Familienalbum eines Molochs


Moskau, alter Moloch! Lang nicht mehr gesehen. Sei jedoch gewiss, dass allein der Klang deines Namens in mir Saiten zum Schwirren bringt wie sonst nur wenige Menschensiedlungen. Warum das so ist, hat unzählige Gründe. Viele davon selbst für mich unbeschreibbar. Einer ist aber in jedem Falle deine, trotz sprunghaftem Verwandlungszwang immer stete Treue zu dem was dich ausmacht, du einzigartiges urbanes Luder. In diesem Sinne lasst uns einmal mehr das Internet besingen. Unter dem angenehm einprägsamen Kürzel oldmos.ru findet sich in diesem Intertnet nämlich eine stetig wachsende Sammlung mit Fotos aus den letzten 175 Jahren Moskau. Dieses digitale Sammelsurium bedeutet für mich nichts anderes als eine Einladung zum Sinnestaumel durch die Epochen. Denn so sehr mir auch mein Moskau am Herzen liegt, so gern wäre ich doch auch einmal mit Tolstois Augen durch verschlungene Gasen gewandelt, hätte mit Bulgakow in schummrigen Hinterhofkneipen gesessen oder einfach nur jenes Moskau kennengelernt, welches ich in den traurigen Augen meines Vaters sah, als auch der nächste Lieblingsbuchladen sich aktuell als McDonalds entpuppte. Wie gesagt, Moskau ist unbestritten das potenteste Chamäleon auf der weiten Flur neuzeitlicher Städte. Und daher macht ein solcher Blick auf vergangene Perspektiven entschieden mehr Spaß als bei so manch anderer Ansiedlung, welche einen eher stringenteren Weg genommen hat.     

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