Schlagwort-Archive: Politik

Arrividerci

Auf geht’s zur letzten großen Reise dieses Jahres. Zauberhafte 2043 Bahnkilometer liegen vor uns bis wir das Land wo die Zitronen blühen erreichen werden um dort dieses Jahr mit gebührend Abstand zu verabschieden.

Und dieser Abstand ist zwingend notwendig. Warum? Letztlich war es nur ein weiteres Jahr der Verschärfung des kapitalistischen Grundwiderspruchs, doch mit, oberflächlich betrachtet, immer widerwärtigeren Resultaten. Kleinbürgerliche Angst, heuchlerische Besitzstandswahrung, platter Hass und ganz allgemein, grenzdebiler Skeptizismus sogar den selbstverständlichsten Errungenschaften von Aufklärung und Wissenschaft gegenüber werden aus der Gosse hochgespült, um mit einfachen Antworten komplexe Missstände beseitigen zu wollen. All die wohlbekannten, vorbestraften Geister blinzeln frech und dreist im 21. Jahrhundert als wäre nix gewesen. Angesichts dieser vorhersehbaren Misere, welche ohne viel Geschichtskenntnisse erkennbar ist, wird mir übel, ob meiner Hilflosigkeit wie meiner Untätigkeit gleichermaßen.

Daher suche ich Abstand und vertraue mich ganz der selbstvergessenen Gelassenheit des Mezzogiorno an. Es wäre nicht das erste Mal dass mir der Stiefel wieder ausreichend Grundvertrauen und Hoffnung schenkt um den ganz normalen Schlamassel würdevoll gegenüber zu treten.

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Frisch gelesene Bücher: Verschwörung

Natürlich war ich über alle Maßen skeptisch als ich hörte, dass es nun doch eine Fortsetzung der Millenium-Reihe geben würde. Sie konnten es einfach nicht lassen, so mein Gedanke. Die vorausgegangene Trilogie war mit samt den Filmen dann wohl doch zu verlockend um nicht nachzulegen. Nicht im Zeitalter der Einfallslosigkeit, welche sich, so scheint es, kulturell hauptsächlich durch Relaunchs und Comicverfilmungen auszeichnet. Dieser vierte Band gelang auch nur trotz geschicktester Winkelzüge. Schließlich hatte sich Familie wie Lebensgefährtin nach dem frühen Tod von Larsson 2004 geweigert, die schon bestehenden Manuskripte von einem anderen Autor fertigstellen zu lassen.

verschwoerung

David Lagercrantz, der Autor von “Verschwörung”, dem vierten Band der Millenium-Reihe, begann also im Grunde ohne sich an die Vorgaben Larssons halten zu müssen. Und dies ist ihm, man mag es kaum glauben, mehr als gelungen. Schon während der Lektüre stellte ich erschrocken fest, dass meine Skepsis-Bollwerke zu bröckeln begannen und meine feindselige Stimmung gegen diesen anmaßenden Versuch kippte. Die lang vermissten Hauptcharaktere waren nicht nur überzeugend zu neuem Leben erwacht, nein, sie entwickelten sich sogar weiter. Neue Figuren stießen hinzu und bauten ein Szenario auf, der sich hinter den Originalen nicht zu verstecken brauchte. Sicher, die einfache Darstellung komplexer Vorgänge mag an mancher Stelle ein wenig zum Lächeln anregen, doch hiermit ist man nur genrekonform und so manches Sachbuch zum Thema “Digitalisierung-Überwachung” und wie Politiker, Kriminelle und Journalisten hiermit zurechtkommen, ist hierbei trotz aller Seriosität und Sachkenntnis meist auch nicht viel erhellender.

Was mich eher bei den Millenium-Büchern hält, ist der deutlich zu spürende parteiische Geist der hier dem Leser vermittelt wird. Stieg Larsson versuchte Zeit seines kurzen Lebens Antifaschismus und Xenophobie entgegenzutreten, so atmeten dann auch seine Bücher diese trotzigen, widerständige Hoffnung, dass der Kampf für eine gerechtere Welt noch nicht beendet ist. Und auch wenn das ehemalige Nachrichtenmagazin so etwas in einer unfassbar arroganten und selbstgerechten Rezension als “linken Kitsch” abtut, mir gefällt gerade dieser Subtext angesichts der eher reaktionär und dystopisch geprägten Thrillerschwemme unserer Zeit. Dementsprechend froh schaue ich den angekündigten weiteren zwei Romanen von Lagercrantz entgegen. Gut, dass es euch wieder gibt, Mikael und Lisbeth!

 

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Frisch gelesene Bücher: Postkapitalismus

In Zeiten wie diesen (welche sich im übrigen auch nicht sonderlich von anderen Zeiten, insbesondere jener oft zitierten guten, alten Zeit unterscheidet), in dem sich mal wieder etwas mehr aufgeregt und besorgt wird, sind Bücher von trockener, rationaler Gegenwartsanalyse kostbare Schätze. Wenn zahlreiche glitzernde Stellvertreterkonflikte sich in den gesellschaftlichen Mittelpunkt drängen, wenn aufgebauschte Angst sich mit schwach verhohlener Besitzstandswahrung paart und auch sonst allerorten die Zwerge lange Schatten werfen, dann ist ein solch erfrischendes Buch wie das von Paul Mason genau das richtige um neue Kraft zu tanken und den Blick auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Mit “Postkapitalismus. Grundrisse einer kommenden Ökonomie” hat Mason etliche kluge Gedanken zum “Kern des Pudels” zu Papier gebracht. Die meisten der haarspalterischen und erbitterten Diskussionen der letzten Jahrzehnte, welche um Zukunft und Entwicklung unserer Gesellschaft kreisen, sparen bewusst oder unbewusst ein konkretes Problem aus: Kapitalismus. Und genau hier setzt Mason an. Unbefangen und schwungvoll aktualisiert er die Traditionsbestände linker Theorie, zeichnet ein (für die Kürze) unfassbar gehaltvollen wie pointierten Abriss der Arbeiterbewegung, rechnet schonungslos mit dem Neoliberalismus ab und entwirft dann doch überraschend ungelenk seine Thesen für einen Übergang zu einer neuen Ordnung. Dass eben dieser Entwurf nicht wirklich zu überzeugen weiß, schmälert den Wert dieses Grundrisses aber keineswegs. Schließlich versteht Mason den Übergang zu eben jenem Postkapitalismus als eine ähnlich tiefgreifende Transition wie der Übergang vom Feudalismus zum Merkantilismus und schließlich zum Industriekapitalismus. Historische Übergänge dieser Güte sind nun einmal schwer planbar. Hier wird schnell klar: Postkapitalismus wird harte Arbeit.

So eindringlich und inspirierend  der Aktionsplan des “revolutionären Reformismus” auch daher kommt, so bleibt dies trotzdem der am wenigsten überzeugende Teil des Buchs. Die Feststellung, dass sich gegenwärtig schon reichlich postkapitalistische Strukturen behaupten, also Geschäftsformen, die sich den ehernen Gesetzen der profitorientierten Ökonomie entziehen, so ist dies eine Feststellung, die aber nichts bedeuten muss und vielleicht die Anpassungsfähigekeit, keinesfalls aber die Widerstandskraft des Kapitalismus überstrapazieren könnte. Und auch wenn hier jede Menge interessanter Beobachtungen zur Neuinterpretation der Rolle des Menschen in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft stecken, weiß Mason um die Kritikwürdigkeit seiner Thesen wenn er ironisch anmerkt, dass er sich freuen würde, wenn seine Prinzipien “von einer wütenden Menge in der Luft zerrissen und vollkommen überarbeitet würden.”

Der Wert dieses Buchs, welcher mit so viel Kraft und Ideen gespendet hat, liegt vielmehr in seiner historischen und theoretischen Pionierarbeit. Die Beschreibung des Ist-Zustands und seiner historischen Ursachen ist so verständlich und fundiert beschrieben wie ich es lange nicht mehr erlebt habe. Hier fährt Mason zu brillanter rhetorischer Stärke auf und wäre so manchem Zeitgenossen dringend zur Lektüre empfohlen. Und so möchte ich auch schließen, denn wenn man an Masons Gedanken auch einiges kritisieren und bemängeln kann, so ist es zumindest ein vielversprechenderer Ansatz als die halb-faschistische Säuselei, die mit den üblichen einfachen Antworten und der Sehnsucht nach Autoritärem den offensichtlichen Schlamassel zu begegnen sucht. Einmal mehr begreife ich, wie nötig Aufklärung gegenwärtig ist, doch mit diesem Buch in der Hinterhand mag diesem hehren Ansinnen vielleicht ein wenig mehr Erfolg beschieden sein.

Münzenberg – MZB018 – SPEZIAL der Wahl

Koalitionsgemüse
Frühstück am Wahlsonntag – orakelig, knackig und verführerisch

Zwischen Havelland und Pierogarnia pendeln wir die Ergebnisse der Berlinwahl aus. Mit dabei im zweiten Teil des Gesprächs der “Besamer” (Stichwort: Sonnenblumenkernkraft) des Weddings, Daniel Gollasch, der uns mit jeder Menge Ja/Neins und der Kraft des Konjunktivs spektakuläre Inneneinsichten in den Politikbetrieb bietet.

2016-09-23-17-34-54

Bei Minute 57 plumpst die Frage “Was tun?!” in gähnende Leere. Grund ist nur zum Teil die Ahnungslosigkeit der Diskutanten, sondern vielmehr eine Gesprächspause in deren Folge der rote wie auch der grüne Faden verloren ging.

Wer das das Thema noch einmal strukturiert, durchdacht und vorzüglich aufbereitet haben möchte, dem sei ein weiteres Mal die Lage der Nation empfohlen. Pflichtpodcast!

Erstmals auch im zukunftsträchtigen OPUS-Format (mit 24 kbps) – ich bitte um feedback so ihr es nutzt!

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Frisch gelesene Bücher: Der Circle

Ein Buch aus der Kategorie der schwergewichtigen Anspruchsverheißungen der jüngsten Jahre. “Der Roman unserer Epoche” prangt auf dem Buchrücken, “jeder muss es lesen” meint Julia Zeh und “Brigitte” hyperventiliert gar mit der Aussage, dass “man sein Smartphone leicht angewidert in die Ecke pfeffert und stattdessen mal wider mit einem Buch ins Bett geht”. Nun, ich, der ich tatsächlich noch jeden Abend mit einem Buch ins Bett gehe, möchte den Versuch unternehmen, den vollmundigen Einschätzungen meiner Vorredner noch ein paar Dinge hinzufügen und versuchen, das Buch etwas unaufgeregter einzuordnen.

circle

Keine Frage, es handelt sich hierbei um ein recht spannend erzähltes und zweifellos eine empfindliche Stelle des Zeitgeists berührendes Werk. Die Möglichkeiten umfassender Transparenz und totaler Ausdeutung des Individuums welche die digitale Revolution mit im Handgepäck führt, ist ein allgegenwärtiges Thema und bleibt bis auf weiteres ein schwer zu kalkulierendes Wagnis für die Entwicklung der modernen Gesellschaft. Ganz im Tenor zur Diskussion des letzten Podcasts kann das hier Heranwogende gleichermaßen als Bedrohung wie als Chance wahrgenommen werden.

In diesem Spannungsbogen arbeitet sich die Geschichte ganz anschaulich ab und stößt auf zahlreiche offene Fragen, die eine Weiterentwicklung der Informationsgesellschaft zwangsläufig aufwirft. Wie weit geht das Recht auf Anonymität? Sollte jede menschliche Aktivität messbar sein? Wo liegt die Grenze zwischen Öffentlichem und Privaten? Kann massive Datensammelei nicht auch kontraproduktiv für wahres Verständnis sein? Und zwischen all dem die stets präsente Frage: Ist all dies in einem kapitalistisch, gewinnmaximierenden Rahmensystem überhaupt auch nur ansatzweise eine gute Idee? Fragen über Fragen, die hier teils ganz gut angeschnitten werden, teils recht grob durchs Dorf getrieben werden. So muten manche Szenarien des 2013 veröffentlichten Buchs oft recht putzig an und lassen sich nur mühevoll mit irgendeiner denkbaren Realität vereinen. So erschien mir der gesamte Roman wie eine Melange aus fein herausgearbeiteter Dystopie mit wenig überzeugenden Versatzstücken aus dem Effektentopf. Auch die ewige Dämonisierung der “bösen” Internetkonzerne erscheint mir hier ein allzu plattes Mittel, welches in dieser Diskussion zwar gerne angewendet wird, die eigentliche Vielschichtigkeit des Themas aber erfolgreich verstellt.

Nichtsdestotrotz doch alles in allem ein lesbares Stück Zeitgeschichtsdestillat über das es sich Nachzudenken und zu Diskutieren lohnt. Der interessanteste Aspekt hieran erscheint mir aber eher die Sichtweise auf dieses Buch in 20-30 Jahren. Werden wir lächeln oder stöhnen?

Münzenberg – MZB017 – Zukunftsmusik

Wo geht es hin? Wer kommt mit? Und vor allem wie?
Wo geht es hin? Wer kommt mit? Und vor allem wie?

Immer wieder deuteten wir in vorangegangenen Podcasts an, über das Thema des Widerspruchs von technologischer und gesellschaftlicher Entwicklung reden zu wollen. Zahlreiche Gespräche hierüber gingen off record ins Land. Nun aber nehmen wir all unseren Mut zusammen und versuchen unsere Gedanken zum Thema zu bündeln.

  • Alte Folgen der “Sanft und Sorgfältig”-Ära sind nun auch (dank teranas) im feed von “Fest und Flauschig”
  • Dank und Ehrerbietung für diesen und viele Abende davor geht an die Pierogarnia
  • der erwähnte Vollmond-Newsletter samt der Information vom 16.8. (Machen wir ein kleines Gedankenspiel: Stellen Sie sich vor, man würde alle 7,4 Milliarden Menschen dieser Erde nach Deutschland bringen und dort gleichmäßig verteilt aufstellen. Alle Menschen dieser Welt in diesem einen Land! Wie viele Menschen würden dann auf einem Quadratmeter in Deutschland stehen? Schätzen Sie einmal … man denkt an Menschenmassen, man denkt an Enge, an Menschen, die Schulter an Schulter stehen … weit gefehlt! Jeder einzelne Mensch hätte dann etwa 48 Quadratmeter Raum für sich und der Rest des Erdballs wäre menschenleer …)
  • die These des Buchdruck-Internet-Vergleichs hab ich aus der Buchrezension über “Die granulare Gesellschaft” von “In trockenen Büchern”
  • das schwedische 6-Stunden-Modell
  • Die “Roboter-Revolution” – nur noch wenige Tage zu sehen!
  • Ab 2025 nur noch mit dem E-Auto nach Norwegen
  • Asyl in Island
  • Berggeschenk unter Nachbarn
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Frisch gelesene Bücher: Kollaps

Eine überraschend lange Zeit erschien an dieser Stelle kein Kommentar zu frisch verzehrter Lektüre. Dies lag nun keinesfalls daran, dass ich dem Lesen abgeschworen hätte, vielmehr lag es daran, dass der just absolvierte Wälzer es echt in sich hatte und dementsprechend viel Zeit abverlangte. “Kollaps: Warum Gesellschaften überleben oder untergehen” ist ein fast 700-seitiger, prall gefüllter Wissensspeicher, der mir einiges abforderte. Kein Buch was man so locker nebenher lesen kann.

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Seit jeher hege ich ein tiefes Interesse für eben jenes Thema. Was zeichnet eine stabile Gesellschaft aus und was kann diese Stabilität dann doch innerhalb kürzester Zeit gefährden? Hierzu findet sich nicht erst seit der hemmungslosen Mäanderisierung des Internets ein unüberschaubares Meinungsangebot. Voll von Hysterie und Lust am Untergang. Die wenigsten Gedankengänge zeichnen sich dagegen durch solch ein gut strukturiertes und abgewogenes Gedankengebäude aus.

Grob gefasst ist das Buch in drei Teile untergliedert. Die Beschreibung des Zusammenbruchs verschiedener vergangenen Kulturen, eine Untersuchung einiger gefährdeter Gesellschaften der Gegenwart sowie dem Versuch aus der Vergangenheit Lehren für uns zu ziehen. Persönlich hat mich der erste Teil am stärksten beeindruckt. Speziell die Ausführungen zur polynesischen Expansion sowie das Scheitern der Wikinger auf Grönland aber auch das positive Gegenbeispiel, die klugen Reaktionen auf Veränderungen im Japan der Tokugawa-Epoche fesselten mich und regten zum Nachdenken an.

Die Herangehensweise des Geographen Diamond ist dabei nicht umweltdeterministisch sondern untersucht die Zusammenhänge von Umwelt und menschlichen Handeln wie die fünf wesentlichen Faktoren, die zu einem Zusammenbruch menschlicher Gesellschaften führen, deutlich machen: Umweltschäden, Klimaschwankungen, feindliche Nachbarn, Wegfall von Handelspartnern und eine falsche Reaktion der Gesellschaft auf Veränderung. Wenn man sich diese fünf Faktoren genauer anschaut, wird schnell klar, dass nicht alle eintreten müssen um eine Zivilisation ins Wanken zu bringen. Die unterschiedlichsten Konstellationen sind hier denkbar und im Nachhinein ist manche Situation definitiv besser einschätzbar. So mag man vielleicht das Handeln der Bewohner der Osterinsel, die ihren Lebensraum bis auf den letzten Baum rodeten nicht verstehen oder die Intention der Grönland-Wikinger nicht begreifen, welche trotz größter Hungersnöte partout das Robbenjagen von den Inuit-Nachbaren nicht lernen wollten – ein paar hundert Seiten später erkennt man dann, dass auch unsere heutigen Gesellschaften in vergleichbaren Fehlentscheidungsdynamiken gefangen sind. Hier erfährt man auch zweifellos viel schon an anderer Stelle Gehörtes und Gelesenes – zahlreiche ungelöste Probleme die unser Dasein auf diesem Planeten nicht unerheblich erschweren könnten. Und die Erkenntnis, dass wir in diesem Fall eben nicht “nur” eine verödete Insel zurücklassen sondern dieses Mal die Sache gründlicher denn je verschlampen könnten, lastet stark auf einem wenn man sich durch all die Fakten, Beobachtungen und Thesen kämpft.

Und dennoch bleibt Hoffnung, bzw. “vorsichtiger Optimismus”, denn eben jene Vernetzung der Weltgesellschaft, die uns gleichsam auch alle in den Abgrund reißen kann, bietet auch die Möglichkeit durch kluge Reaktionen auf die veränderten Gesamtbedingungen das Ruder noch rumzureißen. Wie oft ich von diesem “noch” nun schon gelesen oder gehört habe. Andererseits ist das Buch von 2005. Vielleicht ist diese “noch” dann auch schon nicht mehr gültig.

Münzenberg – MZB016 – Zwischen Wildem Wunder und Blauen Mann

Unser weitester Ausflug im Dienste Münzenbergs bisher. Im so wunderschönen wie verrufenen Elbflorenz traf ich dieses Mal auf Antje um zu plaudern, zu erörtern und dergleichen mehr.

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Frisch gelesene Bücher: Das Omnivoren-Dilemma

Wohl zum ersten Mal seit ich diese Sache mit den Buchbesprechungen hier mache, habe ich das Gefühl, zunächst einmal den Titel des Buches erklären zu müssen.  Bei Omnivoren handelt es sich um Allesfresser, und zu diesen, auch wenn es da die eine oder andere versprengte Meinung gibt, gehören wir. Der erläuternde Untertitel des Buchs macht dann mit aller Sperrigkeit klar, wohin die Reise gehen soll: “Wie sich die Industrie der Lebensmittel bemächtigte und warum essen so kompliziert wurde”. Also mal wieder ein Buch übers Essen.

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Nachdem wir uns in einem Münzenberg-Spezial ja schon an diesem Thema versucht haben, nun ein wenig Theorie zur, Achtung, Unterfütterung. Ich denke weiterhin, dass das Thema es wert ist und auch in den kommenden Jahren enorm kommen wird. Und Michael Pollan, welcher als einer der Begründer der Slow-Food-Bewegung gilt, zeigt in diesem 600seitigen Wälzer eindrucksvoll weshalb.

Pollan unternimmt eine dreiteilige Entdeckungsreise zu den gegenwärtigen Möglichkeiten der Ernährung: industriell/”bio”ländlich/”Jäger-und-Sammler”.  Dabei wird natürlich mit der ersten Expedition gleich der stärkste Tobak präsentiert. Der militärisch-industrielle Komplex der Lebensmittelproduktion unserer Gegenwart lädt auf unüberschaubar vielen Ebenen zum Gruseln ein. Was hier aber besonders angenehm auffällt, ist, dass der Autor bei allem Diabolischen, die dieser Thematik anhaftet, stets auch in der Lage ist, die beeindruckende technologische Leistung zu honorieren, die bspw. darin steckt, aus einer Pflanze wie Mais derart viele Stoffe zu extrahieren um sie dann wieder zu beliebigen Produkten zusammenzufügen. Auch lässt er hierbei nicht aus den Augen, dass es die industrielle Lebensmitteltechnik war, die uns Omnivoren den Sieg über die Jahreszeiten, die geographische Lage und vieles mehr bescherte. Leider, so muss an dieser Stelle angemerkt werden, bezieht sich das gesamte Buch fast fortwährend auf die USA, so dass der europäische Leser ein wenig im Unklaren darüber gelassen wird, wie viel hiervon auch ihn betrifft.

Der Teil der sich mit “Bio-Landwirtschaft” beschäftigt, im Buch auch als “pastoral” bezeichnet, fällt in seinem Urteil auch nicht allzu überschwänglich aus. Zwar erachtet Pollan jeden Hektar Boden der auf diese Weise bewirtschaftet wird als einen für den Planeten zurückgewonnenen Hektar, doch das war auch schon alles an eindeutigen Abgrenzungen zum industriellen Widerpart. Zu unterschiedlich die Herangehensweisen, zu widersprüchlich die Philosophien und vor allem, zu übermächtig auch hier das Diktat des Profits und die Dominanz des Etablierten. Eindrucksvoll dekonstruiert er aber zumindest den Vorwurf an “Bio”-Lebensmittel ob ihres hohen Preises. Angesichts der versteckten Kosten, die in industriellen Lebensmitteln stecken (diverse Subventionen, Wasserverschmutzung,  nahrungsmittelbedingte Erkrankungen, Antibiotikaresistenz) weshalb diese eben nur scheinbar billig sind, gehören die meisten “Bio”-Lebensmittel zu den billigsten Lebensmitteln, die wir aktuell kaufen können. Doch das bleibt ein schwaches Argument wenn mal wieder am Ende des Geldes noch viel zu viel Monat übrig ist.

Der Teil aber auf den ich mich am meisten gefreut hatte, war der letzte Teil. Welche Möglichkeiten bieten sich uns Stadtmenschen zu autarker Ernährung? Was gibt es neben dem gelegentlichen Äpfelpflücken und Pilzesammeln. Pollan unternimmt hier natürlich Expeditionen auf voller Breite.  Jagen und Fischen, natürlich ganz legitime Mittel dieses Zweigs des Nahrungserwerbs, sehe ich leider in naher Zukunft für mich als nicht realistisch an. Doch nebenher entsteht in diesem Abschnitt des Buchs dann doch eine launige Atmosphäre der Improvisation und Genussfreude, die mir sehr behagt und die auch den Autor zum Ende zu einem “wirklich perfekten Dinner” führt. Die eine oder andere Sache (bspw. die Angelegenheit mit der Wildhefenkultivierung) werde ich unter Garantie auch mal ausprobieren. Natürlich, so resümiere ich gemeinsam mit dem Autor, ist dies natürlich keine alleinseeligmachende Alternative. Zumal nicht für die paar Milliärdchen, die sich um uns herum versammelt haben. Doch es ist ein wertvolles Buch um den Möglichkeiten die wir haben Aufmerksamkeit zu schenken und vielleicht mit der Suche nach etwas anders Schmeckenden nebenher eine andere, eine bessere Welt vorzubereiten.

 

Münzenberg – MZB015 – Zeitzeugenkatzentisch

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Zwischen Symbolbild und Platzhalter – ein gemeinsamer Spaziergang durch deutsch-deutsche Befindlichkeiten.

Ein geruhsamer Sonntag. Eine fantastisch aufgeräumte Wohnung. Eine neue, gleichermaßen altbekannte Figur im Münzenberg-Universum. Zeit und Gelassenheit um ein lange geplantes Thema anzupacken: Die olle Ossi-Wessi-Gemengelage im munteren Selbsterfahrungsaustausch. Freilich kommen wir bei diesem Thema auch an so manch anderem aktuellen Problem vorbeigeschlendert, aber hört selbst!

Relevante Querverweise und andere Nachtragungen:

 

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