Frisch gelesene Bücher: Die Saat

In Zeiten kollektiver Weltuntergangssehnsüchte durften natürlich auch die Vampire ein popkulturelles Comeback feiern. Dieses ist nun langsam an sein natürliches Ende gelangt, nicht bevor auf seinem Weg das Phänomen so relativ sämtlichen Wandlungen der modernen Zeit unterworfen wurde. Jegliche Konventionen des stokerschen Urtyps untergrub man im Laufe dieses Prozesses. So deformierte das erbarmungslose Geschöpf der Nacht peu a peu zu einem nach Liebe suchenden Softie und staatstreuen Blutbankkunden. Schön daher, dass mit dem Wälzer aus dem Hause Guillermo del Toro, jene grundbösen Geiseln der Menschheit und Angst einflößenden Blutsaugern wieder ein Chance gegeben wird, sich in unserer Fantasie einzunisten.

Dabei handelt es sich bei diesem Buch dann sogar noch um weit mehr als eine bloße Wiederbelebung der Untoten im klassischen Sinne. Del Toro gelingt es soliden, kompromisslosen Horror mit detailreicher Gesellschaftsanalyse und durchdachtem Endzeitszenario zu koppeln. Die Charaktere wie Handlungsstränge sind überzeugend und innovativ, ja, es gelingt bisweilen sogar den, in diesem Genre sich zu Hause fühlenden Leser zu überraschen. Eine echte Bereicherung also für jeden, der sich bei einem der drei vorab genannten Themenblöcke angesprochen fühlt. Außerdem sei hier noch erwähnt, dass es sich hier um einen der seltenen Fälle handelt, bei dem auch die serielle Verarbeitung qualitativ gleichwertig erscheint. Auch wenn die Serie einige andere Wege einschlägt, erscheinen diese, bei näherer Betrachtung durchaus adäquat und verfehlen zumindest nicht das Ziel vorzüglicher Unterhaltung.

 

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