Schlagwort-Archive: Polen

Ratgeber: Wandern in der Malá Fatra

Das Wandern in den slowakischen Bergen wurde an dieser Stelle ja bereits einmal am Beispiel der Niederen Tatra in aller Ausführlichkeit ausgebreitet. Dieses Mal soll es nun um die Malá Fatra gehen. Und hierbei handelt es sich in meinen Augen um nichts Geringeres als das Prunkstück, das Sahnehäubchen, schlicht und einfach das Beste was dieses, an entzückenden Gebirgen reich gesegnete Land zu bieten hat. Wenn euch also der Hafer juckt, euch die Stadt über den Kopf wächst und ihr es einfach mal probieren wollt mit diesem Wandern und speziell mit dieser besonderen Form des Wanderns – ein Kamm, ein Rucksack, eine Woche – dann ist die Malá Fatra die beste Empfehlung. Dieser schnuckelige Gebirgszug, kokettiert mit den Reizen eines heranwachsenden Hochgebirges obwohl es der Höhe nicht mehr als ein prächtig entwickeltes Mittelgebirge ist. Die Ausstattung mit Hütten und die Markierung der Wanderwege ist mustergültig und nahezu vorbildhaft, wobei dennoch die Möglichkeit zum eigenständigen Übernachten in der Natur freundlich geduldet wird. Nicht zuletzt ist die Malá Fatra in der Westslowakei gelegen und gehört somit zu den, von Deutschland aus, schnellst erreichbaren bergigen Entspannungsregionen. Doch genug der Vorschusslorbeeren, hier ist der detaillierte Steckbrief für ungetrübte Wandergenüsse in der Kleinen Fatra!

Wanderung auf dem Kammweg der Malá Fatra

Komplettvariante: Bytča/Rajec bis Zázrivá (ca. 6 Tage)
Das Beste vom Besten: Strečno bis Zázrivá (2-3 Tage)

Andere Wissensquellen: Es finden sich erstaunlich wenige Erlebnisberichte, welches dieses fantastische Kleinod gebührend bejubeln würden. Recherchiert man im Internet findet man hauptsächlich die üblichen kommerziellen Angebote für organisierte Wanderungen und ein paar vereinzelte Wanderberichte aus dem Kinderstadium des Internets. So erschreckend wie erstaunlich. Umso wichtiger, dass ich diese kleine Zusammenfassung hier erstellt habe.

Hinsichtlich Kartenmaterials sei gesagt: Einen vorzüglichen Überblick der Wegstrecke bietet in gewohnt solider Manier das Online-Karten-Portal turistika.freemeap.sk. Echte Wanderkarten im Maßstab 1:50000 können vor Ort mühelos erworben werden.  Auch der Markt der Wanderführer im Totholz-Segment ist eigentlich nicht vorhanden. Abgesehen von antiquierten Ausgaben aus Vorwendezeiten und dem Bändlein aus dem freytag-berndt-Verlag gibt es kaum Lesestoff zur Vorbereitung auf die Fatra.

Anreise: Die Anfahrt ist wie bereits angedeutet, denkbar einfach und schnell. Dreh- und Angelpunkt sämtlicher Mala-Fatra-Expeditionen ist Žilina. Dieses nette Städtchen kurz hinter der tschechisch-slowakischen Grenze erreicht man am stilsichersten im Schlafwagen. Zwei Züge fahren täglich von Prag über Žilina in die Slowakei ( “Bohemia”  22:19/4:34 oder “Slovakia” 23:59/5:47). Natürlich spricht auch nichts dagegen mit dem schicken Pendolino tagsüber gen Slowakei zu reisen. Einberechnet die zwei Nachtzugverbindungen verkehrt 16 Mal am Tag eine Direktverbindung zwischen Prag und Žilina. Tickets lassen sich entweder im voraus über das Internetportal von České dráhy erwerben oder klassisch am Fahrkartenschalter vor Ort. Wobei es in der Saison nicht schadet rechtzeitig vorher zu reservieren, so man mit dem Schlafwagen zu reisen plant. Tickets für den Liegewagen, früh genug gebucht, fangen bei €15 an, ein Tageszugticket schlanke €9,18. Willkommen im Eisenbahnparadies! Der Pendolino fährt übrigens 7:10 in Prag ab und kommt schon  4 Stunden und 24 Minuten später in Žilina an (Preis €12,22).

Der Schienenbus – ein treuer Geselle, stets bereit die leidigen Stellen ohne Berge zu überbrücken.

Herumreisen: Im Eisenbahnparadies geht dieses natürlich mit Leichtigkeit vonstatten. Alle wichtigen Einstiegspunkte ins Gebirge werden von zuverlässig brummenden Nahverkehrsverbindungen angefahren (ausgenommen Zázrivá, aber diesen Ort sehen wir aus später ausgeführten Gründen definitiv nur als Ausstiegspunkt). Abseits des prächtig ausgebauten Streckennetzes gibt es aber stets auch ein zuverlässiges Bussystem, welches die wenigen Lücken hervorragend auszustopfen weiß.

Die Malá Fatra im Überblick. Mit im Bild: das Geschwistergebirge Velka Fatra

Charakteristik des Gebirges: Die Malá Fatra ist ein Mittelgebirge am nordwestlichen Rand der Slowakei. Trotz der verhältnismäßig geringen Höhen (höchster Berg ist der Veľký Kriváň mit 1709m) weiß die Fatra über lange Strecken mit ausgedehnten Bergwiesen und felsigen Momenten zu bezirzen, die klarstellen, dass man bei weiten kein gewöhnliches, forstiges Mittelgebirge ist. Der Hauptkamm verläuft von Südwest nach Nordost und wird in der Mitte von dem Fluss Váh durschschnitten und trennt somit die Fatra in zwei Teile (ergo, man muss, so man die Fatra komplett durchwandern möchte, einmal all seine Höhenmeter vergessen und nochmals von vorn anfangen!) Der südwestliche Teil wird Lúčanská Fatra (nach dem höchsten Berg Veľká Lúka, 1.476 m) und der nordöstliche Teil Krivánska Fatra (nach besagtem Veľký Kriváň) genannt.

Ähnlich wie im Falle der Niederen Tatra unterscheiden sich die beiden Gebirgsteile derartig voneinander, dass man sie aber fast als verschiedene Gebirge wahrnimmt. Dies erklärt auch, dass die meisten nur die Krivánska Fatra bewandern und den südlichen Teil der Fatra verschmähen. Denn während der nördliche Abschnitt fast den gesamten Kamm über mit spektakulären Blicken ins Tal und bei guter Sicht auf die umliegenden Gebirge belohnt, und mit aufregenden Felspassagen und idyllischen Bergwiesen kokettiert, ist der südliche Teil ein eher zurückhaltender, größtenteils bewaldeter Gebirgszug.

Ich stehe beiden, im weiteren ausgeführten Wandervorschlägen, der Komplettvariante und die Rosinenpickervariante, aufgeschlossen gegenüber. Beide haben etwas für sich. Letztlich würde ich es eher von der vorhanden Zeit abhängig machen, wobei ein erstmaliger Fatrabesuch schon die komplette Erwanderung provoziert.

Regeln&Gesetze: Diesbezüglich möchte ich der Einfachheit halber einfach das bereits für die Niedere Tatra geschriebene zitieren: “Die Niedere Tatra Malá Fatra bietet dem zivilisationsmüden Naturfreund ungeahnte Möglichkeiten um sich im Herzen des sonst so zersiedelten und überregulierten Mitteleuropas auszuleben. Sicher, man sollte die angebrachten Schilder, welche auf gesonderte Rechte der Natur hinweisen, ernstnehmen. Hier gelten strengere Gesetze, die zelten, Lagerfeuer, ja, das schlichte Verlassen des Wanderwegs untersagen. Doch schon das einfache Kartenstudium zu Beginn der Wanderung zeigt die heiklen Schutzzonen, die auch dieser Kamm durchquert, so das man dies in die Planung aufnehmen kann und es vermeidet hier übernachten zu müssen. Zudem bieten sich manche lebensfeindlichen und windzerzausten Gegenden per se nicht zum Übernachten an. Doch so man Wanderkarte wie Hinweisschilder aufmerksam im Auge behält, sind die Gelegenheiten für ein freies und wildes Pfadfinderabenteuer hier noch recht ungefährdet. “ Dies gilt uneingeschränkt auch für die Malá Fatra, wobei hinzuzufügen sei, dass der südliche Teil noch einen deutlichen Zacken unbesuchter und wilder ist als der eher im touristischen Schlaglicht stehende nördliche Teil.

Jeder Feierabend ein Genuss für alle Sinne.

Ausrüstung&Fitness: Ich zitiere erneut: “Dieser Kammweg [in diesem Fall anwendbar auf die Komplettvariante] ist für mittelfitte Wanderer locker in einer Woche zu schaffen. Hier können schon gering erfahrene Wanderer erste Meriten sammeln. Zur Ausrüstung muss nicht viel gesagt werden. Der normale Goldstandard für draußen: festes, knöchelhohes Schuhwerk mit ausreichend Profil und optionalen Gamaschen, Regenschutz, Zelt, Schlafsack, Taschenlampe, Messer, Kocher, Proviant (für drei Tage, den Rest kann man auf den Hütten oder in Dörfern dazu kaufen).”

Besonderheiten: Der durchgängig rot markierte Kammwanderweg ist aktuell als E3 Teil des europäischen Fernwanderwegnetzes. Diese altehrwürdige Eminenz unter den Fernwanderwegen führt auf knapp 7000 km von der portugiesischen Atlantikküste bis an den bulgarischen Goldstrand. Er ist gleichermaßen Teil des Jakobweges wie auch Nachlassverwalter des ruhmreichen “Bergwanderweg der Freundschaft Eisenach–Budapest”, kurz EB-Weg. Das herausragende Gefühl, mittels eines Kammwegs über dem kleingeistigen Einerlei des Tals hinwegzuwandern gewinnt dank solcher Eigenschaften natürlich ohne Zweifel noch deutlich hinzu.

Routenempfehlung: Laufrichtung Ost-West oder West-Ost?

Es ist merkwürdig, so oft ich den Kammweg der Malá Fatra gelaufen bin, lief ich stets von West nach Ost. Ohne viel darüber nachzudenken, doch als ich es dann doch einmal tat, fiel mir auf dass es triftige Gründe für diese Laufrichtung gibt. Zum einen ist aus dramaturgischer Sicht die Steigerung der Reize und Genüsse in diese Richtung einfach gelungener und zum anderen erreicht man das westliche Ende schneller und unkomplizierter wenn man von Deutschland kommt. Abgesehen davon spricht rein gar nichts gegen die entgegengesetzte Laufrichtung.

Komplettvariante: 1. Tag, Aufwärmetappe, von Bytča bis an den Fuß der Malá Fatra

Dieser Tag hat eigentlich noch gar nichts mit der Malá Fatra zu tun. Zwar sollte man den mächtigen Gebirgskamm fast den ganzen Tag am Horizont erblicken können, doch die Handlung dieses Tages spielt sich komplett außerhalb der Fatra ab. Ich wähle diesen Einstieg dennoch immer wieder gerne da er die perfekte lockere Aufwärmrunde ist und zudem durch dieses entzückende kleine Felsgebirge namens Súľovské vrchy führt. So man etwas weniger Zeit hat, keine Aufwärmrunde braucht oder sonstige Gründe hat, kann man natürlich auch problemlos den Einstieg direkt in Rajec wählen. Auch hierhin kommt man einfach und bequem von Žilina mit der Bahn (37 Minuten Fahrt).  Folgt man jedoch meinem Vorschlag steigt man in Žilina in den Zug nach Bytča (stündlich, 19 Minuten Fahrzeit) und beginnt hier eine der schönsten Wanderungen seines Lebens. Der Einkauf von Proviant und anderen Lebensmitteln in Žilina ist ratsam aber nicht dringend notwendig da wir auf dieser Etappe noch zwei Dörfer kreuzen. Es sei denn die Zeit erfordert es denn die Öffnungszeiten in der Slowakei sind speziell auf den Dörfern teilweise sehr rigide. Es empfiehlt sich daher im Vorfeld der Anreise kurz die Öffnungszeiten in den jeweiligen Supermärkten zu checken um keine böse Überraschung zu erleben.

Steigt man am Bahnhof aus, muss man nur dem Leuchtfeuer der Kneipen folgen um den richtigen Wanderweg zu finden. Die Bar direkt am Bahnhof weist in die Richtung in die man der Straße folgen muss und sobald man nach wenigen Metern auf der rechten Straßenseite erneut in einer Kneipe sitzt, ist man schon zu weit. Kurz davor biegt der blaue Wanderweg ab und führt uns nach einer kleinen Siedlung sanft über Wiesen bergan. Schon nach 1-2 Stunden erreicht man Wald und die Súľovské vrchy. Sollte man sich hier zur richtigen Zeit anfinden, bietet sich diese Gegend auch definitiv zum Übernachten an. Jede Menge moosweiche Schlafplätze und auf einem der Felsen sitzend ein erhabener Ausblick ins Abendrot. Doch in der Regel hält sich die Wanderung hier nicht länger auf. Die Route zweigt vom blauen auf den roten Weg ab bis pod Roháčom erreicht ist. Ab da an geht es auf dem grünen Weg weiter. Der grüne Strich wird unsere Markierung bleiben bis wir den Kamm der Malá Fatra erreicht haben. Nach den Felsen wird das kleines Dörfchen Súľov (Einkaufsmöglichkeiten in kleinem Laden) durchquert. Die Strecke bis Rajec folgt einem gemütlichen Bergkamm und ist hervorragend zum Einlaufen geeignet. Rajec bietet letztmalig vor dem Kammaufstieg Einkaufs- und Restaurationsmöglichkeiten. Hiernach muss eine leider sehr langweilige schnurgerade Asphaltstraße bewältigt werden um den Fuß der Malá Fatra zu erreichen. Sobald man die waldigen, menschenarmen Gebiete erreicht hat, finden sich hier zahlreiche einladende Biwakplätze. Der, den Weg begleitende Bach bietet zusätzlichen Komfort.

Gesamtstrecke: ca. 30km; Höhenmeter: ca.1200m

2. Tag, vom Fuß der Malá Fatra (bei Rajec) bis zum Minčol 

Für den heutigen Tag ist das hier notierte Ziel Minčol lediglich ein Orientierungspunkt. Irgendwo auf dem Kamm wird man letztlich nächtigen, da das komplette Durchwandern der Lúčanská Fatra etwas übertrieben wäre und auch bedacht werden sollte, dass man es vielleicht so einrichten mag, dass am nächsten Tag nur der Abstieg und nicht auch noch der erneute Aufstieg in die Krivanska Fatra anstehen sollte. Es spricht daher nichts gegen ein Plätzchen deutlich vor dem Minčol und einem ausufernd exzessiven Frühstück um den ersten Tag auf dem Kamm gebührend zu feiern.

Speziell die Lúčanská Fatra bietet sich in nahezu jedem Moment als gastfreundlicher Ort für ein gemütliches Zeltlager an.

Doch vor all diesen Genüsslichkeiten steht einer der heftigsten Aufstiege dieser Wanderung. Folgt der grüne Weg anfangs noch dem Bachverlauf und steigt daher eher gemächlich an, ist es damit nach Erreichen des Sattels und des roten Wegs vorbei. Die knapp 400 Höhenmeter, die einem hier auf weiniger als einem Kilometer abverlangt werden, gehen schnurgerade und unerbittlich den Berg hoch. Nicht schön und bei feuchtem Wetter dank des Lehmbodens auch nahezu unmöglich zu erklimmen.  Nachdem man dann jedoch oben auf dem Hnilická Kýčera (1218m) sollte man tief durchatmen, seinen Blick über das Tal schweifen lassen und dich an dem Gefühl erfreuen, dass man den Kamm erreicht hat. Ab hier folgt der Weg dem natürlichen Höhenprofil des Kamms. Dies beinhaltet kleinere Abstiege und Aufstiege, doch prinzipiell ähnelt der Weg einem harmlosen Waldspaziergang mit zwischenzeitlicher prächtiger Aussicht.

Grand Hotel Partyaán

Ein wunderschöner Übernachtungsplatz (insbesondere bei schlechtem Wetter!) ist die Bergwiese Horná Lúka (1299m). Hier steht für jedermann die Schutzhütte Gran Hotel Partyzán zur Verfügung und wenige Meter die Wiese hinab gluckst eine klare Bergquelle aus dem Gras hervor – luxuriöser kann man es kaum haben! Derlei dem Gemeinwohl bereitgestellte Hütten heißen hierzulande útulňa und sind ein wahrer Segen für jeden der die Einsamkeit der Berge dem Gerangel überfüllter Chatas vorzieht. Doch natürlich kann man auch weiterlaufen. Der weitere Weg nähert sich dann langsam den höchsten Erhebungen dieses Gebirgsteils. Auf dem namensspendenden, höchste Berg Velká Lúka (1476m) befindet man sich schneller und müheloser als man vermuten würde. Hiernach sieht man rechterhand zahlreiche Lifts und diverse, dem Wintersport gewidmete Berghütten. Wenn man Glück hat, kann man hier klopfen und bekommt zu rechten Zeit ein kühles Getränk gereicht. Danach wird der Weg wieder deutlich waldiger und nach der letzten Aussicht, dem mit jeder Menge alter Partisanengeschütze bespicktem Minčol, geht es dann endgültig hinab in die Klamm. All die kostbaren Höhenmeter müssen hier wohl oder übel abgetreten werden.

Stumme Zeugen für Lärm und Zerstörung – der südliche Gebirgsteil ist ein einziges Freilichtmuseum.

Gesamtstrecke: ca. 25km; Höhenmeter: ca. 1200m

3. Tag, vom Minčol bis zur Chata pod Suchým

Auch für diese Etappe ist etwas Vorerklärung nötig. Ich für meinen Teil versuche es zu vermeiden an einem Tag solch einen gewaltigen Abstieg UND Aufstieg zu absolvieren. Die Wiesen hinter Strečno  bieten sich dabei auch noch mehr als an um hier zu nächtigen. Da jede Wanderung ihre eigene Dynamik und ihren eigenen Zeitplan entwickelt, sind die Etappen hier eher als grobe Einheiten zu verstehen, die auftauchenden Empfehlungen für Übernachtungsplätze dagegen sollte man schon eher als relevante Markierungspunkte für die eigene Planung in Betracht ziehen.

Doch gehen wir diese Etappe einmal ab: Der Abstieg hat es wirklich in sich. Strečno liegt auf unfassbaren 360 m.ü.M. und do heißt es mal locker 1000 Höhenmeter zu verlieren. Dafür ist der Empfang im Dorf überaus nett gestaltet. Direkt am Dorfeingang, unmittelbar am roten Wanderweg ist eine schnucklige Kneipe in den Fels gehauen. Hier gibt es nicht nur Bier sondern auch einfache Hausmannskost. Sodann führt der Weg über eine schmale Fußgängerbrücke über die Váh um dann sehr bald das Dorf schon wieder zu verlassen. Die saftigen Wiesen, welche sich hier unter der malerischen Burg, die über dem Durchbruch thront, ausbreiten, kann ich wärmstens für ein Nachtlager empfehlen. Im Dorf können natürlich auch ggf. die Proviantbestände aufgefüllt werden.

Ab hier beginnt auch die zweite Variante Das Beste vom Besten: Strečno bis Zázrivá”. Wählt man diese Route so sollte man von Žilina die zwei Stationen bis Nezbudská Lúčka/Strečno (11min) fahren. Achtung, die Bummelzüge die hier halten, sind einzig jene der Kategorie OS. Ihr Ziel lautet entweder Poprad oder Košice, außerdem sollte man nach dem Einsteigen eigentlich schon recht bald aufmerksam am Ausgang stehen, denn die gewünschte Station ist kurz und leicht zu übersehen. Nichtsdestotrotz gibt es selbst an einem solch verlassenen Zwischenhalt direkt eine nette, freundliche Kneipe. Hier kann man sich entspannt auf den drohenden Aufstieg vorbereiten.

Da lugt sie schüchtern hervor, dieser zuverlässige Garant für Bier, Obdach und eine warme Mahlzeit.

Um das heutige Etappenziel, die Chata zu erreichen, gibt es drei Möglichkeiten: die klassische Variante, der rote Weg, führt an der verlassenen Burg vorbei und hat einen recht kontinuierlichen, berechenbaren Steigungsgrad, der blaue Weg führt an der Burg vorbei und nimmt einen streckenweise hysterischen Anstiegscharakter an und zu guterletzt sei auch die vom blauen Weg links abgehende Straße zu empfehlen. Dies ist die kürzeste aber eben auch unspektakulärste Variante um den ersten Schub der erforderlichen Höhenmeter zu erreichen. Die Chata pod Suchým gehört zu einer der schönsten Chatas, die ich persönlich kennengelernt habe. Hier gibt es wohlige Entspannung in gelassener Bergatmosphäre zu fairen Preisen mit netten Leuten. Wirklich überlaufen ist diese Chata, am Wahrnehmungsrand des erlebnisorientierten  Tourismus gelegen,  auch nur äußerst selten.

Gesamtstrecke: ca. 18km, Höhenmeter: ca. 1000m runter, 700m hoch

4. Tag, von der Chata pod Suchým bis zu Chata pod Chelbom

Mit dieser Etappe öffnet die Fatra langsam die Schatzschatulle in der sie ihre Kronjuwelen verwahrt hat. Ich kann jeden verstehen, der sich nur dieses Sahnehäubchen aussucht und den waldigen Teil der Fatra links liegen lässt. Daher sind die Etappen hier auch großzügiger angelegt, da ich dazu auffordere diesem Kamm, so man gutes Wetter hat, mit ausgiebigen Pausen zu genießen.

Kurz hinter dem Suchý erstrecken sich für die nächste Zeit traumhafte Bergwiesen mit freiem Blick in beide Täler und auf beide Tatras. Zentral im Bild der kleine Krivan.

Die Chata befindet sich auf 1075 m.ü.M. und da wir auf dieser Etappe über die höchsten Punkte der Fatra wandern, steht uns also noch einiges bevor. Die Chata ist dennoch ein idealer Ausgangsort für den Tag, da man einen großen Teil des Aufstiegs schon hinter sich hat und somit ohne allzu viel Anstrengung den Kammweg genießen kann. Nachdem man den Namensparton der Chata, den Suchý (1468m) erklommen hat, ist das Gröbste erledigt.  Nach einigen leichten Klettereien über den anfangs sehr felsigen Kamm wird man mit sanften Anstiegen über Malý Kriváň (1671m) und Pekelnik (1609m) – der Velký Kriváň (1709m) ist fakultativ da es ein Gipfelabstecher vomn roten Weg aus ist – zu einer Liftstation am Snilovské sedlo (1524m) geleitet (bis 17 Uhr gibt es hier gastronomisch was zu holen!) .

Rein gar nichts spricht natürlich gegen das Auslassen der beschriebenen Chatas. Ein Bett unter freien Himmel findet sich immer. Blick von der Krivanska Fatra auf Žilina.

Von hier aus ist es über den grünen Weg nur noch ein Katzensprung bis zur Chata pod Chlebom, wo man für einen symbolischen Euro problemlos davor zelten darf. Diese Chata ist aufgrund der Liftnähe und weil sie im Epizentrum der touristischen Höhepunkte liegt, gerne sehr voll bis ausgebucht.

Gesamtstrecke: 12km, Höhenmeter: knapp 1000m

5. Tag, von der Chata pod Chlebom bis zum Sedlo Medziholie

Die Kürze dieser Etappe mag den einen oder anderen stutzen lassen, doch hier spricht der Kammgourmet aus mir und es gibt sehr gute Gründe für meine Empfehlung. Der entscheidende Punkt neben dem Rat nach drei harten Wandertagen immer etwas Ruhe einkehren zu lassen ist die Wiese auf dem Sedlo Medziholie. Diese Bergwiese gehört zu den idyllischsten und inspirierendsten Orten die ich auf all meinen Reisen je erleben durfte.

Zwischen zerklüfteten Backenzahn und gelassenen weiblichen Formen – eine der schönsten Wiesen der Welt!

Zwischen Bergen die gegensätzlicher nicht sein könnten, dem karstigen, zackigen Veľký Rozsutec (1610m) und dem samtenen, weichen Buckel namens Stoh (1608m) befindet sich eine der schönsten Bergwiesen, die ich kenne. Eigentlich ist schon allein diese Wiese Grund genug um sich in die Malá Fatra aufzumachen. Da dieser Sattel auch schon wieder jenseits der touristisch relevanten Gipfelregion ist, kann man hier die Stille der Bergeexzessiv genießen. Medzieholie (1185m) verfügt neben zahlreichen exklusiven Terassenwiesen auch über eine eigene Quelle, so dass dem ausschweifenden Genuss des Draussenseins keine Grenzen gesetzt sind. Und im Angesicht des Umstands, dass es nach dieser Wiese nur noch Abstieg und Zivilisation gibt, bleibt man doch gern noch etwas länger.

Gesamtstrecke: 10km; Höhenmeter:  ca. 700m 

6. Tag, Auslaufen von Sedlo Medziholie nach Zázrivá

Natürlich spricht an so einem Ort nichts gegen ein ausführliches Frühstück und ein gepflegt in die Länge gezogenen Aufbruch. Doch irgendwann muss es dann doch losgehen und so stehen zwei Alternativen für den Abstieg im Angebot. Zweifellos ist der Klassiker, der rote Weg nach Zázrivá, wobei absolut nichts dagegen spricht auf den letzten großen Aufstieg des Veľký Rozsutec hierbei zu verzichten und mithilfe des blauen Wegs den Berg zu umgehen. Mit großem Rucksack ist die Wegführung des Roten eine eher langwierige Plackerei. Ich rate vielmehr dazu, nachdem das Lager in Medzieholie aufgeschlagen ist, diesen Berg wie auch den Stoh, also beide Pole dieses kleinen Bergplaneten, ohne Gepäck nacheinander zu erklimmen. Ein gelungener Abschluss einer wundervollen Woche in den Bergen.

Über den Wolken… ist so so manches mehr als die Freiheit grenzenlos.

Für den Abstieg empfehle ich also entweder hier den blauen Weg zu nehmen, welcher sich dann mit dem Roten am sedlo Medzirozsutce wieder vereinigt um dann nach einem kleinen Aufstieg abrupt hinunter  zu fallen und erst in dem verschlafenen Zázrivá endet. Man kann aber auch den blauen Weg in die andere Richtung nehmen und über den auslaufenden Kamm gen Párnica laufen. Der unschlagbare Vorteil hierbei wäre, dass Párnica an die Eisenbahn angeschlossen ist, während man von Zázrivá erstmal mit dem Bus vorlieb nehmen muss. Ansonsten gleichen sich die Strecken von Länge und Anspruch relativ. Die Route nach Zázrivá kann allenfalls für sich in Anspruch nehmen, etwas reizvollere Ausblicke zu bieten. Über ausgezeichnete Schlafplätze auf den Feldern am Dorfrand verfügen beide Alternativen.

Gesamtstrecke: ca. 20 km; Höhenmeter: etwa 700m

Mögliche Anschlusswanderungen: Der besagte ruhmreiche E3 aka EB kommt hier auf ziemlich bedenkliche Abwege in dem er uns durch jede Menge unspekatkuläre Forstgebiete hin zum Stausee von Trstená führt um dann hinter Zakopane quasi die Vorberge des Vorgebirges der Hohen Tatra zu queren. Nein, so sehr ich vom Goldstandard des EBs überzeugt bin, hier zeigt die Wegführung eindeutig Schwächen auf. Solltest du also nicht zu den schätzenswerten Verrückten gehören, die sich vorgenommen haben, einmal den gesamten Weg von Eisenach nach Budapest zu wandern, rate ich von dieser Anschlusswanderung ernsthaft ab.

Dagegen bieten sich zwei Leckerbissen in direkter Nähe eher an. Gefällt einem das bisher Erlebte und will man das Niveau nicht ansteigen lassen, käme zweifellos der große Bruder, die Veľká Fatra in die nähere Auswahl. Ähnlich wie die Malá Fatra handelt es sich bei diesem, südlich gelegenen Mittelgebirge um eine mit reichlich Wald, Bergwiesen und Felsen ausgestattete Schönheit. Auch hier gibt es einen wunderschönen Kammweg den man gemächlich laufend in 3-4 Tagen absolvieren könnte. Für den Anschluss muss man nicht einmal in einen Zug steigen. Von Párnica kommt man innerhalb weniger Stunden über Stankovany und Korbelka auf den roten Weg, der einen ohne viele Umstände auf den Kamm der Großen Fatra führt.

Westtatra – für den kleinen Niveauanstieg danach.

Die andere Alternative wäre die Westtatra (Západné Tatry). Diese alpine Ouvertüre von dem was dann später in der Hohen Tatra kulminiert, stellt den Wanderer aber schon vor größere Herausforderungen. Hier gibt es beispielsweise keinen durchgehenden Hauptkamm, die Anstiege sind deutlich höher und das Niveau der der Wanderwege steigt enorm. Außerdem ist hier das Wetter sehr unbeständig und wirklich nur in den Sommermonaten überhaupt denkbar. Wer sich von alldem nicht abschrecken lassen will, dem sei empfohlen im Tal angekommen eine Verbindung nach Zuberec oder Huty (beides nur mit Bus zu machen) zu ermitteln. Dies sind jeweils aus meiner Sicht die besten Einstiegspunkte für eine Wanderung in die Westtatra.

 

Weiterführende und hilfreiche Links:

Hütten auf dem Kammweg

 

 

 

Ratgeber: Oder-Neisse-Friedensradweg

Unter all den Radwegen, die jenes menschenleere Gefilde, welches gemeinhin auch unter der Bezeichnung Brandenburg bekannt ist, durchqueren, sticht der Oder-Neisse-Radweg mit einigen Finessen hervor. Schließlich schlängelt er sich unter anderem durch die Landkreise Uckermark, Görlitz und Vorpommern-Greifswald – ihres Zeichens die Landkreise mit der jeweils geringsten Bevölkerungsdichte in ihren Bundesländern. Zudem hat man mit dem Nachbarland Polen, welches man auf diesem Radweg nur selten aus den Augen verliert, stets eine willkommene Abwechslung zum schläfrigen Randzonengebiet und immer bestes, mobiles Internet.

Dem Abendbunt entgegen – Ödnis muss nicht immer grau sein.

Nach mehreren Ausflügen an den Zweistromweg habe ich ihn zwar immer noch nicht komplett abgefahren. An beiden Enden franst der Radweg noch ins geheimnisvoll Umwitterte ab. So betreffen also meine hier getroffenen Aussagen, die Strecke vom sächsischen Rothenburg bis hinauf ins pommersche Löcknitz. Die eigentliche Ausdehnung vom tschechischen Nova Ves bis zum haffigen Ückermünde habe ich bislang noch nicht genießen dürfen.

Andere Wissensquellen:  Eine akzeptable Onlinestimmung könnt ihr bei oder-neisse-radweg.de oder  www.oderneisse-radweg.de erhalten. Ein vorzügliche Vorbereitungsressource bei Radwanderungen jeglicher Natur ist auch stets das radreise-wiki. Hier findet sich eine solide und schnörkellose Tourbeschreibung mit allen notwendigen Koordinaten. Daneben gibt es selbstverständlich auch Offlinequellen wie die bewährten wetter- und reißfesten Tourenbücher von bikeline.

Anreise: Für uns Molochbewohner gehört die Anreise wohl zu den leichteren Aspekten dieser Radreise. Nach einer bizarr kurzen Zugfahrt kann man aus den staubigen und überquellenden Straßen in Gegenden torpediert werden, die Enzyklopädien das Symbolbild für Einsamkeit liefern könnten. Zahlreiche Zugstrecken kreuzen den Oder-Neisse-Radweg. Zur Auswahl stehen die direkt von Berlin zu erreichenden Ziele: Frankfurt (Oder), RE1, Küstrin-Kietz, RB28 und Schwedt (Oder), RE3. Mit einmal in Frankfurt (Oder) Cottbus umsteigen kann man aber auch leicht einen südlicheren Einstiegspunkt wie Eisenhüttenstadt, Guben oder Forst auswählen. Um den Radweg ganz sauber von Anfang an zu fahren, ist ein wenig Aufwand mehr nötig. Ückermünde ist von Berlin aus nach einmaligen Umsteigen in Pasewalk innerhalb von knapp 3 Stunden per Bahn zu erreichen. Bei Nova Ves wird es schon etwas schwieriger: fünfeinhalb Stunden und Umstiege in Cottbus, Zittau und Liberec wären für dieses Unterfangen nötig. Den Wahnwitzigen unter euch sei noch gesagt, dass es auf polnischer Seite einen Zwillingsweg geben soll. Doch nach einer ausführlichen Expedition in die Raderepublik Polen machten wir Erfahrungen der Art, dass wir vom Radfahren in unserem geschätzten Nachbarland vorerst Abstand nahmen.

Übernachten: Auch wenn es sich hier fraglos um recht unbesiedelte Gebiete handelt, durch die man radelt, allein durch die wachsende Popularität des Fernradwegs sind etliche Unterkünfte an ihm entlang emporgeschossen. Diese lassen sich mühelos mit den oben genannten Informationsquellen entdecken oder auch einfach auf offener Strecke vom Wegesrand ablesen. Doch für den Oder-Neisse-Gourmet empfiehlt es sich natürlich den Tag draußen nahtlos in die Nacht übergehen zu lassen und die freie Natur ohne lästige Unterbrechung zu genießen. Gelegenheit hat man hierzu wahrlich genug. Wer diesbezüglich noch ein paar Tipps braucht, liest mein frisch herausgekommenen Wildzelten-Ratgeber.

Charakteristik der Strecke: Die gesamte Strecke beträgt 538 km, ist also in Anbetracht der gut ausgebauten Wege und des größtenteils ebenen Verlaufs in einer guten Woche zu schaffen. Ich tendiere dazu den Weg grob in drei Teile aufzugliedern:

  • Vom bergigen Dreiländereck ins Flachland – von Nova Ves bis Forst
  • Von der Lausitz in den Oderbruch – von Forst  bis Schwedt
  • Der platte Rest – Von Schwedt bis ans Haff.
Der Protagonist des ersten Teils -die Lausitzer Neisse

Der hügelige Teil im Süden wird Richtung Zittauer Berge und Liberec mit Sicherheit noch zunehmen. Der von mir befahrene Teil beendet seine Hügeligkeit von Rothenburg aus gesehen ein paar Kilometer vor Forst. Obzwar dieser Streckenabschnitt hier als hügelig bezeichnet wurde, kann man dennoch, selbst mit mittelfiter Erscheinung ohne viel Anstrengung Kilometer machen. Wenn man von Norden kommt, sollten die kurvigen Etappen mit abwechslungsreicherer Vegetation und der immer versteckter agierenden Neisse einen wahren Hochgenuss darstellen. Nach all der Plattheit sollte dies definitiv nochmal ein gelungener Wachmacher sein. Desweiteren locken auf dieser Etappe reichlich Außergewöhnlichkeiten, die eine kurze Erwähnung wert sein sollten. Die Altstadt von Görlitz sollte für den schöngeistig gesinntem Radler ein Muss sein. Diese alte, reiche Handelsstadt, welche im Krieg kaum zerstört und in den letzten Jahrzehnten edelst restauriert wurde, weiß als überbordender Schauplatz von Renaissance, Barock und Gotik zu überzeugen.

Fürst-Pückler-Park- verstörend betörend

Der nächste Höhepunkt auf der Strecke ist der in Bad Muskau gelegene Fürst-Pückler-Park. Dieser Park, welcher als der größte Landschaftspark Zentraleuropas im englischen Stil gilt, wurde ebenfalls in den letzten Jahrzehnten liebevoll restauriert und  kommt schockierend betörend daher. Der größere Teil des Parks befindet sich in Polen und ist durch mehrere bezaubernde Neissebrücken miteinander verbunden. So behaupte ich einfach mal, dass man wohl kaum schöner in Polen einreisen kann als bei einem Besuch in diesem einzigartigen Park.

Eines von vielen Instagram-Epizentren. Man denke sich nur wie schön es hätte sein können, wenn sie das Wasser nicht abgelassen hätten.

Nicht ganz auf der Stammstrecke aber einen Abstecher wert ist der Azaleen- und Rhododendronpark Kromlau. Hier kann man zur richtigen Jahreszeit in einem unbeschreiblichen Blütenmeer waten und zu jeder anderen Jahreszeit die spektakuläre Konstruktion der Rakotzbrücke bestaunen. Zur Entfernungsorientierung Rothenburg- Forst: 70km

Kommen wir nun zum großen Mittelteil: Von der Lausitz in den Oderbruch. Genaugenommen befinden wir uns auch schon zuvor in der Lausitz, denn das gesamte Gebiet bis Zittau gehört zu dieser Region, genauer zur Oberlausitz. Nachdem wir das waldige und abwechslungsreiche Stück bis Forst absolviert haben, befinden wir uns dann aber definitiv in der Niederlausitz. Ab Forst ändert sich der Charakter der Strecke. Wenn sich aufgrund des Terrains zuvor der Radweg sehr oft vom Flusslauf (der hier noch ein weitgehend naturbelassen ist) entfernt, so bleiben wir nun fast immer in Sichtweite. Der Weg wird immer ebener und schnurgerader und nutzt vielfach die angelegten Deiche für die Streckenführung. Zu Forst ist nicht allzu viel zu sagen, es sei denn man möchte nach den zwei zuvor erlebten Parks noch einen drauf setzen. In Forst kann man sich mit Rosen vergnügen – der Ostdeutsche Rosengarten wartet auf erlebnishungrige Floristen. Offensichtlich ist der exaltierte Kleingärtner in dieser Region mehr als einmal auf offene Ohren gestoßen.

Das braune Gold Lausitz – ganze Dörfer verschwinden für diesen räudigen Rohstoff. Entzückend!

Auf dem Weg nach Guben radelt man durch saftige Auen und schattige Wälder. Bis zur Wende gab es hier noch eine Zugverbindung, doch Mutter Natur hat gut gewerkelt um diese Episode ungeschehen zu machen. Mit den riesigen Tagebauen, die an der Strecke aufklaffen, hat sie dagegen wohl noch lange zu tun. Mit einem Co2-Ausstoß von 23,3 Mio. Tonnen ist das anliegende Kraftwerk Jänschwalde das vierschmutzigste Europas.

Angesichts solcher Erlebnisse schadet es nicht, dass das polnische Pendant von Guben, Gubin nicht weit ist. Das überraschend hübsche Kleinstädtchen ist die perfekte Raststätte um dergleichen Anblicke mit einem frischen Fassbier hinunterzuspülen. Nach Guben geht es auf ähnlicher Strecke wie zuvor weiter nordwärts, bis endlich nach gut 10 km endlich die Oder hinzuplätschert. Von hier lohnt sich ein kleiner Abstecher nach Neuzelle (5km) um Kloster wie Klosterbrauerei gebührend zu würdigen. Mit fremdenverführerischer Koketterie weiß man darauf hinzuweisen, dass hier angeblich das erste Bierbad Europas eröffnet habe. Danach kommt Eisenhüttenstadt, doch der Weg kreuzt nur zaghaft das winzige Altstadtzentrum und so sieht man wenig vom speziellen Charme der sozialistischen Planstadt. Wen das Einzigartige mehr als das Schöne reizt, dem sei ein kleiner Ausreißer in die Neubauschluchten Stalinstadts empfohlen.

Jede Menge Gegend für jede Menge Entspannung.

Dann geht es auf gewohnt prächtig ausgebauter Strecke nach Frankfurt (Oder) und hiermit sind wir dann auch endlich im Oderbruch. Dieses ehemals komplett versumpfte Urstromtal, welches der Alte Fritz trockenlegen ließ, legt noch mal eine gewaltige Schippe hinsichtlich Flachheit drauf. Die alternativlose Ebene dieser Region sowie ihre offenherzige Leere findet viele Liebhaber, aber auch reichlich Menschen, die dieser Landschaft ratlos gegenüberstehen. Dabei muss gesagt sein, dass interessanterweise die Strecke zwischen Küstrin und Hohenwutzen, also das Filetstück des Oderbruchs, zu den touristisch am besten erschlossenen Stücken des Radwegs gehört.

Polenmarkt Hohenwutzen – endlich normale Leute!

Was ist sonst noch zu erleben? Den, aus Funk und Fernsehen bekannten Polenmarkt in Hohenwutzen sollte man definitiv mit einer Stippvisite beehren, in Stolpe haben wir ein wunderfeines, kleines Künstlercafé (“Fuchs&Hase”) entdecken dürfen und Schwedt, tja Schwedt, hier fühlt man die Uckermark. (Zur Streckenorientierung, Forst-Schwedt: 218km, also eher etwas für 2-3 Tage)

Anfahrt auf Stolpe – den Oderbruch im Rücken

Der platte Rest – von Schwedt bis ans Haff – von hier führt der Weg nun durch den Nationalpark “Unteres Odertal” durch endlos scheinende Sümpfe welche ausreichend mit Vögeln ausgestattet sind. Die Route führt ins entspannte Mescherin, die den letzten Ausflug per Brücke nach Polen offeriert. Das zu besichtigende Gryfino auf der anderen Seite ist aber eher etwas für den Kenner desaströser Stadt- und Infrastrukturplanung. Die von gnadenlosem Transitverkehr umtoste, alte Backsteinkirche kann nur mit größter Mühe wahrgenommen werden und die ausgefransten Neubauten bieten einen wenig erklecklichen Rahmen für diesen gescheiterten Siedlungsversuch.

Das einzig wahre Feldbett. Entlang der Neisse wie der Oder gibt es etliche Gelegenheiten hierfür.

Ab Mescherin wendet sich der Radweg irritierenderweise vom vertrauten Flusslauf gänzlich ab und führt weit hinein ins Innenland. Sei es weil selbst die Oder auf dieser Höhe sich in zwei Flüsse geteilt hat, oder sei es weil der Weg sonst folgerichtig durch Polen führen müsste, auf jeden Fall geht die Strecke nun über weite Felder durch den Landkreis Greifswald-Vorpommern. Nach einem kleinen Schlenker über Penkun, geht es wieder steil nach Norden. Nach Löcknitz sind es noch gut 50km bis Ückermünde. Wer mag kann hier sogar das Angebot wahrnehmen die (in der Saison) dreimal am Tag (8:10/11:30/15:10) verkehrende Fähre nach Usedom zu besteigen um den Ausflug mit der echten Ostsee zu krönen. Angesichts der saftigen Überfahrtspreise (Preisbeispiel für zwei Fahrräder+zwei Erwachsene für 80 Minuten Fahrt: €48,40) würde ich dagegen eher zu einem Stettinbesuch mit kleiner Bahnfahrt zum Meer raten. (Streckenorientierung. Schwedt-Löcknitz: 70km)

Lebus – Bacchus – Zielonus Górus

Ein weiteres Mal zuckelte die  Karawane in die Ferne. Das ehrbare Ansinnen, allen Nachbarn einen kleinen Besuch abzustatten, führte dieses Mal zu so etwas wie einem Heimspiel. Schließlich ist der Polonisierungsgrad der üblichen Reisegruppenzusammensetzung doch erheblich über dem Durchschnitt. Andererseits war Zielona Góra für uns relatives Neuland. Die kleine unscheinbare Weinmetropole sollte, so der Plan, uns an einem Wochenende nicht überfordern, sondern uns ein paar gelassene Herbsttage in der Provinz gestatten. Doch wir hatten es wohl ein wenig unterschätzt. Wer hätte das gedacht? Zielona Góra ist mehr als ein Two-Night-Stand!

Ratgeber: Wandern und andere Fortbewegungsarten in den ukrainischen Karpaten

Auch wenn meine Euphorie, erstmals in der Ukraine wandern zu dürfen, hier wohl diskret zwischen den Zeilen durchgesickert sein dürfte, für den gemeinen Biodeutschen assoziiert die Ukraine bestenfalls mit Panzerkrieg und Tschernobyl. Aus Gründen wie diesen versuche ich seit einiger Zeit in regelmäßigen Abständen, entdeckenswerte Regionen zu präsentieren und alles Wissenswerte für den Start bereitzulegen (gern darf dies auch immer von anderen Reisenden mit zusätzlichen Informationen ergänzt werden). Eine Region über die es keinerlei Reiseführer gibt, Kartenmaterial nur umständlich zu erhalten ist, eine Weltenecke, welche aus mitteleuropäischer Sicht nicht mal verrufen sondern schlichtweg nicht existent scheint, birgt für eine ausgewogene Beschreibung eine enorme Verantwortung. Denn obwohl Transkarpatien von Berlin aus näher als Paris, scheint es unserer Welt doch so fern und ist daher leicht misszuverstehen. Doch nach nur einer entspannten Nacht auf dem Schienenbett wird dem aufgeschlossenen Reisenden hier eine Lebenswirklichkeit serviert, welche ob ihrer Unverbrauchtheit und Selbstverständlichkeit gleichermaßen fasziniert. Damit dieses jedem interessierten Menschenwesen möglichst problemlos gelingt, hier nun meine Anleitung für diesen vergessenen Gebirgszipfel im Herzen Osteuropas. Denn ich fühle dieses Mal mehr als sonst, dass Aufklärung Not tut um das Naheliegende in der Ferne erkennbar zu machen und die Karpato-Ukraine in das Licht zu rücken, welches sie verdient.

Wer vor soviel Text sich erst einmal visuell überzeugen möchte, dem empfehle ich wärmstens “Transkarpatien in Farbe und bunt”

Karpato-Ukraine, Transkarpatien oder Sakarpatia – was denn nun?

Dort wo die Karpaten die Kurve kriegen, wo sich also dieser wundervolle über 1300 km lange Gebirgszug entscheidet nach Süden gen Transsylvanien abzudriften, dort in etwa liegt jene historische Region die heute unter dem eher prosaischen Titel einer administrativen Verwaltungseinheit, Oblast Transkarpatien (Закарпатська область/Sakarpatska oblast) firmiert. Und hierbei stoßen wir schon auf die erste Merkwürdigkeit. Der Ukrainer schiebt ein “Sa” und der Deutsche ein “Trans” vor die Karpaten um eben jenen Raum zu beschreiben. Aufmerksame, treue Leser erinnern sich vielleicht noch an ein ähnlich gestricktes Problem im Falle von jenem sonderlichen Landstrich namens Transnistrien. Während der Mitteleuropäer mit dem Prefix “trans” suggeriert, dass da etwas “hinter” den Karpaten sei, versteht der Ukrainer mehr von seinen Regionen und weiß, dass diese eher “auf” den Karpaten liegt. Man könnte diese Begriffsverwirrungen hier noch problemlos weiterführen, denn die Geschichte dieses Fleckchen Erdes kennt zahlreiche Besitzer, welche sich im Zuge der Jahrhunderte hier die Herrschaftsklinke aus der Hand rissen und in dessen Gefolge der Benennungswirrwarr erst richtig losging.

Denn diese Gegend hat im 20. Jahrhundert wohl öfter einen Herrschaftswechsel mitmachen dürfen als anderswo auf der Welt. So kursiert die (theoretisch mögliche ) Legende von jener schlohweißen Babuschka, welche in Österreich geboren, in der Tschechoslowakei zu Schule ging, in Ungarn einen Sohn gebar, sich in der Sowjetunion als Näherin durchschlug und nun in der Ukraine ihre magere Rente bekäme. Dies alles ohne je ihr Dorf zu verlassen. Schon auf den ersten Blick (oder besser, angesichts des Kauderwelschs an slawischen Sprachen, was man hier zu hören bekommt) begreift man, dass man sich hier nicht wirklich in der Ukraine befindet. Wie viele Gebirgsregionen in Grenzgebieten hat es das homogenisierende Nationenkonstrukt, welches die jeweilige Hauptstadt entwarf, in den entlegenen Bergtälern der Peripherie meist viel schwerer sich auszubreiten. So auch hier. Wen wundert’s angesichts dieser turbulenten Vorgeschichte. Die knappe Million Menschen die hier lebt teilt sich in ca. 30 Nationalitäten auf. Huzulen, Lemken, Boiken – Nationalitäten, die teils wie aus einem Fantasy-Roman entsprungen klingen. Und so leben sie dort, eingezwängt von abstrakten Grenzen, die von etwas noch Absurderen wie Staaten durch das Gebirge gezogen sind, in der irrigen Annahme diese majestätischen Gipfel, mächtigen Bergkämme und undurchdringliche Wälder trennen zu können. In den versunkenen österreichischen Kronländern Galizien und Bukowina stößt man kurz hinter der Grenze der EU auf ein irritierendes wie betörendes Gemisch von Weltabgeschiedenheit, von Herzen kommender Freundlichkeit, bitterer Armut und einer einfachen Art zu leben, die der Standardeuropäer längst verlernt hat. Doch genug der Vorrede, damit auch ihr bestens vorbereitet euren Ausflug anträumen könnt, stelle ich nach erprobten Modell hier wieder ein kleines Starterpack ins Netz.

Andere Wissensquellen: Wie eingangs schon erwähnt, solltet ihr mit dem Gedanken spielen, euch im Vorfeld eurer Reise mit einem kleinen Büchlein zur Gegend auszustatten – lasst es bleiben! Vertraut mir, es gibt nichts. Selbst, der in Sachen abseitiger Reiseziele hochverehrte “Conrad-Stein-Verlag”, weiß hier mit lupenreiner Nichtigkeit zu überzeugen. Zwei Bücher habe ich dann doch gefunden, die mich bestens einstimmten und welche ich als Reisevorbereitung wärmstens empfehlen kann.

Aus der Zusammenarbeit der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und dem ukrainischen Biosphärenreservat ist ein tolles Buch entstanden (“Naturführer: Urwälder im Zentrum Europas”) welches sich jeder mühelos als PDF herunterladen kann. Hier erhält man nicht nur einen profunden Überblick über die hiesige Flora und Fauna, sondern, wie es sich für einen Naturführer versteht, sind hier auch reichlich Routen- und Wandervorschläge enthalten, die durchaus inspirierend für eigene Touren sein können. Außerdem kann ich Martin Pollacks kleines Büchlein “Galizien. Eine Reise durch die verschwundene Welt Ostgaliziens und der Bukowina” empfehlen. Es vermittelt auf charmante und geistreiche Weise einen Blick durch das Jahrhundert hindurch auf jene Zeit in der diese Gegend zwar ebenfalls bettelarm am Rand eines großen Landes versteckt lag, aber dennoch ein ganz anderer Kulturraum als heute war. Mich ließ dieses Buch über alle Maßen begeistert zurück, es weitet den Horizont aus der Mikroperspektive heraus und lässt mittels nachvollziehbarer Beschreibung der Vergangenheit die Gegenwart besser verstehen. Keine Frage Pollack hat in mir einen neuen Verehrer gewonnen. Von derlei Literatur sollte es definitiv mehr geben.

Die Problematik, an geeignete Karten heranzukommen, erwähnte ich bereits. Es sei hier in aller Form davon abgeraten lässig abzureisen ohne sich in irgendeiner Weise darüber Gedanken gemacht zu haben, wie man an Karten zu kommen gedenkt. Vor Ort sind sie jedenfalls keine normale Handelsware. Selbst übliche Verkaufsstellen wie Nationalparkeingänge, Hotels oder sonstige Hot Spots des Tourismus verfügen hier weder über Karten zur Orientierung wie im übrigen auch nicht über Karten zum verschicken. Diesen Mangel kann man auf zweierlei Weise überwinden: Karten lassen sich per Internet (bspw. bei polenkarten.de) ergattern oder man kauft sie vor Ort in auserlesenen Spezialläden. Verbindliche Sicherheit hat man beispielsweise in Uschgorod (am Ende der Voloschina-Straße in Uschgorod, 48°37’27.1″N 22°17’52.9″E)

Die für mich dieses Mal beste Methode dem Defizit zu begegnen war jedoch ein GPS-fähiges Gerät und gutes Offline-Kartenmaterial. Ich verwendete hierfür ein robustes Smartphone und die App Osmand. Bei der Umsonstversion von Osmand sollte man sich nicht von der Begrenzung an Offlinekarten erschrecken lassen, diese sind problemlos erweiterbar bis die Speicherkarte platzt. Die jeweiligen Karten sind hier runterladbar. Allerdings braucht man für eine Reise nach Transkarpatien ja auch wieder nicht allzu viele Karten. Für Route und aktuelle Tipps zum Wandern in Transkarpatien kann ich voller Ehrerbietung und Dank das Projekt eldp8.de von Rolf Gerstendorf empfehlen. Obzwar diese Seite im eigentlichen Sinne dem Europafernwanderweg E8 gewidmet ist, erhält man hier bislang die aktuellsten und wertvollsten Informationen für eine Wanderung in Transkarpatien, so man beschlossen hat auf der Route des E8 zu wandern. Dies so sei aber angeraten, ist für den Anfang eine durchaus sinnvolle Einstiegsdoroga!

An- und Einreise: Die Frage nach dem “Wie-komm-ich-hin?” ist in meinen Augen nur schienbar eine offene Frage. Selbstverständlich stehen Flugzeug und Auto zur Debatte, doch aus Gründen innerer Überzeugung sowie auch ganz simpel aufgrund fehlender eigener Erfahrung werde ich mich im folgenden ausschließlich über den Schienenweg auslassen.

Überblick der Gemengelage. In zarten braun gehalten sind die einzelnen Gebirgsketten, die die Region so anzeiehnd machen.

Das klassische Tor in die Berge Transkarpatiens ist Uschgorod. Von hier aus ist sind alle in Frage kommenden Ausgangspunkte für die jeweilige Bergwanderung mühelos erreichbar. Zwei Möglichkeiten, Uschgorod zu erreichen:

  • mit dem Nachtzug Prag-Kiew erreicht man Chop (danach Anschluss nach Uschgorod)
  • mit dem EC nach Budapest und von dort mit der ungarischen Bahn bis Záhony, dann über die Grenze nach Chop gefahren (danach Anschluss nach Uschgorod)

Von Berlin aus gerechnet, kommt man also in deutlich weniger als 24 Stunden und ohne nervige Umsteigerei in die ukrainischen Berge. Die Preislage sieht, so man ein paar Wochen vorher ordert in etwa so aus (Stand: August 2017): Berlin-Prag €30; Praha-Chop ca. €50 im Liegewagen;  insgesamt also €80/ Berlin-Budapest €40, Budapest(Nyugati)-Záhony ca. €20; insgesamt also etwas über €60 dafür aber einmal mehr umsteigen und weniger tschechoslowakischer Bahngenuss.

Die Alternativroute für alle die den Berghunger möglicherweise noch mit einen kleinen urbanen  Aperitif ergänzen möchten: Die Anfahrt über die unbekannte Schönheit Lemberg/Lwów/Lwiw. Von hier erreicht man ebenso alle bergigen Ausgangsorte in Transkarpatien, dauert halt nur etwas länger, was sich aber im gemütlichen Sowjetwaggon bestens ertragen lässt. Die Anreise erfolgt hier idealerweise über Polen, wobei es auch durchgehende Züge von Bratislawa, Budpest oder Wien gibt. Die sichere, unkomplizierte Planung wird einem hier durch die verquaste polnische Buchungspraxis verdorben. Polnische Einenbahntickets lassen sich immer noch nicht online erwerben. Wer also nicht den Luxus hat, nah an einem internationalen polnischen Schalter zu leben (von Berlin aus bspw. Kostrzyn), dem empfehle ich folgendes: entweder von Görlitz oder von Küstrin bis Wrocław, von hier nach Przemyśl an die polnisch-ukrainische Grenze. Hier wirft die marode Madame PKP dann einen Zug pro Tag nach Lemberg ins Rennen (14:26), aber von hier aus sollte es auch reichlich Mitfahrgelegenheiten und Busse geben. Wenn man es irgendwie schafft, vorher in Polen zu sein, kann man auch den durchgehenden Zug mittels Liege- oder Schlafwagen buchen. Es fährt ein Zug abends und einer morgens nach Lemberg (Ein Liegewagenplatz für die gesamte Strecke kostet ca. €60)

Als entspannten Geheimtipp zur Einreise kann ich auch noch die von uns absolvierte Route empfehlen. Hierbei reist man, statt von Prag nach Chop, nach Humenné (Berlin-Prag €30; Praha-Humenné ca. €25 im Liegewagen), dann weiter mit dem Bus (€2,85) bis Ubl’a, dem letzten slowakischen Ort vor der Grenze. Von hier aus kommt man über einen sehr entspannten, neu eingerichteten Grenzübergang nach Transkarpatien. Wenig Autoverkehr und Grenzer, die mit westlichem Wandersvolk Erfahrung haben da hier beispielsweise der “East-Carpathian-Greenway” entlangführt.

Herumreisen: Das Fortbewegen in Transkarpatien mag für den Osteuropaneuling durchaus einige Herausforderungen bereithalten. Diese vernachlässigte Peripherie eines nicht minder vernachlässigten Landes bietet neben den ererbten Obskuritäten sowjetischer Transportkultur ein erschreckendes Bild des Verfalls in jeglicher Hinsicht. Ob Bahn oder Straße – Fortbewegung folgt hier anderen Prämissen als im Goldenen Westen.

Eisenbahn – einstmals das souveräne Verkehrsmittel des Volkes, fristet es nun ein erbärmliches Schattendasein am Rande der Gesellschaft. Zwar sind die Züge voll und werden gern genutzt, doch die alten sowjetischen Modelle krauchen alterschwach auf wackeligen Gleisbett dahin, ihre Frequenz ist eigentlich nicht der Rede wert und wird höchstwahrscheinlich nur von extrem langfristigen Planern und Zugconnaiseuren genutzt.

Auf der ehemaligen Magistrale Lemberg-Wien verkehren aktuell nur noch drei Züge täglich. Vielleicht einer meiner traurigsten Momente in drei Wochen Ukraine.

Dabei ist sie weiterhin die preiswerteste Art zu reisen, doch ihre Nutzung will gekonnt sein. Da das beliebte Nahverkehrsmodell der Elekritschka offenbar aus dem Verkehr gezogen wurde, kann nur noch mit den wenigen überregionalen Zügen gereist werden. Hierbei gilt einerseits, dass das Ansinnen heute zu kommen um für heute eine Verbindung zu buchen eher ungewöhnlich ist und in der Ferienzeit sich auch als dementsprechend schwierig gestalten kann. Daher, so es möglich ist, gerne ein paar Tage vorher Tickets kaufen. Für den Ticketkauf reserviere man sich auch reichlich Zeit. Zumeist gibt es einen Schalter und das Ritual des Kaufs bedeutet, dass jede Kundenaktion deutlich mehr Zeit benötigt als man vermuten würde. Denn der Kauf eines Tickets ist sehr persönlich, sprich die Daten eines jeden Reisenden müssen eingetragen, diverse andere Fragen geklärt werden. Der gesamte Prozess wird von derartig viel unnötigen Ballast abgebremst, dass man hier eigentlich nicht genug Zeit einplanen kann. Aber es lohnt sich.

Und wenn die letzte Bohle verrottet ist, der letzte Zug auf der letzten Lok pfeift und die letzte Weiche falsch gestellt ist – werdet ihr immer noch nicht begreifen, dass die beste Art des Reisens verloren ist.

Für absolute Beginner hier nur kurz ein paar Dinge. Ähnlich einem europäischen Schlafwagen werdet ihr am Eingang eures Waggons von eurem Schaffner in Empfang genommen. Er behält für den Rest der Reise eure Tickets, versorgt euch mit Bettwäsche und auf Wunsch mit Tee und Snacks. Zwei Klassen stehen zur Verfügung: Kupe und Patskartni. Während erstere unseren Liegewagen gleicht, also einem soliden 6er-Abteil, handelt es sich bei letzterem um so etwas wie einen Schlafwagen ohne Abteile und dem verstörenden Begleitumstand, dass auch im Gang noch zwei Betten pro “Abteil” rangeklemmt sind. Was jetzt merkwürdig klingt, ist eine überaus annehmbare Art zu reisen und wie ihr hier eure Betten zusammenbaut, findet ihr schon alleine raus.

Bus – Man sollte nun annehmen, dass der übliche Zerfall des Schienenverkehrs zumindest dem Busgewerbe zum üblichen kurzfristigen Goldrausch verhelfen würde. Doch dies kann nur in  begrenzten Maße behauptet werden. Zwar liegt die Taktfrequenz hier deutlich höher (alles andere wäre auch gleichbedeutend mit der kompletten Einstellung des Verkehrs gewesen), doch pfeift auch hier die gesamte Struktur auf dem letzten Loch. Der gesamte Fuhrpark wie ein großer Teil der Straßen sind in jämmerlichen Zustand. Das gesamte System des öffentlichen Nahverkehrs jenseits der Schiene macht einen unorganisierten, chaotischen Eindruck. Busverbindungen existieren zwar, doch Zeit, Dauer und Zuverlässigkeit stehen auf einem anderen Blatt. Nichtsdestotrotz gehören Busse zum unverzichtbaren Fortbewegungsmittel und wenn allein nur um erleichtert aussteigen zu können und sich hiernach noch mehr auf die unberührte Natur und die Gnade des Selberlaufendürfens zu freuen.

Alles was sich bewegt, kann dein Taxi sein. Öffentlicher Nahverkehr in Bauernhand.

Mitfahrgelegenheiten – Doch nichts wird so traurig gegessen wie es wahrgenommen wird, oder wie lautet diese Lebensweisheit noch gleich? Wenn man sich also immer weniger auf, vom Staat oder freien Unternehmertum ausgehende Methoden der Fortbewegung verlassen kann, so springt hierzulande die aus der Not und der Wendigkeit der Menschen geborene Bereitschaft ein, um Menschen von A nach B zu befördern. Selten bin ich auf einer Reise von dieser Kürze mit solcher Selbstverständlichkeit mit einer vergleichbaren Zahl an unterschiedlichen Transportvarianten mitgenommen wurden. Die miserable Qualität der Straßen begünstigt zweifelsohne jene Modelle, welche durch eine gewisse Robust- und Grobheit zu überzeugen wissen. Ob mit den mächtigen, wie aus einem Stahlquader geschnitzten Lastern ZIL oder URAL, den anscheinend allmächtigen Kleintransportern UAZ oder auch mal ganz schlicht im bergfest zurechtgerüttelten PKW. Die Vielfalt der Möglichkeiten ist schier grenzenlos und wird nur von der Bereitschaft zur Mitnahme übertroffen.

Der kleine Grüne, ein gern gesehener Untersatz auf dem Weg in die Berge.

Fahrradfahren – Hierüber kann ich leider nicht aus der eigenen Erfahrung schöpfen, auch wenn ich als passionierter Fernradfahrer die Lage hier als eher suboptimal, allein der Straßen wegen, einschätzen würde. Das Netz verrät jedoch, dass es einige gewagt haben und ihre Berichte klingen nicht so übel wie ich es mir vorgestellt hätte.

Wandern – kommen wir nun zu der Fortbewegungsart wegen der alle vorgenannten eigentlich nur erwähnt wurden – der Urgroßmutter aller Bewegung – dem eigenständigen Laufen. Bzw. ihrer gestählten Cousine, dem Wandern mit Rucksack, also eher die Kategorie zivilisationsausblendender Parkspaziergang. Doch auch wenn man dem nichts abgewinnen kann und eher dem federleichten Tagesausflug zuneigt, auch dies ist problemlos möglich. Vorausgesetzt man hat die Navigationsfrage (s. Andere Wissensquellen) irgendwie für sich gelöst, steht dem selbstbestimmten Gang in die Berge Transkarpatiens nichts mehr im Wege. Natürlich sind die Wanderwege unterschiedlich gut markiert, in unserem Fall spürten wir zum Beispiel deutlich wie die Qualität Richtung Osten, also hin zu den Filetstückchen der Region, deutlich zunahm. Oftmals leiden die Wanderwege unter jenem, auch aus anderen Gegenden bekannten Syndrom, dass sie dort wo ihr Verlauf offensichtlich ist, überdeutlich markiert sind, dagegen an heiklen und unübersichtlichen Stellen durch Abwesenheit glänzen. Als Merkspruch mag gelten, möglichst konzentriert bei Auf- und Abstieg zu sein, auf den baumlosen Hochwiesen der Karpatenkämme ist der Weg der nächsten Tage meist auch ohne Wanderzeichen ersichtlich. Ich kann an dieser Stelle nur nochmals auf GPS-fähige Geräte verweisen. Wahrscheinlich gänge es auch ohne, doch es hat mit Sicherheit viel unnötiges Suchen und zurücklaufen erspart.

Kammwegweiser mit Weg im Hintergrund.

Sprache: Eines sei gleich vorweggenommen: Auch wenn die Reiseratschläge zur Region, wie erwähnt äußerst mager ausfallen, ein Tipp wiederholt sich meist in steter Penetranz – ohne Russisch- oder Ukrainischkenntnisse sei man hier komplett aufgeschmissen. Nun, was soll ich sagen?! Da ist was dran. Allein die Unkenntnis der kyrillischen Buchstaben würde einiges erschweren. Und lasst jegliche Hoffnung hinsichtlich der üblichen Sprachstützräder fahren – hier in den Bergen spricht man nicht in derlei exotischen Zungen wie Englisch oder Französisch. Jedoch möchte ich ergänzen, zumindest in dieser hier besprochenen Grenzregion ist man gut dabei so man wenigstens eine slawische Sprache halbwegs beherrscht. Die eingangs schon erwähnte wechselhafte Geschichte Transkarpatiens erzeugte eine Bevölkerung, welche sich größtenteils nicht als Ukrainer empfindet und förmlich zwischen den Sprachen zu schwimmen scheint. Und so genießt jedenfalls ein osteuropäisch geschultes Ohr hier Gespräche, die sich schwer einordnen lassen und unablässig zwischen den Sprachen springen. Versucht man ein Gespräch nun auf Russisch zu führen wird dies ohne Murren akzeptiert, doch schon nach kurzer Zeit entschwindet der Gesprächspartner zumeist in sein panslawisches Kauderwelsch. Ähnliches geschieht wenn man ein Gespräch auf Polnisch beginnt.

Kolotschawa, ein Dorf im Rajon Mischhirija in der Oblast Transkarpatien – mitten im Herzen der Tschechoslowakei

Bliebe abzuwarten was bei einem tschechischen Gesprächsstart geschehen würde, denn dies ist mit Abstand die hiesige lingua franca. Tschechisch? Ja, richtig gelesen. Der kurze Abschnitt in der Geschichte Transkarpatiens (1919-1938) in der man tatsächlich zur Tschechoslowakei gehörte sowie ein reges Interesse von tschechischer Seite nach der Wende (touristisch erlebend wie auch Tourismus-Infrastruktur aktiv aufbauend) führten offensichtlich dazu, dass diese von allen anderen vergessene Ecke einzig über die Tschechoslowakei eine zarte Verbindung in die große, weite Welt aufbauen konnte. Dieser überraschende Einfluss treibt dabei solch entzückende Blüten wie der Begleiterscheinung, dass man in manchen Karpatendörfern von Kindern mit einem flötenden “Achoj” begrüßt wird. Ein bezauberndes Erlebnis, als ob die russischen Cousins des kleinen Maulwurfs aus den Vorgärten springen würden.

Menschen: Es sollte aus dem zuvor Geschriebenen schon leicht hervorgequollen sein, dass der hiesige Menschenschlag ein durchaus netter ist. Selten habe ich auf Reisen dieser Länge das völlige Ausbleiben von unangenehmen Momenten oder kleineren Problemchen erlebt. Wir müssen hier definitiv Glück gehabt haben, denn ich bin ein fester Anhänger der These von einer universellen Idiotenquote überall auf diesem Planeten. Doch andererseits spricht es auf jeden Fall für die Menschen hier, denn an anderen Flecken der Erde fallen einem besagte Idioten zumindest schneller auf.  Es sind herzliche und freundliche Menschen. Menschen die aufgeschlossen und interessiert sind, ohne aufdringlich zu sein. Ein wenig schimmert bisweilen auch eine gewisse weltabgeschiedene Naivität durch, welche jedoch ohne Dünkel und Angst daherkommt, sondern sich stets entspannt auf den Fremden einlässt.

Passt diese kleine Gruppe netter Bergtouristen in das mit Kram bis zur Decke vollgestopfte Auto im Hintergrund? Den gemeinen Waldkarpaten regt dabei allein schon die Frage auf.

Bei allem Lob sei an dieser Stelle aber auch angedeutet, dass der weibliche Reisende in Nuancen anders behandelt wird als sein männliches Pendant. Dies hat vielleicht mehr Ursachen in der ländlichen Prägung der Region als in der kulturellen Ausrichtung Transkarpatiens. Dennoch bemerkt man schnell an kleinen Gesten und Ausrichtung der Gesprächsführung, dass die selbstständig agierende und selbstbewusst auftretende Frau hierzulande gewöhnungsbedürftig ist. Schlussendlich vermag aber auch diese kleine Schieflage den positiven Gesamteindruck nicht übermäßig zu mindern, da selbst dies mit Respekt und Charme einhergeht.

Übernachten: Überfliegt man vor Reiseantritt scherzeshalber die Übernachtungsmöglichkeiten, welche das Internet in Transkarpatien feilbietet, so streichelt man einmal mehr beruhigt sein Zelt. Außerhalb der größeren Städte, so scheint es, gibt es kaum Unterkünfte, das Prinzip organisierter Zeltplatz ist gänzlich unbekannt und die Kosten differieren zwischen absurd bis unbekannt. Die Wirklichkeit sieht einmal mehr ganz anders aus. Die allwissende Krake Google ist beruhigenderweise unfassbar schlecht informiert über Transkarpatien. Ob Restaurants mit vermietbaren Gästezimmern, spontan aufblühenden Appartements, die aus einem Gespräch in einer Kneipe entstehen können oder die schlichte Berghütte mit feinstem Quellwasser und sauberen Plumpsklo – all dies und noch viel mehr ist möglich zwischen Usch und Theiß. Sprich: Auch wenn es sich hier um eine vergessene Gebirgsecke handelt, Touristen sind hier keine unbekannte Größe. Da es sich hier um den gebirgigsten Teil der Ukraine handelt, war Wander- und Wintersporttourismus schon zu sowjetischen Zeiten üblich. Gewisse Reste hiervon haben sich gehalten, neue Anfänge zeigen sich zaghaft – kurz, in allen von uns besuchten Siedlungen hätten wir problemlos unterkommen können. Die, in denen wir schliefen, waren ausnahmslos sauber, stilvoll eingerichtet und äußerst preiswert (ein Durchschnittspreis den wir mehrfach präsentiert bekamen war 500 Hriwna/ca. €17 für 4 Personen). Eins stimmte aber tatsächlich, den Campingplatz wie er uns bekannt ist, fanden wir in der uns beschiedenen Zeit tatsächlich nicht.

Unterkunft nach Maß

Und warum auch? Überall in den Bergen ist zelten möglich. Teilweise sogar unter luxuriösesten Umständen. In den prominenteren Gebirgen wie Tschornohora oder Borschawa gibt es an den traumhaftesten Flecken ausgewiesene Biwakstellen meist mit eigener Quelle und Feuerstelle. Was will man mehr? All die, aus Mittel bis Ostmitteleuropa bekannten Sorgen hinsichtlich der Unbedenklichkeit von Wildzelten, Feuermachen und dergleichen mehr zerschlagen sich hier binnen kürzester Zeit wie ein schlechter Traum. Unbeschwertes Leben in freier Natur? Hier ist es noch ohne jedwede Haken möglich.

Hunde: Wie immer auch eine kurze Kritik zum Thema Hunde auf Reisen. Auch hier kann nur Bestes berichtet werden. Wir erlebten nicht ein einziges Mal eine Einschränkung durch unseren Hund, Unterkünfte, Restaurants, Bus, ohne Leine laufen in der Stadt – alles keinerlei Problem. Die Menschen begegnen Hunden allgemein freundlich und ohne Ängste. Streuner im klassischen Sinne sieht man so gut wie gar nicht. Für die Eisenbahn sollte man ein Ticket für den Hund kaufen, auch wenn uns das Reglement hier ein wenig willkürlich erschien, mitkommen tut man immer. In den Bergen versteht es sich von selbst, dass Besitzer von Rüden etwas achtsamer sein sollten. Wenn das zarte Gebimmel der Schafherden erklingt, ist deren hündisches Bewachungspersonal nicht mehr weit. Diese streifen in riesigen Radien um ihre Herde herum und nähern sich neugierig auch eventuellen Wanderern. Menschen gegenüber sind sie überaus respektvoll und furchtsam, doch die Erfahrung weiß, dass ein mitgebrachter Rüde die Situation hier unter Umständen verschärfen kann.

Manchmal sind die uneingeladenen Gäste die Besten

Kulinarik: Wenn die Originalität der ukrainischen Küche in der Reisegruppe auch heiß diskutiert wurde, so war eines über alle Zweifel erhaben – die Qualität der Zutaten! Ähnlich wie bei unseren georgischen Erlebnissen ist es immer wieder spektakulär, wie eine gewöhnliche Tomate die Zunge zum tanzen bringen kann. Es wäre müßig an dieser Stelle über die Entstehung von Lebensmitteln und das Verschwinden des Geschmacks zu referieren (bzw. ich verweise auf eine hier erschienene Buchbesprechung), halten wir daher einfach fest: Warum und wie auch immer, alles hier hat Geschmack, Konsistenz und Gehalt! Und noch eines sei vorweg gesagt: Abgesehen von Geschmack und Gehalt der angebotenen Speisen und Getränke fiel mir immer wieder auf inwiefern die Menschen hier eine ausgeprägten Detailversessenheit hinsichtlich der Originalität ihres Interieurs pflegen. Plastikgeschirr oder  0815-Möbel sind in Transkarpatien schwerlich vorstellbar. Selbst der kleinste Imbiss in der tiefsten Provinz hat sein eigenes individuelles Geschirr und mehrere stilvolle Ideen bei der Inneneinrichtung seines Lokals im Angebot. Nicht zuletzt sei die liebevoll in Szene gesetzten Kolybas erwähnt, jene urig eingerichteten Holzhäuser mit offenen Feuerstellen, welche nach kleineren touristischen Anpassungen an die frühere Verwendung nun mehrheitlich für ein meist verdammt gutes Restaurant stehen, in dem die typischen Gerichte der hiesigen Berge gereicht werden. Dem einen oder anderen mögen diese oberflächlichen Fragen des Speisens nebensächlich erscheinen, ich bin von einer derart ausgeprägten Vielfalt jedoch zutiefst angetan, insbesondere hinsichtlich der klaffenden Gegensätze, die sich in den meisten Nachbarländern diesbezüglich offenbaren.

Die Küche selbst ist ganz klar, wen mag es überraschen, slawisch geprägt. Wobei auch hier die Gebirge und Grenzen Faktoren sind, die die Küche Transkarpatiens noch einmal einen besonderen Stempel aufdrücken.

So ist die dominierende Suppe in den meisten Lokalitäten beispielsweise Bogratsch (nach dem ungarischen Wort Bogrács, das traditionelle Wort für den deckellosen Kochkessel in dem Gulasch zubereitet wird). Bogratsch ist dabei ein Wort für einen Eintopf für den wahrscheinlich deutlich mehr Rezepte existieren als Transkarpatien Einwohner hat. Einzige Konstanten waren: er wird heiß serviert und schmeckt hervorragend.

Eine von Abermillionen Bogratsch-Versionen im Entstehungsprozess. Nur echt wenn über dem offenen Feuer gekocht.

Eine weitere große Säule der transkarpatischen Küche ist wiederum ein treuer Gefährte aus rumänischen Wandertagen. Polenta, hier Banosch genannt, gibt es in zahlreichen Variationen als Brei, Kloß oder frittiert, ergänzt mit würzigen Bryndza (gesalzener Schafskäse), knusprigen Speck oder Gemüse.

Und dann natürlich die ganze Palette an diversen Mehlspeisen, welche in gewissen Abstufungen und Abschleifungen von der Oder bis zum Amur in den Töpfen brodelt und in den Pfannen brutzelt. Wareniki, Pelmeni, Tschebureki oder Pyrohy und die ganze Teigtaschenschar. Immer ein wohliger Genuss und nie eine schlechte Wahl.

Selbstverständlich ist auch Fleisch ein treuer und unverzichtbarer Bestandteil der transkarpatischen Küche. Auf den ersten Blick fällt zunächst der elementare Steuerknüppel sowjetischer Fleischkultur ins Auge: Schaschliki! Hier gilt zweifellos die Eingangsthese, natürlich ist so ein Schaschlik das denkbar einfachste Fleischgericht und ähnlich wie das Rad schwerlich neuzuerfinden, doch edle Zutaten sind bei einfachen Gerichten stets der Schlüssel. Und hiermit wurden die Spieße bei all unseren Kostproben immer reichlich bestückt und ließen uns entzückt zurück.

Neben diversen anderen Fleischgerichten, die hier nicht einzeln erwähnt werden können um einem Solokünstler Platz einzuräumen, der ihm ohne jeden Zweifel zusteht: Speck, bzw. Salo wie der Ukrainer es ausspricht. Speck hat es in unseren Breiten nicht gerade leicht. Dieses erlesene Schweineprodukt, welches in seinem reinen Wesen nichts anderes als Fett ist, befindet sich in Zeiten gesundheitsbewusster Ernährungskreuzzüge selbstverständlich in verlustreichen Rückzugsgefechten. Dies ist jenseits des Bug, wie so vieles noch anders. Salo hat auch in Russland und Belarus zahlreiche Gefolgsleute, doch in der Ukraine scheint er wie die Flagge oder das Wappen ein regelrechtes Nationalsymbol zu sein. Vielleicht, so könnte man ketzern, ist dieser fettige Leckerbissen so gar einer der stärksten verheinheitlichenden Artefakte des frisch konstruierten nationalen Konstrukts namens Ukraine. Und den besten Speck der Ukraine bekommt man dann wohl in der Westukraine, genauer in Transkarpatien. Wir befinden uns hier also im Epizentrum des Salo-Kults.

Salo – ein Wort so zart wie die Versuchung, so knusprig wie die Sünde und so aromatisch wie das Leben.

Dieser Speck besteht immer aus dem Rückenfett des Schweins. Am ehesten erinnert er vielleicht an den italienischen Lardo. Traditionell ist der ukrainische Speck mittel gesalzen, fest, mit Kümmel und Knoblauch gewürzt. Natürlich gibt es hier aber auch etliche andere Varianten des Salzens und Würzens: Es gibt den Speck mit Paprika, mit Sesam, mit bulgarischen Pfeffer und mit tausend anderen Gewürzen. Geräuchert wird er aber immer. Speck in seinen verschiedenen Variationen wird dann gern als Vorspeise auf saftigen, dunklen Roggenbrot, mit Knoblauch, Zwiebeln, Gurken und natürlich Wodka serviert und, vertraut mit Vegetarier aller Länder, alles Vorhergesagte mag großartig klingen, aber allein der Speck ist schon Grund genug, nach Transkarpatien zu reisen.

Die heilige Dreifaltigkeit der Getränke kann mit Kwas, Bier und Horylka recht umfassend beschrieben werden. Der Kwas, der alkoholfreie Brottrunk-Klassiker ist zumeist vom Fass in den unterschiedlichsten Varianten, von zuckersüß bis säuerlich-trüb zu haben. Jeder sollte ihn mal probieren und nicht nur einmal, denn die Geschmacksrichtungen können hier von Kneipe zu Kneipe schon enorm voneinander abweichen.

Das ukrainische Bier gehört zu den besten des slawischen Kontinents. Diese Erkenntnis überraschte uns schon bei unserem ersten Ukraine-Ausflug. Obolon, der allgegenwärtige Marktführer muss sich mit seinem Pils wie auch seinem Weizen nicht verstecken. Die meisten anderen Biere in der Ukraine sind definitiv auf Augenhöhe mit ihren Industriebier-Pendants in Mitteleuropa. Die größte Überraschung für mich war aber die Fassbiervariante von Schigulewskoje. Unter diesem Namen bekommt man in den ehemaligen GUS-Staaten zumeist irgendein Getränk was deutlich an seine eigentliche Funktion als Wodka-Spülmittel gemahnt. Die ukrainische Variante von Schigulewskoje dagegen befindet sich nicht nur auf Augenhöhe mit den Brauerzeugnissen Mitteleuropas, nein, ich möchte hier sogar todesmutig behaupten, dass sich diese Bier mit den böhmischen Delikatessen messen kann. Desweiteren haben wir auch hier in jenem verstaubten Winkel Europas die zarten Keime eine Microbrewer-Kultur ausmachen können. In Rachiw gibt es ein überraschte uns beispielsweise mitten in der Provinz ein ausgezeichnetes Craftbeer-Lokal und in Lemberg kamen wir aus dem staunenden Kosten gar nicht mehr raus.

Horylka, die ukrainische Variante des Wodkas (abgeleitet vom ukrainischen Wort für “brennen”) ist ein unausweichliches Erlebnis einer Transkarpatienreise. Ähnlich der polnischen Umgangsweise mit Hochprozentigen gibt es auch in der Ukraine eine unglaubliche Vielfalt an Sorten, viele davon aromatisiert mit Beeren, Honig oder – am bekanntesten – mit Pfeffer (der sogenannte “Pertsovka”, hier ein Vorschlag wie man ihn zu Hause herstellen kann). Dem unachtsamen Beobachter der Wodkaszene mag die ukrainische Qualität zunächst nicht viel sagen. Zu stark stehen die Wodka-Platzhirsche Polen und Russland beisammen und versperren hier etwas die freie Sicht auf durchaus originelle und schmackhafte Schnäpse. Probiert euch durch und seid für interessante Geschmackserlebnisse bereit. Aber nie pur, immer, wie euch jeder verantwortungsvoller Wodkaspender erinnern wird, mit der heiligen Allianz aus Schwarzbrot, Speck und Gurke.

Schöne Orte (selbst besehen)

Lwiw/Lwów/Lemberg – es mag sonderbar erscheinen, dass angesichts der Natur- und Wanderausprägung unserer Reise, hier mit einer Stadt eröffnet wird, doch diese Stadt hat sich diese Stellung zweifellos verdient. Lange habe ich von dieser Stadt geträumt. Neben Kiew und Odessa vermochte nur Lemberg unter den ukrainischen Städten ähnliches in mir auszulösen. Dabei wurden in meiner Klaviatur der Erwartungen hier verschiedenste Tasten berührt. Lemberg als jüdisches Zentrum Europas, als alte polnische Universitätsstadt oder als legerer Endbahnhof des kakanischen Imperiums. Und das war nur der Anfang einer unüberschaubaren Assoziationsswolke die vor mir aufploppte sobald ich an die alte Hauptstadt Galiziens dachte. Und bei all den hoch aufgetürmten Erwartungen kann ich nach mickrigen zwei Tagen Stadturlaub nur sagen: Es ist alles noch viel besser als erhofft!

So einzigartig und lobhudelnswert die galizische Königin auch ist, die Imagekampagne ließ mich doch etwas zweifelnd zurück.

Das Zentrum der 728.000-Einwohnerstadt ist von den Zerstörungen des 2. Weltkriegs vergleichsweise unberührt geblieben. Somit handelt es sich bei Lemberg um eine der wenigen osteuropäischen Städte, welche noch ein nahezu unversehrtes wie authentisches Stadtbild einer slawischen Großstadt der Vergangenheit heraufbeschwören kann. Dazu befindet sich Lemberg in einem, jedenfalls mir gefallenden Dämmerzustand zwischen Verfall und Auferstehung. Vieles macht einen maroden und kaputten Eindruck, kann aber problemlos neben neuen Lokalen oder sanierten Häusern koexistieren ohne einen Eindruck von Stilbruch und Planlosigkeit zu erzeugen. Lemberg gehört ohne jeden Zweifel in jene Kategorie von Städten, in denen ich schon nach dem ersten Flanieren gleichzeitig juchzen wie heulen möchte. Die pralle Dichte an Geschichte, Kultur, Gastronomie, Sehenswürdigkeiten und Menschen, welche mich hier interessiert, entzückt wie überfordert mich gleichzeitig. Drum wisse, geschätzter Nachreisender, wenn du Lemberg als Zwischenstation wählen solltest, wisse um die Reisezeit verschlingende Allmacht dieser unauffälligen galizischen Schönheit.

Tschornohora/Swydiwets – Auch wenn wir bei weitem nicht alles gesehen haben von den verschiedenen Gebirgen der ukrainischen Karpaten, die beiden oben genannten Gebirgszüge gehören wohl unumstritten zu den Sahnehäubchen im Angebot. Der hervorstechendste Charakterzug der die hiesigen Berge auszeichnet, sind jene im slawischen Raum unter der Bezeichnung “Polonina” (Bergwiesen oder Almen). Endlos erscheinende Wiesen, die sich auf einem mählich emporsteigenden Kamm vor dem Auge ausbreiten und die meisten Wandererherzen höher schlagen lassen. Wem das lebensfeindliche, alpine Gedöns nichts mehr ist, wer aber auch nicht ständig durch bewaldete Mittelgebirge stapfen will, der ist hier genau richtig. Bei gutem Wetter kann man hier tagelang ohne Zivilisationskontakt den Weg und das Dasein genießen. Beide Gebirgszüge lassen sich entspannt miteinander zu einer Wanderung verbinden (natürlich muss man zwischendurch wieder hinunter und hinauf!) Wasser ist für den aufmerksamen Pfadfinder selbst im Hochsommer kein Problem. Verpflegung sollte dagegen ausreichend dabei sein. Beide Gebirgszüge verfügen auf Kammhöhe über keinerlei Möglichkeit zum Lebensmittelerwerb.

Schöne Orte (noch unbesehen)

Mukatschewo – Neben dem administrativen Zentrum Transkarpatiens, Uschgorod, ist Mukatschewo so etwas wie das inoffizielle Zentrum und bester Ausgangspunkt für die Entdeckung Transkarpatiens. Nebenher hat die Stadt auch noch einiges mehr zu bieten. Hier kann nicht nur die Burg Palanok (im 14. Jahrhundert erbaut) besichtigt werden, auch die älteste Brauerei der Ukraine befindet sich hier.

Das Narzissental – nahe der Stadt Chust kann im Frühling eines der spektakulärsten Naturschauspiele Europas genossen werden. Auf einer Fläche von 170ha blühen hier lückenlose Felder von Stern-Narzissen. Das Vorkommen dieser Blume in diesen Höhenlagen ist einzigartig, denn normalerweise gedeihen sie auf Bergwiesen, kommen unter anderem in den Alpen vor. Es wird vermutet, dass der Gletscher als er von den Bergen herunterrutschte eine Erdschicht mit Bergpflanzen mitgenommen hat, unter welchen sich auch die Narzissen befanden.

Tscherniwzi/Tschernowitz – obzwar eher in Randlage der hier betrachteten Region könnte die ehemalige Hauptstadt des österreichischen Kronlandes Bukowina ein würdiger Schlusspunkt jeder Transkarpatienreise sein. Wenn Lemberg an allen Ecken mit seinem matten Glamour an die große Zeit Polens erinnert, so muss Czernowitz als ein in Würde gealtertes Klein-Wien mit sowjetischer Patina erscheinen.

 

 

 

Entschleunigte Heimkehr

Obzwar das richtungsweisende Heimfahrttrikot frohgemut übergestreift wurde, will uns die liebgewonnene Ukraine nicht so schnell gehen lassen. Der Weg zurück in den sicheren Schoß Standardeuropas ist verziert durch einen jener legendären Rückstaus, welche der Legende nach schon zu Verzweiflungtaten wie resignierten Stadtgründungen oder lustlosen Selbstmordexzessen führten. Wie dem auch sei – wir genießen jeden zusätzlichen Augenblick im Geliebten Land und schauen lässig in den Sonnenuntergang.

Mission Bezirke bezirzen – viertes Kapitel: Franfkurt oder Słubice

Auf den ersten Blick liegt die Vermutung nahe, dass wir es uns an diesem wundervollen Sonntag etwas einfach machen wollten. Die knappe Stunde rüber an die Oder-Neiße-Friedensgrenze, Kaszanka und Tyskie im Sinn – zweifellos kein allzu anstrengendes Abenteuer auf der Bezirke-Bezirzen-Tour. Und dennoch, auch das musste erledigt werden und in seiner Funktion als einzige Grenzbezirksstadt und brandenburgischer Endbahnhof stand hier keinesfalls ein Leichtgewicht an. Nicht zuletzt haben wior nun schon 5 von 15 – ein Drittel ist geschafft! Wenn das kein Grund zum Feiern war?!

Die charmante Odermetropole gewinnt bereits auf den ersten Blick nachdem der Reisende vom Bahnhof durch ein reizendes Eisenbahnerviertel mit zentralem Eisenbahnerdenkmal geleitet wird. Blick auf den sanft dahin strudelnden Oderstrom und die dunklen polnischen Wälder spaziert man leichten Sinnes hinunter, passiert erklecklich ausreichende rote Backsteinbauten, welche mit einer ausgewählten Anzahl von funktionalen Profanbauten ergänzt werden.

Doch abseits dieser Reize zog es die Schritte des Wanderers nahezu magisch hin zu der verlockenden Welt des polnischen laissez-faires. Und so überschritten wir auch nach geschätzten 20 Minuten Frankfurt die Europabrücke. Auch hier besichtigten wir erst eingehend und pflichtschuldigst (erstes Wikipedia-Denkmal der Welt, zweiteiliger Fitnessparcour im Stadtpark, Oderhafen) bis wir uns ganz den lang vermissten Gaumenfreuden ostodriger Provenienz hingaben.

In völlig losgelöster Sonntagsstimmung und mit bis zum Reißen gefüllten Mägen traten wir dann irgendwann die Rückreise an. Erneut wandelten wir durch Frankfurt und genossen konzentrierte Unaufdringlichkeit brandenburgischer Urbanität. Ein Gednake der hier aufkeimte: Wäre Frankfurt ohne Polen etwas cottbusiger? Wahrscheinlich schon. Und dabei, auch dies noch ein Ziel, welches es zu bewältigen gilt.

Tschechoslopolen in Farbe und bunt

Wenn etwas so schön war, reichen Worte manchmal nicht aus. Bilder, zumindest meine, höchstwahrscheinlich auch nicht. Dennoch möchte ich nichts unversucht lassen um den Reiz einer Bergwanderung in Tschechoslopolen angemessen zu vermitteln.

Und noch etwas in eigener Sache. Da Sancho nach dieser Reise nun mit allen Ehren aus dem Bergdienst ausgemustert wurde, bin ich auf der Suche nach einem berghungrigen Wandergesellen. Ob vier Pfoten oder Zweibeiner ist mir dabei relativ gleich.

Geschrieben von.

Runterkommen

Und mal wieder geht es hinunter ins Tal. Wundervolle Wochen voller Freiheit und Bergluft liegen hinter uns.

image

Ich habe mit Halbwölfen gerungen und den Schweinehund links liegen gelassen, Eisenbahnen geleckt und Bergkämme gekuschelt, Lagerfeuer und Bergsamkeitseuphorie genossen – mein Tank ist voll. Jetzt könnt ihr wieder alle kommen mit dem ganzen Kram von PegidD bis AfA, mit hysterischer Urbanität und den üblichen Banalitäten der Bevölkerungsverwaltung. Ich bin bereit für all den Scheiß. Sogar den allerdämlichsten Europameister bin ich bereit zu ertragen. So denn Zivilisation – auf ein Neues!

 

Geschrieben von.

Ode an eine legere Bernsteinperle

Es gehört nicht viel Propheterie dazu, dass Rucksacktourismus in eine so außergewöhnliche Stadt wie Gdańzig eine neuerliche Galerie nahezu herausforderte. Demzufolge präsentiere ich hier nach langer Zeit voller Stolz eine frische Bilderschau aus meiner neuen Lieblingshansestadt. Vorzüglich gesehen, punktgenau abgelichtet und allerfeinst bearbeitet wie angerichtet von der hochverehrten, viel umjubelten Agnieszka.

Gut, vier Bilder sind auch von mir…

Rucksacktourismus für Fortgeschrittene

Der gute alte Wanderrucksack – ein scheinbar ausgestorbenes Relikt – ähnlich wie trampen und Interrail aus einer untergegangenen Welt jenseits des lückenlosen Lebenslaufs. Längst hat die dunkle Seite der Trollimacht mit schauerlich dröhnendem Krawall die Herrschaft unter den Reisenden übernommen. So assoziiert man mit Rucksacktourismus allenfalls noch heuschreckenartige Erstweltler, die die ausgetretenen Trampelfade Südostasiens mit Facebookerkenntnissen pflastern. Doch der Rucksack als treuer Rückenschmeichler bleibt hiervon unberührt. Er steht in keinster Weise in Erklärungsnotstand gegenüber jenen erbärmlichen Rollmitteln mit denen die Billigflieger-Generation die Hostelwelt erobert. Die Eleganz und Universalität eines Rucksacks steht für mich gänzlich außer Frage.
image

Doch hier und heute hebe ich den Rucksacktourismus auf eine ganz neue Ebene. Nach ewiger Suche nach dem Besten der Besten unter den Rucksäcken, die damit verbunden war zu erkennen, dass das Versprechen der Konsumgütervielfalt des Kapitalismus ein überaus Heuchlerisches zu sein scheint, machte ich im nahen Gdanzig noch ein letztes Exemplar aus. Ohne lang zu überlegen buchte ich ein Ticket und unternehme nun den 450-km-Ausflug um dort “meinen” Rucksack endlich wieder in die Arme zu schließen. Wünscht mir Glück und Danke für all den Fisch.