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Frisch gelesene Bücher: Die Saat

In Zeiten kollektiver Weltuntergangssehnsüchte durften natürlich auch die Vampire ein popkulturelles Comeback feiern. Dieses ist nun langsam an sein natürliches Ende gelangt, nicht bevor auf seinem Weg das Phänomen so relativ sämtlichen Wandlungen der modernen Zeit unterworfen wurde. Jegliche Konventionen des stokerschen Urtyps untergrub man im Laufe dieses Prozesses. So deformierte das erbarmungslose Geschöpf der Nacht peu a peu zu einem nach Liebe suchenden Softie und staatstreuen Blutbankkunden. Schön daher, dass mit dem Wälzer aus dem Hause Guillermo del Toro, jene grundbösen Geiseln der Menschheit und Angst einflößenden Blutsaugern wieder ein Chance gegeben wird, sich in unserer Fantasie einzunisten.

Dabei handelt es sich bei diesem Buch dann sogar noch um weit mehr als eine bloße Wiederbelebung der Untoten im klassischen Sinne. Del Toro gelingt es soliden, kompromisslosen Horror mit detailreicher Gesellschaftsanalyse und durchdachtem Endzeitszenario zu koppeln. Die Charaktere wie Handlungsstränge sind überzeugend und innovativ, ja, es gelingt bisweilen sogar den, in diesem Genre sich zu Hause fühlenden Leser zu überraschen. Eine echte Bereicherung also für jeden, der sich bei einem der drei vorab genannten Themenblöcke angesprochen fühlt. Außerdem sei hier noch erwähnt, dass es sich hier um einen der seltenen Fälle handelt, bei dem auch die serielle Verarbeitung qualitativ gleichwertig erscheint. Auch wenn die Serie einige andere Wege einschlägt, erscheinen diese, bei näherer Betrachtung durchaus adäquat und verfehlen zumindest nicht das Ziel vorzüglicher Unterhaltung.

 

Münzenberg – MZB012 – SPEZIAL-Ernährung

Jpeg
Ernährung – zwischen ausgewogen und abgewogen.

Ein weiteres Aufnahme aus den heiligen Hallen des geschätzten Mastuls.

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Frisch gelesene Bücher: The Maker’s Guide To The Zombie Apokalypse

Natürlich handelt es sich bei diesem Grundlagenwerk um ein Buch, bei dem ich nicht den Hauch einer Chance hatte, es nicht zu erwerben.  Ein Ratgeber zu diesem Bereich und in der Aufmachung muss nicht lange betteln um von mir gelesen zu werden.

apokalypse

Dabei handelt es sich hierbei natürlich eher um ein kompetentes Nachschlagewerk als eine zum Durchlesen geeignete Abhandlung.  Doch der Ideenreichtum und die witzige Aufbereitung ließ mich es dann doch komplett durchschmökern. Es versteht sich von selbst, dass die Vorlage der Zombie-Apokalypse allenfalls als Metapher verstanden werden darf. Grundsätzlich kann es nicht von Nachteil sein, für den Fall eines wie auch immer gearteten Zusammenbruchs mit einfachen Mitteln Kommunikation und Elektrizität zu gewährleisten. Auf diesen beiden Grundkomponenten aufbauend konstruiert Monk mit jeder Menge Improviationsgenie etliche Dinge, die man nach dem Komplettzusammenbruch allenfalls in den bewussten Staatsbunkern vermuten würde. Nichtsdestotrotz hat man mit diesem Buch natürlich auch ein reizendes Wissenskompendium für die autarke Wohnidee ganz ohne Apokalypse. Deshalb: Absolute Nachschlageempfehlung!

Frisch gelesene Bücher: Little Brother

Wie vor geraumer Zeit schon angekündigt, stand die Lektüre des obengenannten Buches ja auf der gemeinsamen Leseliste. Dieses Mal wagt sich Doctorow nicht sonderlich weit in die Zukunft hinaus, sondern beschreibt den modernen Überwachungsstaat, welcher in den USA nach einem Terroristenanschlag entsteht. Dies, so mag der eine oder andere denken, ist nun wahrlich kein überaus originelles Thema und dennoch gelingt es Doctorow auf seine unnachahmliche Art, Spannung zu erzeugen und neue Blickwinkel entstehen zu lassen.

Zentrale Handlungsfigur ist eine Teenager, welcher mit einfachen – manchmal vielleicht zu einfachen Methoden – versucht Widerstand zu leisten. Mit eben dieser Einfachheit habe ich wenn überhaupt, oftmals Probleme. Sicher, dieses Buch richtetet sich vornehmlich an junge Erwachsene und entfaltet daher nicht immer jenen Komplexität die dem Thema angemessen wäre, aber dann und wann erscheint es mir schlicht zu hastig hingeschrieben. Nichtsdestotrotz handelt es sich hierbei um eine sehr feine Skizze eines realistischen Polizeistaatszenarios der Zukunft. Es schildert in plastischer Weise sowohl die Konsequenzen, die sich für die Menschen ergeben, als auch die Möglichkeiten wie man sich dagegen wehren kann. Wenn auch nicht immer alles stimmig erscheint und manche technischen Prognosen gewagt anmuten, so bleibt dieses Buch doch für alle wachen Zeitgenossen eine absolute Leseempfehlung.

Qual der Qual

Wenn wir einmal ganz entspannt und novemberlich versöhnlerisch das Wahlsystem der USA als halbwegs demokratisch ansehen wollen, dann erscheint jener krasse Einzelfall, welcher während des Wahlabends durch das Internet geisterte, doch gelinde gesagt ernüchternd.

Nun gut. Die Sache mit dem Einzelfall wollen wir hier mal einfach so stehen lassen. Ich empfehle wärmstens zum Stichwort Wahlcomputer und zum Themenbereich “The Best Democracy Money Can Buy” sich die zwei Stunden zu gönnen und den aktuellen Alternativlos-Podcast zu genießen.

Auch schön ist diesbezüglich der Vergleich auf netzpolitik.org von Wahlcomputern mit “einarmigen Banditen”. Auf jeden Fall sollte man angesichts dessen mehr als gewarnt sein und den Einsatz von wie auch immer gearteten Wahlcomputern hierzulande mit allen Mitteln zu verhindern. 

Frisch gelesene Bücher: EXCESS – Verschwörung zur Weltregierung

Wenn man selbst versucht an der Macht der Verlage vorbeizuschiffen, und das eigene Buch (“Köterdämmerung”) durch die neuentstandenen Möglichkeiten der geneigten Öffentlichkeit vorzustellen, so ist es wohl nur recht und billig, hier auch mal die Werke von Leuten zu genießen, die Ähnliches versucht haben. Etliche Werke von Selbstverlegern lagern mittlerweile auf meinem Lesegerät, doch ich muss gestehen, die Knappheit der Lesezeit ließ mich bei der Wahl des nächsten Lesefutters stets auf etabliertes, sprich, vom Verlag für akzeptabel Befundenes zurückgreifen. Doch damit war nun Schluss. Mit “EXCESS” von Mathias Frey schmökerte ich erstmals eine jener unabhängigen Lektüreperlen, die der Amazon-Ozean anspült. excess Vorweg sei eines gesagt: Die schier unüberschaubaren Weiten der Ebooks bei Amazon lassen sich grob in drei Gruppen aufteilen – Gratis-Klassiker, Selbstverlagswerke und heillos überteuerte Verlagsproduktionen. Was im übrigen hier angemerkt sein sollte, ist dass jenseits von Inhaltskriterien es allzu oft erschreckend anmutet wie lieblos, ja desaströs das Layout der meisten Bücher daher kommt. Dabei kommt selbstverständlich bei jeder der hier aufgeführten Gruppen durch Licht und Schatten gekennzeichnetvor. Jedoch erscheint die Wahl bei den Selbstverlegern naturgemäß als am unwägbarsten. Überbordende Rezensionen können von Freunden stammen, Verkaufsrang sagt schon mal gar nichts aus und ob der “Klappentext” wirklich hält was er verspricht, weiß man genauso wie beim “echten” Buch nie. Dennoch ist man hier bei der Entscheidung aus verschiedenen Gründen einsamer als in anderen Fällen. In diesem speziellen Fall jedoch kann ich behaupten, nicht enttäuscht worden zu sein. Hinsichtlich Stil und Dramaturgie sehe ich hier keine relevanten Unterschiede zu verschiedenen Äquivalents die Verlage in die Buchläden senden. Es scheint sich mir hierbei sogar um einen äußerst durchdachten und bisweilen sogar überraschenden Politthriller zu handeln. Wer diesem Genre mitunter etwas abgewinnen kann, dem sei zum Lesegenuss in jedem Falle geraten. Und auch wenn ich nicht hundertprozentig überzeugt war, und insbesondere den Schluss ein wenig kitschig und schwer nachvollziehbar fand, es hat mich trotzdem bis zum Schluss gefesselt – keine Frage, demnächst wird es mir wohl leichter fallen,r ein Erstlingswerk vom Ebookstrand rauszupicken. 

Google entdeckt die Bahn

Dem einen oder anderen dürfte Google Maps sicherlich bekannt sein. Vielleicht hat ein Teil der geneigten Leserschaft auch schon mit der dort integrierten Routenplanung Bekanntschaft gemacht. Bislang war diese jedoch ausschließlich für Fußgänger und Autofahrer interessant. Das führte bisweilen zu amüsanten Reisevorschlägen (s. bspw. Punkt 21 wenn man von Tokio nach New York reisen wollte!), doch der öffentliche Nahverkehr blieb ausgespart.

Dies mag durchaus im Nutzerverhalten der Erschaffer dieses an sich netten Tools begründet liegen. Schließlich fand man Bahnstationen und Eisenbahnlinien auch erst nach erschöpfenden Heranzoomen. Doch diese traurigen Zeiten der Bahnignoranz scheinen nun endlich vorbei zu sein. Nach langem Mühen und Ringen ließ sich zumindest die Deutsche Bahn herab, dem Datenmagnaten ihre Fahrpläne zuzusenden. Diese sind nun mittels Google Transit in Google Maps integriert und verschaffen dem informationshungrigen Reisenden schnellen Zugang zum verheißungsvollen Dritten Weg.

Stellt sich nun die Frage, warum hat das so lang gebraucht? Warum zögerte die Bahn solange mit der Herausgabe der Daten und stellt sie nun auch nicht gleich zum freien Gebrauch für jeden zur Verfügung? Ein offener Brief an das Projekt „openPlanB“ stellte unmissverständlich klar, dass die Fahrpläne keinesfalls dem Volke gehören. Die Argumentation erscheint mir alles in allem recht fadenscheinig. JA, in mir gärte gar der Gedanke, dass da mal wieder so eine nebulöse Terrorismussorge mit im Raum schwebt. Was natürlich durchaus den reizvollen Schluss zuließe, dass jeder der eine verspätungsfreie Bahn erwartet, ein verkappter Terrorist sein müsste. Aber das ist natürlich nur wild aus der Luft gegriffen. 

Russische Perspektiven

Dass auch im fernen Russland zaghaft so etwas wie Unmut gegenüber den ewig Herrschenden bemerkbar wird, könnte der eine oder andere von euch schon in den Nachrichten aufgeschnappt haben. Aber das es dann so schnell geht, überrascht ein wenig. Klickt nur kurz unten drauf – keine Sorge, die Bilder sprechen für sich. Russischkenntnisse sind von zweitrangiger Bedeutung. Selbstverständlich entsprechen diese Aufnahmen nicht ganz den Tatsachen. Genosse Putin hält immer noch wacker alle ihm auferlegten, aufgesammelten und ergatterten Stricke in der Hand um das achso unselbstständige Mütterchen Russland über die holprigen Wege der Geschichte zu geleiten. Nun, so unselbstständig erscheinen sie mir gar nicht mehr, die Russen. Mag sein, dass das eine oder andere Strickchen gelegentlich zurückgefordert werden wird. Zumindest im Bereich der digitalen Medien brauchen sie in der Tat keinerlei Fürsorge mehr.