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RB 23: Beelitz-Heilstätten

Ein luftiger Apriltag lockte mich mal wieder hinaus um mich an den vielfältigen Reizen unseres umarmenden Bundeslands zu delektieren.  Die Fahrt hin zu den berühmten Anlagen der ehemaligen Arbeiter-Lungenheilstätten unternahm ich mittels des entzückenden RB 23 – eine unfassbar schöne Verbindung von Potsdam bis zum Zielort. Die Strecke windet sich durch idyllischste Seenlandschaft und gehört zweifelsohne zu den absolute Routenempfehlungen im brandenburgischen Liniennetz. Nur eben leider viel zu kurz (6 Stationen).

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Die Anlage in Heilstätten an sich gehört wohl zu den populärsten lost places der Region.  Eine einzigartige Mischung aus versnobten Tourismus und geschmeidigen Verfall begrüßt den Besucher in der weitläufigen Anlage. Ein überaus ehrwürdiges Ausflugsziel. Genüsslich zog ich meine Kreise und genoss den schönen Tag.

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Zwischenstopp Wünsdorf

Eigentlich stand ja Eisenhüttenstadt für dieses Wochenende auf dem Menüplan der Endstations-Tournee, doch diverse Seuchen und ein demzufolge zagfhaft rekonvaleszentes Team an Mitreisenden machte es notwendig, ein etwas weniger anstrengendes Ziel zu erobern. So kam uns Wünsdorf gerade recht.

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Die charmante Teltowperle macht auf den ersten Klick gewaltig von sich reden. Hier stand nicht nur die erste Moschee auf deutschem Boden (für Kriegsgefangene im sog. Halbmondlager) , auch hinsichtlich der militärischen Bedeutung konnten in der jüngeren Vergangenheit hier einige Matchpoints ergattert werden. Schließlich war kurz nach Kriegsende ziemlich schnell klar, dass in Вюнсдорф (Wjunsdorf) der Sitz des Oberkommandos der Sowjetischen Streitkräfte werden würde. Und dies beinhaltete die Ansiedlung von 50.000-75.000 sowjetischer Männer, Frauen und Kinder in Wünsdorf – ein richtig ausgewachsene Stadt also. Was mich aber mehr als alle anderen Fakten bezauberte, war selbstverständlich der Umstand,  dass von hier bis 1994 ein täglicher Zug nach Moskau fuhr. Voller Ehrfurcht begutachtete ich mit diesem Hintergrundwissen den Wünsdorfer Bahnsteig.

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Wenn wir eines mit Sicherheit aus Wünsdorf mitnehmen können, dann die Tatsache, dass diese Stadt fest in Union-Hand ist. Klarer Fall, dass nachdem man schon nicht mehr zur Sowjetunion gehören darf man auf diese Weise wenigstens einen Teil dieser Zeit bewahren möchte. Doch Scherz beiseite, die hilflose Unvollständigkeit diese dieses Graffitos stellte uns dann doch vor Rätsel. Wieso wurde es nicht irgendwann mal vervollständigt? Oder steckt gar System hinter dem Schriftzug?! Feuert man gar nicht die stets leistungstarken Eisernen an sondern ein bislang verschmähtes Team aus dem noch verschmähteren Berl? Zahlreiche Möglichkeiten und Varianten tun sich hieran auf. Und man bedenke nur, wenn sich uns Zeitgenossen schon Verständnisschwierigkeiten auftun, was sollen erst nachfolgende Generationen hiervon halten?!

Neben all des historischen Tands, welcher Wünsdorf offensichtlich von einer gewöhnlichen 0815-Siedlung im Märkischen unterscheidet, hebt man sich auch in der Gegenwart durch gewisse Alleinstellungsmerkmale von anderen Dörfern ab. So wirbt man im Internet vollmundig damit eine „Bücher- und Bunkerstadt“ zu sein. Dies klang überaus reizvoll und so schlenderten wir gespannt und mit wachem Blick durch die Gassen des kleinen Städtchens. Doch, o Graus, nirgendwo ein Stadtplan, Wegweiser oder sonstige Informationen, die uns ans Ziel führen könnten. Angesischts bereits erwähnter Rekonvaleszenz waren wir nur bedingt in der LAge große Anstrengungen zur Suche zu unternehmen (heute lese ich, dass man in Zossen hätte aussteigen müssen um in Bücherstadt Wünsdorf zu gelangen. Wat ein Quatsch!) So nahmen wir’s hin und genossen den Frühling auf der Terrasse bei „guter deutscher Küche“ (Sankt Hubertus)und ließen die Spitzbunker Spitzbunker sein. Und Bücher haben wir gerade sowieso genug.

In diesem Sinne erholten wir uns prächtig und können mit voller Kraft Fahrt auf Eisenhüttenstadt nehmen. Dieses Mal aber wirklich! Letztes Februarwochenende – Plantermin.

RE 5: Lutherstadt Wittenberg

Zum Jahresabschluss mal die große Sause! Nix mit Regionalbahn!!! Wir düsen im Hochgeschwindigekeitsbummelzug in das „Rom der Protestanten“. Wie zuletzt angekündigt waren wir auf der Suche nach einem geeigneten Ort, nah an Sachsen, gemütlich zu erreichen und inspirierend genug um uns mit „denen da unten“ mal gebührend auseinanderzusetzen.

Denn: Sachsen, wir müssen reden! Ein Gespräch hierzu in Wittenberg? Nicht in Dresden, Leipzig oder auf dem Fichtelberg? Aber selbstverständlich! Ein historisch gesehen ein nahezu perfekter Ort. Warum? Das wird hoffentlich in bester Plauderform demnächst hier kundgetan. Wer mitkommen möchte ist gern eingeladen.

Sonnabend, 12.12. 11:14, Gleis 3, Hauptbahnhof

MZB009 – Münzenberg – Gretchenantworten

templinUnd es begab sich, dass schon wenige Wochen nach der sommerbedingten Unterbrechung des Projekts „Wir entdecken unsere Bummelzugendbahnhöfe“ ein weiteres  schnuckliges Kleinod, welches Brandenburg geschickt zu verbergen weiß, von uns aufgetan wurde. Ein reizendes Kleines Städtchen, dieses „Paris“ (=Templin) der „Toskana des Nordens“ (=Uckermark). Wir lustwandelten entzückt umher und waren hiernach voller Energie dem gräulichen November nüchtern entgegenzuhalten, aber hört selbst!

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Das ausverzügliche, und uns einen weiteren Schritt an aalglatte Professionalität heranführende In/Outro entstammt dem musischen Genius des hochverehrten mars.

RB12: Templin

Nach einer unfassbar langen Sommerpause wird das allseits beliebte Projekt Regionalbahnendbahnhoftournee wieder aktiviert. Nach Senftenberg und Nauen reisen wir nun endlich zu einem Ziel welches man auch ohne sonderbare Schienenexperimente entdecken möchte: Templin!

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Wir schöpfen Kraft und Inspiration aus der Uckermark – pilgert mit uns nach Templin!

Templin – war es das Paris oder das London der Uckermark besticht durch eine Unzahl an Reizen. Ein überaus entzückendes Stück Siedlungsfreude scheint sich da im Norden Berlins, angeschmiegt an die Schorfheide entwickelt zu haben. Die achtgrößte Stadt Deutschlands weiß aber nicht nur mit Thermalbädern und Drasinenstrecken zu becircen, nein offensichtlich befindest sich hier auch das religiöse Zentrum der „Kirche des Fliegenden Spagettimonsters“. Da wir sowieso einen Podcast über Religion im Handgepäck mitführen, liegt es doch nahe, dass wir uns hier von Templin inspirieren lassen.

In diesem Sinne – Sa, 10:44 Hbf Gleis 6, Richtung Rostock ODER Berlin-Lichtenberg 10:37

Auf jeden Fall 12:14 in Templin!

Und für alle passiven Inaktivisten heute Abend Mastul!

RB 14: Apocalypse Nauen

Nauen. Diese Endstation löste nicht direkt Jubelstimmung in mir aus. Doch die Erkundung der erweiterten Peripherie verlangt auch mal in die saure Birne zu beißen. Und so stiegen wir erneut in die „Hamsterbacke“ und waren eine knappe Dreiviertelstunde später in der unbesungenen Havellandmetropole.Die erste herbe Enttäuschung – der Bahnhof! Das ist für einen Endbahnhof und Infrastrukturzentrale regionalen Anspruchs einfach nicht tragbar. Hier spürt man eher ein „im Sande verlaufen“ als ein ankommen im eisenbahnigen Sinne.

Nauen Hauptbahnhof. Ankommen und Abfahren in seiner räudigsten Eleganz.

Doch wir pfeifen auf den ersten Eindruck und schlendern unverdrossen hinein in die Altstadt. Losgelöste Unbedeutung schwallt uns entgegen, trostlose Stille bis die Ohren bluten – ein lupenreines Mahnmal für den heroischen Kampf, auch dort menschliche Siedlungen zu errichten, wo es scheinbar völlig aussichtslos ist.

Niedergedrücktes Fachwerk mit schlurfenden Charme.

Unser Stadtrundgang ist trotz einiger wiederholender Schleifen schnell beendet. Die Funkstadt Nauen weiß zwar mit Reizlosigkeit wie kaum eine andere Stadt vor ihr zu bezirzen, nichtstestotrotz genießen wir den Sonnensonntag in Brandenburg, fanden gar eine geöffnete Lokalität und ließen uns gänzlich auf Nauen ein (was auch immer das heißen möge…).

Nauener Bockwursteis – eine von vielen Spezialitäten Nauens, die abseits der Stadtgrenzen nahezu unbekannt sind.

Dennoch konnten wir uns lösen und waren einmal mehr begeistert vom Halbstundentakt mit dem Nauen an Berlin angeschlossen ist.

Liebe, Glaube, Hoffnung. Eindrucksvoll nachgestellt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Der Leitspruch schlechthin im Havelland.

Und so sprangen wir geschwind in den RB10 (Nauen genießt tatsächlich den Luxus durch 2 Regionalbahnen abgeschlossen zu sein!) und düsten zurück in die Stadt.

Das nächste Ziel lautet Templin. Der Zeitpunkt ist noch nicht klar, da zuvor noch die andere große Zugreise bewerkstelligt sein will. Ich werde hier aber frühzeitig bekanntgeben, wann der RB12 geentert wird.

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RB 19: Senftenberg

Senftenberg – welch ein würdevoller Start für eine derart ambitionierte Reise. Selbstverständlich wollte der Infrastruktur-Absteiger der Herzen die Abreise mit den üblichen Kniffen verzögern. Nix ging mehr auf der S-Bahn-Magistrale und so trufen später als angekündigt am Hauptbahnhof ein. Erste enervierende Regelauslegungen folgten: Sollte man den Zug nehmen, den man eigentlich genommen hätte wenn man pünktlich gewesen wäre, bzw. dessen Nachfolgerzug oder einfach die Zeit als gegeben hinnehmen und den Zug nehmen, der sich daraus ergeben würde. Die letzte Variante gewann.

Stadtzentrum verträumt mit Jugend und umsäumt von allgegenwärtigen Tafelbauten.

Die guten zwei Stunden Fahrt im geschätzten Talent 2 „Hamsterbacke“ führten über die Südtangente heraus aus Berlin um sodann Kurs auf den Spreewald zu nehmen. Ab Lübbenau führt die Route auf eingleisiger Strecke hinunter nach Senftenberg. Somit für den Vielfahrer gen Dresden oder Polen eine interessante Ergänzung des Bahnstreckenwissens.

Senftenberg. Es mag erstaunlich anmuten, dass ich noch niemals hier war. Schließlich ist der Senftenberger See für den Dresdner so etwas wie die Mecklenburger Seenplatte für den Berliner. Oft ergingen Einladungen und Möglichkeiten in meiner Dresdner Zeit an mich, hier einen sonnigen Tag zu verbringen. Docgh irgendwie hat es nie hingehauen mit Senftenberg und mir. Bis jetzt.

Zunächst informierte ich mich bei Tante Wikipedia eingehend über mein Reiseziel. Ausführlichkeit und Informationsgehalt des Artikel ließen nichts zu wünschen übrig. Wir erfahren, dass hier bereits im Zeitraum zwischen 1896-1913 die Straßen gepflastert wurden und man sich erst am 21. 1.2002 auf ein Wappen für die Stadt einigen konnte. Das Resultat weiß dagegen auch zu überzeugen. Die Namensentwicklung ist dagegen eine ganz eigene. Ist der deutsche Name abstammend von „sanft am Berg“ steht der sorbische Name „Zly Komorow“ eindeutig für „Mieses Mückennest“. Ein weiterer Beweis für die Umsicht der Indigenen. Berge?! Mal im Ernst?!

 

Tagebau mit Perspektive. Der Senftenberger See.

Die ungeschlagene Attraktion Senftenbergs ist mit Sicherheit der angegliederte See- Dieser ist mit 1300 ha einer der größten künstlich angelegten Seen Deutschlands. Nachvollziehbar warum es die Sachsen hierher zieht. Andererseits war ich, als ich hier so entlangflanierte irgendwie unetschlossen, wohin ich Senftenberg hin sortieren sollte. Die Größe Brandeburgs wurde mir einmal mehr klar. War ich doch noch vor einer Woche in Angermünde und nun stand ich hier und spürte zart aber beharrlich den Odem Sachsens herüberwehen.

Eine Stadt mit Tradition und dennoch ohne Ziel – gelebte Lässigkeit in der Lausitz.

Die klare Provinzialität preußischer Güte, gepaart mit sächsischen Einflüssen, eingebettet in die Ziellosigkeit des sumpfigen Spreewalds – ein bizarrer Mix der mich mehr beeindruckt hat als ich erwartet habe. Das macht eindeutig Lust auf mehr.

Apropos mehr: In zähen Verhandlungen kamen wir zum weiteren Vorgehen dann doch zu einem einmütigen Beschluss. Keine Uhrzeigermethoden sondern schlichtes Abzählen bringt uns zum nächsten Zug. Dies war RB19. Wir zählen zunächst runter und das führt uns zu RB 14. Und dieser fährt nach Nauen.

Sonntag, 19.04. 11:57, Berlin Hauptbahnhof, Gleis 14

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