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Frisch gelesene Bücher: Vier Panzersoldaten und ein Hund

Lange stellte ich diesem Buch auf ebay nach und als es mir nun endlich gelang, musste es auch umgehend verschlungen werden. Bekanntheit hat die Geschichte von Janek, Gustlik, Grześ und Semjon,  Szarik (Hund) und Rudy (Panzer) wohl hauptsächlich durch die gleichnamige Serie erlangt. Das Buch, obwohl ganz normal in der DDR verlegt, gehörte zweifelsohne nicht zum Standardrepertoire des normalen Jugendzimmerbuchregals.

panzerfahrer

Aber die Serie hatte es in sich. Auch wenn sie deutlich vor meiner aktiven Fernsehzeit über die Bildschirme flimmerte – Wikipedia wird angesichts des genauen Datums der Erstausstrahlung ein wenig fahrig, entweder 1972 oder 1968 soll es gewesen sein. Wie dem auch sei – den zahlreichen, folgenden Wiederholungen konnte ich nicht entgehen.  Und sie trafen einen Nerv. Wie diese bunte Truppe aus Russen, Grusiniern und Polen da leger und immer einen kecken Spruch auf den Lippen fröhlich zwischen Bug und Oder aufräumte, das gefiel mir, das war anders als die übliche staatstragische Form der Befreiung vom Nazigeschmeiß wie sie für uns sonst medial aufbereitet wurde.  Natürlich war hier viel Phantasie und reichlich Logikverdrängung gefragt, aber he, das zeichnet wohl die meisten erfolgreichen Jugendserien aus, ob sie nun mit Cowboys, Geheimagenten oder Schildkröten operieren.

Was mich nun aber nach all der Zeit wieder zu diesem Thema trieb und insbesondere zum Buch? Nun, vielleicht ein Stück weit die diffuse Sehnsucht nach jener “heilen Welt” die mir dort versprochen wurde. Eine Welt in der Polen gemeinsam mit Russen an eine Strang ziehen und dabei sogar noch Spaß zu haben scheinen. Schließlich war diese Serie in Polen kein Ladenhüter, ganz im Gegenteil. Neben diesen eher unrühmlichen Motiven hatte ich natürlich auch Lust auf das Buch, welches in den meisten Fällen detaillierter oder gar besser als die Verfilmung ist.

Nun, in diesem Fall würde ich das Buch zu den seltenen Fällen rechnen, wo dem nicht so ist. Hölzern, knöchern schleppen wir uns durch die Handlung, den augenzwinkernden Humor der Fernsehserie kann man in den unbeholfenen Dialogen allenfalls vermuten. So blieb mir Zeit mich zwischen den Zeilen an anderen Auffälligkeiten abzuarbeiten. Beispielsweise die Übersetzung: Es scheint nicht der Rede wert, dass die Ortschaften, die hier vorkommen ausnahmslos auf polnisch zitiert werden, doch das man hierbei selbst Warszawa statt dem überaus üblichen Warschau verwendet, erscheint schon ein wenig vorauseilend gefallsüchtig. Dabei unterläuft dem Übersetzer dann aber wieder solch peinliche Fehler wie Kistrzyn statt Kostrzyn. Außerdem bin ich mir nicht klar wieviel Polnischkenntnisse der Übersetzer voraussetzte, aber wenn Sätze ohne Erklärung mit “Cholera” beginnen, löste dies mit Sicherheit bei dem einen oder anderen gewisse Irritationen aus.


Anmerkung zur Titelmelodie: Die gelungene poetische Übersetzung der DDR-Synchronisation im Vergleich zur eigentlichen Titelmelodie. Netterweise als englische Untertitel zur Verfügung gestellt.

Und zuletzt noch einiges zu dem Hund. Ich gestehe, er war für mich wohl der wahre Hauptgrund, diese Serie zu lieben. Zweierlei Dinge habe ich nach der Lektüre hier noch hinzuzufügen. Zum einen erschrak ich beim Lesen tatsächlich darüber wie ich beim Genuss der Filme nie einen Gedanken daran verschwendet habe, was für ein Horror die ganze Angelegenheit für einen Hund gewesen sein muss. Krach, Gestank, Durst, Enge – das wirkte verfilmt immer irgendwie viel fluffiger. Wenigstens diesen Respekt muss man in dieser Hinsicht dem Buch erweisen, hier wird diesbezüglich nichts beschönigt. Zum anderen entnehme ich den Buch die Erkenntnis, dass die Beschreibungen von Szarik nicht wirklich einem Altdeutschen Schäferhund wie in der Serie gezeigt, entsprechen, eher wohl irgendetwas zottiges Wolfshundiges, halt ein sibirischer Tigerjäger.

Fazit: Es klang schon an, aber ich betone das gern noch mal – dieses Buch muss man nicht lesen. Selbst jenen, die die Serie gemocht haben, empfehle ich lieber noch einmal die Serie zu schauen. Diese ist in der Tat ein originäres Zeitdokument, das Buch erscheint dagegen blass und harmlos. Ist ja auch mal schön diesen Fall zu erleben. Viele weitere Beispiele für dieses Phänomen kenne ich nicht.