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Mission: Bezirke bezirzen – drittes Kapitel: Karl-Chemnitz-Stadt

Unerschütterlich und voller Forscherdrang durchwühlten wir nun weiter die antiken Zentren jenes untergegangenen Kleinreichs namens DDR. Dieses Mal im Auge der Peripherie – Chemnitz formely known as Karl-Marx-Stadt. Der erste und unspektakulärste Teil in der herrlichen sächsischen Dreifaltigkeit welche aus Produktion, Verkauf und Verprassen bestand (besteht?). Dreimal dürft ihr raten welche Aufgabe hierbei Chemnitz zugedacht war. Wohl ein Grund warum dem gemeinen Residenz- oder Messestadtsachsen herzlich wenig zu Chemnitz einfällt. Wir meinen: Schade, uns hat es gefallen und wir freuen uns dank dieses Erlebnisses tatsächlich auf noch mehr Sachsen.

Die bisherigen Stationen der Bezirkskursion. Thüringen abgehakt. Jedenfalls bis zur Kreiskursion.

Münzenberg – MZB019 – Die Jahresvorschau 2017

Die Lesezeichen zum ausführlichen Genuss

 

Etliche dieser legendenumwobenen Expeditionen im Geiste der Erkundung der Peripherie haben uns verzückt, überrascht oder gar begeistert, doch die Reise nach Suhl hat die Messlatte mal wieder ein gewaltiges Stück nach oben gelegt. Es stimmte einfach alles: Wetter, Stimmung, Kulinarik, Gesprächsstoff und Kulisse. Das kleine Suhl überzeugte uns alle im Handumdrehen und führte schon Stunden vor der unweigerlichen Abreise zu jeder Menge traurigen Seufzern.

Das rote Suhl?! Das ließ uns aufmerken, sind doch revolutionär bewegte Waffenschmiede für die soziale Revolution um einiges wertvoller als die üblichen Buchdrucker.


Und auch wenn alles schief gelaufen wäre – angesichts dieses Schauspiels hätte kaum einer gezaudert, diesen Ausflug als gelungen zu bewerten.

Wenn ich mir eine Unterkunft hätte schnitzen können, viel besser hätte sie nicht sein können. Ein Bett zum Entgleisen!

 

Das offizielle Endergebnis in dreifacher Ausfertigung.
Und zum Abschluss noch etwas massive Gotik in Erfurt. Eindrucksvoll und majestätisch genossen wir alles außer jenem Fantasiewesen namens “Thüringer Rostbratwurst”.

 

 

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Ratgeber: Apulien – ein paar Absätze zum Absatz

Keine Frage – der Stöckel des Stiefels gehört nicht unbedingt zu den populärsten Gegenden Italiens. Selbst der rührigste Promoter der Italienwiederentdeckung, Goethe, wie sämtliche der ihm nachfolgenden Romantiker ließen auf ihrem Weg gen Süden die Halbinsel im Osten stets links liegen. Zu schade für unsere altvorderen Kulturschaffenden möchte man meinen, denn die beeindruckenden Reste des Großhellenischen Reichs in Italiens äußerstem Südosten sind definitiv eine Reise wert. Dies soll nun hier in einem weiteren Kompendium aus der Themenreihe “Schöneres Reisen für eine bessere Welt” näher erläutert werden.

Apulien – Zu Gast bei den Steinfressern

Andere Wissensquellen: Seit ungefähr 20 Jahren scheint die kriminelle Ausstrahlung dieses Landstrichs spürbar zurückzugehen und demzufolge wird Apulien auch zunehmend von Touristen entdeckt. Dementsprechend steigt die Publikationsanzahl von reisebegleitenden Materialien. Eine Empfehlung meinerseits kann leider nicht ausgesprochen werden. Ich setzte gänzlich auf den “Baedeker, Italien Süden” (aus mir unverständlichen Gründen aus dem Verlagsprogramm genommen, letzte Auflage 2011 ) den ich dann natürlich entspannt zu Hause liegen ließ.

An- und Einreise: Zum Thema Einreise bleibt nicht viel zu sagen so man die Gnade eines EU-Passes erfahren hat. Doch auch ohne dies steht eine visafreie Einreise immerhin 66 Nationalitäten nichts im Wege. Auch die Anreise gehört wenn nicht zu den leichteren Übungen so zu vielleicht so gar zum vergnüglichsten Teil der ganzen Angelegenheit. Aus ideologischer Veranlagung wie aus reinem Pragmatismus heraus konzentriere ich mich dieses Mal allein auf den Schienenweg. Wer sich für Auto oder Flugzeug entscheidet, mag sich selber informieren und langweilen.

Eisenbahn: Die erklärte Festlegung auf dieses Verkehrsmittel kommt nicht von ungefähr. In Italien konnte die Eisenbahn noch viele ihrer konkurrenzlosen Vorteile in die Gegenwart hinein retten. Sie kommt in rascher Frequenz, erreicht die meisten wichtigen Punkte, ist preisgünstig (wobei das Tarifsystem leicht verständlich ist) und die Züge sind in gutem bis vorzüglichen Zustand. Diese einfache Basis wird dann auch offensichtlich von der Bevölkerung goutiert. Die Waggons sind stets gut gefüllt ohne überfüllt zu sein und die Stimmung an Bord machte stets Lust auf mehr.

Nur wenige Minuten Verspätung und schon werden Care-Pakete gereicht. Kleine Geste – gigantische Wirkung!

Als eine von zahlreichen Traumstrecken sei dem verwöhnten Zugreisenden die Adriamagistrale von Bologna nach Lecce anempfohlen. Sie rekelt sich lasziv und mit majestätischer Einzigartigkeit an der Meeresküste entlang. Nach Bologna kommt man, so man vorausschauend bucht, für kleines Geld von München rüber (5x pro Tag). Und nach München kommt der Berliner ja nun wirklich mühelos und in Bälde fast wie im Flug. Die knapp 1000 km hinunter nach Apulien gehören zu den schönsten Eisenbahnstrecken, die ich je das Vergnügen hatte, fahren zu dürfen. Ab Ancona schlängeln sich die Gleise liebevoll an dem verlockenden Strand der blauen Adria entlang, dabei windet sich der Zug mit genussvoller Leidenschaft anschmiegsam durch die immer südlicher wirkenden Häuserfluchten, bis er, ab Bari, dem letzten Teil dieser Fahrt scheinbar ununterbrochen durch Olivenhaine und Rebstöcke braust. Und das ganze Vergnügen wird schlussendlich damit gekrönt, dass man, so man bis zur Endstation reist, in Lecce aussteigen darf.

Sprache: Was soll man schon viel zu Italienisch sagen? Welche Sprache versprüht mehr Charme und Eleganz? Die Sprache der Renaissance, der schönen Künste, bündelt Zärtlichkeit und rohe Kraft gleichermaßen. Schon wenige banale Sätze im Alltagskontext können mit ihrer ungebremsten Kraft wollüstiger Vokale, ihren tanzenden Silben und ihrer ganzen Körperlichkeit den unvorbereiteten Barbaren mühelos niederstrecken.

So man die Ansprüche nur ein wenig senkt, kann man dank der Einfachheit des Italienischen schon beachtliche Anfangserfolge verbuchen. So noch irgendeine andere romanische Sprache im passiven Gedächtniskeller verstaubt, kann diese problemlos angewandt werden. Meine Dialogpraxis – Spanisch sprechen zu probieren und Italienisch versuchen zu verstehen – war jedenfalls fast immer ein voller Erfolg. Auch Englisch ist selbstverständlich immer eine Möglichkeit, doch muss berichtet werden, dass die Kenntnisse in dieser allseits beliebten Weltsprache mit steigenden Breitengraden zusehends sanken.

Herumreisen: Machen wir uns nichts vor: Alles hat Vor- und Nachteile. Der öffentliche Nahverkehr im kleinen Rahmen gehört in Italien zweifellos dazu. Die Eisenbahn ist für Fern- und Mittelstrecken über jeden Zweifel erhaben, doch im lokalen versagt sie komplett. Die wenigsten Städte verfügen über eine annehmbare Infrastruktur zur Fortbewegung, weshalb viele aufs Auto umsteigen, was wiederum dazu führt, die Straßen heillos zu verstopfen, was wiederum die paar Busse, die sich durch die Straßen verirren zu hilflosen Beförderungsschaukeln degradiert. Kurz – ein Teufelskreis! Im Dorf-zu-Dorf-Verkehr sieht es selbstredend nicht besser aus. Mangels geringer und undurchsichtiger Angebote eines versprengt und im Untergrund agierenden öffentlichen Nahverkehrs, steigt man aufs Auto um und lässt die wenigen Verbindungen leer durch die Gegend trudeln. Ein Trauerspiel fürwahr. Empfehlung hier wäre sich reiseplanerisch an den Schienen des Landes zu orientieren und Ausflüge abseits derer entweder verteufelt gut zu planen oder einfach dem Zufall überlasssen. Es kommt meist aufs Gleiche raus.

Übernachten: Apulien lebt nicht nur von Oliven und Wein allein, auch der die Verköstigung, Bespaßung und Unterbringung von neugierigen Fremden gehört unzweifelhaft zu den apulischen Einnahmequellen. Speziell im Sommer müssen die, für den italienischen Süden eher untypischen, ausgedehnten Sandstrände und die funkelnde Adria enorme Anziehungskraft auf die klassische Badeurlaubsfraktion ausüben. Daher kann man in der Nebensaison aus einem reichhaltigen Angebot großartiger Unterbringungsmöglichkeiten schöpfen. Ob Hotel, Pension oder eigenes Appartement – das bleibt ganz dem Gusto des Reisenden überlassen. Das Preisniveau tut dabei ein übriges um die Wahl so angenehm wie möglich zu gestalten. Denn im Vergleich zu Norditalien bleiben hier die Kosten durchaus im erträglichen Rahmen.

Hunde: Wie schon bei früheren Besuchen bemerkt, ist die Hundefreundlichkeit in Italien außergewöhnlich. Zumindest aus der Perspektive eines Hundes kann an Italien wirklich wenig ausgesetzt werden. Ungelogen mindestens jeder zweite Passant nimmt von einem Hund in ausschließlich freundlicher Art Notiz. Es wird geschnalzt, gestreichelt und gelächelt, als ob der letzte Hund der Welt auf dem Bürgersteig flanieren würde. Wie selbstverständlich hat man mit dem Hund Einlass in Räumlichkeiten, die ihm sonst (prinzipiell zu Recht) verwehrt bleiben. Die elenden Scherereien die allzu oft bei der Fortbewegung mit Hund aufkommen, verpuffen in Italien wie ein absurder, böser Traum.

Willkommen im Hundeparadies. Sicher, Euphorie sieht anders aus, doch die hiesige Hundewillkomenskultur versucht alles um jeden Hund für sich zu gewinnen.

Was mir jedoch speziell im Vergleich zu früheren Besuchen auffiel, war die signifikant gestiegene Hundedichte. Entweder täuscht mich hier die Erinnerung oder das ist eine spezifische Apulität. Auf jeden Fall  hatten in den Städten mehr Leute einen Hund dabei als in Friedrichshain zu besten Zeiten. Und wenn ich schon Friedrichshain erwähne, keimte da ein Verdacht in mir. Die niedrige Geburtenrate Italiens ist allgemein bekannt. Was, wenn man sich speziell in Süditalien, wo die geburtshemmenden Faktoren um einiges dringlicher als in Norditalien sind, im Zweifel vermehrt gegen ein Kind und für einen Hund entschieden hat? Ich bin mir da unsicher, aber der Verdacht erscheint mir doch recht plausibel.

Kulinarik: Nun, vor diesem Absatz grauste es mir schon etwas, denn wie soll ich auch nur in annähernd erschöpfender Weise das hier erlebbare Märchenland beschreiben. Eine schier unlösbare Aufgabe. Fangen wir einfach mal mit einem soliden Paukenschlag des Lobhudelei-Orchesters an: die italienische Küche ist die Beste der mir bekannten Welt. Im italienischen Universum gibt es dabei weit mehr als die beiden Galaxien Pasta und Pizza. Vielfalt, Improvisationstalent und Perfektionismus unterstützt von einer fruchtbaren Gesamtsituation und einer langen, von zahlreichen Kulturbesuchen durchsetzten Geschichte sind die Grundlagen für die Entstehung dieser reizenden Verführerin. Das Wunderbarste ist dabei aber, dass jede Region, ja schon das nächste Dorf hinten am Horizont ureigene Spezialitäten und unbekannte Genüsse im Angebot hat. Das macht jede Italienreise zu einer unkalkulierbaren Entdeckungstour für die Geschmackssinne.

Frischer Fisch – elementarer Bestandteil der apulischen Küche!

Bevor ich loslege noch ein paar grundlegende Formalitäten: Die italienische Küche wird rituell organisiert durch eine luftige Aufteilung in Antipasti, Primi (Pasta oder Risotto), Secondi (Fleisch oder Fisch) und Dolce. Bisweilen wird dies noch durch Pizza und Salate ergänzt. Wie man sich das dann zusammenstellt bleibt jedem selbst überlassen.

So man selbst zaubern möchte und ich will das hier jedem mit aller Dringlichkeit empfehlen, seien zwei Dinge zu beachten. Zum einen, die uns vertraute Supermarktisierung ist Apulien bestenfalls in rudimentären Ansätzen zu beobachten. Deshalb läuft der Lebensmittelerwerb hier noch auf die traditionelle Weise, sprich: man muss jede Menge Läden aufsuchen um den Einkauf zu komplettieren. Das ist kein Ding und macht sogar Spaß. Merke: Die Segmentierung ist hierbei festen unveräußerlichen Regeln unterworfen, z. B. Wurst und Schinken gibt es nicht beim Fleischer und Fleisch gibt es beim Fleischer, aber auch wirklich nur dort. Zum anderen, behalte die Siesta im Auge (siehe: meine Gedanken zum Thema). Sie meinen es ernst und kennen keine Gnade. Von 13 bis 16 Uhr (manchmal auch etwas länger) ist alles zu und nur die Töpfe des weise Vorausschauenden werden gefüllt sein.

Was hat nun also Apulien zu bieten? Einleitend kann gesagt werden, dass die lange Küste dieses Landstrichs die Küche mit reichlich Fisch und Meeresfrüchten geprägt hat. Cozze arraganate, Orata alla pugliese – klangvolle Namen, duftende Erinnerungen und unbedingte Empfehlungen!

Die Pasta von Apulien ist zweifellos Orecchiette (italienisch: Öhrchen) und ob Öhrchen oder nicht, Pasta in einem beliebigen Lokal vor Ort genossen, ist in den allermeisten Fällen ein garantierter Hochgenuss und er macht auf einfache Art klar, warum die italienische Küche all diese Verehrungen und Verbeugungen meinerseits verdient. Nicht die Masse sondern die Klasse macht es. Einfache und überschaubare Rezepturen, diese aber mit Bedacht ausgewählt und aufeinander abgestimmt. Frische Tomaten (die nach Tomate schmecken!!!), Kräuter, etwas Käse und Orecciette – das Leben kann so schön sein! Im übrigen sollte man mindestens einmal Orecchiette con cima rapa probieren. Dabei lernt man eines der prominentesten Gemüse der Region kennen: Stängelkohl, äußerlich etwas an wilden Broccoli erinnernd, aber deutlich bitterer und schärfer schmeckend.

Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch die Apulische Calzone. Auf den ersten Blick mag sie ihrem neapolitanischen Cousin gleichen, doch das dem Teig reichlich beigemengte Olivenöl führen zu einer unerwarteten Geschmacksexplosion.

Käse: Weichkäse von Schaf, Ziege, Kuh und Büffel: Mazzarelle, Scamorze, Pròvole, Provolone, Caciocavallo, frischer und gelagerter Pecorini, Burrate, Manteche und Ricotte – Namen, die mich schon beim Hintippen wegschmelzen lassen. Eine besondere Leckerei, die ich so erstmals hier genießen durfte, ist eine Art geräucherter Ricotta, dessen Name sich jedoch leider weder in Erinnerungen wie Aufzeichnungen auffinden ließ.

Fleischfarbenes Glück, geronnen in Wurst und Schinken.

Wurst: Auch hier kennt jeder Tag mindestens eine Offenbarung. Das morgendliche Durchkosten an der Wursttheke um neue Köstlichkeiten fürs Frühstück zu ergattern, war ein verlässlicher Höhepunkt des Tages. Ein Klassiker ist die Salsiccia Piccante, luftgetrocknet und scharf – exquisit. In Sachen Schinken entdeckte ich Capocollo und begriff erst nach mehren Happen, dass es sich hier um eine Wurst mit Schinkenseele handelt. Ein Traum! Welch gottserbärmliche Armseeligkeit liegt dagegen in der Bedeutung des deutschen Worts Schinkenwurst. Capocollo – unbedingt probieren! Keinesfalls auslassen sollte man Tarantello, diese Wurst wird aus dem frischem Fleisch der Bauchseite des Thunfisches gemacht – ein unvergleichlicher Leckerbissen. Wer hätte es gedacht, die Italiener machen aus Fisch Wurst und es schmeckt auch noch!

Zwei Dinge prägen Apulien wie nichts anderes: Wein & Olivenöl. Ich beschrieb eingangs die endlosen Olivenhaine und Rebstöcke, welche man auf den 400 km Eisenbahnstrecke durch Apulien durchquert. Dementsprechend ergiebig ist der Abfluss edler Tropfen aus Apulien. Es ist die Region Italiens in der der meiste Wein produziert wird. Ganz Apulien, der “Weinkeller Italiens” erzeugt mehr Wein als Deutschland. 80% davon sind Rotweine und zwar weitaus mehr als die für Apulien bekannten Primitivo und Negroamaro. Ich kann bspw. Uva di Troia empfehlen. Und auch wenn die Region von Rotwein dominiert ist so gibt es dennoch ein paar ausgezeichnete Weißweine, die ich kennenlernen durfte. Da wäre der allseits bekannte Verdeca, aber auch eine autochtone Rebsorte namens Fiano Minutolo, die mich schwer begeisterte.

Noch bedeutender für Apulien als Wein sind zweifellos Oliven.  Schon seit dem 7. Jahrtausend vor Chr. isst man hier die knackigen Ölfrüchte. Die Leidenschaft hierfür scheint seitdem ungebrochen und so verwundert es nur geringfügig, dass 40% der italienischen Olivenölproduktion aus Apulien kommen. Ich behaupte, dass selbst die stursten Kostverächter hier schwach werden. Die Kunst, diese unscheinbare Steinfrucht zu ungeahnten geschmacklichen Höhen emporzutreiben ist nämlich, wen wundert’s, hierzulande auf schwindelerregendem Niveau angekommen.

Schöne Orte (selbst besehen):

Lecce – bescheiden in den letzten Winkel Italiens geklemmt gehört sie zu jenen Städten, die einen trotz aller Vorbereitung einfach nur wegblasen. Das “Florenz des Südens” ist eine wahre “Rokoko-Explosion” und dabei touristisch so gut wie unberührt. Dies erstaunt in nicht geringem Maße, denn die heimliche Hauptstadt von Salento ist die komplett erhaltene Offenbarung eines eigenen Barockstils, des nach der Stadt benannten Lecceser Barock. Mit dem in der Nähe abgebauten weichen Tuffstein wurde hier ein Gesamtkunstwerk errichtet, das nicht nur wunderschön, sondern in gewissen Teilen einfach nur noch als durchgeknallt zu bezeichnen ist. Die Masse an opulenten Fassaden, in sich verschlungenen Ornamenten, Fabelwesen und sonstigen Dekorationen sind in ihrer Wucht schwer zu fassen und ließen mich sinnieren, welche Art von Gesprächen wohl mit Architekten, die für so etwas verantwortlich zeichneten, möglich wären.

Gallipoli – auf der anderen Seite an der westlichen Küste pustelt sich eine winzige Altstadt in die Bucht. Die von Griechen gegründete Kolonie (griechisch: “Schöne Stadt”) ist heute eine bekannte Sehenswürdigkeit Süditaliens. Das übersichtliche centro storico ist kompeltt vom Meer umschlossen und nur mittels einer Brücke mit der auf dem Festland gelegenen Neustadt verbunden. Mag es daran gelegen haben, dass wir hier die Weihnachtstage verbracht haben, doch irgendeine ganz eigene Stimmung beherrscht diese Kleinstadt. War es die liebevoll arrangierte Nachstellung biblischer Szenerien oder die aufwändige Bastelei an riesigen Pappmachéfiguren, welche dann am zum Neuen Jahr unter großen Geschrei in die Luft gesprengt werden? Man wird hier irgendwie das Gefühl nicht los, dass hier ein paar besondere Menschen mehr als üblich leben und diese Stadt damit zu etwas Besonderem machen.

Monopoli – ein munteres kleines Städtchen an der Adria südlich von Bari. Ganz normales Süditalien gepaart mit dem gewissen Etwas, welche durch die verwinkelte Altstadt gewährleistet wird. Bis zum Schluss habe ich mich in diesem Labyrinth immer wieder verlaufen, was kein allzu großes Problem darstellte, da ich auf diese Weise aus der Stadt die überraschendsten Dinge herauskitzeln konnte. Allerliebste kleine Bars, entzückende Restaurants oder noch ein ganz neues bombastisch verschnörkeltes Gotteshaus, welches zwischen andere Häuser reingeklemmt in seiner ganzen Pracht kaum zu erkennen war.

Polignano a Mare – auch dies ein entzückendes kleines Küstenstädtchen, kurz hinter Monopoli (5 Bahnminuten). Auch wenn diese Stadt an sich selbstredend selbstverständlich eine Schönheit ist, hierher fährt man wohl hauptsächlich um sich von der gewaltigen Kulisse der Steilküste zu ergötzen. Das Städtchen scheint sich mit aller Kraft den Naturgewalten entgegenzustellen und klammert sich trotzig an die Felskante. Wirklich beachtlich und erfrischend!

Alberobello – obwohl diese putzig anmutenden Rundhäuser, wie sie hier in der sogenannten “Zona dei Trulli” besichtigt werden können, in ganz Süditalien zu finden sind, verbindet man sie im Endeffekt doch hauptsächlich mit Apulien. Die Entstehungsgeschichte dieser ohne Mörtel, Stein auf Stein geschichteten Häuschen ist so entzückend wie charakteristisch für den Mezzogiorno. Im 17. Jahrhundert kam ein gewisser Graf namens Giangirolamo II. Acquaviva d’Aragona auf die schwejksche Idee Häuser ohne Zement und Mörtel zu bauen. Denn so konnte man diese ärgerliche Bestimmung umgehen, wonach neue Ortschaften, ergo neue Häuser, bei der Obrigkeit gemeldet und bezahlt gehörten. Denn diese locker übereinander geschichteten Häuslein konnten im Falle einer königlichen Inspektion ganz einfach abgebaut und später leicht wiedererrichtet werden. Dabei erwiesen sich die aus Not und Trotz entstandenenen Häuser als überaus praktisch. “Durch ihre Bauweise aus massivem Naturstein mit sehr dicken Wänden und winzigen Fenstern bieten die Trulli einen guten Schutz gegen die anhaltende Sommerhitze in Apulien, weil sich das Innere nur langsam aufheizt. Im Winter hingegen speichert ein Trullo für lange Zeit die Wärme, die durch einen offenen Kamin erzeugt wird.” (wikipedia)  Wir halten fest: selbst bei der der Errichtung von Slums gelingt dem Italiener mit seiner unverrückbaren Neigung für Stil und Eleganz das Kunststück, es kultiviert und geschmackvoll zu gestalten.

Schöne Orte (noch unbesehen):

Gargano Nationalpark: Am sogenannten Sporn des Stiefels befindet sich der größte Nationalpark Italiens. Mit solch einem einzigartigen Fanal begrüßt also Apulien die von Norden einreisenden Barbaren. Hier gibt es sie noch, jene dichten und schattigen Wälder, die einst ganz Süditalien bedeckten. Durch die schützende Lage hat sich dies hier erhalten und wird nun weiterhin sorgsam geschützt. Auf einer Fläche, die 0,7% der Landesfläche Italiens ausmacht, befinden sich ca. 35% des italienischen Pflanzenarten. Zusätzlich locken Felsen, Lagunenseen und, natürlich, pittoreske Küstenstädtchen. Kurz gesagt, hier wird einem jene Art von Idylle versprochen, die im Rest Süditaliens dank des umtriebigen Menschen verloren gegangen ist. Steht für mich ganz fest auf dem Reiskalender fürs nächste Mal.

Tremiti-Inseln: Gleich um die Ecke liegen diese sechs unscheinbaren Inseln. Nur zwei von ihnen sind bewohnt und 496 Einwohner genießen auf diesem autofreien Paradies das Leben. Erreichbar sind sie ganzjährig von Termoli aus. Wer Entspannung und Ruhe sucht und sich von der Winzigkeit der Inseln nicht abschrecken lässt, der kann hier mit Sicherheit sein Glück finden.

Castel del Monte (Barletta): Kaum ein Motiv wie das dieses Stauferschlosses ziert mehr Reiseführer oder Internetauftritte, die Apulien bewerben. Zahlreiche Mythen umranken das Schloss. Bis heute ist nicht gänzlich geklärt, welchen Zweck das achteckige Gebäude erfüllen sollte, verfügt es doch über keinerlei Gräben, Arsenale, Schießscharten oder Mannschaftsräume, die für einen solchen Bau ansonsten typisch sind. Theorien, dass hier astronomische Messfunktionen Ursache des Baus wären, sind angesichts diverser Indizien nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber selbstverständlich finden sich hier noch weitaus mehr Deutungen, die allesamt einen Besuch rechtfertigen würden.

 

Italien satt in vier Zügen

Alles nahm in einem gewöhnlichen ICE nach München seinen Anfang. Eine dieser raschen Fahrten – solide, pünktlich und routiniert – genauso wie die Deutsche Bahn nur in seltenen Ausnahmefällen erwähnt wird obwohl die meisten Züge genau diese Prädikate verdienen. Einmal mehr flog die Republik an mir vorbei. All diese entzückenden und sträflicherweise von mir noch nicht bewanderten Mittelgebirge… Schon bald waren wir in München und wurden mit allerfeinstem Schneeregen begrüßt, was das sehnsuchstvolle Schmachten hin zu dem ersehnten Ziel jenseits der Alpen nur noch verstärkte.

Im Gegensatz zu so vielen meiner Lieben aus meinem Soziotop habe ich Bayern gegenüber keinerlei Beißreflex. Nein, ich genieße bei all meinen Berührungen mit dem Freistaat die urigen Sonderlichkeiten dieses eigenwilligen Bergvolks. Speziell die Kunststückchen im Kulinarischen ringen mir immer wieder Respekt ab. So genoss ich auch dieses Mal nach kurzem Stadtrundgang Haxe und Helles, verabschiedete mich vollsr Respekt von der Welt der Barbaren. 

Am nächsten Tag machten wir dann endlich rüber. In einem vorzüglichen Zug der ÖBB machten wir es uns gemütlich und genossen bei bester Sicht diese wunderschöne Hochgebirgspassage, nur um recht bald in der Poebene, dem Brandenburg Italiens, gepflegt wegzuschnarchen.

Und dann war sie einfach da: “die Fette, die Rote, die Gelehrte” – Bologna! Schwer auf wenigen Zeilen zu beschreiben, es soll genügen zu erwähnen, dass eine Stadt, die mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und Dauerregen aufwartet in den seltensten Fällen zu begeistern weiß. Bologna jedoch gelang dieses Kunststück. Gefühlte Geschichte, gefüllte Mägen und gefallende Menschen in einem Gesamtkunstwerk von Stadt, Bologna wir sehen uns wieder!

Doch dann war es soweit. In einem bis auf den letzten Platz genutzten Zug zuckelten wir gen Lecce. Nach DB und ÖBB zeigte uns nun Trenitalia wie man die Schiene beherrschte. Und ich muss sagen: Chapeau! Komplett ausgenutzte Kapazitäten und dennoch entspanntes Fahrvergnügen auf einer zusätzlichen noch über alle Maßen beeindruckenden Strecke, welche zeitweise bis auf 10 Meter an die Adria herankam.Das alles garniert mit Freundlichkeit und ungezwungener Fröhlichkeit von Fahrgästen wie Schaffnern.

Lecce – das “Florenz des Südens”, eine “Rokokoexplosion” – der Ruf dieser Stadt war ihr seit längerem vorausgeeilt. Voller Spannung unternahmen wir also unsere ersten Schritte und waren schon nach kurzer Zeit völlig hin und weg. Soviel Fantasie in Stein auf engstem Raum, dass der Geist Mühe hatte hinterher zu kommen. Wer in Süditalien vorbeischaut sollte diese Schnuckelchen keinesfalls auslassen. Nach ausführlichsten Rundgängen und gemeinschaftlichen Fotomassakern stiegen wir dann in den letzten Zug.

Ein rumpeliger kleiner Schienenbus, voll bis zum Dach brachte uns auf die andere Seite des Hackens, nach Gallipoli. Und nach einer guten Stunde standen wir dann in unserem Weihnachtsdomizil und wir sahen, dass es gut war.

Posted from Gallipoli, Apulia, Italy.

Arrividerci

Auf geht’s zur letzten großen Reise dieses Jahres. Zauberhafte 2043 Bahnkilometer liegen vor uns bis wir das Land wo die Zitronen blühen erreichen werden um dort dieses Jahr mit gebührend Abstand zu verabschieden.

Und dieser Abstand ist zwingend notwendig. Warum? Letztlich war es nur ein weiteres Jahr der Verschärfung des kapitalistischen Grundwiderspruchs, doch mit, oberflächlich betrachtet, immer widerwärtigeren Resultaten. Kleinbürgerliche Angst, heuchlerische Besitzstandswahrung, platter Hass und ganz allgemein, grenzdebiler Skeptizismus sogar den selbstverständlichsten Errungenschaften von Aufklärung und Wissenschaft gegenüber werden aus der Gosse hochgespült, um mit einfachen Antworten komplexe Missstände beseitigen zu wollen. All die wohlbekannten, vorbestraften Geister blinzeln frech und dreist im 21. Jahrhundert als wäre nix gewesen. Angesichts dieser vorhersehbaren Misere, welche ohne viel Geschichtskenntnisse erkennbar ist, wird mir übel, ob meiner Hilflosigkeit wie meiner Untätigkeit gleichermaßen.

Daher suche ich Abstand und vertraue mich ganz der selbstvergessenen Gelassenheit des Mezzogiorno an. Es wäre nicht das erste Mal dass mir der Stiefel wieder ausreichend Grundvertrauen und Hoffnung schenkt um den ganz normalen Schlamassel würdevoll gegenüber zu treten.

Posted from Berlin, Berlin, Germany.

Zügig nach Zürich

Obzwar es ein trauriger Anlass war, nämlich die Abschaffung des deutschbahnigen Nachtzuges, wurde es dann doch eine recht fröhliche Reise und eine ausgedehnte Erneuerung der nachbarschaftlichen Beziehungen.

Wir taten alles was von touristischer Seite von uns erwartet wurde: an soviel wie mögliche Worte ein “li” ranhängen, langsam sprechen mit lautem sprechen zu verwechseln und ganz allgemein alles furchtbar niedlich zu finden. Die Gegenseite glänzte auch mit Vorhersehbaren und wartete mit absurden Preisen für die banalsten Produkte des täglichen Bedarfs auf und ignorierte uns sonst auf vornehmste Weise. Viel gesehen haben wir schlussendlich nicht, wahrscheinlich weil wir uns soviel erzählen mussten. Dieser Redebedarf spricht für Wiederholungstaten. Das Konzept war schnell geboren – der Nachbarschaftsparcour. Nächste Station: Salzburg.

Posted from Berlin, Berlin, Germany.

Mission: Bezirke bezirzen – erstes Kapitel: Elsterflorenz

Und erneut ging es auf große Entdeckungsreise. Im Hinterkopf ein neues ehrgeiziges Ziel, und zwar allen Bezirksstädten (nicht Bezirkshauptstädten, so lernten wir bereits an diesem ersten Wandertag!) der DDR einen Besuch abzustatten. Getreu der achtbaren Initialenergie, welche bereits vor einem knappen Jahrzehnt dazu führte, der Bereisung von sämtlicher Berliner S-Bahnendstationen ein internationales Podium zu bieten, traten nun erneut ein paar unverzagte Freunde der Peripherie an um des Novembers Unbill mit ausschweifendem Umherschweifen zu begegnen. (Nebenbei also nochmal Täterätäh und Dschingdereassa Bumm! 10 Jahre Viva Peripheria – fast hätt ich’s übersehen. Habt Dank all ihr Peripheristen und Peripherösen da draussen!)

2016-11-13-15-19-48
Sehr viel mehr als Bratwurst dürfte dem gemeinen Bundesbürger zu Thüringen wohl selten einfallen. Welch Überraschung daher, dass der hier beschriebene Ausflug ohne eine einzige Bratwurst absolviert und dennoch allgemein als Erfolg verbucht wurde.

Am Anfang stand Gera. Die große Unbekannte. Voller Überraschung musste ich unlängst im Kreise zahlreicher altgedienter Ostdeutscher feststellen, dass noch keiner dieser erfahrenen Haudegen und Provinzsassas jemals Kontakt mit der geheimnisvollen Reußenperle aufgenommen hatte. Doch nicht nur dass, nein, es wurde sogar offen angezweifelt, dass Gera je eine Bezirksstadt gewesen sei. Soviel ehrabschneidende Unwisseneit erforderte Satisfaktion. Als dann noch die Kunde von der angeblich vollständigsten Ausstellung des DDR-Comics im Geraer Stadtmuseum durchs Land eilte, war die Entscheidung gefallen. Gera würde das Fanal dieser “Tour de Bezirke” werden.

2016-11-13-11-21-41
Die Kampagne sitzt. “Wochenende Leipzig” – so prägnant und überzeugend wie “Niedersachsen. Klar”

Nach drei kleinen Hopsern in Wittenberg, Bitterfeld und Leipzig glitten wir dann schon bald bei bestem Kleinstaatswetter durch das vielbesungene Thüringerland. Geschmeidige Rundungen, kunterbunte Einsichten in den Indian Summer des Elstertals – versonnen blickt die Reisgeruppe aus dem ruckelnden Triebwagen der unvermindert Kurs auf das ersehnte Ziel hält.

2016-11-13-13-06-58
Einen Moment zögert der Chronist bevor er auf den Auslöser drückt. Nur ansatzweise ist ihm in diesem Moment bewusst, welch Anmut vereint mit trostloser Kantenschroffheit hier auf wenigen Pixeln für die Ewigkeit gebannt wird. Der Betrachter mag aufgebracht, gelangweilt oder unbeholfen weitertrinken, dennoch bleibt da etwas, so tief wie intensiv. Für Augenblicke wie diese lebt jeder von uns!

Angesichts des traurigen Umstands, dass Gera die zweitgrößte deutsche Stadt ohne elektrifizierten Bahnanschluss ist, fielen die Begeisterungsstürme, den Bahnhof betreffend eher zurückhaltend aus. Doch derlei bestürzende Beschneidungen sollten nicht das Maß der Dinge für den Rest Geras sein. Voller Tatendrang stürmen wir voran, immer mitten hindurch die sonntäglich aufgeräumten Magistralen der unbekannten Schönheit.

2016-11-13-15-03-42
Der Geraer Löwe nebst dazugehörigen Spatz – nur eine von zahlreichen Schmähungen der hiesigen Identität. Quetschte man in der düsteren Nazizeit sämtliches Viehzeug auf das Wappen, des auch scherzhaft “Thüringer Tiergarten” benamstes Wappen, bleib angeblich nicht mal für den Geraer Spatz ein Fleckchen frei. Wie meinen: “So nicht!”

Schnell war das Stadtmuseum gefunden, doch die angebliche achso vollständige Sammlung stellt sich schnell als bessere Wandzeitungscollage heraus. Aber die Enttäuschung sitzt nicht lange, umgehend werden wir verzaubert von zwei Etagen Daueraustellung der verrückten Geschichte Geras. Die bizarren Stilblüten der mitteldeutschen Kleinstaaterei, das absurde Versteckspiel all der inzestösen Heinriche und dergleichen mehr schaffen es uns zu verzaubern und lassen die Zeit wie im Fluge vergehen. Schlussendlich sind wir gar so willenlos, dass wir völlig ergeben auch die Ausstellung über Romantik in Gera inhalieren.

2016-11-13-15-06-33
Kulturtourists Feierabend, auch wenn die bratwurstige Sehnsucht leise wimmert bleibt es ein Jammern auf hohem Niveau. 

Nach soviel Kultur, welche furchtlos noch mit einem mittelschweren Stadtrundgang garniert wird, giert die Reisegruppe nach Kost und Trank. Ohne viel Federlesens wird also eine Schänke aufgesucht und bei schimmlig-gemütlicher Winterstimmung die genossenen Eindrücke gemeinsam verarbeitet. Schnell wird klar, die Bezirke der versunkenen Republik sind, wie nicht anders erwartet, ein reizvolles Reiseziel. Das ungeduldige Hufgeschar ist förmlich nicht zu spüren. So lasst uns freuen und juchhehen – 2017 wird uns mit einer ganz auserlesenen Perle willkommen heißen. Es geht nach Suhl, jenes entzückend schizophrene Kleinod tief im Hinterland von allem, welches sich gleichermaßen als “Stadt des Friedens” wie als “Waffenstadt” bezeichnet. Und warum auch nicht?! Wir können es zumindest kaum noch erwarten!

Wunderschienes Georgien

Und dann sollte es also doch noch einmal mit dem Zug klappen. Vom Schwarzen Meer bis nach Kutaissi fuhren wir nicht im staubig-stickigen Marschrutka sondern auf samtenen Gleisen. Der Fahrpreis (1 Lari=ca. 0,35 Cent) für drei Stunden Fahrt in einem geräumigen, luftigen Gefährt trieb mir kurz etwas Feuchtigkeit in die Augen. Welch ein Genuss, welch Welten liegen zwischen diesen beiden Fortbewegungsarten?! Das entspannte Gleiten mit Freiheit für Beine und Blase gegenüber dem hysterischen Chaos der Landstraße mit all ihren Zwängen und Drängen! Also Georgier, immer ran ans Werk und baut aus – ihr seid definitiv auf dem richtigen Weg.