzten Sätze:

Rüsten wir die US-Bevölkerung genetisch auf! Der Wettlauf hat begonnen! 

 

Münzenberg – MZB019 – Die Jahresvorschau 2017

Die Lesezeichen zum ausführlichen Genuss

 

Etliche dieser legendenumwobenen Expeditionen im Geiste der Erkundung der Peripherie haben uns verzückt, überrascht oder gar begeistert, doch die Reise nach Suhl hat die Messlatte mal wieder ein gewaltiges Stück nach oben gelegt. Es stimmte einfach alles: Wetter, Stimmung, Kulinarik, Gesprächsstoff und Kulisse. Das kleine Suhl überzeugte uns alle im Handumdrehen und führte schon Stunden vor der unweigerlichen Abreise zu jeder Menge traurigen Seufzern.

Das rote Suhl?! Das ließ uns aufmerken, sind doch revolutionär bewegte Waffenschmiede für die soziale Revolution um einiges wertvoller als die üblichen Buchdrucker.


Und auch wenn alles schief gelaufen wäre – angesichts dieses Schauspiels hätte kaum einer gezaudert, diesen Ausflug als gelungen zu bewerten.

Wenn ich mir eine Unterkunft hätte schnitzen können, viel besser hätte sie nicht sein können. Ein Bett zum Entgleisen!

 

Das offizielle Endergebnis in dreifacher Ausfertigung.
Und zum Abschluss noch etwas massive Gotik in Erfurt. Eindrucksvoll und majestätisch genossen wir alles außer jenem Fantasiewesen namens “Thüringer Rostbratwurst”.

 

 

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