Verspielte Zeit

Immer öfter ertappt sich der betagte Mittdreißiger in mir ja dabei wie er all den neumodischen Schnickschnack verachtet und die angeblich so viel höhere Qualität und den, die Zeiten überdauernden Wert des Zeitgeists der eigenen Jugend anpreist. Allzu oft hört man sich in solchen Momenten sehr alt an, verdammt alt und auf vertraute Weise spießig ahnungslos.Möglicherweise befinde ich mich somit in der unvermeidlichen Anflugsschneise jeglicher Generationen vor mir. Und dennoch. Möge die Unbestechlichkeit der Geschichte entscheiden was an Miley Cirus, Flatratesaufen, Facebookeritis und Handyabhängigkeit in Tateinheit mit Analphabetismus und fröhlich in Kauf genommener Entpolitisierung die kulturell bedeutsamen Entwicklungen sein mögen, ich hege da eher leise Zweifel. Aber in einem Punkt möchte ich ohne jede Rücksichtnahme kategorisch intervenieren: Computerspiele! 
Was hätten wir für Möglichkeiten! Schließlich ist ein nicht unbedeutender Teil des Weges, den die aktuelle Computertechnologie zurückgelegt hat aufgrund der unerbittlichen Ansprüche der Gamer-Fraktion bewältigt wurden. Und dennoch. Kein noch so aufwändig gestaltetes, kampagnenstrotzendes Supergame der Gegenwart kann mit den puristischen, aber wahrhaftig innovativen Spielen der Anfangszeit mithalten. Und ich möchte hier nicht auf die Nostalgiedrüse drücken. Mir geht es weniger um Retromomente wie Pacman oder Space Invaders, da bin ich offen genug um zu erkennen, dass speziell in diesem Segment der Fortschritt etwas gebracht hat. Aber die etwas komplexere Welt der Strategiespiele konnte vom Technologieschub meines Erachtens kaum profitieren. Keines der heutigen Spiele kann jene tüftelnde Glückseligkeit erzeugen, zu der die ersten Point-and-Click-Adventures mit erstaunlicher Leichtigkeit in der Lage waren. Aus diesem Grund erregte mich die Möglichkeit eines fiktiven Lostspiels in diesem Stil natürlich ohne Maßen. Diese Zeiten sind natürlich vorbei, aber man wird doch noch träumen dürfen…

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