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Ratgeber: Reisen wie Gott in Georgien

„Als Gott das Land an die Völker verteilte, verspäteten sich die Georgier. Denn sie hatten den Abend zuvor wie üblich reichlich gesungen, musiziert, getanzt und das Leben im Allgemeinen voller Hingabe gefeiert. Zuerst zürnte der Herr, denn alles Land war bereits verteilt. Doch die Fröhlichkeit und der Charme der Vertreter dieses Volkes versöhnten ihn, und er schenkte den Georgiern den Flecken Erde, den er eigentlich für sich selbst vorbehalten hatte….“

Georgien – jenes über alle Maßen begünstigte Kleinod, umsäumt von den Hängen des Kaukasus und den Gestaden des Schwarzen Meeres befindet sich gegenwärtig nicht direkt im Auges des Massentourismussturms. Und obwohl ich dies ja an und für sich gut finde, bin ich dennoch der Meinung, dass dieses großartige Land und seine Menschen etwas mehr Interesse verdient hätten. Sicher, standen neben Unwissenheit, jede Menge Klischees und halbwissende Vorurteile eurer Reise nach Georgien bisher im Weg. Diese sollen nun mit einem weiteren Kompendium aus der Themenreihe “Schöneres Reisen für eine bessere Welt” beseitigt werden.

2015-09-22-12-41-16

Reiseland Georgien

Andere Wissensquellen: Der verfügbare Wissensstand zum Thema Georgien, nicht allein als Reiseland, kann mit besten Gewissen als dürftig beschrieben werden. Die landläufigen Reiseführer glänzen mit veralteten Plattitüden oder überschlagen sich mit redundanten Analysen der hiesigen Sehenswürdigkeiten. Im Netz findet sich als einzig brauchbare Anlaufstelle georgiano.de – hier findet sich reichlich Material für den wissbegierigen Individualtouristen. Kartenmaterial, Wanderrouten und andere nützliche und halbwegs aktualisierte Informationen sind hier im Angebot. Bei wikivoyage lassen sich zusätzlich auch ein paar grundlegende Informationen abstauben.

Einreise: Ungewohnte Einfachheit lässt die Reise schon von Beginn an geschmeidig starten. Sämtliche EU-Bürger und noch ein paar mehr (immerhin 94 Staaten) dürfen bis zu einem Jahr visumfrei einreisen. Es genügt der Personalausweis. Vorbildcharakter par excellence.

topographische-karte-georgien

Anreise: Lange galt Georgien zurecht als beschwerlich oder zumindest sehr kostspielig von Deutschland aus zu erreichen. Dank des Billigfliegers Wizzair gehören diese Zeiten aber seit geraumer Zeit der Vergangenheit an. Nach anfänglichen Direktflügen von Polen und Ungarn kann man seit kurzem auch von Schönefeld oder Dortmund für wenig Geld (hin&zurück ab €60) zu dem quasi eigens für diesen Zweck ins georgische Herzland gestampften Flughafen Kutaissi reisen. Daneben gibt es selbstredend auch nach andere Fluglinien wie bspw Ukrainian Airlines oder Air Baltic, die Georgien recht preiswert anfliegen.

Die Anreise auf dem Festland ob per Zug oder Auto ist zwar möglich, stellt aber aufgrund der Distanz eher den Weg als Ziel in den Vordergrund und nicht Georgien. Zu Bedenken sei hier zudem der Konflikt in der Ukraine, welcher die Nordroute nach Georgien etwas komplizierter gestaltet. Die Tour über die Türkei wäre hierbei erheblich vorzuziehen.

Ein absoluter Leckerbissen für den Reisegourmet stellt dabei noch eine andere Alternative dar. Von Illchiwsk (Odessa) bis Poti oder Batumi verkehrt einmal die Woche eine Fähre. In schlanken 60 Stunden könnte man auf derart einmalige Art und Weise das Schwarze Meer komplett durchkreuzen um so Georgien zu erreichen. In der Vierer-Kabine mit Außenklo für schlappe $95 zu haben. Funfact am Rande: das hier eingesetzte Fährschiff ist auf den bezaubernden Namen “Greifswald” getauft.

Herumreisen: Um es gleich vorweg zu sagen – infrastrukturell gesehen ist Georgien ein elendiglich nach Luft schnappendes Elend. Eisenbahnen verkehren selten und bedienen nur ein Minimum des Notwendigen. Der öffentliche Nahverkehr leidet unter offensiver Vernachlässigung und die Straßen zehren seit Jahrzehnten von der Substanz. Ergänzt man diese, per se schon ungünstige Gemengelage mit der feurig-selbstmörderischen Grundeinstellung der meisten aktiv am Verkehr beteiligten Georgier, so verspricht dies nichts Gutes. Grundlegend sei jedem potenziellen Georgienentdecker ans Herz gelegt, nicht allzu viel verschiedene Ziele während eines Aufenthalts anzusteuern. Die verhältnismäßig geringe Fläche (69.700 qkm) mag dazu einladen, doch es hat sich bewährt nach Anreise eines der verlockenden Ziele anzupeilen und dort jenseits der Straße auf Tour zu gehen. Mit mehreren Zielen innerhalb einer Woche zerstört man unnötig den einmal erlangten Erholungseffekt.

Kurz vor der russischen Grenze....
Kurz vor der russischen Grenze….

Die zur Verfügung stehenden Fortbewegungsmittel im einzelnen:

Eisenbahn – eine schüchtern im Hintergrund stehende Alternative. Hauptsächlich auf den Hauptrouten verkehrend und im Schatten der quirligen Busbahnhöfe liegend, kann ein Blick auf den Fahrplan nicht schaden. Da sie relativ selten verkehren ist es zumeist keine Alternative für den raschen Ortswechsel aber wenn Zeit vorhanden, eine Überlegung wert. Die Züge wirken recht gepflegt (im Gegensatz zu den Gleisanlagen) und die Preise liegen zum Heulen niedrig (Beispiel: Batumi-Kutaissi: 1 Lari (2016: 0,37 Cent). Speziell für Verbindungen nach der Anreise oder vor der Abreise bieten sich die das Land durchquerende Nachtverbindungen an.

Marschrutki: Dieser eingedeutschte Begriff ist auf dem gesamten Gebiet der Ex-Sowjetunion ein geläufiger Begriff für sogenannte Sammeltaxis, mit deren Hilfe prinzipiell fast jedes Ziel was an einer Straße liegt, erreicht werden kann. Das Prinzip ist denkbar einfach. Zwar gibt es im Groben so etwas wie Fahrpläne, welche aber eher als Orientierungspläne zu verstehen sind. Ein Marschrutka ist eher durch komplette Ausnutzung aller verfügbaren Sitzplätze zur Bewegung zu motivieren als durch so etwas wie eine abstrakte Abfahrtszeit. Hieraus resultierend ist ebenso, dass ein Marschrutka jederzeit und überall an der Straße herangewunken werden kann. Die Preise variieren in munterer Selbstbestimmung, bezahlt wird beim Aussteigen.

Taxis: Das Taxi kann als letzte Alternative in ausweglosen Situationen ebenfalls herangezogen werden. Verfügbar sind sie in den meisten Regionen, für Verhandlungen, ob Preis oder Ziel seien zumindest rudimentäre Russischkenntnisse anempfohlen.

Sprache: Der Kaukasus galt in der Antike als der “Berg der Sprachen”, Strabo spruch einst von nicht weniger als 70 Dolmetschern, die man benötigte um allein am Schwarzen Meer erfolgreich Handel zu betreiben. Derlei Vielfalt, so sie in diesem Ausmaß je bestanden hat, ist zwar längst Vergangenheit, doch die Zahl und Eigenheit der hiesigen Schriften und Sprachen weiß immer noch zu faszinieren. Neben Georgisch werden hier noch 23 Sprachen aus sechs verschiedenen Sprachfamilien gesprochen. Doch so sehr meine Leidenschaft für dieses Land auch erglüht, dem Ansinnen das Georgische auch nur halbwegs zu beherrschen, ist einem erschöpften Realitätsempfinden gewichen. Allein das scheinbar aus einem Fantasyroman entsprungene hiesige Alphabet lässt einen ehrfürchtig niederknien. So danken wir einmal mehr den verachtungswürdigen Triebkräften imperialer Expansionsbestrebungen in der Geschichte und verweisen auf die lingua franca des Kaukasus – Russisch. Auch wenn die Sehnsucht nach dem Westen offensichtlich ist, Russisch bleibt weiterhin die beste Sprache um sich zu verständigen. Speziell mit Menschen, die die Sowjetunion noch erlebt haben, ist dies eine mehr als ausreichende Verständigungsmöglichkeit. Bei jüngeren Menschen ist Englisch meist die Sprache der Wahl, wobei dank des miserablen Bildungssystems und geringer Anwendungsmöglichkeiten während der Transition dies eher schlecht als recht beherrscht wird. Auch Deutsch wird in gar nicht so wenigen Fällen gesprochen, mittlerweile soll Deutsch an georgischen Schulen gar Französisch als zweite Sprache abgelöst haben. Und wenn gar nichts mehr helfen sollte, kann irrwitzigerweise die geschätzte Weltsprache Polnisch einen Rettungsanker darstellen. Denn dank der eingangs erwähnten Billigfluglinie entdeckten in den letzten Jahren Polen Georgien in großen Scharen, was in Gastronomie und Tourismusgewerbe zu respektablen Sprachkenntnissen im Polnischen geführt hat.

Menschen: Unbestritten das Salz in der Suppe. Abseits jeder Verallgemeinerungen und sonstiger Über-den-Kamm-Schererei kann hier die Aussage getroffen werden, dass zwischen Großem und Kleinen Kaukasus ein ungemein herzlicher Menschenschlag lebt, der sich dabei stets unaufdringlich und galant um die Befindlichkeit seiner Gäste sorgt.

Selbst Wölfe im Schafspelz scheinen hierzulande nett zu sein.
Selbst Wölfe im Schafspelz scheinen hierzulande nett zu sein.

Selbst dem unerfahrensten Reisenden wird schon nach ersten Augenblicken seiner Georgienreise spüren, dass er hier wohl aufgehoben ist. Ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit ganz unerwarteter Güte. Dieses Gefühl wird dann auch statistisch bestätigt, weltweit steht Georgien aktuell auf Platz 3 in der Kategorie der unkriminellsten Länder.

Geographie: Obwohl Georgien streng genommen zu Asien gehört ist man sich diesbezüglich vor Ort recht unsicher. Bisweilen spricht man spricht eher von Georgien als etwas eigenem oder vom Balkon Europas. Die Fläche entspricht mit knapp 70.000 qkm ungefähr der von Bayern, was angesichts der Fahrzeiten, die das Reisen hier erfordert wirklich enorm überrascht. 87% des Landes sind von Gebirgen oder Vorgebirgen, 44% von Wald (5% Urwald) bedeckt. Im Norden lockt der Große Kaukasus im Süden betört der Kleine Kaukasus. Klimatisch weiß dieses kleine Land mit einem breiten Portfolio von sieben Klimazonen zu überzeugen. Der Kaukasus schützt Georgien vor den eisigen russischen Winden und ermöglicht so, dass das Schwarze Meer das Land kontinuierlich erwärmen kann. So kann der Reisende zu jeder Jahreszeit wählen zwischen diversen Variationen von subtropisch, steppig und kontinental-gemäßigt. Beste Reisezeit bleibt dennoch Frühling oder Herbst.

Kulinarik: Ja, wo soll man hier anfangen? Vielfalt, Frische, Reichhaltigkeit und Exotik lassen mich hier jedes Mal von Neuen nach Luft schnappen. Auch wenn selbstredend Vegetarier und ähnlich Veranlagte wie immer nur einen Bruchteil der Kultur genießen können, kommen auch diese hier auf ihre Kosten. In einem Land mit mehreren Ernten pro Jahr und einer stark landwirtschaftlich geprägten Kultur, die aber noch nicht von den Segnungen industrieller Herstellung betroffen ist, kann Ernährung nicht geringer als ein Erweckungserlebnis beschrieben werden.

Schaschliki - die Mutter aller Fleischcolliers!
Schaschliki – die Mutter aller Fleischcolliers!

Hier die wichtigsten Spezialitäten ohne die kein Georgienentdecker das Land wieder verlassen sollte:

  • Chatschapuri – eine Art Fladenbrot mit Käse gefüllt oder belegt, stets und überall frisch und billig in diversen Variationen zu haben; allein dies wäre schon Grund genug nach Georgien zu reisen
  • Chinkali – die hiesige Auslegung gefüllter Teigtaschen, groß und würzig – eine vollwertige Mahlzeit für jede Gelegenheit
  • Mzwadi – Schaschlik, die Mutter aller kaukasischen Delikatessen; von hier aus begann ihr Siegeszug über die Grills dieser Welt, selbstredend schmecken sie hier am besten
  • Chartscho – eine deftige Rind- oder Lammfleischsuppe mit Nüssen und natürlich jeder Menge Koriander

Doch es ist nicht nur ein Paradies der Leckerbissen – Georgien bietet als Mutterland des Weins gleichsam auch eine unüberschaubare Anzahl an erlesenen Weinen. 500 der 4000 Rebsorten dieses Planeten kommen von hier, die Geschichte des Weinbaus hat hier eine 8000jährige Geschichte, das Wort Vino ist ein georgisches – muss ich noch mehr sagen?! Außerdem ist ein Georgienbesuch ohne eine Kostprobe der hiesigen Cognacs eine unermessliche Straftat. Auch wenn man bislang mit dieser Spirituose nicht sonderlich viel anfangen konnte, hier sollte man es wagen. Vertraut mir – ein Offenbarung für die Sinne. Ein weiterer alkoholischer Kompagnon, Tschatscha, wird man dagegen schwer aus dem Wege gehen können. Diese, zumeist schwarzgebrannte, hochprozentige Grappa-Variation wird einem unter Garantie schon beim ersten Kontakt mit Einheimischen angeboten werden.

Reiseziele: Nach soviel vorbereitender Lobhudelei nun aber zum Kern des Pudels. Wohin soll die Reise gehen? Was hat Georgien denn Lohnenswertes zu besichtigen?

Kutaissi

Städte:

      • Tblissi/Tiflis – Als Hauptstadt Georgiens, größte Stadt (1,16 Mio. Einwohner; ein Drittel der Bevölkerung) gilt sie als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des Landes. Damit ist es selbstredend ein erklärtes Ziel jedes Georgienausflugs. Einen Ansatz für die zahlreichen Sehenswürdigkeiten die Tblissi im Angebot hat, und die dem geneigten Städteliebhaber ausreichend Unterhaltung für eine erlebnisreiche Woche bieten sollten, kann man diesem ausführlichen Artikel entnehmen.  Als Unterkunft sei an dieser Stelle schamlos für das Hostel “Why not…” Werbung gemacht. Die ungezwungene familiäre Atmosphäre und ganz und gar entspannte Stimmung unterscheiden es wohltuend von dem austauschbaren Einerlei der globalen Hostelschwemme
      • Kutaissi – eingangs schon erwähnte zweitgrößte Stadt Georgiens (200.000 Einwohner) und Hauptstadt der Provinz Imeretien. Historisch gesehen die alte Haupstadt des antiken Kolchis und damit quasi das ehemalige Zentrum Georgiens. Dank der Billigfliegerlogik werden die meisten Georgienreisen hier ihren Anfang nehmen. Hierfür ist Kutaissi vorzüglich ausgestattet. es gibt zahlreiche Unterkünfte und einige nette Lokale. Eines der reizendsten Etablissements ist hierbei das Restaurant Palaty direkt in der Altstadt. Nicht nur die Küche ist hier nochmal einen Zacken delikater als üblich auch das Kulturangebot machte die Besuche hier stets zu etwas ganz Besonderem. Ein Spaziergang zu der majestätisch über Stadt thronenden Bagrati Kathedrale sei wärmstens empfohlen. Die Aussicht hier oben ist den kleinen Aufstieg zweifellos wert. Daneben laden zahlreiche sehenswerte Klöster, Kirchen und Höhlen in der direkten Umgebung zu einem Besuch ein.

 

        • Batumi – Neben der recht reizlosen Hafenstadt Poti die größte Stadt Georgiens am Schwarzen Meer. Eine wuselige, aufstrebende Ansiedlung, welche dank ihres mediterranen Flairs einen hervorragenden Ausgangspunkt für die Entdeckung der Küste bietet

Natur:

Der Borjomi-Nationalpark von oben
Der Borjomi-Nationalpark von oben
        • Borjomi – bekannt schon seit der Zarenzeit für seine Mineralquellen gehört Borjomi wohl zu den berühmtesten Kurorten, in diesem an Kurorten reich gesegnetem Land. Gleichzeitig ist es aber auch das Tor zum Bordschomi-Charagauli-Nationalpark. Dieser 85.000 ha große Nationalpark im Kleinen Kaukasus ist wohl einer der bestausgestatteten und organisiertesten Nationalparks in Georgien. Dabei ist der Nationalpark einer der größten zusammenhängenden Naturschutzgebiete Asiens. Die Wanderwege hier sind hervorragend markiert, Schutzhütten sind über das gesamte Gebiet verteilt. Der beste Einstieg für den Naturfreund, der sich seine ersten Meriten in Georgien erwerben will
        • Swanetien – abgeschiedene Bergregion im Großen Kaukasus. Bekannt und auf zahlreichen Reiseführen abgedruckt sind die typischen Wehrtürme aus der Zeit des Fürstentums Swanetien. Empfehlenswert und auch für weniger erfahrene Wanderer geeignet ist die Strecke von Mestia nach Ushguli. Die Strecke ist angemessen markiert und problemlos in fünf Tagen zu schaffen. Anreise nach Mestia mit Marschrutka über Sugdidi
        • Tuschetien – Bergregion im Nordosten, gilt als eine der unberührtesten und ursprünglichsten Gegenden Georgiens. Große Teile gehören zu dem Tusheti-Nationalpark, einem der spektakulärsten Naturreservate des Landes
Der Kazbeg, Prometheus-Gedächtnisfelsen, taucht in der obigen Aufzählung gar nicht auf. Ist aber definitiv einen Abstecher wert.
Der Kazbeg, PrometheusGedächtnisfelsen, taucht in der obigen Aufzählung gar nicht auf. Ist aber definitiv einen Abstecher wert.

Kultur:

        • das Höhlenkloster von Vardzia – faszinierende in den Fels gehauene Kloster- und Wehranlage. Im 12. Jahrhundert erbaut, wird die Anlage, welche zeitweise bis zu 50.000 Menschen Obdach bot, bis heute als Mönchskloster genutzt Diese, als Hauptsehenswürdigkeit Georgiens geltende Anlage ist zweifellos die Reise wert und sei jedem ans Herz gelegt. Ebenso wie das etwas mehr Sportlichkeit verlangende Höhlenkloster Dawit Garedscha an der Grenze zu Aserbaidschan
        • die Weinernte in Kachetien – Kachetien, die östlichste Provinz mit der Hauptstadt Telawi gilt als die Wiege des Weinbaus. Nicht nur zur Weinernte (Ende September) wird jedem Weinliebhaber eine Exkursion hierher die Tränen in die Augen treiben. Hier können noch hunderte altmodische Weingüter genossen werden, die ohne jegliche Einmischung der Moderne seit Jasons Zeiten vor sich hin winzern
        • Gori – die Geburtsstadt Stalins. Man kommt nicht drumrum, der berühmteste Georgier aller Zeiten ist zweifellos der schnauzbärtige Dschugaschwilli. Wer mag, kann der Kleinstadt in der Nähe Tblissis einen Besuch abstatten und im Stalinmuseum so spektakuläre Exponate wie den Waggon, in dem der Generalissimus nach Jalta fuhr, besichtigen.
          Stalins Waggon. Trainspotting für Salonbolschewisten.

          Wer dem nicht viel abgewinnen kann, der darf sich natürlich auch hier über eine Höhlenstadt erfreuen.Uplisziche gehört zu einer der mächtigsten Festungsanlagen an dem sich jahrhundertelang die jeweiligen Eroberer Georgiens die Zähne ausbissen. Bis die Mongolen kamen…

        • die Seilbahn- und Bergbaustadt Tschiatura – kleine Bergbaustadt, die auch wenn sie einst der größte Manganerzproduzent der Welt war (1879 war der Anteil am Weltexport 50%) sonst nicht unbedingt der Erwähnung wert wäre. Was sie besonders macht, ist das öffentliche Nahverkehrsmittel Nummer 1, die aus 26 Seilbahnen besteht. Angesichts der knifflig bergigen Lage der Stadt entschied man sich zu dieser außergewöhnlichen Vernetzung. Ein Erlebnis der ganz besonderen Art und Spaß für die ganze Familie.

Und sonst:

        • die Schwarzmeerküste – einst neben der Krim DER Sommerurlaubstraum jedes Sowjetbürgers verharrt die sonnige Küstenregion gegenwärtig in lässiger Apathie, die nur zaghaft wieder wachgeküsst wird. Zahlreiche Hotelanlagen, edle Villen und geräumige Strandanlagen erzählen von einer goldenen, längst vergangenen Zeit. Aktuell liegt hier vieles brach auch wenn der Strom von türkischen, polnischen und russischen Touristen langsam zunimmt. Doch auch wenn der Abstieg der Küste offensichtlich erscheint, kann man hier ganz ausgezeichnet ein paar entspannte und ruhige Tage verbringen. Empfehlenswerte Orte sind hierfür Kobuleti und Shekvetili

 

Frisch gelesene Bücher: Santa Esperanza

Wie hier ja schon subtil zwischen den Zeilen durchgesickert sein dürfte – ich bin ein wenig begeistert von dem kleinen Ländchen namens Georgien. So konnte es nicht ausbleiben, dass ich auch der georgischen Literatur ein wenig auf den Zahn fühlen wollte. Nun könnte man, wie bei so vielen Sachen in Georgien, hier weit zurückgreifen und sich aus einem schier unerschöpflichen Fundus bedienen. Doch ich konzentrierte mich zunächst auf die neuere Literatur und stolperte dabei über Santa Esperanza und war erstmal baff.

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Was bitte war denn das? Nach kurzer Recherche erfuhr ich, dass es sich hierbei zwar um 36 einzelne Hefte in einem entzückenden Schuber handele, das Ganze aber dennoch ein 850seitiger Roman sein könne. Oder auch nicht. In dem schließlich zu Gemüte geführten Anleitungsheft erfuhr ich, dass ich die einzelnen Hefte in beliebiger Reihenfolge lesen könne – eine Geschichte würde sich in jedem Falle entspinnen. Selbstverständlich ist der Autor auch so frei und bietet verschiedene Reihenfolgen für die unterschiedlichsten Launen an – gar keine Frage, das musste probiert werden.

Kaukasusnovize der ich war, wählte ich das Standardverfahren alles schön der Reihenfolge nach zu lesen. Eine sehr praktische Angelegenheit im Übrigen um lesend zu reisen: auf allen Ausflügen auf denen das Gepäck anderswo gelagert ist, kann solch ein (oder zwei) schmales Heftchen immer mitgenommen und zwischendurch gelesen werden.

Doch nun zum Buch an sich. Es handelt sich um einen  historischen Roman, welcher das fiktive Inselreich “Santa Esperanza” im Schwarzen Meer zum Thema hat. Diese Inseln liegen irgendwo zwischen Georgien und der Türkei und wurden im Laufe der Jahrhunderte von den verschiedensten Völkern besucht und geprägt. Diese bunte und verworrene Geschichte, die mit leichter Hand Kaukasus und mediterrane Kultur miteinander verwebt und schließlich im Chaos und Bürgerkrieg der Gegenwart endet, ist ein lesenswerter Einstieg in eine fabulierfreudige, freundliche und absurde literarische Welt, die der realen Welt in unzähligen Details gleicht. Wir fassen zusammen: Vielleicht ein Glückstreffer, aber auch in Sachen Lektüre weiß Georgien zu überzeugen!

 

Ein unmöglicher Reisebericht

Es ist an der Zeit ein paar resümierende Worte zu verlieren. Ein zusammenfassendes Zwischenfazit zu einem Erlebnis, welches mich sprachlos begeistert hat. Die Rede ist von jenem Land im Kaukasus mit den zahlreichen Namen – Sakartwelo, Grusinien, Kolchis, Georgien! Ein schwieriges Unterfangen, fürwahr! Den unterwegs abgeschossenen Reisesplittern konnte man mit Sicherheit schon entnehmen, dass ich ganz und gar fasziniert war von dem was sich mir in einer viel zu kurzen Woche bot. Auch im allerneusten Laberpodcast bringe ich dies ja ganz zum Schluss zur Sprache. Und das obwohl ich mit allerhöchsten Erwartungen angereist war.

Es ist genug Gegend für alle da
Es ist genug Gegend für alle da

Was nun ist die Grundlage dieser lobhudelnden Euphorie? Schwierig, schwierig. Allzu oft bemerkte ich bei meinen mündlichen Reiseberichten, dass Worte offenbar nicht ausreichten um das Besondere an Georgien zu vermitteln. Abgesehen von den offensichtlichen Kernkompetenzen, wie herausragende Küche, atemberaubende Berge, entzückender Strand, vorzügliche Weine, eine bezaubernde und pralle Vegeation allerorten  und  Gastfreundschaft in ihrer reinsten Form sowie Freundlichkeit, immer wieder Freundlichkeit, war da noch etwas ein schwer zu beschreibendes Etwas. War es die Ferne, das Exotische, das nicht Einordnungsbare? Gänzlich sicher bin ich mir immer noch nicht. Fest steht jedoch, dass ich sieben Tage wie elektrisiert alles um mich herum aufsog und nach Ende der Reise auch erlebnisverkatert wie lange nicht mehr derbe in der Heimat aufschlug.

Mama Grusija - charmant, apart und abgewandt freundlich!
Mama Grusija – charmant, apart und abgewandt freundlich!

Was bleibt ist Spekulation und Vermutung. Erst die nächste Reise (und wie ein Süchtelnder zähle ich die Tage bis dahin…) wird eventuell mehr Gewissheit erbringen. Eine Erklärung die, so diffus wie plattitüdig daherkommt, wäre jene, dass ich mich hier jede Minute wie zuhause gefühlt habe und dabei unablässig das Gefühl hatte, dass mir hier ein Detail, ein winziges Mosaikstückchen fehlte. Fehlte zu was? Ja, das ist die eigentlich entscheidende Frage. Ständig hatte ich ein unbestimmbares Gefühl, dass ich nur ein Haarbreit entfernt war: zum vollständigen Verständnis, perfekten Geschmackserlebnis – was auch immer. Oft, zu oft, blieb ich unsagbar befriedigt zurück und doch nagte eine gewisse Unruhe an mir, die mich wach hielt. Da war noch mehr. Dem weitgereisten Beobachter in mir kam es so vor als würde da noch mehr sein, etwas das nur im Augenwinkel sichtbar, im Unbeobachteten entdeckbar war – im ständig zwielichternder Unschärfe. Ein Phänomen, welches mich in jedem Fall wachhielt, mich weiter hungrig ließ und aktuell nach mehr geifern lässt? Ja, ich sehe ein, so großartig dieses Medium hier auch immer ist, für alle kommunikativen Bedürfnisse scheint es nicht auszureichen. Auch wenn ich das Gefühl habe, mich besser verständigt zu haben, als mit gestammelten unfertigen Worten.

Schlingern wir also mit quietschender Kausalität zum Ende dieser unmöglichen Aufgabe, ein Fazit darzureichen nach lumpigen sieben Tagen! Dies war ein Appetithappen, aber ein gewaltiger und anregender. Die Vorfreude auf den nächsten Sommer ist hiernach nicht nur berechtigt sondern auch nicht unerheblich angefeuert.

 

MZB007 – Münzenberg – Der uneinheitliche Einheitsplausch

25 Jahre am Humboldthain. Zu Füßen das ewig unbeteiligte Berlin.
25 Jahre am Humboldthain. Zu Füßen das ewig unbeteiligte Berlin.

 

I’ve been looking for freedom von David Hasselhoff auf tape.tv.

<!– http://www.podcast.de/pod_96313JMeqZ082hLD7IqTs549050/ –>

Mein Podcast bei podster

 

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Das wars noch lange nicht

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Der Brückenkopf nach Europa - genauso öde wie er aussieht.

Und nun stehen wir wieder an einem dieser verhassten Übergangspunkte des internationalem Kolontourismus und warten auf unsere Übernahme in die hochgeschätzte Heimat. Doch zuvor sei Kutaissi erwähnt, zweitgrößte Stadt Georgiens, und nach kurzer Visite überaus angenehm. Wir genossen nach Maß und auch angemessen unseren Abschied von all jenem was man nach einer Woche so unschätzbar geworden ist.
Und wenn eines gesagt sein darf: Ansprüche weitestgehend gedeckt – ich komme wieder.

In der Weinhauptstadt

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Telavi - Mutter aller Weintrauben

Etwas mehr als 150 km später sind wir in Telavi angekommen. Die Hauptstadt von Kachetien – ein Mekka für Weinliebhaber. Seit 6000 Jahren wird hier Wein produziert, es versteht sich, dass wir von dieser Erfahrung unbedingt etwas mitbekommen wollten. Und so rinnt aktuell ein trockenes Fläschlein unsere Kehlen hinunter, die Grillen zirpen und in der Ferne lockt ein neues Sortiment an entzückenden Bergen.

Ein anderes Thema sei hier noch kurz angeschnitten – die Rennfahrernation Georgien. Ich war nun doch in einigen Ländern die eine recht legere Auslegung von Verkehrsregeln und dem allgemeinen Umgang im Straßenverkehr haben, doch die Georgier schlagen alles bisher erlebte. Ich habe heut ungelogen fünf Mal mein Leben vor meinem inneren Auge vorbeiziehen sehen. Zwei Hände am Lenkrad scheinen in einem so kurvigen Land derart unmännlich zu sein, die ununterbrochen glimmenden Zigarette braucht die Hand ja auch dringender. Wahre Hysterie ergriff mich nur wenn das Handy klingelte…

Abschied vom großen Berg

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Zwei Tage haben wir im Schatten dieses übermächtigen Riesens verbracht. Nun ziehen wir weiter. Höchstwahrscheinlich gen Telavi um der Weinlese beizuwohnen. Eines soll aber noch angefügt sein. Wenn der Eindruck entstanden sein mag, dass Russland hier in irgendeiner Weise ein Problem sein könnte, so entspricht das dem Eindruck den ich vermitteln wollte. Andererseits sitze ich auch gegenwärtig in einem Lokal, welches zwar definitiv polnisch dominiert ist (unser Chauffeur spruch von Mało Polski als er uns hinauffuhr – wir danken den Angeboten der ehrbaren Fluglinie Wizzair) aber durchmischt ist von Polen, Kaukasiern und Russen. Man redet und scherzt miteinander. Hoffnung, so rar sie in meinem Herzen bisweilen ist – hier habe ich auf ein mal einen kleinen Zukunftsschluckauf. Und das in dieser Gegend.

Grenzerfahrungen

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So frei dieser Blick erscheint - zwei Kilometer entfernt ist die Grenze zu Russland.

Erneut wollten wir uns heute wieder dem Ehrfurcht gebietenden Kasbeg nähern. Noch ein wenig näher an Russland wollten wir uns an ihn heran schlängeln. Nette Idee, bezaubernder Weg der uns bei allerbesten Wetter beständig in die Höhe führte. Doch nach zärtlich erklommenen 500 Höhenmetern erblickten wir den lässigsten, je gesehenen Grenzer (T-Shirt&Funke). Jener erklärte uns sanft aber bestimmt, dass wir zum weitergehen einen Propusk bräuchten. Diesen gebe es auch ohne Probleme und für lau, die Station hierfür sei auch nur 5 Kilometer und 500 Höhenmeter entfernt. Unsere Motivation für dieses Unternehmen sank angesichts dieser Angaben jedoch immens. Nun denn, ich begreife derlei Erfahrungen als Teil meines Scout-Auftrags für die große Sommertour. Die Berge mögen frei und wild erscheinen, doch die Staatsgrenzen benötigen hier stets eine gesonderte Aufmerksamkeit.

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Zu Gast bei Prometheus

Ich könnte und sollte nun schwärmen und schwadronieren, die unfassbare Schönheit des Kaukasus’ in den saftigsten Farben schildern – doch muss ich ein Ereignis her orheben, welches die Unglaublichkeit der Natur leichterhand in den Schatten stellte. Da schwitzt man friedlich den Berg hinauf, ergötzt sich am Anblick des Kasbegs, hört förmlich den lebergeilen Adler kreischen und dann sieht man das rot-weiße Stigma eiserner Präsenz.

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Im Hintergrund der Kasbeg, im Vordergrund ein Aufstieg nach Maß.

Vertraut mir bitte – ich war es nicht! Warum reden immer alle über den Aufstieg wenn Union doch offensichtlich schon aufgestiegen ist.

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