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Tourilympics

Seit einer erklecklich langen Zeit gehört, dank U6-Unterbrechung, der Gang vom Bahnhof Friedrichstraße bis zum Bahnhof Französische Straße zu meinem täglich Brot. Es gibt weitaus Schlimmeres. Der Großteil der Strecke ist überdacht, unmäßig weit ist es auch nicht und gegen ein wenig frische Luft zwischendurch ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Wenn, ja wenn diese Strecke nicht zu den eruptiv mäandernden Touristenetappen gehören würde. Nun will ich hier keineswegs in den Chor jener ewig meckernden Großstadtneurotiker einstimmen. Aber nein, kommt weiterhin in Scharen. Erzählt euren vermögenden Erzeugern vom Charme dieser Stadt, kauft euch ein und saniert uns kaputt. Bitteschön. Aber das ist ein anderes Thema. Worum es mir geht, ist, ein wenig Struktur in euer Wandeln zu bringen.

Daher hier die sieben unerlässlichen Regeln zum erfolgreichen, und einzig wahren Berlin-Marathon.

1. Bleibt aus unerfindlichen Gründen plötzlich und unvermittelt stehen. Für die Endwertung ist hier Qualität entscheidender als Quantität. Ununterbrochenes Stehenbleiben ist zwar ganz okay, aber das abrupte Abbremsen im flüssigen Gang, mit Fühlnähe zum nächsten Verfolger ist eindeutig höher zu bewerten.

2. Macht Fotos! Gern verbunden mit der ersten Disziplin. Wert wird hier aber insbesondere darauf gelegt, dass ihr einerseits die abwegigsten Objekte (euch selbst, Edelboutiquen, Ampelmännchen etc.) ablichtet sowie andererseits, für besagtes Fotoshooting den Verkehr möglichst lange aufhaltet.

3. Habt alle Hände voll und schlenkert mit eben diesen möglichst selbstvergessen um euch. Die Standardausrüstung des Tourilethen besteht hier in einem Handy in der einen und einem schleimigen Kaffeemischgetränk mit halbherzig aufgepfropften Deckel in der anderen Hand. Variationen sind hier zahlreich und gern gesehen. Achtet bitte darauf, dass, solltet ihr mit den den selbstgewählten Spielelementen bei anderen Mitspielern Trefferpunkte erzielen, die Hauptschuld für dieses Ereignis dem jeweiligen Kontrahenten zugeschustert wird.

4.Traditionell handelt es sich um einen einen Parcours mit Gegenverkehr, also versucht auch hier ausreichend Treffer zu landen. Die oben genannten Mittel bieten hierzu jede Menge Spielraum. Doch hier muss nicht Schluss sein. Eine denkbar inkonsistente Wegführung, ausschweifende Gestikulation und unvorhersehbare Überholmanöver wenn der Flaschenhals am engsten ist, erzielen respektable B-Noten.

5. Versuch immer so langsam wie möglich zu laufen. Einzige Ausnahme: An roten Ampeln musst du unbedingt die Poolposition ergattern. Natürlich einzig mit dem Ziel bei Grün erneut so langsam und so spät wie möglich loszulaufen.

6. Laber laut, ununterbrochen und völlig enthemmt vor dich hin. Die Juroren werden es im Übrigen in jedem Fall honorieren, wenn dein Team weit über das Teilnehmerfeld verstreut ist und dennoch eine grundsolide Mannschaftsdiskussion über alle Köpfe hinweg stattfindet.

7. Fahr Fahhrad. Die Königsdisziplin für den erfahrenen Tourilethen. Solltest du obige Punkte fahhradfahrend erfüllen, ist dir der Sieg so gut wie sicher.

In diesem Sinne – Sport frei!     

Reisewarnung: Länder ohne Eisenbahn

Seit geraumer Zeit bastle ich nun schon an der elementarsten aller Listen – die der Länder ohne Eisenbahn. Damit hier keine unnötige Stöhnerei losgeht: Es ist mir bewusst, dass eine Liste dieser Ausführlichkeit in unseren schnellebigen Zeiten nachgerade anstößig ist. Ich möchte daher anmerken, dass nachfolgende, kommentierte Aufzählung als regelmäßig aktualisierte Nachschlagequelle zu verstehen ist. Also kein Druck!Grundlegende Basis für die Zusammenstellung ist die Arbeit unserer Schaffnerfreunde aus Langley, die die mit Abstand beste Auflistung aller Länder MIT Eisenbahn vorgelegt haben. Blieb mir, der ich hier eine Liste der Länder OHNE Eisenbahn (wohlgemerkt, wir sprechen von Personenverkehr!) präsentieren wollte, nur noch eine kurze Überprüfung der Daten sowie eine Ergänzung durch jene sympathischen Neueinsteigern ins Staatsgeschäft, welche vom CIA bis jetzt noch nicht berücksichtigt wurden.

Als da wären:

  • Abchasien (ein grundsolides Streckennetz von 221km und das mit einer Strecke, die sich sehen lassen kann. Liebe Freiheitskämpfer, wenn irgend möglich, bitte heil lassen!)
Nowi Afon (1989) nächster Bahnhof zu Stalins Lieblingsdatsche. Wäre doch ein Jammer drum!

 

  • Laos (auch wenn die Herren Agenten die Anstrengungen der kleinen Laoten nicht für ausreichend befanden, hier soll dies nicht geschehen. Seit März 2009 verfügt Laos über einen Eisenbahn-Anschluss nach Thailand. Ganze 3,5 Kilometer ist das Gleisstück lang und das ist noch nicht alles. Ein weiteres Bahnprojekt ist bereits in Planung einer Transit-Verbindung in Süd-Laos von der thailändischen (Savannakhet) bis zur vietnamesischen Grenze (Lao Bao), von wo die Weiterführung zum Hafen Da Nang geplant ist. Da ich angesichts des allgemeinen Niedergangs des Schienenverkehrs durch abstruse Flugmanager und andere ahnungslose Irre jedweden Zuwachs an Gleisen begrüße, möchte ich die Laoten herzlich willkommen heißen)
  • Singapur (auch hier möchte ich eingreifen und die Beurteilung des CIA verbessern. Zwar besitzt Singapur keine eigene Eisenbahn, wird aber regelmäßig durch die Malaysische Eisenbahn angefahren. Ich finde das gilt. Andernfalls hätte Berlin ja auch keine S-Bahn.
  • Vatikan-Stadt (obwohl ich erhebliche Bedenken habe, möchte ich mich dennoch dafür aussprechen, den Vatikan in diese ehrwürdige Liste aufzunehmen. Zwar gibt es keinen regulären Bahnverkehr, kein eigenes Personal oder Fahrzeuge, ja nicht einmal ein eigenes Streckennetz, doch einen Bahnhof hat man und dieser ist auch in Takt und wird genutzt.

Offene Fragen: Berg-Karabach (das ist doch ganz respektabel, dass nur bei einem Land definitiv Unklarheit besteht.Zwar findet man sehr oft die Aussage, dass die Konflikte vor Ort die Eisenbahnverbindungen unterbrochen hätten, dies ist aber nur ein schwaches Indiz für vorhandene Schienen, sagt aber nichts weiter aus. Zu erfahren ist ebenso, dass die Verbindung von Aserbaidschan aus wohl weiterhin unterbrochen ist, aber auch das war von vornherein klar, und klärt auch nicht, ob in Berg-Karabach Lokomotiven unterwegs sind. Höchstwahrscheinlich komm ich um eine persönliche Inspektion nicht herum.
Geklärt und in die Liste der Zuglosen verschoben.

 

Länder ohne Eisenbahn
  • Äthiopien (auch wenn es Pläne ohne Ende gibt – aktuell donnert kein Zug durch die äthiopischen Weiten)
  • Afghanistan (liest sich nicht gut an: im 19. Jahrhundert verweigert man sich dem Schienensegen weil die zwei Eisenbahnimperialisten England und Russland in der Gegend nicht gerade beliebt waren und man daher von den zwei ehernen Strängen nur Schlechtes vermutete. Dieser Verdacht sollte sich bestätigen. Denn abgesehen von den 1920ern, in denen man kurz mal eine Schmalspurstecke baute, die pünktlich mit Einsetzen 30er wieder verrottet. Doch erst als richtige Kriege in Afghanistan beginnen, kommt auch die Eisenbahn. Die Sowjets spendieren ein paar grenzüberquerende Verbindungen und schließlich auch komplette Vollbahnverbindungen (voraussichtlich Ende 2010 abgeschlossen!). Dennoch wird Afghanistan wohl länger diese Liste anführen, da besagte Strecke einzig dem Güterverkehr vorbehalten bleiben wird.)
  • Andorra
  • Antigua und Barbuda (ein trauriger Fall, augenscheinlich verfügt man über immerhin 77km Eisenbahnstrecke, verwendet sie aber ausschließlich um Zucker durch die Gegend zu kutschieren!)
  • Äquatorialguinea (als einziges spanischsprachiges Land Afrikas an sich ein indiskutabler Fall: hier sind Flug- wie Straßenverbindungen derart marode, dass wir über Schienen mal lieber gar nicht sprechen wollen)
  • Bahamas (wikipedia fabuliert hier von “topographischen Bedingungen”, die einen Eisenbahnbau unmöglich machen würden. Pah! Ich muss doch sehr bitten!)
  • Bahrain (bis jetzt noch kein Gleis in der Wüste, doch wie man vernehmen durfte, versucht die wetterfeste Deutsche Bahn nun von Bahrain nach Katar für schlappe 17 Milliarden eine Eisenbahn, bzw. ICEs zu installieren. Glaubt man jedem Gerücht oder rausgehauenen Vorhaben, dann geht die ganze Angelegenheit sogar noch weiter und soll zu einem Schienennetz führen welches 6 Golfstaaten miteinander verbindet, und zwar Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar, VAE und Oman. Und das schon bis 2017 )
  • Barbados (mal wieder eine Fehlanzeige, obwohl es von 1900 bis 1937 mal Schienen gab)
  • Belize (schade, schade, schade. Eine britische Kolonie ohne Eisenbahn?! Nunja, zu Zeiten des Kolonialismus nicht. Goldene Zeiten der Dschungelbahn.)
  • Berg-Karabach (nach kurzem Telefonat mit dem freundlichen Reisebüro ASBAR kann ich nun aus erster Hand verlautbaren: Nein, hier gibt es keinen Zug der durch die Berge pfeift. Die Infrastruktur an sich macht so oder so einen problematischen Eindruck – nur einen Bus pro Tag von Jerewan nach Stepanakert und keinerlei ziviler Flughafen. Da ist noch eine Menge zu tun!)
  • Bhutan (auch wenn ganz findige Kollegen uns eine Bahnreise nach Bhutan verticken wollen, es bleibt dabei: die Lhasa-Bahn fährt nicht über Bhutan!)
  • Burundi (obwohl dichtbevölkert wird den Menschen hier keine Eisenbahn zur Seite gestellt. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt – laut fahrplancenter.com existiert ein Plan einer “Linie von Bujumbura über Kitega nach Tansania. Die neue Strecke in 1435 mm Spur wird in Isaka an die Strecke Tabora-Mwanza anschließen [ebenso] ist  eine Zweigstrecke nach Ruanda vorgesehen”)
  • Botswana (leider kein Aprilscherz – am 1. April 2009 wurde der komplette Eisenbahnverkehr eingestellt, es sei denn man verkleidet sich geschickt als Kohle, Kupfer, Nickel, Soda, Salz oder Fleisch)  Eingestellt und wiederbelebt – seit Juni 2006 fährt wieder ein Zug aus Francistown (Simbabwe) nach Bulawayo (Botswana). Anfangs noch dreimal die Woche, aktuell zweimal die Woche.
  • Brunei
  • Cook-Inseln
  • Djibouti (auch wenn es eigentlich nur eine Strecke in Djibouti gab – die Route nach Addis-Abeba war in weiter Flur seit langer Zeit das einzige relevante Stück Eisenbahnverkehr. 2008 wurde diese Strecke gänzlich stillgelegt)
  • Dominica
  • Dominikanische Republik (auch hier ist gegenwärtig Zugverkehr nur möglich wenn man sich als Zuckerrohr verkleidet. Doch hoffentlich nicht mehr lang. Laut dieser Verlautbarung plant man eine Verbindung zwischen Santo Domingo und Santiago. Sollte der Startschuss erklingen, würden angeblich fünf Jahre später wieder Züge über Hispaniola rollen)
  • El Salvador
  • Fiji ( hier versucht uns der CIA dann doch mal ganz unverschämt eine reine Güterbahn unterzujubeln. Wo doch allgemein bekannt sein dürfte, dass diese allein für den Transport von Zuckerrohr zur Raffinerie in Lautoka bestimmt ist.) Aufgrund vehmenter Einsprüche seitens engagierter Kommentatoren kann Fiji von dieser Schandliste gestrichen werden. So etwas Schönes muss einfach gelten.
  • Gambia
  • Grenada
  • Guatemala (ein weiteres Land, welches sich in jüngster Zeit gegen die Eisenbahn wandte. Die Liste wird länger und länger…)
  • Guinea-Bissau
  • Guyana (mal wieder eine britische Kolonie mit eher unspaßiger Eisenbahnkultur: 187km Streckennetz, nur zum Erztransport)
  • Haiti (ein sehr mysteriöser Fall, verschiedene Quellen sind sich tatsächlich nicht sicher ob die 40km Netz noch genutzt werden. Dies ist aber offensichtlich nicht der Fall wie diese sehr lesenswerte Dokumentation schildert.)
Jim Knopf lässt grüßen! Wer hätte bei diesem Bild bitte auf Haiti getippt?!

 

  • Island
  • Jamaica (auch hier wieder das Phänomen der ausschließlichen Nutzung für den Gütertransport. Diesmal: Bauxit!) Endlich mal ein Befreiungsschlag! Jamaica verfügt seit diesem Jahr wieder über eine Eisenbahn für Menschen. Stolze 20km verkehrt die Bahn. Gratulation und weiter so! Und wieder löst sich Hoffnung in Fatalismus auf – seit dem 21. August 2012 stehen wieder Menschen ohne Verbindung auf den Bahnhöfen Jamaicas!)
  • Jemen
  • Jordanien (obwohl einstmals von spektakulären Eisenbahnrouten wie der Hedschasbahn durchzogen – aktuell scheint der Personenverkehr zum erliegen gekommen zu sein. Einzig für den Phosphattransport rollen Züge durch die Wüste.)
  • Kambodscha
  • Kapverden (bei solchen Inselgruppen ist man ja fast geneigt, es zu akzeptieren, dass man auf die Königin der Fortbewegungsmittel verzichtet, nur um dann zu erfahren, dass es auch hier mal eine Eisenbahn mit Windsegelantrieb gegeben haben soll. Das nenn’ ich Sportsgeist.)
  • Katar (s. Bahrain)
  • Kiribati
  • Komoren
  • Kuwait
  • Libanon (nichts, nicht und nochmal nichts. Noch nicht einmal einen fadenscheinigen Perspektivplan oder ähnliches. Dabei war hier mal einiges. Doch das hat sich alles der Krieg genommen. Einmal mehr schade. Erwähnenswert allein – die Existenz einer Straßenbahn in Beirut!)
  • Libyen (und hier jetzt aber mal ein ganz großes NOCH! Denn hier hat die Russische Eisenbahn einen Großauftrag an Land gezogen. Klingt irgendwie vielversprechender als die geplante Golfaktion der Deutschen Bahn. Schließlich will man noch in diesem Jahrzehnt über 3000 Bahnkilometer durch die Wüste ziehen. Besser als das 1912 von Italienern erbaute Schmalspurnetz kann es nur werden.)
  • Malediven
  • Malta (obwohl man schon 1883 begann, hielt man es auf Malta doch nicht länger als 1932 aus)
  • Marshallinseln (bei so einem “Land” bin ich ja schon leicht am zweifeln, aber da muss ich durch!)
  • Mauritius (über ein Jahrhundert gab es hier eine Eisenbahn. Spektakulär früh begann es im Jahr 1862, doch 1964 gellte der letzte Zugpfiff über die Insel)
  • Mikronesien
Eine der Überraschungen dieser Recherche schlechthin – Eine Eisenbahn auf Nauru!

 

  • Nauru (hier war ich wirklich überrascht. Natürlich gilt’s wieder nicht, weil nur für Güter, diesmal Phosphat, aber das überhaupt auf diesem Inselchen mit seinen paar tausend Einwohnern 5km aktive Strecke aufzufinden ist. Respekt! Wäre damit wahrscheinlich weit vorne in der, anfangs von mir angedachten Kategorie Bahnkilometer pro Einwohner.)
  • Nicaragua (ein relativ frischer Trauerfall ist in dem Land zu betrauern für das ich Jahre lang Altpapier und Flaschen sammelte. Seit 2006 fährt keine Eisenbahn mehr durchs Land und beendet damit eine über 130 Jahre alte Tradition. Doch es keimt Hoffnung auf: Die Vision des FERISTSA, einer 2500km langen Verbindung von Mexico nach Panama, spendet Hoffnung auf bessere Zeiten)
  • Niger
  • Nordzypern (erneut eine Insel ohne Eisenbahn. Doch dies war nicht immer so. Schenkt man diesen Ausführungen hier Glauben, ist uns Spätgeborenen da ein absoluter Leckerbissen entgangen.)
  • Oman (s. Bahrain)
  • Osttimor (obzwar ich für das Fehlen einer Eisenbahn genaugenommen keinen Beleg fand, gehe ich jetzt einfach mal davon aus. Gegenteilige Argumente werden jederzeit angenommen.)
  • Palästina (ähm, tja, also das liest sich so aus der Ferne mal wieder sehr kryptisch, die Sache mit Palestine Railways. Mit der Erlangung der Autonomie gründete man das ehemals ruhmreiche Unternehmen neu, doch wie es scheint nicht sonderlich erfolgreich. Damit “übernahm man theoretisch die Eisenbahn im Gaza-Streifen. Die Strecke ist ca. 50 km lang und reicht von der ägyptischen Grenzstation Rafah bis zur israelischen Grenzstation Erez. Die Strecke ist baulich teilweise verloren. Fahrzeuge gab es keine mehr. Der Eisenbahnverkehr wurde nie aufgenommen.” Klar, gibt dort unten ja Wichtigeres zu tun als ‘ne schmucke Eisenbahn aufzubauen.
  • Palau
  • Papua-Neuguinea
  • Paraquay (ein extrem trauriger Fall. Eigentlich war alles schon in Sack und Tüten – eine Strecke zwischen zwischen Asunción und Encarnación war greifbar nahe. Doch dann kam alles anders, sie folgenden Bericht. Doch ich leiste mir noch die Hoffnung, dass das nicht das letzte Wort war.) Dank Gerald Pribitzer wissen wir nun, dass dieses Debakel nicht länger deduldet werden muss. Paraquay ist aufgenommen in den ehrwürdigen Kreis der Bahnländer
  • Ruanda (auch hier ein “noch”, denn die lange gewälzten Überlegungen Ruanda an die Schienennetze Ugandas usn Tanzanias anzuschließen, sind anscheinend langsam spruchreif. Bis 2013 soll die etwa 450 Kilometer lange Verbindung zwischen Kigali und Isaka fertiggestellt sein. Wir drücken die Daumen! Ein Anschluss an die legendäre TAZARA, welcher auch lange im Gespräch war, steht gegnewärtig aber leider nicht zur Debatte.)
Aktive Schienenwege auf dem Schwarzen Kontinent – der geschulte Experte erkennt nach längerem Hinsehen schwache Verweise auf die koloniale Vergangenheit einiger Länder.
  • Salomonen
  • Samoa
  • San Marino (was evtl. einzig das Resultat penibler Aufzählungsgeilheit erwecken könnte, ist durchaus nicht so absurd wie es scheint. Tatsächlich war San Marino von 1932 bis 1944 per Schiene an Rimini angeschlossen. Dies ist übrigens mehr als beachtlich, da man hierfür auf etwas mehr als 30km 639 Höhenmeter überwinden musste.)
  • São Tomé und Príncipe
  • Seychellen
  • Sierra Leone
  • Somalia
  • Somaliland
  • St. Lucia
  • St. Vincent und die Grenadinen
  • Südossetien (ohja, die Lage im osteuropäischen/russischen Raum garantiert beileibe keinen Eisenbahnanschluss. Zwar endet in der Hauptstadt Zchinwali eine Schiene aus dem georgischen Gori. Auf jener findet aber schon seit Jahren kein Verkehr mehr statt. Allerdings gibt es Pläne Zchinwali an das Netz der Russischen Eisenbahnen anzubinden. Hierzu wäre eine 149 km lange, gänzlich neue Strecke von Zchinwali nach Wladikawkas in Nordossetien mit vier Tunneln zu bauen. Und ich sag jetzt einfach mal: bis es dazu kommt, sind da noch ein paar andere Sachen auf der Tagesordnung.)
  • Südsudan (Newcomer im Staatenspiel und dennoch keine Eisenbahn – für mich keine wirkliche Unabhängigkeit!)
  • Surinam (das geheimnisvolle Ländchen am Haaransaatz Südamerikas macht die Verifizierung nicht unbedingt einfach. Offensichtlich liegen Schienen in Surinam, immerhin 121km, doch was auf ihnen geschieht, klingt nebulös. Die knappen Aussagen reiche jedoch von “wohl außer Betrieb”,  “keine funktionierende Eisenbahnverbindung” (wikipedia). Also gehen wir mal davon aus, dass es eher unwahrscheinlich ist, in Surinam mit dem Zug zu fahren.)
  • Togo (trotz über 100jähriger Eisenbahngeschichte und einem beeindruckenden Schienennetz von weit über 500km – 1999 wurde das gesamte Netz für den Personenverkehr deaktiviert)
  • Tonga
  • Trinidad und Tobago (ein weiteres Aufgeberland: 1968 beendete man hier den Schienenverkehr. Allerdings werkelt man nun an einem Wiederaufleben der Eisenbahn. Jedoch weit entfernt von Baubeginn oder einem, wenigstens angedachten Fertigstellungstermin, sieht mir das Ganze dann doch nach wunderschönen Wolkenpalästen aus.)
  • Tschad
  • Tuvalu
  • Vanutau
  • Vereinigte Arabische Emirate (VAE) (s. Bahrain)
  • Westsahara (natürlich zuglos. Klarer Fall, denkt man. Ist ja prinzipiell auch richtig. Doch in Anbetracht der Überraschung, dass auf dem Gebiet der Westsahara nicht nur Schienen liegen, sondern diese sogar befahren werden, möchte ich den Ehrenpreis eindeutig in die Wüste schicken!)
Erz und Sand – ein heißer Anblick!
  • Zentralafrikanische Republik
  • Zypern (s. Nordzypern)

Fazit: Wie jedem aufgefallen sein dürfte, habe ich bei der vorliegenden Liste so relativ jeden aufgenommen, der auch nur im Ansatz so etwas wie staatliche Souveränität ausgehüstelt hat. Die UNO geht bspw. von lächerlichen 193 Staaten aus, die FIFA dagegen von 208. Ich entschied mich als alter Harmoniker zwischen diesen beiden Ansagen zu vermitteln und erkenne gegenwärtig 205 Staaten an. Zur UNO-Liste habe ich mal sämtliche 12 “nennenswerten” umstrittenen Territorien hinzugezählt. Selbstverständlich bin ich jederzeit bereit, jegliche Spalterei zu akzeptieren, solang dabei nur ein weiteres Eisenbahnnetz rausspringt. Andernfalls bin ich da eher ein Freund großer Imperien und gigantischer Unionsrepubliken.

Prinzipiell ergab die Recherche nichts sonderlich Überraschendes. Von Vorteil für eine funktionierende Eisenbahn ist Lage in Europa (Andorra, (Nord)Zypern, Island, Malta und San Marino sind hier die einzigen Außenseiter) oder britische, bzw. russische Kolonialvergangenheit. Von Nachteil ist definitiv Insellage und politische Instabilität. Abseits dieser Indikatoren ist der Trend weg von der Eisenbahn nach dem Zweiten Weltkrieg allgemein bekannt und tritt auch in dieser Liste klar zu Tage. Dies führt zum gegenwärtigen Stand von arlamierenden 63 von 205 Ländern ohne Eisenbahn.

Fast ein Drittel aller Staaten verzichten gegenwärtig auf das beste Fortbewegungsmittel der Welt. Zeit zum Handeln! Doch wo anfangen? Oder ist Eisenbahnentwicklungshilfe gar der falsche Weg?! Macht es vielleicht mehr Sinn bestehende Eisenbahnstrukturen zu erhalten und zu verbessern. Damit dieses funkelnde Vorbild  die von Monobuskulturen verprellte Nachbarschaft neidisch macht und auf Ideen bringt?! Fragen über Fragen, die hier nicht beantwortet werden können und sollen. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

PS: Ach, und vielen Dank, liebe Schnulliseite bahn.fernweh.doof, dass du auch zum abwegigsten Land mit der verlockenden Aussage, alles über “Bahnhöfe, Verbindungen, Tickets und Fahrkarten zu wissen, wobei du selbst bei gestandenen Eisenbahnnationen nicht sonderlich viel zu Wege brachtest. Dank dir war die Recherche ein Stück weit nervender als sie hätte sein müssen.

PSS: Ernsthafter und unverbrüchlicher Dank aus tiefster Seele geht an die Jungs (und irgendwie vermute ich einfach, dass es sich um Jungs handelt) von seat61. Obwohl das Ganze natürlich schon gewissermaßen eine Werbeveranstaltung ist und man den Pfundkurs ständig präsent haben muss, ein wundervolles Nachschlagewerk zum Internationalen Eisenbahntum. 

Posted from Berlin, Berlin, Germany.