Frisch gelesene Bücher: Nagetiere

Eigentlich kann nicht die Rede von “frisch” gelesenen Büchern sein, da ich in letzter Zeit einige Bücher las, ohne dies in gewohnter Weise an dieser Stelle kundzutun. Dennoch will ich es keineswegs unterlassen, eiligst ein paar Zeilen dem Gelesenen hinterherzuschieben. Das kleine Büchlein über Nagetiere gehört zweifelsohne nicht zu dem klassischen Segment meiner üblichen Lektüre. Es fand sich auf dem reich gedeckten Büchergabentisch meines Geburtstags und ward, mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht, sogleich herangezogen und verschlungen. Es handelt sich um eine Neuauflage eines der Werke, des leider völlig zu Unrecht vergessenen “Wissenschaflers von echtem Schrot und Korn” – Dr. Kurt Ehrenreich Floericke. Zu seiner Zeit war er ein Star, Bestsellerautor und allseits anerkannter Experte für sämtliche Fragen das Tierreich betreffend. Doch das Besondere war hierbei, dass Floericke nicht trocken und objektiv daherkam, sonder knallbunt verallgemeinerte ohne die Bodenhaftung zu verlieren. So werden im Fall der Nagetiere klare Fronten aufgebaut, der parteiischen Momentaufnahme Tür und Tor geöffnet. Hasen sind hinterlistig, Hamster hasserfüllt und die Feldmaus, wen wundert’s, ist natürlich der “Proletarier unter den Nagern”. So ist das gesamte Bändlein eine reizende Stammtischrunde mit einem für Stammtische eher ungewöhnlichen Thema. Dabei erfahren wir, dass das Eichhörnchen in diesem Kreise wohl zu den bezauberndsten Wesen gehört. Wenn man ihn hier nur kurz zitieren darf, so blinzelt durch die Zeilen nichts Geringeres als lupenreine Zuneigung:

"Es sind schöne Tiere, deren große, hervorstehende Augen etwas Sprechendes haben, deren aufmerksame Ohren mit hübschen Pinselbüschen versehen sind und die in ihrem ganzen Ausdruck viel Unternehmungslust zur Schau tragen. Ausgezeichnet ist ihre Reinlichkeitsliebe."

Ein Lesevergnügen für alle, die abseits des Großstadtrauschens nur geringfügig Interesse an dieser sonderbaren Welt da draußen haben. Schade einzig, dass bislang lediglich 120 Seiten vorliegen. Dabei enthält das Kompendium kein Wort über Biber und Chinchilla. Auch der berüchtigte Nacktmull kommt nicht vor. Zum Ende verweist Floericke auf seine weiterführenden Werke, die derzeit jedoch nicht in Neuauflage vorliegen. Ein Missstand, der demnächst hoffentlich behoben wird.  

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