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Ratgeber: Reisen wie Gott in Georgien

„Als Gott das Land an die Völker verteilte, verspäteten sich die Georgier. Denn sie hatten den Abend zuvor wie üblich reichlich gesungen, musiziert, getanzt und das Leben im Allgemeinen voller Hingabe gefeiert. Zuerst zürnte der Herr, denn alles Land war bereits verteilt. Doch die Fröhlichkeit und der Charme der Vertreter dieses Volkes versöhnten ihn, und er schenkte den Georgiern den Flecken Erde, den er eigentlich für sich selbst vorbehalten hatte….“

Georgien – jenes über alle Maßen begünstigte Kleinod, umsäumt von den Hängen des Kaukasus und den Gestaden des Schwarzen Meeres befindet sich gegenwärtig nicht direkt im Auges des Massentourismussturms. Und obwohl ich dies ja an und für sich gut finde, bin ich dennoch der Meinung, dass dieses großartige Land und seine Menschen etwas mehr Interesse verdient hätten. Sicher, standen neben Unwissenheit, jede Menge Klischees und halbwissende Vorurteile eurer Reise nach Georgien bisher im Weg. Diese sollen nun mit einem weiteren Kompendium aus der Themenreihe “Schöneres Reisen für eine bessere Welt” beseitigt werden.

2015-09-22-12-41-16

Reiseland Georgien

Andere Wissensquellen: Der verfügbare Wissensstand zum Thema Georgien, nicht allein als Reiseland, kann mit besten Gewissen als dürftig beschrieben werden. Die landläufigen Reiseführer glänzen mit veralteten Plattitüden oder überschlagen sich mit redundanten Analysen der hiesigen Sehenswürdigkeiten. Im Netz findet sich als einzig brauchbare Anlaufstelle georgiano.de – hier findet sich reichlich Material für den wissbegierigen Individualtouristen. Kartenmaterial, Wanderrouten und andere nützliche und halbwegs aktualisierte Informationen sind hier im Angebot. Bei wikivoyage lassen sich zusätzlich auch ein paar grundlegende Informationen abstauben.

Einreise: Ungewohnte Einfachheit lässt die Reise schon von Beginn an geschmeidig starten. Sämtliche EU-Bürger und noch ein paar mehr (immerhin 94 Staaten) dürfen bis zu einem Jahr visumfrei einreisen. Es genügt der Personalausweis. Vorbildcharakter par excellence.

topographische-karte-georgien

Anreise: Lange galt Georgien zurecht als beschwerlich oder zumindest sehr kostspielig von Deutschland aus zu erreichen. Dank des Billigfliegers Wizzair gehören diese Zeiten aber seit geraumer Zeit der Vergangenheit an. Nach anfänglichen Direktflügen von Polen und Ungarn kann man seit kurzem auch von Schönefeld oder Dortmund für wenig Geld (hin&zurück ab €60) zu dem quasi eigens für diesen Zweck ins georgische Herzland gestampften Flughafen Kutaissi reisen. Daneben gibt es selbstredend auch nach andere Fluglinien wie bspw Ukrainian Airlines oder Air Baltic, die Georgien recht preiswert anfliegen.

Die Anreise auf dem Festland ob per Zug oder Auto ist zwar möglich, stellt aber aufgrund der Distanz eher den Weg als Ziel in den Vordergrund und nicht Georgien. Zu Bedenken sei hier zudem der Konflikt in der Ukraine, welcher die Nordroute nach Georgien etwas komplizierter gestaltet. Die Tour über die Türkei wäre hierbei erheblich vorzuziehen.

Ein absoluter Leckerbissen für den Reisegourmet stellt dabei noch eine andere Alternative dar. Von Illchiwsk (Odessa) bis Poti oder Batumi verkehrt einmal die Woche eine Fähre. In schlanken 60 Stunden könnte man auf derart einmalige Art und Weise das Schwarze Meer komplett durchkreuzen um so Georgien zu erreichen. In der Vierer-Kabine mit Außenklo für schlappe $95 zu haben. Funfact am Rande: das hier eingesetzte Fährschiff ist auf den bezaubernden Namen “Greifswald” getauft.

Herumreisen: Um es gleich vorweg zu sagen – infrastrukturell gesehen ist Georgien ein elendiglich nach Luft schnappendes Elend. Eisenbahnen verkehren selten und bedienen nur ein Minimum des Notwendigen. Der öffentliche Nahverkehr leidet unter offensiver Vernachlässigung und die Straßen zehren seit Jahrzehnten von der Substanz. Ergänzt man diese, per se schon ungünstige Gemengelage mit der feurig-selbstmörderischen Grundeinstellung der meisten aktiv am Verkehr beteiligten Georgier, so verspricht dies nichts Gutes. Grundlegend sei jedem potenziellen Georgienentdecker ans Herz gelegt, nicht allzu viel verschiedene Ziele während eines Aufenthalts anzusteuern. Die verhältnismäßig geringe Fläche (69.700 qkm) mag dazu einladen, doch es hat sich bewährt nach Anreise eines der verlockenden Ziele anzupeilen und dort jenseits der Straße auf Tour zu gehen. Mit mehreren Zielen innerhalb einer Woche zerstört man unnötig den einmal erlangten Erholungseffekt.

Kurz vor der russischen Grenze....
Kurz vor der russischen Grenze….

Die zur Verfügung stehenden Fortbewegungsmittel im einzelnen:

Eisenbahn – eine schüchtern im Hintergrund stehende Alternative. Hauptsächlich auf den Hauptrouten verkehrend und im Schatten der quirligen Busbahnhöfe liegend, kann ein Blick auf den Fahrplan nicht schaden. Da sie relativ selten verkehren ist es zumeist keine Alternative für den raschen Ortswechsel aber wenn Zeit vorhanden, eine Überlegung wert. Die Züge wirken recht gepflegt (im Gegensatz zu den Gleisanlagen) und die Preise liegen zum Heulen niedrig (Beispiel: Batumi-Kutaissi: 1 Lari (2016: 0,37 Cent). Speziell für Verbindungen nach der Anreise oder vor der Abreise bieten sich die das Land durchquerende Nachtverbindungen an.

Marschrutki: Dieser eingedeutschte Begriff ist auf dem gesamten Gebiet der Ex-Sowjetunion ein geläufiger Begriff für sogenannte Sammeltaxis, mit deren Hilfe prinzipiell fast jedes Ziel was an einer Straße liegt, erreicht werden kann. Das Prinzip ist denkbar einfach. Zwar gibt es im Groben so etwas wie Fahrpläne, welche aber eher als Orientierungspläne zu verstehen sind. Ein Marschrutka ist eher durch komplette Ausnutzung aller verfügbaren Sitzplätze zur Bewegung zu motivieren als durch so etwas wie eine abstrakte Abfahrtszeit. Hieraus resultierend ist ebenso, dass ein Marschrutka jederzeit und überall an der Straße herangewunken werden kann. Die Preise variieren in munterer Selbstbestimmung, bezahlt wird beim Aussteigen.

Taxis: Das Taxi kann als letzte Alternative in ausweglosen Situationen ebenfalls herangezogen werden. Verfügbar sind sie in den meisten Regionen, für Verhandlungen, ob Preis oder Ziel seien zumindest rudimentäre Russischkenntnisse anempfohlen.

Sprache: Der Kaukasus galt in der Antike als der “Berg der Sprachen”, Strabo spruch einst von nicht weniger als 70 Dolmetschern, die man benötigte um allein am Schwarzen Meer erfolgreich Handel zu betreiben. Derlei Vielfalt, so sie in diesem Ausmaß je bestanden hat, ist zwar längst Vergangenheit, doch die Zahl und Eigenheit der hiesigen Schriften und Sprachen weiß immer noch zu faszinieren. Neben Georgisch werden hier noch 23 Sprachen aus sechs verschiedenen Sprachfamilien gesprochen. Doch so sehr meine Leidenschaft für dieses Land auch erglüht, dem Ansinnen das Georgische auch nur halbwegs zu beherrschen, ist einem erschöpften Realitätsempfinden gewichen. Allein das scheinbar aus einem Fantasyroman entsprungene hiesige Alphabet lässt einen ehrfürchtig niederknien. So danken wir einmal mehr den verachtungswürdigen Triebkräften imperialer Expansionsbestrebungen in der Geschichte und verweisen auf die lingua franca des Kaukasus – Russisch. Auch wenn die Sehnsucht nach dem Westen offensichtlich ist, Russisch bleibt weiterhin die beste Sprache um sich zu verständigen. Speziell mit Menschen, die die Sowjetunion noch erlebt haben, ist dies eine mehr als ausreichende Verständigungsmöglichkeit. Bei jüngeren Menschen ist Englisch meist die Sprache der Wahl, wobei dank des miserablen Bildungssystems und geringer Anwendungsmöglichkeiten während der Transition dies eher schlecht als recht beherrscht wird. Auch Deutsch wird in gar nicht so wenigen Fällen gesprochen, mittlerweile soll Deutsch an georgischen Schulen gar Französisch als zweite Sprache abgelöst haben. Und wenn gar nichts mehr helfen sollte, kann irrwitzigerweise die geschätzte Weltsprache Polnisch einen Rettungsanker darstellen. Denn dank der eingangs erwähnten Billigfluglinie entdeckten in den letzten Jahren Polen Georgien in großen Scharen, was in Gastronomie und Tourismusgewerbe zu respektablen Sprachkenntnissen im Polnischen geführt hat.

Menschen: Unbestritten das Salz in der Suppe. Abseits jeder Verallgemeinerungen und sonstiger Über-den-Kamm-Schererei kann hier die Aussage getroffen werden, dass zwischen Großem und Kleinen Kaukasus ein ungemein herzlicher Menschenschlag lebt, der sich dabei stets unaufdringlich und galant um die Befindlichkeit seiner Gäste sorgt.

Selbst Wölfe im Schafspelz scheinen hierzulande nett zu sein.
Selbst Wölfe im Schafspelz scheinen hierzulande nett zu sein.

Selbst dem unerfahrensten Reisenden wird schon nach ersten Augenblicken seiner Georgienreise spüren, dass er hier wohl aufgehoben ist. Ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit ganz unerwarteter Güte. Dieses Gefühl wird dann auch statistisch bestätigt, weltweit steht Georgien aktuell auf Platz 3 in der Kategorie der unkriminellsten Länder.

Geographie: Obwohl Georgien streng genommen zu Asien gehört ist man sich diesbezüglich vor Ort recht unsicher. Bisweilen spricht man spricht eher von Georgien als etwas eigenem oder vom Balkon Europas. Die Fläche entspricht mit knapp 70.000 qkm ungefähr der von Bayern, was angesichts der Fahrzeiten, die das Reisen hier erfordert wirklich enorm überrascht. 87% des Landes sind von Gebirgen oder Vorgebirgen, 44% von Wald (5% Urwald) bedeckt. Im Norden lockt der Große Kaukasus im Süden betört der Kleine Kaukasus. Klimatisch weiß dieses kleine Land mit einem breiten Portfolio von sieben Klimazonen zu überzeugen. Der Kaukasus schützt Georgien vor den eisigen russischen Winden und ermöglicht so, dass das Schwarze Meer das Land kontinuierlich erwärmen kann. So kann der Reisende zu jeder Jahreszeit wählen zwischen diversen Variationen von subtropisch, steppig und kontinental-gemäßigt. Beste Reisezeit bleibt dennoch Frühling oder Herbst.

Kulinarik: Ja, wo soll man hier anfangen? Vielfalt, Frische, Reichhaltigkeit und Exotik lassen mich hier jedes Mal von Neuen nach Luft schnappen. Auch wenn selbstredend Vegetarier und ähnlich Veranlagte wie immer nur einen Bruchteil der Kultur genießen können, kommen auch diese hier auf ihre Kosten. In einem Land mit mehreren Ernten pro Jahr und einer stark landwirtschaftlich geprägten Kultur, die aber noch nicht von den Segnungen industrieller Herstellung betroffen ist, kann Ernährung nicht geringer als ein Erweckungserlebnis beschrieben werden.

Schaschliki - die Mutter aller Fleischcolliers!
Schaschliki – die Mutter aller Fleischcolliers!

Hier die wichtigsten Spezialitäten ohne die kein Georgienentdecker das Land wieder verlassen sollte:

  • Chatschapuri – eine Art Fladenbrot mit Käse gefüllt oder belegt, stets und überall frisch und billig in diversen Variationen zu haben; allein dies wäre schon Grund genug nach Georgien zu reisen
  • Chinkali – die hiesige Auslegung gefüllter Teigtaschen, groß und würzig – eine vollwertige Mahlzeit für jede Gelegenheit
  • Mzwadi – Schaschlik, die Mutter aller kaukasischen Delikatessen; von hier aus begann ihr Siegeszug über die Grills dieser Welt, selbstredend schmecken sie hier am besten
  • Chartscho – eine deftige Rind- oder Lammfleischsuppe mit Nüssen und natürlich jeder Menge Koriander

Doch es ist nicht nur ein Paradies der Leckerbissen – Georgien bietet als Mutterland des Weins gleichsam auch eine unüberschaubare Anzahl an erlesenen Weinen. 500 der 4000 Rebsorten dieses Planeten kommen von hier, die Geschichte des Weinbaus hat hier eine 8000jährige Geschichte, das Wort Vino ist ein georgisches – muss ich noch mehr sagen?! Außerdem ist ein Georgienbesuch ohne eine Kostprobe der hiesigen Cognacs eine unermessliche Straftat. Auch wenn man bislang mit dieser Spirituose nicht sonderlich viel anfangen konnte, hier sollte man es wagen. Vertraut mir – ein Offenbarung für die Sinne. Ein weiterer alkoholischer Kompagnon, Tschatscha, wird man dagegen schwer aus dem Wege gehen können. Diese, zumeist schwarzgebrannte, hochprozentige Grappa-Variation wird einem unter Garantie schon beim ersten Kontakt mit Einheimischen angeboten werden.

Reiseziele: Nach soviel vorbereitender Lobhudelei nun aber zum Kern des Pudels. Wohin soll die Reise gehen? Was hat Georgien denn Lohnenswertes zu besichtigen?

Kutaissi

Städte:

      • Tblissi/Tiflis – Als Hauptstadt Georgiens, größte Stadt (1,16 Mio. Einwohner; ein Drittel der Bevölkerung) gilt sie als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum des Landes. Damit ist es selbstredend ein erklärtes Ziel jedes Georgienausflugs. Einen Ansatz für die zahlreichen Sehenswürdigkeiten die Tblissi im Angebot hat, und die dem geneigten Städteliebhaber ausreichend Unterhaltung für eine erlebnisreiche Woche bieten sollten, kann man diesem ausführlichen Artikel entnehmen.  Als Unterkunft sei an dieser Stelle schamlos für das Hostel “Why not…” Werbung gemacht. Die ungezwungene familiäre Atmosphäre und ganz und gar entspannte Stimmung unterscheiden es wohltuend von dem austauschbaren Einerlei der globalen Hostelschwemme
      • Kutaissi – eingangs schon erwähnte zweitgrößte Stadt Georgiens (200.000 Einwohner) und Hauptstadt der Provinz Imeretien. Historisch gesehen die alte Haupstadt des antiken Kolchis und damit quasi das ehemalige Zentrum Georgiens. Dank der Billigfliegerlogik werden die meisten Georgienreisen hier ihren Anfang nehmen. Hierfür ist Kutaissi vorzüglich ausgestattet. es gibt zahlreiche Unterkünfte und einige nette Lokale. Eines der reizendsten Etablissements ist hierbei das Restaurant Palaty direkt in der Altstadt. Nicht nur die Küche ist hier nochmal einen Zacken delikater als üblich auch das Kulturangebot machte die Besuche hier stets zu etwas ganz Besonderem. Ein Spaziergang zu der majestätisch über Stadt thronenden Bagrati Kathedrale sei wärmstens empfohlen. Die Aussicht hier oben ist den kleinen Aufstieg zweifellos wert. Daneben laden zahlreiche sehenswerte Klöster, Kirchen und Höhlen in der direkten Umgebung zu einem Besuch ein.

 

        • Batumi – Neben der recht reizlosen Hafenstadt Poti die größte Stadt Georgiens am Schwarzen Meer. Eine wuselige, aufstrebende Ansiedlung, welche dank ihres mediterranen Flairs einen hervorragenden Ausgangspunkt für die Entdeckung der Küste bietet

Natur:

Der Borjomi-Nationalpark von oben
Der Borjomi-Nationalpark von oben
        • Borjomi – bekannt schon seit der Zarenzeit für seine Mineralquellen gehört Borjomi wohl zu den berühmtesten Kurorten, in diesem an Kurorten reich gesegnetem Land. Gleichzeitig ist es aber auch das Tor zum Bordschomi-Charagauli-Nationalpark. Dieser 85.000 ha große Nationalpark im Kleinen Kaukasus ist wohl einer der bestausgestatteten und organisiertesten Nationalparks in Georgien. Dabei ist der Nationalpark einer der größten zusammenhängenden Naturschutzgebiete Asiens. Die Wanderwege hier sind hervorragend markiert, Schutzhütten sind über das gesamte Gebiet verteilt. Der beste Einstieg für den Naturfreund, der sich seine ersten Meriten in Georgien erwerben will
        • Swanetien – abgeschiedene Bergregion im Großen Kaukasus. Bekannt und auf zahlreichen Reiseführen abgedruckt sind die typischen Wehrtürme aus der Zeit des Fürstentums Swanetien. Empfehlenswert und auch für weniger erfahrene Wanderer geeignet ist die Strecke von Mestia nach Ushguli. Die Strecke ist angemessen markiert und problemlos in fünf Tagen zu schaffen. Anreise nach Mestia mit Marschrutka über Sugdidi
        • Tuschetien – Bergregion im Nordosten, gilt als eine der unberührtesten und ursprünglichsten Gegenden Georgiens. Große Teile gehören zu dem Tusheti-Nationalpark, einem der spektakulärsten Naturreservate des Landes
Der Kazbeg, Prometheus-Gedächtnisfelsen, taucht in der obigen Aufzählung gar nicht auf. Ist aber definitiv einen Abstecher wert.
Der Kazbeg, PrometheusGedächtnisfelsen, taucht in der obigen Aufzählung gar nicht auf. Ist aber definitiv einen Abstecher wert.

Kultur:

        • das Höhlenkloster von Vardzia – faszinierende in den Fels gehauene Kloster- und Wehranlage. Im 12. Jahrhundert erbaut, wird die Anlage, welche zeitweise bis zu 50.000 Menschen Obdach bot, bis heute als Mönchskloster genutzt Diese, als Hauptsehenswürdigkeit Georgiens geltende Anlage ist zweifellos die Reise wert und sei jedem ans Herz gelegt. Ebenso wie das etwas mehr Sportlichkeit verlangende Höhlenkloster Dawit Garedscha an der Grenze zu Aserbaidschan
        • die Weinernte in Kachetien – Kachetien, die östlichste Provinz mit der Hauptstadt Telawi gilt als die Wiege des Weinbaus. Nicht nur zur Weinernte (Ende September) wird jedem Weinliebhaber eine Exkursion hierher die Tränen in die Augen treiben. Hier können noch hunderte altmodische Weingüter genossen werden, die ohne jegliche Einmischung der Moderne seit Jasons Zeiten vor sich hin winzern
        • Gori – die Geburtsstadt Stalins. Man kommt nicht drumrum, der berühmteste Georgier aller Zeiten ist zweifellos der schnauzbärtige Dschugaschwilli. Wer mag, kann der Kleinstadt in der Nähe Tblissis einen Besuch abstatten und im Stalinmuseum so spektakuläre Exponate wie den Waggon, in dem der Generalissimus nach Jalta fuhr, besichtigen.
          Stalins Waggon. Trainspotting für Salonbolschewisten.

          Wer dem nicht viel abgewinnen kann, der darf sich natürlich auch hier über eine Höhlenstadt erfreuen.Uplisziche gehört zu einer der mächtigsten Festungsanlagen an dem sich jahrhundertelang die jeweiligen Eroberer Georgiens die Zähne ausbissen. Bis die Mongolen kamen…

        • die Seilbahn- und Bergbaustadt Tschiatura – kleine Bergbaustadt, die auch wenn sie einst der größte Manganerzproduzent der Welt war (1879 war der Anteil am Weltexport 50%) sonst nicht unbedingt der Erwähnung wert wäre. Was sie besonders macht, ist das öffentliche Nahverkehrsmittel Nummer 1, die aus 26 Seilbahnen besteht. Angesichts der knifflig bergigen Lage der Stadt entschied man sich zu dieser außergewöhnlichen Vernetzung. Ein Erlebnis der ganz besonderen Art und Spaß für die ganze Familie.

Und sonst:

        • die Schwarzmeerküste – einst neben der Krim DER Sommerurlaubstraum jedes Sowjetbürgers verharrt die sonnige Küstenregion gegenwärtig in lässiger Apathie, die nur zaghaft wieder wachgeküsst wird. Zahlreiche Hotelanlagen, edle Villen und geräumige Strandanlagen erzählen von einer goldenen, längst vergangenen Zeit. Aktuell liegt hier vieles brach auch wenn der Strom von türkischen, polnischen und russischen Touristen langsam zunimmt. Doch auch wenn der Abstieg der Küste offensichtlich erscheint, kann man hier ganz ausgezeichnet ein paar entspannte und ruhige Tage verbringen. Empfehlenswerte Orte sind hierfür Kobuleti und Shekvetili

 

Ein Zipfel Glückseligkeit

Da wo Europas Schönheit kulminiert
wo Asiens Grazie hinübergiert
dort liegt ein Land, in Berge reingeschmiegt,
fast so als hätte hier das Gute doch gesiegt.

Ist es das Land wo Milch und Honig fließt?
wo gar die Goethesche Zitrone blüht?
Dies alles und so vieles mehr gibt’s hier auf die Hand
Komm vorbei, genieß und blüh’ auf im Gott verdammten Wohlfühlland

Zart und schroff der Berge Rücken
allüberall das Aug’ entzücken.
Des Südens sanft und milde Weihen
lässt allzeit Frucht wie Pflanz’ gedeihen

So fließt der Wein, der Schaschlik brutzelt gut
Kein Wunder, dass hier keiner verhutzeln tut.
Ob Sonntag, Mittwoch – hat Sorgen irgendwer?
Hier wird gelebt als gäb’s kein Morgen mehr

Wen wundert’s, wenn ein Land so gut bestückt
der hiesge Menschenschlag nur minimal verrückt,
ja, ich möcht’ mich gar versteigen zu empfinden
der Pol der Freundlichkeit ist hier zu finden.

Posted from Imereti, Georgia.

Wunderschienes Georgien

Und dann sollte es also doch noch einmal mit dem Zug klappen. Vom Schwarzen Meer bis nach Kutaissi fuhren wir nicht im staubig-stickigen Marschrutka sondern auf samtenen Gleisen. Der Fahrpreis (1 Lari=ca. 0,35 Cent) für drei Stunden Fahrt in einem geräumigen, luftigen Gefährt trieb mir kurz etwas Feuchtigkeit in die Augen. Welch ein Genuss, welch Welten liegen zwischen diesen beiden Fortbewegungsarten?! Das entspannte Gleiten mit Freiheit für Beine und Blase gegenüber dem hysterischen Chaos der Landstraße mit all ihren Zwängen und Drängen! Also Georgier, immer ran ans Werk und baut aus – ihr seid definitiv auf dem richtigen Weg.

Gastfreundschaft

Bereits in dem Augenblick in dem ich den Titel dieses Beitrags niederschreibe, fühle ich mich schäbig angesichts der Blutleere die diesem Begriff innewohnt, wenn man damit versucht zu beschreiben, was in Georgien darunter verstanden wird. Doch auch wenn ich gemeinhin nicht knausere mit neuen Wortschöpfungen, so scheitere ich daran, die exzessive Gastlichkeit der Georgier in ein adäquates Wortvehikel zu gießen. 

Grusinisches Frühstück mit Eliteblick. Knapp acht Stunden nach dem Völlegefühl meines Lebens.

Das Phänomen beginnt schon vor der direkten Kontaktaufnahme. Jederzeit, so man sich in der Öffentlichkeit befindet, hat man das unbestimmte Gefühl, dass jede aufkommende Unsicherheit oder sonstige Frage zu Wegen, Preisen, Wetter usw. umgehend vom nächstbefindlichen Georgier geklärt wird.  Ob an unübersichtlichen Kreuzungen, vollen Marschrutkis oder in einer beliebigen sonstigen Alltagssituation – stets wird mit sanfter Galanterie und freundlicher Unaufdringlichkeit dem Gast der Weg geebnet. Doch all dies ist nur das allgemeine Grundrauschen einer fast schon als fanatisch zu bezeichnenden Willkommenskultur, die einmal ausgelöst in ihrer Naturgewalt ehrfurchtgebietend ist. 

Schaschlik zum Frühstück, alles als andere als spießig!

So sahen wir uns nach kurzem Kennenlerngespräch im Marschrutki auf einmal im Auto der Familie in die Berge kutschiert, zur gnadenlosen Völlerei eingeladen, mit Geschenken überschüttet und zum Abschluss, noch völlig geschafft im extra für uns nachts geöffneten Heilbad wie Gott im Georgierreich verwöhnt zu werden.

Jenseits der Öffnungszeiten im Höhlenkloster, der Tamadan machts möglich.

Man muss sich diesen entfesselten Sturm der Gastlichkeit als einen unablässigen Strudel von flinken, bärenstarken Männern und herzensguten Frauen vorstellen, die mit nicht abebbender Energie um einen herumwuseln und immer wieder neue Ideen präsentieren um den Gast zu verwöhnen. Dabei ist der aufblitzende Schalk in ihren Augen und die  kindlich anmutende Freude, die sie haben, wenn sie die nächste Fuhre Wir-haben-dich-lieb auffahren, einfach nur entzückend. Gleichermaßen bezaubernd ist dabei auch die hierbei in ausufernden Maße kennengelernte Tafelkultur. Dass die zahlreichen Schätze der von mir vergötterten georgischen Küche in unverschämter Masse gereicht werden, war erwartbar wenn auch in dieser Verschwendungssucht gleichsam überraschend. Faszinierend war die pathetische Ernsthaftigkeit, die der Tamadan mit seinen immer wiederkehrenden Toasts erzeugte. Die epischen und vor Poesie triefenden Aussprüche erfordern reichlich Geduld und Selbstkontrolle. Wie auch mit der Dauer eines solchen Abends, aus dem ohne Probleme auch ein weiterer Abend erwachsen kann, liebevolle Vereinnahmung zu Gästelhaft zu werden droht. Hier sollte man wachsam sein und versuchen getreu der alten Volksweisheit zu gehen wenn es am schönsten ist. Auch wenn einem das mit Sicherheit nicht leicht gemacht wird. 

Ein kleiner Einkauf für zwei Fremde, die man vor einer halben Stunde kennengelernt hat.

Nichtsdestotrotz ist die georgische Gastfreundschaft ein einzigartiges Kulturerlebnis und gehört zweifelsohne in den stet wachsenden Kanon der Famositäten, die dieses Land auszeichnet.

Posted from Vardzia, Imereti, Georgia.

Bordżomi – najlepsza woda gruzińska

Jak za każdym razem, specjalne dla taty, polska edycja:

Jeśli zaczyna ci przybywać dolegliwości, lekarze rozkładają ręce – zostań swym własnym znachorem. Sposób jest prosty: weż pierwszą, lepszą maszynę do Gruzji. Już wdychając kaukaskie, świeże powietrze, poczujesz się lepiej.

 Zapomnij Kutaisi, Tiblisi i Batumi, jedź od razu do kojących wszelkie bóle źródeł w Bordżomi. Tamtejsza woda mineralna może być zażywana dwojako: – na zimno, np. mocząc stopy w lodowatym potoku – na ciepło, np. pijąc z gajzera wodę o smaku słono-siarczykowym. Usta lizaź. Po taki zmienymych kuracjach, pokrapianych jeszcze sowicie gruzińskym winem i  czazsa, poczujesz się jak nowonarodzony – żyć nie umierać.

Posted from Borjomi, Samtskhe-Javakheti, Georgia.

Mit 2PS durch den Kaukasus

Nun war es also endlich soweit, die dienstältesteste Gehhilfe der Menschheit stand bereit um mit uns die Berge zu erklimmen. Auf dem Rücken eines Pferdes durch die Kaukasischen Berge – ihr könnt euch vorstellen, welche Filme in meinem Kopf abliefen?! Nicht nur, dass ein Großteil meiner kaukasischen Mythenbildung in irgendeiner Weise mit Pferden zu tun hat, nein, sämtliche Kulturgüter jenseits der Moderne spielen auf und vom Rücken eines Pferdes. Und nun saßen wir auf einem Pferd. Im Kaukasus. 

Anfangs war ich skeptisch ob der Fähigkeit meines Untergebenen. Zwar betrachte ich das Reiten als die einzig akzeptabele Form neben der geläufigen, auf dem Landweg die Natur zu erobern, doch sah ich, als Wanderer stets bessere und bequemere Pfade für den Aufstieg., wollte mich daher auch sofort bei dem und jenem Pfad einmischen. Schon bald begriff ich, dass Mustang, so der Name meines edlen Getreuen, seinen Weg machte und hielt mich raus. Schließlich war er hier zu Hause und ich nur Gast. Nur in allzu absurden, bzw. dornigen Begleitumständen versuchte ich meine Führungsveti umzusetzen. Und so erfuhr ich schnell den großen, unbestreitbaren Vorteil des Pferdewanderns: man kann sich hemmungslos auf die Landschaft konzentrieren. Und das bei einem normalen Wandertempo. Ich war entzückt. 

Doch eines schmälerte schnell diesen Genuss. Ich wandere selbst seit Jahr und Tag, weiß daher um den Kampf den solch ein Aufstieg bedeutet. Und ich litt mit meinem Braunen als er diese, für mich nachfühlbaren Steigungen unter meinem Nicht-gerade-Fliegengewicht nach oben pumpte. Ich sah ihn schwitzen, heftig atmen – ich stieg ab und wir wanderten gemeinsam. Gemeinsam zu Fuß genossen wir diese unvergleichliche Welt um uns herum. Vergessen vom Hader der Welt. Still und Idyll, Mensch und Pferd. Mächtige Kiefern, rauschende Fichten und knorrige Eichen – ein duftender Mischwald so wie man ihn aus Märchenbüchern zu erinnern glaubt. Dazu überall um einen herum diese herzzereißendsten Bergpanoramen, von denen es hinter jeder Kurve noch mehr gibt. Egal was da kommen mag, wenn man das mal hatte, kann einen alles was da kommen mag nicht mehr so sehr schrecken. 

Und als der Kamm erreicht war, schwang ich mich dann auch wieder beherzt in den Sattel und genoss den Rest des Tages. Und der war nicht minder schön.

Posted from Borjomi, Samtskhe-Javakheti, Georgia.

Henkersfahrzeit

Wer mich nur geringfügig kennengelernt hat, weiß dass für mich eine gut geschmierte Eisenbahn der essentielle Dreh- und Angelpunkt einer reifen Zivilisation und überlegenen Kultur ist. Ich als selbsternannte Werbetrommel der Vorzüge Georgiens muss daher offen die Völker der Welt dazu aufrufen hier schnellstens tätig zu werden. Und dies nicht allein, um dieses gesegnete Land mit der Königin der Fortbewegungsmittel noch ein wenig mehr zu perfektionieren, sondern schlicht und einfach um es vor sich selbst zu schützen. Die allseits bekannte Kombination aus Individualverkehr und dazugehöriger Infrastruktur geht für Georgien nicht auf. Zerrüttete Straßen und allgemeine Rennfahrermentalität in einer mit derart zahlreichen Bergen und Schluchten ausgestatteten Gegend,  führen zu unnötigen Harmonieverlusten in diesem sonst so entspannten Land. So ließ es mich auf den gestern absolvierten 75 km von Kutaissi nach Borjomi völlig kalt, dass der Monitor des marschrutki keinerlei Unterhaltungsprogramm anbot. Mein eigenes Leben, welches bei wahnwitzigen Manövern an mir vorbei zog, war Unterhaltung genug. Eine Eisenbahn ist hier also nicht nur aus den üblichen Gründen zu unterstützen – es geht um Leben und Tod.

Gespannt sehen wir dem morgigen Tag entgegen, da wir mittels eines bislang gänzlich überlebten Verkehrsmittel unterwegs sein werden, dem Pferd. Hoffen wir mal inständig auf mehr Gelassenheit und weniger Verfolgungsjagden.

Schon früh wird der Georgier auf Durchsetzungskraft im Straßenverkehr geeicht.

Ach, und die Umsetzung des aktuell oft besprochenen Konzepts des autonomen Fahrens erscheint mir für hiesige Regionen absolut schleierhaft.

Posted from Borjomi, Samtskhe-Javakheti, Georgia.

Argonautische Annäherung

Dank herausragender Leistungen in den Disziplinen Stümperei und Verpeiltheit lustwandeln wir aktuell noch nicht durchs hochgelobte Land. Doch nachdem die ersten Anfälle von Selbstvorwurferitis und Kostenexplosionspanik überstanden waren, entdeckten wir voller Dankbarkeit die Alternative über Griechenland das Geplante doch noch umzusetzen. Und fürwahr erschien diese Reiseroute bei genauerem Betrachten so naheliegend, dass wir uns fragten, warum dies nicht sowieso unsere erste Wahl gewesen war. Wie könnte man sich dem verehrten Georgien denn wohl gediegener annähern? Die hiesigen Schriftzeichen wanken zielsicher in eine vergleichbar absurde Richtung, mediterrane Lässigkeit erscheint als ausgezeichneter Einstieg zur kaukasischen Nonchalance und überhaupt – waren es nicht Griechen, die vor langer Zeit auf der Suche nach dem Goldenen Vließ erstmals Kurs auf den Kaukasus nahmen. So erscheinen also die den Umständen abgetrotzten acht Stunden Aufenthalt in Thessaloniki als angemessene Einstiegsdroge für den kommenden Rausch. Wieder mal alles richtig gemacht!

Posted from Perea, Makedonia Thraki, Greece.

Frisch gelesene Bücher: Wie ich nach Swanetien reisen wollte

Wohl noch nie entsprach der Titel eines Buches so exakt meinen realen Lebensumständen. Denn in der Tat wollte auch ich nach Swanetien reisen, und zwar morgen. Doch ein klammheimlicher Blick auf die Wetterkurve ließ die Vernunft einreiten und überzeugte mich in Georgien dem Land der sieben Klimazonen ein wärmeres Eckchen zu entdecken.Und wenn es selbst der große Benno Pludra, Held meiner Kindheitstage, nicht nach Swanetien geschafft hat, kratzt es etwas weniger, ein weiteres Mal die großen Kawenzmänner an der russischen Grenze auszulassen.

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Während Pludra durch ausufernde Gastfreundschaft und desaströse Straßen scheiterte ist es bei uns also “nur” das Wetter. Doch wenn der Regengott auf Reisen geht, dann lieber einmal ängstlicher als nötig wenn es um die ihn treu umsorgenden Wolkenschäfchen geht.

Worum sonst dreht es sich noch in dem kleinen Büchlein?  Der Rest des kleinen Erzählbands macht noch einmal mehr Lust auf den baldigen Ausflug in das heißgeliebte Georgiens. Freilich atmen die Erzählungen Pludras den Geist jener friedlichen Zeiten, die die Sowjetunion annodazumal dieser Region bescherte. Vieles hier liest sich arg beschönigt und rosarot verfärbt. Prosaisch wandeln wir durch eine Welt des Aufbaus unaufhaltbar der Zukunftssonne zugewandt. Und dennoch weiß der Kaukasusfreund zwischen den Zeilen zu lesen und zählt nun voller Ungeduld die Stunden bis er endlich wieder kaukasischen Boden betreten darf.

Passbilder: Niedere Tatra

Im Schatten so mächtiger Gebirgsprominenz wie der Primadonna Hohe Tatra, der grazilen Virtuosin Mala Fatra und dem verspielten Tausendsassa Slowakisches Paradies, erscheint die Niedere Tatra dem unbefangenen Betrachter zunächst etwas spröde und reizlos. Doch bei näherem Hinsehen erkennt man schnell die kostbaren Alleinstellungsmerkmale dieser vermeintlichen “grauen Maus” unter den slowakischen Bergensembles.

Ein langer Pass, der nur zweimal deutlich unter die einmal erreichte Kammhöhe (ca. 1500 m) fällt, somit also die Möglichkeit zu fünf Tagen entspanntem Kammwandern bietet. Ein zumindest im Ostteil unfassbar unberührtes Waldgebiet, die dem der eine Auszeit sucht, sie fraglos in der Lage ist zu bieten.

Weitere Tipps, Empfehlungen und Nachahmungsratschläge folgen demnächst. Hier aber nun erstmal die optische Überzeugungskeule!