Frisch gelesene Bücher: Die Vereinigung jiddischer Polizisten

Michael Chabon wurde mir von diversen, meinen Buchgeschmack ganz gut kennenden Menschen, als unbedingter Geheimtipp angepriesen. Nach grober Skizzierung seiner bisherigen Werke war ich gehörig angefixt und griff mit der “Vereinigung jiddischer Polizisten” zu einem der Bücher, die mich vom Thema her am ehesten interessierte. cahbon Als großer Genießer reizvoller, alternativhistorischer Szenarien gefiel mir die Idee eines jüdischen Staates der nach dem Zweiten Weltkrieg statt im Nahen Osten im sehr fernen Osten, und zwar in Alaska aufgebaut wurde. Im ersten Anlesen gewinnt dies alles auch recht nett an Schwung und so ließ ich mich mit Freude auf den Spaß ein. Doch mit der Zeit musste ich feststellen, dass dem Autor der anspruchsvolle Spagat zwischen Kriminalroman und jüdischer Gesellschaftsutopie nicht so recht gelingen wollte. Die Konzentration darauf einen Roman im klassischen Stil eines Raymond Chandlers zu halten – versoffener und heruntergekommener Kommissar mit Eheproblemen findet im Hotel eine Leiche; etliche, für den Leser nicht immer leicht nachvollziehbaren Wirrungen, Schießereien, weitere Ehekräche später entlarvt er am Ende den Mörder – verbaut immer öfter die Möglichkeiten die Struktur des alternativhistorischen Unterbaus mit mehr Leben zu füllen. Außerdem widersprechen sich die Stile zu sehr. Ein Kriminalroman dieses Art verlangt eine puristische und schnörkellose Sprache, doch Chabon konstruiert teilweise Satzkaskaden und Wortungetüme, die das Lesevergnügen arg strapazieren und insgesamt keine harmonische Lösung darstellen. Fazit: Auch wenn die Kritik ein wenig hart ausgefallen sein mag, möchte ich dennoch nicht grundsätzlich vom Lesen dieses Buches abraten, denn es stellt nichtsdestotrotz eine interessante und intelligente Idee dar. Keine Frage, Chabon hat eindeutig was drauf. Vielleicht wollte er mit diesem Buch nur einfach zuviel.  Andere Bücher des Autors könnten sich möglicherweise noch als exquisite Lektüreschätze herausstellen. Eins liegt jedenfalls bei mir geduldig im Bücherschrank und wartet auf seine Chance. 

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