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Das literarische Duo: Fahrenheit 451

Die Tage werden kürzer, die Blätter fallen sacht zu Boden, die Gedanken schwanken zwischen klarer Erkenntnis und düsterer Umwölkung. Beste Ausgangslage für einen weiteren Bücherclub. Erneut traf ich auf Feuser um mit ihm über einen Klassiker des dystopischen Genres zu plaudern – Fahrenheit 451.

 

 

 

 

 

Shownotes:

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Des Albaners neue Kleider

Es ist ein gern zitierter Allgemeinplatz, dass die Geschichte von Siegern geschrieben wird, doch es gibt dabei Fälle, deren Dreistigkeit die übliche Geschichtsumdeutung bei weitem übertrifft.

Als die beiden innovativen Albaner, Enver Skanderbeg und Ismail Hoxha Anfang des 20. Jahrhunderts im Amüsierviertel von Tirana ihr erstes Modegeschäft eröffneten, konnte keiner erahnen, was für eine Erfolgsgeschichte folgen sollte. Enver, zuvor freiberuflicher Wortwitzingenieur, kreeiirte mit leichter Hand das Label, taufte es “Albanien&Mehr” und kurbelte an allen Kampagnenrädern, bis albanische Mode auch in den unbedeutendsten Zipfeln des Planeten ein stehender Begriff war. Ismail, in seinem früheren Leben tonangebender Lokpfeifenkomponist, war das kreative Herz des aufstrebenden Unternehmens. Seine, sich immer wieder neu erfindenden, so funktional wie originellen Modeschöpfungen waren Motor des unaufhaltsamen Siegeszuges von A&M. In der Zwischenkriegszeit avancierten Hoxha und Skanderbeg zu Popstars. Sie spielten virtuos auf der Klaviatur der Balkan Coture und Karst Fashion – der Zenit des Erfolgs schien erreicht. Just zu diesem Zeitpunkt versuchten erstmals eine Hand voll windiger Kopisten vom eher unscheinbaren Rand des Kontinents das Konzept von A&M nachzuahmen. Mit Dumpingangeboten und aggressiven Marketing drängten sie die Style-Idealisten immer weiter in die Defensive. Angewidert von der Logik des Markts und der aufkeimenden Pöbelherrschaft in der Modebranche zogen sich die beiden A&M-Gründer verbittert in ihr Heimatland zurück. Doch selbst hier schlug Allmacht der Konzerne unerbittlich zu. Sämtliche Filialen wurden in einer gnadenlosen Übernahmeoffensive geentert. Ismail ging enttäuscht in die Berge um die vernachlässigte Mode für Schafe voranzubringen und Enver betreibt heute eine mäßig erfolgreiche Fischnetzstrumpfhosen-Manufaktur. Allein dieses letzte, offensichtlich vergessene A&M-Geschäft in der hintersten Ecke Albaniens, in Saranda, erinnert bis heute stumm an jene glorreiche Ära der europäischen Anziehkultur.

Von der Zukunft abgewandt

Jules Verne, Star Trek, FDJ – so grundverschieden diese drei historischen Opinion Leader auf den ersten Blick erscheinen mögen, so ist ihnen dennoch eines gemein, und zwar der von ihnen jeweils unternommene Versuch positive Zukunftsvisionen zu entwickeln und zu verbreiten. Wenn man den Blick in die Vergangenheit richtet, gibt es für derlei Bestrebungen noch etliche Beispiele mehr. Quer durch die Geistesgeschichte der Menschheit lassen sich zahllose kreative und durchdachte Meisterwerke finden, die ein besseres Leben in der Zukunft beschreiben. Und hiermit meine ich ganz klar einzig jene Visionen, die sich auf das irdische Dasein beschränken. Religiöse Zukunftsvorstellungen sind für meine weiteren Überlegungen schlichtweg irrelevant.

In wirren Zeiten die Zuversicht behalten – nichts leichter als das!

Denn worauf ich hinaus will, ist folgendes: Die Diskussionen in jüngster Zeit um die Entwicklungen auf unserem Planeten nähern sich, so kann man ohne einer eventuellen Zeitgeisthysterie auf den Leim zu gehen, urteilen, einem kritischen Punkt. Die Kausalketten und Argumentationslinien verlieren sich oftmals im Postfaktischen, Gefühlten und wenden sich, genährt durch berechtigtes Misstrauen den Eliten gegenüber sowie der massiven Desillusionierung dank gescheiterter progressiver Vorstöße, allzu oft dem Fatalismus zu. Die Ursachen und Analyse dieser Entwicklung soll hier aber weniger das Thema sein. Vielmehr möchte ich auf einen Teilaspekt dieser Misere das Augenmerk richten, und zwar auf das völlige Erliegen jedweder Freude auf die Zukunft, ja der gänzlichen Abkehr von der Vorstellung, dass das Leben in 30 Jahren eventuell schöner sein könnte als in der Gegenwart oder gar im achso schönen “Früher-war-alles-besser”.

Die gänzlichen Abkehr von der Vorstellung, dass das Leben in 30 Jahren eventuell schöner sein könnte als in der Gegenwart.

Diverse Faktoren aus Geschichte, Politik, Demographie und etlichen anderen Bereichen des menschlichen Wirkens führen auch dank der einzigartigen Erlebbarkeit mittels Internet zu einer gefühlten Hilf- und Machtlosigkeit gegenüber der Komplexität unserer Gegenwart. Diese wiederum mündet entweder in den allseits bekannten einfachen Lösungswelten aus Esoterik/Religion bzw. Rassismus/Nationalismus oder einem alles verschlingenden Fatalismus mit der glühenden Sehnsucht nach tabula rasa, einem reboot der Welt. Die bestehenden Probleme erscheinen zu gewaltig und vielschichtig um noch in irgendeiner Weise lösbar zu sein oder aber man versteift sich darauf zu behaupten, dass die Grundlagen der menschlichen Gemeinschaft in sich komplett verschlissen und korumpiert seien, und daher nicht wert zu retten wären. Der Grundtenor aktueller Überlegungen ist, so scheint es zumindest mir, immer häufiger die Forderung nach einer kompletten Dekonstruktion des fehlerhaften Bestehenden. Diese Sehnsucht nach jenem, mit zahlreichen Hoffnungen überfrachteten “reinen Tisch” übertrumpft dank seines schlichten Konzepts immer mehr jenes anstrengend wirkende Nachdenken über etwaige Möglichkeiten eine Verbesserung unseres Lebens herbeizuführen, ohne alles einzureißen. Dementsprechend versteht es sich von selbst, dass positive Zukunftsvisionen in solch einem Klima nicht wirklich gedeihen können. Ganz im Gegenteil – Dystopien haben im Kino Konjunktur, die Zombiekalypse kann sich auch nach der xten Wiederholung im Serienuniversum nicht über mangelnden Zuspruch beschweren und auch die zeitgenössische Literatur geht im großen Stil mit düsteren Szenarien hausieren. Die einfallslosen Sprünge der Kulturindustrie erschöpfen sich, wenn sie die Vorstellungskraft des Publikums ansprechen will, bestenfalls noch in infantiler Fantasy oder dem einfallslosen Neuaufguss diverser Mythen der Vergangenheit.

Der Grundtenor aktueller Überlegungen ist häufig die komplette Dekonstruktion des fehlerhaften Bestehenden als das Nachdenken darüber wie man es eventuell verbessern könnte ohne alles einzureißen.

Nun mag man, so man mir bis hierhin zustimmt, einwenden, dass doch gerade diese beobachtbare Grundstimmung Indiz für eine relevante Krise der Gesellschaft ist, die es eben in dieser Ausprägung am Vorabend bedeutender Umbrüche schon häufiger gegeben hätte. Und eben dies stimmt meines Erachtens nur zum Teil. Zum einen gab es auch destruktive Zäsuren in der Menschheitsgeschichte, welche in Phasen relativen Wohlstands und gesellschaftlicher Zuversicht auftraten, bspw. sei hier der Erste Weltkrieg erwähnt. Zum anderen waren selbst die gröbsten Zivilisationszusammenbrüche stets begleitet oder gar initiiert von Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Abgesehen von einigen düsteren Momenten, in denen Hoffnung knapp war und eine bessere Zukunft den Zeitgenossen absurd erschien, blieben einem nicht unbedeutenden Teil der Menschheit das Vertrauen auf eine Überwindung der Unzulänglichkeiten der Gegenwart und das Streben hin zu einer besseren Welt im Morgen eine unerschütterliche Gewissheit und Triebfeder für ihr Dasein. Ob es die Utopien der Antike, das klare Denken der Aufklärung oder die kühnen Träume der fortschrittsvernarrten SF-Autoren waren – noch in den übelsten Zeiten begleitete die Menschen jene kraftspendende Motivation einer positiven Zukunftsvorstellung.

Und eben dieses belebende Element menschlicher Entwicklung ist in den letzten Jahren nahezu unbemerkt und spurlos verloren gegangen. Vielleicht lebe ich ja in einer sozialen Blase, doch ich wage zu behaupten, dass man überall auf unserem Erdenball in jedweder gesellschaftlichen Schicht und Altersgruppe auf die Frage wie sie ihr Leben in 30 Jahren sehen, rundweg skeptische, negative oder fatalistische Antworten bekäme. Zweifellos ist dieses Urteil keineswegs unbegründet und auch überaus nachvollziehbar, doch ich sehe in einer solchen allgemeinen Grundstimmung eine enorme Gefahr. Ähnlich dem Prinzip einer selbsterfüllenden Prophezeiung befürchte ich hier auf lange Zeit gedacht, eine Gesellschaft, die sich selbst aufgibt, sich in Selbstmitleid suhlt und bestenfalls verdummt, schlimmstenfalls kollabiert. Wenn eine bessere zukünftige Welt von der überwiegenden Mehrheit nicht mal mehr theoretisch vorstellbar ist, dann haben wir auch keine Zukunft mehr.

Eine Gesellschaft, die sich selbst aufgibt, sich in Selbstmitleid suhlt und bestenfalls verdummt, schlimmstenfalls kollabiert.

Daher hier mein leidenschaftlicher Aufruf zu Optimismus und konstruktiven Denken. Wir sind weit gekommen in den letzten Jahrtausenden und ein Komplettabriss des Bestehenden darf einfach nicht die einzige Alternative sein. Dafür schätze ich zahlreiche Errungenschaften der, aktuell in Misskredit geratenen Zivilisation dann doch ein wenig zu sehr. Selbstredend stehen wir vor gravierenden Problemen, Problemen für die auch ich keine Patentlösung, ja nicht einmal einen realistischen Ansatz im Angebot habe. Doch die Entwicklung von Zivilgesellschaft und Technologie könnten doch zumindest nicht ausschließlich Grund zu Besorgnis und Misstrauen sein. Jedes Ding hat schließlich seine zwei Seiten, alles hat Vor- und Nachteile – mir kommt es aber seit geraumer Zeit so vor als würde sich die globale Wahrnehmung einzig auf die Schattenseiten der kommenden Veränderungen fokusieren. Wenn wir also angesichts der schier unlösbaren Verstrickungen von Egoismus, Gier und Irrationalismus, welche unserer Welt im Würgegriff hält, mal wieder verzweifeln wollen und eine, auch nur geringfügige Verbesserung dieses Zustands als völlig abwegig erscheint, dann wünschte ich mir statt dem ewig öden Fatalismus ein wenig mehr optimistische Gedankenspielerei. Mag die Lage auch aussichtslos erscheinen, sich zumindest in der Fantasie einzulassen auf eine vorteilhafte Wendung der Geschicke der Menschheit sollte doch möglich sein und, wer weiß, vielleicht entsteht aus solcherlei Versuchen etwas, was uns tatsächlich weiterhilft, uns auf neue Ideen bringt. Eines steht in meinen Augen jedenfalls fest: Das permanente Wiederkäuen destruktiver Zukunftsszenarien hilft bestenfalls einigen wenigen. Daher schreibt, musiziert und denkt euch in eine leuchtende Zukunft hinein. Das könnte aufregender sein als die beste Apokalypse.

Posted from Berlin, Berlin, Germany.

Frisch gelesene Bücher: Die Saat

In Zeiten kollektiver Weltuntergangssehnsüchte durften natürlich auch die Vampire ein popkulturelles Comeback feiern. Dieses ist nun langsam an sein natürliches Ende gelangt, nicht bevor auf seinem Weg das Phänomen so relativ sämtlichen Wandlungen der modernen Zeit unterworfen wurde. Jegliche Konventionen des stokerschen Urtyps untergrub man im Laufe dieses Prozesses. So deformierte das erbarmungslose Geschöpf der Nacht peu a peu zu einem nach Liebe suchenden Softie und staatstreuen Blutbankkunden. Schön daher, dass mit dem Wälzer aus dem Hause Guillermo del Toro, jene grundbösen Geiseln der Menschheit und Angst einflößenden Blutsaugern wieder ein Chance gegeben wird, sich in unserer Fantasie einzunisten.

Dabei handelt es sich bei diesem Buch dann sogar noch um weit mehr als eine bloße Wiederbelebung der Untoten im klassischen Sinne. Del Toro gelingt es soliden, kompromisslosen Horror mit detailreicher Gesellschaftsanalyse und durchdachtem Endzeitszenario zu koppeln. Die Charaktere wie Handlungsstränge sind überzeugend und innovativ, ja, es gelingt bisweilen sogar den, in diesem Genre sich zu Hause fühlenden Leser zu überraschen. Eine echte Bereicherung also für jeden, der sich bei einem der drei vorab genannten Themenblöcke angesprochen fühlt. Außerdem sei hier noch erwähnt, dass es sich hier um einen der seltenen Fälle handelt, bei dem auch die serielle Verarbeitung qualitativ gleichwertig erscheint. Auch wenn die Serie einige andere Wege einschlägt, erscheinen diese, bei näherer Betrachtung durchaus adäquat und verfehlen zumindest nicht das Ziel vorzüglicher Unterhaltung.

 

Münzenberg – MZB012 – SPEZIAL-Ernährung

Jpeg
Ernährung – zwischen ausgewogen und abgewogen.

Ein weiteres Aufnahme aus den heiligen Hallen des geschätzten Mastuls.

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Frisch gelesene Bücher: The Maker’s Guide To The Zombie Apokalypse

Natürlich handelt es sich bei diesem Grundlagenwerk um ein Buch, bei dem ich nicht den Hauch einer Chance hatte, es nicht zu erwerben.  Ein Ratgeber zu diesem Bereich und in der Aufmachung muss nicht lange betteln um von mir gelesen zu werden.

apokalypse

Dabei handelt es sich hierbei natürlich eher um ein kompetentes Nachschlagewerk als eine zum Durchlesen geeignete Abhandlung.  Doch der Ideenreichtum und die witzige Aufbereitung ließ mich es dann doch komplett durchschmökern. Es versteht sich von selbst, dass die Vorlage der Zombie-Apokalypse allenfalls als Metapher verstanden werden darf. Grundsätzlich kann es nicht von Nachteil sein, für den Fall eines wie auch immer gearteten Zusammenbruchs mit einfachen Mitteln Kommunikation und Elektrizität zu gewährleisten. Auf diesen beiden Grundkomponenten aufbauend konstruiert Monk mit jeder Menge Improviationsgenie etliche Dinge, die man nach dem Komplettzusammenbruch allenfalls in den bewussten Staatsbunkern vermuten würde. Nichtsdestotrotz hat man mit diesem Buch natürlich auch ein reizendes Wissenskompendium für die autarke Wohnidee ganz ohne Apokalypse. Deshalb: Absolute Nachschlageempfehlung!

Frisch gelesene Bücher: Little Brother

Wie vor geraumer Zeit schon angekündigt, stand die Lektüre des obengenannten Buches ja auf der gemeinsamen Leseliste. Dieses Mal wagt sich Doctorow nicht sonderlich weit in die Zukunft hinaus, sondern beschreibt den modernen Überwachungsstaat, welcher in den USA nach einem Terroristenanschlag entsteht. Dies, so mag der eine oder andere denken, ist nun wahrlich kein überaus originelles Thema und dennoch gelingt es Doctorow auf seine unnachahmliche Art, Spannung zu erzeugen und neue Blickwinkel entstehen zu lassen.

Zentrale Handlungsfigur ist eine Teenager, welcher mit einfachen – manchmal vielleicht zu einfachen Methoden – versucht Widerstand zu leisten. Mit eben dieser Einfachheit habe ich wenn überhaupt, oftmals Probleme. Sicher, dieses Buch richtetet sich vornehmlich an junge Erwachsene und entfaltet daher nicht immer jenen Komplexität die dem Thema angemessen wäre, aber dann und wann erscheint es mir schlicht zu hastig hingeschrieben. Nichtsdestotrotz handelt es sich hierbei um eine sehr feine Skizze eines realistischen Polizeistaatszenarios der Zukunft. Es schildert in plastischer Weise sowohl die Konsequenzen, die sich für die Menschen ergeben, als auch die Möglichkeiten wie man sich dagegen wehren kann. Wenn auch nicht immer alles stimmig erscheint und manche technischen Prognosen gewagt anmuten, so bleibt dieses Buch doch für alle wachen Zeitgenossen eine absolute Leseempfehlung.

Qual der Qual

Wenn wir einmal ganz entspannt und novemberlich versöhnlerisch das Wahlsystem der USA als halbwegs demokratisch ansehen wollen, dann erscheint jener krasse Einzelfall, welcher während des Wahlabends durch das Internet geisterte, doch gelinde gesagt ernüchternd.

Nun gut. Die Sache mit dem Einzelfall wollen wir hier mal einfach so stehen lassen. Ich empfehle wärmstens zum Stichwort Wahlcomputer und zum Themenbereich “The Best Democracy Money Can Buy” sich die zwei Stunden zu gönnen und den aktuellen Alternativlos-Podcast zu genießen.

Auch schön ist diesbezüglich der Vergleich auf netzpolitik.org von Wahlcomputern mit “einarmigen Banditen”. Auf jeden Fall sollte man angesichts dessen mehr als gewarnt sein und den Einsatz von wie auch immer gearteten Wahlcomputern hierzulande mit allen Mitteln zu verhindern.