Frisch gelesene Bücher: Die Differenzmaschine

Lange, sehr lange zog sich die Lektüre dieses Buches hin. Dabei quälte ich mich
nicht, sondern, so merkwürdig das klingt, ich brauchte diese Zeit einfach. Denn
der Stoff ist so großartig wie ausladend. Wenn ich als Liebhaber von
Alternativgeschichten gleichermaßen auch ein großer Freund der Eisenbahn bin,
sollte meine Nähe zur Stilrichtung des Steampunks offensichtlich sein. So lag
dieses Buch schon seit Ewigkeiten auf meiner Wunschliste und daher nicht mal so
nebenbei gelesen.

Um sich in dem hier zusammengeschraubten Universum heimisch zu fühlen, sah
ich mich verpflichtet, einiges über angeschnittenen Biographien und Erfindungen
nebenher querzulesen. Zwar kommt einem die Welt reichlich bekannt vor – wir
befinden uns im England des 19. Jahrhunderts, die Industrialisierung schmaucht
an allen Ecken – und doch ist alles irgendwie anders. Byron hat nicht nur
überlebt sondern hat als Premierminister Englands mit anderen Wissenschaftlern
eine “Diktatur der Vernunft” etabliert. Die Dampfkraft ist das beherrschende
Element dieser Welt und Amerika ist eine zersplitterte Ansammlung von Chaos.

Die Geschichte, die innerhalb dieser aufreizenden Kulisse erzählt wird,
gehört dabei vielleicht zu den schwächeren Faktoren, die dieses Buch ausmachen.
Es geht hier prinzipiell darum, dass der Mensch auch in diesem Umfeld derselbe
geblieben ist und mit seiner Neigung zu Gewalt und Gier diese konstruierte
Gesellschaft an den Rand des Abgrunds führt. Ein interessantes Buch, welches zu
der seltenen Gattung jener Bücher gehört, die schwer zu lesen aber dabei
dennoch lohnenswert sind.

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