Der Krieg ist angekommen…

…auf der Insel, versteht sich. Dies meint zumindest der “Feind Jacobs” (aufgrund seiner immer noch bestehenden Namenlosigkeit werde ich im Folgenden die, in vielen Foren kursierende Bezeichnung Flocke, für Fake-Locke, verwenden) als er in der Folge “The Package” Widmore drohgebärdig gegenübersteht. Da mag sich nun jeder entscheiden wie er will, ob er angesichts von bislang 106 Toten (die einen Namen hatten) in den bis jetzt vergangenen 113 Folgen diesen Ausspruch als unangemessenen Euphemismus oder als blutrünstige Ankündigung werten möchte. Fakt ist jedenfalls dass, die sich die herausbildende Konflikt-Kristallation mittlerweile zu drei mehr oder weniger deutlich voneinander abgetrennten Fraktionen geführt hat: Flocke und sein düsteres Camp, Widmore samt U-Boot und Kampfgruppe sowie der konfuse Rest unter der irritierten Führung von Richard Alpert. Die Dramaturgie dieses Konflikts wird nun in bewährter Lost-Manier Stückchen für Stückchen angerichtet. Jedes Mal erhalten wir wieder das Bruchteil eines Mosaiksteinchen des vermuteten Gesamtkunstwerks. Die wöchentliche Anfütterung mit neuen Details und Andeutungen reicht zwar nie zum Sattwerden aber gibt jedem wachen Geist auch nie die Chance zum Verhungern. Und so erfahren wir nun Sachen wie: Flocke braucht alle Kandidaten um von der Insel zu entkommen (Eigenaussage); sollte dies geschehen, würde jedes Leben auf der Erde aufhören zu existieren (Widmore) und Desmond ist wieder zurück auf der Insel wobei ihm von Widmore gesteigerte Bedeutung beigemessen wird (er ist das Package!).Flocke beim Rekrutierungsversuch. Ob nun Jin oder Sun gemeint ist – im Zweifel dann doch lieber die gesamte Familie Kwon einsacken.Soweit zum Inselgeschehen. Seit ich hier regelmäßig über die Ereignisse der finalen Staffel öffentlich vor mich hin verdaue, habe ich mich zumeist auf die inselinternen Geschehnisse konzentriert. Dass es daneben noch einen alternativen Zeitstrahl zu geben scheint, habe ich bis jetzt in meinen Auslassungen sträflichst vernachlässigt. Dies möchte ich nun pflichtschuldigst nachholen. Der Gang der Handlung von “Package” erfordert dies förmlich, denn schließlich ist es nun endlich soweit, dass auch dieser Handlungsstrang sich über die eigentliche Folge hinaus miteinander zu verwickeln und zu bedingen anfängt. Room 23 meldet sich mit einer nicht ganz von der Hand zu weisenden Aussage zu Wort.War es bis jetzt so, dass dies hier jenes Paralleluniversum zu sein schien, in dem die Nuklearexplosion etwas gebracht hatte. Die verschiedenen Einblicke, die wir erhielten, boten teils verwirrende teils gewohnte Perspektiven auf das zivile Leben unserer Helden. So schien es bisweilen wie ein zwangloses Klassentreffen, bei dem man sämtliche Gestalten aus den erlebten fünf Staffeln in den aberwitzigsten Positionen noch einmal genießen durfte. Manchmal erschien dies alles sogar ein wenig zu gewollt, bzw. erzwungen. Als ob die gesamte äußere Welt auch ohne die offensichtliche Wirkung der Insel nur aus inselbezogenen Menschen bestehen würde. Aber vielleicht steckt ja auch hinter diesem Eindruck eine Absicht?! Die mindfuckige Krümmung der Wahrnehmung aus diese Sequenzen ergibt sich jedoch aus der einfachen Tatsache, dass es sich dabei nicht wie üblich, um Rückblicke oder Vorschauen handelt, sondern um eine sogenannte “Seitwärtsblende” (Flashsideway). Sachen wie diese: Wieviel Einäugige haben wir im Serienverlauf kennengelernt?! Kommt diese Gestalt aber im Flashsideway des Weges daher, versteht es sich dann von selbst, dass sie auch hier ihr Auge verlieren muss?!? Ein künstlerisches Mittel wie dieses bietet natürlich noch viel mehr Möglichkeiten zur Verwirrung als sonst. Und so grübele ich nun über eine Unzahl von Einzelfakten, die sich nicht allein mit dem Umstand erklären lassen, dass sie sich so abgespielt hätten, wenn die Bombe explodiert und 815 nie abgestürzt wäre. Ob das Bens Anwesenheit in der realen Welt, Desmonds Präsenz in 815 und viele andere kleinere Unstimmigkeiten – es bleibt verwirrend. Letztlich dürfte die entscheidende Frage sein, was dies alles mit der realen Zeitlinie zu tun hat. Aber irgendwie stimmt mich die magnetische Anziehungskraft, die Inselcharaktere in diesem Handlungsstrang aufeinander zu haben scheinen äußerst verdächtig.In diesem Sinne – wir sehen uns in der nächsten Folge, Bruder! 

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