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Bezirke bezirzen – neuntes Kapitel: Schwer(in) Ordnung, Schwerin

Schwerin – Stadt der sieben Seen und sieben Wälder – was hast du uns allesamt von den Socken gehauen. Eingekuschelt in zufrieden glucksende Gewässer und umsäumt von kokett zur Schau gestellter Flora weiß die kleinste Landeshauptstadt der Republik auf unaufgeregte Weise zu überzeugen. Immer noch heillos überrascht müssen wir konstatieren: Wir haben eine neue Nummer Zwei. Nur Suhl bleibt weiterhin unangefochten auf der Spitzenposition. Doch angesichts der noch anstehenden Perlen Halle-Leipzig-Dresden bleibt zu vermuten, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Zweifellos ist die seriöse Städtekritik ein arg wackeliges Unterfangen. Ungerechtfertigte Assoziationen, nachgetragene Erinnerungen, Tagesstimmung, Wetterlage oder schlecht gelaunte Eingeborene können genauso unvermittelt wie ungerecht zur raschen Abstempelung führen. Daher soll diese erste Exkursionsreihe hier keinesfalls als allgemeingültig angesehen werden. So wissen doch die meisten Siedlungen der nördlichen Hemisphäre bei munter-frischem Maiwetter besser zu überzeugen als im perspektivarmen November. Aber bleiben wir realistisch! Gewisse Grundtendenzen lassen sich entgegen aller Voreingenommenheit und saisonaler Tendenzen klar erkennen. Cottbus bräuchte beispielsweise einige bemerkenswerte Naturkatastrophen und sonstige massive Wunderwirkung um jemals im oberen Bewertungsbereich mitzuspielen.

Hier nahm die Überraschung ihren Lauf. Derglei Bahnhöfe gehörten bislang auch nicht zum Repertoire eines standardmäßigen Bezirksstadtausflugs.

Doch kommen wir zurück zu Schwerin. Allein die fast verdoppelte Anzahl der Reisegruppe ließ aufmerken. Obwohl sich das Vorwissen über Schwerin in Schloss, See und nicht am Meer erschöpfte, schien das linde Maiwetter und die Exotik des Unbekannten ein paar Wesen mehr als die übliche eingeschworene Peripherikergemeinde anzuziehen. Mit der sanften Wucht eines Paukenschlags begrüßt Schwerin zunächst seine besten, nämlich bahnreisenden Gäste mit einem überaus entzückenden Bahnhof.  Vor 10 Jahren erfuhr man sogar die Ehre zum Kleinstadtbahnhof des Jahres erwählt zu werden.

Marmorstein und Eisen bricht…. Gips wahrscheinlich auch, siht aber dennoch irritierend schick aus.

Der Rest des Städtchens erschließt sich schnell und ohne große Grübelei. Man schlendert von See zu See, genießt die abwechslungsreichen Freuden des Gipsbarocks und genießt leichter Dinge das was die mecklenburgischen Herzöge für pompös hielten. In der Tat ist Schwerins Antlitz unter den Städten der Region etwas besonderes. Abgesehen von den obligatorischen Backsteingotikklötzen, bietet Schwerin etwas das abseits der üblichen Hansestadtästhetik oder der preußischen Funktionssiedlung zu verorten ist. Hier kann man tatsächlich den Charme einer historischen Residenzstadt erleben, und dies sollte nicht nur im Mai Spaß machen. In meinen Augen bislang DIE Überraschung unserer Bezirzungsversuche!

Posted from Berlin, Berlin, Germany.

Bezirke bezirzen – achtes Kapitel: Ohne Bus nach Cottzug

Auf ein Wort, Cottbus! Ich will dir nichts vormachen, auch wenn ich versuchte unvoreingenommen und aufgeschlossen dir eine Chance zu geben, so sah ich es als relativ unrealistisch an, dass du in der Bezirksstadt-Rangliste nur annähernd gut abschneiden würdest. Als wir vor einem guten Jahr diese Entdeckungstour durch die einstigen Bezirkskapitalen begannen, trieb uns Neugier, Reiselust und, selbstverständlich, Aufgeschlossenheit der Peripherie gegenüber an. Doch in deinem Falle, ich will es offen gestehen, fiel mir der letzte Punkt doch deutlich schwerer. Etliche Umsteigeerlebnisse und ein vorangegangener Altstadtbesuch bestärkten mich in dem Eindruck, dass es sich bei dir um ein ganz und gar belangloses, unaufgeregtes und substanzarmes Städtchen handelt. Nicht schlimm, nicht schön – einfach nur das was der Anhalter so treffend als “größtenteils harmlos” bezeichnet. Doch nun bist du eben da und warst unzweifelhaft Bezirksstadt, auch wenn dir dieser Titel wohl damals schlicht aus Alternativlosigkeit zugefallen war (was gab es schon sonst zwischen Dresden und Berlin). Also ab nach Cottbus.

Die Kernkompetenzen des Bezirksstadtschlusslichts: Strom, Verkehr, Braunkohle und schiefe Oberleitungsmasten. Selten war die Neigung nach Erreichen des Ziels direkt die Rückfahrt anzutreten derart stark ausgeprägt.

Bedenkt man diese vorherrschende Grundstimmung, sollte man angesichts der arktischen Winde und der überwältigenden Gräunis, mit der uns die irrelevante Gurkenmetropole begrüßte, von einer denkbar schlechten Ausgangsvoraussetzung für die anstehende Stadtkritik ausgehen. Doch gar so schlimm sollte es dann gar nicht werden. Schließlich sorgen derart tief gesetzte  Erwartungen zumeist für ganz akzeptable bis annehmbare Erlebnisse. Schließlich gab es da den Branitzer Park, diese von Fürst Pückler (ja, dem mit dem Eis!) gestaltete Parkanlage weiß die eher unüberzeugenden Siedlungsversuche geschickt in den Hintergrund zu drängen.

Wasserpyramide mit Fürt Pücklers Grab. Der beste Hashtag des Ausflugs war geboren #fürstpücklereis

So stimmte uns dieser unverhofft romantische Winterspaziergang milde gegenüber den kommenden Zumutungen. Der anschließende Stadtrundgang hinterließ keine bleibenden Narben aber auch keine nachhaltigen Erinnerungen. Roter Backstein, Neubauglinker und dazwischen jede Menge Raum für bessere Ideen. Wir dinnierten ganz ausgezeichnet. In dieser Disziplin geht der letzte Platz dann wohl doch eindeutig nach Magdeburg und Cottbus strafte wacker all die bösen Zungen ab, von wegen Essen mitnehmen bei Brandenburgfahrten.

Doch letztlich waren wir dann doch alle recht froh wieder im warmen Zug gen Berlin zu sitzen. Auch wenn meine Reisegenossen wie üblich harmonisierend und vermittelnd herumnuschelten, dass es doch gar nicht so übel gewesen sei und man über den letzten Platz für Cottbus doch nochmal nachdenken müsse. Für mich eine klare wenn auch nicht einfache Sache. Angesichts des Umstands, dass uns nun nur noch Halle, Leipzig, Schwerin und Dresden bevorstehen, glaube ich einfach nicht, dass hier noch eine niedrigere Platzierung zu erwarten ist, aber realistisch gesehen gibt es für mich bis jetzt drei letzte Plätze. Da dies nun mal nicht sein kann, entscheide ich mich vor Ablauf der Bezirksstadtinspektion für einen eindeutigen Verlierer: Cottbus. Und das ist doch auch schon was. Endlich raus aus der Mittelmäßigkeit.

Posted from Cottbus, Brandenburg, Germany.

Bezirke bezirzen – siebtes Kapitel: Per Sachsen-Anhalter durch die Garnixis

Was liegt näher als nach den exotischen Reisezielen der jüngeren Vergangenheit, die Reisesaison des neuen Jahrs mit solch einem erdigen Durchschnittsgaranten wie Magdeburg zu eröffnen? Im Zuge der Bezirksstadtexpeditionen durften wir nun schon die unterschiedlichsten Charaktere von Urbanität entdecken. Ob nun der graumäusige Charme Gerasdie entrückte Bergwelt Suhls, die gelassene Nichtigkeit Frankfurts oder die karge Emotionalität Rostocks – unsere Operationen an den zahlreichen offenen Herzen der Peripherie offenbarten die unterschiedlichsten Töne auf der Klaviatur von Siedlungsbemühungen. Doch nun war Magdeburg an der Reihe.

Was Gera an Unscheinbarkeit ausstrahlt und Neubrandenburg an Provinzialität feilbietet, scheint die ehemals ruhmreiche Bördeperle mit konturloser Durchschnittigkeit kontern zu wollen. Dementsprechend unvoreingenommen fuhr das reizüberflutungserprobte Peripherikerteam an einem lichten Januarvormittag zum europäisch-asiatischen Grenzfluss (Adenauer) um der ehemaligen Bezirksstadt und heutigen Landeshauptstadt einen Besuch abzustatten.

Erstes Klischee welches schon nach kurzer Zeit zertrümmert wurde ist jenes des “Landes der Frühaufsteher”. Mit dieser Titulierung versuchte das identitätslose Mischgewebe namens Sachsen-Anhalt zumindest auf der Mitleidsschiene sich irgendwie in das Passivwissen der Republik zu hacken. Doch ein Blick auf die Magistralen Magdeburgs zum High Noon sprach Bände: Gähnende Leere kreischte uns entgegen. Erst eine Stunde später als der verkaufsoffene Sonntag den lustlosen Verbraucher herauskitzelte, füllten sich die Fußgängerzonen und ein überraschend quirliges Treiben entstand.

Solang das Centrum-Warenhaus nicht auf ist, wird in Sachsen-Anhalt kein Frühaufsteher gesichtet.

Dies lag zum großen Teil auch an dem ersten Event des Jahres: “Magdeburg on Ice” , welches mit dem spektakulären Superlativ “das größte Eis-Festival Sachsen-Anhalts” antrat, hielt die Stadt fest im amüsiervergnügten Würgegriff. So wurden wir mehr oder minder schreckenstarre Zeugen von “Magdeburgs größten Morning-Workout unter freien Himmel” mit Detlef Soost sowie dem leibhaftigen Bernhard Brink. Manchmal fordern diese Expeditionen an die Peripherie von einem einiges an emotionaler Stabilität ab.

Getreu der These:Die Kunsthistoriker haben die Kirchen dieser Welt nur verschieden interpretiert, es geht aber darum sie zu instagrammisieren.”

Da half zum Ausgleich nur ein entspannter Spaziergang an Magdeburgs edler Elbpromenade, ein Bummel durch die Altstadt und natürlich das unumstrittene Zentrum der Straße der RomanTik – der Dom. Nachdem dies alles mit gebührender Anerkennung und ausreichender Ablichtung absolviert war, sollte all dies wie immer mit den kulinarischen Spezialitäten des Bezirks gekrönt werden. Doch, o weh, der Minuspunktregen platterte heftigst – in Magdeburg schließt das Brauhaus sonntags 16 Uhr, 15 Uhr Küchenschluss. So waren wir gezwungen in der schlecht gelauntesten Kaschemme des noch jungen Jahres fränkisch zu speisen. Schande über das Innenleben deiner Häuser, Friede den Außenfreuden des fröhlichen Durchschnitts sachsen-anhaltinischer Provinienz.

 

Unbeweglich, eiskalt und mit jeder Menge Ecken und Kanten – Magdeburg kompakt

Serben bringen Glück

Man kennt das, ein legerer Abend, leicht sitzend in vertrauter Runde. Das Gespräch mäandert ziellos durch die glücklichen Weiten ehemals erlebter Streifzüge durch Europa im Auftrag von König Fußball. Lang ist es her, dass zumindest “wir” dank eines Hintertürchens im Reglement mit Union Berlin Finnland und Bulgarien entdecken durften. Doch der andere Teil der Gesprächsrunde kann mitnichten derlei Erinnerungsdelikatessen präsentieren. Man muss eben schon sehr alt sein um die europäischen Höhepunkte des 1.FC Kölns aktiv miterlebt zu haben. Traurige Augen zeigten in die düsteren Abgründe langjähriger Fahrstuhltristesse. Und so hörte ich mir erstaunt zu wie ich lauthals verkündete im Falle des Falles auch die schätzenswerten Kölner Kollegen mit meinem Support zu beehren. Wer konnte denn ahnen, dass jene spätnächtliche Anteilnahme so bald von der Realität abgeprüft würde?

Als dann die Auslosung London, Borissow und Belgrad in den Fokus rückte, war die Entscheidung schnell gefallen. Meine Begeisterung für die diversen Reste des reizvollen Vielvölkerstaats auf der Schokoladenseite des Balkans wurden an dieser Stelle ja bisweilen schon einmal thematisiert und so wurde die Tour nach Belgrad leichterhand organisiert. Heute Abend ist es endlich soweit – schnucklige 1200 Bahnkilometerkilometer warten auf uns.  Ein wahres Reisesahnehäubchen in diesem, von auserlesenen Reisen dicht gesäten Jahr. Ick freu mir!

Bezirke bezirzen – sechstes Kapitel: Nüchtern, November, Neubrandenburg

Zunächst sei an dieser Stelle erst einmal voller Demut der triefend nasse Hut gezogen. Ich hab nicht wirklich dran geglaubt als ich an einem vernieselten, grauen Novembervormittag ans S-Bahngleis trat, dass ich tatsächlich in Gesellschaft nach Neubrandenburg reisen würde. Doch die üblichen Verdächtigen fanden sich tatsächlich auch zu dieser dann doch eher unattraktiven Bezirksstadttour ein.

Und so tuckerten wir gemächlich an Landschaften vorbei die uns mit ihren Schattierungen von hell- bis dunkelgrau gekonnt einlullten. Bald mussten wir den Zug dann doch verlassen und stolperten an einem jämmerlichen Bahnhof vorbei, mitten rein in die reizende Vier-Tore-Stadt. Vier Tore, mehr fällt selbst gewieftesten Periperikern nicht zu dieser Stadt ein, bei deren Erwähnung nicht wenige Berliner irritiert reagieren (“Neubrandenburg? Brandenburg? Neu? Wie jetzt?”). Pflichtschuldigst bummelten wir dann auch bei weiterhin erlesenen Nieselwetter den Stadtwallrundgang ab und goutierten sämtliche Tore.

Danach war es dann auch mal wieder gut. Wir schlenderten am zaghaft aufkeimenden Weihnachtsmarkt vorbei, speisten anständig mecklenburgisch im “Schweinestall” und verließen dann in angemessen Tempo die Backsteingotikmetropole.

Fazitär sei hier angemerkt, dass naturgemäß wenige Städte an einem solch düsteren Novembertag zu überzeugen wissen. Sicher gewinnt der Vier-Tore-Reigen im lebensbejahenden Lenz bei Vogelgezwitscher und linden Lüftchen. Und auch wenn der Peripheriker-Rat harmonisch und liebenswert wie immer die Vorzüge Neubrandenburgs mehr als einmal hervorhob, es wird schwer für Mecklenburgs drittgrößte Stadt sich auf das Siegertreppchen der Bezirksstädte zu schmuggeln.

Lebus – Bacchus – Zielonus Górus

Ein weiteres Mal zuckelte die  Karawane in die Ferne. Das ehrbare Ansinnen, allen Nachbarn einen kleinen Besuch abzustatten, führte dieses Mal zu so etwas wie einem Heimspiel. Schließlich ist der Polonisierungsgrad der üblichen Reisegruppenzusammensetzung doch erheblich über dem Durchschnitt. Andererseits war Zielona Góra für uns relatives Neuland. Die kleine unscheinbare Weinmetropole sollte, so der Plan, uns an einem Wochenende nicht überfordern, sondern uns ein paar gelassene Herbsttage in der Provinz gestatten. Doch wir hatten es wohl ein wenig unterschätzt. Wer hätte das gedacht? Zielona Góra ist mehr als ein Two-Night-Stand!

Mission Bezirke bezirzen – fünftes Kapitel: Tipptopp – Rostock

In schwelgender Vorbereitung für dieses Projekt des Bezirkebezirzens hatten wir uns so manches in den schillerndsten Farben vorgestellt, doch eines war sicher, die einzige Ostsee-Exkursion, die uns die administrativen Gründungsväter der DDR gestatteten, wollten wir in der warmen Jahreszeit absolvieren. Wir wollten an den Gestaden des Binnenmeers die Nacht verbringen, dabei sinnierend ins Lagerfeuer starren und in Gleichklang mit den Wellen geraten. Stattdessen saßen wir nun umgeben von dem was manch einer höhnisch Frühherbst nennt im RE nach Rostock, ließen uns von den Regenrinnsalen am Fenster mählich einlullen und betrachteten voll liebevoller Abneigung die an uns vorbeifliegenden Feuchtgebiete. Nachdem wir aussteigen mussten, wird es nicht unbedingt besser. Der Spaziergang durch leergefegte Neubaugebiete, benetzt von feinstem Nieselstömen ließ den überzeugtesten Peripheriker ins Zweifeln kommen.

Doch wie so oft wurde alles schließlich wundervoll. Unsere tapfere Entscheidung, zum RFC zu gehen, ließ die Wettergötter aufmerken und so endete die tagelange Regenhusche, der Himmel brach auf und wir wurden Zeugen eines aufreizenden Amateurkicks gegen den 1.FC Neubrandenburg. Selbstverständlich endete diese packende Partie gegen die 4-Tore-Städter mit einem leistungsgerechten 2-2. Garniert wurde dieses Deluxe-Erlebnis noch von der, laut Szenemagazin 0381, besten Stadionwurst Rostocks und einer nahezu unanständige freundlichen Familienatmosphäre.

Nein, das war er leider nicht unser neuer Herzensverein. Auch Schifffahrthafen Rostock, ebenso auf dem Gelände ansässig, hatte spielfrei. So wohnten wir dem zwar etwas farblos klingenden Rostocker FC bei, doch bereuten wir dies zu keiner Sekunde. Namen sind eben doch bisweilen nur Dampf und Rauch.

Hiernach mussten wir uns erneut entscheiden. Die heilige Dreifaltigkeit Rostocks: Spitzenfußball, Meer und hanseatische Sehenswürdigkeiten – für uns sollte es nur zwei von drei geben. Wir wählten ohne lange mit der Möwe zu zucken Warnemünde und damit Option “Meer”. Eine kurze S-Bahnfahrt plus kleine Fährfahrt später saßen wir in Hohe Düne und schauten beseelt auf das große Wasser.

Einmütig bekannten wir bei abschließenden Fischbrötchen und Bier, dass Rostock eindeutig die überraschende Nummer 2 dieser Expeditionen geworden war. Selbstverständlich vermochte sie es selbst mit all ihrem geballten Fischkopp-Charme nicht, solch eine erlesene Perle wie Suhl auszuknocken, aber immerhin – wer hätte das gedacht?!

 

Mission Bezirke bezirzen – viertes Kapitel: Franfkurt oder Słubice

Auf den ersten Blick liegt die Vermutung nahe, dass wir es uns an diesem wundervollen Sonntag etwas einfach machen wollten. Die knappe Stunde rüber an die Oder-Neiße-Friedensgrenze, Kaszanka und Tyskie im Sinn – zweifellos kein allzu anstrengendes Abenteuer auf der Bezirke-Bezirzen-Tour. Und dennoch, auch das musste erledigt werden und in seiner Funktion als einzige Grenzbezirksstadt und brandenburgischer Endbahnhof stand hier keinesfalls ein Leichtgewicht an. Nicht zuletzt haben wior nun schon 5 von 15 – ein Drittel ist geschafft! Wenn das kein Grund zum Feiern war?!

Die charmante Odermetropole gewinnt bereits auf den ersten Blick nachdem der Reisende vom Bahnhof durch ein reizendes Eisenbahnerviertel mit zentralem Eisenbahnerdenkmal geleitet wird. Blick auf den sanft dahin strudelnden Oderstrom und die dunklen polnischen Wälder spaziert man leichten Sinnes hinunter, passiert erklecklich ausreichende rote Backsteinbauten, welche mit einer ausgewählten Anzahl von funktionalen Profanbauten ergänzt werden.

Doch abseits dieser Reize zog es die Schritte des Wanderers nahezu magisch hin zu der verlockenden Welt des polnischen laissez-faires. Und so überschritten wir auch nach geschätzten 20 Minuten Frankfurt die Europabrücke. Auch hier besichtigten wir erst eingehend und pflichtschuldigst (erstes Wikipedia-Denkmal der Welt, zweiteiliger Fitnessparcour im Stadtpark, Oderhafen) bis wir uns ganz den lang vermissten Gaumenfreuden ostodriger Provenienz hingaben.

In völlig losgelöster Sonntagsstimmung und mit bis zum Reißen gefüllten Mägen traten wir dann irgendwann die Rückreise an. Erneut wandelten wir durch Frankfurt und genossen konzentrierte Unaufdringlichkeit brandenburgischer Urbanität. Ein Gednake der hier aufkeimte: Wäre Frankfurt ohne Polen etwas cottbusiger? Wahrscheinlich schon. Und dabei, auch dies noch ein Ziel, welches es zu bewältigen gilt.