Die Insel ist ein Korken

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die zuletzt genossene Folge “Ab Aeterno” hat es in sich. Wie sollte es bei diesem Titel auch anders sein. Schließlich bedeutet “ab aeterno” auf lateinisch nichts Geringeres als “seit Anbeginn der Zeit” (und ein kleines Latinum ist für jeden, der es mit Lost Ernst meint, ja mittlerweile das Mindeste). Anhand dieses Titels konnte man schon vorab erahnen, dass es diesmal ans Eingemachte gehen würde. Und so war es dann auch.Und einmal mehr diese Forderung: Murks ihn ab bevor er den Mund aufmacht, denn er kann sehr überzeugend sein! Schwierig. Sie könnte natürlich direkt vom Teufel stammen, oder aber eben auch von dessen ärgstem Gegner. Angesichts des, in den letzten Folgen unerbittlich herandräuenden letzten Gefechts, war ein gewisses dramaturgisches Innehalten und nicht unbedeutendes Zufüttern von Informationen unerlässlich. Und mit welcher Person könnte man solch ein halbfanales Zwischenspiel einläuten?! Mit Richard Alpert natürlich. Eben jener geistert ja nun schon seit längerem durch Raum und Zeit, wird dabei nicht älter und steht allzu oft (in letzter Zeit nicht mehr so oft) auf der Seite der Wissenden. Nachdem sich also der allgemein sichtbare Spannungsbogen zu einer recht überschaubaren Zuspitzung zwischen den beiden Kräften auf der Insel entwickelt hat, macht es Sinn auf diesen Konflikt mithilfe des jungen Richards zurückzukommen und dabei einige wesentliche Vermutungen zu bestätigen und neue Verdachtsmomente zu erschaffen.Die ersten dreieinhalb Minuten von “Ab Aeterno” waren für mich definitiv Augenblicke dieses peinlich-angenehmen “ich-hab-es-doch-immer-gewusst”-Gefühls. Denn der sichtlich ein wenig freidrehende Richard teilt hier dem verblüfften Jack mit, dass er nicht nur völlig tot sei (und zwar nicht im übertragenen Sinn!) sondern sich zudem auch noch in der Hölle aufhalte. Um was es sich bei der Insel genau handelte, war mir zwar nie recht klar (Fegefeuer, Zwischenwelt, verlassenes Paradies o. ä.), doch dass sie alle tot waren, hatte ich immer vermutet. Natürlich wäre es nicht Lost wenn es so einfach bliebe. Und schon gar nicht neun Folgen vor Schluss (ja Freunde, nur noch neun Folgen trennen uns vom Ende einer Ära!).  Finale Metapher im Bewerbungsgespräch: Der “böse” Wein will hinaus in die Welt und nur die Insel (Korken) kann ihn daran hindern. Soweit wären wir. Eine der wesentlichen Anschlussfragen wäre hier: Ist der Wein tatsächlich böse, bzw. gibt es überhaupt irgendetwas außerhalb der Flasche?  Denn natürlich lässt Jacob den Vorwurf, er sei der Teufel, nicht unerwidert. Natürlich ist er es nicht. Aber diese Antwort überzeugt genauso wenig wie Jacobs Methode dem verwirrten Richard mittels versuchter Ersäufung zu beweisen, dass er nicht tot sei. Denn welcher Teufel, der etwas wert ist, hätte jemals auf die schlichte Frage nach seiner Identität wahrheitsgemäß geantwortet. So sind wir also nach dieser Folge nur insofern schlauer, als dass die bestehende Dualität der Möglichkeiten um einiges kontrastreicher geworden ist. Entweder Jacob steht als ehrbarer Hüter der Insel vor um das Böse daran zu hindern, in die Welt zu entfleuchen oder sein Gegner ist ein gemarterter Gesell der nichts als seine Freiheit zu erkämpfen sucht. Dabei fällt jedoch auf, dass beide Möglichkeiten sich in einer Sache gar nicht widersprechen: Das “Smoke thing” will weg von der Insel. Irgendwie erinnert das Ganze dann doch immer mehr an ein sehr realistisch umgesetztes Spiel. Doch auch wenn die vergangenen Folge viel klärte und noch mehr dunkle Ecken ein wenig besser ausleuchtete, viele Fragen bleiben weiterhin stur in der Gegend rumstehen. Warum? Seit wann? Wer ist für all das verantwortlich? Und was haben all die erlebten Intrigen, Nebenhandlungen und sonstigen Aktionen den Hakeleien um ein Fluchtvorhaben zu tun?  Das sollte in den nächsten 378 Minuten geklärt werden. So hoffe ich zumindest!  Nebenschauplatz am Rande des Lösungswegs: Die Ankunft der “Black Rock” auf der Insel. Blieben nur folgende Unklarheiten. Welche Welle ist in der Lage das Schiff dermaßen weit ins Landesinnere zu schleudern? Soll so ein morscher Seelenverkäufer tatsächlich in der Lage sein eine derart massive Staue komplett zu zerstören?

 

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