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Das literarische Duo: Fahrenheit 451

Die Tage werden kürzer, die Blätter fallen sacht zu Boden, die Gedanken schwanken zwischen klarer Erkenntnis und düsterer Umwölkung. Beste Ausgangslage für einen weiteren Bücherclub. Erneut traf ich auf Feuser um mit ihm über einen Klassiker des dystopischen Genres zu plaudern – Fahrenheit 451.

 

 

 

 

 

Shownotes:

Mein Zuhause bei goodreads

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Frisch gelesene Bücher: Basken, Hunde, Sensationen

Ein kunterbunter Sachbuchmix sei hier kurz auf die Schnelle präsentiert. Halt alles was mir so in den letzten Monaten in die Quere kam. Ach, und hier findet man mich übrigens bei goodreads.

 

 

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Von der Zukunft abgewandt

Jules Verne, Star Trek, FDJ – so grundverschieden diese drei historischen Opinion Leader auf den ersten Blick erscheinen mögen, so ist ihnen dennoch eines gemein, und zwar der von ihnen jeweils unternommene Versuch positive Zukunftsvisionen zu entwickeln und zu verbreiten. Wenn man den Blick in die Vergangenheit richtet, gibt es für derlei Bestrebungen noch etliche Beispiele mehr. Quer durch die Geistesgeschichte der Menschheit lassen sich zahllose kreative und durchdachte Meisterwerke finden, die ein besseres Leben in der Zukunft beschreiben. Und hiermit meine ich ganz klar einzig jene Visionen, die sich auf das irdische Dasein beschränken. Religiöse Zukunftsvorstellungen sind für meine weiteren Überlegungen schlichtweg irrelevant.

In wirren Zeiten die Zuversicht behalten – nichts leichter als das!

Denn worauf ich hinaus will, ist folgendes: Die Diskussionen in jüngster Zeit um die Entwicklungen auf unserem Planeten nähern sich, so kann man ohne einer eventuellen Zeitgeisthysterie auf den Leim zu gehen, urteilen, einem kritischen Punkt. Die Kausalketten und Argumentationslinien verlieren sich oftmals im Postfaktischen, Gefühlten und wenden sich, genährt durch berechtigtes Misstrauen den Eliten gegenüber sowie der massiven Desillusionierung dank gescheiterter progressiver Vorstöße, allzu oft dem Fatalismus zu. Die Ursachen und Analyse dieser Entwicklung soll hier aber weniger das Thema sein. Vielmehr möchte ich auf einen Teilaspekt dieser Misere das Augenmerk richten, und zwar auf das völlige Erliegen jedweder Freude auf die Zukunft, ja der gänzlichen Abkehr von der Vorstellung, dass das Leben in 30 Jahren eventuell schöner sein könnte als in der Gegenwart oder gar im achso schönen “Früher-war-alles-besser”.

Die gänzlichen Abkehr von der Vorstellung, dass das Leben in 30 Jahren eventuell schöner sein könnte als in der Gegenwart.

Diverse Faktoren aus Geschichte, Politik, Demographie und etlichen anderen Bereichen des menschlichen Wirkens führen auch dank der einzigartigen Erlebbarkeit mittels Internet zu einer gefühlten Hilf- und Machtlosigkeit gegenüber der Komplexität unserer Gegenwart. Diese wiederum mündet entweder in den allseits bekannten einfachen Lösungswelten aus Esoterik/Religion bzw. Rassismus/Nationalismus oder einem alles verschlingenden Fatalismus mit der glühenden Sehnsucht nach tabula rasa, einem reboot der Welt. Die bestehenden Probleme erscheinen zu gewaltig und vielschichtig um noch in irgendeiner Weise lösbar zu sein oder aber man versteift sich darauf zu behaupten, dass die Grundlagen der menschlichen Gemeinschaft in sich komplett verschlissen und korumpiert seien, und daher nicht wert zu retten wären. Der Grundtenor aktueller Überlegungen ist, so scheint es zumindest mir, immer häufiger die Forderung nach einer kompletten Dekonstruktion des fehlerhaften Bestehenden. Diese Sehnsucht nach jenem, mit zahlreichen Hoffnungen überfrachteten “reinen Tisch” übertrumpft dank seines schlichten Konzepts immer mehr jenes anstrengend wirkende Nachdenken über etwaige Möglichkeiten eine Verbesserung unseres Lebens herbeizuführen, ohne alles einzureißen. Dementsprechend versteht es sich von selbst, dass positive Zukunftsvisionen in solch einem Klima nicht wirklich gedeihen können. Ganz im Gegenteil – Dystopien haben im Kino Konjunktur, die Zombiekalypse kann sich auch nach der xten Wiederholung im Serienuniversum nicht über mangelnden Zuspruch beschweren und auch die zeitgenössische Literatur geht im großen Stil mit düsteren Szenarien hausieren. Die einfallslosen Sprünge der Kulturindustrie erschöpfen sich, wenn sie die Vorstellungskraft des Publikums ansprechen will, bestenfalls noch in infantiler Fantasy oder dem einfallslosen Neuaufguss diverser Mythen der Vergangenheit.

Der Grundtenor aktueller Überlegungen ist häufig die komplette Dekonstruktion des fehlerhaften Bestehenden als das Nachdenken darüber wie man es eventuell verbessern könnte ohne alles einzureißen.

Nun mag man, so man mir bis hierhin zustimmt, einwenden, dass doch gerade diese beobachtbare Grundstimmung Indiz für eine relevante Krise der Gesellschaft ist, die es eben in dieser Ausprägung am Vorabend bedeutender Umbrüche schon häufiger gegeben hätte. Und eben dies stimmt meines Erachtens nur zum Teil. Zum einen gab es auch destruktive Zäsuren in der Menschheitsgeschichte, welche in Phasen relativen Wohlstands und gesellschaftlicher Zuversicht auftraten, bspw. sei hier der Erste Weltkrieg erwähnt. Zum anderen waren selbst die gröbsten Zivilisationszusammenbrüche stets begleitet oder gar initiiert von Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Abgesehen von einigen düsteren Momenten, in denen Hoffnung knapp war und eine bessere Zukunft den Zeitgenossen absurd erschien, blieben einem nicht unbedeutenden Teil der Menschheit das Vertrauen auf eine Überwindung der Unzulänglichkeiten der Gegenwart und das Streben hin zu einer besseren Welt im Morgen eine unerschütterliche Gewissheit und Triebfeder für ihr Dasein. Ob es die Utopien der Antike, das klare Denken der Aufklärung oder die kühnen Träume der fortschrittsvernarrten SF-Autoren waren – noch in den übelsten Zeiten begleitete die Menschen jene kraftspendende Motivation einer positiven Zukunftsvorstellung.

Und eben dieses belebende Element menschlicher Entwicklung ist in den letzten Jahren nahezu unbemerkt und spurlos verloren gegangen. Vielleicht lebe ich ja in einer sozialen Blase, doch ich wage zu behaupten, dass man überall auf unserem Erdenball in jedweder gesellschaftlichen Schicht und Altersgruppe auf die Frage wie sie ihr Leben in 30 Jahren sehen, rundweg skeptische, negative oder fatalistische Antworten bekäme. Zweifellos ist dieses Urteil keineswegs unbegründet und auch überaus nachvollziehbar, doch ich sehe in einer solchen allgemeinen Grundstimmung eine enorme Gefahr. Ähnlich dem Prinzip einer selbsterfüllenden Prophezeiung befürchte ich hier auf lange Zeit gedacht, eine Gesellschaft, die sich selbst aufgibt, sich in Selbstmitleid suhlt und bestenfalls verdummt, schlimmstenfalls kollabiert. Wenn eine bessere zukünftige Welt von der überwiegenden Mehrheit nicht mal mehr theoretisch vorstellbar ist, dann haben wir auch keine Zukunft mehr.

Eine Gesellschaft, die sich selbst aufgibt, sich in Selbstmitleid suhlt und bestenfalls verdummt, schlimmstenfalls kollabiert.

Daher hier mein leidenschaftlicher Aufruf zu Optimismus und konstruktiven Denken. Wir sind weit gekommen in den letzten Jahrtausenden und ein Komplettabriss des Bestehenden darf einfach nicht die einzige Alternative sein. Dafür schätze ich zahlreiche Errungenschaften der, aktuell in Misskredit geratenen Zivilisation dann doch ein wenig zu sehr. Selbstredend stehen wir vor gravierenden Problemen, Problemen für die auch ich keine Patentlösung, ja nicht einmal einen realistischen Ansatz im Angebot habe. Doch die Entwicklung von Zivilgesellschaft und Technologie könnten doch zumindest nicht ausschließlich Grund zu Besorgnis und Misstrauen sein. Jedes Ding hat schließlich seine zwei Seiten, alles hat Vor- und Nachteile – mir kommt es aber seit geraumer Zeit so vor als würde sich die globale Wahrnehmung einzig auf die Schattenseiten der kommenden Veränderungen fokusieren. Wenn wir also angesichts der schier unlösbaren Verstrickungen von Egoismus, Gier und Irrationalismus, welche unserer Welt im Würgegriff hält, mal wieder verzweifeln wollen und eine, auch nur geringfügige Verbesserung dieses Zustands als völlig abwegig erscheint, dann wünschte ich mir statt dem ewig öden Fatalismus ein wenig mehr optimistische Gedankenspielerei. Mag die Lage auch aussichtslos erscheinen, sich zumindest in der Fantasie einzulassen auf eine vorteilhafte Wendung der Geschicke der Menschheit sollte doch möglich sein und, wer weiß, vielleicht entsteht aus solcherlei Versuchen etwas, was uns tatsächlich weiterhilft, uns auf neue Ideen bringt. Eines steht in meinen Augen jedenfalls fest: Das permanente Wiederkäuen destruktiver Zukunftsszenarien hilft bestenfalls einigen wenigen. Daher schreibt, musiziert und denkt euch in eine leuchtende Zukunft hinein. Das könnte aufregender sein als die beste Apokalypse.

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Frisch gelesene Bücher: 1913. Der Sommer des Jahrhunderts

Und der nächste Schlag. Mit “1913” also endlich mal wieder ein echtes Schwergewicht in der Besprechung. Was der Bestseller unter der Haube hat, erfahrt ihr in der nachfolgenden kleinen Vertonung.

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Arrividerci

Auf geht’s zur letzten großen Reise dieses Jahres. Zauberhafte 2043 Bahnkilometer liegen vor uns bis wir das Land wo die Zitronen blühen erreichen werden um dort dieses Jahr mit gebührend Abstand zu verabschieden.

Und dieser Abstand ist zwingend notwendig. Warum? Letztlich war es nur ein weiteres Jahr der Verschärfung des kapitalistischen Grundwiderspruchs, doch mit, oberflächlich betrachtet, immer widerwärtigeren Resultaten. Kleinbürgerliche Angst, heuchlerische Besitzstandswahrung, platter Hass und ganz allgemein, grenzdebiler Skeptizismus sogar den selbstverständlichsten Errungenschaften von Aufklärung und Wissenschaft gegenüber werden aus der Gosse hochgespült, um mit einfachen Antworten komplexe Missstände beseitigen zu wollen. All die wohlbekannten, vorbestraften Geister blinzeln frech und dreist im 21. Jahrhundert als wäre nix gewesen. Angesichts dieser vorhersehbaren Misere, welche ohne viel Geschichtskenntnisse erkennbar ist, wird mir übel, ob meiner Hilflosigkeit wie meiner Untätigkeit gleichermaßen.

Daher suche ich Abstand und vertraue mich ganz der selbstvergessenen Gelassenheit des Mezzogiorno an. Es wäre nicht das erste Mal dass mir der Stiefel wieder ausreichend Grundvertrauen und Hoffnung schenkt um den ganz normalen Schlamassel würdevoll gegenüber zu treten.

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Frisch gelesene Bücher: Verschwörung

Natürlich war ich über alle Maßen skeptisch als ich hörte, dass es nun doch eine Fortsetzung der Millenium-Reihe geben würde. Sie konnten es einfach nicht lassen, so mein Gedanke. Die vorausgegangene Trilogie war mit samt den Filmen dann wohl doch zu verlockend um nicht nachzulegen. Nicht im Zeitalter der Einfallslosigkeit, welche sich, so scheint es, kulturell hauptsächlich durch Relaunchs und Comicverfilmungen auszeichnet. Dieser vierte Band gelang auch nur trotz geschicktester Winkelzüge. Schließlich hatte sich Familie wie Lebensgefährtin nach dem frühen Tod von Larsson 2004 geweigert, die schon bestehenden Manuskripte von einem anderen Autor fertigstellen zu lassen.

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David Lagercrantz, der Autor von “Verschwörung”, dem vierten Band der Millenium-Reihe, begann also im Grunde ohne sich an die Vorgaben Larssons halten zu müssen. Und dies ist ihm, man mag es kaum glauben, mehr als gelungen. Schon während der Lektüre stellte ich erschrocken fest, dass meine Skepsis-Bollwerke zu bröckeln begannen und meine feindselige Stimmung gegen diesen anmaßenden Versuch kippte. Die lang vermissten Hauptcharaktere waren nicht nur überzeugend zu neuem Leben erwacht, nein, sie entwickelten sich sogar weiter. Neue Figuren stießen hinzu und bauten ein Szenario auf, der sich hinter den Originalen nicht zu verstecken brauchte. Sicher, die einfache Darstellung komplexer Vorgänge mag an mancher Stelle ein wenig zum Lächeln anregen, doch hiermit ist man nur genrekonform und so manches Sachbuch zum Thema “Digitalisierung-Überwachung” und wie Politiker, Kriminelle und Journalisten hiermit zurechtkommen, ist hierbei trotz aller Seriosität und Sachkenntnis meist auch nicht viel erhellender.

Was mich eher bei den Millenium-Büchern hält, ist der deutlich zu spürende parteiische Geist der hier dem Leser vermittelt wird. Stieg Larsson versuchte Zeit seines kurzen Lebens Antifaschismus und Xenophobie entgegenzutreten, so atmeten dann auch seine Bücher diese trotzigen, widerständige Hoffnung, dass der Kampf für eine gerechtere Welt noch nicht beendet ist. Und auch wenn das ehemalige Nachrichtenmagazin so etwas in einer unfassbar arroganten und selbstgerechten Rezension als “linken Kitsch” abtut, mir gefällt gerade dieser Subtext angesichts der eher reaktionär und dystopisch geprägten Thrillerschwemme unserer Zeit. Dementsprechend froh schaue ich den angekündigten weiteren zwei Romanen von Lagercrantz entgegen. Gut, dass es euch wieder gibt, Mikael und Lisbeth!

 

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Frisch gelesene Bücher: Postkapitalismus

In Zeiten wie diesen (welche sich im übrigen auch nicht sonderlich von anderen Zeiten, insbesondere jener oft zitierten guten, alten Zeit unterscheidet), in dem sich mal wieder etwas mehr aufgeregt und besorgt wird, sind Bücher von trockener, rationaler Gegenwartsanalyse kostbare Schätze. Wenn zahlreiche glitzernde Stellvertreterkonflikte sich in den gesellschaftlichen Mittelpunkt drängen, wenn aufgebauschte Angst sich mit schwach verhohlener Besitzstandswahrung paart und auch sonst allerorten die Zwerge lange Schatten werfen, dann ist ein solch erfrischendes Buch wie das von Paul Mason genau das richtige um neue Kraft zu tanken und den Blick auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Mit “Postkapitalismus. Grundrisse einer kommenden Ökonomie” hat Mason etliche kluge Gedanken zum “Kern des Pudels” zu Papier gebracht. Die meisten der haarspalterischen und erbitterten Diskussionen der letzten Jahrzehnte, welche um Zukunft und Entwicklung unserer Gesellschaft kreisen, sparen bewusst oder unbewusst ein konkretes Problem aus: Kapitalismus. Und genau hier setzt Mason an. Unbefangen und schwungvoll aktualisiert er die Traditionsbestände linker Theorie, zeichnet ein (für die Kürze) unfassbar gehaltvollen wie pointierten Abriss der Arbeiterbewegung, rechnet schonungslos mit dem Neoliberalismus ab und entwirft dann doch überraschend ungelenk seine Thesen für einen Übergang zu einer neuen Ordnung. Dass eben dieser Entwurf nicht wirklich zu überzeugen weiß, schmälert den Wert dieses Grundrisses aber keineswegs. Schließlich versteht Mason den Übergang zu eben jenem Postkapitalismus als eine ähnlich tiefgreifende Transition wie der Übergang vom Feudalismus zum Merkantilismus und schließlich zum Industriekapitalismus. Historische Übergänge dieser Güte sind nun einmal schwer planbar. Hier wird schnell klar: Postkapitalismus wird harte Arbeit.

So eindringlich und inspirierend  der Aktionsplan des “revolutionären Reformismus” auch daher kommt, so bleibt dies trotzdem der am wenigsten überzeugende Teil des Buchs. Die Feststellung, dass sich gegenwärtig schon reichlich postkapitalistische Strukturen behaupten, also Geschäftsformen, die sich den ehernen Gesetzen der profitorientierten Ökonomie entziehen, so ist dies eine Feststellung, die aber nichts bedeuten muss und vielleicht die Anpassungsfähigekeit, keinesfalls aber die Widerstandskraft des Kapitalismus überstrapazieren könnte. Und auch wenn hier jede Menge interessanter Beobachtungen zur Neuinterpretation der Rolle des Menschen in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft stecken, weiß Mason um die Kritikwürdigkeit seiner Thesen wenn er ironisch anmerkt, dass er sich freuen würde, wenn seine Prinzipien “von einer wütenden Menge in der Luft zerrissen und vollkommen überarbeitet würden.”

Der Wert dieses Buchs, welcher mit so viel Kraft und Ideen gespendet hat, liegt vielmehr in seiner historischen und theoretischen Pionierarbeit. Die Beschreibung des Ist-Zustands und seiner historischen Ursachen ist so verständlich und fundiert beschrieben wie ich es lange nicht mehr erlebt habe. Hier fährt Mason zu brillanter rhetorischer Stärke auf und wäre so manchem Zeitgenossen dringend zur Lektüre empfohlen. Und so möchte ich auch schließen, denn wenn man an Masons Gedanken auch einiges kritisieren und bemängeln kann, so ist es zumindest ein vielversprechenderer Ansatz als die halb-faschistische Säuselei, die mit den üblichen einfachen Antworten und der Sehnsucht nach Autoritärem den offensichtlichen Schlamassel zu begegnen sucht. Einmal mehr begreife ich, wie nötig Aufklärung gegenwärtig ist, doch mit diesem Buch in der Hinterhand mag diesem hehren Ansinnen vielleicht ein wenig mehr Erfolg beschieden sein.

Münzenberg – MZB018 – SPEZIAL der Wahl

Koalitionsgemüse
Frühstück am Wahlsonntag – orakelig, knackig und verführerisch

Zwischen Havelland und Pierogarnia pendeln wir die Ergebnisse der Berlinwahl aus. Mit dabei im zweiten Teil des Gesprächs der “Besamer” (Stichwort: Sonnenblumenkernkraft) des Weddings, Daniel Gollasch, der uns mit jeder Menge Ja/Neins und der Kraft des Konjunktivs spektakuläre Inneneinsichten in den Politikbetrieb bietet.

2016-09-23-17-34-54

Bei Minute 57 plumpst die Frage “Was tun?!” in gähnende Leere. Grund ist nur zum Teil die Ahnungslosigkeit der Diskutanten, sondern vielmehr eine Gesprächspause in deren Folge der rote wie auch der grüne Faden verloren ging.

Wer das das Thema noch einmal strukturiert, durchdacht und vorzüglich aufbereitet haben möchte, dem sei ein weiteres Mal die Lage der Nation empfohlen. Pflichtpodcast!

Erstmals auch im zukunftsträchtigen OPUS-Format (mit 24 kbps) – ich bitte um feedback so ihr es nutzt!

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Frisch gelesene Bücher: Der Circle

Ein Buch aus der Kategorie der schwergewichtigen Anspruchsverheißungen der jüngsten Jahre. “Der Roman unserer Epoche” prangt auf dem Buchrücken, “jeder muss es lesen” meint Julia Zeh und “Brigitte” hyperventiliert gar mit der Aussage, dass “man sein Smartphone leicht angewidert in die Ecke pfeffert und stattdessen mal wider mit einem Buch ins Bett geht”. Nun, ich, der ich tatsächlich noch jeden Abend mit einem Buch ins Bett gehe, möchte den Versuch unternehmen, den vollmundigen Einschätzungen meiner Vorredner noch ein paar Dinge hinzufügen und versuchen, das Buch etwas unaufgeregter einzuordnen.

circle

Keine Frage, es handelt sich hierbei um ein recht spannend erzähltes und zweifellos eine empfindliche Stelle des Zeitgeists berührendes Werk. Die Möglichkeiten umfassender Transparenz und totaler Ausdeutung des Individuums welche die digitale Revolution mit im Handgepäck führt, ist ein allgegenwärtiges Thema und bleibt bis auf weiteres ein schwer zu kalkulierendes Wagnis für die Entwicklung der modernen Gesellschaft. Ganz im Tenor zur Diskussion des letzten Podcasts kann das hier Heranwogende gleichermaßen als Bedrohung wie als Chance wahrgenommen werden.

In diesem Spannungsbogen arbeitet sich die Geschichte ganz anschaulich ab und stößt auf zahlreiche offene Fragen, die eine Weiterentwicklung der Informationsgesellschaft zwangsläufig aufwirft. Wie weit geht das Recht auf Anonymität? Sollte jede menschliche Aktivität messbar sein? Wo liegt die Grenze zwischen Öffentlichem und Privaten? Kann massive Datensammelei nicht auch kontraproduktiv für wahres Verständnis sein? Und zwischen all dem die stets präsente Frage: Ist all dies in einem kapitalistisch, gewinnmaximierenden Rahmensystem überhaupt auch nur ansatzweise eine gute Idee? Fragen über Fragen, die hier teils ganz gut angeschnitten werden, teils recht grob durchs Dorf getrieben werden. So muten manche Szenarien des 2013 veröffentlichten Buchs oft recht putzig an und lassen sich nur mühevoll mit irgendeiner denkbaren Realität vereinen. So erschien mir der gesamte Roman wie eine Melange aus fein herausgearbeiteter Dystopie mit wenig überzeugenden Versatzstücken aus dem Effektentopf. Auch die ewige Dämonisierung der “bösen” Internetkonzerne erscheint mir hier ein allzu plattes Mittel, welches in dieser Diskussion zwar gerne angewendet wird, die eigentliche Vielschichtigkeit des Themas aber erfolgreich verstellt.

Nichtsdestotrotz doch alles in allem ein lesbares Stück Zeitgeschichtsdestillat über das es sich Nachzudenken und zu Diskutieren lohnt. Der interessanteste Aspekt hieran erscheint mir aber eher die Sichtweise auf dieses Buch in 20-30 Jahren. Werden wir lächeln oder stöhnen?

Münzenberg – MZB017 – Zukunftsmusik

Wo geht es hin? Wer kommt mit? Und vor allem wie?
Wo geht es hin? Wer kommt mit? Und vor allem wie?

Immer wieder deuteten wir in vorangegangenen Podcasts an, über das Thema des Widerspruchs von technologischer und gesellschaftlicher Entwicklung reden zu wollen. Zahlreiche Gespräche hierüber gingen off record ins Land. Nun aber nehmen wir all unseren Mut zusammen und versuchen unsere Gedanken zum Thema zu bündeln.

  • Alte Folgen der “Sanft und Sorgfältig”-Ära sind nun auch (dank teranas) im feed von “Fest und Flauschig”
  • Dank und Ehrerbietung für diesen und viele Abende davor geht an die Pierogarnia
  • der erwähnte Vollmond-Newsletter samt der Information vom 16.8. (Machen wir ein kleines Gedankenspiel: Stellen Sie sich vor, man würde alle 7,4 Milliarden Menschen dieser Erde nach Deutschland bringen und dort gleichmäßig verteilt aufstellen. Alle Menschen dieser Welt in diesem einen Land! Wie viele Menschen würden dann auf einem Quadratmeter in Deutschland stehen? Schätzen Sie einmal … man denkt an Menschenmassen, man denkt an Enge, an Menschen, die Schulter an Schulter stehen … weit gefehlt! Jeder einzelne Mensch hätte dann etwa 48 Quadratmeter Raum für sich und der Rest des Erdballs wäre menschenleer …)
  • die These des Buchdruck-Internet-Vergleichs hab ich aus der Buchrezension über “Die granulare Gesellschaft” von “In trockenen Büchern”
  • das schwedische 6-Stunden-Modell
  • Die “Roboter-Revolution” – nur noch wenige Tage zu sehen!
  • Ab 2025 nur noch mit dem E-Auto nach Norwegen
  • Asyl in Island
  • Berggeschenk unter Nachbarn
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