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Frisch gelesene Bücher: Helix

Die Bücher des Herrn Elsberg, welcher in trauter Regelmäßigkeit der Reihe nach die tönernen Säulen auf denen unsere Gesellschaft ruht, abklopft und szenarisch überprüft, wie es ohne sie aussähe, sind mir stets willkommener Lesestoff. So konnten bislang die Ideen des Autors zu eine Welt ohne Strom (“Blackout”) sowie einer Welt mit stark pervertierten Internet (“Zero”) nachvollzogen werden. Mit “Helix” widmet er sich nun einem weiteren überaus relevanten Thema und zwar der Gentechnik.

Ob es nun daran lag, dass ich von der Materie am wenigsten Ahnung habe oder war es in der Tat anfangs ein wenig langatmig und knöchern aufgezogen. So richtig mochte mich das neueste Werk nicht fesseln. Doch mit zunehmender Lesestrecke begann ich zu verstehen, dass es dieses Mal eben weniger ein spannungsgeladener Thriller war, sondern ein schlichter Roman über ein Problem, dass uns alle angeht und uns alle betreffen wird. Hier versucht Elsberg das Kunststück ein aufgeladenes Thema der Gegenwart von allen Seiten zu beäugen und abzuwägen. Schlussendlich gelingt es ihm meines Erachtens ganz annehmbar herauszuarbeiten, inwieweit hier Fluch oder Segen am wirken sind. Insbesondere das Ende wirkt gelungen, atmet dieses doch den Geist unserer versachzwangten Spezies – trocken und realistisch lauten die letzten Sätze:

Rüsten wir die US-Bevölkerung genetisch auf! Der Wettlauf hat begonnen! 

 

Frisch gelesene Bücher: Ready Player One

Es sind Bücher wie diese weshalb ich an diesem, zugegeben etwas verschrobenen Hobby namens Lesen festhalte. Gefühlte Ewigkeiten verschimmelte es in meinem “Noch-zu-Lesen-Regal”, zu lang um sich noch erinnern zu können, auf wessen Tipp es dort hin gelangt war. Der Buchrücken machte nicht sonderlich viel Lust: der gefühlt drölfundfluffzigste Roman, der sich mal wieder an der uns seit Ewigkeiten versprochenen Virtuellen Realität abmühen wollte, in Anbetracht des Titels war meine Leselust dann ein ums andere Mal erschlafft. Selten lag ich falscher.

Dieses Buch ist weit mehr als ein weiterer VR-Gamer-Aufsatz. Es ist einer der realistischsten Entwürfe unserer nahen Zukunft, jenes kaputten und übel zugerichteten Planeten auf den wir aktuell mit voller Kraft zusteuern. So schillert die hier beschriebene virtuelle Welt dann auch nur bedingt, ist sie doch nur ein schwacher Ablenkungsraum für jene zerrüttete Welt außerhalb von ihr. Sämtliche soziale, kulturelle und wirtschaftliche werden auch hier abgebildet und stellen daher auch den exzellent aufgebauten Spielraum der Handlung dar. Dieser ist über alle Maßen spannend und liest sich oftmals wie perfektes Futter für den neuen Blockbuster so er in der Traummaschine erst gehörig weichgespült wird (und siehe, der Film ist schon in Arbeit, 2017 wird Herr Spielberg das Ganze aufbereitet haben). Was das Lesevergnügen zusätzlich anfeuert, ist diese ungestüme Liebeserklärung an die 80er, die in diesem Buch steckt. Dabei geht es hier nicht nur, wie man denken könnte, um eine Hommage an die Videospiele jener Zeit, nein, es ist eine kenntnisreicher Tanz auf der Metaebene der Popkultur dieses Jahrzehnts. Ich fasse zusammen: eine realistische Dystopie, eine funkensprühende Verneigung vor der Kultur der 80er und das alles spannend und gekonnt erzählt – mehr braucht es nicht, dass ich mehrmals zu weit mit der U-Bahn gefahren bin und auch sonst immer froh über jede Verspätung war. Absolute Lesempfehlung solltet auch bei euch mal wieder das Bedürfnis nach einem guten Freund aus Papier bestehen.

Frisch gelesene Bücher: Starship Troopers

Bei meiner Reise durch die Klassiker der guten, alten Science-Fiction musste ich folgerichtig auch irgendwann einmal bei Herrn Heinlein landen. Schließlich gehört er mit Asimov und Clarke zu den “Big Three” der englischsprachigen Science-Fiction und ist damit nicht ignorierbar. Ich stolperte über das kleine Bändlein im hiesigen Antiquariat und ergriff die Gelegenheit beim Schopfe.

starship

“Starship Trooper” war mir, wie wohl den meisten, am ehesten über den Film ein Begriff und dieser hatte mir auf eine gewisse Art damals gefallen. Zwar empfand ich den Film nie als herausragendes Meisterwerk, doch zumindest als gute Unterhaltung. Die satirische Überspitzung des militaristisch-faschistoiden Realität die der Film widerspiegelt und die ihm in der Kritik erhebliche Probleme bereiteten, fand ich noch das Beste an dem ansonsten recht biederen und vorhersehbar wirkenden Streifen.

Wenn also Verhoevens Verfilmung meines Erachtens zu einem der meist missverstandenen Werke der jüngeren Kinogeschichte gehört, so kann man selbiges von der literarischen Vorlage keineswegs behaupten. Dieses Buch beschreibt nicht nur eine faschistische, das Militär verherrlichende Zukunft, hier findet sich keinerlei kritische Perspektive, kein ironischer Bruch. Natürlich kann man hier immer noch Werk und Autor versuchen zu trennen, bzw. den Versuch einer möglichst authentischen, abgekapselten Beschreibung unterstellen. Doch wenn man sich ein wenig einliest in die Person Robert A. Heinlein, beschleicht einen der Verdacht, dass nicht wenig der Weltanschauung, die in “Starship Trooper” vermittelt wird, auch Teil der Geisteshaltung des Autors ist. Blieb zu überprüfen wie es sich hiermit in anderen Büchern von Heinlein verhält. Doch der Genuss dieses Buches macht wenig Lust auf mehr.

Wobei hier weniger die problematische Gesinnung ausschlaggebend ist, sondern vielmehr erachte ich den literarischen Wert des Gelesenen als äußerst schwach. Über weite Strecken hinweg kam mir das Buch vor wie die endlosen Schwafeleien eines alten, verbitterten Mannes über seine Ansichten von Geschichte, Ethik und Moral, die er eher halbherzig mit einer Geschichte verpackte. Die Erzählstränge sind lustlos mit einander verknüpft und die Brüche in der Erzählung sind bisweilen so unvermittelt, dass man glaubt, dem Buch würden ganze Seiten fehlen. Angesichts der redundanten und strukturell erbärmlichen Erzählweise mit der man durch dieses blutarme Stück Literatur geschliffen wird, besteht man aber auch nur bedingt auf mögliche zusätzliche Seiten. Nein, ich frage mich ernsthaft, warum dieses Buch nur ansatzweise der Rede wert sein sollte. Nur eines weiß ich mit Sicherheit: Mal wieder habe ich meine knapp bemessene Lesezeit eindeutig verschwendet.

Posted from Berlin, Berlin, Germany.

Frisch gelesene Bücher: Labyrinth der Spiegel

Es gibt in der Tat problematischere Zwangsstörungen als, in gewissen Abständen zu den Büchern von Sergej Lukianenko greifen zu müssen. Seit der um die Jahrtausendwende mit den Wächter-Romanen mein Herz im Sturm eroberte, erliege ich immer mal wieder der Hoffnung derlei Spektakuläres erneut unter den neueren Werken des Meisters zu finden. Meine regelmäßigen Kritiken legen von ein beredtes Zeugnis ab. Enttäuschung wird hier zwar nie serviert, immer sind es schwungvoll entworfene Themen aus einem Bereich den ich weder Science-Fiction noch Fantasy sondern eben, ganz russisch, Phantastik nennen würde. So gesehen sind Lukianenkos Bücher dann zumindest auch immer willkommene Abwechslungen. Der Unterschied ist nicht groß, aber spürbar, angesichts des kulturellen Gleichtakts der einem aus den meisten Büchern des angelsächsischen, zentraleuropäischen Kulturraums entgegen schlägt.

labyrinth

“Labyrinth der Spiegel” stellt dabei noch in anderer Hinsicht eine Abwechslung dar. Das Buch demonstriert auf unfreiwillig komische Art die rasante Entwicklung der digitalen Revolution. Lukianenko skizziert in seinem, aus dem Jahr 2009 stammenden Roman, eine virtuelle Realität, wie wir sie zwar leider immer noch nicht erreicht haben, doch die Instrumente und Begleitumstände, wirken enorm wirklichkeitsfremd. Auch wenn die virtuelle Welt hier dank eines Tricks erreicht wird, der Autor also geschickt die technischen Fallstricke, die ein solches Szenario in sich birgt, umgeht, sträubt sich in mir alles wenn ich ertragen muss, dass der Protagonist sich mit Windows Home über sein Modem einwählt. Auch wenn im Kielwasser solcher Erwägungen folgende aufreizende Stilblüten entstehen:

Wer benutzt denn heute noch einen Mac? Es hat Menschen und Neandertaler gegeben, dann kamen IBM und Apple. Morsche Zweige sind nicht lebensfähig.

Zweifelsohne handelt es sich hier nicht um seinen besten Wurf, doch abseits der perspektivischen Fehlkalkulationen und des gerüttelt Maß an dumpfen russischen Nationalismus à la “Dafür dass er durch und durch Amerikaner war, war er ganz in Ordnung” gibt es auch in diesem Buch gelegentlich hellere Momente mit denen ich bislang noch in jedem Lukanienko-Buch belohnt wurden bin. So stolperte ich richtiggehend über erfrischende Inspirationen zu den Konsequenzen die eine Künstliche Intelligenz für die menschliche Evolution mit sich bringen könnte oder die Frage warum die Stoßrichtung jeglicher Virtualität immer eskapistische Tendenzen tragen muss.

Alles in allem also ein durchschnittlich guter Lukianenko. Für Kenner der Materie durchaus auslassbare Lektüre und für Einsteiger gibt es weitaus Besseres (s. oben).

Frisch gelesene Bücher: Die Out-Trilogie

Und mal wieder ein Buch über die digitale Weltverschwörung. Ein Buch?! Nein, Herr Eschbach benötigt ganze drei Bücher um sein Szenario ausreichend zu auszubreiten.Worum gehts? Chips, welche an unser Hirn andocken und dann mittels 3G miteinander kommunizieren. Auf diese Weise bildet sich flugs das aus Funk, Fernsehen und Literatur allseits bekannte, eiskalte Borg-Kollektiv. Dazu eine kleine, unbeugsame Widerstandsgruppe, ein genialer alles checkender Hacker – der aktuell nicht wegdenkbare Magier der Moderne – eine wenig Herzschmerz und als besondere Garnierung etwas Indianerphilosophie und fertig ist der Tech-Thriller. So gut, so konventionell.

out

Wahrhaft begeistert klinge ich nicht, doch zum Weglegen hat es auch nicht gereicht. Es handelt sich hierbei wohl um so etwas wie grundsolides Mittelmaß, gut abgehangener Science-Schinken. Was soll man da tun, außer den Riemen runterlesen?! Es sei hierbei nicht unerwähnt, dass es sich um eine Jugendbuchreihe handelt. Und diesbezüglich sei wohl so manche Erklärbär-Attacke entschuldigt. Eschbach rollt die Thematik mit Engelsruhe und mit überaus verständlichen Worten auf. Und auch wenn ich von der Geschichte alles andere als begeistert bin, und auch die hier an den Tag gelegte Sprache mich eher störte denn betörte, so muss ich zugestehen, dass die technische Faktenlage und logische Stringenz, außer ein paar ganz üblen Schnitzern (2009, zum Zeitpunkt des Erscheinungstermins dieser Trilogie befanden sich schon ein paar Root-Server außerhalb des Territoriums der USA; Stichwort Anycast!), überraschend sattelfest daherkommt.

Ein durchschnittlicher Schmöker der sich schnell durchlesen lässt und bei geringer Anspruchshaltung sogar positiv zu überraschen weiß. Speziell die Auflösung der ganzen Geschichte hätte ich so nicht erwartet und ließ mich nach knapp anderthalb Tausend Seiten relativ versöhnt das Buch zuschlagen.

Ach, und eine Kritik sei noch gestattet: Liebe Damen und Herren Verleger, welchen tiefsinnigen Grund hat es wohl, dass ihr es unterlassen habt, bei einer Trilogie Nummern oder sonstige Markierungen für die Lesereihenfolge anzubringen? Nicht schön sowas.

Frisch gelesene Bücher: Sonnentaucher

Endlich mal wieder richtige Science-Fiction, Hard-SF wie der Fachmann es nennt. David Brins “Sonnentaucher” ist ein astreines Stück Zukunftsliteratur, und zwar eines von der besseren Sorte.

Sonnentaucher von David Brin

 

Der Plot ist folgender: Nachdem man erfolgreich Kontakt mit außerirdischen Zivilisationen hergestellt hat, ist die Verwunderung bei eben jenen “Eaties” groß, denn die Menschheit scheint offensichtlich ohne Einfluss einer Patronatskultur soweit gekommen zu sein. Dies ist ungewöhnlich denn sonst ist der Werdegang ein anderer um Mitglied der galaktischen Intelligenzen zu werden. Potentielle Kandidaten werden von weiterentwickelten Rassen eines “Uplifts” unterworfen, mit dem sie dann das Rüstzeug haben, um auf Augenhöhe mitzuspielen. Dieses Patronats- und Klientverhältnis spiegelt die natürliche Ordnung im Universum wieder. Die “Wölflingsrasse” Menschheit steht nun im vollem Kontrast zu diesem Konzept. Selbstverständlich führt dies auch zu Konflikten unter den Menschen. Die “Neolithiker”, welche an eine eigenständige Entwicklung des Menschen glauben und die Dänikenisten, welche den Einfluss einer, nur noch nicht identifizierten, extraterrestrischen Rasse als wahrscheinlicher erachten. Ein über alle Maßen reizvolles und ausbaufähiges Szenario, in dessen Rahmen die Reise zur Sonne führt, wo die “Uplifter” der Menschheit vermutet werden.

Mehr möchte ich an dieser Stelle lieber nicht verraten. Mir bleibt nur zu sagen, dass dieses Buch meine absolute Lektüreempfehlung hat. Ein Hinweis sei jedoch gestattet: Wer sich hierauf einlässt, sollte wissen, dass es sich hier (mal wieder) nur um den Anfang einer längeren Geschichte handelt. Der “Uplift-Zyklus” umfasst noch weitere zwei Bände und ich vermute, dass die meisten, die das Ende des ersten Teils genossen haben, nach diesem offenen Ende Gier auf mehr verspüren.

 

Frisch gelesene Bücher: Weltraumpartisanen

Weltraumpartisanen – eine SF-Reihe die mich allein schon mittels ihres Titels für sich einnahm. Ein leichter Zweifel ob es sich hier nicht doch um Spaceopera-Kitsch á la Perry Rhodan handelte, hielt mich einige Zeit davon ab, die kürzlich auch im praktischen Ebook-Format
herausgekommene Reihe zu Gemüte zu ziehen. Doch dann kam der Sommerurlaub und mit ihm die Muse für abseitigere Lektüregenüsse.

weltraumpartisanZuvorderst sei erwähnt, dass wenn ich eingangs von einer Reihe sprach, dies eine wirklich stattliche, ernstzunehmende Lawine an Folgen ist, auf die man sich einlässt sobald man einmal angefangen hat, den Abenteuern des Berliner Astronauten Mark Brandis (Den Namen des Titelhelden leitete der Autor von der Mark Brandenburg ab, und zwar in dem oftmals aus dem Zugfenster von mir verschmähten Dahlewitz!) Ganze 31 Bände harren dann in gieriger Nakommschon-Haltung auf einen. Keine einfache Entscheidung in einem Universum in dem, wie kurz überschlagen, ich nur noch die Möglichkeit habe, maximal 2000 durchschnittlich lange Bücher zu genießen. So habe ich zunächst erstmal nur zwei genossen und beschlossen so mich die Lust packt immer mal wieder einen dazwischen zu legen. Denn so angetan ich auch abschließend bin, es ist dann doch recht leichte Kost. Jugendliteratur halt, aus einer Zeit in der Indianer und Kosmo(Astro)nauten noch die Fantasie anspringen ließen und der tägliche Schmöker ein subversiver Freizeitspaß war.

weltraumpartisan2Die beginnt im Jahr 2069 und schildert mit traumdeuterischen Wagemut eine dreigeteilte Welt, und zwar in die EAAU (Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union), die VOR (Vereinigte Orientalische Republiken) und das mit der EAAU assoziierte Australien. Auf der Venus und dem Mars existieren kleinere EAAU-Enklaven, und der politisch neutrale Mond ist ein Hyper-Las Vegas geworden, in dem die Sünde regiert. In diesem Szenario laufen die Geschichten ab und lesen sich, wie üblich bei SF, als Spiegelungen der Gegenwartsprobleme: Faschismus, Rassismus, den Überwachungsstaat, Terror, Umweltverschmutzung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ich für meinen Teil bleibe angetan von der Serie, da sie, wenn auch manchmal hakelig und ein wenig hölzern, sich realer gesellschaftlicher Probleme annimmt und dann eben auch Stellung bezieht. Also kein Fantasygeseier oder ekapistisches Blabla. Es mag sich zwischendurch ein wenig merkwürdig anfühlen, aber ich nehme dem Autor seine humanistische Zielvorgabe ab und spreche eine wohlwollende, aber auf jeden Fall portionierte Leseempfehlung aus.