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Tschechoslopolen in Farbe und bunt

Wenn etwas so schön war, reichen Worte manchmal nicht aus. Bilder, zumindest meine, höchstwahrscheinlich auch nicht. Dennoch möchte ich nichts unversucht lassen um den Reiz einer Bergwanderung in Tschechoslopolen angemessen zu vermitteln.

Und noch etwas in eigener Sache. Da Sancho nach dieser Reise nun mit allen Ehren aus dem Bergdienst ausgemustert wurde, bin ich auf der Suche nach einem berghungrigen Wandergesellen. Ob vier Pfoten oder Zweibeiner ist mir dabei relativ gleich.

Posted from Berlin, Berlin, Germany.

Runterkommen

Und mal wieder geht es hinunter ins Tal. Wundervolle Wochen voller Freiheit und Bergluft liegen hinter uns.

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Ich habe mit Halbwölfen gerungen und den Schweinehund links liegen gelassen, Eisenbahnen geleckt und Bergkämme gekuschelt, Lagerfeuer und Bergsamkeitseuphorie genossen – mein Tank ist voll. Jetzt könnt ihr wieder alle kommen mit dem ganzen Kram von PegidD bis AfA, mit hysterischer Urbanität und den üblichen Banalitäten der Bevölkerungsverwaltung. Ich bin bereit für all den Scheiß. Sogar den allerdämlichsten Europameister bin ich bereit zu ertragen. So denn Zivilisation – auf ein Neues!

 

Posted from Mikolow, Silesian Voivodeship, Poland.

Ode an eine legere Bernsteinperle

Es gehört nicht viel Propheterie dazu, dass Rucksacktourismus in eine so außergewöhnliche Stadt wie Gdańzig eine neuerliche Galerie nahezu herausforderte. Demzufolge präsentiere ich hier nach langer Zeit voller Stolz eine frische Bilderschau aus meiner neuen Lieblingshansestadt. Vorzüglich gesehen, punktgenau abgelichtet und allerfeinst bearbeitet wie angerichtet von der hochverehrten, viel umjubelten Agnieszka.

Gut, vier Bilder sind auch von mir…

Rucksacktourismus für Fortgeschrittene

Der gute alte Wanderrucksack – ein scheinbar ausgestorbenes Relikt – ähnlich wie trampen und Interrail aus einer untergegangenen Welt jenseits des lückenlosen Lebenslaufs. Längst hat die dunkle Seite der Trollimacht mit schauerlich dröhnendem Krawall die Herrschaft unter den Reisenden übernommen. So assoziiert man mit Rucksacktourismus allenfalls noch heuschreckenartige Erstweltler, die die ausgetretenen Trampelfade Südostasiens mit Facebookerkenntnissen pflastern. Doch der Rucksack als treuer Rückenschmeichler bleibt hiervon unberührt. Er steht in keinster Weise in Erklärungsnotstand gegenüber jenen erbärmlichen Rollmitteln mit denen die Billigflieger-Generation die Hostelwelt erobert. Die Eleganz und Universalität eines Rucksacks steht für mich gänzlich außer Frage.
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Doch hier und heute hebe ich den Rucksacktourismus auf eine ganz neue Ebene. Nach ewiger Suche nach dem Besten der Besten unter den Rucksäcken, die damit verbunden war zu erkennen, dass das Versprechen der Konsumgütervielfalt des Kapitalismus ein überaus Heuchlerisches zu sein scheint, machte ich im nahen Gdanzig noch ein letztes Exemplar aus. Ohne lang zu überlegen buchte ich ein Ticket und unternehme nun den 450-km-Ausflug um dort “meinen” Rucksack endlich wieder in die Arme zu schließen. Wünscht mir Glück und Danke für all den Fisch.

Frisch gelesene Bücher: Vier Panzersoldaten und ein Hund

Lange stellte ich diesem Buch auf ebay nach und als es mir nun endlich gelang, musste es auch umgehend verschlungen werden. Bekanntheit hat die Geschichte von Janek, Gustlik, Grześ und Semjon,  Szarik (Hund) und Rudy (Panzer) wohl hauptsächlich durch die gleichnamige Serie erlangt. Das Buch, obwohl ganz normal in der DDR verlegt, gehörte zweifelsohne nicht zum Standardrepertoire des normalen Jugendzimmerbuchregals.

panzerfahrer

Aber die Serie hatte es in sich. Auch wenn sie deutlich vor meiner aktiven Fernsehzeit über die Bildschirme flimmerte – Wikipedia wird angesichts des genauen Datums der Erstausstrahlung ein wenig fahrig, entweder 1972 oder 1968 soll es gewesen sein. Wie dem auch sei – den zahlreichen, folgenden Wiederholungen konnte ich nicht entgehen.  Und sie trafen einen Nerv. Wie diese bunte Truppe aus Russen, Grusiniern und Polen da leger und immer einen kecken Spruch auf den Lippen fröhlich zwischen Bug und Oder aufräumte, das gefiel mir, das war anders als die übliche staatstragische Form der Befreiung vom Nazigeschmeiß wie sie für uns sonst medial aufbereitet wurde.  Natürlich war hier viel Phantasie und reichlich Logikverdrängung gefragt, aber he, das zeichnet wohl die meisten erfolgreichen Jugendserien aus, ob sie nun mit Cowboys, Geheimagenten oder Schildkröten operieren.

Was mich nun aber nach all der Zeit wieder zu diesem Thema trieb und insbesondere zum Buch? Nun, vielleicht ein Stück weit die diffuse Sehnsucht nach jener “heilen Welt” die mir dort versprochen wurde. Eine Welt in der Polen gemeinsam mit Russen an eine Strang ziehen und dabei sogar noch Spaß zu haben scheinen. Schließlich war diese Serie in Polen kein Ladenhüter, ganz im Gegenteil. Neben diesen eher unrühmlichen Motiven hatte ich natürlich auch Lust auf das Buch, welches in den meisten Fällen detaillierter oder gar besser als die Verfilmung ist.

Nun, in diesem Fall würde ich das Buch zu den seltenen Fällen rechnen, wo dem nicht so ist. Hölzern, knöchern schleppen wir uns durch die Handlung, den augenzwinkernden Humor der Fernsehserie kann man in den unbeholfenen Dialogen allenfalls vermuten. So blieb mir Zeit mich zwischen den Zeilen an anderen Auffälligkeiten abzuarbeiten. Beispielsweise die Übersetzung: Es scheint nicht der Rede wert, dass die Ortschaften, die hier vorkommen ausnahmslos auf polnisch zitiert werden, doch das man hierbei selbst Warszawa statt dem überaus üblichen Warschau verwendet, erscheint schon ein wenig vorauseilend gefallsüchtig. Dabei unterläuft dem Übersetzer dann aber wieder solch peinliche Fehler wie Kistrzyn statt Kostrzyn. Außerdem bin ich mir nicht klar wieviel Polnischkenntnisse der Übersetzer voraussetzte, aber wenn Sätze ohne Erklärung mit “Cholera” beginnen, löste dies mit Sicherheit bei dem einen oder anderen gewisse Irritationen aus.


Anmerkung zur Titelmelodie: Die gelungene poetische Übersetzung der DDR-Synchronisation im Vergleich zur eigentlichen Titelmelodie. Netterweise als englische Untertitel zur Verfügung gestellt.

Und zuletzt noch einiges zu dem Hund. Ich gestehe, er war für mich wohl der wahre Hauptgrund, diese Serie zu lieben. Zweierlei Dinge habe ich nach der Lektüre hier noch hinzuzufügen. Zum einen erschrak ich beim Lesen tatsächlich darüber wie ich beim Genuss der Filme nie einen Gedanken daran verschwendet habe, was für ein Horror die ganze Angelegenheit für einen Hund gewesen sein muss. Krach, Gestank, Durst, Enge – das wirkte verfilmt immer irgendwie viel fluffiger. Wenigstens diesen Respekt muss man in dieser Hinsicht dem Buch erweisen, hier wird diesbezüglich nichts beschönigt. Zum anderen entnehme ich den Buch die Erkenntnis, dass die Beschreibungen von Szarik nicht wirklich einem Altdeutschen Schäferhund wie in der Serie gezeigt, entsprechen, eher wohl irgendetwas zottiges Wolfshundiges, halt ein sibirischer Tigerjäger.

Fazit: Es klang schon an, aber ich betone das gern noch mal – dieses Buch muss man nicht lesen. Selbst jenen, die die Serie gemocht haben, empfehle ich lieber noch einmal die Serie zu schauen. Diese ist in der Tat ein originäres Zeitdokument, das Buch erscheint dagegen blass und harmlos. Ist ja auch mal schön diesen Fall zu erleben. Viele weitere Beispiele für dieses Phänomen kenne ich nicht.

Oder wenn und aber

Nachdem der Sommer mit gebrechlichen Schritten sein Ziel erreicht hat – die Fachpresse sprach von einer auf Berlin zu rollenden Hitzewelle angesichts von 30 Grad im Juni – schwangen wir uns auf die Sättel und jagten hinaus. Es begann dort wo es letztes Jahr endete – an der Oder! Speziell der Oderbruch sollte es sein und diese Landschaft erwies sich als bestes Trainingsgelände für die avisierte Radwanderung.

im OderbruchStorch oder Polen – Bildanalyse konkret

Flach und aktionsarm kommt er daher der Oderbruch. Mehrere hundert Quadratkilometer, die der Alte Fritz anno dazumal der feuchten Oder abrang und ich gestehe auch nur leichte Zweifel ob der Notwendigkeit dieses Tuns.  Und dann erreichen wir die Oder und ich sinniere einmal mehr darüber warum dieser Fluss gerade Oder heist, stellt er einen doch vor keinerlei Entscheidungen. Namen wie “Naund”, “Mussja” oder “Nadann” wären überaus angebrachter gewesen.

Es ist still, die frische Luft des Junisonntags weiß sogar mit Rückenwind zu gefallen und die Gazelle spurt munter in der Spur des Oder-Neiße-Frieden-Radwegs. Ein schöner Tag ohne Ecken und Kanten, der Appetit wächst ungemein, die Vorfreude auf die große Reise schwingt verführerisch umher.

Oder

 

Frisch gelesene Bücher: Wir Unsichtbaren. Geschichte der Polen in Deutschland

Es sind bisweilen die absonderlichsten Reize, die dazu führen, dass man sich für ein Buch entscheidet. In diesem Falle interessierte mich zwar auch die Thematik, doch ausschlaggebend war der Titel. Schließlich fand ich diesen so prägnant wie treffend.

unsichtbaren

Polen leben von der Oder bis zur Irischen See, vom Eyjafjallajökull bis zum Aconcagua. Mit emsiger Reise- und Entdeckerlust findet man, so schien es zumindest mir auf meinen Reisen, mühelos in jedem Winkel immer ein paar Polen. Friedfertige Polonien säumen diesen Planeten in stiller Genügsamkeit und entspannter Migrationserwartung. Und dennoch erhält diesen Eindruck nur derjenige der den Blick auf sie fokusiert, sich auf sie konzentriert. Dann sind sie auf einmal überall: In der U-Bahn, in der Kneipe, auf der Arbeit sowieso. Doch verglichen mit anderen Einwanderen bleiben sie im Hintergrund, schaffen wenig Spezifisches. Ein Vergleich von Polen und Italienern in Berlin und ein Vergleich polnischer und italienischer Restaurants zeigt in etwa was was ich meine. Insofern fand ich den Titel so gelungen und vertiefte mich alsbald in die Abhandlung des Autors. Seines Zeichens stellvertretender Direktors des Deutschen Polen-Institus.

Die frühe Geschichte des Kennenlernes von Polen und Deutschen war mir zwar nicht gänzlich unbekannt, doch ich entdeckte hier noch die eine oder andere wissenswerte Sache. Ganz besonders interessant fand ich selbstredend die verquickte Gemengelage im Falle der Schlonsaken. So nannte (und nennt) man jene Menschen in Schlesien, die irgendwo zwischen Polen und Deutschen eingependelt waren. Auch die Problematik der polnischen Juden wie immer hochspannend. Speziell wenn die “deutschen” Polen des Kaiserreichs mit ihren zuziehenden Cousins aus den fernen Bergregionen des unendlichen Krajna konfrontiert werden. Auch die Periode von Überfall, Okkupation und Besatzung ist, so bitter es auch sein mag, äußerst interessant dargestellt.

Kritik allein von meiner Seite für die tendenziöse und lieblose Abhandlung des Themas “Polen in der DDR”. Einerseits fand ich es schlichtweg zu kurz abgehandelt und auf wenige boulevardeske Spitzen “Polen kaufen alles weg”, “Ostdeutsche sind verkrampft und latent fremdenfeindlich” eingedampft. Schön wenn die Klischees so locker sitzen und ein sonst ausgezeichnet recherchiertes Buch auf diese Weise den eigenen Wert ramponiert. Knappe fünf Seiten von 283 werden diesem Thema gewidmet und dann darf ich auch noch erfahren, dass die “Oder-Neiße-Friedensgrenze” für den Autor die “Freundschaftsgrenze” ist. Kleinigkeiten meinethalben, aber derlei Unenauigkeiten im Stakkatostil behagen mir nicht. Schließlich dann noch dieses Zitat:

Immer wieder gab es Berichte über auffällige polnische Vertragsarbeiter – es war von Betrunkenen, von Schlägereien usw. die Rede. Tatsächlich dürften die Polinnen und Polen in der oft von biederen Umgangsformen geprägten DDR aufgefallen sein, anders als viele Polen in Westdeutschland, die sich in einer bunteren Umgebung kaum bemerkbar machten.

Ja, nee schon klar. Ich vermeide es jetzt mal hierauf weiter einzugehen und zähle die bunten, ja nahezu quirligen Städte Westdeutschlands auf, in denen die Hauptauffanglager waren, sprich wo sich der Großteil der Polen in die offene, freie Gesellschaft demokratischer Freigeister fallen lassen konnte: Friedland, Unna-Massen, Nürnberg, Osnabrück oder Berlin-Marienfelde.

 

MZB002 – Münzenberg – Pridnestrowische Soirée

  • Wir manöverkritteln unsere Erlebnisse in der PMR. Die zugehörigen Textergüsse gab es ja schon HIER und HIER.
  • Pfingsten und die allgemeine Feiertagslage
  • Saisonabschlussfazit
  • Grand Prix Eurovision de la Chanson

 

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Agnieszka tutaj mieszka

Ach wenn die wüssten…

 

Dafür muss man nun wirklich nicht nach Polen. Aber vielleicht für Numero 9, Kaszanka oder Numero 10 Czernina, die mir immer noch nicht vorgestellte Ausnahmeerscheinung – für die beiden kann man zweifellos immer mal über die Oder hüpfen.

Und hier die Wortspielaufklärung des Titels in Farbe, bunt und Ton.

 

Feiertag in der Kleiststadt

Wie kann man einen unserer wertvollsten Feiertage besser würdigen als mit einem Ausflug nach Frankfurt an der Oder? Schnell in das Flaggschiff der Regionalexpress-Flottille gesprungen und wenig später steht man in Brandenburgs viertgrößter Stadt. Selbstverständlich zieht es den kundigen Provinzerforscher jedoch alsbald hinüber auf die andere Seite. Schließlich hat Pfingsten ja nun auch aktiv damit zu tun, in “anderen Zungen zu sprechen”. Der Gang über die Oder stellt einen gelungenen Wechsel von exzessiver Stille und anprangernder Nichtigkeit hin zu turbulenter Marktschreierei westslawischer Ausprägung dar.

Graziös und unaufdringlich erweckt dieses Wikipedia-Denkmal bei dem Betrachter den unstillbaren Wunsch mehr zu erfahren.

Doch man tut Słubice zutiefst unrecht wenn man es seine Funktion auf Zigarettenhandel und Spargelfälscherei reduziert. Schließlich genügt ein erster Blick um zu erkennen, dass es sich hier um das unbestrittene Zentrum des Lebuser Haardesigns handeln muss. Und dennoch, der despektierliche Charme jedweder Grenzstädte, des falschen Daseins im richtigen Land (oder umgedreht!) schwingt auch hier unbeirrt vor sich hin. Auf dem Markt kommt der Gurkendealer durcheinander als mit Zloty bezahlt werden soll, der Lärm der Durchgangsstraße erinnert an Zuhause und der Bigos schmeckt wie eine Drohung.

Und schon saust er davon, mein neuer Arbeitsgeber, ein Schmuckblatt auf jedem Lebenslauf!

Aber derlei Dinge kennen wir und sind wir unbedingt bereit hinzunehmen, denn schließlich gewinnt der Charme Polens selbst an seinen Rändern. Auch mit Duda. Ein schöner Tag geht zu Ende und wir danken einmal mehr dem heiligen Geist für die Nettigkeit aufzusteigen und wandern froh den Bahnhofshang hinauf.

Sonnenodergang