Tod bei Amazon

Wenn der Rucksack fein säuberlich gepackt bereitsteht, die Zugverbindungen bis zum letzten Dorfbahnhof auswendig gelernt und alle Dehnungsübungen absolviert sind, wende ich mich mit Genuss der letzten Aufgabe zu: Der Wahl der Reiselektüre. Gern nehme ich hierfür Bücher ins Visier, die das erwählte Reiseland in irgendeiner Weise zum Thema hat. Polen habe ich jedoch in den letzten Jahren literarisch recht ausführlich abgegrast und so hatte ich nicht allzu große Hoffnungen als ich mich bei amazon durch die Angebote klickte. Doch was musste ich bei dem Schlagwort Polen in der Rubrik Belletristik auf Platz 22 entdecken?! Edwin Erich Dwingers “Tod in Polen”: Jenen unsäglichen Hetzschund, welcher in bester faschistischer Manier den “Bromberger Blutsonntag” behandelt. Auch wenn ich amazons Dienste gern nutze und dank einer ausführlichen Bücherwunschliste nie wieder ein Buch meines Begehrs vergessen werde, die gefährlichen Tendenzen des Büchermonopolisten sollte man nie aus den Augen verlieren. Warum so ein “Buch” bei amazon gelistet sein muss, erschließt sich mir beim besten Willen nicht. Ob es sich hier um eine Karteileiche oder die Spitze des antiquarischen, braunen Anbietereisbergs handelt, wage ich nicht zu beurteilen. Ich fordere nur ganz schlicht: Raus aus den Listen mit solch einem Schund. Zuviel Arbeit? Und wo soll man die Grenze ziehen? Nun, auch wenn der Unrechtsstaat DDR gerade ja nicht unbedingt das beste Image hat, hinsichtlich Entnazifizierung hatten sie ja dann doch etwas Elan. Ich empfehle daher die “Liste der auszusondernden Literatur von 1946“. Wäre wenigstens ein Anfang. Und im Übrigen: Dass die letzte Auflage des besagten “Buches” auf den 1. Januar 1100 datiert ist, sagt einiges über die nachlässige Pflege der ausgeschriebenen Angebote aus.

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