Blabla-Analyse

Es dürfte allgemein bekannt sein, dass der grenzenlose Raum an Freiheit, den uns das Internet eröffnet hat zu recht umstandslos zu einem unfassbaren Ausmaß an sekündlich sprudelnder Dampfplauderei geführt hat. Nicht zuletzt diese Zeilen zeugen recht eindrucksvoll von der Macht uneingeschränkter Geschwätzmöglichkeiten. Da mag es nicht sonderlich überraschen, dass eben jenes Milieu auch Interesse daran hat, ihr tägliches Gelaber im direkten Vergleich zu messen. Natürlich könnte man hierüber auch gepflegt quatschen (und dies geschieht in diesem Augenblick in den mannigfaltigsten Arten zweifellos!), doch exakte Zahlen sind natürlich auch immer gern gesehen. Dieses Bedürfnis befriedigt das Blablameter ganz ausverzüglich. In drei Sprachen kann man hier seine verbalen Ergüsse in liebgewonnener “Copy&Paste-Manier” abgeben und erhält flugs eine aussagekräftige Zahl (um so niedriger umso besser lautet die Devise hier!) nebst wörtlicher Kurzbeurteilung. Schauen wir also, ausgerüstet mit diesem Urteilshammer, etwas um in der virtuellen Welt. Angefangen wird selbstverständlich, ganz offen und selbstkritisch mit dem eigen Werk. Nehmen wir doch am besten den soeben verfassten Text bis zu dieser Stelle! Ich erhalte eine ehrfurchtgebietende 0,18 mit der schulterklopfenden Aussage “Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf ‘Bullshit’-Deutsch”. Gut, das nehme ich jetzt einfach mal hin, auch wenn ich auf ein Kompliment meiner Sprache, welches gleichermaßen das Attribut ‘Bullshit-Deutsch’ verwendet, zugegebenermaßen etwas skeptisch reagiere. Schauen wir doch mal weiter über den Blogteller zum Kollegen Spielbeobachter. Auch wenn der Herr in letzter Zeit ein wenig wortkarg wirkt, so wissen wir doch um seine, die Blogosphäre regelmäßig komplett umstülpenden Beiträge. Nehmen wir doch einfach mal diesen Beitrag als Experimentiermasse.  Hui, 0,16 spuckt das Blablameter aus. Es sind wohl diese Dezimalstellen die den Alphablogger vom Epsilonschreiberling unterscheiden. Kommen wir nun zur etablierten, alteingesessenen Kaste derer, die für ihr tägliches Tippen tatsächlich Geld bekommen. Exemplarisch für diese herhalten soll der Grandsigneur der Süddeutschen – Heribert Prantl. Als Testmaterial wählte ich den knappen Text aus seinem Blog, in dem er irgendwas zum Thema Sicherheiten und Unsicherheiten in die Welt schreibt. Hmm, eine knallharte 0,4 gibt es vom unbestechlichen Blablameter hierfür, zudem noch mit einer spitzen Bemerkung: ”Ihr Text riecht schon deutlich nach heißer Luft – Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken. Für wissenschaftliche Arbeiten wäre dies aber noch ein akzeptabler Wert (leider)” Nun gut, dies kann ja ein Ausrutscher gewesen sein, aber als ersten Durchlauf kann man das doch auch einfach mal so stehen lassen. Mit dieser Siegertreppchenverteilung bei der nächsten Blabla-Olympiade könnte ich nämlich durchaus leben!

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