Münzenberg 31 – Das literarische Trio: Transit

Und es geschah erneut – Männer die auf Bücher starren. Nach langer Sommerpause trafen wir uns um in gewohnter Manier über ein Buch zu sprechen, welches es in sich hat.

Shownotes:

Was sonst noch gelesen wurde:

Das nächste Buch: Frankenstein von Mary Shelley

gewinnt gegen “Der Fänger im Roggen” und “Hunger” von Knut Hamsun

Wir versuchen es bis Mitte November zu schaffen.

Kommt zu goodreads! Hier findet ihr mich

 

 

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Von der Maas bis an die Maas

Und erneut trieb die unstillbare Wissbegier die Reisegruppe “Gute Nachbarschaft” hinaus in die weite Welt, genauer nach Holgien. Da wir taktisch gewieft mit Maastricht ein Ziel wählten, welches im untersten Zipfel der Niederlande zu finden ist, konnten wir dieses Mal den ersten Doppelländerpunkt ins Auge fassen. So gelang uns der fließende Übergang von Maastricht ins nahegelegene Liège/Luik/Lüttich mühelos und flugs stehen wir kurz vor dem Ende der Mission. Nur noch Luxemburg und Frankreich trennen uns von dem krönenden Abschluss der Mission. Fazitär verbleiben wir mit Bene: Der Märchenbuchcharme von Maastricht behagt dem einen oder anderen mehr als das chaotische Wirrwar Lüttichs. Zu viel Bierauswahl kann auch ein Problem sein. Und letztlich ist doch alles Käse! Doch konzentrieren wir uns zunächst auf die Auswertung der Erlebnisse in Holgien in Bild und Link.

     

Empfehlenswerte Orte in Maastricht & Lüttich

  • Reitz, direkt am Maastrichter Marktplatz gelegen, auf zahlreichen Seiten wird dieser Laden empfohlen, wenn man nach den besten Pommes suchen sollte. Wir konnten nichts Gegenteiliges beweisen, da wir nach der hier verabreichten Portion nicht in der Lage waren, noch eine weitere Portion der Konkurrenz zu vertilgen
  • Spaziergang mit Aussicht und etwas Abstand zu den überfüllten Gassen der Altstadt: die Brusselestraat hinauf zur St. Lambertuskerk und dann über die üppig überwucherte Festungsanlage wieder hinab an die Maas
  • Café Frape und Café ‘t Pothuiske – diese beiden nah bei einander liegenden Lokalitäten verfügen neben freundlichster Atmosphäre, trotz des irreführenden Titels “Café” über eine erschütternde Anzahl an Bieren. 
  • Eine nette Idee war es in der Tat den Katzensprung nach Belgien mit dem Schiff zu unternehmen. Pünktlich um 10 fährt ein Schiff für etwas über €10 aus dem Herzen Maastrichts in das Zentrum Lüttichs.  
  • zwei Dinge muss man in Lüttich bestaunt haben, den Bahnhof und die Treppe. Die 374 Stufen der Montagne de Bueren sind ein machbares Unterfangen um etwas Überblick zu gewinnen. Zu dem Bahnhof muss ich nicht viel sagen oder will nicht viel verraten. Es lohnt sich in jedem Fall!
  •  Le Carré sei für Lüttich grob als Ganzes empfohlen. In diesem zentral gelegenen Viertel ist wohl schon Dienstagnachmittag so viel aufreizendes Barleben zu erleben wie in Masstricht am Freitagabend. Einzelempfehlungen verbieten sich – dieses Kiez ist ein Gesamtkunstwerk. 

Ratgeber: Wandern in Swanetien – ein Tanz auf dem Rande des Balkons

Swanetien – Georgien – der Große Kaukasus – der Balkon Europas! Der Weg von Mestia nach Ushguli, dem höchstgelegenen, dauerhaft bewohnten Dorf Europas, gehört zu den viel gepriesenen und besungenen Sahnehäubchen, unter den zahlreichen Schmankerln, die Georgien im Angebot hat. Allzu oft lugten wir auf unseren kürzeren Kaukasus-Stippvisiten sehnsüchtig gen Norden zu diesen mächtigen Bergmajestäten. Doch immer war die Zeit zu knapp oder das Wetter missgünstig. Nun, nach monatelanger Vorbereitung und nicht minder langer hibbeliger Schmachterei war es endlich soweit. Der Rucksack saß, sie Sonne gab sich die Ehre und schon ging es hinauf auf die Balkonbrüstung Europas!

Hier nun also der nächste Reisebericht im Geiste des Anhalters um dieses außergewöhnliche Erlebnis möglichst vielen Lebewesen in der Galaxis schmackhaft zu machen!

Eine Wanderung von Mestia nach Ushguli

Andere Wissensquellen

Wenn ich an dieser Stelle häufiger über mangelnde Informationsquellen lamentiere, so kann das in diesem Falle ganz und gar nicht behauptet werden. Natürlich sei hier meine ständig aktualisierte Basisübersicht zu Georgien erwähnt. Fragen, die über diese spezielle Wanderung hinausgehen, sollten hier hoffentlich ausreichend beantwortet werden. Doch sucht man im Internet nach dieser Wanderung, fällt einem schnell auf, dass man sich hier wohl erstmals eine Route der Kategorie A-Prominenz ausgesucht hat. Oft wird dieser Trek in schillernder Schlichtheit als “most popular multi-day trek” gekrönt. So gibt es Routenbeschreibungen, Erfahrungsberichte, GPS-Daten, Offline-Karten zu dieser Strecke in schier überbordender Quantität. Ein Zustand, den ich so selten erleben darf, daher präsentiere ich hier voller Genugtuung die Quellen und Tools, welche mich heil und wissend über die Berge brachten:

  • die bereits zuvor verlinkte Routenbeschreibung von caucasus-trekking.com ist kurz, knackig und informativ – hier findet sich auch die dazugehörigen GPX- oder KML-Datei sowie solide recherchierte Angaben zu An- und Abreise (angesichts dieser vorzüglichen Informationslage habe ich erstmals überlegt ob ich zu dieser Route wirklich noch etwas schreiben muss. Und doch, es muss einfach raus!)
  • als über alle Zweifel erhabenes Schweizer Taschenmesser unter den Offline-Navigationssystemen ist natürlich OsmAnd+ zu erwähnen. Mit heruntergeladener Standardkarte, Höhenlinien und Relief zu Georgien ist man, solange man Strom hat, stets bestens orientiert
  • zwei weitere Apps testete ich dieses Mal zusätzlich und kann beide ohne weiteres für den Outdoorgebrauch empfehlen: WindyMaps und ViewRanger – beide zeichnen sich durch leichte Handhabbarkeit (und nicht die, jeden Einsteiger etwas verschreckende Komplexität von OsmAnd) sowie eine eindeutig auf Orientierung abseits der Straßen ausgerichtete Navigationssoftware
  • Höhenmesser ist eine weitere nette App, die wie ihr Name schon zart andeutet sehr solide Höhenangaben auswirft, aber auch ein sehr  zuverlässiges Routentracking anbietet 
  • zwei Dinge möchte der gediegene Klugscheißer draußen immer gern wissen: die Namen der Berge die ihn immer steiler umwanken und die der Sterne, welche nachts so beeindruckend wie nie über einem erstrahlen. Natürlich gibt es auch hier Abhilfe: PeakLens und  Sky Map
  • und natürlich gibt es auch noch den Klassiker, die papierene Offline-Variante. Wir fanden Wanderkarten von ganz akzeptabler Qualität in Mestia (Geoland, 1:50000) 
  • Für Wetterauskünfte sei hier wieder meteoblue empfohlen, die meiner Übersicht nach einzige App, welche auch zuverlässige Daten zum Wetter auf den Gipfeln vorzuweisen hat 

Anreise

Der nächste Ausgangspunkt um Mestia zu erreichen ist Sugdidi (obwohl es auch reichlich Marschrutki von Batumi und sogar noch von Kutaissi gibt, welche direkt bis Mestia fahren). Die 150km steil und kurvig sich emporschlängelnde Bergstraße kann man entweder mit der stets präsenten Marschrutka (30 Lari pro Nase, etwa €10) oder mit Taxi (100 Lari pro Taxi, etwa €33) hinter sich bringen. Der Hinweis aus Blogs und anderen Informationsquellen, dass man möglichst früh in Sugdidi sein sollte, da die zahlreichen Fahrer ungern noch nach Vormittag die Bergstraße in Angriff nehmen, kann man als veraltet abtun. Auch wenn der Basar der Mitfahrgelegenheiten nach Ankunft des Zugs aus Tbilisi mit Sicherheit seinen Höhepunkt erreicht, so wird man zweifellos auch noch bis in den Nachmittag hinein eine Passage nach Mestia ergattern können.

Apropos Zug: sollte man Georgien über Tbilisi erreichen, bietet sich der Nachtzug nach Sugdidi an. Komfortabler und günstiger (35 Lari in der Doppelkabine) wird man das Ziel nicht erreichen können. Tickets können problemlos hier gebucht werden. Für die Strecke bis Sugdidi sollte man locker 4 Stunden einplanen. Zwar gibt es ein paar Taxifahrer, die hier täglich neue Bestzeiten versuchen herauszuschinden, doch vier Stunden erscheinen, zumindest mit Marschrutka, ein gängiger Schnitt.

Es muss der Vollständigkeit halber auch erwähnt werden, dass Mestia seit kurzen einen Flughafen besitzt. Dieser hat es ob seiner gewagten Originalität sogar in den Atlas Obscura geschafft. Flüge gehen von hier mit kleinen, tschechischen Maschinen nach Kutaisi und Tbilisi ab und so sehr ich dem Fliegen aus Vergnügungsgründen eigentlich ablehnend gegenüberstehe, kann ich einer solchen An- oder Abreise durchaus etwas abgewinnen.

Herumreisen

Die Rubrik ist recht schnell abgehakt, da sich der regelmäßig frequentierte Passagierverkehr in Swanetien auf die Hauptlebensader Mestia-Ushguli beschränkt. Zumindest in der Hauptsaison und etwas weniger auch in der Nebensaison wird diese Strecke rege von etlichen Kleinbussen und Geländewagen befahren. Sonstige Bedürfnisse, die von Fortbewegung außer der auf eigenen Füßen abweichen, gehören nicht zum Standardrepertoire und müssen einzeln geklärt und organisiert werden. Trampen wäre hier beispielsweise eine geläufige Alternative, die in recht erfolgversprechend sein kann. In jedem Falle kann aber in noch dem kleinsten Dorf eine Passage per Privat-Taxi gebucht werden.

Charakteristik der Region

Der große Kaukasus ist, da gibt es keinerlei Herumdeutelei, ein ausgewachsenes Hochgebirge. Der gesamte Gebirgszug, welcher sich auf 1100km von den üppigen Wäldern bei Sotschi bis zu den kargen Hügeln vor Baku erstreckt, gehört zweifellos zu den spektakulärsten Berglandschaften unseres Planeten. Swanetien ist eines der vielen Filetstücke dieses ausgesprochen leckeren Gebirges. An und für sich handelt es sich bei Swanetien, heute unter anderen um einen Teil der Region Mingrelien und Oberswanetien. Nach der geographischen Unterteilung des Großen Kaukasus gehört diese Region in die Kategorie des vergletscherten Hochgebirgskaukasus, also zu dem Teil mit den höchsten Gipfeln Elbrus (5642m), Dychtau (5204m), Schchara (5200m) sowie dem viertgrößten Gletscher der Welt Bezengi/Schchara.

Für jeden ist was dabei: Rhododendronfluten für uns Blumenkinder und Gletscherabenteuer für den geschätzten Nahtodliebhaber

Doch keine Sorge, es sind keinerlei Extrem- und Nahtoderfahrungen nötig um die Schönheit dieser einzigartigen Region zu genießen. Swanetien wird markant geprägt durch den Fluss Enguri. Ein Fluss, der nicht nur später auch als Grenzfluss zu Abchasien dient, sondern auch eine bedeutende Rolle für die Energieversorgung Georgiens (das Enguri-Wasserkraftwerk produziert 40% des georgischen Stroms) spielt. Wenn man grob diesem Flussverlauf folgt und lediglich die verschiedenen Bergkämme, welche das Haupttal zergliedern, überquert, kann man eine überaus angenehme Wanderung erleben, welche nie über 3000m ansteigt oder den angenehmen Bereich der Hochgebirgsvegetation verlässt.

Als beste Wanderzeit ist eindeutig der Hochsommer, also Juni-August zu betrachten. Wobei natürlich auch in diesen Monaten ständig mit wechselhaften Wetter zu rechnen ist. Mit Gewitter, Starkregen und Sturm ist hier stets zu rechnen. Dennoch empfiehlt sich diese Zeit aufgrund der langen Tage und der angenehmsten, zu erwartenden Temperaturen

Regeln&Gesetze

Wenn ich bei anderen Wanderregionen hin und her überlegte, wie dehnbar ich die Gesetzeslage zu den Themen Wildzelten und Lagerfeuer beschreiben soll, stellt sich hier nicht einmal die Frage. Abseits der Siedlungen ist Zelt und Feuer obligatorisch (so man in dieses Höhenlagen überhaupt ausreichend Feuerholz aufzutreiben im Stande ist). Diese selbstverständliche Art die Berge zu genießen, überrascht keinen, der nur einen kurzen Blick über diese ursprüngliche, herzzerreißend freie Landschaft geworfen hat. Mag sein, dass sich dies auch nur noch für kurze Zeit in dieser Form gewährleisten lässt. Denn, auch wenn der Kaukasus riesig erscheint, die wachsende Flut an Touristen, die die Schönheit Swanetiens entdecken wollen, nimmt von Jahr zu Jahr zu. Deshalb werden über kurz oder lang gewisse regulierende Maßnahmen nötig sein, damit die Natur nicht, wie schon so oft geschehen, vom Menschen zu Tode verehrt wird.

 

Natur, Landwirtschaft und Tourismus in einem Bild.

Ausrüstung&Fitness

Fangen wir mal mit Fitness an. Einleitend kann gesagt werden, dass es sich hier trotz des Schlagwortes “Großer Kaukasus” um eine durchschnittliche Kondition und Motorik abfordernde Hochgebirgswanderung handelt. Wer überlegt, sollte jedoch zwei Besonderheiten dieser Route im Auge behalten. Ein Pro-Argument ist die über alle Maßen durchdachte Wegführung der Wanderung. Jede Etappe hat einen Anstieg, welcher sich zwar von Tag zu Tag ein wenig steigert aber dank der  folgenden gelassenen Episoden über Bergweiden deutlich entspannt. Zudem bieten sich zahlreiche Gelegenheiten an, die Wasserreserven an frischen Quellen aufzufüllen oder gar ein kaltes Getränk zwischendurch zu erwerben. Außerdem ist die Tour problemlos ohne Zelt absolvierbar. Jede Menge “guesthouses” und andere Unterkünfte in den Siedlungen offerieren gerne Bett und Obdach. Daher kann man diese Wanderung auch durchaus mit leichterem Gepäck antreten. Das Kontra-Argument ist die Höhe. Wir befinden uns hier eigentlich ununterbrochen über 2000m und das verträgt nicht jeder gleichermaßen. Diese beiden Dinge wollen in der Planung immer bedacht sein.

Meine Ausrüstungsliste für eine zeltbasierten Wanderung im Hochsommer:

  • Zelt (ein 3-Jahreszeiten-Zelt, 2-3kg)
  • Schlafsack + Isomatte (trotz der butterweichen Wiesen empfehle ich die luftgefüllten Outdoor-Modella á la Thermarest)
  • Wanderschuhe + Wandersocken (hier sollte zu allerletzt gespart werden, deine Füße sind die Basis von all dem Spaß den du zu haben glaubst!)
  • Regenschutz (auf jeden Fall für dich und deinen Rucksack, Regenhose und Gamaschen sind eine Überlegung wert)
  • Sonnenschutz (in Form von Creme für die Haut, Brille für die Augen und Hut für den Kopf – nicht vergessen, wir sind hier immer über 2000m)
  • Klamotten (hier sollte jeder nach Gusto einpacken, ob T-Shirt oder Hemd, ob lange oder kurze Hose – auf jeden Fall nicht zu viel. Stichwort: unterwegs waschen)
  • wichtiger Kleinkram: Messer, Kochzeug, Medikamente, Kulturbeutel, Reisewaschmittel, Kompass, Wanderkarten, Powerbank, Plastiktüten, Gaffer undundund
  • Wasser (kann guten Gewissens vernachlässigt werden, der Weg führt zuverlässig an sprudelnden Quellwasser bester Qualität vorbei)
  • Lebensmittel (obwohl die Route einige Dörfer und Gehöfte quert, ist das Angebot hier eher rudimentär, sprich: Brot, Bier, Chacha und Snacks. Alles was darüber hinausgeht wie Gemüse, Suppen oder Konserven sollte vorsorglich in Mestia eingekauft werden)

 

Wegbeschreibung

Obzwar die Route, wie oben erwähnt, schon auf diversen Blogs und Outdoor-Portalen hinreichend beschrieben ist, möchte ich hier kurz meine eigenen Eindrücke und bemerkenswerte Eigenheiten des Weges hinzufügen. Auch ich empfehle die Route in vier Etappen abzulaufen, denn sie ist regelrecht zugeschnitten auf eben diese Einteilung. Auch die Laufrichtung von Mestia nach Ushguli würde ich favorisieren, da man auf diese Weise auf den Höhepunkt (im wahrsten Sinne des Wortes) zuläuft und nicht auf den dann doch etwas reizloseren Tourismus-Knotenpunkt Mestia.

1. Etappe (Mestia – Zhabeshi)

Das Mulakhi-Tal

 

Vom zentralen Platz in Mestia ausgehend (der Wegweiser mit dem heutigen Tagesziel Zhabeshi ist nicht zu übersehen) führt der Weg zunächst über den Chalaadi um sich dann sanft am Berghang aus der Stadt herauszuwinden. Die Landschaft ist waldig mit Bergweiden garniert und der heutige Aufstieg erfolgt nach einem Abzweig wenige Kilometer später und ist kurz und knackig, aber wirklich nur als Ouvertüre für die kommenden Aufstiege zu verstehen. Nach diesem Aufstieg sehen wir das Tal, welches wir den gesamten folgenden Tag durchwandern dürfen. Das Mulakhi-Tal ist eine gut bewirtschaftete Region mit jeder Menge kleiner Gehöfte die schon von Weiten an ihren markanten Wehrtürmen zu erkennen sind. Offensichtlich gibt es hier auch mehr als eine Alternative um nach Zhabeshi zu gelangen. Nach dem Aufstieg muss es auch einen weniger ausgetretenen Pfad geben, der noch etwas länger die Höhe hält bis er ins Tal hinunter geht. Außerdem führt der offizielle Weg nach Cholaschi auch nicht über die Brücke sondern geht links vom Fluss um erst bei Zhabeshi den Mulkhura zu überqueren. Wir wählten die Brücke und die Landstraße um nach Zhabeshi zu gelangen. Der Bekanntheitsgrad dieser Strecke macht sich im übrigen die ganze Zeit an den zahlreichen, gastfreundlichen Angeboten für Bier, Wifi und Pferde bemerkbar.

Der Tourismus ist hier schon längst aus den Kinderschuhen raus – Grundbedürfnisse auf swanisch

So kann diese Etappe als hervorragende Einstiegstour betrachtet werden. Der Aufstieg ist für den Anfang nicht zu heftig, der Weg ist selbst für Anfänger mühelos zu bewältigen und der Weg im Tal bietet jede Menge Einkehrmöglichkeiten und entzückende Picknickplätze. In Zhabeshi selbst kann man auf die Angebote eines der guesthouses eingehen oder in der Umgebung zelten. Frühes Einschlafen sei anempfohlen denn am nächsten Tag droht der mächtigste Anstieg dieses Wanderwegs.

2. Etappe: Zhabeshi-Adishi

An diesem Tag wird es dann zum ersten Mal richtig anstrengend. Die ersten Stunden sind einem stattlichen 1000-Höhenmeter-Event gewidmet. Doch angesichts der zahlreichen wackeren Kühe, denen man beim Aufstieg begegnet, will man nicht kleinmütig aufgeben und kämpft sich den größtenteils sehr angenehm gestalteten Weg hinauf. Sobald man die Piste des Skilifts sieht hat man es geschafft. Interessanterweise hat es sich hier mit dem Überangebot an feilgebotenen Getränken. Die staubige Schotterpiste, die den Berg noch weiter hinaufführt, ist keinesfalls garniert mit etwaigen gastronomischen Angeboten. Allenfalls nach dem der Wanderweg von der Piste, an den Berghang ins Tal abzweigt, gibt es eine kleine Imbissbude, die aber für uns geschlossen hatte (wahrscheinlich weil es Sonntag war).

Das Adishi-Tal

Danach führt der Weg mit grandiosen Aussichten am Bergrücken hinunter in das nächste Tal – das Adishi-Tal. Auf dem Weg ins heutige Etappenziel kreuzen zweimal kleine Bergflüsse den Weg, welche sich in vorzüglichster Weise für eine ausgedehnte Rast anbieten. Der restliche Abstieg führt über deutlich zugewuchertere Wege. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Tälern sind aber nicht nur an ihrem Bewirtschaftungsgrad zu erkennen. Teilweise finden sich hier konkret andere Bäume und Pflanzen. Urplötzlich erscheint nach einer Kurve Adishi im Sichtfeld und ich muss gestehen, dieses Dorf sollte für mich das schönste Bergdorf werden, welches ich auf dieser Reise sehen durfte.

Adishi

Auch hier wie immer die Option auf guesthouse oder zelten. Wir entschieden uns noch ein paar Meter weiter zu laufen und schlugen auf einer Wiese unser Lager auf. Nur um wenig später einen der spektakulärsten Sternenhimmel zu sehen, den ich je erblicken durfte.

3. Etappe: Adishi-Iprali

Die heutige Etappe steht der gestrigen Etappe kaum in etwas nach, außer dass sie vielleicht ein wenig sanfter zu nehmen ist. Dafür beinhaltet sie zwei Höhepunkte: einen aufgrund seines besonderen Thrills und der andere im wortwörtlichen Sinne. Der erste Höhepunkt folgt nach kurzem entspannten Schlendern am Flusstal entlang, denn dieser reißende Gletscherbach muss überquert werden und es gibt keine Brücke. Etliche findige Georgier wissen um dieses Nadelöhr und haben mit ihren Pferden schon in der Frühe Stellung bezogen. Gegen den kleinen Obulus von 20 Lari (ca. 6-7 Euro) sind sie bereit den vorsichtigen Wanderer zu Pferde über die “Furt” zu bringen. Doch es besteht auch die Möglichkeit, es ohne Pferde zu probieren. Ein Teil unserer Wanderergruppe wagte dies und zwar erfolgreich. Alles Wertvolle in Plastetüten verpackt, Hose ausgezogen und mit Outdoorsandalen und einem soliden Wanderstock bewaffnet, gelang uns nach einem anfänglichen Reinfall die Überquerung. Als Ratschlag sei hier angemerkt, dass die Überquerung so früh wie möglich am ratsamsten ist, da der Flusspegel im Laufe des Tages aufgrund des zunehmenden Schmelzwassers spürbar ansteigt. Auch die Wassertemperatur hat mich dann doch nicht unerheblich erschrocken. Was banal erscheinen mag, aber frisches Gletscherwasser ist wohl definitiv Wasser in seiner kältesten Form.

Die Herausforderung des Tages.

Doch danach hat man ja sogleich wieder Gelegenheit um auf Betriebstemperatur zu kommen, denn nun folgt der Aufstieg zum höchsten Punkt dieser Wanderung. Auch dieser Aufstieg ist bei allen kraftraubenden Höhenmetern wieder mit Umsicht in den Hang gezirkelt. Den mächtigen Gletscher im Rücken schnauft man durch unendlich erscheinende Rhododendronmeere zum Sattel hinauf bis man auf dem Sattel auf etwa 2750m ankommt. Hier bestünde die Möglichkeit den Rucksack abzusetzen und den kurzen Abzweig zu den umliegenden Gipfeln ohne Gepäck zu erklimmen (Entweder den Bergkamm nordöstlich nehmen um noch einen besseren Blick auf den Adishi-Gletscher zu ergattern oder den Kammweg in südwestlicher Richtung gehen um den Chkhutnieri (3036m) zu erklimmen) Oder man macht an dieser Stelle nur eine gediegene Pause, genießt die atemberaubende Aussicht und ist verdammt stolz auf sich.

Der Tageshöhepunkt – einfach mal die Füße hochlegen.

Was nun folgt, ist in meinen Augen immer mehr das ekelhafteste am Bergwandern – der Abstieg. Über 1100m geht es nun hinunter und 600m davon auf übelste Weise. Doch auch das kann mit viel Zähne zusammenbeißen und kleinen Tippelschritten gemeistert werden. Angekommen auf knapp 2000 Höhenmetern am Fluss des nächsten Tals (Chaldeshala-Tal) geht es gemächlich, immer wieder gespickt mit Aussichten auf steile Abgründe und muntere Wasserfälle, weiter und weiter bergab. Kurz vor dem heutigen Tagesziel lädt in dem kleinen Dorf Khalde noch eine Schenke zum kurzen Verweilen ein. Doch es empfiehlt sich, hier nicht hängenzubleiben, sondern die letzten Meter bis Iprali zu wandern. Auch hier wieder die gewohnte Dualität von guesthouse oder zelten.

4. Etappe: Iprali-Ushguli

Im Geiste der Wohldurchdachtheit dieser Route folgt nun ein wunderbarer Ausklingtag. Recht wenig Höhenmeter stehen an, demzufolge vertretbare Anstiege und verschmerzbare Abstiege. Schon reichlich sonderbar wenn man bedenkt dass das Etappenziel von sich behauptet, das höchstgelegene, dauerhaft bewohnte Dorf Europas zu sein. Aber wir sind halt schon die ganze Zeit verdammt hoch, da bedarf es für solcherlei Superlative vergleichbar wenig Anstrengung.

Zunächst beginnt der Tag mit einem Abstieg nach Kala. Hier stoßen wir nach langer Zeit erstmals wieder auf den Enguri. Doch nach einem kleinen Landstraßenbegängnis zieht sich unser Weg bald wieder nach links den Bergkamm hinauf. Es gibt hier auch die Möglichkeit der Landstraße weiter zu folgen um direkt nach Ushguli zu wandern, doch wir sind hier zum Natur genießen und können einer staubigen Landstraße wenig abgewinnen. Der Weg, welcher nach einem kleinen Aufstieg derart meisterhaft in den Berghang gezimmert ist, dass das auf- und ab nahezu bei Null ist, führt erneut durch eine gänzlich andere Vegetation – knurrige Eichen, Ebereschen und zahlreiche andere bislang nicht erblickte Laubbäume säumen den Weg. Irgendwann führt auch der Wanderweg wieder hinunter zur Straße, die es nun auch geschafft hat, sich in Serpentinen auf die Sollhöhe zu schnörkeln. Nun muss nur noch etwas Landstraße gelaufen werden und man sieht das Ziel des Weges – Ushguli.

 

Anschlusswanderungen

Natürlich empfehle ich wärmstens in Ushguli länger als eine Nacht zu bleiben. Allein um den Schchara-Gletscher soweit wie möglich zu erklimmen. Dies ist mit einer Tageswanderung von Ushguli problemlos möglich. Routenbeschreibungen hierzu gibt es ebenfalls in ausgezeichneter Güte.

Doch fürs Weiterwandern schließt sich der Kurs auf den Gletscher selbstverständlich aus. Dahingehend gibt es meines Erachtens nur zwei Möglichkeiten (wenn man mal das langweilige, gleicher Weg zurück auschließt):

  • Die Landstraßenvariante: die besagte Landstraße endet nicht in Ushguli, sie wird nur schlechter. Umso besser für Wanderer, da ab jetzt hier wirklich nur noch Jeeps und Pferde verkehren können. Folgt man dem Straßenverlauf umgeht man den anspruchsvollen Bergkamm und wandert am Flusslauf in das parallel gelegene Tal nach Oberswanetien. Für den etwas erschöpften Wanderer, der aber nun, nachdem er in vier Tagen so weit gekommen ist, nicht gleich wieder in die Niederungen der Zivilisation zurückkehren möchte, genau das Richtige.
  • Die Hardcore-Variante: Wenn man aber gerade jetzt so richtig auf Touren gekommen ist und dann auch noch das Wetter mitspielt, dann spricht eigentlich nichts gegen die Idee über den Latphari-Pass in das Chvelpi-Tal zu wandern. Auch hierfür gibt es selbstverständlich eine Routebeschreibung. Diese Tour ist aber wirklich nur für erfahrene Wanderer, die sich fit fühlen und ein gutes Gefühl hinsichtlich des Wetters haben, geeignet. Die 25 km lange Strecke führt auf den Latphari-Pass, welcher knapp um die 3000 Höhenmeter liegt. Dieser Kamm muss nicht nur überquert werden, der Weg hält sich eine nicht unerhebliche Zeit auf dieser Höhe auf bis er ins Tal hinab führt. Zusätzlich sei erwähnt, dass der nun folgende Abstieg ebenso anspruchsvoll wie das zuvor Erwähnte sein dürfte. Da Übernachtungen auf Kammhöhe selbst bei idealsten Wetter knifflig sein dürften, muss diese Etappe wohl in den meisten Fällen in einem Ruck erfolgen. All dies bitte ich zu bedenken, doch sollte man sich dazu entscheiden, ist es wohl unzweifelhaft die lohnenswerteste Anschlusswanderung.

Ratgeber: Erstkontakt – Begegnung der armenischen Art

 

Während Georgien, die fröhlichste Baracke des Kaukasus, aktuell immer mehr in den Fokus des internationalen Tourismus gerät, verharrt das, als melancholisch und strandlos verschriene Armenien weiterhin gelassen im Hintergrund. Wenn sich also die Reiseführerausgaben zu Georgien nahezu täglich verdoppeln und in den Altstadtlokalen Tbilisis sich der Rollkoffer-Jetset aus Billigfliegerstan verschwörerisch zuprostet, ob ihrer Chupze in solch ein abgefahrenes Land zu reisen, so bleibt man zwischen Jerewan und Sewansee von derlei Tendenzen bislang noch verschont. Einzig ein paar versprengte bildungsorientierte Reisebusladungen an den ausgewiesenen Kunstgeschichts-Hotspots sowie vereinzelte, russische Partynomaden zeugen hier von einem real existierenden Fremdenverkehr. Dabei hat das kleine Armenien durchaus etwas im Angebot. Ja, es gibt in der Tat kein Meer und das hiesige Gebirge muss das schmälernde Adjektiv “klein” erdulden, doch wie im weiteren ausgeführt werden soll, sind all dies nicht im Geringsten Gründe um das unscheinbare Kleinod an der äußersten Kante des europäischen Balkons mit Missachtung zu strafen.

Reiseland Armenien

Ob der offensichtlichen Unbekanntheit Armeniens sollen hier zu Beginn noch ein paar einleitende Worte stehen. Das kleine Bergland, das nur einige Quadratkilometer größer als Brandenburg ist, zwängt sich im südlichen Kaukasus zwischen Georgien, Aserbaidschan, die Türkei und den Iran. Und auch wenn das Adjektiv “klein”, wie bereits erwähnt, im Zusammenhang mit Armenien erstaunlich oft auftaucht, so befinden wir uns hier beispielsweise im Kleinen Kaukasus am Übergang zwischen Transkaukasien und Kleinasien, so darf es nicht darüber hinwegtäuschen, dass Armenien ein lupenreines Bergland ist. Im Gegensatz zu seinen kaukasischen Nachbarn gibt es hier keinerlei relevante Tiefebene oder eben wenigstens eine Meeresküste. 90 % der Landesfläche liegen mehr als 1000 Meter über dem Meeresspiegel, die mittlere Höhe beträgt sogar 1800 Meter.

Das Gebiet des heutigen Armeniens entspricht lediglich dem nordöstlichen Teil des viel größeren ehemaligen armenischen Siedlungsgebiets. Die wechselhafte und tragische Geschichte der Armenier sollte, wenigstens in Grundzügen vor Reiseantritt überflogen werden. Neben Geschichte haben die knapp drei Millionen Armenier aber etliche andere reichlich originäre Accessoires im Repertoire. So brüstet man sich (zumeist historisch korrekt) mit folgenden schillernden Alleinstellungsmerkmalen:

  • das erste Volk (im Jahr 301) zu sein, welches das Christentum zur Staatsreligion erklärte
  • eines der ältesten noch aktiv genutzten Alphabete zu besitzen (zwischen 403-406; zudem noch eine der wenigen Schriftsprachen, welche gezielt erfunden wurde – detaillierter bei typographie.info)
  • und auch wenn der Georgier an dieser Stelle laut und doch mit spürbarer Unsicherheit auflacht, der Wein hat in Armenien eine längere Tradition als in Georgien, somit kann Armenien als Wiege des Weins bezeichnet werden (vor 6100 Jahren)
  • der älteste Lederschuh der Alten Welt wurde hier gefunden (200 Jahre älter als Ötzis Schuhe)

Allein die Sache mit dem Wein sollte schon genügen um Armenien exzessiv zu huldigen und zu danken. Und dies am besten vor Ort. Weitere spannende Fakten, die Armenien zu etwas Besonderen machen auf madlovelyword.com.


Erster Blick auf Jerewan am Morgen. Die Stadt, die viel darauf gibt 29 Jahre ewiger als Rom zu sein.


 

Das allgemeine Grundgefühl in Armenien ist beruhigend und entspannt. Die Menschen sind freundlich, unaufdringlich und stets daran interessiert, den ahnungslosen Armenienentdeckern unter die Arme zu greifen. Kriminalität oder Übergriffigkeit in welcher Form auch immer konnten wir in der kurzen Zeit, die wir hier verbrachten, jedenfalls nicht im Geringsten entdecken. Zusätzlich erleichternd mag für Russischsprachige der Umstand sein, dass Russisch hier noch unzweifelhaft die allgemein anerkannte Verkehrssprache ist, und nicht wie im Nachbarland Georgien, wo die Sprache stets aufs Neue verhandelt werden muss und das Angebot zum Russischen bisweilen auch völlig missverstanden werden kann.


Andere Wissensquellen

Das Angebot kann nicht anders als mager bis dürftig beschrieben werden. In den üblichen Reiseführerregalen gähnt einen diesbezüglich ernüchternde Leere entgegen. Außer dem allgegenwärtigen Lonely Planet fand ich nicht viel neben einem Architekturführer Jerewan, dem Kunstgeschichtewälzer von Dumont und dem stets präsenten Trescher-Büchlein. Die beiden letzten Ausgaben erschienen 2018, möglicherweise ein schwaches Indiz für einen aufkommenden Trend des Armenientourismus in näherer Zukunft? Die Suche nach Wanderführern führt dagegen offline wie online nur zu recht unbefriedigenden Ergebnissen. Die beste Quelle für unsere Zwecke, einer Wanderung in der Armenischen Schweiz, fand ich dann doch noch am ehesten auf der recht vorsintflutlich erscheinenden, offiziellen Internetpräsenz des Dilijan-Nationalparks sowie auf diversen Internetportalen zur Wanderroutenplanung (bspw.: gpsies.com).

Ein Literaturtipp der spezielleren Art wäre noch “Die vierzig Tage des Musa Dagh”. Dieser Versuch von Franz Werfel die Geschehnisse des versuchten Völkermords an den Armeniern von 1915 zu verarbeiten, mag nicht für jeden die ideale Reiselektüre sein. Angesichts der Bedeutung die dieses historische Ereignis für die Armenier bis heute darstellt sowie dem verzweifelten Interesse derlei bestialische Grausamkeiten, die der Mensch dem Menschen antun kann, verstehen zu wollen und nicht zuletzt aufgrund des meisterhaften Stils Werfels sei dieser Roman jedoch voller Inbrunst anempfohlen.


Einreise

Hinsichtlich der formellen Bedingungen des Ankommens werden dem EU-Bürger, ähnlich wie in Georgien, wenig Steine in den Weg gelegt. Einziger Unterschied ist hier nur, dass ein Personalausweis nicht ausreichend, sondern ein Reisepass vonnöten ist. Damit ausgestattet darf man Armenien ohne viel Federlesen ganze 180 Tage am Stück genießen.

Anreise

Eingeklemmt zwischen den zwei Problemzonen Aserbaidschan und Türkei gibt es auf dem Landweg aktuell nur die Möglichkeit über Georgien oder den Iran einzureisen. Die Grenzüberquerung von Georgien aus kann ich aus persönlicher Erfahrung als problemlos schildern (abgesehen von der wirklich katastrophalen Qualität der Straßen auf armenischer Seite). Es gibt die zwei Hauptgrenzübergänge von Bagratashen und Sadakhlo sowie einen westlich gelegenen Grenzübergang bei Bavra mit dem man im Bedarfsfall über Achalziche nach Adscharien gelangen kann (auf dem Weg läge dabei auch das hier unter “Kultur” beschriebene legendäre Höhlenkloster von Vardzia). Das populärste Reisemittel für diese Strecken ist zumeist die Marschrutka, mehr oder minder akzeptabel instandgehaltene Minibusse, die in stoischem Gleichmut den immer schlechter werdenden Zustand der armenischen Straßen hinnehmen und trotz widrigster Verhältnisse die Fortbewegung im Kaukasus gewährleisten.


Auch wenn ihr Signalton auf dem letzten Loch durch die Täler gellt – tapfer stellt sie sich den Widrigkeiten der Zeit – die Eisenbahn in Armenien


 

Selbstverständlich gibt es auch die edelste von allen Reiseformen um in Armenien anzukommen – die Eisenbahn! Es mag nicht allzu sehr überraschen, aber in Ländern, die derart unter dem Zerfall der öffentlichen Infrastruktur zu leiden haben, ist die Bahn naturgemäß eine der leidtragendsten Protagonisten. Und dennoch rumpelt sie unverdrossen weiter über die krummen Gleise und ist trotz Bummeltempo die mit weiten Abstand beste Reisealternative im Kaukasus. Die Harawkowkasjan Jerkatughi (Südkaukasische Eisenbahn), eine hundertprozentige Tochter der russischen Bahn, bedient ein breitspuriges 845km-Streckennetz, welches durch besagte Streitereien mit den Nachbarn durch Stilllegungen gen Türkei und Aserbaidschan spürbar kastriert wurde. Neben vereinzelten, scheuen Regionalverbindungen, so zum Beispiel zum Sewansee, gibt es aktuell nur noch eine internationale Verbindung. Diese geht, wen wundert’s, nach Georgien. Außerhalb der Saison (Anfang Oktober bis Mitte Juni) verkehrt lediglich ein Zug zwischen Jerewan und Tbilisi an ungeraden Tagen, in der Saison wird dieses Angebot auf einen täglichen Zug zwischen Jerewan und Batumi erweitert. 

Richtung Iran gibt es eisenbahntechnisch bislang nur Pläne, denn die einstmals funktionierende Bahnverbindung kann ja wegen dem üblichen zänkischen Kleinklein nicht genutzt werden (s. Exklave Nachitschewan). Per Marschrutka scheint der Grenzübergang in den Iran, über den höchsten Pass des Landes (Meghri, 2535m) aber offensichtlich eine recht entspannte Angelegenheit zu sein. Für eine Weiterreise in den Iran sei zu bedenken, dass hier noch Visapflicht herrscht, dies kann aber mühelos online erledigt werden (€40-€80 für 60 Tage).

Ansonsten bleibt aufgrund besagten Küstenmangels nur noch das schmutzige Flugzeug. Hier ist die einzige Landegelegenheit der Flughafen Jerewan. Da dieser gerade tagsüber umgebaut wird, kommen die meisten Flugzeuge spät in der Nacht an. Verbindungen gibt es auch nicht übermäßig viele. Direktflüge nach Deutschland gibt es zum Beispiel kaum. Es bietet sich wohl eher, auch aus Kostengründen, ein Flug mit LOT, Czech Airlines oder Ukrainian Airlines an. 

Herumreisen

Obwohl hierzu ja schon einiges gesagt wurde, möchte ich auf dieses Thema noch einmal näher eingehen. Zunächst sei aus meiner Beurteilung Georgiens von vor 2 Jahren folgendes zitiert: 

…infrastrukturell gesehen ist Georgien ein elendiglich nach Luft schnappendes Elend. Eisenbahnen verkehren selten und bedienen nur ein Minimum des Notwendigen. Der öffentliche Nahverkehr leidet unter offensiver Vernachlässigung und die Straßen zehren seit Jahrzehnten von der Substanz.

Dies kann vollumfänglich für Armenien als gültig betrachtet werden. Doch ein paar nennenswerte Unterschiede wären da noch. Da wäre auf jeden Fall die Fahrweise der Armenier. Überraschenderweise unterscheidet sich diese gewaltig von der stets präsenten Selbstmordattitüde des georgischen Fahrstils. Alle Armenier, die uns durch ihr Land steuerten, taten dies unverhofft überlegt und entspannt. Wenn man von den wütenden Tiraden, die jeder Fahrer ab und an dem jeweiligen Unbill entgegenwarf, absehen würde, könnte man sogar von Gelassenheit sprechen. Eine weitere Ungewöhnlichkeit ist die hiesige Häufigkeit an mit Gas betriebenen Autos. Aufgrund der Energiesituation in Armenien erfreut sich Erdgas als Energielieferant fürs Auto großer Beliebtheit. Glaubt man den inoffiziellen Zahlen, könnte der Anteil gasbetriebener Autos in Armenien sogar weltweiter Rekord sein. Relevant für den Reisenden ist das einzig des Umstands wegen, dass im Kofferraum zumeist etwas weniger Platz für den Rucksack eingeplant werden sollte.


Keine Mitfahrgelegenheit wie jede andere – ein schmucker Wolga, aus dem selben Baujahr wie ich.


 

Ansonsten ist es der vertraute, postsowjetische Dreisatz aus Eisenbahn, Marschrutka und Taxis (offiziell wie freischaffend), welcher dafür sorgt dass man munter durch die Gegend transportiert wird. Es versteht sich von selbst, dass man hierfür stets ausreichend Geduld und Gleichmut dabei haben sollte, doch auch wenn es manchmal etwas länger dauern sollte, das Ziel entschädigt in den allermeisten Fällen.

Sprache

Erneut möchte ich den hier bereits erwähnten Georgien-Bericht zitieren:

“Der Kaukasus galt in der Antike als der “Berg der Sprachen”, Strabo spruch einst von nicht weniger als 70 Dolmetschern, die man benötigte um allein am Schwarzen Meer erfolgreich Handel zu betreiben. Derlei Vielfalt, so sie in diesem Ausmaß je bestanden hat, ist zwar längst Vergangenheit, doch die Zahl und Eigenheit der hiesigen Schriften und Sprachen weiß immer noch zu faszinieren. Neben Georgisch werden hier noch 23 Sprachen aus sechs verschiedenen Sprachfamilien gesprochen.”

Nun, mit Armenisch handelt es sich dann unzweifelhaft um eine dieser 23 Sprachen und die hat es in sich. Wenn ich hier schon in aller Form meine Ehrfurcht vor den Geschichte atmenden Schnörkeln Georgiens offenbarte, so handelt es sich bei Armenisch natürlich auch nicht direkt um ein geschichtsarmes, neumodisches Kommunikationsmittel. Natürlich nicht.

Ein Denkmal für Buchstaben – Götzenbilder nach meinem Geschmack!

Abgesehen von ein paar kleineren updates wird Armenisch seit über 1500 Jahren in dieser Form dauernd benutzt. Es handelt sich um eine indogermanische Sprache mit vielen Parallelen zum Griechischen, dessen Buchstaben man auch nutzte bis man Anfang des 5. Jahrhunderts auf die Idee kam sich ein eigenes Alphabet zu schnitzen. Der Gelehrte und Mönch Mesrop Maschtoz schuf in wenigen Jahren (er kreiirte im übrigen auch das georgische Alphabet) etwas auf das die Armenier bis zum heutigen Tage ungemein stolz sind. Denn nicht nur dass das armenische Alphabet damit zu den wenigen Alphabeten weltweit gehört, welches gezielt erfunden wurde, es blieb ihr wichtigstes, vielleicht einziges Instrument um in den folgenden Jahrhunderten gegen alle Widerstände ihre Identität zu bewahren.


Der erste Satz, der in Armenisch aufgeschrieben wurde: “Weisheit zu lernen, Unterweisung erreichen und Verständnis erlangen”

Und so entstand hier eine beindruckende wie einzigartige Liebe zu Buchstaben die man auch im Alltag kaum übersehen kann. Alphabete werden dekorativ an die Wand gehängt, ob in Stein gekerbt, in Stoff gefärbt, auf Leder gemalt oder in Teppiche gewebt – allerorten sind diese sonderbaren Zeichen präsent. Im Dorf Artaschawan, am östlichen Fuß des Berges Aragaz wurde zum 1600jährigen Jubiläum der Schöpfung des armenischen Alphabets ein Steindenkmal der armenischen 39 Buchstaben gebaut. Und auch wenn ich viel zu wenig von Sprachen verstehe um zu begreifen was damit gemeint ist wenn behauptet wird, dass das armenische Alphabet neben dem Georgischen und dem Koreanischen zu den fortschrittlichsten Schriftsprachen der Welt gehöre, so muss ich anmerken, dass ich mit dem diskreten Charme der armenischen Buchstaben deutlich weniger Mühe hatte als mit den gezierten Schnörkeln Georgiens.

Menschen

“Unbestritten das Salz in der Suppe. Abseits jeder Verallgemeinerungen und sonstiger Über-den-Kamm-Schererei kann hier die Aussage getroffen werden, dass zwischen Großem und Kleinem Kaukasus ein ungemein herzlicher Menschenschlag lebt, der sich dabei stets unaufdringlich und galant um die Befindlichkeit seiner Gäste sorgt.”

Es bleibt dabei –  diesbezüglich gibt es schlicht und einfach nichts zu meckern.  

Kulinarik

Leider muss ich gestehen, dass ich ganz im Gegensatz zu meinen sonstigen Gewohnheiten diesen Aspekt dieses Mal etwas stiefmütterlich behandelt habe. Die massive Hitze und der rasche Aufbruch in die Berge sorgten dafür, dass wir erschreckend wenige Kontakte mit der armenischen Küche aufnehmen konnten. Doch die wenigen Berührungspunkte die es gab, ließen in mir den Eindruck entstehen, dass sie armenische Küche schon etwas stärker an die arabische, türkische Küche angelehnt ist als die georgische. Brot (Lawasch) und Lamm werden hier beispielsweise deutlich fanatischer gewürdigt. Doch letztlich ist es ähnlich wie mit dem Essen in Georgien: es mögen traditionelle und mit Liebe zubereitete Gerichte sein, deren bisweilen zungenbrecherische Bezeichnungen man sich verzweifelt zu merken versucht, das Besondere neben all der Liebe und Leidenschaft mit der man hier im Kaukasus den Gaumen verwöhnt, ist die Verarbeitung von frischen und natürlichen Zutaten. Wozu viel Würzen und Zaubern wenn schon eine schlichte Tomate ein Geschmacksfeuerwerk sein kann? Warum nach dem großen Geheimtipp suchen, wenn man allein des Duftes wegen, welcher aus den kleinen Bäckerluken strömt, Mord -und Brotschlag begehen würde. Ihr könnt einfach keine Fehler machen wenn ihr in Armenien esst, dennoch seien ein paar spezielle Gerichte auf die Liste getan, die, so sie euch über den Weg laufen, unbedingt probiert gehören:

  • Chasch (aus Kuhhaxen und manchmal Kutteln hergestellter Eintopf)
  • Harissa (möglicherweise DAS Nationalgericht Armeniens, dem auch in den “Vierzig Tagen des Musa Dagh” eine tragende Rolle zukommt; aromatischer Brei aus Weizen und Hühnerfleisch; nicht zu verwechseln mit der nordafrikanischen Würzpaste gleichen Namens)
  • Matsunapur oder Spas (eine kräftig-pikante Joghurtsuppe aus dem armenischen Joghurt namens Matsun)
  • Gata (beliebtestes armenisches Gebäck, erinnert an Blätterteigkeks mit Füllung)

Und natürlich Wein. Jeder oberflächlich am Kaukasus Interessierte weiß bei diesem Thema um die Allmacht georgischer Deutungshoheit. Wino ist ein georgisches Wort, 500 Rebsorten sind rein endemisch nur in Georgien zu finden, Tamadan, Tanz und Lebensfreude – in dieser Hinsicht lässt sich der Grusinier ungern die Butter vom Chatschapuri nehmen. Und dennoch weiß der Armenier still und beharrlich auf unumstößliche Legenden und Fakten zu verweisen. Die Sache mit der Arche Noah und den demzufolge an den Hängen des Ararat stante pede angelegten Weinhängen schenken wir uns mal lieber. Doch der eingangs erwähnte archäologische Fund des ältesten Weinguts der Welt in Areni spricht eine andere Sprache. Auch wenn Armenien als das Land mit den qualitativ besten Weißweinen der ehemaligen UdSSR gilt, so ist es vor allem bekannt durch seine süßen Dessertweine. Zu erwähnen wären hier die Varianten von  Sherry (Aschtarak, Bjurakan), Madeira (Oschakan), Malaga (Arewschat) und Portwein (Aigeschat). Doch wenn man liest, dass über die Hälfte des angebauten Weins in die Produktion von Branntwein fließt, weiß man wer der wirkliche Star der armenischen Getränkeszene ist – Cognac! Ararat, wie könnte er auch anders heißen, ist wohl der bekannteste Weinbrand der Sowjetunion und zahlreiche Experten (auch nichtarmenische) behaupten, es wäre der beste Cognac der Welt.

Das vielgepriesene armenische Gold.

Neben all den bereits aufgezählten Segnungen mit denen Armenien die Welt beglückte, muss natürlich auch noch eine ganz besondere Frucht gewürdigt werden, die ihren Siegeszug an den Hängen der armenischen Berge begann – der armenische Apfel, prunus armeniaca, die Aprikose! Archäologische Ausgrabungen belegen den Anbau von Aprikosen in Armenien schon im 4. Jhdt. v. Chr. Und so eroberte sich die Aprikose über die Jahre hinweg den Rang als Symbol Armeniens. Zwar ist die Saison kurz, von Juni bis Anfang August, doch in dieser Zeit ist ein gedeckter Tisch ohne frische Aprikosen unvorstellbar. Sie wird zum Frühstück, als Beilage zu Hauptspeisen und als Nachspeise serviert. Doch auch nach der Saison klingt die Erinnerung an die sonnenverwöhnte Frucht nach. Ob getrocknet, als Marmelade oder eben als Holz des nationalen Blasinstruments, des “Duduks”. Es versteht sich daher fast von selbst, dass beim jährlich stattfindenden Filmfest von Jerewan nichts anderes als die “Goldene Aprikose” verliehen wird.

Reiseziele – Armenische Schweiz

Nach derartig massiver einleitender Lobhudelei kommen wir nun zum Kern des Pudels: Was kann man denn so Schönes machen in Armenien? Eine gute Frage, denn obwohl es sich hier um die kleinste Sowjetrepublik handelt, scheint kein Zeitraum angemessen um wirklich alle Wünsche erfüllen zu können. Daher präsentiere ich hier ein paar Vorschläge, was ich machen würde, bzw. was ich bereits erlebt habe und empfehlen kann. Fangen wir an mit einer Wandertour in der Armenischen Schweiz.

Der Dilijan-Nationalpark fiel mir schon bei den ersten Vorbereitungen gefällig ins Auge. Denn der Großteil der Landschaftsaufnahmen von Armenien sah erschreckend baumlos, trocken und karg aus. Nun können derlei Gegenden durchaus gefallen, der freie Blick, die Grenzenlosigkeit des Horizonts und die Nichtigkeit des eigenen Seins können befreiend und erholsam sein. Doch ich bin ein Freund von wilder Vegetation  und Sorglosigkeit um den nächsten Wasserschluck. So rückten die Berge des Dilijan-Nationalparks in den Fokus.

Freundliche Warnung am Wegesrand. Schön es auf diese Weise bestätigt zu haben, dass das auffällige Knirschen der Knie berechtigt zu sein scheint.

Im äußersten Nordosten, in der Tawusch-Provinz gelegen, befindet sich auf 240 qkm eine teilweise unberührte Waldlandschaft, mit etlichen Heilwasserquellen und vielen Klöstern und anderen historisch interessanten Steinhaufen. Wenn man durch die schattigen Buchenwälder und saftigen, lichtdurchfluteten Auen wandelt, fragt man sich zwar schon manchmal warum man hierfür mehrere tausend Kilometer hinter sich bringen musste. Zu sehr erinnert dieses Gebirge in Asien an einen Wanderweg in der böhmischen Schweiz oder ähnlichem. Doch die Höhe der umliegenden Berge (deutlich über 2000m) und die Einsamkeit in der Natur verweisen sanft auf den kleinen Unterschied. Auf der oben erwähnten, offiziellen Seite des Nationalparks finden sich zahlreiche Tourenvorschläge, selbst erwandert kann ich nur folgenden Weg weiterempfehlen:

Von Dilijan zum See Parz und zurück (2 Tage, etwa 40km, ca. 1500 Hm)

Sobald man im Zenrum Dilijans angekommen ist und sich wanderfertig fühlt, gilt es nach diesen Wanderzeichen Ausschau zu halten.

Innerhalb des Dilijan-Nationalparks weisen diese Zeichen den richtigen Weg. Praktischerweise ist das was ich erst für ein Haus hielt, ein Pfeil. Dieser zeigt dann auch gleichermaßen die korrekte Richtung an.

Der Weg schlängelt sich überraschend schnell über eine Hintertreppe aus der Stadt und schon ist man zwar noch in Straßenhörweite aber auch mitten im Wald (Traumzeltplatz für zu spät Eingetroffene!). Nach leichtem Aufstieg in duftendem Nadelwald kehren wir noch kurz zu den Ausläufern der Stadt zurück (letzte Chance für Lebensmitteleinkäufe oder ein kaltes Getränk!) um danach hinaus auf die menschenleeren Weiden und Auen zuzulaufen(wir folgen weiter dem “Transcaucasian Trail” auch wenn der “Skywalk Trail” noch so verlockend klingt). Der Weg zieht sich gemächlich auf eine idyllische Bergwiese die mit 1750Hm auch gleichzeitig den Scheitelpunkt dieser Wanderung darstellt.

Der Höhepunkt der Wanderung: Eine Bergwiese fernab von allem.

Ab hier geht es über sanft in den Berg geträumte Waldwege entspannt hinab zum See Parz. Dieser ist aber, gelinde gesagt, eine kleine Enttäuschung. Nach stundenlangem Wandern in totaler Naturversunkenheit ohne jedwede zivilisatorische Störgeräusche platzt man hier in ein Event-Hotspot der unerwarteten Art rein. Dieser Bergsee ist so natürlich, dass sogar das Baden verboten ist, was angesichts des grünlichen Breis, den man hier traurig gegen den aufgewühlten Strand schwappen sieht, nicht weiter traurig macht. Ich empfehle nach ausreichender innerer Erfrischung durch die hiesigen gastronomischen Segnungen den Weitermarsch die Straße hinauf um dann die Rückwanderung Richtung Dilijan einzuschlagen. Selbstverständlich kann man von hier, sollte man etwas mehr Zeit haben, auch weiter Richtung See Gosh zu ziehen.

Das größte Glück auf dieser Erde, hängt nicht nur dran, an einem Pferde.

Unsere kleinere Route empfiehlt sich eher für ein knapp bemessenes Wochenende. Schlafgelegenheiten finden sich kurz hinter dem Trubel des Sees zuhauf. Besonders empfehlenswert jedoch ist das frisch errichtete Wiederansiedlungsgehege für Maral-Hirsche (nach dem die Straße den Kamm überquert hat, sieht man linkerhand eine Einfahrt, die auf dieses Reservat verweist. Sonst habe ich nirgends im Internet etwas dazu finden können, es existiert aber wirklich!) Hier kann man problemlos eine Nacht in Gesellschaft von friedlich mümmelnden Hirschen und zurückhaltend assistierenden Parkwächtern verbringen.


Unter der Flut an Traumzeltplätzen den besten für die Nacht herauszufinden, gehört zu den größten Stressfaktoren des kultivierten Bergwanderers.

Der zweite Tag ist dann ein sehr entspannter Wald- und Wiesenweg mit reichlich Aussicht auf Berge, Kühe und einen wunderschönen Tag. Bis Dilijan finden sich zahlreiche Zeltplätze mit Wasseranschluss und Lagerfeueranlage.

*Die Entfernungsangaben differieren hier leicht, da Komoot die Streckenkilometer bei dem Teil des Rückwegs, der auf der gleichen Route verläuft, nicht einberechnet.

Sewansee

Und natürlich kann man keine Beschreibung Armeniens absolvieren ohne ein paar Worte zu dessen “blauer Perle” zu verlieren. Fast 1900m hoch gelegen, ist der See mit 1244 qkm einer der größten Hochgebirgsseeen der Welt. Wenn man sich hier aus der Marschrutka schält und voller Juchhee in die türkisen Wellen stürzt, dann hat Armenien auf einmal sogar eine Küste und wäre damit komplett Touri-konform. Doch das hat sich ja gottseidank noch nicht so wirklich rumgesprochen, außer bei den zahlreichen Armeniern, die diesen See wie ein ausgewachsenes Meer nutzen und nach gutem sowjetischen Muster einhegen.

Das armenische Meer

Die eisernen Regeln russischer Strandkultur gelten auch am Sewansee: -jedes Fleckchen gehört mit den schrecklichsten Hits lokaler Popverbrecher beschallt
-die Distanz zu Alkoholquellen darf 50m nie überschreiten -das Auto muss so nah wie möglich dabei sein -es gibt keine Regeln!

— sasza (@muenzenberg_) 27. Juli 2018

Wenn Stadttourismus, dann Jerewan

Denn das kleine Armenien hat eigentlich nur eine Stadt die der Rede wert ist. Daher war die Neugier entsprechend stark und fokusiert auf die “rote Stadt”. Nach mehreren Kaukasusexpeditionen bin ich jedes Mal überzeugter von dieser schwer zu fassenden Region zurückgekehrt, die Städte begeisterten mich aber eher weniger. Zu überquellend, chaotisch und den gefräßigen Maden des Individualverkehrs überlassen, schreckten sie mich zumeist eher ab und ließen das folgende Naturerlebnis in einem nur noch krasseren Kontrast erscheinen. Alles was ich im Vorfeld über Jerewan las, ließ mich jedoch vorsichtig frohlocken, denn unter der feurigen Führung des heute noch in Armenien über alle Maßen verehrten Stararchitekten Alexander Tamanjan wurde die alte, verwinkelte Altstadt (selbstverständlich mal wieder eine der ältesten Städte der Welt, älter als Rom und die 13. Hauptstadt in der wechselvollen Geschichte Armeniens) in den 1920er Jahren anhand der Grundidee eines radialen Ringsystems mit ausgedehnten Parks und Gärten ausgestattet, eine Kombination von Amphitheater und Gartenstadt. Sollte es dann doch eine lebenswerte, entspannte Stadt im Kaukasus geben?

Der Meister bei der Arbeit

Der erste Eindruck war ein äußerst gefälliger. Trotz 43 Grad im Schatten, dreister Begrüßung der standesgemäßen Flughafen-Taxi-Banditen und der üblichen Patina des postsowjetischen Verfalls – es ist eine großzügig angelegte, sehr grüne und sichtbar gepflegte Schönheit aus jeder Menge rotem Tuffstein. Auch auf den zweiten Blick gewinnt Jerewan gegenüber seinen urbanen Kontrahenten im Kaukasus dazu. Zwar ist auch diese Stadt primär für Autos gemacht, doch hier ist der Verkehr irgendwie stressfreier, gelassener. Entspannung verheißende Parks, unverbindlich zublinzelnde Straßencafés und aufreizend duftende Hinterhofrestaurants – dies alles garniert mit herrlich gelassenen Menschen – ich fühlte mich erstmals in einer kaukasischen Großstadt rundum wohl. 

Antwort an Radio Jerewan: Du gefällst mir, nicht nur im Prinzip!

Jerewan – für mich die unangefochtene Nr. 1 der Großstädte des Kaukasus. Ohne Baku gesehen zu haben.

Obwohl, wie allgemein bekannt, für das bestmögliche Aufnehmen des Charakters einer Stadt das vollständige Ablaufen der Sehenswürdigkeiten als eher zweitrangig einzuschätzen ist, hier ein paar Anlaufstationen, die es wert sind, besichtigt zu werden:

  • Zizernakaberd (ein Denkmalkomplex zum Gedenken an die Opfer des Völkermords. Im westlichen Teil Jerewans auf dem gleichnamigen Hügel gelegen, hat man hier auch einen spektakulären Blick auf Stadt wie Ararat)
  • Matenadaran (wer der Sache mit der Besonderheit der armenischen Schrift nachgehen möchte, ist hier genau richtig. 17000 verschiedene seltene Handschriften lagern hier und einige Kostbarkeiten davon sind sogar zu besichtigen. Dieses Weltdokumentenerbe befindet sich in einem Gebäude im neo-armenischen Stil, welches atombombensicher in den Fels gehauen wurde doch heute zunehmend unter Wassereinbrüchen leidet)
  • Mutti Armenien (auch Armenien hat, wie so manch anderer Staat in der Umgebung eine beschwertete Dame die sorgenvoll auf ihrer Kinder und in die Zukunft schaut. Im 36 Meter hohen Sockel befindet sich auf fünf Etagen das Militärmuseum Armeniens.)
  • Festung Erebuni (im 8. Jahrhundert von den urartäischen Königen errichtete Festung im südlichen Teil von Jerewan)

Weitere empfehlenswerte, aber noch nicht erlebte Reiseziele

  • Kloster Etschmiadsin (Residenz des Katholikos und älteste noch aktiver Kirchenbau der Welt) Geghard (Höhlenkloster), Chor Virap (beste Sicht und nächste Lage auf Ararat) und Tatew (auf Felsplateau gelegen, von unüberwindlichen Abgründen umgeben, spektakulär!) und ein gutes Dutzend Klöster von dieser Güte mehr
  • Aragaz (erloschener Schichtvulkan und mit 4090m die höchste Erhebung Armeniens)
  • Areni (erwähnten ich schon einmal, dass der älteste Wein aus Armenien kommt? In Areni kan man sich auf dessen Spur begeben. Wenn man zudem noch Anfang Oktober in Armenien ist, dann nix wie hin, denn dann findet hier nämlich nach und mit der Weinlese das traditionelle Weinfest statt)
  • Geghama-Gebirge (Teil des Armenischen Hochlands westlich des Sewansees. Die Berhheidelandschaft der Hänge bedeck bis auf 3600m ansteigendes Tuff- und Lavagestein)
  • Sangesurkamm 130 km langer Kamm westlich der historischen Region Sangesur im östlichen Armenischen Hochland
  • und noch viele, viele reizende Naturschauspiele mehr. Eine kleine Zusammenfassung, was das kleine Armenien in dieser Hinsicht noch zu bieten hat, ist auf outdooractive.com ganz gut zusammengefasst



Geschrieben vonBerlin, Berlin, Germany.

Kaukasucht

So, Kaukasus, du Mutter aller Gebirge, letzte wahrhaftige Grenze, Keimzelle von zahlreichen Hochkulturen und Heimat von noch zahlreicheren zänkischen Bergvölkern – nun ist es endlich soweit! Obwohl ich mich dir schon mehrere Male mit zaghaften Expeditionen schüchtern annäherte, heute ist der erste Tag einer Reise tief hinein in die Welt meiner innersten Wünsche und Bedürfnisse. Wir haben es gegen alle Widerstände möglich gemacht und sehr viel Zeit zusammengekratzt. Lass nun also die Spiele beginnen und uns gegenseitig begeistern! Meine Erwartungen sind zurecht sehr hoch. Die legendären armenischen Fettschwanzschafe über die Zunge hüpfen lassen, auf knapp 2000m in den größten Kauskasussee springen, knurrig-quietschenden Eisenbahnexzessen frönen, die idyllische Abgeschiedenheit Swanetiens genießen, wieder ein paar der 500 nur hier vorkommenden Weine entdecken, Schaschlyk, Chatschapuri, Tschtscha – oh là là!

“Blaue kaukasische Berge, seid mir gegrüßt! Der ganze Weltschmerz geht zum Teufel, das Herz schlägt und die Brust weitet sich, man ist in dieser Minute wunschlos glücklich.” (M. Lermontow)

Natürlich werde ich versuchen, wie gewohnt, frische Eindrücke möglichst schnell den vertrauenswürdigen Eilboten des Internets zu übergeben. Hier an dieser Stelle aber wahrscheinlich eher weniger, Vivaperipheria sehe ich immer mehr als das massive Flaggschiff meines Meinungsimperiums. Hier ist eher der Raum für abschließende Beurteilungen und ausführliche Empfehlungen. Für die tägliche Dosis Kaukasus empfehle ich in den nächsten Wochen vielmehr Twitter (für die schnell aus der Hüfte geschossenen Beobachtungen) sowie Instagram (für die etlichen, zu erwartenden visuellen Eindrücke eines ausgewiesenen Schnappschussologen). Praktischerweise habe ich beides elegant an beiden Seiten dieses Blogs präsentabel und klickbar hinzugefügt. 

Ratgeber: Wandern in der Malá Fatra

Das Wandern in den slowakischen Bergen wurde an dieser Stelle ja bereits einmal am Beispiel der Niederen Tatra in aller Ausführlichkeit ausgebreitet. Dieses Mal soll es nun um die Malá Fatra gehen. Und hierbei handelt es sich in meinen Augen um nichts Geringeres als das Prunkstück, das Sahnehäubchen, schlicht und einfach das Beste was dieses, an entzückenden Gebirgen reich gesegnete Land zu bieten hat. Wenn euch also der Hafer juckt, euch die Stadt über den Kopf wächst und ihr es einfach mal probieren wollt mit diesem Wandern und speziell mit dieser besonderen Form des Wanderns – ein Kamm, ein Rucksack, eine Woche – dann ist die Malá Fatra die beste Empfehlung. Dieser schnuckelige Gebirgszug, kokettiert mit den Reizen eines heranwachsenden Hochgebirges obwohl es der Höhe nicht mehr als ein prächtig entwickeltes Mittelgebirge ist. Die Ausstattung mit Hütten und die Markierung der Wanderwege ist mustergültig und nahezu vorbildhaft, wobei dennoch die Möglichkeit zum eigenständigen Übernachten in der Natur freundlich geduldet wird. Nicht zuletzt ist die Malá Fatra in der Westslowakei gelegen und gehört somit zu den, von Deutschland aus, schnellst erreichbaren bergigen Entspannungsregionen. Doch genug der Vorschusslorbeeren, hier ist der detaillierte Steckbrief für ungetrübte Wandergenüsse in der Kleinen Fatra!

Wanderung auf dem Kammweg der Malá Fatra

Komplettvariante: Bytča/Rajec bis Zázrivá (ca. 6 Tage)
Das Beste vom Besten: Strečno bis Zázrivá (2-3 Tage)

Andere Wissensquellen: Es finden sich erstaunlich wenige Erlebnisberichte, welches dieses fantastische Kleinod gebührend bejubeln würden. Recherchiert man im Internet findet man hauptsächlich die üblichen kommerziellen Angebote für organisierte Wanderungen und ein paar vereinzelte Wanderberichte aus dem Kinderstadium des Internets. So erschreckend wie erstaunlich. Umso wichtiger, dass ich diese kleine Zusammenfassung hier erstellt habe.

Hinsichtlich Kartenmaterials sei gesagt: Einen vorzüglichen Überblick der Wegstrecke bietet in gewohnt solider Manier das Online-Karten-Portal turistika.freemeap.sk. Echte Wanderkarten im Maßstab 1:50000 können vor Ort mühelos erworben werden.  Auch der Markt der Wanderführer im Totholz-Segment ist eigentlich nicht vorhanden. Abgesehen von antiquierten Ausgaben aus Vorwendezeiten und dem Bändlein aus dem freytag-berndt-Verlag gibt es kaum Lesestoff zur Vorbereitung auf die Fatra.

Anreise: Die Anfahrt ist wie bereits angedeutet, denkbar einfach und schnell. Dreh- und Angelpunkt sämtlicher Mala-Fatra-Expeditionen ist Žilina. Dieses nette Städtchen kurz hinter der tschechisch-slowakischen Grenze erreicht man am stilsichersten im Schlafwagen. Zwei Züge fahren täglich von Prag über Žilina in die Slowakei ( “Bohemia”  22:19/4:34 oder “Slovakia” 23:59/5:47). Natürlich spricht auch nichts dagegen mit dem schicken Pendolino tagsüber gen Slowakei zu reisen. Einberechnet die zwei Nachtzugverbindungen verkehrt 16 Mal am Tag eine Direktverbindung zwischen Prag und Žilina. Tickets lassen sich entweder im voraus über das Internetportal von České dráhy erwerben oder klassisch am Fahrkartenschalter vor Ort. Wobei es in der Saison nicht schadet rechtzeitig vorher zu reservieren, so man mit dem Schlafwagen zu reisen plant. Tickets für den Liegewagen, früh genug gebucht, fangen bei €15 an, ein Tageszugticket schlanke €9,18. Willkommen im Eisenbahnparadies! Der Pendolino fährt übrigens 7:10 in Prag ab und kommt schon  4 Stunden und 24 Minuten später in Žilina an (Preis €12,22).

Der Schienenbus – ein treuer Geselle, stets bereit die leidigen Stellen ohne Berge zu überbrücken.

Herumreisen: Im Eisenbahnparadies geht dieses natürlich mit Leichtigkeit vonstatten. Alle wichtigen Einstiegspunkte ins Gebirge werden von zuverlässig brummenden Nahverkehrsverbindungen angefahren (ausgenommen Zázrivá, aber diesen Ort sehen wir aus später ausgeführten Gründen definitiv nur als Ausstiegspunkt). Abseits des prächtig ausgebauten Streckennetzes gibt es aber stets auch ein zuverlässiges Bussystem, welches die wenigen Lücken hervorragend auszustopfen weiß.

Die Malá Fatra im Überblick. Mit im Bild: das Geschwistergebirge Velka Fatra

Charakteristik des Gebirges: Die Malá Fatra ist ein Mittelgebirge am nordwestlichen Rand der Slowakei. Trotz der verhältnismäßig geringen Höhen (höchster Berg ist der Veľký Kriváň mit 1709m) weiß die Fatra über lange Strecken mit ausgedehnten Bergwiesen und felsigen Momenten zu bezirzen, die klarstellen, dass man bei weiten kein gewöhnliches, forstiges Mittelgebirge ist. Der Hauptkamm verläuft von Südwest nach Nordost und wird in der Mitte von dem Fluss Váh durschschnitten und trennt somit die Fatra in zwei Teile (ergo, man muss, so man die Fatra komplett durchwandern möchte, einmal all seine Höhenmeter vergessen und nochmals von vorn anfangen!) Der südwestliche Teil wird Lúčanská Fatra (nach dem höchsten Berg Veľká Lúka, 1.476 m) und der nordöstliche Teil Krivánska Fatra (nach besagtem Veľký Kriváň) genannt.

Ähnlich wie im Falle der Niederen Tatra unterscheiden sich die beiden Gebirgsteile derartig voneinander, dass man sie aber fast als verschiedene Gebirge wahrnimmt. Dies erklärt auch, dass die meisten nur die Krivánska Fatra bewandern und den südlichen Teil der Fatra verschmähen. Denn während der nördliche Abschnitt fast den gesamten Kamm über mit spektakulären Blicken ins Tal und bei guter Sicht auf die umliegenden Gebirge belohnt, und mit aufregenden Felspassagen und idyllischen Bergwiesen kokettiert, ist der südliche Teil ein eher zurückhaltender, größtenteils bewaldeter Gebirgszug.

Ich stehe beiden, im weiteren ausgeführten Wandervorschlägen, der Komplettvariante und die Rosinenpickervariante, aufgeschlossen gegenüber. Beide haben etwas für sich. Letztlich würde ich es eher von der vorhanden Zeit abhängig machen, wobei ein erstmaliger Fatrabesuch schon die komplette Erwanderung provoziert.

Regeln&Gesetze: Diesbezüglich möchte ich der Einfachheit halber einfach das bereits für die Niedere Tatra geschriebene zitieren: “Die Niedere Tatra Malá Fatra bietet dem zivilisationsmüden Naturfreund ungeahnte Möglichkeiten um sich im Herzen des sonst so zersiedelten und überregulierten Mitteleuropas auszuleben. Sicher, man sollte die angebrachten Schilder, welche auf gesonderte Rechte der Natur hinweisen, ernstnehmen. Hier gelten strengere Gesetze, die zelten, Lagerfeuer, ja, das schlichte Verlassen des Wanderwegs untersagen. Doch schon das einfache Kartenstudium zu Beginn der Wanderung zeigt die heiklen Schutzzonen, die auch dieser Kamm durchquert, so das man dies in die Planung aufnehmen kann und es vermeidet hier übernachten zu müssen. Zudem bieten sich manche lebensfeindlichen und windzerzausten Gegenden per se nicht zum Übernachten an. Doch so man Wanderkarte wie Hinweisschilder aufmerksam im Auge behält, sind die Gelegenheiten für ein freies und wildes Pfadfinderabenteuer hier noch recht ungefährdet. “ Dies gilt uneingeschränkt auch für die Malá Fatra, wobei hinzuzufügen sei, dass der südliche Teil noch einen deutlichen Zacken unbesuchter und wilder ist als der eher im touristischen Schlaglicht stehende nördliche Teil.

Jeder Feierabend ein Genuss für alle Sinne.

Ausrüstung&Fitness: Ich zitiere erneut: “Dieser Kammweg [in diesem Fall anwendbar auf die Komplettvariante] ist für mittelfitte Wanderer locker in einer Woche zu schaffen. Hier können schon gering erfahrene Wanderer erste Meriten sammeln. Zur Ausrüstung muss nicht viel gesagt werden. Der normale Goldstandard für draußen: festes, knöchelhohes Schuhwerk mit ausreichend Profil und optionalen Gamaschen, Regenschutz, Zelt, Schlafsack, Taschenlampe, Messer, Kocher, Proviant (für drei Tage, den Rest kann man auf den Hütten oder in Dörfern dazu kaufen).”

Besonderheiten: Der durchgängig rot markierte Kammwanderweg ist aktuell als E3 Teil des europäischen Fernwanderwegnetzes. Diese altehrwürdige Eminenz unter den Fernwanderwegen führt auf knapp 7000 km von der portugiesischen Atlantikküste bis an den bulgarischen Goldstrand. Er ist gleichermaßen Teil des Jakobweges wie auch Nachlassverwalter des ruhmreichen “Bergwanderweg der Freundschaft Eisenach–Budapest”, kurz EB-Weg. Das herausragende Gefühl, mittels eines Kammwegs über dem kleingeistigen Einerlei des Tals hinwegzuwandern gewinnt dank solcher Eigenschaften natürlich ohne Zweifel noch deutlich hinzu.

Routenempfehlung: Laufrichtung Ost-West oder West-Ost?

Es ist merkwürdig, so oft ich den Kammweg der Malá Fatra gelaufen bin, lief ich stets von West nach Ost. Ohne viel darüber nachzudenken, doch als ich es dann doch einmal tat, fiel mir auf dass es triftige Gründe für diese Laufrichtung gibt. Zum einen ist aus dramaturgischer Sicht die Steigerung der Reize und Genüsse in diese Richtung einfach gelungener und zum anderen erreicht man das westliche Ende schneller und unkomplizierter wenn man von Deutschland kommt. Abgesehen davon spricht rein gar nichts gegen die entgegengesetzte Laufrichtung.

Komplettvariante: 1. Tag, Aufwärmetappe, von Bytča bis an den Fuß der Malá Fatra

Dieser Tag hat eigentlich noch gar nichts mit der Malá Fatra zu tun. Zwar sollte man den mächtigen Gebirgskamm fast den ganzen Tag am Horizont erblicken können, doch die Handlung dieses Tages spielt sich komplett außerhalb der Fatra ab. Ich wähle diesen Einstieg dennoch immer wieder gerne da er die perfekte lockere Aufwärmrunde ist und zudem durch dieses entzückende kleine Felsgebirge namens Súľovské vrchy führt. So man etwas weniger Zeit hat, keine Aufwärmrunde braucht oder sonstige Gründe hat, kann man natürlich auch problemlos den Einstieg direkt in Rajec wählen. Auch hierhin kommt man einfach und bequem von Žilina mit der Bahn (37 Minuten Fahrt).  Folgt man jedoch meinem Vorschlag steigt man in Žilina in den Zug nach Bytča (stündlich, 19 Minuten Fahrzeit) und beginnt hier eine der schönsten Wanderungen seines Lebens. Der Einkauf von Proviant und anderen Lebensmitteln in Žilina ist ratsam aber nicht dringend notwendig da wir auf dieser Etappe noch zwei Dörfer kreuzen. Es sei denn die Zeit erfordert es denn die Öffnungszeiten in der Slowakei sind speziell auf den Dörfern teilweise sehr rigide. Es empfiehlt sich daher im Vorfeld der Anreise kurz die Öffnungszeiten in den jeweiligen Supermärkten zu checken um keine böse Überraschung zu erleben.

Steigt man am Bahnhof aus, muss man nur dem Leuchtfeuer der Kneipen folgen um den richtigen Wanderweg zu finden. Die Bar direkt am Bahnhof weist in die Richtung in die man der Straße folgen muss und sobald man nach wenigen Metern auf der rechten Straßenseite erneut in einer Kneipe sitzt, ist man schon zu weit. Kurz davor biegt der blaue Wanderweg ab und führt uns nach einer kleinen Siedlung sanft über Wiesen bergan. Schon nach 1-2 Stunden erreicht man Wald und die Súľovské vrchy. Sollte man sich hier zur richtigen Zeit anfinden, bietet sich diese Gegend auch definitiv zum Übernachten an. Jede Menge moosweiche Schlafplätze und auf einem der Felsen sitzend ein erhabener Ausblick ins Abendrot. Doch in der Regel hält sich die Wanderung hier nicht länger auf. Die Route zweigt vom blauen auf den roten Weg ab bis pod Roháčom erreicht ist. Ab da an geht es auf dem grünen Weg weiter. Der grüne Strich wird unsere Markierung bleiben bis wir den Kamm der Malá Fatra erreicht haben. Nach den Felsen wird das kleines Dörfchen Súľov (Einkaufsmöglichkeiten in kleinem Laden) durchquert. Die Strecke bis Rajec folgt einem gemütlichen Bergkamm und ist hervorragend zum Einlaufen geeignet. Rajec bietet letztmalig vor dem Kammaufstieg Einkaufs- und Restaurationsmöglichkeiten. Hiernach muss eine leider sehr langweilige schnurgerade Asphaltstraße bewältigt werden um den Fuß der Malá Fatra zu erreichen. Sobald man die waldigen, menschenarmen Gebiete erreicht hat, finden sich hier zahlreiche einladende Biwakplätze. Der, den Weg begleitende Bach bietet zusätzlichen Komfort.

Gesamtstrecke: ca. 30km; Höhenmeter: ca.1200m

2. Tag, vom Fuß der Malá Fatra (bei Rajec) bis zum Minčol 

Für den heutigen Tag ist das hier notierte Ziel Minčol lediglich ein Orientierungspunkt. Irgendwo auf dem Kamm wird man letztlich nächtigen, da das komplette Durchwandern der Lúčanská Fatra etwas übertrieben wäre und auch bedacht werden sollte, dass man es vielleicht so einrichten mag, dass am nächsten Tag nur der Abstieg und nicht auch noch der erneute Aufstieg in die Krivanska Fatra anstehen sollte. Es spricht daher nichts gegen ein Plätzchen deutlich vor dem Minčol und einem ausufernd exzessiven Frühstück um den ersten Tag auf dem Kamm gebührend zu feiern.

Speziell die Lúčanská Fatra bietet sich in nahezu jedem Moment als gastfreundlicher Ort für ein gemütliches Zeltlager an.

Doch vor all diesen Genüsslichkeiten steht einer der heftigsten Aufstiege dieser Wanderung. Folgt der grüne Weg anfangs noch dem Bachverlauf und steigt daher eher gemächlich an, ist es damit nach Erreichen des Sattels und des roten Wegs vorbei. Die knapp 400 Höhenmeter, die einem hier auf weiniger als einem Kilometer abverlangt werden, gehen schnurgerade und unerbittlich den Berg hoch. Nicht schön und bei feuchtem Wetter dank des Lehmbodens auch nahezu unmöglich zu erklimmen.  Nachdem man dann jedoch oben auf dem Hnilická Kýčera (1218m) sollte man tief durchatmen, seinen Blick über das Tal schweifen lassen und dich an dem Gefühl erfreuen, dass man den Kamm erreicht hat. Ab hier folgt der Weg dem natürlichen Höhenprofil des Kamms. Dies beinhaltet kleinere Abstiege und Aufstiege, doch prinzipiell ähnelt der Weg einem harmlosen Waldspaziergang mit zwischenzeitlicher prächtiger Aussicht.

Grand Hotel Partyaán

Ein wunderschöner Übernachtungsplatz (insbesondere bei schlechtem Wetter!) ist die Bergwiese Horná Lúka (1299m). Hier steht für jedermann die Schutzhütte Gran Hotel Partyzán zur Verfügung und wenige Meter die Wiese hinab gluckst eine klare Bergquelle aus dem Gras hervor – luxuriöser kann man es kaum haben! Derlei dem Gemeinwohl bereitgestellte Hütten heißen hierzulande útulňa und sind ein wahrer Segen für jeden der die Einsamkeit der Berge dem Gerangel überfüllter Chatas vorzieht. Doch natürlich kann man auch weiterlaufen. Der weitere Weg nähert sich dann langsam den höchsten Erhebungen dieses Gebirgsteils. Auf dem namensspendenden, höchste Berg Velká Lúka (1476m) befindet man sich schneller und müheloser als man vermuten würde. Hiernach sieht man rechterhand zahlreiche Lifts und diverse, dem Wintersport gewidmete Berghütten. Wenn man Glück hat, kann man hier klopfen und bekommt zu rechten Zeit ein kühles Getränk gereicht. Danach wird der Weg wieder deutlich waldiger und nach der letzten Aussicht, dem mit jeder Menge alter Partisanengeschütze bespicktem Minčol, geht es dann endgültig hinab in die Klamm. All die kostbaren Höhenmeter müssen hier wohl oder übel abgetreten werden.

Stumme Zeugen für Lärm und Zerstörung – der südliche Gebirgsteil ist ein einziges Freilichtmuseum.

Gesamtstrecke: ca. 25km; Höhenmeter: ca. 1200m

3. Tag, vom Minčol bis zur Chata pod Suchým

Auch für diese Etappe ist etwas Vorerklärung nötig. Ich für meinen Teil versuche es zu vermeiden an einem Tag solch einen gewaltigen Abstieg UND Aufstieg zu absolvieren. Die Wiesen hinter Strečno  bieten sich dabei auch noch mehr als an um hier zu nächtigen. Da jede Wanderung ihre eigene Dynamik und ihren eigenen Zeitplan entwickelt, sind die Etappen hier eher als grobe Einheiten zu verstehen, die auftauchenden Empfehlungen für Übernachtungsplätze dagegen sollte man schon eher als relevante Markierungspunkte für die eigene Planung in Betracht ziehen.

Doch gehen wir diese Etappe einmal ab: Der Abstieg hat es wirklich in sich. Strečno liegt auf unfassbaren 360 m.ü.M. und do heißt es mal locker 1000 Höhenmeter zu verlieren. Dafür ist der Empfang im Dorf überaus nett gestaltet. Direkt am Dorfeingang, unmittelbar am roten Wanderweg ist eine schnucklige Kneipe in den Fels gehauen. Hier gibt es nicht nur Bier sondern auch einfache Hausmannskost. Sodann führt der Weg über eine schmale Fußgängerbrücke über die Váh um dann sehr bald das Dorf schon wieder zu verlassen. Die saftigen Wiesen, welche sich hier unter der malerischen Burg, die über dem Durchbruch thront, ausbreiten, kann ich wärmstens für ein Nachtlager empfehlen. Im Dorf können natürlich auch ggf. die Proviantbestände aufgefüllt werden.

Ab hier beginnt auch die zweite Variante Das Beste vom Besten: Strečno bis Zázrivá”. Wählt man diese Route so sollte man von Žilina die zwei Stationen bis Nezbudská Lúčka/Strečno (11min) fahren. Achtung, die Bummelzüge die hier halten, sind einzig jene der Kategorie OS. Ihr Ziel lautet entweder Poprad oder Košice, außerdem sollte man nach dem Einsteigen eigentlich schon recht bald aufmerksam am Ausgang stehen, denn die gewünschte Station ist kurz und leicht zu übersehen. Nichtsdestotrotz gibt es selbst an einem solch verlassenen Zwischenhalt direkt eine nette, freundliche Kneipe. Hier kann man sich entspannt auf den drohenden Aufstieg vorbereiten.

Da lugt sie schüchtern hervor, dieser zuverlässige Garant für Bier, Obdach und eine warme Mahlzeit.

Um das heutige Etappenziel, die Chata zu erreichen, gibt es drei Möglichkeiten: die klassische Variante, der rote Weg, führt an der verlassenen Burg vorbei und hat einen recht kontinuierlichen, berechenbaren Steigungsgrad, der blaue Weg führt an der Burg vorbei und nimmt einen streckenweise hysterischen Anstiegscharakter an und zu guterletzt sei auch die vom blauen Weg links abgehende Straße zu empfehlen. Dies ist die kürzeste aber eben auch unspektakulärste Variante um den ersten Schub der erforderlichen Höhenmeter zu erreichen. Die Chata pod Suchým gehört zu einer der schönsten Chatas, die ich persönlich kennengelernt habe. Hier gibt es wohlige Entspannung in gelassener Bergatmosphäre zu fairen Preisen mit netten Leuten. Wirklich überlaufen ist diese Chata, am Wahrnehmungsrand des erlebnisorientierten  Tourismus gelegen,  auch nur äußerst selten.

Gesamtstrecke: ca. 18km, Höhenmeter: ca. 1000m runter, 700m hoch

4. Tag, von der Chata pod Suchým bis zu Chata pod Chelbom

Mit dieser Etappe öffnet die Fatra langsam die Schatzschatulle in der sie ihre Kronjuwelen verwahrt hat. Ich kann jeden verstehen, der sich nur dieses Sahnehäubchen aussucht und den waldigen Teil der Fatra links liegen lässt. Daher sind die Etappen hier auch großzügiger angelegt, da ich dazu auffordere diesem Kamm, so man gutes Wetter hat, mit ausgiebigen Pausen zu genießen.

Kurz hinter dem Suchý erstrecken sich für die nächste Zeit traumhafte Bergwiesen mit freiem Blick in beide Täler und auf beide Tatras. Zentral im Bild der kleine Krivan.

Die Chata befindet sich auf 1075 m.ü.M. und da wir auf dieser Etappe über die höchsten Punkte der Fatra wandern, steht uns also noch einiges bevor. Die Chata ist dennoch ein idealer Ausgangsort für den Tag, da man einen großen Teil des Aufstiegs schon hinter sich hat und somit ohne allzu viel Anstrengung den Kammweg genießen kann. Nachdem man den Namensparton der Chata, den Suchý (1468m) erklommen hat, ist das Gröbste erledigt.  Nach einigen leichten Klettereien über den anfangs sehr felsigen Kamm wird man mit sanften Anstiegen über Malý Kriváň (1671m) und Pekelnik (1609m) – der Velký Kriváň (1709m) ist fakultativ da es ein Gipfelabstecher vomn roten Weg aus ist – zu einer Liftstation am Snilovské sedlo (1524m) geleitet (bis 17 Uhr gibt es hier gastronomisch was zu holen!) .

Rein gar nichts spricht natürlich gegen das Auslassen der beschriebenen Chatas. Ein Bett unter freien Himmel findet sich immer. Blick von der Krivanska Fatra auf Žilina.

Von hier aus ist es über den grünen Weg nur noch ein Katzensprung bis zur Chata pod Chlebom, wo man für einen symbolischen Euro problemlos davor zelten darf. Diese Chata ist aufgrund der Liftnähe und weil sie im Epizentrum der touristischen Höhepunkte liegt, gerne sehr voll bis ausgebucht.

Gesamtstrecke: 12km, Höhenmeter: knapp 1000m

5. Tag, von der Chata pod Chlebom bis zum Sedlo Medziholie

Die Kürze dieser Etappe mag den einen oder anderen stutzen lassen, doch hier spricht der Kammgourmet aus mir und es gibt sehr gute Gründe für meine Empfehlung. Der entscheidende Punkt neben dem Rat nach drei harten Wandertagen immer etwas Ruhe einkehren zu lassen ist die Wiese auf dem Sedlo Medziholie. Diese Bergwiese gehört zu den idyllischsten und inspirierendsten Orten die ich auf all meinen Reisen je erleben durfte.

Zwischen zerklüfteten Backenzahn und gelassenen weiblichen Formen – eine der schönsten Wiesen der Welt!

Zwischen Bergen die gegensätzlicher nicht sein könnten, dem karstigen, zackigen Veľký Rozsutec (1610m) und dem samtenen, weichen Buckel namens Stoh (1608m) befindet sich eine der schönsten Bergwiesen, die ich kenne. Eigentlich ist schon allein diese Wiese Grund genug um sich in die Malá Fatra aufzumachen. Da dieser Sattel auch schon wieder jenseits der touristisch relevanten Gipfelregion ist, kann man hier die Stille der Bergeexzessiv genießen. Medzieholie (1185m) verfügt neben zahlreichen exklusiven Terassenwiesen auch über eine eigene Quelle, so dass dem ausschweifenden Genuss des Draussenseins keine Grenzen gesetzt sind. Und im Angesicht des Umstands, dass es nach dieser Wiese nur noch Abstieg und Zivilisation gibt, bleibt man doch gern noch etwas länger.

Gesamtstrecke: 10km; Höhenmeter:  ca. 700m 

6. Tag, Auslaufen von Sedlo Medziholie nach Zázrivá

Natürlich spricht an so einem Ort nichts gegen ein ausführliches Frühstück und ein gepflegt in die Länge gezogenen Aufbruch. Doch irgendwann muss es dann doch losgehen und so stehen zwei Alternativen für den Abstieg im Angebot. Zweifellos ist der Klassiker, der rote Weg nach Zázrivá, wobei absolut nichts dagegen spricht auf den letzten großen Aufstieg des Veľký Rozsutec hierbei zu verzichten und mithilfe des blauen Wegs den Berg zu umgehen. Mit großem Rucksack ist die Wegführung des Roten eine eher langwierige Plackerei. Ich rate vielmehr dazu, nachdem das Lager in Medzieholie aufgeschlagen ist, diesen Berg wie auch den Stoh, also beide Pole dieses kleinen Bergplaneten, ohne Gepäck nacheinander zu erklimmen. Ein gelungener Abschluss einer wundervollen Woche in den Bergen.

Über den Wolken… ist so so manches mehr als die Freiheit grenzenlos.

Für den Abstieg empfehle ich also entweder hier den blauen Weg zu nehmen, welcher sich dann mit dem Roten am sedlo Medzirozsutce wieder vereinigt um dann nach einem kleinen Aufstieg abrupt hinunter  zu fallen und erst in dem verschlafenen Zázrivá endet. Man kann aber auch den blauen Weg in die andere Richtung nehmen und über den auslaufenden Kamm gen Párnica laufen. Der unschlagbare Vorteil hierbei wäre, dass Párnica an die Eisenbahn angeschlossen ist, während man von Zázrivá erstmal mit dem Bus vorlieb nehmen muss. Ansonsten gleichen sich die Strecken von Länge und Anspruch relativ. Die Route nach Zázrivá kann allenfalls für sich in Anspruch nehmen, etwas reizvollere Ausblicke zu bieten. Über ausgezeichnete Schlafplätze auf den Feldern am Dorfrand verfügen beide Alternativen.

Gesamtstrecke: ca. 20 km; Höhenmeter: etwa 700m

Mögliche Anschlusswanderungen: Der besagte ruhmreiche E3 aka EB kommt hier auf ziemlich bedenkliche Abwege in dem er uns durch jede Menge unspekatkuläre Forstgebiete hin zum Stausee von Trstená führt um dann hinter Zakopane quasi die Vorberge des Vorgebirges der Hohen Tatra zu queren. Nein, so sehr ich vom Goldstandard des EBs überzeugt bin, hier zeigt die Wegführung eindeutig Schwächen auf. Solltest du also nicht zu den schätzenswerten Verrückten gehören, die sich vorgenommen haben, einmal den gesamten Weg von Eisenach nach Budapest zu wandern, rate ich von dieser Anschlusswanderung ernsthaft ab.

Dagegen bieten sich zwei Leckerbissen in direkter Nähe eher an. Gefällt einem das bisher Erlebte und will man das Niveau nicht ansteigen lassen, käme zweifellos der große Bruder, die Veľká Fatra in die nähere Auswahl. Ähnlich wie die Malá Fatra handelt es sich bei diesem, südlich gelegenen Mittelgebirge um eine mit reichlich Wald, Bergwiesen und Felsen ausgestattete Schönheit. Auch hier gibt es einen wunderschönen Kammweg den man gemächlich laufend in 3-4 Tagen absolvieren könnte. Für den Anschluss muss man nicht einmal in einen Zug steigen. Von Párnica kommt man innerhalb weniger Stunden über Stankovany und Korbelka auf den roten Weg, der einen ohne viele Umstände auf den Kamm der Großen Fatra führt.

Westtatra – für den kleinen Niveauanstieg danach.

Die andere Alternative wäre die Westtatra (Západné Tatry). Diese alpine Ouvertüre von dem was dann später in der Hohen Tatra kulminiert, stellt den Wanderer aber schon vor größere Herausforderungen. Hier gibt es beispielsweise keinen durchgehenden Hauptkamm, die Anstiege sind deutlich höher und das Niveau der der Wanderwege steigt enorm. Außerdem ist hier das Wetter sehr unbeständig und wirklich nur in den Sommermonaten überhaupt denkbar. Wer sich von alldem nicht abschrecken lassen will, dem sei empfohlen im Tal angekommen eine Verbindung nach Zuberec oder Huty (beides nur mit Bus zu machen) zu ermitteln. Dies sind jeweils aus meiner Sicht die besten Einstiegspunkte für eine Wanderung in die Westtatra.

 

Weiterführende und hilfreiche Links:

Hütten auf dem Kammweg

 

 

 

Bezirke bezirzen – zehntes Kapitel: Unter Hallunken und Hallodris in Halle

Das vorvorletzte Kapitel begann mit eitel Sonnenschein und bester Bezirksstadtentdeckerlaune. Ich war ausnahmsweise schon Mal vorgefahren da ich in familiärer Mission die Design-Avantgarde unserer Republik bestaunen durfte.

Die eigentliche Entdeckertour begann am nächsten Tag mit vereinten Kräften. Ein erster Blick offenbarte neben reger Bautätigkeit und massiver Friseursdichte eine sympathische, frische Stadt. Wir schlenderten entspannt durch die Altstadt, erklommen die Hausmannstürme und riefen unser aktives Allgemeinwissen über Halle ab: Genscher und Händel.

Rliebt in Halle? Diverse Möglichkeiten verdeckt der Daumen, doch wir verraten locker es heißt “Verliebt in Halle”. In meinem Falle korrekt in seiner geballten Doppeldeutigkeit.

Danach spazierten wir, von der angestauten Hitze angemattet, hinab zum Saalestrand um bei leichtem Geplauder die heißesten Stunden zu überstehen. Vom Baden sahen wir dann doch ab nachdem wir die Schlammigkeitsgrad des zweitlängsten Nebenflusses der Elbe als zu hoch eingestuft hatten.

Fachwerkinnenleben – Inneneinsichten in eine bewegte Vergangenheit.

Auf dem Weg zum vorletzten WM-Spiel, welches wir auf der zauberhaften Peißnitzinsel genießen wollten, stolperten wir über einen unerwarteten Leckerbissen: eine wunderschöne Pioniereisenbahn. Bislang war ich in meinem tadelswerten Scheuklappendenken immer davon ausgegeangen dass neben Dresden nur noch Leipzig und Berlin über so etwas verfügten.

Wieso “heimliche Liebe”? Zu dieser Neigung stehe ich!

Doch weit gefehlt! Wie ich einem am Fahrkartenschalter entnommenen Parkeisenbahn-Quartetett entnehmen durfte, gibt es noch ganze 10 Bahnen mehr. Dräute da gar ein neues Reisemuser nach Ablauf der Bezirksstadt-Tournee heran.

Crispendorf? Vatterode? Nie gehört! Rreizvollen Reiseziele gibt es scheinbar mehr als Sand am Meer.

Der Rest des Tages verfloss schnell bei Fußball und traditionellem Brauhausbesuch. Viel zu früh mussten wir zum Bahnhof eilen, denn seit der Herrschaft der Hochgeschwindigkeit sind die Nahverkehrsverbindungen schon arg entschleunigt. So schauen zunächst einmal voller Vorfreude auf unsere beiden letzten Leckerbissen in der Bezirksstadtgala: Dresden und Leipzig! Was soll da schon schiefgehen?!

 

Münzenberg 30 – Das literarische Trio: Die Elenden

Endlich! Es ist vollbracht. Die Elenden sind vernascht und wir bereuen nichts. Jedenfalls fast nichts. Zwischen “kann man machen” und “unbedingt lesenswert”. Aber hört selbst!

Shownotes:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Buchempfehlungen: Würde von Gerald Hüther; Theseus von André Gide; Schnelles Denken, langsames Denken von Daniel Kahnemann; Utopia von Thomas Morus; Qualityland von Marc-Uwe Kling; Grau von Jasper Fforde; Der lange Kosmos von Terry Pratchett und Stephen Baxter

Das nächste Buch: Transit von Anna Seghers

gewinnt gegen “Ansichten eines Clowns” und “Herr der Fliegen”

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Gedser geht sehr

Nach längerer Zeit machte sich die Reisegruppe “Gute Nachbarschaft” mal wieder auf den Weg. Dieses Mal war nach Schweiz, Österreich, Tschechien und Polen, entgegen dem Uhrzeigersinn nun Dänemark dran. Wir blieben auch gleich nach der Überfahrt hängen und genossen so die wahrscheinlich mit Abstand kleinste Siedlung dieser Reisereihe – Gedser (800Ew.). Wen mag es dabei verwundern, das unser kleinstes Nachbarland (Hört mir auf mit Luxemburg!) folgerichtig auch mit der kleinsten Delegation aus dem Wedding beehrt wurde. Doch das tat der üblichen Entdeckerfreude und dem nachbarschaftlichen Kennenlernen keinen Abbruch. Wir nehmen mit: der Däne hat es gern still, Smørrebrød ist eine vollwertige Mahlzeit und øl ist teurer als Öl. Ich zumindest mag das kleine Land im Norden, auch wenn ich es nicht allzu oft machen kann, da ich im Anschluss immer zwanghaft alle Filme der Olsenbande bingen muss.

Ratgeber: Oder-Neisse-Friedensradweg

Unter all den Radwegen, die jenes menschenleere Gefilde, welches gemeinhin auch unter der Bezeichnung Brandenburg bekannt ist, durchqueren, sticht der Oder-Neisse-Radweg mit einigen Finessen hervor. Schließlich schlängelt er sich unter anderem durch die Landkreise Uckermark, Görlitz und Vorpommern-Greifswald – ihres Zeichens die Landkreise mit der jeweils geringsten Bevölkerungsdichte in ihren Bundesländern. Zudem hat man mit dem Nachbarland Polen, welches man auf diesem Radweg nur selten aus den Augen verliert, stets eine willkommene Abwechslung zum schläfrigen Randzonengebiet und immer bestes, mobiles Internet.

Dem Abendbunt entgegen – Ödnis muss nicht immer grau sein.

Nach mehreren Ausflügen an den Zweistromweg habe ich ihn zwar immer noch nicht komplett abgefahren. An beiden Enden franst der Radweg noch ins geheimnisvoll Umwitterte ab. So betreffen also meine hier getroffenen Aussagen, die Strecke vom sächsischen Rothenburg bis hinauf ins pommersche Löcknitz. Die eigentliche Ausdehnung vom tschechischen Nova Ves bis zum haffigen Ückermünde habe ich bislang noch nicht genießen dürfen.

Andere Wissensquellen:  Eine akzeptable Onlinestimmung könnt ihr bei oder-neisse-radweg.de oder  www.oderneisse-radweg.de erhalten. Ein vorzügliche Vorbereitungsressource bei Radwanderungen jeglicher Natur ist auch stets das radreise-wiki. Hier findet sich eine solide und schnörkellose Tourbeschreibung mit allen notwendigen Koordinaten. Daneben gibt es selbstverständlich auch Offlinequellen wie die bewährten wetter- und reißfesten Tourenbücher von bikeline.

Anreise: Für uns Molochbewohner gehört die Anreise wohl zu den leichteren Aspekten dieser Radreise. Nach einer bizarr kurzen Zugfahrt kann man aus den staubigen und überquellenden Straßen in Gegenden torpediert werden, die Enzyklopädien das Symbolbild für Einsamkeit liefern könnten. Zahlreiche Zugstrecken kreuzen den Oder-Neisse-Radweg. Zur Auswahl stehen die direkt von Berlin zu erreichenden Ziele: Frankfurt (Oder), RE1, Küstrin-Kietz, RB28 und Schwedt (Oder), RE3. Mit einmal in Frankfurt (Oder) Cottbus umsteigen kann man aber auch leicht einen südlicheren Einstiegspunkt wie Eisenhüttenstadt, Guben oder Forst auswählen. Um den Radweg ganz sauber von Anfang an zu fahren, ist ein wenig Aufwand mehr nötig. Ückermünde ist von Berlin aus nach einmaligen Umsteigen in Pasewalk innerhalb von knapp 3 Stunden per Bahn zu erreichen. Bei Nova Ves wird es schon etwas schwieriger: fünfeinhalb Stunden und Umstiege in Cottbus, Zittau und Liberec wären für dieses Unterfangen nötig. Den Wahnwitzigen unter euch sei noch gesagt, dass es auf polnischer Seite einen Zwillingsweg geben soll. Doch nach einer ausführlichen Expedition in die Raderepublik Polen machten wir Erfahrungen der Art, dass wir vom Radfahren in unserem geschätzten Nachbarland vorerst Abstand nahmen.

Übernachten: Auch wenn es sich hier fraglos um recht unbesiedelte Gebiete handelt, durch die man radelt, allein durch die wachsende Popularität des Fernradwegs sind etliche Unterkünfte an ihm entlang emporgeschossen. Diese lassen sich mühelos mit den oben genannten Informationsquellen entdecken oder auch einfach auf offener Strecke vom Wegesrand ablesen. Doch für den Oder-Neisse-Gourmet empfiehlt es sich natürlich den Tag draußen nahtlos in die Nacht übergehen zu lassen und die freie Natur ohne lästige Unterbrechung zu genießen. Gelegenheit hat man hierzu wahrlich genug. Wer diesbezüglich noch ein paar Tipps braucht, liest mein frisch herausgekommenen Wildzelten-Ratgeber.

Charakteristik der Strecke: Die gesamte Strecke beträgt 538 km, ist also in Anbetracht der gut ausgebauten Wege und des größtenteils ebenen Verlaufs in einer guten Woche zu schaffen. Ich tendiere dazu den Weg grob in drei Teile aufzugliedern:

  • Vom bergigen Dreiländereck ins Flachland – von Nova Ves bis Forst
  • Von der Lausitz in den Oderbruch – von Forst  bis Schwedt
  • Der platte Rest – Von Schwedt bis ans Haff.
Der Protagonist des ersten Teils -die Lausitzer Neisse

Der hügelige Teil im Süden wird Richtung Zittauer Berge und Liberec mit Sicherheit noch zunehmen. Der von mir befahrene Teil beendet seine Hügeligkeit von Rothenburg aus gesehen ein paar Kilometer vor Forst. Obzwar dieser Streckenabschnitt hier als hügelig bezeichnet wurde, kann man dennoch, selbst mit mittelfiter Erscheinung ohne viel Anstrengung Kilometer machen. Wenn man von Norden kommt, sollten die kurvigen Etappen mit abwechslungsreicherer Vegetation und der immer versteckter agierenden Neisse einen wahren Hochgenuss darstellen. Nach all der Plattheit sollte dies definitiv nochmal ein gelungener Wachmacher sein. Desweiteren locken auf dieser Etappe reichlich Außergewöhnlichkeiten, die eine kurze Erwähnung wert sein sollten. Die Altstadt von Görlitz sollte für den schöngeistig gesinntem Radler ein Muss sein. Diese alte, reiche Handelsstadt, welche im Krieg kaum zerstört und in den letzten Jahrzehnten edelst restauriert wurde, weiß als überbordender Schauplatz von Renaissance, Barock und Gotik zu überzeugen.

Fürst-Pückler-Park- verstörend betörend

Der nächste Höhepunkt auf der Strecke ist der in Bad Muskau gelegene Fürst-Pückler-Park. Dieser Park, welcher als der größte Landschaftspark Zentraleuropas im englischen Stil gilt, wurde ebenfalls in den letzten Jahrzehnten liebevoll restauriert und  kommt schockierend betörend daher. Der größere Teil des Parks befindet sich in Polen und ist durch mehrere bezaubernde Neissebrücken miteinander verbunden. So behaupte ich einfach mal, dass man wohl kaum schöner in Polen einreisen kann als bei einem Besuch in diesem einzigartigen Park.

Eines von vielen Instagram-Epizentren. Man denke sich nur wie schön es hätte sein können, wenn sie das Wasser nicht abgelassen hätten.

Nicht ganz auf der Stammstrecke aber einen Abstecher wert ist der Azaleen- und Rhododendronpark Kromlau. Hier kann man zur richtigen Jahreszeit in einem unbeschreiblichen Blütenmeer waten und zu jeder anderen Jahreszeit die spektakuläre Konstruktion der Rakotzbrücke bestaunen. Zur Entfernungsorientierung Rothenburg- Forst: 70km

Kommen wir nun zum großen Mittelteil: Von der Lausitz in den Oderbruch. Genaugenommen befinden wir uns auch schon zuvor in der Lausitz, denn das gesamte Gebiet bis Zittau gehört zu dieser Region, genauer zur Oberlausitz. Nachdem wir das waldige und abwechslungsreiche Stück bis Forst absolviert haben, befinden wir uns dann aber definitiv in der Niederlausitz. Ab Forst ändert sich der Charakter der Strecke. Wenn sich aufgrund des Terrains zuvor der Radweg sehr oft vom Flusslauf (der hier noch ein weitgehend naturbelassen ist) entfernt, so bleiben wir nun fast immer in Sichtweite. Der Weg wird immer ebener und schnurgerader und nutzt vielfach die angelegten Deiche für die Streckenführung. Zu Forst ist nicht allzu viel zu sagen, es sei denn man möchte nach den zwei zuvor erlebten Parks noch einen drauf setzen. In Forst kann man sich mit Rosen vergnügen – der Ostdeutsche Rosengarten wartet auf erlebnishungrige Floristen. Offensichtlich ist der exaltierte Kleingärtner in dieser Region mehr als einmal auf offene Ohren gestoßen.

Das braune Gold Lausitz – ganze Dörfer verschwinden für diesen räudigen Rohstoff. Entzückend!

Auf dem Weg nach Guben radelt man durch saftige Auen und schattige Wälder. Bis zur Wende gab es hier noch eine Zugverbindung, doch Mutter Natur hat gut gewerkelt um diese Episode ungeschehen zu machen. Mit den riesigen Tagebauen, die an der Strecke aufklaffen, hat sie dagegen wohl noch lange zu tun. Mit einem Co2-Ausstoß von 23,3 Mio. Tonnen ist das anliegende Kraftwerk Jänschwalde das vierschmutzigste Europas.

Angesichts solcher Erlebnisse schadet es nicht, dass das polnische Pendant von Guben, Gubin nicht weit ist. Das überraschend hübsche Kleinstädtchen ist die perfekte Raststätte um dergleichen Anblicke mit einem frischen Fassbier hinunterzuspülen. Nach Guben geht es auf ähnlicher Strecke wie zuvor weiter nordwärts, bis endlich nach gut 10 km endlich die Oder hinzuplätschert. Von hier lohnt sich ein kleiner Abstecher nach Neuzelle (5km) um Kloster wie Klosterbrauerei gebührend zu würdigen. Mit fremdenverführerischer Koketterie weiß man darauf hinzuweisen, dass hier angeblich das erste Bierbad Europas eröffnet habe. Danach kommt Eisenhüttenstadt, doch der Weg kreuzt nur zaghaft das winzige Altstadtzentrum und so sieht man wenig vom speziellen Charme der sozialistischen Planstadt. Wen das Einzigartige mehr als das Schöne reizt, dem sei ein kleiner Ausreißer in die Neubauschluchten Stalinstadts empfohlen.

Jede Menge Gegend für jede Menge Entspannung.

Dann geht es auf gewohnt prächtig ausgebauter Strecke nach Frankfurt (Oder) und hiermit sind wir dann auch endlich im Oderbruch. Dieses ehemals komplett versumpfte Urstromtal, welches der Alte Fritz trockenlegen ließ, legt noch mal eine gewaltige Schippe hinsichtlich Flachheit drauf. Die alternativlose Ebene dieser Region sowie ihre offenherzige Leere findet viele Liebhaber, aber auch reichlich Menschen, die dieser Landschaft ratlos gegenüberstehen. Dabei muss gesagt sein, dass interessanterweise die Strecke zwischen Küstrin und Hohenwutzen, also das Filetstück des Oderbruchs, zu den touristisch am besten erschlossenen Stücken des Radwegs gehört.

Polenmarkt Hohenwutzen – endlich normale Leute!

Was ist sonst noch zu erleben? Den, aus Funk und Fernsehen bekannten Polenmarkt in Hohenwutzen sollte man definitiv mit einer Stippvisite beehren, in Stolpe haben wir ein wunderfeines, kleines Künstlercafé (“Fuchs&Hase”) entdecken dürfen und Schwedt, tja Schwedt, hier fühlt man die Uckermark. (Zur Streckenorientierung, Forst-Schwedt: 218km, also eher etwas für 2-3 Tage)

Anfahrt auf Stolpe – den Oderbruch im Rücken

Der platte Rest – von Schwedt bis ans Haff – von hier führt der Weg nun durch den Nationalpark “Unteres Odertal” durch endlos scheinende Sümpfe welche ausreichend mit Vögeln ausgestattet sind. Die Route führt ins entspannte Mescherin, die den letzten Ausflug per Brücke nach Polen offeriert. Das zu besichtigende Gryfino auf der anderen Seite ist aber eher etwas für den Kenner desaströser Stadt- und Infrastrukturplanung. Die von gnadenlosem Transitverkehr umtoste, alte Backsteinkirche kann nur mit größter Mühe wahrgenommen werden und die ausgefransten Neubauten bieten einen wenig erklecklichen Rahmen für diesen gescheiterten Siedlungsversuch.

Das einzig wahre Feldbett. Entlang der Neisse wie der Oder gibt es etliche Gelegenheiten hierfür.

Ab Mescherin wendet sich der Radweg irritierenderweise vom vertrauten Flusslauf gänzlich ab und führt weit hinein ins Innenland. Sei es weil selbst die Oder auf dieser Höhe sich in zwei Flüsse geteilt hat, oder sei es weil der Weg sonst folgerichtig durch Polen führen müsste, auf jeden Fall geht die Strecke nun über weite Felder durch den Landkreis Greifswald-Vorpommern. Nach einem kleinen Schlenker über Penkun, geht es wieder steil nach Norden. Nach Löcknitz sind es noch gut 50km bis Ückermünde. Wer mag kann hier sogar das Angebot wahrnehmen die (in der Saison) dreimal am Tag (8:10/11:30/15:10) verkehrende Fähre nach Usedom zu besteigen um den Ausflug mit der echten Ostsee zu krönen. Angesichts der saftigen Überfahrtspreise (Preisbeispiel für zwei Fahrräder+zwei Erwachsene für 80 Minuten Fahrt: €48,40) würde ich dagegen eher zu einem Stettinbesuch mit kleiner Bahnfahrt zum Meer raten. (Streckenorientierung. Schwedt-Löcknitz: 70km)

Alles hat Vor- und Nachteile