Bernau bei Berlin

Ich möchte gleich zu Beginn ein euch sicherlich überraschendes Geständnis machen: Es war nicht immer einfach, über die zu entdeckenden Endstationen etwas Interessantes herauszufinden. Nun, im Falle Bernaus sieht die Sachlage grundlegend anders aus. Eine Stadt, die schon seit über 10.000 Jahren besiedelt ist, berühmte Töchter und Söhne ohne Zahl vorweisen kann (Anja Bröker (* 1973); Paulus Praetorius (1521–1565); Georg Rollenhagen usw. usf.) und die eine der elf Hauptstationen der Märkischen Eiszeitstraße ist – hier fiel es wahrlich nicht leicht von den vielen verlockenden Fakten, die Verlockendsten auszusuchen. Dennoch habe ich den Versuch unternommen!

 

Meine Interpretation des Bernauer Wappens: Nachdem der arme Berliner Bär genügend durch demütigende Pedi- und Maniküre malträtiert wurden ist, pflanzt man eine kümmerliche Eiche über ihn, auf der ein riesiger roter Aler sitzt der viermal am  Tag (vier Eicheln!) auf ihn scheißt. Soll heißen: Wir Bernauer, stolzes Husssitengeblüt sind bereit uns zu
beugen und zu dienen. Jedoch nur bei korrekter Fußpflege und respektablem grünen Daumen!
Verrücktes Brandenburg!   

Laut bescheidener Selbstaussage kann man hier nicht nur „auf historischen Pfaden wandeln, Geschichte erleben, Natur genießen“ in dem man sich „an klaren Seen und in weiten Wäldern erholt,“ nein es ist sogar möglich „in einer beschaulich wachsenden Stadt zu leben“. Verlockend, fürwahr. Doch getreu dem Motto dieses Projektes wollen wir es doch vorerst bei Ausflügen belassen. An dem Konzept ‚In S-Bahnendstationen leben’ wird noch gefeilt.

Doch was spricht denn nun konkret für Bernau?!

Lassen wir die Geschichte zu Wort kommen. Und sie will uns sagen: „dass schon um 1140 Albrecht der Bär, ein Fürst aus dem Hause der Askanier und Eroberer dieser damals slawischen Gebiete, die Gründung der Stadt ob des Wohlgeschmackes des ihm hier gereichten Bieres und der angenehmen Lage des Ortes veranlasst habe.“ Also jetzt mal im Ernst: Eine Stadt die hauptsächlich wegen ihres Bieres gegründet ist verdient unsere Sympathie und unseren Besuch. Hat sich Brandenburg meines Erachtens in der jüngeren deutschen Gesichte hinsichtlich der Bierqualität zwar nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, so mag dies im Mittelalter ja durchaus ganz anders ausgesehen haben. Zitat: „Bereits im 15. Jahrhundert wurden in 144 von 310 Wohnhäusern Bier gebraut. Über 30.000 Tonnen Bier wurden noch im 17. Jahrhundert pro Jahr ausgeführt. Jahrhunderte lang galt das Bernauer Bier als das beste der Mark Brandenburg. Es wurde wegen seines Wohlgeschmackes und seiner guten Haltbarkeit in viele Städte und Gemeinden, auch außerhalb der Mark Brandenburg, geliefert und dort gezapft“ Also, Bierhistoriker und Alkoholnostalgiker, auf nach Bernau!

Doch nicht nur Biergeschichte, sondern auch Verkehrsgeschichte wurde hier geschrieben. „Seit 1924 verbindet die erste elektrisch betriebene Stadtbahn der Welt Bernau mit Berlin“ Somit also ein weiterer elektrischer Rekord nach der legendären Strausberger Fähre, die uns auf diesen Exkursionen bevorsteht! Atemberaubend!!!

Doch Bernau heißt nicht nur „bei Berlin“, Spitzenbier im Mittelalter und S-Bahn-Avantgarde sondern auch Hussiten. „Die Stadt Bernau bei Berlin ist Mitglied in der Vereinigung der Städte mit hussitischer Geschichte und Tradition“

Ja, in Bernau scheint man aus der Geschichte gelernt zu haben. Hier sichert man sich gegen sämtliche Unwägbarkeiten der Politik ab. Und wer weiß, vielleicht haben sie ja Recht, die vorwitzigen Pankeanrainer. Wenn in der Zukunft derzeit so machtvolle Bündnisse wie die NATO oder Microsoft ins Wanken geraten, dann wird man sich hier auf den Beistand vorm Neunburg am Wald und Tabor verlassen können. Stolze Heere werden sich unter dem Hussitenkelch sammeln und jeglichem Unbill trotzen.

So sieht es aus, das ‚geheime‘ Zeichen der Hussitenfreimaurer.

‚Noch lacht ihr. Und das zu Recht!‘ will uns der verwirrtre Sektierer im
Vordergrund sagen. Wir hören einfach nicht hin!

Aber genug der Geschichte!

Auch in anderen Bereichen ist man in Bernau weit vorne. Nehmen wir nur mal die hohe Kunst der Wortwitzpflege. Klickt sich der arglose Interessent durch die offizielle Seit Bernaus, stößt er unter „Freizeit, Kultur und Sport“ auf folgende erschütternde Aussage: „Wer sich in Bernau auf „Kul-Tour“ begibt, der wird es mit Sicherheit nicht bereuen.“ Selten habe ich in letzter Zeit in einem Satz soviel Grauen erlebt. Es ist ein schönes Gefühl, nicht allein zu sein. Das macht mir Mut und gibt mir Kraft.

Im Detail gibt folgener Bereich für uns einige Höhepunkte her:

– Historischer Adventsmarkt am Dorfteich

– Ausflug ins Henkerhaus. (10–13 Uhr und 14–17 Uhr)

– Kein Fußball! Die Herren vom FSV Bernau müssen am besagten Sonnanbend nach
Rüdersdorf, zum Ersten der Landesliga. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle hierfür maximale Erfolge wünschen!

Desweiteren ist mal wieder Aufklärung vonnöten. Auch Bernau begreift sich als Partnerstadt von Hertha BSC. Oder ist es mehr als provinzielle Verirrung. Steckt hier eine Verschwörung mittleren Ausmaßes dahinter?! Was planen die Wahnsinnigen in Charlottenburg?! Fragen über Fragen…

Kommt daher also zahlreich zum altbewährten S-Bahngleis!

Sonnabend, 2.12. 13:00

 

Kommentar verfassen