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Der Kern des Bilbos – ein heißer Tanz auf dem Baskenball

Anmutig ächzend erhob sich die altehrwürdige Reisegruppe ein weiteres Mal um ihrer unersättlichen Neugier nach absurden Lebensumständen im Draussen nachzugeben. Ein Jahrzehnt  abgefahrener Stationen in wohliger Erinnerung (Pridnestrowien, Belfast, Belgrad, Belgien, Minsk) kuschelten wir uns in den Zug und rauschten gen Baskenland. Nach Bilbo (wohl auch Bilbao auf Besatzerspanisch genannt) der, zumindest von uns zur Hauptstadt des Baskenland erkorenen Metropole sollte es diese Mal gehen. Zugegeben, verglichen mit einigen der vorangegangenen Reiseziele, scheint diese gemütlich in die Antlantikkniebeuge geschmiegte Region, in Sachen Absurdität und Exotik auf den ersten Blick ein wenig zu kurz gekommen zu sein. Doch betrachtetet man Geschichte, Selbstverständnis und Kultur der Basken etwas genauer, blinken einem da recht schnell diverse Anhaltspunkte entgegen, die einen Besuch hier rechtfertigen.

Aber der Reihe nach. Da das primäre Reiseziel, Fußball, an anderer Stelle weitaus profunder und ausführlicher dargestellt wurde, möchte ich hier nur einiges kurz bemerken. Quantität und Qualität waren auf diesem kleinen Flecken Erde wohl beispiellos. Fußball ist hier definitiv keine Randnotiz sondern wesentlicher Eckpfeiler des baskischen Daseins. Und auch wenn uns eine Heimspiel nicht vergönnt war, so verschenke ich doch, nicht nur der Farben wegen, bedenkenlos eines meiner vielen Fußballherzen an Athletic Bilbo.

Grün, Berge, Meer – die ewige Dreifaltigkeit des Wohlgefühls.

Widmen wir uns nun dem ersten Eindruck: Grün so grün, aufreizende Berglandschaften und dann noch ein einladend schäumender Ozean dazu – was will man mehr?! Angesichts der beige-grauen Karstlandschaften, die ich mit großen Teilen der kastilischen Hochebene assoziiere, ein wohltuender Kontrast. Hinsichtlich der Berge wird es für den Rest der Reise bei sehnsüchtigen Blicken aus dem Zugfenster bleiben. Unsere Expeditionen streifen hauptsächlich die nicht minder lockende Küste, das Hinterland musste aus Zeitgründen auf später verschoben werden. Und hier treffen wir dann auch schon auf ein immer wiederkehrendes Element – das Auswählen und Entscheiden. Das Baskenland ist selbst auf den ersten Blick proppenvoll mit sehenswerten Erlebniswürdigkeiten. Bei näherem Hinsehen wird die Selektion zu einem quälenden Dauerzustand. Nun mag der eine oder andere einwenden, dass dieses Phänomen dem sehenden Reisenden doch wohlbekannt sein müsste, doch es gibt hier zweifellos solche und solche Regionen. In Pridnjestrowien beispielsweise erinnere ich eher nicht an dieses Grundgefühl.

Nachdem wir nach der Ankunft das Wochenende erfolgreich mit Fußball gefüllt hatten, verhieß der Wochenbeginn “Heraus zum revolutionären Ersten Mai”. Nun ist die Geschichte der Arbeiterbewegung und sozialrevolutionärer Ansätze in Spanien zum einen und im Baskenland im Besonderen eine leicht diffizile Angelegenheit. Die allseits bekannte Spaltung der Arbeiterbewegung in kommunistisch und sozialdemokratisch hat durch die Stärke der Anarchisten auf der iberischen Halbinsel zu einer nicht unbedeutenden Verkomplizierung der Gemengelage geführt und insbesondere im Spanischen Bürgerkrieg die tragische Niederlage der progressiven Kräfte begünstigt. Im Baskischen wurde diese kleingeistige Zersplitterung zusätzlich noch ergänzt durch einen vielfach vorbestraften Bekannten namens Nationalismus, welcher sich hier zur Abwechslung das Gewand mal links herum anstreifte. Zumindest die gut organisierte Arbeiterschaft, des im Vergleich zum eher bäuerlichen, spanischen Kernland, beachtlich durchindustrialisierten Baskenland schloss sich fast komplett der Verteidigung der Republik an, und erlebte nach erbitterten Kampf eine blutige Niederlage. Dies alles und einiges mehr im Hinterkopf schritten wir sodann zum allgemeinen Treffpunkt des Demonstrationszuges.

Die Revolution marschiert. In Einzelgrüppchen.

Hier bot sich uns die symptomatische Zurschaustellung jenes beschriebenen historischen Dilemmas: In sicherem Abstand von einander sammelten sich auf der breiten Straße die verschiedenen Grüppchen. Auch als sich der “Zug” in Bewegung setzte, achtete die Volksfront vom Baskenland peinlich genau darauf den Abstand zur baskischen Volksfront nicht zu verringern. Wie nicht anders zu erwarten (und dennoch wollte ich es zunächst nicht glauben!) mündete jeder einzelne Block auf einem gesonderten Kundgebungsplatz. Und auch wenn die Reden der anderen bisweilen vom Wind herüber geweht wurden, ignorierte man dies geflissentlich und gebärdete sich jeweils unbeirrt als einzig wahrer Gralshüter der Revolution. Alles sehr traurig, frustrierend und ein gerüttelt Maß peinlich.

Kommen wir daher lieber zu einem lebensbejahenden und über alle Maßen begeisternden Thema: dem öffentlichen Nahverkehr. Dieser, in hiesigen Breiten eher Apathie verbreitende Themenkomplex hat mich im Baskenland mehrmals täglich zu überschäumender Freude und sitzenden Ovationen gebracht. Der geschmeidig dahingleitende Verbund aus Bussen (Stadt und Fern), Straßenbahn, Metro und Eisenbahn (Euskotren) allein wäre schon eine Erwähnung wert. Doch bemerkenswert ist hier das Modell der Bezahlung, welche mittels einer kleinen Karte (BarikCard) die Fortbewegung zum preiswerten Kinderspiel macht. Einmal anonym erworben, kann an Bahnhöfen und sogar in manchen Kneipen Geld drauf geladen werden. Sodenn steigt man, seine Karte haltend an einem beliebigen Anfangspunkt ein, wobei ein gewisser Grundbetrag abgezogen wird, beim Aussteigen wiederholt man diesen Vorgang, und der, von der gefahrenen Strecke abhängige Betrag wird zusätzlich abgezogen.

Bahnfahren im Baskenland – es kann so einfach sein!

Dank der regelmäßigen und aufeinander abgestimmten Taktfrequenz erhält der Reisende hierdurch ein Höchstmaß an Freiheit und der Tourist zudem die Möglichkeit ohne Einbußen dort auszusteigen, wo es ihm beliebt. Dies mag in ähnlicher Form auch anderswo so gehandhabt werden, doch drei Punkte leuchten hier hervor, die mir bedeutend erscheinen. Zum einen die nicht unerhebliche Reduzierung des Fahrpreises, die man hierdurch erhält, zum anderen das scheinbare makellose Funktionieren eines solchen Systems und zu guter Letzt die, bei einer solchen Methode nicht selbstverständliche Möglichkeit der anonymen Nutzung.

Genug der einleitenden Worte, kommen wir nun endlich zum Kern des Bilbos. Wie schaut’s aus im pulsierenden Zentralorgan des Baskenlands? Unser Reiseziel schmiegt sich mäandernderweise an den Ria de Bilbao, welcher sich wenige Kilometer später in den Golf von Biskaya ergießt. Aufgrund seiner Lage und verschiedener begünstigender Faktoren entwickelte sich Bilbo rasch zu einer massiv industrialisierten Hafenstadt. So muss das Erscheinungsbild der Stadt bis vor Kurzem hässlich, grau und schmutzig gewesen sein. Der industrielle Niedergang der 1970er und der Würgegriff der ETA taten ihr übriges – zweifellos wirkte Bilbo noch vor einem Vierteljahrhundert eher weniger einladend. Doch Anfang der 90er führten einige wenige Maßnahmen zu einer kometenhaften Aufwertung des baskischen Schmuddelkinds. Der spektakuläre Bau des Guggenheim-Museums führte zu einer derart radikalen Veränderung der Stadt, dass man fürderhin diesen Prozess der Aufwertung sogar “Bilbao-Effekt” taufte .

Der Ground Zero des “Bilbao-Effekts” – der charmante Blick- und Touristenfang lässt selbst unbedarfteste Architekturverächter kurz aufmerken.

Auch die von Sir Norman Foster projektierte Metro urbanisierte und modernisierte innerhalb kürzester Zeit und stülpte offenbar einmal alles komplett um. Wenn man heute durch die Gassen Bilbos schlendert, kann man sich all dies beim besten Willen nur schwer vorstellen. Sehr hilfreich und empfehlenswert für den geschärften Blick bei der historischen Stadtbesichtigung war eine kleine, aber feine App namens “Free Bilbo”. Diese, aus der alternativen Szene stammende Stadtführung vermittelte, zwar bisweilen mit kruden Vokabular und merkwürdiger Deutung, eine Perspektive, die es ermöglichte durch die glitzernde Fassade des neuen Bilbos, die Konturen der vergangenen Realität auszumachen. Denn eine solche massive Umgestaltung urbanen Raums erschafft auch immer Verlierer. Als langjähriger Berliner hat man per se eine sensible Wahrnehmung für die erdrückende Umarmung gentrifizierender Maßnahmen. Die Hinweise für stattfindende Verdrängung und Ausgrenzung, welche “Free Bilbo” offerierte, beachteten wir deshalb umso aufmerksamer. Einmal mehr fiel es schwer, den geschilderten Ausgangszustand jenes bunten Viertels durch das wir wandelten, vorzustellen. Aus dem Blickwinkel der keimfrei sanierten Kieze unserer Stadt erschien so etwas wie San Francisco in Bilbao immer noch bunt und angenehm lebhaft. Hier spürte man jene weltoffene und multiethnische Patina, die mich von jeher anzieht und in mir unmittelbar Wohlbehagen auslöst. Doch dies ist eben wie so oft eine Frage der Relation. Es steht außer Frage, dass das  Prä-Guggenheim-Bilbao wohl eine sehr beeindruckende Zeitreiseziel wäre.

Das Filetstück dieser Reiseerlebnisse ist zu guter Letzt ein kurzer Einblick in die sagenhafte Welt der baskischen Kulinarik. Jeder halbwegs kundige Iberer schnalzt bei der Erwähnung Bilbos lüstern mit der Zunge. Schon eine oberflächliche Recherche offenbart, dass das Baskenland die unumstrittene Feinschmecker-Hochburg Spaniens ist. Derart eingestimmt reist man naturgemäß mit hohen Erwartungen und freudig pulsierenden Gaumen an. Um es vorweg zu nehmen: die hohe Dichte an Sterneköchen der Region haben wir nicht mitgenommen und auch die, immer wieder gewöhnungsbedürftigen Essenszeiten der mediterranen Welt haben uns wahrscheinlich den einen oder anderen kulinarischen Höhepunkt verpassen lassen. Abseits davon genügten selbst einige sporadische Abstecher ins Baskonomische um zu erahnen, zu was sie fähig ist. Viele Gerichte hier sind vom nahen Meer beeinflusst.

Zwar nicht Nueva Cocina Vasca und trotzdem grandios!

Da wäre zum Besipiel Bacalao al Phi-Phi (Stockfisch mit einer Soße aus der eigenen Gelantine), Chipirones en su tinta (Kalmare in eigener Tinte) oder die berühmten Angulas (Glasaale) um nur einige zu nennen. Hinsichtlich Fleisch neigt man eher dem Rind als dem Schwein zu und natürlich gibt es auch hier etliche erlesene Spezialitäten, auf deren Qualität der Baske, mit der ihm eigenen Sorge um Tradition und Einzigartigkeit mit Argwohn wacht. Gesondert hinweisen möchte ich hier auf die vorzügliche Morcilla (Blutwurst). Obwohl insgesamt vielleicht ein Mü zu süß kann sie sich zweifellos mit der Königin aller Blutwürste, ihre Eminenz Kaszanka, messen. Obzwar aus den vorgenannten Gründen ich leider nicht das große Gaumenerweckungserlebnis genießen durfte, so würde ich mich dennoch zu der Behauptung versteifen, dass die erlebten Grundlagen Anlass zur Hoffnung auf Großartiges geben. Wie gesagt, ich werde das Gefühl nicht los, das Baskenland nur marginal angekratzt zu haben. Ein weitere Reise mit eingehender Vertiefung all der erlebten Appetithäppchen ist zwingend erforderlich.

Topa (bask. Prost) und immer wieder Topa – ein Wein ganz nach meinem Geschmack!

Ein Element der baskischen Sinnesfreuden haben wir jedoch in aller Ausführlichkeit und mit gebührender Beharrlichkeit untersucht: Txakoli! Dieser sehr trockene, leicht moussierende Weißwein mit hohem Säuregehalt ist der feuchte Stolz der trinkenden Baskenheit. Außerhalb der Provinz Biskaya wird dieser Wein aus waghalsig hohen Bogen ins Glas geworfen. Der Bilbote verzichte auf derlei Zirkusnummern, weiß er doch, so zumindest die Aussage im Txakoli-Museum, dass der hier produzierte Götternektar wirklicher Weißwein ist und nicht solch ein Bauerntrunk wie im Rest des Baskenlandes. Mir als frisch überzeugten Liebhaber des trockenen Weißweins kam dieser Tropfen geschmacklich sehr entgegen. Munter prickelnd bisweilen so trocken, dass die Zunge pelzte war Txakoli ein würdiger Reisebegleiter und kundiger Führer in die baskische Seele. Noch ein triftiger Grund wiederzukommen. Agur, Euskadi!

Frisch gelesene Bücher: Unterleuten

Die Buchbesprechung nun auch in ihrer ursprünglichsten Form: gesprochen! Ich nehme das außergewöhnliche Erlebnis, welches der Ritt durch Juli Zehs Roman für mich darstellte, als Anlass um dies mit einer Tonaufnahme gebührend zu würdigen.

Und wie versprochen hier noch der Podcasttipp, welcher mir mit Leichtigkeit das Grausen vor aktuellen Gegenwartsromanciers nahm und daher unweigerlich dafür verantwortlich zu machen ist, dass ich fortan behaupten werde DEN deutschen Gegenwartsroman zu kennen.

Und im Anschluss meine werte Meinung

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Mission: Bezirke bezirzen – erstes Kapitel: Elsterflorenz

Und erneut ging es auf große Entdeckungsreise. Im Hinterkopf ein neues ehrgeiziges Ziel, und zwar allen Bezirksstädten (nicht Bezirkshauptstädten, so lernten wir bereits an diesem ersten Wandertag!) der DDR einen Besuch abzustatten. Getreu der achtbaren Initialenergie, welche bereits vor einem knappen Jahrzehnt dazu führte, der Bereisung von sämtlicher Berliner S-Bahnendstationen ein internationales Podium zu bieten, traten nun erneut ein paar unverzagte Freunde der Peripherie an um des Novembers Unbill mit ausschweifendem Umherschweifen zu begegnen. (Nebenbei also nochmal Täterätäh und Dschingdereassa Bumm! 10 Jahre Viva Peripheria – fast hätt ich’s übersehen. Habt Dank all ihr Peripheristen und Peripherösen da draussen!)

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Sehr viel mehr als Bratwurst dürfte dem gemeinen Bundesbürger zu Thüringen wohl selten einfallen. Welch Überraschung daher, dass der hier beschriebene Ausflug ohne eine einzige Bratwurst absolviert und dennoch allgemein als Erfolg verbucht wurde.

Am Anfang stand Gera. Die große Unbekannte. Voller Überraschung musste ich unlängst im Kreise zahlreicher altgedienter Ostdeutscher feststellen, dass noch keiner dieser erfahrenen Haudegen und Provinzsassas jemals Kontakt mit der geheimnisvollen Reußenperle aufgenommen hatte. Doch nicht nur dass, nein, es wurde sogar offen angezweifelt, dass Gera je eine Bezirksstadt gewesen sei. Soviel ehrabschneidende Unwisseneit erforderte Satisfaktion. Als dann noch die Kunde von der angeblich vollständigsten Ausstellung des DDR-Comics im Geraer Stadtmuseum durchs Land eilte, war die Entscheidung gefallen. Gera würde das Fanal dieser “Tour de Bezirke” werden.

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Die Kampagne sitzt. “Wochenende Leipzig” – so prägnant und überzeugend wie “Niedersachsen. Klar”

Nach drei kleinen Hopsern in Wittenberg, Bitterfeld und Leipzig glitten wir dann schon bald bei bestem Kleinstaatswetter durch das vielbesungene Thüringerland. Geschmeidige Rundungen, kunterbunte Einsichten in den Indian Summer des Elstertals – versonnen blickt die Reisgeruppe aus dem ruckelnden Triebwagen der unvermindert Kurs auf das ersehnte Ziel hält.

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Einen Moment zögert der Chronist bevor er auf den Auslöser drückt. Nur ansatzweise ist ihm in diesem Moment bewusst, welch Anmut vereint mit trostloser Kantenschroffheit hier auf wenigen Pixeln für die Ewigkeit gebannt wird. Der Betrachter mag aufgebracht, gelangweilt oder unbeholfen weitertrinken, dennoch bleibt da etwas, so tief wie intensiv. Für Augenblicke wie diese lebt jeder von uns!

Angesichts des traurigen Umstands, dass Gera die zweitgrößte deutsche Stadt ohne elektrifizierten Bahnanschluss ist, fielen die Begeisterungsstürme, den Bahnhof betreffend eher zurückhaltend aus. Doch derlei bestürzende Beschneidungen sollten nicht das Maß der Dinge für den Rest Geras sein. Voller Tatendrang stürmen wir voran, immer mitten hindurch die sonntäglich aufgeräumten Magistralen der unbekannten Schönheit.

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Der Geraer Löwe nebst dazugehörigen Spatz – nur eine von zahlreichen Schmähungen der hiesigen Identität. Quetschte man in der düsteren Nazizeit sämtliches Viehzeug auf das Wappen, des auch scherzhaft “Thüringer Tiergarten” benamstes Wappen, bleib angeblich nicht mal für den Geraer Spatz ein Fleckchen frei. Wie meinen: “So nicht!”

Schnell war das Stadtmuseum gefunden, doch die angebliche achso vollständige Sammlung stellt sich schnell als bessere Wandzeitungscollage heraus. Aber die Enttäuschung sitzt nicht lange, umgehend werden wir verzaubert von zwei Etagen Daueraustellung der verrückten Geschichte Geras. Die bizarren Stilblüten der mitteldeutschen Kleinstaaterei, das absurde Versteckspiel all der inzestösen Heinriche und dergleichen mehr schaffen es uns zu verzaubern und lassen die Zeit wie im Fluge vergehen. Schlussendlich sind wir gar so willenlos, dass wir völlig ergeben auch die Ausstellung über Romantik in Gera inhalieren.

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Kulturtourists Feierabend, auch wenn die bratwurstige Sehnsucht leise wimmert bleibt es ein Jammern auf hohem Niveau. 

Nach soviel Kultur, welche furchtlos noch mit einem mittelschweren Stadtrundgang garniert wird, giert die Reisegruppe nach Kost und Trank. Ohne viel Federlesens wird also eine Schänke aufgesucht und bei schimmlig-gemütlicher Winterstimmung die genossenen Eindrücke gemeinsam verarbeitet. Schnell wird klar, die Bezirke der versunkenen Republik sind, wie nicht anders erwartet, ein reizvolles Reiseziel. Das ungeduldige Hufgeschar ist förmlich nicht zu spüren. So lasst uns freuen und juchhehen – 2017 wird uns mit einer ganz auserlesenen Perle willkommen heißen. Es geht nach Suhl, jenes entzückend schizophrene Kleinod tief im Hinterland von allem, welches sich gleichermaßen als “Stadt des Friedens” wie als “Waffenstadt” bezeichnet. Und warum auch nicht?! Wir können es zumindest kaum noch erwarten!

Wir wohnen überm See

Ein Haus auf dem Wasser, welches man auch noch bewegen kann. Lange schon beäugte ich auf meinen Brandenburg-Expeditionen diese sonderbaren Vehikel. Nun war es endlich soweit, dass wir uns kurzentschlossen auf so ein Teil schwungen. 


Und ich bin über alle Maßen angetan. Lässig schlitterten wir mit diesem Klotz übers Wasser. Sonne, Entspannung und eine Brise Freiheit. Feine Sache das. Notiz für mich selbst, nächstes Mal keinesfalls vergessen: Kapitänsmütze, Pfeife, Piratenflagge, Papagei und ggf. Holzbein.


Posted from Brandenburg, Brandenburg, Germany.

RB 23: Beelitz-Heilstätten

Ein luftiger Apriltag lockte mich mal wieder hinaus um mich an den vielfältigen Reizen unseres umarmenden Bundeslands zu delektieren.  Die Fahrt hin zu den berühmten Anlagen der ehemaligen Arbeiter-Lungenheilstätten unternahm ich mittels des entzückenden RB 23 – eine unfassbar schöne Verbindung von Potsdam bis zum Zielort. Die Strecke windet sich durch idyllischste Seenlandschaft und gehört zweifelsohne zu den absolute Routenempfehlungen im brandenburgischen Liniennetz. Nur eben leider viel zu kurz (6 Stationen).

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Die Anlage in Heilstätten an sich gehört wohl zu den populärsten lost places der Region.  Eine einzigartige Mischung aus versnobten Tourismus und geschmeidigen Verfall begrüßt den Besucher in der weitläufigen Anlage. Ein überaus ehrwürdiges Ausflugsziel. Genüsslich zog ich meine Kreise und genoss den schönen Tag.

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Münzenberg – MZB014 – Sudelfunk

Brandenburg an der Havel – der unbestrittene Überraschungsstar der bisherigen Endstationstournee – gelingt es im Sturm unsere Herzen zu erobern. Ein wasserverschnörkeltes Schätzchen mit jeder Menge reizender Gebäude, verwinkelter Straßen und netter (wenn auch spärlich gesäter) Menschen. ***Aufgrund schwacher Akkulage fiel der Teil über Münzenberg ins Datenloch. Ich entschloss mich daher kurzerhand, diesen Abschnitt neu einzusprechen.***

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Domstadt, Inselstadt, Altstadt, Neustadt – es gibt genug Brandenburg für alle.

 

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Mit dieser schwungvollen Forderung wir der Reisende kurz hinter dem Bahnhof konfrontiert. Wir meinen: Zu spät und zu naheliegend.

 

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Ob Jesus wirklich derselbe bleibt, nunja. Doch das Problem dieser Formulierung scheint mir ein anderes: ein gehender Hase? Hase hüpfen oder hoppeln, aber sie gehen nicht. Dafür ist in der Tat eher Jesus bekannt und somit scheint die Aussage dieser kleinen Wandzeitung irgendwie zweifelhaft daherkommend. Wie dem auch sei – Frohe Ostern!
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Münzenberg – MZB013 – Hüttengaudi

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Bei allergräulichsten Ausflugswetter treffen wir in ungewohnt großer Gruppe aufeinander um eine Endstation mit dem klingenden Namen Eisenhüttenstadt zu entdecken. Trotz liebenswerter Verplantheit finden wir schließlich doch ans Ziel (Für alle Nachahmungstäter: Der Zug nach Cottbus führt nach Hütte!), stellen jedoch bald fest, dass die durch Umstiegspech verbummelte Stunde nicht wirklich ins Gewicht fällt. Das zuerst beschaute Fürstenberg verhält sich arg zugeknöpft und das, nach schier endlos scheinenden Magistralenwanderungen entdeckte Eisenhüttenstadt, nimmt uns erst nach verstärkten Nachfragen auf. Schließlich können wir dank der kulturellen Einflüsse Italiens, Irlands und Chinas dann aber doch ein versöhnliches Ende in Hütte feiern. In den beiden ersten Lokalitäten entsteht dann auch der lang erwartete Podcast in dem wir uns mal wieder durch die Widerlichkeiten unserer Gegenwart quälen. Aber halt, dieses Mal auch garantiert mit einer gehörigen Portion Optimismus und Fortschrittshoffnung. Wie das? Nun, hört selbst!

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Zwischenstopp Wünsdorf

Eigentlich stand ja Eisenhüttenstadt für dieses Wochenende auf dem Menüplan der Endstations-Tournee, doch diverse Seuchen und ein demzufolge zagfhaft rekonvaleszentes Team an Mitreisenden machte es notwendig, ein etwas weniger anstrengendes Ziel zu erobern. So kam uns Wünsdorf gerade recht.

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Die charmante Teltowperle macht auf den ersten Klick gewaltig von sich reden. Hier stand nicht nur die erste Moschee auf deutschem Boden (für Kriegsgefangene im sog. Halbmondlager) , auch hinsichtlich der militärischen Bedeutung konnten in der jüngeren Vergangenheit hier einige Matchpoints ergattert werden. Schließlich war kurz nach Kriegsende ziemlich schnell klar, dass in Вюнсдорф (Wjunsdorf) der Sitz des Oberkommandos der Sowjetischen Streitkräfte werden würde. Und dies beinhaltete die Ansiedlung von 50.000-75.000 sowjetischer Männer, Frauen und Kinder in Wünsdorf – ein richtig ausgewachsene Stadt also. Was mich aber mehr als alle anderen Fakten bezauberte, war selbstverständlich der Umstand,  dass von hier bis 1994 ein täglicher Zug nach Moskau fuhr. Voller Ehrfurcht begutachtete ich mit diesem Hintergrundwissen den Wünsdorfer Bahnsteig.

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Wenn wir eines mit Sicherheit aus Wünsdorf mitnehmen können, dann die Tatsache, dass diese Stadt fest in Union-Hand ist. Klarer Fall, dass nachdem man schon nicht mehr zur Sowjetunion gehören darf man auf diese Weise wenigstens einen Teil dieser Zeit bewahren möchte. Doch Scherz beiseite, die hilflose Unvollständigkeit diese dieses Graffitos stellte uns dann doch vor Rätsel. Wieso wurde es nicht irgendwann mal vervollständigt? Oder steckt gar System hinter dem Schriftzug?! Feuert man gar nicht die stets leistungstarken Eisernen an sondern ein bislang verschmähtes Team aus dem noch verschmähteren Berl? Zahlreiche Möglichkeiten und Varianten tun sich hieran auf. Und man bedenke nur, wenn sich uns Zeitgenossen schon Verständnisschwierigkeiten auftun, was sollen erst nachfolgende Generationen hiervon halten?!

Neben all des historischen Tands, welcher Wünsdorf offensichtlich von einer gewöhnlichen 0815-Siedlung im Märkischen unterscheidet, hebt man sich auch in der Gegenwart durch gewisse Alleinstellungsmerkmale von anderen Dörfern ab. So wirbt man im Internet vollmundig damit eine “Bücher- und Bunkerstadt” zu sein. Dies klang überaus reizvoll und so schlenderten wir gespannt und mit wachem Blick durch die Gassen des kleinen Städtchens. Doch, o Graus, nirgendwo ein Stadtplan, Wegweiser oder sonstige Informationen, die uns ans Ziel führen könnten. Angesischts bereits erwähnter Rekonvaleszenz waren wir nur bedingt in der LAge große Anstrengungen zur Suche zu unternehmen (heute lese ich, dass man in Zossen hätte aussteigen müssen um in Bücherstadt Wünsdorf zu gelangen. Wat ein Quatsch!) So nahmen wir’s hin und genossen den Frühling auf der Terrasse bei “guter deutscher Küche” (Sankt Hubertus)und ließen die Spitzbunker Spitzbunker sein. Und Bücher haben wir gerade sowieso genug.

In diesem Sinne erholten wir uns prächtig und können mit voller Kraft Fahrt auf Eisenhüttenstadt nehmen. Dieses Mal aber wirklich! Letztes Februarwochenende – Plantermin.

Münzenberg – MZB011 – Die Jahresvorschau

Im wunderschönen Fläming in Jüterbog haben wir uns zusammengefunden um nach einem sonnigen Spaziergang nach Speis und Trank im “Goldenen Anker” ein wenig zu glaskugeln.

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Endstation “Rothes Meer” – Assoziieren für Fortgeschrittene

 

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Eines der Stadttore Jüterbogs noch umsäumt von feierlicher Kulisse im Gedenken an den 18. April
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Impressionen aus der Ortsmitte Jüterbogs
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Kino with a down to earth attitude
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Münzenberg – MZB010 – Das wird man ja wohl noch Sachsen dürfen!

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musicus&tonicus
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