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Ratgeber: Oder-Neisse-Friedensradweg

Unter all den Radwegen, die jenes menschenleere Gefilde, welches gemeinhin auch unter der Bezeichnung Brandenburg bekannt ist, durchqueren, sticht der Oder-Neisse-Radweg mit einigen Finessen hervor. Schließlich schlängelt er sich unter anderem durch die Landkreise Uckermark, Görlitz und Vorpommern-Greifswald – ihres Zeichens die Landkreise mit der jeweils geringsten Bevölkerungsdichte in ihren Bundesländern. Zudem hat man mit dem Nachbarland Polen, welches man auf diesem Radweg nur selten aus den Augen verliert, stets eine willkommene Abwechslung zum schläfrigen Randzonengebiet und immer bestes, mobiles Internet.

Dem Abendbunt entgegen – Ödnis muss nicht immer grau sein.

Nach mehreren Ausflügen an den Zweistromweg habe ich ihn zwar immer noch nicht komplett abgefahren. An beiden Enden franst der Radweg noch ins geheimnisvoll Umwitterte ab. So betreffen also meine hier getroffenen Aussagen, die Strecke vom sächsischen Rothenburg bis hinauf ins pommersche Löcknitz. Die eigentliche Ausdehnung vom tschechischen Nova Ves bis zum haffigen Ückermünde habe ich bislang noch nicht genießen dürfen.

Andere Wissensquellen:  Eine akzeptable Onlinestimmung könnt ihr bei oder-neisse-radweg.de oder  www.oderneisse-radweg.de erhalten. Ein vorzügliche Vorbereitungsressource bei Radwanderungen jeglicher Natur ist auch stets das radreise-wiki. Hier findet sich eine solide und schnörkellose Tourbeschreibung mit allen notwendigen Koordinaten. Daneben gibt es selbstverständlich auch Offlinequellen wie die bewährten wetter- und reißfesten Tourenbücher von bikeline.

Anreise: Für uns Molochbewohner gehört die Anreise wohl zu den leichteren Aspekten dieser Radreise. Nach einer bizarr kurzen Zugfahrt kann man aus den staubigen und überquellenden Straßen in Gegenden torpediert werden, die Enzyklopädien das Symbolbild für Einsamkeit liefern könnten. Zahlreiche Zugstrecken kreuzen den Oder-Neisse-Radweg. Zur Auswahl stehen die direkt von Berlin zu erreichenden Ziele: Frankfurt (Oder), RE1, Küstrin-Kietz, RB28 und Schwedt (Oder), RE3. Mit einmal in Frankfurt (Oder) Cottbus umsteigen kann man aber auch leicht einen südlicheren Einstiegspunkt wie Eisenhüttenstadt, Guben oder Forst auswählen. Um den Radweg ganz sauber von Anfang an zu fahren, ist ein wenig Aufwand mehr nötig. Ückermünde ist von Berlin aus nach einmaligen Umsteigen in Pasewalk innerhalb von knapp 3 Stunden per Bahn zu erreichen. Bei Nova Ves wird es schon etwas schwieriger: fünfeinhalb Stunden und Umstiege in Cottbus, Zittau und Liberec wären für dieses Unterfangen nötig. Den Wahnwitzigen unter euch sei noch gesagt, dass es auf polnischer Seite einen Zwillingsweg geben soll. Doch nach einer ausführlichen Expedition in die Raderepublik Polen machten wir Erfahrungen der Art, dass wir vom Radfahren in unserem geschätzten Nachbarland vorerst Abstand nahmen.

Übernachten: Auch wenn es sich hier fraglos um recht unbesiedelte Gebiete handelt, durch die man radelt, allein durch die wachsende Popularität des Fernradwegs sind etliche Unterkünfte an ihm entlang emporgeschossen. Diese lassen sich mühelos mit den oben genannten Informationsquellen entdecken oder auch einfach auf offener Strecke vom Wegesrand ablesen. Doch für den Oder-Neisse-Gourmet empfiehlt es sich natürlich den Tag draußen nahtlos in die Nacht übergehen zu lassen und die freie Natur ohne lästige Unterbrechung zu genießen. Gelegenheit hat man hierzu wahrlich genug. Wer diesbezüglich noch ein paar Tipps braucht, liest mein frisch herausgekommenen Wildzelten-Ratgeber.

Charakteristik der Strecke: Die gesamte Strecke beträgt 538 km, ist also in Anbetracht der gut ausgebauten Wege und des größtenteils ebenen Verlaufs in einer guten Woche zu schaffen. Ich tendiere dazu den Weg grob in drei Teile aufzugliedern:

  • Vom bergigen Dreiländereck ins Flachland – von Nova Ves bis Forst
  • Von der Lausitz in den Oderbruch – von Forst  bis Schwedt
  • Der platte Rest – Von Schwedt bis ans Haff.
Der Protagonist des ersten Teils -die Lausitzer Neisse

Der hügelige Teil im Süden wird Richtung Zittauer Berge und Liberec mit Sicherheit noch zunehmen. Der von mir befahrene Teil beendet seine Hügeligkeit von Rothenburg aus gesehen ein paar Kilometer vor Forst. Obzwar dieser Streckenabschnitt hier als hügelig bezeichnet wurde, kann man dennoch, selbst mit mittelfiter Erscheinung ohne viel Anstrengung Kilometer machen. Wenn man von Norden kommt, sollten die kurvigen Etappen mit abwechslungsreicherer Vegetation und der immer versteckter agierenden Neisse einen wahren Hochgenuss darstellen. Nach all der Plattheit sollte dies definitiv nochmal ein gelungener Wachmacher sein. Desweiteren locken auf dieser Etappe reichlich Außergewöhnlichkeiten, die eine kurze Erwähnung wert sein sollten. Die Altstadt von Görlitz sollte für den schöngeistig gesinntem Radler ein Muss sein. Diese alte, reiche Handelsstadt, welche im Krieg kaum zerstört und in den letzten Jahrzehnten edelst restauriert wurde, weiß als überbordender Schauplatz von Renaissance, Barock und Gotik zu überzeugen.

Fürst-Pückler-Park- verstörend betörend

Der nächste Höhepunkt auf der Strecke ist der in Bad Muskau gelegene Fürst-Pückler-Park. Dieser Park, welcher als der größte Landschaftspark Zentraleuropas im englischen Stil gilt, wurde ebenfalls in den letzten Jahrzehnten liebevoll restauriert und  kommt schockierend betörend daher. Der größere Teil des Parks befindet sich in Polen und ist durch mehrere bezaubernde Neissebrücken miteinander verbunden. So behaupte ich einfach mal, dass man wohl kaum schöner in Polen einreisen kann als bei einem Besuch in diesem einzigartigen Park.

Eines von vielen Instagram-Epizentren. Man denke sich nur wie schön es hätte sein können, wenn sie das Wasser nicht abgelassen hätten.

Nicht ganz auf der Stammstrecke aber einen Abstecher wert ist der Azaleen- und Rhododendronpark Kromlau. Hier kann man zur richtigen Jahreszeit in einem unbeschreiblichen Blütenmeer waten und zu jeder anderen Jahreszeit die spektakuläre Konstruktion der Rakotzbrücke bestaunen. Zur Entfernungsorientierung Rothenburg- Forst: 70km

Kommen wir nun zum großen Mittelteil: Von der Lausitz in den Oderbruch. Genaugenommen befinden wir uns auch schon zuvor in der Lausitz, denn das gesamte Gebiet bis Zittau gehört zu dieser Region, genauer zur Oberlausitz. Nachdem wir das waldige und abwechslungsreiche Stück bis Forst absolviert haben, befinden wir uns dann aber definitiv in der Niederlausitz. Ab Forst ändert sich der Charakter der Strecke. Wenn sich aufgrund des Terrains zuvor der Radweg sehr oft vom Flusslauf (der hier noch ein weitgehend naturbelassen ist) entfernt, so bleiben wir nun fast immer in Sichtweite. Der Weg wird immer ebener und schnurgerader und nutzt vielfach die angelegten Deiche für die Streckenführung. Zu Forst ist nicht allzu viel zu sagen, es sei denn man möchte nach den zwei zuvor erlebten Parks noch einen drauf setzen. In Forst kann man sich mit Rosen vergnügen – der Ostdeutsche Rosengarten wartet auf erlebnishungrige Floristen. Offensichtlich ist der exaltierte Kleingärtner in dieser Region mehr als einmal auf offene Ohren gestoßen.

Das braune Gold Lausitz – ganze Dörfer verschwinden für diesen räudigen Rohstoff. Entzückend!

Auf dem Weg nach Guben radelt man durch saftige Auen und schattige Wälder. Bis zur Wende gab es hier noch eine Zugverbindung, doch Mutter Natur hat gut gewerkelt um diese Episode ungeschehen zu machen. Mit den riesigen Tagebauen, die an der Strecke aufklaffen, hat sie dagegen wohl noch lange zu tun. Mit einem Co2-Ausstoß von 23,3 Mio. Tonnen ist das anliegende Kraftwerk Jänschwalde das vierschmutzigste Europas.

Angesichts solcher Erlebnisse schadet es nicht, dass das polnische Pendant von Guben, Gubin nicht weit ist. Das überraschend hübsche Kleinstädtchen ist die perfekte Raststätte um dergleichen Anblicke mit einem frischen Fassbier hinunterzuspülen. Nach Guben geht es auf ähnlicher Strecke wie zuvor weiter nordwärts, bis endlich nach gut 10 km endlich die Oder hinzuplätschert. Von hier lohnt sich ein kleiner Abstecher nach Neuzelle (5km) um Kloster wie Klosterbrauerei gebührend zu würdigen. Mit fremdenverführerischer Koketterie weiß man darauf hinzuweisen, dass hier angeblich das erste Bierbad Europas eröffnet habe. Danach kommt Eisenhüttenstadt, doch der Weg kreuzt nur zaghaft das winzige Altstadtzentrum und so sieht man wenig vom speziellen Charme der sozialistischen Planstadt. Wen das Einzigartige mehr als das Schöne reizt, dem sei ein kleiner Ausreißer in die Neubauschluchten Stalinstadts empfohlen.

Jede Menge Gegend für jede Menge Entspannung.

Dann geht es auf gewohnt prächtig ausgebauter Strecke nach Frankfurt (Oder) und hiermit sind wir dann auch endlich im Oderbruch. Dieses ehemals komplett versumpfte Urstromtal, welches der Alte Fritz trockenlegen ließ, legt noch mal eine gewaltige Schippe hinsichtlich Flachheit drauf. Die alternativlose Ebene dieser Region sowie ihre offenherzige Leere findet viele Liebhaber, aber auch reichlich Menschen, die dieser Landschaft ratlos gegenüberstehen. Dabei muss gesagt sein, dass interessanterweise die Strecke zwischen Küstrin und Hohenwutzen, also das Filetstück des Oderbruchs, zu den touristisch am besten erschlossenen Stücken des Radwegs gehört.

Polenmarkt Hohenwutzen – endlich normale Leute!

Was ist sonst noch zu erleben? Den, aus Funk und Fernsehen bekannten Polenmarkt in Hohenwutzen sollte man definitiv mit einer Stippvisite beehren, in Stolpe haben wir ein wunderfeines, kleines Künstlercafé (“Fuchs&Hase”) entdecken dürfen und Schwedt, tja Schwedt, hier fühlt man die Uckermark. (Zur Streckenorientierung, Forst-Schwedt: 218km, also eher etwas für 2-3 Tage)

Anfahrt auf Stolpe – den Oderbruch im Rücken

Der platte Rest – von Schwedt bis ans Haff – von hier führt der Weg nun durch den Nationalpark “Unteres Odertal” durch endlos scheinende Sümpfe welche ausreichend mit Vögeln ausgestattet sind. Die Route führt ins entspannte Mescherin, die den letzten Ausflug per Brücke nach Polen offeriert. Das zu besichtigende Gryfino auf der anderen Seite ist aber eher etwas für den Kenner desaströser Stadt- und Infrastrukturplanung. Die von gnadenlosem Transitverkehr umtoste, alte Backsteinkirche kann nur mit größter Mühe wahrgenommen werden und die ausgefransten Neubauten bieten einen wenig erklecklichen Rahmen für diesen gescheiterten Siedlungsversuch.

Das einzig wahre Feldbett. Entlang der Neisse wie der Oder gibt es etliche Gelegenheiten hierfür.

Ab Mescherin wendet sich der Radweg irritierenderweise vom vertrauten Flusslauf gänzlich ab und führt weit hinein ins Innenland. Sei es weil selbst die Oder auf dieser Höhe sich in zwei Flüsse geteilt hat, oder sei es weil der Weg sonst folgerichtig durch Polen führen müsste, auf jeden Fall geht die Strecke nun über weite Felder durch den Landkreis Greifswald-Vorpommern. Nach einem kleinen Schlenker über Penkun, geht es wieder steil nach Norden. Nach Löcknitz sind es noch gut 50km bis Ückermünde. Wer mag kann hier sogar das Angebot wahrnehmen die (in der Saison) dreimal am Tag (8:10/11:30/15:10) verkehrende Fähre nach Usedom zu besteigen um den Ausflug mit der echten Ostsee zu krönen. Angesichts der saftigen Überfahrtspreise (Preisbeispiel für zwei Fahrräder+zwei Erwachsene für 80 Minuten Fahrt: €48,40) würde ich dagegen eher zu einem Stettinbesuch mit kleiner Bahnfahrt zum Meer raten. (Streckenorientierung. Schwedt-Löcknitz: 70km)

Bezirke bezirzen – achtes Kapitel: Ohne Bus nach Cottzug

Auf ein Wort, Cottbus! Ich will dir nichts vormachen, auch wenn ich versuchte unvoreingenommen und aufgeschlossen dir eine Chance zu geben, so sah ich es als relativ unrealistisch an, dass du in der Bezirksstadt-Rangliste nur annähernd gut abschneiden würdest. Als wir vor einem guten Jahr diese Entdeckungstour durch die einstigen Bezirkskapitalen begannen, trieb uns Neugier, Reiselust und, selbstverständlich, Aufgeschlossenheit der Peripherie gegenüber an. Doch in deinem Falle, ich will es offen gestehen, fiel mir der letzte Punkt doch deutlich schwerer. Etliche Umsteigeerlebnisse und ein vorangegangener Altstadtbesuch bestärkten mich in dem Eindruck, dass es sich bei dir um ein ganz und gar belangloses, unaufgeregtes und substanzarmes Städtchen handelt. Nicht schlimm, nicht schön – einfach nur das was der Anhalter so treffend als “größtenteils harmlos” bezeichnet. Doch nun bist du eben da und warst unzweifelhaft Bezirksstadt, auch wenn dir dieser Titel wohl damals schlicht aus Alternativlosigkeit zugefallen war (was gab es schon sonst zwischen Dresden und Berlin). Also ab nach Cottbus.

Die Kernkompetenzen des Bezirksstadtschlusslichts: Strom, Verkehr, Braunkohle und schiefe Oberleitungsmasten. Selten war die Neigung nach Erreichen des Ziels direkt die Rückfahrt anzutreten derart stark ausgeprägt.

Bedenkt man diese vorherrschende Grundstimmung, sollte man angesichts der arktischen Winde und der überwältigenden Gräunis, mit der uns die irrelevante Gurkenmetropole begrüßte, von einer denkbar schlechten Ausgangsvoraussetzung für die anstehende Stadtkritik ausgehen. Doch gar so schlimm sollte es dann gar nicht werden. Schließlich sorgen derart tief gesetzte  Erwartungen zumeist für ganz akzeptable bis annehmbare Erlebnisse. Schließlich gab es da den Branitzer Park, diese von Fürst Pückler (ja, dem mit dem Eis!) gestaltete Parkanlage weiß die eher unüberzeugenden Siedlungsversuche geschickt in den Hintergrund zu drängen.

Wasserpyramide mit Fürt Pücklers Grab. Der beste Hashtag des Ausflugs war geboren #fürstpücklereis

So stimmte uns dieser unverhofft romantische Winterspaziergang milde gegenüber den kommenden Zumutungen. Der anschließende Stadtrundgang hinterließ keine bleibenden Narben aber auch keine nachhaltigen Erinnerungen. Roter Backstein, Neubauglinker und dazwischen jede Menge Raum für bessere Ideen. Wir dinnierten ganz ausgezeichnet. In dieser Disziplin geht der letzte Platz dann wohl doch eindeutig nach Magdeburg und Cottbus strafte wacker all die bösen Zungen ab, von wegen Essen mitnehmen bei Brandenburgfahrten.

Doch letztlich waren wir dann doch alle recht froh wieder im warmen Zug gen Berlin zu sitzen. Auch wenn meine Reisegenossen wie üblich harmonisierend und vermittelnd herumnuschelten, dass es doch gar nicht so übel gewesen sei und man über den letzten Platz für Cottbus doch nochmal nachdenken müsse. Für mich eine klare wenn auch nicht einfache Sache. Angesichts des Umstands, dass uns nun nur noch Halle, Leipzig, Schwerin und Dresden bevorstehen, glaube ich einfach nicht, dass hier noch eine niedrigere Platzierung zu erwarten ist, aber realistisch gesehen gibt es für mich bis jetzt drei letzte Plätze. Da dies nun mal nicht sein kann, entscheide ich mich vor Ablauf der Bezirksstadtinspektion für einen eindeutigen Verlierer: Cottbus. Und das ist doch auch schon was. Endlich raus aus der Mittelmäßigkeit.

Geschrieben aus Cottbus, Brandenburg, Germany.

Bezirke bezirzen – sechstes Kapitel: Nüchtern, November, Neubrandenburg

Zunächst sei an dieser Stelle erst einmal voller Demut der triefend nasse Hut gezogen. Ich hab nicht wirklich dran geglaubt als ich an einem vernieselten, grauen Novembervormittag ans S-Bahngleis trat, dass ich tatsächlich in Gesellschaft nach Neubrandenburg reisen würde. Doch die üblichen Verdächtigen fanden sich tatsächlich auch zu dieser dann doch eher unattraktiven Bezirksstadttour ein.

Und so tuckerten wir gemächlich an Landschaften vorbei die uns mit ihren Schattierungen von hell- bis dunkelgrau gekonnt einlullten. Bald mussten wir den Zug dann doch verlassen und stolperten an einem jämmerlichen Bahnhof vorbei, mitten rein in die reizende Vier-Tore-Stadt. Vier Tore, mehr fällt selbst gewieftesten Periperikern nicht zu dieser Stadt ein, bei deren Erwähnung nicht wenige Berliner irritiert reagieren (“Neubrandenburg? Brandenburg? Neu? Wie jetzt?”). Pflichtschuldigst bummelten wir dann auch bei weiterhin erlesenen Nieselwetter den Stadtwallrundgang ab und goutierten sämtliche Tore.

Danach war es dann auch mal wieder gut. Wir schlenderten am zaghaft aufkeimenden Weihnachtsmarkt vorbei, speisten anständig mecklenburgisch im “Schweinestall” und verließen dann in angemessen Tempo die Backsteingotikmetropole.

Fazitär sei hier angemerkt, dass naturgemäß wenige Städte an einem solch düsteren Novembertag zu überzeugen wissen. Sicher gewinnt der Vier-Tore-Reigen im lebensbejahenden Lenz bei Vogelgezwitscher und linden Lüftchen. Und auch wenn der Peripheriker-Rat harmonisch und liebenswert wie immer die Vorzüge Neubrandenburgs mehr als einmal hervorhob, es wird schwer für Mecklenburgs drittgrößte Stadt sich auf das Siegertreppchen der Bezirksstädte zu schmuggeln.

Geschrieben aus Berlin, Berlin, Germany.

Mission Bezirke bezirzen – viertes Kapitel: Franfkurt oder Słubice

Auf den ersten Blick liegt die Vermutung nahe, dass wir es uns an diesem wundervollen Sonntag etwas einfach machen wollten. Die knappe Stunde rüber an die Oder-Neiße-Friedensgrenze, Kaszanka und Tyskie im Sinn – zweifellos kein allzu anstrengendes Abenteuer auf der Bezirke-Bezirzen-Tour. Und dennoch, auch das musste erledigt werden und in seiner Funktion als einzige Grenzbezirksstadt und brandenburgischer Endbahnhof stand hier keinesfalls ein Leichtgewicht an. Nicht zuletzt haben wior nun schon 5 von 15 – ein Drittel ist geschafft! Wenn das kein Grund zum Feiern war?!

Die charmante Odermetropole gewinnt bereits auf den ersten Blick nachdem der Reisende vom Bahnhof durch ein reizendes Eisenbahnerviertel mit zentralem Eisenbahnerdenkmal geleitet wird. Blick auf den sanft dahin strudelnden Oderstrom und die dunklen polnischen Wälder spaziert man leichten Sinnes hinunter, passiert erklecklich ausreichende rote Backsteinbauten, welche mit einer ausgewählten Anzahl von funktionalen Profanbauten ergänzt werden.

Doch abseits dieser Reize zog es die Schritte des Wanderers nahezu magisch hin zu der verlockenden Welt des polnischen laissez-faires. Und so überschritten wir auch nach geschätzten 20 Minuten Frankfurt die Europabrücke. Auch hier besichtigten wir erst eingehend und pflichtschuldigst (erstes Wikipedia-Denkmal der Welt, zweiteiliger Fitnessparcour im Stadtpark, Oderhafen) bis wir uns ganz den lang vermissten Gaumenfreuden ostodriger Provenienz hingaben.

In völlig losgelöster Sonntagsstimmung und mit bis zum Reißen gefüllten Mägen traten wir dann irgendwann die Rückreise an. Erneut wandelten wir durch Frankfurt und genossen konzentrierte Unaufdringlichkeit brandenburgischer Urbanität. Ein Gednake der hier aufkeimte: Wäre Frankfurt ohne Polen etwas cottbusiger? Wahrscheinlich schon. Und dabei, auch dies noch ein Ziel, welches es zu bewältigen gilt.

Geschrieben aus Berlin, Berlin, Germany.

Münzenberg – MZB020 – Frisch gelesene Bücher: Unterleuten

Die Buchbesprechung nun auch in ihrer ursprünglichsten Form: gesprochen! Ich nehme das außergewöhnliche Erlebnis, welches der Ritt durch Juli Zehs Roman für mich darstellte, als Anlass um dies mit einer Tonaufnahme gebührend zu würdigen.

Und wie versprochen hier noch der Podcasttipp, welcher mir mit Leichtigkeit das Grausen vor aktuellen Gegenwartsromanciers nahm und daher unweigerlich dafür verantwortlich zu machen ist, dass ich fortan behaupten werde DEN deutschen Gegenwartsroman zu kennen.

Und im Anschluss meine werte Meinung

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Münzenberg – MZB018 – SPEZIAL der Wahl

Koalitionsgemüse
Frühstück am Wahlsonntag – orakelig, knackig und verführerisch

Zwischen Havelland und Pierogarnia pendeln wir die Ergebnisse der Berlinwahl aus. Mit dabei im zweiten Teil des Gesprächs der “Besamer” (Stichwort: Sonnenblumenkernkraft) des Weddings, Daniel Gollasch, der uns mit jeder Menge Ja/Neins und der Kraft des Konjunktivs spektakuläre Inneneinsichten in den Politikbetrieb bietet.

2016-09-23-17-34-54

Bei Minute 57 plumpst die Frage “Was tun?!” in gähnende Leere. Grund ist nur zum Teil die Ahnungslosigkeit der Diskutanten, sondern vielmehr eine Gesprächspause in deren Folge der rote wie auch der grüne Faden verloren ging.

Wer das das Thema noch einmal strukturiert, durchdacht und vorzüglich aufbereitet haben möchte, dem sei ein weiteres Mal die Lage der Nation empfohlen. Pflichtpodcast!

Erstmals auch im zukunftsträchtigen OPUS-Format (mit 24 kbps) – ich bitte um feedback so ihr es nutzt!

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Fünfzehn Jahr, graues Haar

2016-09-18-00-04-39Und dann war es auf einmal soweit. Der alte Mann hatte Geburtstag und ließ es noch einmal richtig krachen. Sprich: ein ruhiges Häuschen im Havelwald, ein paar derjenigen Zweibeiner, die er noch zweifelsfrei zuordnen kann, die lärmige Tochter und jede Menge Grillfleisch. Ein wenig überrascht wirkte er dann aber doch, als er Mitternacht sanft geweckt wurde und im Mittelpunkt der Party stand. Mit gelassener Anteilnahme wurde flugs der Geburtstagskuchen verputzt um sich darauf nach all dem Trouble wieder eine gehörige Portion Schlaf zu gönnen. Danke dem besten Hund der Welt für diese anderthalb Jahrzehnte. Auf die nächsten 15!

Wir wohnen überm See

Ein Haus auf dem Wasser, welches man auch noch bewegen kann. Lange schon beäugte ich auf meinen Brandenburg-Expeditionen diese sonderbaren Vehikel. Nun war es endlich soweit, dass wir uns kurzentschlossen auf so ein Teil schwungen. 


Und ich bin über alle Maßen angetan. Lässig schlitterten wir mit diesem Klotz übers Wasser. Sonne, Entspannung und eine Brise Freiheit. Feine Sache das. Notiz für mich selbst, nächstes Mal keinesfalls vergessen: Kapitänsmütze, Pfeife, Piratenflagge, Papagei und ggf. Holzbein.


Geschrieben aus .

RB 23: Beelitz-Heilstätten

Ein luftiger Apriltag lockte mich mal wieder hinaus um mich an den vielfältigen Reizen unseres umarmenden Bundeslands zu delektieren.  Die Fahrt hin zu den berühmten Anlagen der ehemaligen Arbeiter-Lungenheilstätten unternahm ich mittels des entzückenden RB 23 – eine unfassbar schöne Verbindung von Potsdam bis zum Zielort. Die Strecke windet sich durch idyllischste Seenlandschaft und gehört zweifelsohne zu den absolute Routenempfehlungen im brandenburgischen Liniennetz. Nur eben leider viel zu kurz (6 Stationen).

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Die Anlage in Heilstätten an sich gehört wohl zu den populärsten lost places der Region.  Eine einzigartige Mischung aus versnobten Tourismus und geschmeidigen Verfall begrüßt den Besucher in der weitläufigen Anlage. Ein überaus ehrwürdiges Ausflugsziel. Genüsslich zog ich meine Kreise und genoss den schönen Tag.

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Geschrieben aus Berlin, Berlin, Germany.

Münzenberg – MZB014 – Sudelfunk

Brandenburg an der Havel – der unbestrittene Überraschungsstar der bisherigen Endstationstournee – gelingt es im Sturm unsere Herzen zu erobern. Ein wasserverschnörkeltes Schätzchen mit jeder Menge reizender Gebäude, verwinkelter Straßen und netter (wenn auch spärlich gesäter) Menschen. ***Aufgrund schwacher Akkulage fiel der Teil über Münzenberg ins Datenloch. Ich entschloss mich daher kurzerhand, diesen Abschnitt neu einzusprechen.***

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Domstadt, Inselstadt, Altstadt, Neustadt – es gibt genug Brandenburg für alle.

 

2016-03-20 12.06.24
Mit dieser schwungvollen Forderung wir der Reisende kurz hinter dem Bahnhof konfrontiert. Wir meinen: Zu spät und zu naheliegend.

 

2016-03-20 12.34.11
Ob Jesus wirklich derselbe bleibt, nunja. Doch das Problem dieser Formulierung scheint mir ein anderes: ein gehender Hase? Hase hüpfen oder hoppeln, aber sie gehen nicht. Dafür ist in der Tat eher Jesus bekannt und somit scheint die Aussage dieser kleinen Wandzeitung irgendwie zweifelhaft daherkommend. Wie dem auch sei – Frohe Ostern!
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