Birkenwerder


 

Über Birkenwerder habe ich leider nicht allzu viel herausgefunden. Doch ich befand mich auch den größten Teil der Zeit in Zwiesprache mit einem gewissen Norovirus.  Doch wozu viele Worte wenn es auch mit wenigen gesagt ist. Ich übergebe das Wort an den Tourismusverband vor Ort:

„Obwohl täglich etwa 20.000 Fahrzeuge durch den Ort rollen, ist Birkenwerder trotzdem ein ruhiges und beschauliches Örtchen, das vielen Berlinern als Alternative zur hektischen Hauptstadt erscheint. Dies belegen nicht nur die vielen neuen Einfamilienhäuser, sondern auch das Wohngebiet ‚Birkenwerder Nord‘.“

Also dann, keine Müdigkeit vorgetäuscht und auf nach Birkenwerder!

Sonnanbend, den 9.12.06, 13:00, S-Bahngleise des Alexanderplatzes, mittig

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Zwischen Denkstätten und Gastmälern

Und wieder mal ging es hinaus in die unentdeckten Weiten Brandenburgs. Bernau war im Vorfeld hochgelobt wurden, dementsprechend maßlos waren unsere Erwartungen. Ob den zeitplanerischen Höchstleistungen des Exkursionsleiters kam ein Teil der Reisegruppe stark erschöpft und arg verspätet am Treffpunkt an. Wir klopften uns den Staub von den Hosen, versteckten verschämt die gröbsten Flecken und auf ging es in den goldenen Norden.

Touristen wie wir sie gerne sehen. Aufgeweckt, höflich und vergnügungssüchtig.

Und so bestiegen wir unseren Zug und fuhren ab. Wie schon erwähnt fuhren wir ja nun auf einer doch unfassbar historischen Strecke. Leider hatte ich dies zu diesem Zeitpunkt völlig vergessen.
In Bernau angekommen, gingen wir übergangslos zur Stadtbesichtigung über.


Touristengruppe in Tuchfühlung mit Studienobjekt.


Und es sollte sich tatsächlich gelohnt haben. Bernau schlug uns in Form einer aufgestellten Stadtkarte einen, an der Stadtmauer orientierten Stadtrundgang vor. Wir nahmen diesen Vorschlag an und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. War diese Stadt in der Vergangenheit für Bier, Tücher und Hussiten berühmt, so versucht sie anscheinend nun mit einem ganz anderen Dreh im Gespräch zu bleiben. Gedenkindustrie aufgepasst! Hier in Bernau ist man hinsichtlich des erfindungsreichen Gedenkens ganz weit vorne. Wir stolperten über ein Denkmal nach dem anderen.

Eindrucksvoll und dennoch gerade in seiner Schlichtheit erdrückend. ‚Diese verdammten Schichtpressstoffe! Warum? Warum nur?!’ mag der Betrachter beim Anblick dieses Mahmals still für sich denken, nur um gleichen Moment aufzumerken und nervös über dem Gedanken zusammenzubrechen, ob wir nicht alle ein wenig Schichtpressstoffe in uns haben.


Einzigartig ist dieses Denkmal weniger ob seiner Aussage oder Zielgruppe, sondern weil es das einzige natürlich verschwommene Mahnmal der Welt ist. Eine Kampfansage an die Naturgesetze fürwahr – doch um an ein zusätzliches Denkmal zu kommen, kennt der der Bernauer nichts!.


Und dieses hier hat mich dann doch aufrichtig überrascht. Was sich da so schüchtern im Hintergrund an die übliche Preussenkriegersäule anzuschmiegen versucht, ist tatsächlich ein Denkmal für Deserteure! Respekt. Sowas sieht man wirklich selten.


Ein Hundeklo. Wenn wir bei diesem Anblick mal ganz doll nachdenken, werden wir einsehen, dass nur aus Katzenklo in unserem Land ein Hit werden konnte.

Doch nach all diesen aufreibenden Erlebnissen hatten wir dieses Mal nicht nur die Gastronomie auf unserer Seite, nein, wir fanden sogar DIE Schenke. Die Mueumsklause verstand es maeisterhaft unsere Gelüste nach herzhafter Kost und dem berühmtem Getränk der Region zu befriedigen. Ein vielfaches Hoch auf alle Einrichtungen dieser Art. Ich bin mir sicher, dass es da draussen noch einige von ihnen gibt. Dher schließt euch uns an und geht nächsten Sonnabend mit auf die Reise, wenn es wieder heißt:

Lassen Sie mich durch! Ich muss nach Brandenburg!


Hungrig und unglücklich sieht anders aus. Erfolgreiche Bedürfnisbefriedigung ist für die Bernauer eine Selbstverständlichkeit.


Das legendäre Schwarzbier, dessen Herstellung die vorwitzigen Bernauer übrigens in einem Anflug von arbeitsscheuem Übermut kurzerhand nach Friedrichshagen ‚outgesourct’ haben.


Vom S-Bahn-Ring zum Bernauer Ring. Spezialitäten bei dessem Anblick meine kurze Liebelei mit dem Vegetarismus ein schnelles Ende fand. Wer will es mir verdenken?!

Und nächsten Sonnabend geht es nach Birkenwerder!
Natürlich nur nach einem ausverzüglichen Briefing.
Dieses erhaltet ihr in den nächsten Tagen an gewohnter Stelle!

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Bernau bei Berlin

Ich möchte gleich zu Beginn ein euch sicherlich überraschendes Geständnis machen: Es war nicht immer einfach, über die zu entdeckenden Endstationen etwas Interessantes herauszufinden. Nun, im Falle Bernaus sieht die Sachlage grundlegend anders aus. Eine Stadt, die schon seit über 10.000 Jahren besiedelt ist, berühmte Töchter und Söhne ohne Zahl vorweisen kann (Anja Bröker (* 1973); Paulus Praetorius (1521–1565); Georg Rollenhagen usw. usf.) und die eine der elf Hauptstationen der Märkischen Eiszeitstraße ist – hier fiel es wahrlich nicht leicht von den vielen verlockenden Fakten, die Verlockendsten auszusuchen. Dennoch habe ich den Versuch unternommen!

 

Meine Interpretation des Bernauer Wappens: Nachdem der arme Berliner Bär genügend durch demütigende Pedi- und Maniküre malträtiert wurden ist, pflanzt man eine kümmerliche Eiche über ihn, auf der ein riesiger roter Aler sitzt der viermal am  Tag (vier Eicheln!) auf ihn scheißt. Soll heißen: Wir Bernauer, stolzes Husssitengeblüt sind bereit uns zu
beugen und zu dienen. Jedoch nur bei korrekter Fußpflege und respektablem grünen Daumen!
Verrücktes Brandenburg!   

Laut bescheidener Selbstaussage kann man hier nicht nur „auf historischen Pfaden wandeln, Geschichte erleben, Natur genießen“ in dem man sich „an klaren Seen und in weiten Wäldern erholt,“ nein es ist sogar möglich „in einer beschaulich wachsenden Stadt zu leben“. Verlockend, fürwahr. Doch getreu dem Motto dieses Projektes wollen wir es doch vorerst bei Ausflügen belassen. An dem Konzept ‚In S-Bahnendstationen leben’ wird noch gefeilt.

Doch was spricht denn nun konkret für Bernau?!

Lassen wir die Geschichte zu Wort kommen. Und sie will uns sagen: „dass schon um 1140 Albrecht der Bär, ein Fürst aus dem Hause der Askanier und Eroberer dieser damals slawischen Gebiete, die Gründung der Stadt ob des Wohlgeschmackes des ihm hier gereichten Bieres und der angenehmen Lage des Ortes veranlasst habe.“ Also jetzt mal im Ernst: Eine Stadt die hauptsächlich wegen ihres Bieres gegründet ist verdient unsere Sympathie und unseren Besuch. Hat sich Brandenburg meines Erachtens in der jüngeren deutschen Gesichte hinsichtlich der Bierqualität zwar nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, so mag dies im Mittelalter ja durchaus ganz anders ausgesehen haben. Zitat: „Bereits im 15. Jahrhundert wurden in 144 von 310 Wohnhäusern Bier gebraut. Über 30.000 Tonnen Bier wurden noch im 17. Jahrhundert pro Jahr ausgeführt. Jahrhunderte lang galt das Bernauer Bier als das beste der Mark Brandenburg. Es wurde wegen seines Wohlgeschmackes und seiner guten Haltbarkeit in viele Städte und Gemeinden, auch außerhalb der Mark Brandenburg, geliefert und dort gezapft“ Also, Bierhistoriker und Alkoholnostalgiker, auf nach Bernau!

Doch nicht nur Biergeschichte, sondern auch Verkehrsgeschichte wurde hier geschrieben. „Seit 1924 verbindet die erste elektrisch betriebene Stadtbahn der Welt Bernau mit Berlin“ Somit also ein weiterer elektrischer Rekord nach der legendären Strausberger Fähre, die uns auf diesen Exkursionen bevorsteht! Atemberaubend!!!

Doch Bernau heißt nicht nur „bei Berlin“, Spitzenbier im Mittelalter und S-Bahn-Avantgarde sondern auch Hussiten. „Die Stadt Bernau bei Berlin ist Mitglied in der Vereinigung der Städte mit hussitischer Geschichte und Tradition“

Ja, in Bernau scheint man aus der Geschichte gelernt zu haben. Hier sichert man sich gegen sämtliche Unwägbarkeiten der Politik ab. Und wer weiß, vielleicht haben sie ja Recht, die vorwitzigen Pankeanrainer. Wenn in der Zukunft derzeit so machtvolle Bündnisse wie die NATO oder Microsoft ins Wanken geraten, dann wird man sich hier auf den Beistand vorm Neunburg am Wald und Tabor verlassen können. Stolze Heere werden sich unter dem Hussitenkelch sammeln und jeglichem Unbill trotzen.

So sieht es aus, das ‚geheime‘ Zeichen der Hussitenfreimaurer.

‚Noch lacht ihr. Und das zu Recht!‘ will uns der verwirrtre Sektierer im
Vordergrund sagen. Wir hören einfach nicht hin!

Aber genug der Geschichte!

Auch in anderen Bereichen ist man in Bernau weit vorne. Nehmen wir nur mal die hohe Kunst der Wortwitzpflege. Klickt sich der arglose Interessent durch die offizielle Seit Bernaus, stößt er unter „Freizeit, Kultur und Sport“ auf folgende erschütternde Aussage: „Wer sich in Bernau auf „Kul-Tour“ begibt, der wird es mit Sicherheit nicht bereuen.“ Selten habe ich in letzter Zeit in einem Satz soviel Grauen erlebt. Es ist ein schönes Gefühl, nicht allein zu sein. Das macht mir Mut und gibt mir Kraft.

Im Detail gibt folgener Bereich für uns einige Höhepunkte her:

– Historischer Adventsmarkt am Dorfteich

– Ausflug ins Henkerhaus. (10–13 Uhr und 14–17 Uhr)

– Kein Fußball! Die Herren vom FSV Bernau müssen am besagten Sonnanbend nach
Rüdersdorf, zum Ersten der Landesliga. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle hierfür maximale Erfolge wünschen!

Desweiteren ist mal wieder Aufklärung vonnöten. Auch Bernau begreift sich als Partnerstadt von Hertha BSC. Oder ist es mehr als provinzielle Verirrung. Steckt hier eine Verschwörung mittleren Ausmaßes dahinter?! Was planen die Wahnsinnigen in Charlottenburg?! Fragen über Fragen…

Kommt daher also zahlreich zum altbewährten S-Bahngleis!

Sonnabend, 2.12. 13:00

 

Kleinöd Nordberlins

Da muss der Betrachter unwillkürlich schmunzeln. Welch Lebensfreude, welch ungestüme Tatkraft geht von diesem einfachen grün-gelben Schild aus und wie veredelnd wirkt es auf die unter ihm Stehenden? Da will man doch mehr erfahren, da soll nichts ausgelassen werden! So sei es!!!

Wartenberg, soviel steht schon einmal fest, gehört zu den Überraschungen des bisherigen Wettbewerbs. Sympatische Nutztiere, abwechslungsreiche Spielanlagen und dies alles in einer bizarren Kulturlandschaft – wir resumieren: Weiter so Wartenberg!

Doch der Reihe nach! Nach einer doch recht kurzen S-Bahnfahrt (Ist Wartenberg evtl. der zum Stadtzentrum nächste S-Bahnhof?) gelangten wir bei durchschnittlichen Witterungsbedingungen am Zielbahnhof an. Nach kurzem Durchzählen setzte sich die, heute generationenübergreifende Wandergruppe in Bewegung. Die nähere Umgebung des S-Bahnhofs ist von zahlreichen Betonbehausungen umsäumt. Fachreferent André teilte umgehend sein Wissen mit uns und erläuterte lässig und anschaulich die Besonderheiten der Wartenberger Balkonik.

Vervollständige zu öbenstehendem Foto folgende Alliteration Grau, groß und gr…

Unser Weg führte uns im ausgedehnten Bogen um Wartenberg herum. Ausgeangspunkt war hierfür das ‚Stadion’ des Wartenberger SV (Der bienchenfleißigen André hatte sich bestens vorbereitet und führte uns wie ein Alteingesessener durch Randberlin!). Enttäuscht mussten wir jedoch registrieren, dass das Spiel gegen die Zweite vom Köpenicker SC erst morgen stattfindet. Doch angesichts der sich in den Wartenberger Grenzgebieten abzeichnenden Schönheit von Flora und Fauna war jegliche Betrübnis schnell wie weggeblasen.

Der passionierte Evolutionsbiologe (rechts im Bild) erklärt hier einem niedlichen, aber sozusagen ‚abgehängten’ Säugetier Wesen und Bedeutung der Ursuppe für die Entwicklung der Lebens. Sancho ist schwer beeindruckt.

Schnell wird klar, der Wartenberger an sich hat es sich ganz nett eingerichtet zwischen Speckgürtel und Hungerneurose. Fröhlich beschwingte Spaziergänger, juchzende Kinder und fröhlich rollende Heuballen – da hämmert sich der irritierte Berliner schon mal die eingetrockneten Depressionssekrete aus dem Gesicht.

Obwohl das Land nicht frei von Gefahren ist…

…. kann man angesichts dieser kuschelnden Gesellen doch nur eins wollen:

Und zwar SPIELEN!

Nach Herzenslust SPIELEN!

Doch bei all der Ausgelassenheit vergisst die Reisegruppe nie Ihren Bilkdungsauftrag. Architektur und bildende Kunst werden gewürdigt und eingeordnet, naturkundliches Wissen wird abgefragt und am Objekt überprüft.

Was oberflächliche Ausflügler mit einem Achselzucken abtun, wird in unserer Reisegruppe dezidiert analysiert und ausdiskutiert. Hier sehen wir Hobbyanthropologen Tom bei seiner unterhaltsamen Beweisführung hinsichtlich des Ursprungs und der Bedeutung der naiven Skulpturen zu seinen Füßen. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist ihm sicher – so sieht angewandte Wissenschaft aus!

Der Malchower See. Momente der Besinnung. Augenblicke des Einklangs zwischen Körper, Geist und Brandenburg.

Doch Wartenberg meinte wahrlich gut mituns. Entgegen der üblichen randberliner Tradition, am Sonntag alles zu verrammeln und jegliche gastronomische Bestrebung als fremdländische Teufelei zu verbrämen, fanden wir unweit des Malchower Sees tatsächlich eine geöffnete Wirtschaft. Gierig und glücklich stürzen wir die Spezialität der Region (Soljanka) und ein Getränk aus dem Nirgendwo (Dessower Pils) hinunter und wanken schließlich ausgelassen zum vertrauten S-Bahnhof.

Der überwältigenden Wirkung dieses Zeitdokuments sollten sich die Bosse der Soljanka-Konzerne des Landes nicht entziehen können. Die Billionen und Aberbillionen von Euros, die sich in den Milchschnitte- und Ahoi-Brausepalästen türmen, gründen sich schließlich auf nichts anderes als ein glückliches Kindergesicht.

Sehnsuchtsvoll gleitet unser Blick nach Norden. Es führt ein Weg durch Brandenburg, Dort irgendwo liegt Bernau. Das nächste Ziel. Die Ungeduld ist kaum bezähmbar.

Nehmt euch am 1. Advent nichts vor aber was zu Essen mit – es geht nach Brandenburg.

Wieder am Sonnabend (2.12.)

Ein ausführliches Briefing zu dieser wirklich außergewöhnlichen Siedlung folgt wie gewohnt in Bälde!

Bis dahin!

Dreimal werden wir noch wach, heissa, dann ist wieder Wandertag!

Wartenberg – welch kraftvoller Name!

 

Das Wappen Lichtenbergs muss auch für Wartenberg herhalten. Nicht vergessen! Wir bleiben dieses Mal in den Grenzen Berlins. Ihr müsst nichts zu essen mitnehmen, es geht nicht nach Brandenburg. Auch wenn es schwer fällt! Ach Brandenburg…

 

Aber zurück zu Wartenberg! Leider fand ich diesmal nicht allzuviel. Doch auch die kleine Begebenheit, die ich euch nun schildern will, sollte ausreichen um auch die Desinteressiertesten dem Sonnabend entgegenfiebern zu lassen.

Wartenberg begann seine Karierre als Siedlung wie so viele Orte in der Umgebung als „typisches Angerdorf“. Auch den nächsten Karierreschrit der meisten Umlandnester, den Aufbau von Rieselfeldern, nimmt Wartenberg nach dem 1882 erfrolgten Aufkauf souverän mit. Doch ganz so typisch war es dann doch nicht, denn die Dorfkirche zählte bis zu seiner Zerstörung „zu den schönsten Dorfkirchen Berlins“. Nun ja, das nehmen wir jetzt einfach mal hin.

Da es müßig wäre über die Schönheit zerstörter Dorfkichen zu plaudern, kommen wir zum eigentlichen Akt. Die Zerstörung fand am 21. April 1945 statt. Sie wurde von „Wehrmachtsangehörigen gesprengt, da sie andernfalls als Orientierung für die anrückende Rote Armee hätte dienen können“. Ich finde, dass in dieser kleinen Geschichte so viel von dem steckt, was diese allwöchentlichen Ausflüge ursprünglich motiviert. Ein Land in dem man Kirchen sprengt um sich zu verstecken, bzw, eine angreifende Armee, die man mit solcherart Finessen aus dem Konzept zu bringen versucht. Doch das hat was. Jedenfalls ließ sich die ruhmreiche Rote Armee dann doch so kurz vorm Ziel nicht vom Weg abbringen und betrat in Wartenberg sogar erstmals Berliner Boden.

 

Und dies soll dann auch das Arbeitsthema des kommenden Sonnabends sein:

Wo ist er wo erfolgt der historische erste Übertritt. Die Suche kann beginnen! Papirossafossile und Rote-Beete-Artefakte werden in reichlicher Anzahl erwartet!

 

Treffpunkt: Sonnabend, 25.11., S-Bahngleis Alexanderplatz, 13:00, mittig
behördlich bestätigte Abreisemöglichkeiten: 13:08 oder 13:19

 

Ahrensfeldstudie

So geschah es an einem erbärmlich daherkommenden Sonntag, dass sich ganze zwei furchtlose Herren fanden, die dem ereignisarmen Norden Berlins etwas abgewinnen wollten. Begleitet
von zwei gar wunderschönen Hunden sprangen sie jugendlich beschwingt in eine S-Bahn und fuhren los.


Unerbittlich und düster scheinen die Betonmale der berüchtigten Suburbs zu warnen, doch noch sind wir unvoreingenommen und haben ein fröhliches Lied auf den Lippen.


Schon bald sind wir da uns springen genauso jugendlich, nur ein Stück weit aufgekratzter heraus und sehen einenBahnhof, der keine Fragen offen lässt.


Bahnhof, der keine Fragen offen lässt.

Doch unser kleines Expeditionskorp ist wie gesagt ebenso klein wie tapfer und schlägt sich unbeeindruckt weiter durch.
Hinter dieser Tür könnte es sein. Die Erfüllung aller Wünsche, das Paradies, der Kommunismus,  die Beste aller denkbaren Welten, ein Land in dem Steaks und Hackepeter fließen, in dem die Sonne immer scheint und es kein Alter und keine Sorgen gibt – aber wir finden dann doch nur das erwartete eigentumsgeile Speckgürtelröslein vor. Eigentlich keine Überraschung wenn man ehrlich ist.

Unser Weg führt an einer tosenden und humorlosen Bundesstraße entlang, die uns mit
ihrem Decknamen „Barnimer Dörferweg“ angesprochen und verführt hatte. Doch schon bald verließen wir die Straße und bogen ein in eine der vielen neuen Straßen Ahrensfeldes ein.
Typische Ahrensfelder Straßenszene. Man beachte die gleichermaßen seelisch
gebrochene wie fröhlich-selbssichere Körperhaltung des sympathischen Eingeborenen
im Vordergrund.

Die Stadt ohne Wappen

Ahrensfelde!
Da muss eigentlich nicht mehr viel gesagt werden. Der Name spricht für sich.

Zunächst aber doch ein paar Informationen zu den diffizilen Begrifflichkeiten, die mit Ahrensfelde verbunden sind:

Der S-Bahnhof, dem unsere neueste Reise gelten soll, trägt zwar den Namen Ahrensfelde, liegt aber mitten im wunderschönen Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Das „wahre“ Ahrensfelde wird irgendwo hinter der Stadtgrenze, bzw. Hinter der Akzisemauer vermutet. Dort hängt der unauffällige Siedlungsversuch mit seinen Kumpeln Blumberg, Eiche, Lindenberg und Mehrow ab und geht arglos den Beschäftigungen einer gewöhnlichen Speckgürtelschönheit nach. Oberflächliche Beobachter mögen hier vielleicht nervös werden. Und wahrlich, die Kostbarkeiten Ahrensfeldes erschließen sich erst auf den zweiten Blick. Sehenswürdigkeiten wie bspw. eine „Dorfkirche und ein parkähnlicher Friedhof“ finden sich schließlich kaum in einer zweiten deutschen „Stadt“. Auch die direkt durch den Ort führende Bundesstraße 158, die für die angrenzenden Bezirke Berlins als Zubringer zum Berliner Ring fungiert, verspricht abwechslungsreiche Staus und andere spannende Erlebnisse. Doch das ist noch bei weitem nicht alles. Ein kurzer Antippen der Ahrensfelder Buchstaben bringt das Internet zu wahrer Raserei – ob Reitershop, Hundesportverein oder Tennisclub, ob dekadentes Amüsemang im Lindenhof oder spirituelle Erholung in der evangelischen Gemeinde – die „Boomtown Ahrensfelde“ hat bislang noch jeden Skeptiker überzeugt!

Doch Ahrensfelde hat verschiedene Gesichter. Ein ganz charmantes ist in jedem Falle in der Blumberger Nachbarschaft zu finden. Hier findet sich nicht nur die Hauptstadtabteilung der Berliner Polizei – „743 Polizeivollzugsbeamte, 14 Verwaltungsbeamte und 133 Tarifbeschäftigte“ warten ungeduldig auf unseren Besuch – sondern auch „die Fliegerstaffel Ost oder das Polizeiorchester des Präsidiums“ laden zu einem gemütlichen Plausch über Gott und die Peripherie ein. Oder man schaut den Eingeborenen bei einem Rundgang einfach ein wenig über die Schulter und kann dabei entdecken wie hier „…in modernster Werkstatt Fahrzeuge, Waffen und Funkgeräte der Beamten aus dem Großraum Berlin instand gesetzt…“ werden.

Schließlich noch das letzte Trumpfass für Ahrensfelde: Fussball. Wir werden das Territorium des mehr als wahrscheinlichen Aufsteigers ‚Grün-Weiß Ahrensfelde‘ besuchen (Mir fehlte irgendwie die Motivation um zu ermitteln, was ich genau unter der Barnimliga zu verstehen habe.). Leider verpassen wir das Spiel gegen den Friedrichswalder SV, da wir am Sonnabend ja,  wie bereits angedeutet, Besseres vorhaben.

Auch die S-Bahn wird dieses Mal brav mitspielen. Kostspielige und hartnäckige Recherchen ergaben, dass der Verkehr störungsfrei durchgeführt wird.

Verbürgte Verbindungen wären:

13:05 oder13:15
… und nach lächerlichen 29 Minuten sind wir da!
Also, keine Widerrede und bis bald!
Sonntag, 19.11. 2006, an den S-Bahngleisen Alexanderplatz, mittig

 

Manöverkritik Strausberg

Als am 01.10.1867 die Ostbahn den Betrieb aufnahm und Strausberg einen Bahnhof schenkte war dies ein ganz besondererer Tag in der Geschichte des „Drecksneste vor den Toren meiner Residenz“ (Auszug aus den historischen Ausführungen der Speisekarte des Cafés Kunze,  welcher auf einen gewissen preussischen König zurückgehen soll; es versteht sich, dass man in dieser Publikation nur heranzog um es im gleichen Atemzug ins Reich der Legenden zu verweisen!). An diesem sonnigen Oktobertag fielen sich allerorten Menschen in die Arme, Hüte flogen in die Luft, die Spezialität der Region „Sanfter Engel“ (Orangensaft mit Speiseeis) wurde fässerweise geleert , kurz: das Volk feierte ausgelassen und dies zu Recht. Schließlich war „…die Ostbahn seinerzeit eine der wichtigsten Eisenbahnmagistralen Europas und eine der Hauptachsen des Ost-Westverkehrs. So fuhren auf ihr verschiedene internationale Schnellzüge und der legendäre Luxuszug Nord-Express, dieser in seiner „Blütezeit“ bis zum Ersten Weltkrieg.“

Nicht einmal 140 Jahre später wollten 5 wissensdurstige Ausflügler bei gräulichstem Novemberwetter auf den Geleisen jener ersten preussischen Staatsbahn nach Strausberg gelangen und müssen sogleich erfahren, dass das was als das Grundsätzlichste dieser Exkursionen verstanden wird, nämlich ausdauerndes S-Bahnfahren, keinesfalls so selbstverständlich ist. Zwischen Fredersdorf und Strausberg ist die gute alte Staatsbahn unterbrochen. So bleibt nur die Regionalbahn ab Lichtenberg oder der Ersatzverkehr ab Fredersdorf. Wir entscheiden uns zunächst für die Regionalbahn Richtung Kostrzyn nad Odrą und stehen kurze Zeit später auf einem grauen Bahnhof, welocher sich unzweifelhaft in Strausberg befindet. Nur wo genau?! Einige Minuten ist die Reiseleitung offensichtlich verwirrt. Strausberg Nord, Strausberg Stadt oder Strausberg Vorstadt? Zumindest dies nahm wohl jeder von diesem Wandertag mit: Für seine Größe hatte dieses Städtchen hat eine irrwitzig hohe Anzahl an Bahnhöfen. Schließlich machte sich jedoch die schreckliche Gewissheit breit – wir waren in Strausberg Vorstadt. Tapfer bestiegen wir umstandslos den Bus des Erstazverkehrs und fuhren gen „Stadt“. Zweimal umsteigen und zu guter letzt auch noch abseits der Schienen reisen – so hatte ich mir die S-Bahn-Themenabende nicht vorgestellt, aber egal!

Voller Hoffnung und Vorfreude sprangen wir vor den Toren der Altstadt aus dem Bus und fielen umstandslos in unsere vorgesehene Stelllung als übereifrige Brandenburgtouristen. Enten wurden bestaunt, verrottete Stadtmauern inspiziert und Fotos gemacht. Unser Weg führte uns durch ausgestorbene Straßen zum Straussee und von da zu einem der wenigen geöffneten Etabilssements – dem Café Kunze! Hier blieben dann auch keine Wünsche offen. Nach Leckereien wie einer soliden Erbsensuppe oder harmonisch abgestimmten Genusskompositionen wie „Kaffee Mexikanisch“ (Hälfte Kaffee, Hälfte Schokolade, Sahne) ging es zum erklärten Höhepunkt des Tages: der einzigartigen Seilfähre über den Straussee! Die verschiedenen touristisch ausgerichteten Propagandaorgane (besagte Speisekarte und der öffentliche Schauplan Strausbergs) überschlugen sich förmlich ob dieses Verkehrsmittels. Das Besondere an ihr ist, dass sie per elektrischer Oberleitung angetrieben wird. Ob dies tatsächlich einmalig in Europa ist, wie in Starausberg vielfach behauptet, solllen andere herausfinden, wir hatten in jedem Fall viel Spaß bei der feuchtkalten Überfahrt. Es stellte sich sofort diese Tatort-Atmosphäre a la „mürrischer-Kommissar-auf-dem-sonntäglichen-Weg-in-abgelegenes-Altenheim-um-Tod-von-exaltiertem-Büromittelmagnaten-aufzuklären“. Sehr schön. Nach erfolgreichem Überholen spazierten wir am Ufer des Straussees bis es dunkel wurde und wir ähnlich müselig wie bei der Anreise den Weg zurück ins geliebte Berlin fanden.

Dort angekommen versammelten wir uns um einen Topf mit brodelnden Käse und beschlossen den Wanderausflug mir viel Gekicher und Gegacker.

Was sonst noch geschah:

Trotz übereifriger Suche grelang es uns nicht, die vielbesungene Energiearena zu finden. Doch auch ohne uns gelang den unsrigen eine überzeugender Sieg gegen die Randbrandenburger (3:1). Somit ist der Abstiegskampf wohl vorerst aufgehalten – ein souveräner 10. Platz spricht dann doch eine deutliche Sprache.

Und nächste Woche lockt Ahrensfelde. Wie oft habe ich dieses Wort auf S-Bahnen prangen sehen. Und schon in wenigen Tagen ist es soweit, Illussion und Wirklichkeit werden sich in einem entzückenden Sonntag 
(Achtung: abweichender Termin. Diesmal nicht am Sonnabend, sondern am Sonntag!) zusammenfinden. Freudig erregt verweise ich hier nur auf die Worte des ausgewiesenen Peripherievetranen André, welche an unserem Provinzstammtisch im Cafe
Kunze mit folgender exzellenten Darstellung poussierte:
„Warst du schon mal in Ahrensfelde?! Da ist nichts! Rein gar nichts…“ 

Bis zum 19. 11., 13:00, Alexanderplatz, S-Bahngleise, mittig

 

Kleine Korrektur!

 

Fällt mir doch gerade auf, dass Sonnabend ja schon seit undenklichen Seiten ein peripherer Tag ist. Da ein nicht unbedeutender Teil von Euch, sowie meine Wenigkeit sich an diesem Tag häufig in Köpenick rumtreibt, verstehen sich die Daten des Restprogramms eher als Eckdaten. Aber ich denk mal, der Sonntag ist für so einen Anlass ja auch viel angemessener!

Alles hat Vor- und Nachteile