Schlagwort-Archive: Buecher

Das literarische Duo: Fahrenheit 451

Die Tage werden kürzer, die Blätter fallen sacht zu Boden, die Gedanken schwanken zwischen klarer Erkenntnis und düsterer Umwölkung. Beste Ausgangslage für einen weiteren Bücherclub. Erneut traf ich auf Feuser um mit ihm über einen Klassiker des dystopischen Genres zu plaudern – Fahrenheit 451.

 

 

 

 

 

Shownotes:

Mein Zuhause bei goodreads

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Das literarische Duo: Der brave Soldat Schwejk

Wer hätte das vermutet? Eine vernichtende Kritik ereilt den wackeren Schwejk. Jedenfalls in seiner literarischen Urform als Roman. Selbst die tiefste Zuneigung zu meiner gefühlten Heimat Böhmen kann dies nicht abändern. Wieso? Weshalb? Wie haben es ausgesprochen, aber hört selbst!

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Frisch gelesene Bücher: Basken, Hunde, Sensationen

Ein kunterbunter Sachbuchmix sei hier kurz auf die Schnelle präsentiert. Halt alles was mir so in den letzten Monaten in die Quere kam. Ach, und hier findet man mich übrigens bei goodreads.

 

 

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Frisch gelesene Bücher: Die lange Erde

Nach knapp 1800 Seiten und fast so vielen Universen bin ich wieder aufgetaucht aus der “Langen Erde” und berichte kurz, knapp und begeistert von diesem Ausflug.

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Frisch gelesene Bücher: Geschröpft und zur Ader gelassen

Aus gegebenen Anlass ein wenig Lektüre um dem Prügelkanben auf dem Pausenhof der Moderne ein wenig unter die Arme zu greifen. Die Rede ist vom Schmuddelkind Schulmedizin. Als Rüstzeug für zukünftige Diskussionen habe ich mir folgendes Buch zu Gemüte geführt. “Geschröpft und zur Ader gelassen. Eine kurze Kulturgeschichte der Medizin” von Roy Porter.

Alles weitere hier in bequemer Tonspur zum Genusse dargereicht.

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Frisch gelesene Bücher: 1913. Der Sommer des Jahrhunderts

Und der nächste Schlag. Mit “1913” also endlich mal wieder ein echtes Schwergewicht in der Besprechung. Was der Bestseller unter der Haube hat, erfahrt ihr in der nachfolgenden kleinen Vertonung.

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Frisch gelesene Bücher: Unterleuten

Die Buchbesprechung nun auch in ihrer ursprünglichsten Form: gesprochen! Ich nehme das außergewöhnliche Erlebnis, welches der Ritt durch Juli Zehs Roman für mich darstellte, als Anlass um dies mit einer Tonaufnahme gebührend zu würdigen.

Und wie versprochen hier noch der Podcasttipp, welcher mir mit Leichtigkeit das Grausen vor aktuellen Gegenwartsromanciers nahm und daher unweigerlich dafür verantwortlich zu machen ist, dass ich fortan behaupten werde DEN deutschen Gegenwartsroman zu kennen.

Und im Anschluss meine werte Meinung

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Frisch gelesene Bücher: Helix

Die Bücher des Herrn Elsberg, welcher in trauter Regelmäßigkeit der Reihe nach die tönernen Säulen auf denen unsere Gesellschaft ruht, abklopft und szenarisch überprüft, wie es ohne sie aussähe, sind mir stets willkommener Lesestoff. So konnten bislang die Ideen des Autors zu eine Welt ohne Strom (“Blackout”) sowie einer Welt mit stark pervertierten Internet (“Zero”) nachvollzogen werden. Mit “Helix” widmet er sich nun einem weiteren überaus relevanten Thema und zwar der Gentechnik.

Ob es nun daran lag, dass ich von der Materie am wenigsten Ahnung habe oder war es in der Tat anfangs ein wenig langatmig und knöchern aufgezogen. So richtig mochte mich das neueste Werk nicht fesseln. Doch mit zunehmender Lesestrecke begann ich zu verstehen, dass es dieses Mal eben weniger ein spannungsgeladener Thriller war, sondern ein schlichter Roman über ein Problem, dass uns alle angeht und uns alle betreffen wird. Hier versucht Elsberg das Kunststück ein aufgeladenes Thema der Gegenwart von allen Seiten zu beäugen und abzuwägen. Schlussendlich gelingt es ihm meines Erachtens ganz annehmbar herauszuarbeiten, inwieweit hier Fluch oder Segen am wirken sind. Insbesondere das Ende wirkt gelungen, atmet dieses doch den Geist unserer versachzwangten Spezies – trocken und realistisch lauten die letzten Sätze:

Rüsten wir die US-Bevölkerung genetisch auf! Der Wettlauf hat begonnen! 

 

Frisch gelesene Bücher: Die Saat

In Zeiten kollektiver Weltuntergangssehnsüchte durften natürlich auch die Vampire ein popkulturelles Comeback feiern. Dieses ist nun langsam an sein natürliches Ende gelangt, nicht bevor auf seinem Weg das Phänomen so relativ sämtlichen Wandlungen der modernen Zeit unterworfen wurde. Jegliche Konventionen des stokerschen Urtyps untergrub man im Laufe dieses Prozesses. So deformierte das erbarmungslose Geschöpf der Nacht peu a peu zu einem nach Liebe suchenden Softie und staatstreuen Blutbankkunden. Schön daher, dass mit dem Wälzer aus dem Hause Guillermo del Toro, jene grundbösen Geiseln der Menschheit und Angst einflößenden Blutsaugern wieder ein Chance gegeben wird, sich in unserer Fantasie einzunisten.

Dabei handelt es sich bei diesem Buch dann sogar noch um weit mehr als eine bloße Wiederbelebung der Untoten im klassischen Sinne. Del Toro gelingt es soliden, kompromisslosen Horror mit detailreicher Gesellschaftsanalyse und durchdachtem Endzeitszenario zu koppeln. Die Charaktere wie Handlungsstränge sind überzeugend und innovativ, ja, es gelingt bisweilen sogar den, in diesem Genre sich zu Hause fühlenden Leser zu überraschen. Eine echte Bereicherung also für jeden, der sich bei einem der drei vorab genannten Themenblöcke angesprochen fühlt. Außerdem sei hier noch erwähnt, dass es sich hier um einen der seltenen Fälle handelt, bei dem auch die serielle Verarbeitung qualitativ gleichwertig erscheint. Auch wenn die Serie einige andere Wege einschlägt, erscheinen diese, bei näherer Betrachtung durchaus adäquat und verfehlen zumindest nicht das Ziel vorzüglicher Unterhaltung.

 

Frisch gelesene Bücher: Italienlektüre

Wenn man Reisen eher nicht als touristische Abhaktour, sondern vielmehr als neugierige Expedition auf der ewigen Suche nach dem Anderen (und nicht dem Fremden!) sieht, dann versucht man selbstredend mit allen Mitteln in die jeweilige neue Heimat einzutauchen. Neben kulinarischen, sprachlichen und modischen Experimenten greife ich stets auch zu literarischen Stimulanzien um mich ganz der Illusion hinzugeben, ich könne auf diese Weise meine veränderte Umwelt besser fassen, als könne ich so tiefer einreisen.

Luciana Castellina: Die Entdeckung der Welt

Den Anfang machte ich stilsicher nach Ankunft im roten Bologna mit den Tagebuchnotizen einer hierzulande wohl eher unbekannten Dame. In Italien dürfte ihr Name dagegen doch eine gewisse Bekanntheit haben, zählt sie doch zu den großen Figuren der italienischen Nachkriegspolitik. Im spezielleren Sinne ist sie gleichermaßen auch Zeitzeugin wie Protagonistin jener euphorischen Aufbruchsstimmung die der Kommunismus in Italien erleben durfte.

So beschreiben die Tagebuchnotizen leider nur die prägenden Jahre von 1943 bis 1947, jene prägenden Jahre, die aus einem präpubertären, faschistischen Mädchen jene überzeugte Kommunistin machen sollten, die sie in Großen und Ganzen bis heute geblieben ist. Ihr Ansinnen ist es, dann auch, der Generation ihrer Enkel und Urenkel zu vermitteln, wie ein solcher Wandel vonstatten ging.

Für mich ein über weite Strecken bewegendes und außerordentlich informatives Buch. Die Energie jener Generation, die einem schrecklichen Krieg entkamen und eben diese Gräuel um jeden Preis erneut verhindern wollten. Dass angesichts des Versagens der bestehenden Ordnung für Jugendliche die Idee einer neuen Gesellschaftsordnung wie jener des Kommunismus überaus anziehend erschien, kann ich mehr als nachvollziehen, obwohl dieses Verständnis dank aktueller historischer Deutungshoheiten und einhergehender zynischer Diskreditierung erheblich erschwert wird. Somit haben wir hier einen weiteres lesenswertes Zeitdokument vorliegen, welches in ruhigen Ton die Aufzeichnungen von sich selbst zerlegt, analysiert und so dem aufgeschlossenen Leser vermittelt, weshalb der Kommunismus so wirkmächtig und realistisch erschien.

Spannend waren für mich aber auch hier diverse interessante Details aus diesem Abschnitt der italienischen Geschichte zu erfahren. So war mir bspw. das Chaos nach der Verhaftung Mussolinis nicht bewusst. Die Irritation im Tagebuch ist nachfühlbar und so recht verstehe ich das Gemengelage von unterschiedlichen Wiederständlern und Unterstützern des Systems auch jetzt noch nicht so recht. Aber dies mag ich wahrscheinlich sogar mit dem einen oder anderen Zeitgenossen gemein haben. Ein anderer spannender Aspekt ist neben der Triest-Frage, die der gesamten Positionierung zu Jugoslawien. Italiener kehren in das Land zurück, welche Landsleute zuvor in einem hässlichen Krieg enorm zugesetzt hatten, um beim Wiederaufbau zu helfen. In der Beschreibung dieses, heute so fern erscheinenden Akts der Solidarität, steckt so viel Herzblut und Hoffnung, dass eine gerechtere Welt nicht nur machbar sondern sogar nah wäre, die allen die Lektüre dieses kleinen Büchleins rechtfertigt.

Carlo Levi: Christus kam nur bis Eboli

Angekommen im Mezzogiorno legte ich also diese Aufzeichnungen beiseite und griff zu einem “Klassiker des italienischen Neorealismus”. Zwar nicht in Apulien handelnd sondern in der Basilicata (aber das ist ja quasi nebenan) gilt dieses Buch als einer der einfühlsamsten wie realistischsten Beschreibungen des italienischen Südens am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Der Roman entstammt den Erinnerungen eines, unter Mussolini hierher verbannten Antifaschisten und sind in der Tat nicht nur lesenswert sondern auch lesbar (allzu viele als Klassiker titulierten Bücher kranken ja in meinen Augen an ihrer eingeschränkten Lesbarkeit). Es handelt sich um ein äußerst detailreiches und tabuloses Einfangen jener abgehängten Welt in den weltfernen Bergen Süditaliens. Auch wenn der Stiefel bis heute nicht zu den prosperierenden Vorzeigeregionen Europas gehört, so ist doch vieles des hier Beschriebenen schwer vorstellbar, liegt es doch gerade mal 80 Jahre zurück. Es ist eine unbarmherzige Welt, die hier beschrieben wird, beherrscht von Armut und Aberglaube wie der faulen Dreistigkeit der herrschenden Eliten.  Doch neben der erschütternden Millieustudie, die dieses Buch unzweifelhaft darstellt, hat es streckenweise auch politische Aussagekraft, die mich nochmals überraschten. Die Gedanken des Autors über den Süden, das Problem der Bauern und die Möglichkeiten die eine Gesellschaft gegeben sind um derlei unauflösbar scheinende Probleme zu bewältigen, haben über die Jahrzehnte nichts an Aktualität verloren und verdienten mit Recht etwas mehr Aufmerksamkeit. Mich haben sie zumindest sehr inspiriert und mir den einen oder anderen neuen Gedanken eingepflanzt.

Wu Ming: Altai

Und nachdem ich also mit diesem doch eher runterziehenden Büchlein die Feiertage verbracht hatte, war es dann recht bald soweit: Nach der alten Devise “Das Beste zum Schluss” erblätterte ich endlich die Seiten des neuen Wu Mings. Jedes Jahr, so das stolze Vorhaben des hierfür allzeit verehrten Verlags “Assoziation A”, soll nun ein weiteres Buch des Schriftstellerkollektivs “Wu Ming” in deutscher Sprache erscheinen. Deren Bücher, welche hier bereits erwähnt wurden, sind schlichtweg über jeden Zweifel erhaben.

Daher nun auch weniger Lobhudelei sondern auf zur kurzen Inhaltsbeschreibung. Genaugenommen nahm ich “Altai” mit einem leicht flauen Gefühl in die Hände, da ich wusste, dass es sich hier um die Fortsetzung von “Q” handelte. Dies war das erste Buch der Kollektivs und in meinen Augen nichts Geringeres als eines der besten Bücher, welches ich je gelesen habe. Nur leider lag dieses Erlebnis knappe 13 Jahre zurück und meine Erinnerungen waren dann doch ein wenig verblichen. Doch meine Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Sicher, das Wissen um die Vorgeschichte des “alten Mannes”, welcher der Protagonist von “Q” ist, schaden dem Lesevernügen nicht, aber auch ohne dieses Wissen hat man an diesem Buch seine Freude. Es ist neuerlich ein gelungener Wurf, die Geschichte eines jungen Mannes der in den Strudel der Auseinandersetzungen zwischen Osmanischen Reich und Christenheit im 16. Jahrhundert gerät. Dabei unterscheidet es sich so wohltuend von dem Meer an Büchern, die sich in diesem Genre austoben, durch diskrete Fachkenntnis, Humor und Originalität. Allein der, den üblichen Spannungsbögen und geläufigen Erwartungshaltungen entgegengesetzte Handlungsverlauf ist die Lektüre wert und wieder einmal begreife ich zu schätzen, was die Autoren meinen, wenn sie behaupten, dass in ihren Büchern “die Geschichte gegen den Strich gebürstet wird und hier gegen das Kontinuum der Herrschaft Räume der Utopie geöffnet werden.” Mit der nachklingenden Wirkung dieses Buchs saß es sich gleich um ein Vielfaches beschwingter im Zug nach Norden. Solang solche Bücher das Licht der Welt erblicken, kann es keine wirklich dunklen Winter geben.