Zwischenstopp Wünsdorf

Eigentlich stand ja Eisenhüttenstadt für dieses Wochenende auf dem Menüplan der Endstations-Tournee, doch diverse Seuchen und ein demzufolge zagfhaft rekonvaleszentes Team an Mitreisenden machte es notwendig, ein etwas weniger anstrengendes Ziel zu erobern. So kam uns Wünsdorf gerade recht.

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Die charmante Teltowperle macht auf den ersten Klick gewaltig von sich reden. Hier stand nicht nur die erste Moschee auf deutschem Boden (für Kriegsgefangene im sog. Halbmondlager) , auch hinsichtlich der militärischen Bedeutung konnten in der jüngeren Vergangenheit hier einige Matchpoints ergattert werden. Schließlich war kurz nach Kriegsende ziemlich schnell klar, dass in Вюнсдорф (Wjunsdorf) der Sitz des Oberkommandos der Sowjetischen Streitkräfte werden würde. Und dies beinhaltete die Ansiedlung von 50.000-75.000 sowjetischer Männer, Frauen und Kinder in Wünsdorf – ein richtig ausgewachsene Stadt also. Was mich aber mehr als alle anderen Fakten bezauberte, war selbstverständlich der Umstand,  dass von hier bis 1994 ein täglicher Zug nach Moskau fuhr. Voller Ehrfurcht begutachtete ich mit diesem Hintergrundwissen den Wünsdorfer Bahnsteig.

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Wenn wir eines mit Sicherheit aus Wünsdorf mitnehmen können, dann die Tatsache, dass diese Stadt fest in Union-Hand ist. Klarer Fall, dass nachdem man schon nicht mehr zur Sowjetunion gehören darf man auf diese Weise wenigstens einen Teil dieser Zeit bewahren möchte. Doch Scherz beiseite, die hilflose Unvollständigkeit diese dieses Graffitos stellte uns dann doch vor Rätsel. Wieso wurde es nicht irgendwann mal vervollständigt? Oder steckt gar System hinter dem Schriftzug?! Feuert man gar nicht die stets leistungstarken Eisernen an sondern ein bislang verschmähtes Team aus dem noch verschmähteren Berl? Zahlreiche Möglichkeiten und Varianten tun sich hieran auf. Und man bedenke nur, wenn sich uns Zeitgenossen schon Verständnisschwierigkeiten auftun, was sollen erst nachfolgende Generationen hiervon halten?!

Neben all des historischen Tands, welcher Wünsdorf offensichtlich von einer gewöhnlichen 0815-Siedlung im Märkischen unterscheidet, hebt man sich auch in der Gegenwart durch gewisse Alleinstellungsmerkmale von anderen Dörfern ab. So wirbt man im Internet vollmundig damit eine “Bücher- und Bunkerstadt” zu sein. Dies klang überaus reizvoll und so schlenderten wir gespannt und mit wachem Blick durch die Gassen des kleinen Städtchens. Doch, o Graus, nirgendwo ein Stadtplan, Wegweiser oder sonstige Informationen, die uns ans Ziel führen könnten. Angesischts bereits erwähnter Rekonvaleszenz waren wir nur bedingt in der LAge große Anstrengungen zur Suche zu unternehmen (heute lese ich, dass man in Zossen hätte aussteigen müssen um in Bücherstadt Wünsdorf zu gelangen. Wat ein Quatsch!) So nahmen wir’s hin und genossen den Frühling auf der Terrasse bei “guter deutscher Küche” (Sankt Hubertus)und ließen die Spitzbunker Spitzbunker sein. Und Bücher haben wir gerade sowieso genug.

In diesem Sinne erholten wir uns prächtig und können mit voller Kraft Fahrt auf Eisenhüttenstadt nehmen. Dieses Mal aber wirklich! Letztes Februarwochenende – Plantermin.

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