RB 19: Senftenberg

Senftenberg – welch ein würdevoller Start für eine derart ambitionierte Reise. Selbstverständlich wollte der Infrastruktur-Absteiger der Herzen die Abreise mit den üblichen Kniffen verzögern. Nix ging mehr auf der S-Bahn-Magistrale und so trufen später als angekündigt am Hauptbahnhof ein. Erste enervierende Regelauslegungen folgten: Sollte man den Zug nehmen, den man eigentlich genommen hätte wenn man pünktlich gewesen wäre, bzw. dessen Nachfolgerzug oder einfach die Zeit als gegeben hinnehmen und den Zug nehmen, der sich daraus ergeben würde. Die letzte Variante gewann.

Stadtzentrum verträumt mit Jugend und umsäumt von allgegenwärtigen Tafelbauten.

Die guten zwei Stunden Fahrt im geschätzten Talent 2 “Hamsterbacke” führten über die Südtangente heraus aus Berlin um sodann Kurs auf den Spreewald zu nehmen. Ab Lübbenau führt die Route auf eingleisiger Strecke hinunter nach Senftenberg. Somit für den Vielfahrer gen Dresden oder Polen eine interessante Ergänzung des Bahnstreckenwissens.

Senftenberg. Es mag erstaunlich anmuten, dass ich noch niemals hier war. Schließlich ist der Senftenberger See für den Dresdner so etwas wie die Mecklenburger Seenplatte für den Berliner. Oft ergingen Einladungen und Möglichkeiten in meiner Dresdner Zeit an mich, hier einen sonnigen Tag zu verbringen. Docgh irgendwie hat es nie hingehauen mit Senftenberg und mir. Bis jetzt.

Zunächst informierte ich mich bei Tante Wikipedia eingehend über mein Reiseziel. Ausführlichkeit und Informationsgehalt des Artikel ließen nichts zu wünschen übrig. Wir erfahren, dass hier bereits im Zeitraum zwischen 1896-1913 die Straßen gepflastert wurden und man sich erst am 21. 1.2002 auf ein Wappen für die Stadt einigen konnte. Das Resultat weiß dagegen auch zu überzeugen. Die Namensentwicklung ist dagegen eine ganz eigene. Ist der deutsche Name abstammend von “sanft am Berg” steht der sorbische Name “Zly Komorow” eindeutig für “Mieses Mückennest”. Ein weiterer Beweis für die Umsicht der Indigenen. Berge?! Mal im Ernst?!

 

Tagebau mit Perspektive. Der Senftenberger See.

Die ungeschlagene Attraktion Senftenbergs ist mit Sicherheit der angegliederte See- Dieser ist mit 1300 ha einer der größten künstlich angelegten Seen Deutschlands. Nachvollziehbar warum es die Sachsen hierher zieht. Andererseits war ich, als ich hier so entlangflanierte irgendwie unetschlossen, wohin ich Senftenberg hin sortieren sollte. Die Größe Brandeburgs wurde mir einmal mehr klar. War ich doch noch vor einer Woche in Angermünde und nun stand ich hier und spürte zart aber beharrlich den Odem Sachsens herüberwehen.

Eine Stadt mit Tradition und dennoch ohne Ziel – gelebte Lässigkeit in der Lausitz.

Die klare Provinzialität preußischer Güte, gepaart mit sächsischen Einflüssen, eingebettet in die Ziellosigkeit des sumpfigen Spreewalds – ein bizarrer Mix der mich mehr beeindruckt hat als ich erwartet habe. Das macht eindeutig Lust auf mehr.

Apropos mehr: In zähen Verhandlungen kamen wir zum weiteren Vorgehen dann doch zu einem einmütigen Beschluss. Keine Uhrzeigermethoden sondern schlichtes Abzählen bringt uns zum nächsten Zug. Dies war RB19. Wir zählen zunächst runter und das führt uns zu RB 14. Und dieser fährt nach Nauen.

Sonntag, 19.04. 11:57, Berlin Hauptbahnhof, Gleis 14

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