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Schlussakte LOST

EEs mag dem aufmerksamen Leser dieses Blogs nicht entgangen sein, dass ich, obzwar ich die letzten Folgen von LOST mit atemloser Leidenschaft live und öffentlich kommentierte, ein solides Schlusswort zu alldem verwehrte. Dies geschah hauptsächlich aufgrund akuter Verwirrung und nicht geringer Unsicherheit, irgendetwas nicht wirklich verstanden zu haben, mit dem mich die letzten 100 Minuten LOST vor einem guten Jahr zurückließen. Nun ist ein wenig Zeit vergangen, die erhitzten Diskussionen sind abgeebbt und ich nutzte den grauen November um mich erneut auf die Insel zu begeben.

Nach 121 Folgen (erste und unumstößliche Vorgabe für jedwede Diskussion über LOST muss sein, dass diese Serie keineswegs im traditionellen Fernsehwochenrythmus, sondern im en-bloc-Modus genossen gehört!) fühle ich mich nun ausreichend gerüstet, um fachgerecht zu resümieren und abzuschließen.

Eines sei gleich vorweggenommen: Der neuerliche Genuss aller Folgen führte keineswegs zu neuen Erkenntnissen oder einem besseren Verständnis. Ich bin weiter verwirrt und unsicher hinsichtlich vieler offener Fragen. Doch das erneute Sehen der Serien brachte mich auch zu dem Schluss, dass die Auflösung der unzähligen Geheimnisse, Unklarheiten, Rätsel, Mythen, Fragmente und Timelines gar nicht von Belang ist, ja der Grundschwingung von LOST sogar zuwiderlaufen würde. Die ewige Litanei mancher Nörgler, welche zwar zwanghaft weiter schauten, aber währenddessen unablässig weissagten, dass “die das niemals alles auflösen könnten”, basiert auf einem grundsätzlichen Missverständnis. Das Gesamtkunstwerk LOST begreift sich nicht in diesem Sinne. Der herkömmliche Spannungsbogen zahlreicher Filme, Serien und Bücher, Fragen aufzuwerfen und sie zum Ende in irgendeiner Weise zu einer schlüssigen Lösung zurückzuführen, greift hier nicht, würde das Konzept von LOST letztlich sogar herabwürdigen.

Sicher kann man von dem gängigen Drama-Motiv , welches die Serie nutzt in die Irre geführt werden. Schließlich ist LOST nicht der erste Versuch welche sich mit den ewigen Menschheitsfragen wie Gut und Böse, Wissenschaft und Glauben, Schicksal und Bestimmung, Egoismus und Verantwortung auseinandersetzt. Doch lassen die Autoren dem Zuschauer, so er sich darauf einlässt, hier in vielen Belangen die Freiheit der Deutung. Dies geschieht selbstredend zu dem Preis, dass es wie im Leben, keine wirklichen Antworten gibt, dafür aber immer nur noch mehr wirkliche Fragen.

Dies mag nicht jedem seins sein, doch die Erfahrung weiß zu berichten, dass noch die unterschiedlichsten Charaktere und Geschmäcker hieran ihren Gefallen gefunden haben. Doch dies liegt meines Erachtens in der eigentlichen Stärke von LOST begründet – der menschlichen Komponente. Mir ist hierfür wirklich kein besserer Ausdruck eingefallen, aber was mir bei der zweiten Durchsicht auffiel, befreit vom Druck des Begreifenmüssens und des kein-Detail-oder-Zwischenton-übersehen-Dürfens, ist die unvergleichliche Qualität der Einzeldarsteller und der sich entspinnenden Beziehungen zueinander. Abgesehen vom rein Handwerklichen, also den außergewöhnlichen, schauspielerischen Leistungen, ergänzt durch meisterhaftes Verweben mit Bild- und Toneffekten ergänzt von reizvollen kulturellen und literarischen Referenzen (die special effects sind zugegebenerweise nicht immer vom feinsten!) kommt hier zweierlei zum tragen, was diese Serie in meinen Augen außergewöhnlich macht: Jenseits des Mahlstroms der Normalität und der Gewissheit eines geordneten Alltags kennt jedes Leben jene besonderen Momente die die Extreme der Gefühlswelt herauszukitzeln vermögen – wahrhaftige Liebe, glühenden Zorn, selbstlose Zuneigung, grenzenlosen Hass, bösartigen Neid oder echte Freundschaft. Zahllose Künstler versuchten und versuchen stets mit unterschiedlichsten Methoden diese Momente einzufangen und der großen Masse zu vermitteln. Selten gelingt dieses Unternehmen ohne in Kitsch und Unglaubwürdigkeit zu versinken. Insbesondere transatlantische Produktionen stehen oftmals für effektheischende und durchschaubare Gefühlsmanipulationen. Nicht so bei LOST. Selten haben mich fiktive Charaktere und deren Erlebnisse derart stark bewegt. Dafür Danke.

Die zweite Sache, die mir auffiel ist eng an das eben beschriebene Phänomen gekoppelt. War ich beim Erstgenuss noch teilweise geschockt bis genervt von all dem Verrat und Betrug, von den Doppelspielchen und Ränkeschmieden; konnte ich gewissen Figuren ihre Taten einfach nicht verzeihen und trug ihnen ihre Taten bis zuletzt nach, so erkannte ich beim zweiten Sehen hierin eine ungeahnte Qualität der Serie. Verschafft LOST doch auf nahezu spielerische Weise eine wertvolle Perspektive auf das Zusammenleben von Menschen. Wir alle machen während unserem kurzen Aufenthalt auf diesem Planeten eine Entwicklung durch, wir machen dabei Fehler, unverzeihliche, nie wieder rückgängig zu machende Fehler (“Was geschehen ist, ist geschehen”), doch wir sind nicht unsere Fehler. Jeder Mensch verdient nicht nur eine zweite Chance, sondern auch eine dritte. Allein auch weil wir uns durch diese Fehler verändern, ist es nur natürlich, dass es zu Neubewertungen und nie erwarteten Neukonstellationen zwischenmenschlicher Beziehungen kommen kann. Allein für dies – die glaubwürdige Darstellung dieses ständig in Bewegung befindlichen komplexen Gewusels sozialer Verstrickungen gebührt LOST Respekt. Und natürlich nochmals Dank.

Ich bin mir nach dem erneuten Genuss der Serie mehr als sicher, dass hier etwas geschaffen wurde, was die reizüberfluteten Ausstoßmargen gegenwärtiger Fernsehserien überleben wird. LOST wird auch in 20 oder 50 Jahren noch ein Begriff sein, jedenfalls für mich. Und damit ein letztes Mal Danke. Bis zur nächsten Durchsicht.    

Frisch gelesene Bücher: Unten am Fluss

Ein dicker, mir bislang völlig unbekannter Bestseller, der sich der Odysee einer Kaninchengruppe annimmt?! Das klang vielversprechend. Wenn Schafe ihren eigenen Roman haben dürfen, ist es nur recht und billig wenn auch Kaninchen ihren Auftritt bekommen. Außerdem bin ich ja, wie allgemein bekannt sein dürfte, ein großer Freund tierischer Paralellgesellschaften. Letztlich ist aber auch dieses Buch nur ein weiterer Tribut an die vergangene Lost-Leidenschaft, steht dieses Buch doch nicht nur in der Liste beeinflussender Werke, sondern wird auch von Sawyer höchstselbst in der Folge “Left Behind” (3×15) gelesen. Es war definitv eines der Bücher, welches während der Serie massiv ins Schlaglicht rückte, wie der nachfolgende Trailer verdeutlichen mag.

So ist es wohl nicht sonderlich überraschend, dass ich eher früher als später in die Welt der Kaninchen entfleuchte. Und auch wenn es mich nicht gänzlich vom Hocker riss, so war es dennoch keine Enttäuschung und steht auch völlig zurecht in der Liste LOSTiger Bücher. Was hier beschrieben wird ist ganz dem zentralen Thema LOSTs verpflichtet. Eine zusammengewürfelte Gruppe orientierungsloser Individuen auf der Suche nach Sicherheit und Glück. Da spielt es eine eher untergeordnete Rolle ob es sich um Kaninchen oder Bisamratten handelt.

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Die ewigen Fragen von Dominanz und Unterwerfung, von rationalem Handeln oder instinktiven Entscheidungen, welche eine willkürlich entstandenen Gruppe auszeichnen, werden hier meisterhaft dargestellt. Dies alles gewinnt natürlich durch die ungewohnte Nagerperspektive noch zusätzlich an Reiz und ist daher ein durchaus empfehlenswertes Lesevergnügen.
Fazit: Freunde von LOST sollten unbedingt die Lesebrille zücken und sich mit einem sanften Meeresrauschen im Ohr ans Lesen machen. Doch auch alle anderen, die irrfahrtigen Gruppendynamikerlebnissen in der Literatur nicht abgeneigt sind, sei diese Buch wärmstens empfohlen.

Frisch gelesene “Bücher”: LOST –Gefangen im Netz der Lügen

Was macht der Junkie nicht alles um seinen nächsten Kick zu bekommen?! Prinzipiell alles. Und so steh ich nun hier, ich armer Tor und gestehe der zu recht peinlich berührten Weltöffentlichkeit, dass ich mir nicht zu schade war dieses fade Surrogat einer Jahrhundertserie zu lesen. Manchmal sollte man eben einfach darauf verzichten, in die Scheiße zu greifen, um zu erfahren, dass es Scheiße ist. lost-buch Vielleicht könnte man es sogar so zusammenfassen: Ein “Buch” zu einer/m Serie/Film kann per se nur schlecht sein. Mit viel Glück kann man auf Lesevergnügen hoffen, sollte ein Buch bereits vor der Verfilmung existiert haben (s. bspw. Flash –> FlashForward). Andernfalls befindet man sich mit einem solchen Buch immer auf der Verliererseite, ist es doch nichts anderes als eines von vielen Retortenkreationen der umtriebigen Merchandising-Abteilung. Quali- und Originalität bleibt hierbei genauso selbstverständlich auf der Strecke wie beim x-ten Dharma-Utensil oder andere lieblos zusammengeraffte Devotionalien. Dabei hätte die Idee eines Buchs zur Serie hier wirklich etwas. Ich persönlich träumte bisweilen von der reizvollen Idee, im Anschluss an die letzte Folge eine mehrteilige Romanserie herauszubringen, in der endlich und endgültig alle Rätsel und Mysterien abgearbeitet werden würden. Da dies bei der Anhäufung von Fragen im Fernsehformat nahezu unmöglich wäre, böte sich das gute, alte geschriebene Wort hierzu förmlich an. Aber daraus wird wohl nix! Anzumerken bliebe allein noch eines: Wie kommt es wohl zu den astronomischen Summen die man mittels amazon (LOST) bei privaten Anbietern für diesen Schund blechen darf? 89€??! Hab ich da irgendwas nicht verstanden? So ein Müll kann doch auch durch die kleinste Auflage nicht wertvoll werden. Ich bin entsetzt! Fazit:  Hände weg! Ich bin hier an der Bücherfront für euch, damit ihr so einen Mist nicht machen müsst (was ihr wahrscheinlich sowieso nie getan hättet!) Dünner Schund ohne Substanz und Charakter. Insbesondere LOST-Fans seien gewarnt. Widersteht der Versuchung!  

Frisch gelesene Bücher: Die geheimnisvolle Insel

Endlich mal wieder Jules Verne! Wie lange mag es her sein, dass ich durch die Welten dieses Herren gestolpert bin? Die Mission der Post-LOST-Phase brachte mich zu ihm. Schließlich fand sich Die geheimnisvolle Insel auf der Liste literarischer Werke, die die heißgeliebte Serie irgendeiner Weise beeinflusst haben.
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Und in der Tat: Die kurze Inhaltsangabe des Buchs lässt aufmerken: “Nach einem langen Irrflug stranden sie [fünf Männer und ein Hund] auf einer scheinbar verlassenen Pazifikinsel. Sie richten sich auf dem Eiland ein. Doch sie sind nicht alleine …” Hmm, das klingt doch ganz verlockend. Also, frisch ans Werk und hinein in den Lektürespaß.

Doch die Ernüchterung folgte unmittelbar. Sicherlich gab es da unverkennbare Parallelen zu LOST (aber welcher Roman, der von Schiffbrüchigen auf einer einsamen Insel handelt mag diese nicht haben?!). Der fernab der Küste gestrandete Hauptheld, der immer wiederkehrende Hund, die hilfreichen Strandgutfunde (DHARMA!) und die mysteriöse, stets im richtigen Moment eingreifende Macht der Insel an sich. Doch dies alles muss sich hart erarbeitet werden. Ich bin sehr unsicher ob dieser holzschnittartige, dröge Ton, der eher an den Rechenschaftsbericht einer tropischen Wandzeitung des Kollektivs “Roter Stern Schiffbruch” erinnert, tatsächlich Eigenschaft aller Jules-Verne-Romane ist. Ich hoffe es jedenfalls nicht. Doch dieses Buch zeichnet sich hierdurch leider aus.

Fünf Kerle, die ohne zu murren und zu zucken, anpacken und die Insel aus dem Nicht heraus kollektivieren. Als wäre das A-Team mit MacGyver vereint, durch unerschütterlichen Fortschrittsglauben gehirngewaschen, in einem Buch des 19. Jahrhunderts auferstanden. Hier gibt es keinerlei gruppendynamische Probleme, niemand hat die leichteste Macke – alles Friede, Freude, Eierkuchen. Die handelnden Personen dienen einzig als leblose Werkzeuge, um den Autor in besserwisserischer Manier sein angesammeltes, enzyklopädisches Wissen loszuwerden. Dabei schlingert der Autor unweigerlich in Glaubwürdigkeitsprobleme, getreu der zuvor erwähnten Fernsehserien. So knirscht die Akzeptanzschwelle vielleicht schon bedenklich wenn man ständig lesen darf wie die fünf Männer innerhalb von wenigen Tagen tonnenweise Steinkohle, Holz und andere Materialien meilenweit über die Inseln transportieren, auch sämtliche technischen Errungenschaften, wie die Verhüttung von Erzen, die Herstellung von Glas und Sprengstoff sind unbenommen, aber las ich lesen durfte, dass der über alle Maßen begabte Hund es schließlich hinbekam, eine 30 Fuß lange Strickleiter zur Behausung der Gestrandeten zu erklettern, da klinkte ich mich dann doch aus. Satire darf meinethalben alles, dies gilt aber keinesfalls auch für Science-Fiction. 

Gräulich. Dies alles wird noch durch eine Sprache ergänzt, die einen oft augenkreisend aufblicken lässt. Es ist ein Roman in dem ein Feuer nicht brennt, sondern stets “prasselt” und wenn es dies macht, dann natürlich immer “lustig”. Selbstredend ist dies auch noch eine Welt in der man unbedarft von “Negern” spricht. Und wie an kaum einer anderen Sache wird hier die Verschiebung der political-correctness-Koordinaten deutlicher: Der “Neger” findet, seiner “Natur entsprechend” seinen Platz in der Küche und vermag mit dem alsbald hinzustoßenden Orang-Utan wie mit “seinesgleichen” zu kommunizieren. Und dies alles in Anbetracht des Umstands, dass der Roman nebenbei ein unübersehbares Plädoyer für den Kampf der Nordstaaten und die damit verbundene Sklavenbefreiung ist. Doch zurück zur Sprache: Natürlich muss dies dann auch ein Buch sein, indem ein Neger allzu gern mit dem Attribut “wacker” belegt wird. Würg!

Fazit: Bei allem Verriss ist es dennoch ein Buch, welches nicht gänzlich uninteressant ist. Mag sein, dass die heutige Jugend an dieser Art von Abenteuerroman nichts mehr findet, doch die ihr vorangegangenen Generationen ließen sich von der pseudowissenschaftlichen “Super-Robinsonade” mit Sicherheit faszinieren. Mit etwas mehr Kritiklosigkeit und Naivität lässt sich all das wahrscheinlich entschieden besser genießen und ohne was gelernt zu haben geht man auch nicht aus einem Jules-Verne-Roman.

Inselausverkauf

Nur einer handverlesenen, kleinen Schar wird es aufgefallen sein, dass, ich zwar jede einzelne der letzten LOST-Folgen akribisch auswertete, mein Schlusswort zur Mutter aller Serien an dieser Stelle jedoch ausblieb. Dabei wird es bis auf weiteres auch bleiben. Doch ich möchte nicht missverstanden werden – mein Schweigen gründet sich keineswegs auf das unter Lostfans allzu übliche unzufriedene Meckern und Grummeln. Bei mir, der die letzte Folge rein emotional gesehen, überaus genoss, ist es vielmehr ein nicht auflösbares Gefühl der Irritation, ein tiefliegende Sorge, irgendetwas nicht ganz verstanden zu haben. Das was ich verstanden habe, gefällt mir sehr und lässt mich die sechs Staffeln LOST weiterhin preisen und über die meisten vergleichbaren Produktionen stellen. Grundsätzlich stelle ich mich in Sachen abschließender Worte in weiten Teilen hinter die Kritik von nach21?! Besser hätte ich’s auch nicht formulieren können.

Jedenfallls noch nicht. Schließlich ist die letzte Folge ja nicht gleichbedeutend mit dem Ende von LOST. Nun geht’s ja erst richtig los. Erst mit dem Abschluss haben wir die Möglichkeit in aller Ruhe, ohne nervende, neue Folgen im Nacken, das Gesamtkunstwerk von vorne bis hinten durchzuerleben. Der Winter ist nah, die Nächte werden wieder länger – was liegt da näher als Vorräte anzulegen, das Bettchen auszuschütteln, die Wirklichkeit sich mit sich selbst beschäftigen zu lassen und in mit exzessivster Muse LOST auf sich einwirken zu lassen. Noch besser kommt das alles natürlich wenn man die richtigen Devotionalien zur Verfügung hat. Da kommt es doch ungemein gelegen, dass die Herren von ABC in einer großangelegten Auktion den ganzen, in sechs Staffeln angesammelten Plunder, verhökern wollen.
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Wenn ich also ein paar hundert Dollar zuviel hätte, wäre es ein Leichtes für mich, alsbald in bester Sawyermanier meiner Leidenschaft zu frönen. Sessel, Bücher (das wären dann definitiv die teuersten Bücher,  die ich je gekauft hätte!) und Lesebrille – alles steht zur Verfügung für den Meistbietenden.
    
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Oder darf es doch etwas ganz anderes sein?! Lockes Messerset? Etwas Dynamit von der Black Rock, selbstverständlich in ansprechender Verpackung? Oder aber einfach einen zeitlos schicken Dharma-Bus? Unter den 1174 Artikeln sollte sich für jeden ein originelles Andenken finden, welches die spießige DVD-Kollektion mühelos in den Schatten stellt. In diesem Sinne wir sehen uns auf der Auktion am 21. August.

Eine weitaus preiswertere (und tendenziell auch sinnvollere), und somit den Begleitumständen meines Lebens angepasstere Alternative ist es, noch einmal die Liste, der, in LOST vorkommenden, literarischen Werke durchzugehen und sich vorzumerken. Ein Blick auf die deutlich angeschwollene Wunschliste linker Hand zeigt eindrucksvoll, dass ich mir da einiges herausgepickt habe.

Wofür das alles?

Zugegeben, das drohende Ende von Lost setzt uns allen gewaltig zu. Zwar haben wir alle immer gewusst, worauf wir uns mit dieser Serie einlassen, ja wir waren sogar begeistert als wir erfuhren, dass die Macher, unabhängig vom Erfolg, nach sechs Staffeln definitiv Schluss machen wollten. Das sprach für jene Art von abgesicherten Niveau, welches möglichst wenig durch kommerzielle Ausschlachter beeinflusst werden konnte. Kandidaten mit Schlamasselauslöser in gemütlicher AuflösungsrundeDoch mittlerweile spüren wir alle die Angst vor der Stille nach dem letzten Schuss. Daher kann man sich bei der vorvorletzten Folge halt dann doch irgendwie nicht mehr so entspannen wie bei all den Folgen zuvor. Es macht sich unweigerlich eine Stimmung breit die zwischen nervöser Ungeduld und ängstlicher Wie-wollen-sie-das-bitte-alles-noch-klären-Panik pendelt. Natürlich schafft man es bei all den Stimmungsschwankungen, sich trotzdem genussvoll am Kunstwerk Lost zu weiden, aber die Unbefangenheit der ersten Liebe ist ebenso verschwunden wie die rasende Leidenschaft der unersättlichen Gier auf mehr. Und um die Ausmaße des zurückgelegten Weges nochmals gebührend zu würdigen, hier einmal alle Toten von sechs Staffeln im Schnelldurchlauf.

Dennoch wollen wir einen vorsichtigen Blick auf die Ereignisse von „What They Died For“ wagen. Auf der Insel geschieht einiges. Die Selektion geht munter weiter: Richard und Widmore gehen sang- und klanglos dahin. Das lang erwartete, klärende Gespräch zwischen Jacob und dem kläglichen Haufen der Kandidaten findet statt. Jack stürmt vor sobald er Verantwortung wittert und Flocke will nun nicht mehr nur weg von der Insel sondern gibt vor, sie zerstören zu wollen. Nebenher ergattert Ben erneut eine vielversprechende Anstellung bei der dunklen Seite der Macht. All dies erweckt, so spannend und interessant jede einzelne der Entwicklungen auch ist, den Eindruck von Erwartbarkeit oder zumindest von einer berechenbaren Zuspitzung des letzten Kampfes. Doch dies alles sind Dinge, die ausgesprochen werden und geschehen müssen auch wenn man sich das meiste davon schon gedacht hatte. Letztlich schafft sich hier ja nur die Sorge Raum, dass noch so viele Fragen offen sind, bzw. die möglichen Lösungen zu billig oder zu wischiwaschi sein könnten. Vom Chefdiaboliker zum hoffnungslos verwirrten Verarschungsopfer für jedermann. Der Wandlungsmeister schlechthin ist wieder im Geschäft!Was mich jedoch in dieser Hinsicht immer mehr beruhigt, ist der Alternativzeitstrahl. Lange hatte ich ihn leicht gelangweilt und irritiert beäugt. Doch nach den Handlungen Desmonds in der vergangenen Folge sehe ich diese ganz anders. Anscheinend hat die „Konstante“ einen weitergehenden Plan mit all den 815ern als sie ausschließlich mit dem Kontakt zu jener Parallelwelt zu versorgen. Irgendeinen tieferen Sinn für all das ist hier am entstehen. Vage Verdachtsmomente wabern desterwegen in mir herum. Möglicherweise verlieren all die Ereignisse auf der Insel an Macht durch das was Desmond in der Alternativwelt anstellt?! Zu dieser herumtastenden Vermutung gesellte sich am heutigen Vormittag in munterer Administratorenrunde eine handfeste Theorie.Wenn wir für Lost die Viele-Welten-Theorie zu Grunde legen, so existieren zeitgleich unendlich viele Universen die friedlich nebeneinander koexistieren. Durch die Atomexplosion wurde nun der „normale“ Zeitstrahl unterbrochen und ein alternativer Zeitstrahl mit Wirkmacht ausgestattet. Natürlich existieren jetzt einige Menschen in beiden Welten, aber das tun sie ja, wenn wir die Viel-Welten-Theorie annehmen sowieso. Das Besondere ist jetzt nur, dass einige Menschen in der Alternativwelt durch eine Anomalie namens Desmond Kontakt zu der Inseldimension herstellen können. Was dies auslöst? Keine Ahnung. Aber es hat eine Bedeutung. Viel entscheidender ist ein anderer, im morgenlichen Donnerstagsfieber geschaffener Geistesblitz: Wenn also Flocke tatsächlich siegen sollte, so wird er, wie vorgesehen in die Welt hinaus entfleuchen, um Tod und Verderben über sie zu bringen. Doch durch den Bruch im Raum-Zeit-Kontinuum wird er hierbei scheitern, denn er wird quasi die falsche Abfahrt wählen und in einem Universum landen, welches nun nicht mehr existiert. Tusch! Trara! Das ist doch mal ’ne Idee, wa?In diesem Sinne – ein großartiges Finale euch allen und seid stark! Schließlich ist es dann doch nur eine Fernsehserie.  PS: Als große Empfehlung zur Überbrückung bis zum großen Tag sei übrigens die folgenauswertende Konkurrenz empfohlen. Was habe ich über seine Bilanzen gelacht in den letzten Wochen. Neidlos zieh ich meinen Hut und werde wohl auch ohne Lost mal wieder vorbeischauen. Aber nach Essen werd‘ ich wohl eher nicht kommen!   

Wir bleiben verwirrt


Einleiten möchte ich den dieswöchigen Folgenbericht mit einem unverhohlenen „Hääää?“. Nicht dass dies ein sonderlich ungewohntes Gefühl nach einer Lostfolge wäre, aber „Across the sea“ ließ uns definitiv verwirrter zurück als üblich. Selbstverständlich waren wir vorbereitet. Die Sneek ließ einiges erwarten.

Es war unschwer zu erraten, dass diesmal am offenen Herzen operiert würde. Endlich sollten wir mehr erfahren über den Beginn von allem. Die Kindheit der beiden, späteren Widerparts sollte doch wenigstens etwas Aufschluss geben über Motive und Ursachen des ganzen Wirrwarrs.Dem war so, aber auch wieder nicht. Es war eine über alle Maßen prickelnde Folge. Und dennoch war es irgendwie so als dürfte man endlich in der geheimen Schublade der Eltern wühlen und würde trotzdem nichts mit dem Inhalt anfangen können. So waren wir zwar Zeugen der Entstehung des Rauchmonsters, wissen aber so wenig wie zuvor über Prozess und Bedeutung des Gesehenen. Nein, ich gestehe massive Ratlosigkeit nach dem Genuss dieser Folge. Selten saßen wir nach danach solange beisammen und diskutierten das Erlebte.Ich habe demzufolge erschreckend wenig Erhellendes anzubieten. Bestenfalls eine mickrige Hypothese und eine Meinung. Erstere betrifft das helle Licht, was im zentralen Interesse aller handelnden Personen steht. Jenes hellste und wärmste Licht schlechthin wird ganz banal als der Grund für die Anwesenheit der Zwillinge dargestellt. Zudem folgt der Schlüsselsatz, dass ein Teil dieses Lichts in jedem Menschen wäre. Sollte es jedoch hier verlöschen, würde es überall verlöschen. Abseits der sich hier aufdrängenden Parallele der bekannten Warnungen von Widmore und Konsorten, wage ich mich weit heraus und behaupte, dass diese Beschreibung mir doch verdächtig nach Gott riecht. Denn irgendwie kennen wir dieses Gleichnis doch von den meisten Religionen. Soviel zur Hypothese…Eine Meinung, die ich loswerden will, ist die, dass ich, egal was noch kommen sollte, nicht einverstanden bin mit dem miterlebten Muttermord. In meinen Augen gibt es hierfür kein rechtschaffenes Motiv und eine Macht, die zu solch einem Mittel greift, kann keine grundgute sein. In diesem Sinne bleibt die moralische Bewertung der beiden Antipoden für mich weiterhin offen.In diesem Sinne – wir sehen uns in der nächsten Folge, Bruder!PS: Daneben möchte ich es keineswegs unterlassen euch diese Perle, die mir meine unermüdliche Lost-Recherche erbrachte, vorzuenthalten.

Verspielte Zeit

Immer öfter ertappt sich der betagte Mittdreißiger in mir ja dabei wie er all den neumodischen Schnickschnack verachtet und die angeblich so viel höhere Qualität und den, die Zeiten überdauernden Wert des Zeitgeists der eigenen Jugend anpreist. Allzu oft hört man sich in solchen Momenten sehr alt an, verdammt alt und auf vertraute Weise spießig ahnungslos.Möglicherweise befinde ich mich somit in der unvermeidlichen Anflugsschneise jeglicher Generationen vor mir. Und dennoch. Möge die Unbestechlichkeit der Geschichte entscheiden was an Miley Cirus, Flatratesaufen, Facebookeritis und Handyabhängigkeit in Tateinheit mit Analphabetismus und fröhlich in Kauf genommener Entpolitisierung die kulturell bedeutsamen Entwicklungen sein mögen, ich hege da eher leise Zweifel. Aber in einem Punkt möchte ich ohne jede Rücksichtnahme kategorisch intervenieren: Computerspiele! 
Was hätten wir für Möglichkeiten! Schließlich ist ein nicht unbedeutender Teil des Weges, den die aktuelle Computertechnologie zurückgelegt hat aufgrund der unerbittlichen Ansprüche der Gamer-Fraktion bewältigt wurden. Und dennoch. Kein noch so aufwändig gestaltetes, kampagnenstrotzendes Supergame der Gegenwart kann mit den puristischen, aber wahrhaftig innovativen Spielen der Anfangszeit mithalten. Und ich möchte hier nicht auf die Nostalgiedrüse drücken. Mir geht es weniger um Retromomente wie Pacman oder Space Invaders, da bin ich offen genug um zu erkennen, dass speziell in diesem Segment der Fortschritt etwas gebracht hat. Aber die etwas komplexere Welt der Strategiespiele konnte vom Technologieschub meines Erachtens kaum profitieren. Keines der heutigen Spiele kann jene tüftelnde Glückseligkeit erzeugen, zu der die ersten Point-and-Click-Adventures mit erstaunlicher Leichtigkeit in der Lage waren. Aus diesem Grund erregte mich die Möglichkeit eines fiktiven Lostspiels in diesem Stil natürlich ohne Maßen. Diese Zeiten sind natürlich vorbei, aber man wird doch noch träumen dürfen…

Der große Kehraus

Und endlich, so will man meinen, geht’s in die Vollen. Nach zwei qualvollen Wochen und dem genüsslichen Auf-der-Stelle-treten der letzten Folge gewinnt alles wieder an Fahrt. Prinzipiell kann man die Haupterkenntnis der vergangenen Folge „The Candidate“  in wenige Worte fassen, und zwar: Flocke muss die Kandidaten umbringen um von der Insel zu kommen, all seine Bemühungen hatten einzig und allein dieses Ziel, doch er kann es nicht selber bewerkstelligen. Sie müssen sich entweder gegenseitig oder selbst umbringen.Dies war an sich ja schon immer als Verdacht virulent. Doch, auch auf die Gefahr hin mal wieder alles falsch verstanden zu haben, behaupte ich, dass das zuvor Gesagte nunmehr als bestätigt gelten kann. Da waren’s nur noch drei. Die Kandidatenfrage nähert sich mittels unnatürlicher Auslese immer weiter ihrer Beantwortung. Bliebe hier die Frage, was es mit Kate auf sich hat, dass sie bis jetzt am Leben geblieben ist. Und wenn Flocke sie vernichten will so gelang ihm das bislang nur unvollständig. Selbstverständlich wurden in der gestrigen Folge nicht alle Kandidaten niedergemetzelt. Doch es war schon eine recht beeindruckende Reduzierung des Stammkaders, dem wir beiwohnen durften. Die Kwons und Sayid sind wohl die prominentesten Beispiele bei denen man ungläubig den Monitor fixierte. Auch der unfaire Schuss aus dem Hinterhalt auf Sommersprosse, bei dem mir ein recht unmännlicher Kreischer entfuhr, sei an dieser Stelle angemerkt. Insgesamt handelt es sich bei dieser Folge um einen wahrhaft wilden Ritt, der einem manches abverlangt und wohl dennoch nur der harmlose Beginn eines, sich immer weiter steigernden Finales sein wird. In diesem Sinne – wir sehen uns in der nächsten Folge, Bruder!Auch dies empfinde ich als angenehmen Nebeneffekt der letzten Staffel – das Wiedersehen mit alten Freunden. Ich hatte ja schon einmal den Klassentreffeneffekt des Alternativzeitstrahls erwähnt. Und so fragte ich mich nun ob es eigentlich irgendeine wesentliche Figur der letzten Staffeln gibt, die hier noch einen Auftritt verdienen würde?!

Ereignisarm dem Ende entgegen

Um es gleich vorwegzunehmen, ich bin dieses Mal leicht enttäuscht. Irgendwie ließ mich „The Last Recruit“ ungewohnt unbefriedigt zurück. Natürlich hat es jede Lost-Folge gewissermaßen an sich, dass man immer ein wenig in der Luft hängt, aber diese Folge war einfach weder Fisch noch Fleisch. Natürlich bin ich geduldig und weiß ja auch, dass solche Folgen dazugehören. Dennoch nagt es fünf Folgen vor Schluss schon bedeutend mehr an einem wenn derart auf der Stelle getreten wird. Nun ist es selbstverständlich nicht so, dass gar nichts geschieht. Der Höhepunkt ist zweifellos die Wiedervereinigung von Sun und Jin. Daneben gibt es noch ein klassisches Frage-Ausweichspiel zwischen Jack und Flocke, einen Ausreißversuch der Kandidaten (inklusive Claire!) sowie der übliche, dramaturgische Genickschlag in Form einer unerwarteten und schwer begründbaren Reaktion von Widmore. Auch auf dem Alternativzeitstrahl geht es munter zu. Wie auf einem bizarren Klassentreffen der Amnesie-Grundschule wanken hier alle möglichen, bekannten Figuren durch die Gegend, erkennen sich oder irgendetwas anderes. Alles sehr konfus. Wobei mich der Alternativzeitstrahl sowieso nicht so sehr interessiert. Will ich doch wissen, was auf der Insel abgeht. Doch die Erfahrung flüstert unseren mindfuckgeprägten Sinnen zu, dass die bewusste Zeitlinie schon nicht unbedeutend mit den Ereignissen auf der Insel zusammenhängt. Nunja, es bleibt weiter nichts, als abzuwarten. Diesmal jedoch ein wenig länger. Aus unerfindlichen Gründen kommt die nächste Folge nämlich diesmal eine Woche später.