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MZB009 – Münzenberg – Gretchenantworten

templinUnd es begab sich, dass schon wenige Wochen nach der sommerbedingten Unterbrechung des Projekts „Wir entdecken unsere Bummelzugendbahnhöfe“ ein weiteres  schnuckliges Kleinod, welches Brandenburg geschickt zu verbergen weiß, von uns aufgetan wurde. Ein reizendes Kleines Städtchen, dieses „Paris“ (=Templin) der „Toskana des Nordens“ (=Uckermark). Wir lustwandelten entzückt umher und waren hiernach voller Energie dem gräulichen November nüchtern entgegenzuhalten, aber hört selbst!

2015-11-21 12.43.30

Das ausverzügliche, und uns einen weiteren Schritt an aalglatte Professionalität heranführende In/Outro entstammt dem musischen Genius des hochverehrten mars.

RB12: Templin

Nach einer unfassbar langen Sommerpause wird das allseits beliebte Projekt Regionalbahnendbahnhoftournee wieder aktiviert. Nach Senftenberg und Nauen reisen wir nun endlich zu einem Ziel welches man auch ohne sonderbare Schienenexperimente entdecken möchte: Templin!

fsm
Wir schöpfen Kraft und Inspiration aus der Uckermark – pilgert mit uns nach Templin!

Templin – war es das Paris oder das London der Uckermark besticht durch eine Unzahl an Reizen. Ein überaus entzückendes Stück Siedlungsfreude scheint sich da im Norden Berlins, angeschmiegt an die Schorfheide entwickelt zu haben. Die achtgrößte Stadt Deutschlands weiß aber nicht nur mit Thermalbädern und Drasinenstrecken zu becircen, nein offensichtlich befindest sich hier auch das religiöse Zentrum der „Kirche des Fliegenden Spagettimonsters“. Da wir sowieso einen Podcast über Religion im Handgepäck mitführen, liegt es doch nahe, dass wir uns hier von Templin inspirieren lassen.

In diesem Sinne – Sa, 10:44 Hbf Gleis 6, Richtung Rostock ODER Berlin-Lichtenberg 10:37

Auf jeden Fall 12:14 in Templin!

Und für alle passiven Inaktivisten heute Abend Mastul!

RB 14: Apocalypse Nauen

Nauen. Diese Endstation löste nicht direkt Jubelstimmung in mir aus. Doch die Erkundung der erweiterten Peripherie verlangt auch mal in die saure Birne zu beißen. Und so stiegen wir erneut in die „Hamsterbacke“ und waren eine knappe Dreiviertelstunde später in der unbesungenen Havellandmetropole.Die erste herbe Enttäuschung – der Bahnhof! Das ist für einen Endbahnhof und Infrastrukturzentrale regionalen Anspruchs einfach nicht tragbar. Hier spürt man eher ein „im Sande verlaufen“ als ein ankommen im eisenbahnigen Sinne.

Nauen Hauptbahnhof. Ankommen und Abfahren in seiner räudigsten Eleganz.

Doch wir pfeifen auf den ersten Eindruck und schlendern unverdrossen hinein in die Altstadt. Losgelöste Unbedeutung schwallt uns entgegen, trostlose Stille bis die Ohren bluten – ein lupenreines Mahnmal für den heroischen Kampf, auch dort menschliche Siedlungen zu errichten, wo es scheinbar völlig aussichtslos ist.

Niedergedrücktes Fachwerk mit schlurfenden Charme.

Unser Stadtrundgang ist trotz einiger wiederholender Schleifen schnell beendet. Die Funkstadt Nauen weiß zwar mit Reizlosigkeit wie kaum eine andere Stadt vor ihr zu bezirzen, nichtstestotrotz genießen wir den Sonnensonntag in Brandenburg, fanden gar eine geöffnete Lokalität und ließen uns gänzlich auf Nauen ein (was auch immer das heißen möge…).

Nauener Bockwursteis – eine von vielen Spezialitäten Nauens, die abseits der Stadtgrenzen nahezu unbekannt sind.

Dennoch konnten wir uns lösen und waren einmal mehr begeistert vom Halbstundentakt mit dem Nauen an Berlin angeschlossen ist.

Liebe, Glaube, Hoffnung. Eindrucksvoll nachgestellt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Der Leitspruch schlechthin im Havelland.

Und so sprangen wir geschwind in den RB10 (Nauen genießt tatsächlich den Luxus durch 2 Regionalbahnen abgeschlossen zu sein!) und düsten zurück in die Stadt.

Das nächste Ziel lautet Templin. Der Zeitpunkt ist noch nicht klar, da zuvor noch die andere große Zugreise bewerkstelligt sein will. Ich werde hier aber frühzeitig bekanntgeben, wann der RB12 geentert wird.

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RB 19: Senftenberg

Senftenberg – welch ein würdevoller Start für eine derart ambitionierte Reise. Selbstverständlich wollte der Infrastruktur-Absteiger der Herzen die Abreise mit den üblichen Kniffen verzögern. Nix ging mehr auf der S-Bahn-Magistrale und so trufen später als angekündigt am Hauptbahnhof ein. Erste enervierende Regelauslegungen folgten: Sollte man den Zug nehmen, den man eigentlich genommen hätte wenn man pünktlich gewesen wäre, bzw. dessen Nachfolgerzug oder einfach die Zeit als gegeben hinnehmen und den Zug nehmen, der sich daraus ergeben würde. Die letzte Variante gewann.

Stadtzentrum verträumt mit Jugend und umsäumt von allgegenwärtigen Tafelbauten.

Die guten zwei Stunden Fahrt im geschätzten Talent 2 „Hamsterbacke“ führten über die Südtangente heraus aus Berlin um sodann Kurs auf den Spreewald zu nehmen. Ab Lübbenau führt die Route auf eingleisiger Strecke hinunter nach Senftenberg. Somit für den Vielfahrer gen Dresden oder Polen eine interessante Ergänzung des Bahnstreckenwissens.

Senftenberg. Es mag erstaunlich anmuten, dass ich noch niemals hier war. Schließlich ist der Senftenberger See für den Dresdner so etwas wie die Mecklenburger Seenplatte für den Berliner. Oft ergingen Einladungen und Möglichkeiten in meiner Dresdner Zeit an mich, hier einen sonnigen Tag zu verbringen. Docgh irgendwie hat es nie hingehauen mit Senftenberg und mir. Bis jetzt.

Zunächst informierte ich mich bei Tante Wikipedia eingehend über mein Reiseziel. Ausführlichkeit und Informationsgehalt des Artikel ließen nichts zu wünschen übrig. Wir erfahren, dass hier bereits im Zeitraum zwischen 1896-1913 die Straßen gepflastert wurden und man sich erst am 21. 1.2002 auf ein Wappen für die Stadt einigen konnte. Das Resultat weiß dagegen auch zu überzeugen. Die Namensentwicklung ist dagegen eine ganz eigene. Ist der deutsche Name abstammend von „sanft am Berg“ steht der sorbische Name „Zly Komorow“ eindeutig für „Mieses Mückennest“. Ein weiterer Beweis für die Umsicht der Indigenen. Berge?! Mal im Ernst?!

 

Tagebau mit Perspektive. Der Senftenberger See.

Die ungeschlagene Attraktion Senftenbergs ist mit Sicherheit der angegliederte See- Dieser ist mit 1300 ha einer der größten künstlich angelegten Seen Deutschlands. Nachvollziehbar warum es die Sachsen hierher zieht. Andererseits war ich, als ich hier so entlangflanierte irgendwie unetschlossen, wohin ich Senftenberg hin sortieren sollte. Die Größe Brandeburgs wurde mir einmal mehr klar. War ich doch noch vor einer Woche in Angermünde und nun stand ich hier und spürte zart aber beharrlich den Odem Sachsens herüberwehen.

Eine Stadt mit Tradition und dennoch ohne Ziel – gelebte Lässigkeit in der Lausitz.

Die klare Provinzialität preußischer Güte, gepaart mit sächsischen Einflüssen, eingebettet in die Ziellosigkeit des sumpfigen Spreewalds – ein bizarrer Mix der mich mehr beeindruckt hat als ich erwartet habe. Das macht eindeutig Lust auf mehr.

Apropos mehr: In zähen Verhandlungen kamen wir zum weiteren Vorgehen dann doch zu einem einmütigen Beschluss. Keine Uhrzeigermethoden sondern schlichtes Abzählen bringt uns zum nächsten Zug. Dies war RB19. Wir zählen zunächst runter und das führt uns zu RB 14. Und dieser fährt nach Nauen.

Sonntag, 19.04. 11:57, Berlin Hauptbahnhof, Gleis 14

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