Spandau


Am 6.1.07 geht es nach Spandau. Was bleibt da noch zu sagen?Wir fahren also nicht nach Brandenburg, Punkt 1.
Es gibt Sehenswürdigkeiten ohne Ende (Zitadelle, Schleuse, St. Nikolai-Kirche etc.), Punkt 2.
Und wenn alles nix hilft können wir immer noch nach West-Staaken rübermachen und Andrés Mutti heiraten (jedenfalls einer von uns!), Punkt 3.Sonnabend, 6.1. 2007, 13:00, an den S-Bahn-Geleisen des Alexanderplatzes 

Hennigsdorfer Impressionen


Ein wenig später als gewohnt die Manöverkritik unseres vorweihnachtlichen Ausflugs ins schöne Hennigsdorf. Wieder einmal fand sich ein wissbegieriges Häuflein unverbesserlicher Peripheriker um dem Brandenbugischen einen weiteren bunten Nachmittag zu entreißen.

 
Entschlossener Sanftmut wie entfesselter Hedonismus strahlt uns von diesem Bild entgegen. Die Spannung ist greifbar, der Aktionismus kaum noch zu bändigen – so sehen sie aus die Kämpfer für ein Brandenburg mit menschlichem Antlitz!

Hennigsdorf offenbarte sich bereits nach den ersten Blicken als charmanter Siedlungsversuch mit Pep. Die vorweihnachtliche Stimmung verlieh dem schüchternen Randjuwel zusätzlich einen gewissen Drive. Wir begannen zaghaft mit neugierigen Schlenderversuchen durch die leicht kommerziell angehauchte Innenstadt und machten uns schnell mit den Verlockungen Hennigsdorf vertraut.

“Berlin, Berlin – Schuldenberlin” gellte es mit gewohnter Ungezwungenheit aus unseren Kehlen als wir den Boden Brandenburger Prosperität betraten. Was Wunder, dass die verarmte Reisegruppe sich mit unverhohlener Gier auf die fetten Brosamen der preussischen Patrizier stürzte.

Ungläubiges Staunen befiel selbige Reisegruppe jedoch angesichts der überbordenden Auslagen der Hennigsdorfer Goldschmiede. Traurig dachte ein jeder an das abgetragene Unterhemd oder das schäbige Holzpferd, was ihn am Heiligabend als Geschenk erwartete.

 

Mit routinierter Lässigkeit, die den Unterschichten schon seit Urzeiten eigen ist, wurde die erlittene Pein schnell mit zusammengeschnorrten Quarkkäulchen und Glühwein bewältigt.



Die eigentliche Mission der Ausflüge: Die Vermehrung von Wissen jeder Art, nahm seinen Anfang. Mit nahezu übereifrigem Ehrgeiz beschäftigte sich das Kollektiv mit den Erkenntnissen der Hennigsdorfer Heimatkundler.



Sobald auch nur die kleinste Pause entstand, reflektierte man das Erworbene und ergänzte es mit zusätzlichen Informationen.

Doch ein Ausflug nach Hennigsdorf wäre unvollständig ohne den Kreißsaal preussischer Lokomotiven und Waggons zu besichtigen. Schon nach wenigen Metern erhielten wir unmissverständlich zu verstehen, dass die schienengebunden Transportmittelgilde hier ein wehrhaftes Hauptquartier hatte.







Ratlos standen wir vor den Anlagen der Lokbaukünstler. Das ausgelobte Museum ließ sich nicht finden.



Doch wer könnte angesichts der fruchtbaren und lebensbejahenden Natur lang vergnatzt sein. Wir jedenfalls nicht. Ein fröhliches Lied auf den Lippen tänzelten wir beschwingt heim in unsere graues Schuldenloch…

Kommt auch im neuen Jahr und entdeckt die Randgebiete! Diesmal geht es um einen beschaulichen Stadtspaziergang durch Spandau! Also, bis bald!
i{content: normal !important}

i{content: normal !important}

Hennigsdorf

So, dann werde ich also mal wieder die Werbetrommel rühren. 
Hennigsdorf! Dies ruft wahrscheinlich nur diffuse Assoziationen an Stahl und Provinz hervor. 
Doch da ist noch mehr. 
Weitaus mehr!!!  

Also, meines Erachtens hat man sich schon allein durch so ein Wappen einen Besuch verdient. Aber da ich um die vielen mürrischen Skeptiker unter euch weiß, werd ich wohl mal noch ein wenig ausholen.

Hennigsdorf verfügt nicht nur über eine stattliche Anzahl von Sehenswürdigkeiten. Eine Kirche (Martin Luther), ein Rathaus (Jugendstil) und eine ‘Heimstättensiedlung’ (AEG) sondern auch über jede Menge Geschichte. Bedeutende Ereignisse nahmen in Hennigsdorf ihren Anfang.
“Bekannt wurde Hennigsdorf – abgesehen davon, dass Marinus van der Lubbe die Nacht vor dem Reichstagsbrand wegen Landstreicherei in der Hennigsdorfer Polizeiwache verbrachte – auch durch den Marsch von 5.000 Arbeitern der Industriebetriebe am 17. Juni 1953 zu den Demonstrationen gegen die DDR-Regierung nach Berlin.”

Und damit sind wir auch schon beim Stahl. Zwar gibt es wie geagt noch viel mehr als Stahl in Hennigsdorf . Aber es gibt eben auch Stahl in Hennigsdorf. Eine Stadt die zu den berühmtesten Söhnen und Töchtern eine Schlagersängerin (Ines Adler), einen Fußballspieler (Michael Hartmann) und einen Kriegsverbrecher (Erich Priebke) zählt, muss sich keineswegs monokulturelle Ausrichtung vorwerfen lassen.

Doch weit interessanter als Stahl ist ja das was man daraus machen kann. Und damit nähern wir uns dem Kern meiner Hennigsdorf-Leidenschaft. Hier gibt es nämlich eine riesige Lokomotivenbau-Tradition. Lokomotiven!
“Von 1913 bis heute wurden in Hennigsdorf etwa 21.700 Lokomotiven und Triebwagen gebaut, die weltweit zum Einsatz kamen bzw. noch kommen”

Also, Freunde, das sollte doch genügen. Auf nach Hennigsdorf. Wieder zu gewohnter Zeit am üblichen Ort!

Sonnabend, den 23. 12. 13:00, an den S-Bahngleisen des Alexanderplatzes, mittig

i{content: normal !important}i{content: normal !important}i{content: normal !important}

Bibersafari an der Havel

Es war nicht allzu viel los in Oranienburg. Als unerschrockener Reiseleiter muss man sowas in all

seiner Härte auch mal aussprechen. Waren es dezembrige Depressionswellen, postalkoholische

Schwächeanfälle oder etwas ganz anderes. In jedem Fall schleppte ich mich in trauter Zweisamkeit

mit Tom durch ein Nest, was auch nicht unbedingt alles gab um uns zu überzeugen.


Die Anziehungskraft von Oranienburg war in der Tat nicht allzu groß.

An den Sehenswürdigkeiten kann es nicht gelegen haben. Ein Schloss in Preussen – Garant für Extravaganz und Stil. Eigentlich zuverlässige Publikumsmagneten für den dekadenten Großstädter.

Auch dies verwunderlich: Rote Bete und Stimmungstief. Erfahrungsgemäß schließt sich dies aus. Jede Stadt in der Rote Bete feilgeboten wird, steht für Exzess, Freizügigkeit und barbusige Schornsteinfegerinnen. Nicht im Falle Oranienburgs. Seltsam. Doch wir schritten unbeeindruckt weiter und spazierten ahnungslos auf den Knaller des Tages zu!

Die Havel. Zwar auch ganz nett, aber noch nicht unbedingt als Knaller des Tages zu bezeichnen



Keck, ja nachgerade vorwitzig schwamm er an uns vorbei und sorgte ohne viel Mühe für ein umgehenden Stimmungswandel in der Reisegruppe.



Sielmann, Prof. Dr. Dathe, die Kalahari muss leben – beschwingt stürzten wir uns in die naturkundliche Arbeit.

astoridae – wann hatten wir sie schon mal in freier Wildbahn gesehen?! Still und andächtig verfolgten wir sie bei Möhrchenessen und Pelzreinigung. Apropos: wie hieß nochmal dieses fetthaltigen Sekret, welches die putzigen Gesellen zur Pelzpflege immer dabeihaben?! Genau, Bibergeil (bzw. Castoreum)!

Das am Ufer ausgestreute Futter verwirrte uns dann aber doch. Waren Biber nicht Vegetarier? Oder hatten sich die Biber derart an Brandenburg angepasst?! War dies eventuell gar kein Futter für Biber. In Brandenburg soll es ja wieder Wölfe geben. Unser Blick blieb wachsam…Wir ließen es dann aber auch dabei bewenden und fuhren schnell wieder heim. Auf ein Neues in Hennigsdorf!

Oranienburg!

Oranienburg!

Da muss man eigentlich nichts sagen. Ein verbitterter Kampf an der Ochsenblutfront verhinderte zwar die Recherche für die üblichen Hintergrundinformationen, aber ich bin mir sicher, dass es in diesem Falle noch am ehesten entschuldbar ist. Also, bis bald!

Sonnabend, den 16.12. 06 13:00, an den S-Bahngeleisen am Alexanderplatz, mittig
 i{content: normal !important}

Die Prinzessin von der Birke oder Schönes vom Rande

Schlecht vorbereitet aber gut gelaunt ging es erneut in den Norden. Und Birkenwerder ließ sich nicht lumpen. Alle waren gekommen, um uns zu begrüßen und uns willkommenzuheißen. 

Hurra – das ganze Dorf war da! Schade, dass man über Geschmack bekanntlich nur streiten kann.





Die Barnimer Nationalhymne – das dreischneidige Schwert des wehrhaften Föderalismus.


Stets auf der Suche nach regionalen Ritualen und liebenswerten Absonderlichkeiten stießen wir auf einen ‘Weihnachtsmarkt’. Worte reichen nicht aus, um dieses Spektakel annähernd zu beschreiben. Das muss man einfach selbst erlebt haben.

Respekt! Ein solches Feuerwerk gleich zu Beginn hatten wir noch nie. Begeistert mischten wir uns unters Volk und genossen die unaufdringlich entspannte Atmosphäre. Hierbei fiel unser Blick auf etliche bizarre Eigenheiten, die das hiesige Leben bietet.

Graffiti – Zeichen urbaner Auflehnung und Merkmal unterdrückter Kreativität noch unterdrückterer Minderheiten. Doch auch die Provinz kennt diese Wege der Entäußerung künstlerischer Energie. Lange standen wir vor diesen szenetypischen Werken der jungen Wiulden von Birkenwerder.
Angst vor Bevölkerungsabnahme? Schrumpfhysterie? Demographische Hexenmeisterei?
An der Birkenwerderaner  Bevölkerung prallt Meinungsmacherei dieser Coleur einfach ab. 
Kernige Brandenburger sammeln sich um die wenigen Kinder und bilden Familien ohne auf
 Traditionen zu achten. Im Bild erblicken wir das Erfolgsmodell schlechthin – den flotten Dreisamer!

Doch unser Weg führte uns auch hinaus in das reizvolle, ganz Birkenwerder liebevoll umschließende Sumpfland. Die üblichen Brandenburger Seen und grundeigentümlichen Rückzugsbastionen mussten natürlich auch hier besichtigt werden.

‘Versucht nur, euch mit uns zu schlagen!/ Ja, unre schrägen Augen, gierig schon/ Verkünden: Wir sind Skythen, Asiaten!’


Natürlich waren die Einrichtung der Verkehrssünderkartei in Flensburg, die Aufnahme von Ghana in die UNESCO oder die Auslieferung des ersten OPEL ‘Kapitäns’ die schillernden Ereignisse, die die Menschen von 1958 in ihren Bann zogen. 
Doch wir sind gewiss, dass da noch mehr war.


Ich vermute mal, dass der Ausdruck ‘seereal’, der mir bei diesem Anblick unwillkürlich in den Sinn kommt, zu den eher unbedachteren Wortschöpfungen gehören könnte.


Und schließlich der Sumpf. Bohle an Bohle ein Genuss der Sinne!

Schließlich endete unser Ausflug in einer gar wunderfeinen Schenke. Am Bahnhof gelegen machte sie prinzipiell den Eindruck einer gewöhnlichen Bahnhofsrestauration. Doch weit gefehlt! Zu den knackigen Klängen der 50er und umringt von unzähligen Rock’n’Roll-Devotionalien schlürften wir angetan unser Bier und schieden dann mit einem nicht unbedeutenden Klumpen Wehmut von diesem bezaubernden Flecken Randberlins.

Es gibt Kneipen, in denen ist richtig was los – es gibt Kneipen, in denen ist so richtig was los…

Und nächsten Sonnabend gehts nach Oranienburg!!!

ist i{content: normal !important}die schillernden i{content: normal !important}

Birkenwerder


 

Über Birkenwerder habe ich leider nicht allzu viel herausgefunden. Doch ich befand mich auch den größten Teil der Zeit in Zwiesprache mit einem gewissen Norovirus.  Doch wozu viele Worte wenn es auch mit wenigen gesagt ist. Ich übergebe das Wort an den Tourismusverband vor Ort:

“Obwohl täglich etwa 20.000 Fahrzeuge durch den Ort rollen, ist Birkenwerder trotzdem ein ruhiges und beschauliches Örtchen, das vielen Berlinern als Alternative zur hektischen Hauptstadt erscheint. Dies belegen nicht nur die vielen neuen Einfamilienhäuser, sondern auch das Wohngebiet ‘Birkenwerder Nord’.”

Also dann, keine Müdigkeit vorgetäuscht und auf nach Birkenwerder!

Sonnanbend, den 9.12.06, 13:00, S-Bahngleise des Alexanderplatzes, mittig

i{content: normal !important}

Zwischen Denkstätten und Gastmälern

Und wieder mal ging es hinaus in die unentdeckten Weiten Brandenburgs. Bernau war im Vorfeld hochgelobt wurden, dementsprechend maßlos waren unsere Erwartungen. Ob den zeitplanerischen Höchstleistungen des Exkursionsleiters kam ein Teil der Reisegruppe stark erschöpft und arg verspätet am Treffpunkt an. Wir klopften uns den Staub von den Hosen, versteckten verschämt die gröbsten Flecken und auf ging es in den goldenen Norden.

Touristen wie wir sie gerne sehen. Aufgeweckt, höflich und vergnügungssüchtig.

Und so bestiegen wir unseren Zug und fuhren ab. Wie schon erwähnt fuhren wir ja nun auf einer doch unfassbar historischen Strecke. Leider hatte ich dies zu diesem Zeitpunkt völlig vergessen.
In Bernau angekommen, gingen wir übergangslos zur Stadtbesichtigung über.


Touristengruppe in Tuchfühlung mit Studienobjekt.


Und es sollte sich tatsächlich gelohnt haben. Bernau schlug uns in Form einer aufgestellten Stadtkarte einen, an der Stadtmauer orientierten Stadtrundgang vor. Wir nahmen diesen Vorschlag an und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. War diese Stadt in der Vergangenheit für Bier, Tücher und Hussiten berühmt, so versucht sie anscheinend nun mit einem ganz anderen Dreh im Gespräch zu bleiben. Gedenkindustrie aufgepasst! Hier in Bernau ist man hinsichtlich des erfindungsreichen Gedenkens ganz weit vorne. Wir stolperten über ein Denkmal nach dem anderen.

Eindrucksvoll und dennoch gerade in seiner Schlichtheit erdrückend. ‚Diese verdammten Schichtpressstoffe! Warum? Warum nur?!’ mag der Betrachter beim Anblick dieses Mahmals still für sich denken, nur um gleichen Moment aufzumerken und nervös über dem Gedanken zusammenzubrechen, ob wir nicht alle ein wenig Schichtpressstoffe in uns haben.


Einzigartig ist dieses Denkmal weniger ob seiner Aussage oder Zielgruppe, sondern weil es das einzige natürlich verschwommene Mahnmal der Welt ist. Eine Kampfansage an die Naturgesetze fürwahr – doch um an ein zusätzliches Denkmal zu kommen, kennt der der Bernauer nichts!.


Und dieses hier hat mich dann doch aufrichtig überrascht. Was sich da so schüchtern im Hintergrund an die übliche Preussenkriegersäule anzuschmiegen versucht, ist tatsächlich ein Denkmal für Deserteure! Respekt. Sowas sieht man wirklich selten.


Ein Hundeklo. Wenn wir bei diesem Anblick mal ganz doll nachdenken, werden wir einsehen, dass nur aus Katzenklo in unserem Land ein Hit werden konnte.

Doch nach all diesen aufreibenden Erlebnissen hatten wir dieses Mal nicht nur die Gastronomie auf unserer Seite, nein, wir fanden sogar DIE Schenke. Die Mueumsklause verstand es maeisterhaft unsere Gelüste nach herzhafter Kost und dem berühmtem Getränk der Region zu befriedigen. Ein vielfaches Hoch auf alle Einrichtungen dieser Art. Ich bin mir sicher, dass es da draussen noch einige von ihnen gibt. Dher schließt euch uns an und geht nächsten Sonnabend mit auf die Reise, wenn es wieder heißt:

Lassen Sie mich durch! Ich muss nach Brandenburg!


Hungrig und unglücklich sieht anders aus. Erfolgreiche Bedürfnisbefriedigung ist für die Bernauer eine Selbstverständlichkeit.


Das legendäre Schwarzbier, dessen Herstellung die vorwitzigen Bernauer übrigens in einem Anflug von arbeitsscheuem Übermut kurzerhand nach Friedrichshagen ‚outgesourct’ haben.


Vom S-Bahn-Ring zum Bernauer Ring. Spezialitäten bei dessem Anblick meine kurze Liebelei mit dem Vegetarismus ein schnelles Ende fand. Wer will es mir verdenken?!

Und nächsten Sonnabend geht es nach Birkenwerder!
Natürlich nur nach einem ausverzüglichen Briefing.
Dieses erhaltet ihr in den nächsten Tagen an gewohnter Stelle!

 i{content: normal !important}i{content: normal !important}i{content: normal !important}

Bernau bei Berlin

Ich möchte gleich zu Beginn ein euch sicherlich überraschendes Geständnis machen: Es war nicht immer einfach, über die zu entdeckenden Endstationen etwas Interessantes herauszufinden. Nun, im Falle Bernaus sieht die Sachlage grundlegend anders aus. Eine Stadt, die schon seit über 10.000 Jahren besiedelt ist, berühmte Töchter und Söhne ohne Zahl vorweisen kann (Anja Bröker (* 1973); Paulus Praetorius (1521–1565); Georg Rollenhagen usw. usf.) und die eine der elf Hauptstationen der Märkischen Eiszeitstraße ist – hier fiel es wahrlich nicht leicht von den vielen verlockenden Fakten, die Verlockendsten auszusuchen. Dennoch habe ich den Versuch unternommen!

 

Meine Interpretation des Bernauer Wappens: Nachdem der arme Berliner Bär genügend durch demütigende Pedi- und Maniküre malträtiert wurden ist, pflanzt man eine kümmerliche Eiche über ihn, auf der ein riesiger roter Aler sitzt der viermal am  Tag (vier Eicheln!) auf ihn scheißt. Soll heißen: Wir Bernauer, stolzes Husssitengeblüt sind bereit uns zu
beugen und zu dienen. Jedoch nur bei korrekter Fußpflege und respektablem grünen Daumen!
Verrücktes Brandenburg!   

Laut bescheidener Selbstaussage kann man hier nicht nur „auf historischen Pfaden wandeln, Geschichte erleben, Natur genießen“ in dem man sich „an klaren Seen und in weiten Wäldern erholt,“ nein es ist sogar möglich „in einer beschaulich wachsenden Stadt zu leben“. Verlockend, fürwahr. Doch getreu dem Motto dieses Projektes wollen wir es doch vorerst bei Ausflügen belassen. An dem Konzept ‚In S-Bahnendstationen leben’ wird noch gefeilt.

Doch was spricht denn nun konkret für Bernau?!

Lassen wir die Geschichte zu Wort kommen. Und sie will uns sagen: „dass schon um 1140 Albrecht der Bär, ein Fürst aus dem Hause der Askanier und Eroberer dieser damals slawischen Gebiete, die Gründung der Stadt ob des Wohlgeschmackes des ihm hier gereichten Bieres und der angenehmen Lage des Ortes veranlasst habe.“ Also jetzt mal im Ernst: Eine Stadt die hauptsächlich wegen ihres Bieres gegründet ist verdient unsere Sympathie und unseren Besuch. Hat sich Brandenburg meines Erachtens in der jüngeren deutschen Gesichte hinsichtlich der Bierqualität zwar nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, so mag dies im Mittelalter ja durchaus ganz anders ausgesehen haben. Zitat: “Bereits im 15. Jahrhundert wurden in 144 von 310 Wohnhäusern Bier gebraut. Über 30.000 Tonnen Bier wurden noch im 17. Jahrhundert pro Jahr ausgeführt. Jahrhunderte lang galt das Bernauer Bier als das beste der Mark Brandenburg. Es wurde wegen seines Wohlgeschmackes und seiner guten Haltbarkeit in viele Städte und Gemeinden, auch außerhalb der Mark Brandenburg, geliefert und dort gezapft“ Also, Bierhistoriker und Alkoholnostalgiker, auf nach Bernau!

Doch nicht nur Biergeschichte, sondern auch Verkehrsgeschichte wurde hier geschrieben. „Seit 1924 verbindet die erste elektrisch betriebene Stadtbahn der Welt Bernau mit Berlin“ Somit also ein weiterer elektrischer Rekord nach der legendären Strausberger Fähre, die uns auf diesen Exkursionen bevorsteht! Atemberaubend!!!

Doch Bernau heißt nicht nur „bei Berlin“, Spitzenbier im Mittelalter und S-Bahn-Avantgarde sondern auch Hussiten. „Die Stadt Bernau bei Berlin ist Mitglied in der Vereinigung der Städte mit hussitischer Geschichte und Tradition“

Ja, in Bernau scheint man aus der Geschichte gelernt zu haben. Hier sichert man sich gegen sämtliche Unwägbarkeiten der Politik ab. Und wer weiß, vielleicht haben sie ja Recht, die vorwitzigen Pankeanrainer. Wenn in der Zukunft derzeit so machtvolle Bündnisse wie die NATO oder Microsoft ins Wanken geraten, dann wird man sich hier auf den Beistand vorm Neunburg am Wald und Tabor verlassen können. Stolze Heere werden sich unter dem Hussitenkelch sammeln und jeglichem Unbill trotzen.

So sieht es aus, das ‘geheime’ Zeichen der Hussitenfreimaurer.

‘Noch lacht ihr. Und das zu Recht!’ will uns der verwirrtre Sektierer im
Vordergrund sagen. Wir hören einfach nicht hin!

Aber genug der Geschichte!

Auch in anderen Bereichen ist man in Bernau weit vorne. Nehmen wir nur mal die hohe Kunst der Wortwitzpflege. Klickt sich der arglose Interessent durch die offizielle Seit Bernaus, stößt er unter „Freizeit, Kultur und Sport“ auf folgende erschütternde Aussage: „Wer sich in Bernau auf „Kul-Tour“ begibt, der wird es mit Sicherheit nicht bereuen.“ Selten habe ich in letzter Zeit in einem Satz soviel Grauen erlebt. Es ist ein schönes Gefühl, nicht allein zu sein. Das macht mir Mut und gibt mir Kraft.

Im Detail gibt folgener Bereich für uns einige Höhepunkte her:

– Historischer Adventsmarkt am Dorfteich

– Ausflug ins Henkerhaus. (10–13 Uhr und 14–17 Uhr)

– Kein Fußball! Die Herren vom FSV Bernau müssen am besagten Sonnanbend nach
Rüdersdorf, zum Ersten der Landesliga. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle hierfür maximale Erfolge wünschen!

Desweiteren ist mal wieder Aufklärung vonnöten. Auch Bernau begreift sich als Partnerstadt von Hertha BSC. Oder ist es mehr als provinzielle Verirrung. Steckt hier eine Verschwörung mittleren Ausmaßes dahinter?! Was planen die Wahnsinnigen in Charlottenburg?! Fragen über Fragen…

Kommt daher also zahlreich zum altbewährten S-Bahngleis!

Sonnabend, 2.12. 13:00

 

Kleinöd Nordberlins

Da muss der Betrachter unwillkürlich schmunzeln. Welch Lebensfreude, welch ungestüme Tatkraft geht von diesem einfachen grün-gelben Schild aus und wie veredelnd wirkt es auf die unter ihm Stehenden? Da will man doch mehr erfahren, da soll nichts ausgelassen werden! So sei es!!!

Wartenberg, soviel steht schon einmal fest, gehört zu den Überraschungen des bisherigen Wettbewerbs. Sympatische Nutztiere, abwechslungsreiche Spielanlagen und dies alles in einer bizarren Kulturlandschaft – wir resumieren: Weiter so Wartenberg!

Doch der Reihe nach! Nach einer doch recht kurzen S-Bahnfahrt (Ist Wartenberg evtl. der zum Stadtzentrum nächste S-Bahnhof?) gelangten wir bei durchschnittlichen Witterungsbedingungen am Zielbahnhof an. Nach kurzem Durchzählen setzte sich die, heute generationenübergreifende Wandergruppe in Bewegung. Die nähere Umgebung des S-Bahnhofs ist von zahlreichen Betonbehausungen umsäumt. Fachreferent André teilte umgehend sein Wissen mit uns und erläuterte lässig und anschaulich die Besonderheiten der Wartenberger Balkonik.

Vervollständige zu öbenstehendem Foto folgende Alliteration Grau, groß und gr…

Unser Weg führte uns im ausgedehnten Bogen um Wartenberg herum. Ausgeangspunkt war hierfür das ‚Stadion’ des Wartenberger SV (Der bienchenfleißigen André hatte sich bestens vorbereitet und führte uns wie ein Alteingesessener durch Randberlin!). Enttäuscht mussten wir jedoch registrieren, dass das Spiel gegen die Zweite vom Köpenicker SC erst morgen stattfindet. Doch angesichts der sich in den Wartenberger Grenzgebieten abzeichnenden Schönheit von Flora und Fauna war jegliche Betrübnis schnell wie weggeblasen.

Der passionierte Evolutionsbiologe (rechts im Bild) erklärt hier einem niedlichen, aber sozusagen ‚abgehängten’ Säugetier Wesen und Bedeutung der Ursuppe für die Entwicklung der Lebens. Sancho ist schwer beeindruckt.

Schnell wird klar, der Wartenberger an sich hat es sich ganz nett eingerichtet zwischen Speckgürtel und Hungerneurose. Fröhlich beschwingte Spaziergänger, juchzende Kinder und fröhlich rollende Heuballen – da hämmert sich der irritierte Berliner schon mal die eingetrockneten Depressionssekrete aus dem Gesicht.

Obwohl das Land nicht frei von Gefahren ist…

…. kann man angesichts dieser kuschelnden Gesellen doch nur eins wollen:

Und zwar SPIELEN!

Nach Herzenslust SPIELEN!

Doch bei all der Ausgelassenheit vergisst die Reisegruppe nie Ihren Bilkdungsauftrag. Architektur und bildende Kunst werden gewürdigt und eingeordnet, naturkundliches Wissen wird abgefragt und am Objekt überprüft.

Was oberflächliche Ausflügler mit einem Achselzucken abtun, wird in unserer Reisegruppe dezidiert analysiert und ausdiskutiert. Hier sehen wir Hobbyanthropologen Tom bei seiner unterhaltsamen Beweisführung hinsichtlich des Ursprungs und der Bedeutung der naiven Skulpturen zu seinen Füßen. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist ihm sicher – so sieht angewandte Wissenschaft aus!

Der Malchower See. Momente der Besinnung. Augenblicke des Einklangs zwischen Körper, Geist und Brandenburg.

Doch Wartenberg meinte wahrlich gut mituns. Entgegen der üblichen randberliner Tradition, am Sonntag alles zu verrammeln und jegliche gastronomische Bestrebung als fremdländische Teufelei zu verbrämen, fanden wir unweit des Malchower Sees tatsächlich eine geöffnete Wirtschaft. Gierig und glücklich stürzen wir die Spezialität der Region (Soljanka) und ein Getränk aus dem Nirgendwo (Dessower Pils) hinunter und wanken schließlich ausgelassen zum vertrauten S-Bahnhof.

Der überwältigenden Wirkung dieses Zeitdokuments sollten sich die Bosse der Soljanka-Konzerne des Landes nicht entziehen können. Die Billionen und Aberbillionen von Euros, die sich in den Milchschnitte- und Ahoi-Brausepalästen türmen, gründen sich schließlich auf nichts anderes als ein glückliches Kindergesicht.

Sehnsuchtsvoll gleitet unser Blick nach Norden. Es führt ein Weg durch Brandenburg, Dort irgendwo liegt Bernau. Das nächste Ziel. Die Ungeduld ist kaum bezähmbar.

Nehmt euch am 1. Advent nichts vor aber was zu Essen mit – es geht nach Brandenburg.

Wieder am Sonnabend (2.12.)

Ein ausführliches Briefing zu dieser wirklich außergewöhnlichen Siedlung folgt wie gewohnt in Bälde!

Bis dahin!

Alles hat Vor- und Nachteile