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ESTUDIANTES!!!


Sieger des Copa Libertadores! Man möge mir die glückselige aber auch inhaltsarme Notiz verzeihen, aber es fühlt sich so toll an. Die Zuckerhütler dort wo sie hingehören und Argentiniens Ehre dort wo sie hingehört. Genießen wir den Augenblick und rufen wir es hinaus in die Welt: Heute sind wir alle Studenten.

Ausformuliert und durchdacht wird morgen! Und zwar ganz ausnahmsweise mal auswärts im Fußballfachblog.

Stippvisite bei der Ex

Jeder Besuch in der ehemaligen Heimat Dresden ist stets von der lockenden Versuchung des Böhmischen begleitet. Und so konnte ich auch dieses Mal der Versuchung nicht widerstehen, den Tschechen meine Aufwartung zu machen. “Lass uns doch zu den Tschechen wandern!” – wie oft erklang dieser sehnsuchtsvolle Ausruf in meiner Jugend und wie oft gab ich ihm nach. “Zu den Tschechen…”, jene landestypische Formulierung, die mir die zerwürfnispotente Debatte nördlich gelegener Gebiete, ob man nun Tschechien, Tschechische Republik oder Tschechei zu sagen hatte, ersparte, war die Ouvertüre meiner ersten Liebe. Landschaft, Sprache, Kultur und Selbstverständnis dieser Nachkommen von Schwejk und dem kleinen Maulwurf waren mir nah und schenkten mir soviel Wonne wie Entspannung. Seitdem ist viel Zeit vergangen. Aus den unterschiedlichsten Gründen weitete sich mein Blick und nach einer gewissen Entfremdung und Weiterentwicklung von uns beiden entdeckte ich schließlich die große Schwester im Norden und verliebte mich neu. Die Beziehung zu den Tschechen gestaltete sich dabei ohne Bitterkeit und Galle völlig neu – wir wurden Freunde. Ich kann ohne Arg auf eine schöne Zeit zurückblicken und auch eine gelegentlicher Besuch ohne Herzblut und Vorwürfe ist mittlerweile drin. Und dennoch, wenn sie dann auftischt mit ihrem Gedeck von Gulasch und Bier, jenem allseits beliebten Klassiker, welcher allein durch seine schlichte Normalität brilliert, dann werde ich immer noch ganz melancholisch.  Díky za všechno, milí Češi!     

Was war nochmal Pfingsten?

Auch wenn an dieser Stelle allem Religiösen sehr skeptisch und wachsam gegenübergestanden wird, ist es nicht so, dass die Rolle derselben für unsere Kultur und Geschichte ignoriert wird. Daher hier ein kleiner Service zum heutigen Feiertag. Aus einer Vielzahl an verwirrt herumstochernden Gesprächen weiß ich um die Ratlosigkeit, die mit diesem verlängerten Wochenende verbunden ist.An Pfingsten (von griech. πεντηκοστή [ἡμέρα], pentekostē [hēmera], „der fünfzigste Tag“) feiern die Christen die Entsendung des Heiligen Geistes. Heiliger Geist? Hm, das klingt jetzt erstmal ein wenig abstrus. Nach kirchlichem Dogma kam bewusster Heiliger Geist zu den Menschen, um Person, Wort und Wirken Jesu Christi lebendig zu halten. Im theologischen Sinne ist der Heilige Geist eine der drei Gestalten Gottes. Zusammen mit Gott, dem Vater, und Jesus Christus, dem Sohn, bildet er die “Trinitas Dei”, die göttliche Dreifaltigkeit.Schon klar, knifflige Sache das, den Heiligen Geist irgendwie auf Leinwand zu bannen, aber so hatte ich ihn mir dann doch nicht vorgestellt.Wenn man sich das mal so auf der Zunge zergehen lässt, fragt man sich immer wieder wie so abgeschmackter Fantasy wirklich Weltreligion werden konnte. Apropos Zunge, das ist vielleicht noch die aktivste Assoziation zum Thema Pfingsten: Die Sache, dass alle Jünger auf einmal in allen Zungen sprechen konnten. Das sogenannte Pfingstwunder. Damit wurde zu Pfingsten die „Babylonische Sprachverwirrung“ aufgehoben, mit der Gott die Menschen für die dreiste Aktion mit dem Turmbau von Babel bestrafen wollte. Ergo, ist Pfingsten in der Denke unserer Kreuzliebhaber der Tag an den ihnen aufgetragen wurde, alle Menschen unabhängig von ihrer Nationalität und Ethnizität mit ihrem Glauben zu beglücken.Aber mittlerweile ist das alles ein wenig in den Hintergrund getreten. Auch Pfingsten ist wie jeder andere christliche Feiertag gehörig verweltlicht und folklorisiert wurden. So ist dieser Feiertag, wenn überhaupt nur durch zahlreiche sonderbare Bräuche erkenntlich. Da gibt es das Pfingstbaumpflanzen, den Pfingstenkranz, das Schmücken des Pfingstochsen (besonders verbreitet in Mecklenburg – wo sonst?) und Geißbockversteigerungen. Ganz reizvoll und mir gänzlich unbekannt fand ich auch die Tradition des “Pfingststehlens” sowie des “Birkensteckens”. In diesem Sinne – genießt die Sonne und grüßt den Heiligen Geist von mir wenn ihr ihn seht!Photo: wikipedia

Verfilmtes Sülten

Entgegen meinen Angewohnheiten werde ich mich angesichts dieses Meisterwerks respektvoll zurückhalten und dem Filmschaffenden das Wort erteilen.“Königlichkaiserliches Sültenlamm”
BRD 2009
Dauer: 15:56 min.
Regie, Schnitt und Tonmischung: Reiseleiter a.D.u.v.D.
Darsteller: Kaiser, König, Bettelmann, einige Hunde und jede Menge Statisten aus dem einfachen Volke

Weiteres Dokumentationsmaterial ist in der gut geführten Datenkammer des Eisernen Pedalisto zu finden. Die komplette Fotosammlung zu Sülten ist hier zu besichtigen.

Homestory einer Jahrhundertfeier

Es begab sich in den zarten Maitagen des Jahres 2009, dass sich mehrere Autos und auch ein paar Zugreisende hinauf ins ferne Mecklenburg bewegten um das letzte Lebensdrittel des abgöttisch verehrten Kaisers mit jeder Menge Buhei einzuläuten. Zwei Lämmer (“Hanni und Nanni”), 13 Kästen Bier, ein Schuppen Holz, delikate “echte” Thüringer Bratwürste, eine exellente Rindersuppe und ein überirdischer Grappa bildeten das spektakuläre Rahmenprogramm, welches Gäste wie Gastgeber von einer Ekstase zum nächsten Geschmacksorgasmus schleuderte. Das Mauerwerk aus dem Partyträume bestehen – der Gutshof des Kaisers! (ab und an schien auch die Sonne!) Ein Fahrplan der allen Beteiligten schnell klarmachte, dass sie hierzubleiben hatten.Bevor unsere ultimativen Ehrengäste übers Feuer kamen, durften sie über Nacht ein gepflegtes Entspannungsbad nehmen.Sodann machte sich ein, aus zahlreichen Pfählungsabenteuern gestähltes Konstruktionsteam an die Installation der Grillvorrichtung.Währenddessen durften sich die beiden noch ganz verschmust ihrem köchelnden Vollbad widmen.Ohne die elegante Kombination von Schuppenvernichtung und Kinderarbeit wären aber mit Sicherheit niemals die erforderlichen Temperaturen erreicht wurden. 

Das finale Entkleiden.Und der an Leckerheit in diesem Universum nicht mehr zu übertreffende Krustenbalsam.Und schließlich waren sie endlich auf dem Tisch.Monarchie nach unserem Geschmack. Stets hatte der Kaiser ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte des einfachen Volkes (“Hund! – Weg! – Arschloch!”). Und das obwohl das Fehlen von Sänfte, Mätressen und  Chorgesang die Stimmung ihro Majestät zurecht hätte trüben können.
So kennt die frenetische Begeisterung angesichts des nahenden Jubiläums ihres Potentaten bald keine Grenzen mehr und dem kollektiven Begeisterungstaumel sind Tor und Tür geöffnet. Manche dieser Türen werden alsbald verzückt in den Scheiterhaufen der Glückseligkeit geworfen. Und die Feierlichkeiten wollten kein Ende nehmen. Nachdem Huldigungen und Preisungen des engsten Hofstaats die Nacht zum Tage gemacht hatten, sah sich der Kaiser gezwungen am “Morgen” durch seinen Ländereien zu streifen und die nicht enden wollenden Gunstbezeigungen seiner Leibeigenen entgegenzunehmen.
Und auch wenn sich alle Menschenwesen in völliger Harmonie durch die Tage bewegten, ließen sich unsere vierbeinigen Freunde (“Hund! – Weg! – Arschloch!”) die Gelegenheit zu einer zünftigen Prügelei nicht entgehen.

Zum dominierendsten Ausspruch der Tage führt euch doch bitte dieses musikalische Leckerli der Herren von Faith No More zu Gemüte. Besonderer Ohrenmerk sollte auf die Sekunden zwischen 1:30 und 1:50 gelegt werden. 


Doch irgendwann ist jede Party mal vorbei und so bemühten Kaiser und König ihre müden Knochen herab und schauten mit Wohlgefallen auf das Erlebte zurück. Wir sehen uns beim Ochsen!* Für den Fall der Fälle: Entgegen meinen Angewohnheiten sind in diesem Beitrag Gesichter zu sehen. Wenn irgendwer, der hier abgebildeten Menschen dies nicht möchte, habe ich vollstes Verständnis dafür und würde es innerhalb von Sekundenbruchteilen entfernen. Also kontaktiert mich, sollte dem der Fall sein. Wenn jemand dagegen ein unverschämt geiles Foto hat, was er unbedingt hier sehen will, dann immer her damit. Es kann einfach nicht genug Bilder von Lämmern im Internet geben!** In erster Linie gilt mein Dank für die penible, bildliche Dokumentation dem Gelben Trikot von Sülten, Micha!

Hinter dem Wendekreis des Wildschweins

Es ist an der Zeit den Begriff der Peripherie neu zu bestimmen. Schon nach der S-Bahn-Epoche gewann der Gedanke Raum, dass man größer denken müsse. Brandenburg, so unsere blutarme Perspektive, müsse es sein. Ein knappes Jahr später sind wir schlauer. Die wahre Peripherie liegt im Osten. Dort wo Autobahnen noch für Panzer gedacht sind, wo das Bier hochprozentig und der Wodka mitfühlend ist, die Sprache sanft zischelnd ins Ohr gleitet und Wangenknochen zum Träumen einladen.

Dieser Teil der Peripherie wird oftmals Polen genannt. Doch das spielt keine allzu bedeutende Rolle. Mehrfach entdeckten wir in diesem Jahr jenes Land, welches sich durch ein elegant verschachteltes System von verschlungenen Landstraßen um ein Vielfaches vergrößert. Themen dieser Ausflüge waren Häuserabriss und Wildschweinverzehr. Nähern wir uns also erst der Arbeit und dann dem Vergnügen.

Dieses wunderschöne Haus sollte dem Erdboden gleichgemacht werden. Auch wenn erste Vermutungen vor sich hin munkelnten, dass eine angereiste Gruppe von Deutschen, die in Polen Häuser kaputt macht, eventuell zu Irritationen führen könnte, gingen wir furchtlos ans Werk. Beziehungsweise ließen ans Werk gehen.

Schnell waren eine handvoll Eingeborene samt Traktor zur Stelle und gönnten uns angereisten Gastarbeitern huldvoll die Rolle als begutachtende Experten. In diese Funktion arbeiteten wir uns umgehend ein und sparten nicht mit wohldurchdachten Ideen und Vorschlägen für noch effektivere und sinnvollere Arbeit.

In obenstehenden Foto ist die natürliche Arbeitsteilung gut zu erkennen: Fachmännisches und tatkräftiges Engagement versierter, einheimischer Hausabreißer und taktvolle Beratung aus dem Hintergrund durch angereiste Theoretiker der Hausvernichtung.

Dank modernster Traktortechnologie und aufgrund optimaler Beratung waren wenig später schon erste Resultate zu sehen.

Sodann ging die Arbeit schnell voran und bald wurden auch den Gastarbeitern verantwortungsvolle Hilfsarbeiten übertragen.

Nach knappen zwei Tagen war das Gröbste vorüber und wir gaben uns gelöst und entspannt Weib, Wodka und Gesang hin.

Doch so richtig konzentrieren auf dieses beliebte Freizeitvergnügen konnten wir uns erst einige Wochen später. Aufgrund eines eher unbedeutenden Jahrestages fanden wir uns auf dem Anwesen der hochverehrten Malgosia in Grzymalin (Für all unsere Polnisch-Anfänger: mühselige Recherchen ergaben, dass dieses wunderschöne Dörfchen in der Vergangenheit auf den Namen “Langenwaldau” hörte. Sicherlich für die deutschen Zungen ein Stück weit angenehmer, aber hinsichtlich praktischen Nutzens völlig wertlos!) ein um Wildschwein “Eberhard” kennenzulernen. Aus diesem Anlass gaben wir uns mehrere Tagen wilden Ausschweifungen hin. Zentrale Figur der Feierlichkeiten war besagter “Eberhard”.

Schwitzend, aber voller Leidenschaft durfte ich dann erstmals einem Tier das Fell über die Ohren ziehen.

Darauf gönnten wir dem Guten erstmal ein Vollbad. Skeptisch beäugten wir die Ausmaße unseres fleischlichen Freundes. Zweifel wurden laut, ob er uns alle nur annähernd satt machen würde. Schmähungen wie “großes Kanickel” wurden laut, mit latenten Futterneid wurden eintreffende Gäste ob ihrer möglichen Fleischvertilgungskapazitäten geprüft. Schließlich wurde gar vorgeschlagen “Eberhard” in “Ebi” umzubenennen.

Einem Vorschlag wissender Profis nachgehend, steckten wir “Eberhard” nicht sofort auf den Spieß, sondern stellten die Badewanne auf die Glut und kochten ihn vor. (Leider habe ich von dem beeindruckenden Bild der kochenden Badewanne kein Foto – Larsen, bitte melden Sie sich!)

Nach kurzer Justierung und passgerechter Harmonisierung von “Eberhard” und Spieß…

…wurde er dann endlich übers Feuer gehangen. Mal wieder mittels einer genial einfachen, aber perfekten Konstruktion.

Ein erhabener Moment. Jedes Mal bin ich aufs Neue ergriffen von der Einheit aus Fleisch, Feuer und freiem Himmel.

Und dann war es endlich soweit. Noch vor der Dunkelheit konnte “Eberhard” freigegeben werden und das Volk stürzte sich auf das edle Tier. Die Freude war nicht in Worte zu fassen.

Ein Hochgenuss sondernormen! Und nach den ersten vier Bissen war auch klar, dass all unsere Sorgen, von wegen, jemand könne nicht satt werden, völlig unbegründet waren. Sei es, dass ein Tag im Fleischdunst allein schon sättigt oder das Wildschweinfleich nun mal schnell sättigt, es war jedenfalls genug für alle da.


Die Wildchweingourmese in der Mitte der obenstehenden Gruppenaufnahme hat nebenbei auch noch andere Vorlieben, wie nachfolgendes Anschauungsmaterial nachdrücklich unterstreicht. Die vielumjubelten Soloauftritte der begnadeten Künstlerin sind an jedem Ort stets ein Schmaus für alle, aber auch wirklich alle Sinne.

Danach hatte die Party Zeit und Raum um gepflegt auszuschweifen. Feuer, Wodka und Gitarren. Ein rauschendes Fest an dem sich keiner auch nur ansatzweise zurückhielt, was unter anderem dazu führte, dass Fotos entstanden, auf dem sich die abgebildete Person Tags darauf nicht mehr erkannte.

Also alles in allem ein gelungener Abend. Doch auch die turbulenteste Feier endet irgendwann und so legte sich bald Stille über die Wiesen und Wälder. Verdauung und zähe Regeneration begannen mühsam ihr verdienstvolles Werk. Gedankenverloren sinnieren einige, was wohl das nächste Tier auf dem Spieß sein wird…