Frisch gelesene Bücher: Expedition zu den Polen

Lang ist es her und auf fernen Seiten geschah es, dass ich mich letztmals mit den Ansichten Pan Steffeks beschäftigte. Viel Wisła ist seit dem die Weichsel hinuntergeflossen. Zahlreiche Reisen nach Polen und mannigfaltigste Erkenntnisse polnischer Natur durchgeisterten in den Folgejahren mein Gemüt. Expedition-zu-den-Polen   Die ebenso kompakten wie pointierten Beobachtungen, die in “Viva Polonia” steckten, waren bei meiner unvermeidlichen Polonisierung stets eine verlässliche Basis und treuer Ratgeber. Auch wenn ich in mancherlei Hinsicht anderer Meinung oder gegensätzliche Analysen anstellte, in überwiegenden Maße erkannte ich mich und meine Erlebnisse hier wieder. Deshalb stürzte ich mich verständlicherweise mit einem gerüttelt Maß an Vorfreude auf das neueste Werk von Pan Steffek. Die Kritik, welche man zu diesem Buch oft liest, dass es nur ein Aufguss des Vorgängers wäre, kann ich mich nur bedingt anschließen. Sicherlich erscheint “Viva Polonia” im direkten Vergleich um einiges explosiver und origineller. Dennoch spricht aus meiner Sicht einiges für dieses Buch. Schließlich spricht wenig gegen einen “Aufguss”, wenn das Konzentrat vorher stark genug war. Ich jedenfalls hatte größtenteils meinen Spaß und habe dank eben jener detaillierten Ausführung der Ursprungsbeobachtungen, die dieses Buch auszeichnet, einiges erfahren und hinzugelernt. Und überhaupt: Allein der Umstand, dass dieses Buch eine Zugreise als Motiv wählt, spricht für diese Lektüre. Sicherlich war ich anfangs ein wenig vergnatzt als schon auf den ersten Seiten mein Berlin-Kraków-“Express” (eine im übrigen seit kurzem eingestellte Direktverbindung…) als düster und wenig verlockend dargestellt wird, doch angesichts der deutlich erkennbaren Eisenbahnleidenschaft, die der Autor durch eine Vielzahl an interessanten Details an dieser langsam in Vergessenheit geratenen Fortbewegungsart durchblicken lässt, sei ihm auch dieses verziehen. Nichtsdestotrotz würde ich dennoch “Viva Polonia” als EInstiegsdroge empfehlen. Wer hieran jedoch nicht bloß Gefallen findet, sondern Blut geleckt hat, dem sei dieses Buch hier empfohlen. Und zwar keinesfalls als “Aufguss” sondern vielmehr als eine Art weitergestaffeltes Aufbauwerk.

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