Potsdamer Lustwandeleien

 

Potsdam – wen wundert’s – zog die Massen in bislang unbekannten Ausmaß an! In Scharen begehrten sie Einlass in die SBahn um jene mythenumwölkte kleine Siedlung mal
wieder ein wenig besser kennenzulernen. Nach Angeboten wie Wartenberg oder Spandau wahrlich keine große Überraschung, aber dieses knappe Dutzend an erlebnishungrigen Touristen war dann doch ein Stück weit erstaunlich. Und wie gewohnt glänzte es diesmal auch im qualitativen Sinne. Auserlesene Experten für jeden Geschmack und jedes Interesse waren angetreten, um Potsdam in Grund und Boden zu erklären. Zunächst wurde jedoch erstmal gewartet…

Piccolo und Pils – stets eine machtvolle Allianz von Stil und Lebenslust! Wo, wenn nicht auf grenzerfahrungsreichen Ausflügen wie diesen ein gern genutzter Anheizer.


Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, wurden den unruhig mit den Hufen scharrenden Neutouristen kurze Stegreifreferate am schnell bereitgestellten 3-D-Plan gehalten.

Und als es dann endlich losging, wurde auch schnell offenbar, dass diese Ungeduld begründet war. Bei frischen Vorfrühlingswind und eitel Sonnenschein blinkerte uns Potsdam mit all seinen Reizen verführerisch zu. Gebannt gingen wir unseren Weg und kamen umstandslos in den Genuss ausgefeilter Vorträge über die Vorzüge von Sichtbeton und die schmierigen Verwicklungen der Korruption in der ehrbaren Landeshauptstadt unseres geschätzten Brandenburgs.

Bildungsluxus vom Feinsten! Das staunende Publikum kommt hier in den Genuss zweier synchron gehaltener Vorlesungen. Lang lebe der Sichtbeton!

Wer hier nur zwei Archäologen sieht – einen aus Instinkt, den anderen aus Interesse – sieht nur die Hälfte. Zumindest einer von beiden steht nämlich nicht nur aus beruflicher Neugier auf diesem charmanten Ausgrabungsstellenhaufen. Nein! Besagter Archäologe will mit seiner Ersteigung auch abgrundtiefe Verachtung für die hiesige Klüngelei und Vetternwirtschaft zum Ausdruck bringen! Wir fordern:
Freie Marktwirtschaft für freie Buddler!


Hiernach flanieren wir genüsslich auf einer der Hauptgeschäftsmeilen entlang. Lassen Sanssouci locker links liegen und spazieren zielsicher in die Russische Kolonie hinein. Natürlich lassen uns die Auslagen der prosperierenden Havelmetropole nicht kalt. Minutenlang stehen wir beispielsweise gebannt vor einem Angebot was sich „Meine erste Weltkarte“ nennt. Erschrocken registriere ich hier, dass die Grenze zwischen Polen und Weißrussland anscheinend abgeschafft ist und durch einen riesigen Wisent ersetzt wurde. Nun wir werden sehen…

Die Bandbreite gewerblicher Dienstleistungen kennt in der Tat keine Grenzen. Und dieses Angebot gehört für uns alte Säcke selbstredend keineswegs zu den Abwegigsten.


Knigi, zu deutsch Bücher, findet der willige Konsument hier eher weniger. Oder begreifen wir die eigenwillige Performance des Künstlers nur nicht ganz. Handelt es sich gar um eine eigenwillige politische Demonstration, welche die katastrophale Wissenschaftspolitik des Putin-Regimes anprangern will! Eine Installation mit der klaren Kernaussage: Keine Bücher für Öl! Möglich zumindest wäre es.


Doch flugs erinnerten wir uns an das zentrale Anliegen unserer Expeditionen und konnten es angesichts der keck gestalteten Schilder am Wegerand fortan auch nicht mehr aus den Augen verlieren.

Das dem so ist, stand für uns nie außer Frage. Dass es jedoch auch zu Hand- und Fußverlust führt, war uns dagegen neu!

Das Erlebnisprogramm verlor an diesem Tag nie an Spannkraft. Leider sind jedoch nicht alle Stationen hierfür dokumentiert. Folgende Bilder schildern aber die elektrisierte Stimmung ganz anschaulich!


Nichts läge uns ferner als Katzenfeindlichkeit. Dennoch gelang es uns nicht ein von Vertrauen und Zuneigung geprägtes Verhältnis zu diesem anmutsvollen Gesellen aufzubauen.


Bekannt aus Funk und Fernsehen durch seine bahbrechende Auftritte als DAS „Soljanka-Kind“. Hier sehen wir ihn probend für seine nächste Kampagne: die Handymelodie von „Reading is Sexy“!

Harmonievibrierend endete der Abend vorerst – wie sollte es anders sein – bei Baltika, Bliny und Balsam beim Edelrussen. Schöne Sache das und gerne wieder. Vielleicht in Teltow-Stadt? Jetzt jault doch nicht gleich auf.
Wart ihr schon mal in Teltow, ob Land oder Stadt?
Na seht ihr!
Also bis bald!!!

Am 10.02.07, 13:00 an den S-Bahngeleisen des Alexanderplatzes!

Potsdam

Ja, Freunde, Potsdam heißt das Ziel der Stunde. Eigentlich sollte das ja für sich selbst sprechen, doch Ansagen dieser Art führten in der Vergangeheit ja schon mal zu erschreckendem Publikumsschwund. Daher hier der Versuch eines kleinen Appetitmachers.

Aber was soll man zu der attraktiven Landeshauptstadt schreiben, ohne etwas zu unterschlagen oder allzu Bekanntes aufzuzählen?! Eine Stadt, welche in der Vergangenheit sehr unterschiedlich bewertet wurde: „Öde Kasernenstadt“ (Alexander von Humboldt) oder „Athen und Sparta, Feldlager und Garten Epikurs, Trompeten und Violinen, Krieg und Philosophie“ (Voltaire) – irgendwo dazwischen muss die Wahrheit wohl liegen. Eines steht in jedem Fall fest: nach solchen Siedlungswitzen wie Wartenberg oder Strausberg steht uns mit „Poztupimi“ (so die ursprüngliche, in meinen Ohren, um einiges reizvoller klingende Bezeichnung für die Stadt am Havelübergang) eine S-Bahnendstation mit Geschichte und Bedeutung bevor.

Ich verzichte im übrigen auf eine müßige Aufzählung wesentlicher historischer Eckdaten, kutureller Errungenschaften und anderer Höhepunkte. Schließlich haben wir dann noch ausreichend Zeit um Wünsche zu erfüllen und Fragen zu beantworten. Denn schließlich wird dieser Ausflug zusätzlich elegant von einem Konzert der Ausnahmegüte umrahmt. Um genau 21 Uhr werden die wagemutigen Entdecker der leicht melodischen Krachmusik, die Herren von VOLTRON, im Waschhaus zu Potsdam aufspielen. Also wenn das nichts ist, dann weiß ich auch nicht!

Doch bevor ihr euch frohgemut auf den Weg macht, möchte ich euch noch die Worte eines frühen Potsdamtouristen ans Herz legen. Im Jahre 1789 schrieb der geschätzte Mozart:

„Mein liebes Weibchen! Potsdam ist ein teurer Ort [..] So musst Du Dich bei meiner Rückkehr schon mehr auf mich freuen als auf das Geld.“

Also bringt Leergut zurück, ruft Mutti an oder geht ein bisschen arbeiten! In diesem Sinne – bis bald!

Sonnabend, 3.2.07, 13:00, an den S-Bahngeleisen des Alexanderplatzes

 

Wonne am Wannsee

Auf den Nachtrag zum diesmaligen Ausflug freute sich der Anstifter zu selbigen dann doch mehr als gewohnt. Zwar war der Cheffotograf in stilistischer Mission anderweitig unterwegs (wie man an den nachfolgenden Bildern unschwer erkennen kann) doch ansonsten war es ein rundum gelungener Sonnabend.

Es begann schon mit den meteorologisch-mystischen Begleitumständen, die diesem Tag vorangingen. Als zu Wochenbeginn der Süden der Republik unter der unfassbaren Schicht von bis zu 20 cm Schnee zusammbrechen drohte und auch bei uns annähernd winterliche Temperaturen herankisterten, da fleuchte die Vorstellung eines richtigen Winterspaziergangs unwiderstehlich heran. Gleißend blauer Himmel, knischender Schnee unter den mollig verpackten Füßen, ein frische Brise im Gesicht – so durch die rauschenden Wälder am Wannsee zu ziehen, das hätte schon was gehabt. Und mit geringen Abstrichen trat diese Wunschvorstellung tatsächlich ein.

Sommer, Sonne, Sonnenschein – was kann schöner sein?! Ein Gedanke, der in diesem Moment tief in den Eingeweiden unserer Bedürfniswartesäle wegdämmerte.

Doch bevor wir uns dem Ruf der winterlichen Wildnis von ‚Referenzwäldern’ und preussisch geharkten Waldwegen ergaben, folgte noch ein kulturelles Extra. Das für die besondere Schönheit von Stein- und Betonhaufen zuständige Expeditionsmitglied führte uns an etlichen Villen und Schösschen zu einer ganz besonderen Auserlesenheit – die Schlüterkirche! Sie war ganz toll.  

Eine Kirche. Aus Stein.
Wenn man Lust hat, kann man darüber ganz viel erzählen.

Unser Weg führte uns nun tief in das bewohnte Wannsee hinein und verschaffte uns einige wertvolle Einblicke in die hiesigen Lebensverhältnisse.
Bereits auf den ersten Blick fielen hierbei  die wesentlichen Konfliktlinien Wannsees ins Auge – Galoppierende Vergreisung und Vormarsch der Wildschweine, anschaulich durch nachfolgende Hinweisschilder verdeutlicht!

Man braucht kein sonderlich komplex denkender Evolutionsstratege zu sein, um die wahrscheinliche Entwicklung dieses Ringens um die Vorherrschaft in Berlins Südwesten zu erahnen. Die Rache der Artemis’: ausgeführt über die Flanke! Raffiniert.

Munter schwatzend und in kecker Ausflüglerpose setzten wir uns alsbald über diese lokalen Probleme hinweg und spazierten tolldreist in das Reich von Meister Schwarzkittel hinein. Und es sollte gar reizend werden. Besagte rauschende Bäume, nahezu argentinienblauer Himmel (mit Betonung auf nahezu!) und sogar ein paar weltherrschaftslüsterne Wildschweine (die „nessihaftte“ Qualität der Aufnahmen macht eine bilddokumentarische Beweisführung in diesem Falle leider unmöglich!) – kurz, ein reizüberflutendes Bouquet der Naherholsamkeit. Mit einsetzender Dämmerung erreichten wir schlielich den Großen Wannsee.

Der große Wannsee. Die unergründliche Eminenz unter den Berliner Seen. Man bedenke, dass wenige Minuten später ein stattlicher “60%-Mond” (diese Angabe beruht auf dem über alle Zweifel erhabenen Romatikbevollmächtigten des Reisekollektivs) diesen Anblick ergänzen sollte.

Voller Eindrücke zogen wir einmütig am Ufer des Sees heim. Zwar kam es noch zu wirren politischen Willenskundgebungen der üblichen Ewiggestrigen…

Wie war das nochmal gleich? Wer mit 40 kein Kommunist ist …

…und kleineren Beziehungsreibereien…

Aber im Großen und Ganzen fügte sich alles in eitel Harmonie und dem gierigen Ruf nach mehr. Daher, du junger Tourist da draußen, wenn du auch einmal von dieser bezaubernden Polyesterraupe fotografiert werden willst, komm zu uns und fahr S-Bahn!

Sonnabend, den 3.2.07, 13:00 an den S-Bahngeleisen des Alexanderplatzes
Diesmal geht die Reise nach POTSDAM!

Spandauer Grau

 
Da hätt ich doch beinah die Auswertung unseres Spandau-Abenteuers vergessen.Genaugenommen braucht die Beschreibung auch nicht allzu viel Worte. Spandau gehört für mich so zu diesen Ansiedelungen, bei denen man sich immer wieder

unwillkürlich fragt, warum es vor langer Zeit so wichtig schien, einmal auf der anderen Seite der Mauer zu stehen.

Und dieser Gedanke ist nicht mal in erster Linie spandaufeindlich. Aber nein!

Ziemlich wenig lege mir ferner. Es ist vielmehr so, dass diese zahnlose Gewöhnlichkeit,

die hier mit der unbesiegbaren Beharrlichkeit von Unkraut emotionslos vor sich hin wuchert, in mir nichts auslöste, nichts berührte – lasch säuselnde Winde trieben müde Heuballen an meinem neugierig schlagenden Entdeckerherzen vorbei!

Bahnhof Spandau – Vorposten der Hoffnung, Leuchtturm urbanen Frohsinns!

Wer verbindet mit dem aufreizenden Stahlbetongewölbe

nicht auch die eine oder andere Erinnerung, welche von ‘Endlich!’ bis ‘Na dann woll’n wa mal’ reicht.


Nun mag der keck aufgelegte Blogverfolger naseweis einwerfen, dass wäre bei dieser

Art von Ausflügen ja mal was ganz Überraschendes.

In der Tat! Doch irgendwas fanden wir dann noch immer von Ahrensfelde bis Hennigsdorf. Nicht so in Spandau! Aber vielleicht waren wir ja auch nicht in Form. Schließlich kostet es immer wieder ein wenig Mühe, sich nach dem Glamour-Dezember im doch reichlich spröden Januar zurechtzufinden. Andererseits sprechen die Bilder eine andere Sprache.



Blumenläden lügen nicht



Wer kennt dieses Gefühl nicht?! Das Leben meint es nicht gut mit einem, das Wetter ist miserabel, der Rücken schmerzt und man weiß, das wird sich alles so bald auch nicht ändern. Und dann betritt man eine dieser preussischen Festungen. Und alles ist wie weggeblasen!





Und schließlich: Wer braucht schon echte Freunde wenn es solche Kunstwerke gibt?!

Und weiter gehts!

Ja, die Winterpause ist endgültig vorbei. Jedenfalls im peripherie-touristischen Sinne. Ich verweise hinsichtlich des Ziels, resp. der Gründe für selbiges auf die untenstehenden Zeilen und freue mich auf euer zahlreiches Erscheinen zum Westberliner Naherholungsklassiker.

27. 1., 13:00 an den S-Bahngeleisen des Alexanderplatzes, mittig  
 

Aufschub für Wannsee!

Ich kann am nächsten Sonnabend leider nicht, da ich mir mal ‘ne kleine Pause im Süden gönne. Ihr würdet das aber bestimmt auch alleine hinkriegen. Ich glaub an euch! Aber egal was ihr macht, wann die nächste Exkursion abgeht, erfahrt ihr in zuverlässigster Weise an dieser Stelle!

Und damit ihr euch bis dahin nicht allzu sehr langweilt ein kleiner Spaß für zwischendurch unter dem Motto:

RETTET DEN WINTER!!!
 
Nur damit wir uns richtig verstehen, wenn ich wieder da bin, will ich mindestens solche Resultate sehen.

Bis dahin und bald!!!

Wannsee


 

Nach Wannsee soll es diesmal gehen.

Also entspannt euch und assoziiert mal frei vor euch hin. Wenn da nicht mehr als die unbezwingbare Neigung zum Badehoseneinpacken und eine diffuse Erinnerung an verdammenswerte Konferenzen in eurem Stammhirn herumflunkern, ist es definitiv Zeit für einen betreuten Ausflug. Ein kurzer Blick in den Fontane, ein Handgriff, der für uns alle in den letzten Wochen sicher schon zum liebgewonnen Reflex gewurden ist, zeigt auf, dass wir uns nun aber wirklich den Kronjuwelen preussischer Naturschauspiele nähern.
„Die Havel, um es noch einmal zu sagen, ist ein aparter Fluß; man könnte ihn seiner Form nach den norddeutschen oder den Flachlands-Neckar nennen. (…) Das Blau ihres Wassers und ihre zahllosen Buchten (sie ist tatsächlich eine Aneinanderreihung von Seen) machen sie in ihrer Art zu einem Unikum. (…) Von Potsdam aus wurde Preußen aufgebaut von Sanssouci aus durchleuchtet. Die Havel darf sich einreihen in die Zahl deutscher Kulturströme.“
Na, wenn das nicht Eindruck macht. Neben Vater Rhein und Mutter Elbe also auch die Havel. Obwohl ihr verwandtschaftlicher Grad noch ungeklärt ist, so gehört sie also unzweifelhaft dazu – unser „Flachlands-Neckar“!
Doch das ist noch längst nicht alles. Ein kurzer Spaziergang führt an etlichen reizvollen Schlössern und Parks vorbei. Auch in der Welt der Rekorde ist Wannsee zu Hause. Schließlich verzeichnen wir mit dem Strandbad Wannsee nicht nur das größte Binnengewässerbad Europas, sondern mit dem Schäferberg sogar die zweithöchste Erhebung Berlins.
Alles weitere, wie immer belesen und historisch unterfüttert, in ein paar Tagen in gewohnter Runde. Ach, bevor ichs vergess, Fontane wusste sogar etwas zu unserem vorweihnachtlichen Disput beizutragen:
„Die Schönheit und Poesie dieses Tieres aber, vor allem die mächtige Schußfläche, die es bietet, werden sehr wahrscheinlich immer ein Hindernis bleiben, die Schwanenjagd in Jägeraugen zu etwas besonders Wünschenswertem zu machen. Es unterbricht nur mal den gewöhnlichen Lauf der Dinge. Ein Zwischengericht, das willkommen ist.“

Es ist angerichtet!

Sonnabend, den 13. 1. 13:00, an den S-Bahngeleisen des Alexanderplatzes, mittig

Spandau


Am 6.1.07 geht es nach Spandau. Was bleibt da noch zu sagen?Wir fahren also nicht nach Brandenburg, Punkt 1.
Es gibt Sehenswürdigkeiten ohne Ende (Zitadelle, Schleuse, St. Nikolai-Kirche etc.), Punkt 2.
Und wenn alles nix hilft können wir immer noch nach West-Staaken rübermachen und Andrés Mutti heiraten (jedenfalls einer von uns!), Punkt 3.Sonnabend, 6.1. 2007, 13:00, an den S-Bahn-Geleisen des Alexanderplatzes 

Hennigsdorfer Impressionen


Ein wenig später als gewohnt die Manöverkritik unseres vorweihnachtlichen Ausflugs ins schöne Hennigsdorf. Wieder einmal fand sich ein wissbegieriges Häuflein unverbesserlicher Peripheriker um dem Brandenbugischen einen weiteren bunten Nachmittag zu entreißen.

 
Entschlossener Sanftmut wie entfesselter Hedonismus strahlt uns von diesem Bild entgegen. Die Spannung ist greifbar, der Aktionismus kaum noch zu bändigen – so sehen sie aus die Kämpfer für ein Brandenburg mit menschlichem Antlitz!

Hennigsdorf offenbarte sich bereits nach den ersten Blicken als charmanter Siedlungsversuch mit Pep. Die vorweihnachtliche Stimmung verlieh dem schüchternen Randjuwel zusätzlich einen gewissen Drive. Wir begannen zaghaft mit neugierigen Schlenderversuchen durch die leicht kommerziell angehauchte Innenstadt und machten uns schnell mit den Verlockungen Hennigsdorf vertraut.

“Berlin, Berlin – Schuldenberlin” gellte es mit gewohnter Ungezwungenheit aus unseren Kehlen als wir den Boden Brandenburger Prosperität betraten. Was Wunder, dass die verarmte Reisegruppe sich mit unverhohlener Gier auf die fetten Brosamen der preussischen Patrizier stürzte.

Ungläubiges Staunen befiel selbige Reisegruppe jedoch angesichts der überbordenden Auslagen der Hennigsdorfer Goldschmiede. Traurig dachte ein jeder an das abgetragene Unterhemd oder das schäbige Holzpferd, was ihn am Heiligabend als Geschenk erwartete.

 

Mit routinierter Lässigkeit, die den Unterschichten schon seit Urzeiten eigen ist, wurde die erlittene Pein schnell mit zusammengeschnorrten Quarkkäulchen und Glühwein bewältigt.



Die eigentliche Mission der Ausflüge: Die Vermehrung von Wissen jeder Art, nahm seinen Anfang. Mit nahezu übereifrigem Ehrgeiz beschäftigte sich das Kollektiv mit den Erkenntnissen der Hennigsdorfer Heimatkundler.



Sobald auch nur die kleinste Pause entstand, reflektierte man das Erworbene und ergänzte es mit zusätzlichen Informationen.

Doch ein Ausflug nach Hennigsdorf wäre unvollständig ohne den Kreißsaal preussischer Lokomotiven und Waggons zu besichtigen. Schon nach wenigen Metern erhielten wir unmissverständlich zu verstehen, dass die schienengebunden Transportmittelgilde hier ein wehrhaftes Hauptquartier hatte.







Ratlos standen wir vor den Anlagen der Lokbaukünstler. Das ausgelobte Museum ließ sich nicht finden.



Doch wer könnte angesichts der fruchtbaren und lebensbejahenden Natur lang vergnatzt sein. Wir jedenfalls nicht. Ein fröhliches Lied auf den Lippen tänzelten wir beschwingt heim in unsere graues Schuldenloch…

Kommt auch im neuen Jahr und entdeckt die Randgebiete! Diesmal geht es um einen beschaulichen Stadtspaziergang durch Spandau! Also, bis bald!
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Hennigsdorf

So, dann werde ich also mal wieder die Werbetrommel rühren. 
Hennigsdorf! Dies ruft wahrscheinlich nur diffuse Assoziationen an Stahl und Provinz hervor. 
Doch da ist noch mehr. 
Weitaus mehr!!!  

Also, meines Erachtens hat man sich schon allein durch so ein Wappen einen Besuch verdient. Aber da ich um die vielen mürrischen Skeptiker unter euch weiß, werd ich wohl mal noch ein wenig ausholen.

Hennigsdorf verfügt nicht nur über eine stattliche Anzahl von Sehenswürdigkeiten. Eine Kirche (Martin Luther), ein Rathaus (Jugendstil) und eine ‘Heimstättensiedlung’ (AEG) sondern auch über jede Menge Geschichte. Bedeutende Ereignisse nahmen in Hennigsdorf ihren Anfang.
“Bekannt wurde Hennigsdorf – abgesehen davon, dass Marinus van der Lubbe die Nacht vor dem Reichstagsbrand wegen Landstreicherei in der Hennigsdorfer Polizeiwache verbrachte – auch durch den Marsch von 5.000 Arbeitern der Industriebetriebe am 17. Juni 1953 zu den Demonstrationen gegen die DDR-Regierung nach Berlin.”

Und damit sind wir auch schon beim Stahl. Zwar gibt es wie geagt noch viel mehr als Stahl in Hennigsdorf . Aber es gibt eben auch Stahl in Hennigsdorf. Eine Stadt die zu den berühmtesten Söhnen und Töchtern eine Schlagersängerin (Ines Adler), einen Fußballspieler (Michael Hartmann) und einen Kriegsverbrecher (Erich Priebke) zählt, muss sich keineswegs monokulturelle Ausrichtung vorwerfen lassen.

Doch weit interessanter als Stahl ist ja das was man daraus machen kann. Und damit nähern wir uns dem Kern meiner Hennigsdorf-Leidenschaft. Hier gibt es nämlich eine riesige Lokomotivenbau-Tradition. Lokomotiven!
“Von 1913 bis heute wurden in Hennigsdorf etwa 21.700 Lokomotiven und Triebwagen gebaut, die weltweit zum Einsatz kamen bzw. noch kommen”

Also, Freunde, das sollte doch genügen. Auf nach Hennigsdorf. Wieder zu gewohnter Zeit am üblichen Ort!

Sonnabend, den 23. 12. 13:00, an den S-Bahngleisen des Alexanderplatzes, mittig

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Alles hat Vor- und Nachteile