Eisige Winde und boshaft tänzelnde Schneeflocken schlugen uns entgegen als wir Teltower Boden betraten. Sicher, es war uns bewusst, dass nach den Filetstücken Wannsee und Potsdam nun wieder ernsthafter Peripheriealltag auf uns zukommen würde, aber dies schmeckte dann doch entbehrungsreicher als erwartet. Nach ersten zögerlichen Desertionsversuchen wurde dann der Marschbefehl ausgegeben. Und dieser hieß Teltowkanal. Wagemutig schritten wir aus und suchten tolldreist nach dem Stadtkern.

Wir denken zurück. Damals in den frühen 90ern. Ein verrauchter Puff in Charlottenburg. Es ist spät geworden. Nur noch drei sabbernde, alte Herren krampfen ihr Bewusstsein mühevoll zusammen. „War ‚ne tolle Einheitsfeier!“ entfleucht es dem grenzdebil vor sich hin starrenden Genscher. „Hmm…“ grunzt der faltige Rest, bei dem es sich unzweifelhaft um Kohl und Krause handeln muss. „Bleibt nur noch die Sache mit Teltow“ flötet der gefährlichste Bundesminister für besondere Aufgaben aller Zeiten. „Stimmt!“ erwidert die ranzigen Volkstribune an seiner Seite. „ Wen haben wir denn noch so?“ Ein kurzer Moment historischer Stille. Dann blubbert irgendein hoffnungsvoller Hinterbänkler durch sein Erbrochenes hindurch:  „Lasst uns doch Ahlen nehmen.“ Und so geschah es. Mit ungekünstelter Begeisterung nahmen die Teltower am nächsten Morgen die Kunde entgegen – Menschen fielen sich in die Arme, Rüben flogen in die Höhe, Brieffreundschaften entstanden – ein großer Tag für Teltow. Davon kündet diese bescheidene Gedenktafel bis zum heutigen Tag.


Die Leidenschaft für die Männer die Teltow mit der Welt verbanden ist auch in der tristen Gegenwart nicht abgekühlt. Andere Parteien haben es sichtlich schwer hier Fuß zu fassen. Auf unseriöse Angebote wie eine volle EU-Mitgliedschaft, freies Wahlrecht oder Gratismülleimer, Vorschläge zwielichtiger Natur wie sie der Brandenburger von den Glasperlendealern aus der SPD nur allzu gut kennt, weiß man hier noch stolz abzulehnen.


Die Versuchung ist stets präsent. Natürlich hätten wir jederzeit in solch prächtige Gasthäuser einkehren können. Allerorten strömte Gastlich- und Gemütlichkeit aus den morschen Fugen der eleganten Stadthäuser Teltows. Doch zuvor wollten wir das schummrige Tageslicht nutzen und noch etwas sehen.


Der Teltowkanal.
Naturschauspiel und Ingenieursspektakel in einem. Seine 100 Jahre sieht man ihm wahrlich nicht an. Obwohl ich bei Kanälen jetzt auch nicht der Experte im Alterschätzen bin.

Nach dem Abhaken dieses touristischen Pflichtereignisses zogen wir in weitem Kreis um die Ansiedlung um kulinarischen Genüssen zu frönen und uns ein wenig aufzutauen. Diese Suche sollte lang dauern, jedoch mit zahlreichen überraschenden Eindrücken verknüpft sein.


Demjenigen der angesichts dieses Bildes meint, lediglich eine der vielen Industriebrachen Brandenburgs zu sehen, sei gesagt, dass dies nur ein wahllos abgefeuerter Schnappschuss während des Rückwegs ist. Natürlich entkräftet dies die Eingangsannahme des besagten achselzuckenden Betrachters nicht wirklich, aber ich wollte nur noch mal darauf hingewiesen haben.


Trommelwirbel! Applaus!!! Tränen der Begeisterung!!! Einfach zu schön um Wort zu sein. Eigentlich der beste Grund dies Trips zu echten Wochenendausflügen auszuweiten.


Auch dies soll nicht unerwähnt bleiben. Wir entdeckten zufällig den einzigen müllfreien Ort Teltows. (Obwohl es hier natürlich immer auf die Maßstäbe ankommt.) Ein Hundefriedhof. Entsetzen und Entzücken lagen selten so nahe beieinander.


Und obwohl zum Schluss vielleicht der eine oder andere nicht mehr dran glauben wollte: Wir fanden noch ein Etablissement, welches uns aufnahm. Nach ausreichend Grog und Erdnüssen im „Bistro Cafe Teltow“ waren wir wieder bei Kräften und die Sehnsucht nach weiteren Abenteuern erwachte… 

Darum kommt wieder in großer Zahl, enflieht dem Winter und amüsiert euch im Süden!
In Blankenfelde!!!

Sonnabend, den 17. 2. 07, 13:00,
an den S-Bahngeleisen des Alexanderplatzes



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