Feiertag in der Kleiststadt

Wie kann man einen unserer wertvollsten Feiertage besser würdigen als mit einem Ausflug nach Frankfurt an der Oder? Schnell in das Flaggschiff der Regionalexpress-Flottille gesprungen und wenig später steht man in Brandenburgs viertgrößter Stadt. Selbstverständlich zieht es den kundigen Provinzerforscher jedoch alsbald hinüber auf die andere Seite. Schließlich hat Pfingsten ja nun auch aktiv damit zu tun, in “anderen Zungen zu sprechen”. Der Gang über die Oder stellt einen gelungenen Wechsel von exzessiver Stille und anprangernder Nichtigkeit hin zu turbulenter Marktschreierei westslawischer Ausprägung dar.

Graziös und unaufdringlich erweckt dieses Wikipedia-Denkmal bei dem Betrachter den unstillbaren Wunsch mehr zu erfahren.

Doch man tut Słubice zutiefst unrecht wenn man es seine Funktion auf Zigarettenhandel und Spargelfälscherei reduziert. Schließlich genügt ein erster Blick um zu erkennen, dass es sich hier um das unbestrittene Zentrum des Lebuser Haardesigns handeln muss. Und dennoch, der despektierliche Charme jedweder Grenzstädte, des falschen Daseins im richtigen Land (oder umgedreht!) schwingt auch hier unbeirrt vor sich hin. Auf dem Markt kommt der Gurkendealer durcheinander als mit Zloty bezahlt werden soll, der Lärm der Durchgangsstraße erinnert an Zuhause und der Bigos schmeckt wie eine Drohung.

Und schon saust er davon, mein neuer Arbeitsgeber, ein Schmuckblatt auf jedem Lebenslauf!

Aber derlei Dinge kennen wir und sind wir unbedingt bereit hinzunehmen, denn schließlich gewinnt der Charme Polens selbst an seinen Rändern. Auch mit Duda. Ein schöner Tag geht zu Ende und wir danken einmal mehr dem heiligen Geist für die Nettigkeit aufzusteigen und wandern froh den Bahnhofshang hinauf.

Sonnenodergang

 

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