Schönefeld

Freunde! Nach Schönefeld soll es nun gehen. Was hat diese entzückende Siedlung denn so außer jenem aufstrebenden Großflughafen, der von so vielen Menschen aufs Übelste diskriminiert wird (wir berichteten), noch so zu bieten. Nun ja, zunächst einmal ein großartiges Wappen!

Und nicht nur das. Endlich auch einmal eine Erklärung dazu wie wir Heraldiker es wollen. Ich zitiere fingerleckend:

“Die Gemeinde Schönefeld besteht aus den sechs ehemaligen Gemeinden Großziethen, Kiekebusch, Schönefeld, Selchow, Waltersdorf und Waßmannsdorf. Das Heroldsbild des zwölffach rot und silber geständerten Schildes versinnbildlicht die sechs Mitgliedsgemeinden der Einheitsgemeinde Schönefeld. Die Windrose sybolisiert den Status und die Entwicklung der Gemeinde Schönefeld zu einem überregional bekannten Knotenpunkt des Straßen-, Schienen- und vor allem des Luftverkehrs. Die Windrose steht für die Verknüpfung der Verkehrsströme und für die Urbanität und Weltoffenheit der Gemeinde Schönefeld.”

Ja. Was sagt man dazu. Aber natürlich ist Schönefeld nicht nur Knotenpunkt. All die aufgezählten Ortsteile sind für sich wahre Perlen. Nehmen wir nur mal Waßmannsdorf.

“Das ehemalige „Möhrendorf“ Waßmannsdorf am Rande Berlins hat sich grundlegend gewandelt. Einst weitgehend von Landwirtschaft und Rieselfeldern geprägt, hat sich der Ort zu einem soliden Gewerbestandort entwickelt. Die wohl größten Veränderungen zeigen sich am Klärwerk Waßmannsdorf, einem der zukünftigen drei Leitklärwerke der Stadt Berlin. Es ist, mit einer täglichen Reinigungs-Kapazität von 230.000 Kubikmetern Abwasser eines der modernsten Klärwerke Europas.”

Leitklärwerke! Wie stolz das klingt! Zittrig vor Erregung lese ich weiter und erfahre dann noch etwas, das mich eigentlich schon fast in die S-Bahn springen lässt: Die Partnerstadt von Schönefeld ist Bayangol. Endlich Schluss mit den Ahlens und Niederdünzelbachs, oder gar Hertha! Hier beweist man Stil und Geschmack. Sollte irgendwer bezüglich der Einordnung von Bayangol unsicher sein – es handelt sich hierbei um einen Hauptstadtbezirk von Ulan-Bator! Schöne Sache das – in jedem Fall!

Genug der Vorrede! Auf gehts!!!

Sonnabend, den 24.2., 13:00 an den S-Bahngeleisen des Alexanderplatzes

Hier nun die obligatorische Manöverkritik zu Blankenfelde. Dem aufmerksamen Leser dieses Blogs wird es sicher nicht entgangen sein, dass keinerlei einstimmende Informationen im Vorfeld zu finden waren. Dies lag ganz einfach am völligen Fehlen von verwertbarem Material zu dieser bezaubernden kleinen Endstation. Dies mag ja angesichts der Tatsache, dass es bislang noch immer gelang ein paar wissenswerte Krumen zu den betreffenden Orten zusammenzutragen, doch vertraut mir – da war gar nichts! Und das ließ zunächst nicht das Beste erwarten.

Das Ende der S-Bahn. Wie oft standen wir nun schon an diesem Abgrund? Dennoch will sich keine Routine enstellen. Immer wieder aufs Neue packt einen bei diesem Anblick jene namenlose Angst. Die Endlichkeit des Daseins glitzert boshaft vor sich hin. Hastig schaut man
 an den nackten Schienenstümpfen vorbei, schlägt den Kragen hoch und geht
schlotternd weiter.
  

In bewährter Art und Weise wird schon im Vorfeld die S-Bahnfahrt für intellektuelle Dehnungsübungen genutzt. Sachte wird hier bereits die junge Generation an die junge
 welt gewöhnt. Einstiegsdroge Kreuzworträtsel!
 

Als wir dann mal wieder bei allerliebsten Eierleg-Wetter in Blankenfelde aus der S-Bahn fielen, beschlich uns unweigerlich die Vermutung, dass die Dürre an Informationen die Einfachste aller Erklärungen haben könnte – es gibt nichts worüber man informieren könnte. Nach einer kurzen Phase schöpferischer Ratlosigkeit entschieden wir uns schließlich unter der erschreckenden Anzahl an Möglichkeiten für links und schlenderten mit grimmiger Entschlossenheit aus dem Ort heraus.

Der Sunset-Strip Blankenfeldes zur Hauptgeschätszeit.
 Mein selbstauferlegter Satirikerethos gebietet mir, angesichts solcher Impressionen zu schweigen .  Das ist zu einfach…

Hier bot sich uns dann auch recht schnell ein verlockend ausgewiesener Naturpfad. Wir folgten diesem für den Rest des Tages und erholten und lernten ausführlich. Das erklärte Ziel des Rundweges – der Rangsdorfer See – wurde ebenso anerkennend goutiert, wie Erkenntnisse über die erstaunliche Welt der Laubbäume.

Zweifellos samt und sonders wertvolle Hinweise,
 die der Wandersmann hier vermittelt bekommt. 
Vieles ist verständlich, einiges sogar selbst-, doch in einigen Punkten besteht 
noch dringender Diskussionsbedarf:
“Ich hatte da mal ein Lager… 

Gierig wurde jede Gelegenheit genutzt um Wissen über die Eigenheiten von Mutter Natur im Allgemeinen und Stiefcousine Brandenburg im Besonderen aufzusaugen. 
Ob an diesem beschaulichen Morast …

… oder an diesem machtvoll ausgebauten Hochstand. Was immer eine Roteiche von einer Stieleiche unterscheidet – wir werden nicht ruhen bevor wir alles wissen.

Und dies kam dann doch ein wenig überraschend. Die Mauer, die Älteren erinnern sich vielleicht, stand ehemals in Berlin. Nun dient sie in steter Tradition weiterhin al antifaschistischer Schutzwall bei Blankenfelde. Auf der einen Seite die Bundeswehr, auf der anderen Seite Brandenburg. Die Frage sollte gestattet sein, auf welcher Seite in diesem Falle die Antifaschisten zu vermuten wären.

Der Rangsdorfer See. In sumpfiger Anmut gulpte er uns gelassen entgegen. Keine Frage – er wars wert!

Mit Sonnenuntergang trudelten wir dann wieder in Blankenfelde ein und genossen, wie es die Tradition will, in einer beschaulichen S-Bahnof-Kaschemme die Vorzüge gastronomischer Randständigkeit. Nach Bier, Bockwurst und Kakao ging es dann mitten hinein ins Schweinejahr. Doch für die hierfür anberaumten Festivität wäre prinzipiell ein neuer Blog vonnöten.

Zu meiner Schande muss ich eingestehen, dass mir der Name, dieser betörenden Schenke entfallen ist. Doch wer in Blankenfelde ist, wird kaum etwas leichter finden!

Wieviel Schlagsahne passt in ein Kind? Mütterliche Aufsichtspflicht verhinderte einmal mehr die Beantwortung wirklich wesentlicher Fragen!
Das nächste Wochenende hält, wie nicht anders zu erwarten, ein ganz besonderes 
Abenteuer bereit. Und damit meine ich nichts anderes als Schönefeld.


 Sonnabend, den 24.2.2007, 13:00 an den S-Bahngeleisen des Alexanderplatzes   
 

Denn was so nett ausgepriesen wird, hat es verdient, mal genauer beäugt zu werden!

Eisige Winde und boshaft tänzelnde Schneeflocken schlugen uns entgegen als wir Teltower Boden betraten. Sicher, es war uns bewusst, dass nach den Filetstücken Wannsee und Potsdam nun wieder ernsthafter Peripheriealltag auf uns zukommen würde, aber dies schmeckte dann doch entbehrungsreicher als erwartet. Nach ersten zögerlichen Desertionsversuchen wurde dann der Marschbefehl ausgegeben. Und dieser hieß Teltowkanal. Wagemutig schritten wir aus und suchten tolldreist nach dem Stadtkern.

Wir denken zurück. Damals in den frühen 90ern. Ein verrauchter Puff in Charlottenburg. Es ist spät geworden. Nur noch drei sabbernde, alte Herren krampfen ihr Bewusstsein mühevoll zusammen. „War ‚ne tolle Einheitsfeier!“ entfleucht es dem grenzdebil vor sich hin starrenden Genscher. „Hmm…“ grunzt der faltige Rest, bei dem es sich unzweifelhaft um Kohl und Krause handeln muss. „Bleibt nur noch die Sache mit Teltow“ flötet der gefährlichste Bundesminister für besondere Aufgaben aller Zeiten. „Stimmt!“ erwidert die ranzigen Volkstribune an seiner Seite. „ Wen haben wir denn noch so?“ Ein kurzer Moment historischer Stille. Dann blubbert irgendein hoffnungsvoller Hinterbänkler durch sein Erbrochenes hindurch:  „Lasst uns doch Ahlen nehmen.“ Und so geschah es. Mit ungekünstelter Begeisterung nahmen die Teltower am nächsten Morgen die Kunde entgegen – Menschen fielen sich in die Arme, Rüben flogen in die Höhe, Brieffreundschaften entstanden – ein großer Tag für Teltow. Davon kündet diese bescheidene Gedenktafel bis zum heutigen Tag.


Die Leidenschaft für die Männer die Teltow mit der Welt verbanden ist auch in der tristen Gegenwart nicht abgekühlt. Andere Parteien haben es sichtlich schwer hier Fuß zu fassen. Auf unseriöse Angebote wie eine volle EU-Mitgliedschaft, freies Wahlrecht oder Gratismülleimer, Vorschläge zwielichtiger Natur wie sie der Brandenburger von den Glasperlendealern aus der SPD nur allzu gut kennt, weiß man hier noch stolz abzulehnen.


Die Versuchung ist stets präsent. Natürlich hätten wir jederzeit in solch prächtige Gasthäuser einkehren können. Allerorten strömte Gastlich- und Gemütlichkeit aus den morschen Fugen der eleganten Stadthäuser Teltows. Doch zuvor wollten wir das schummrige Tageslicht nutzen und noch etwas sehen.


Der Teltowkanal.
Naturschauspiel und Ingenieursspektakel in einem. Seine 100 Jahre sieht man ihm wahrlich nicht an. Obwohl ich bei Kanälen jetzt auch nicht der Experte im Alterschätzen bin.

Nach dem Abhaken dieses touristischen Pflichtereignisses zogen wir in weitem Kreis um die Ansiedlung um kulinarischen Genüssen zu frönen und uns ein wenig aufzutauen. Diese Suche sollte lang dauern, jedoch mit zahlreichen überraschenden Eindrücken verknüpft sein.


Demjenigen der angesichts dieses Bildes meint, lediglich eine der vielen Industriebrachen Brandenburgs zu sehen, sei gesagt, dass dies nur ein wahllos abgefeuerter Schnappschuss während des Rückwegs ist. Natürlich entkräftet dies die Eingangsannahme des besagten achselzuckenden Betrachters nicht wirklich, aber ich wollte nur noch mal darauf hingewiesen haben.


Trommelwirbel! Applaus!!! Tränen der Begeisterung!!! Einfach zu schön um Wort zu sein. Eigentlich der beste Grund dies Trips zu echten Wochenendausflügen auszuweiten.


Auch dies soll nicht unerwähnt bleiben. Wir entdeckten zufällig den einzigen müllfreien Ort Teltows. (Obwohl es hier natürlich immer auf die Maßstäbe ankommt.) Ein Hundefriedhof. Entsetzen und Entzücken lagen selten so nahe beieinander.


Und obwohl zum Schluss vielleicht der eine oder andere nicht mehr dran glauben wollte: Wir fanden noch ein Etablissement, welches uns aufnahm. Nach ausreichend Grog und Erdnüssen im „Bistro Cafe Teltow“ waren wir wieder bei Kräften und die Sehnsucht nach weiteren Abenteuern erwachte… 

Darum kommt wieder in großer Zahl, enflieht dem Winter und amüsiert euch im Süden!
In Blankenfelde!!!

Sonnabend, den 17. 2. 07, 13:00,
an den S-Bahngeleisen des Alexanderplatzes



Warum eigentlich nicht?!

Getreu der bekannten Analogie von zwei guten Gründen für Hildegard Hamm-Brücher (na ratet mal!) und vier guten Gründen gegen Kinder (Tokyo Hotel) gibt es sogar drei verdammte Gründe für Teltow! Wer hätte das gedacht…

Grund Nr. 1

Das Deutsche Schweinemuseum (bedarf keinerlei Kommentars)

Grund Nr. 2

100 Jahre Teltowkanal

Und dieser befindet sich natürlich zu nicht unwesentlichen Teilen in Teltow! Dies allein sollte ja schon Grund genug sein, sich  pilgenderweise gen Süden zu vergroupisieren, doch wer Teltowkanal sagt, denkt natürlich auch an …, genau – die Stahnsdorfer Tropfkörperanlage! Doch lassen wir in vertrauter Weise kurz die hiesigen Heimatkundler zu Wort kommen:

“Als vor 100 Jahren der Teltowkanal feierlich eingeweiht wurde, blickte die Ingenieurswelt bereits auf einen weiteren Höhepunkt in der Entwicklung unserer Region. Die modernste Kläranlage Deutschlands, auf dem Stahnsdorfer Lindenberg errichtet, begann ihren Testbetrieb (…) sie war die erste dieser Bauart in Deutschland und sollte zum Aushängeschild deutscher Ingenieursentwicklung werden.”


Also für meinen Geschmack braucht es ja hiernach fast keiner weiteren Argumente für einen ausgedehnten Teltowtrip mehr, doch ich sag mal noch …

Grund Nr. 3

Teltower Rübchen

Diese wurzelfeinen Leckereien waren mir Banausen bislang gänzlich unbekannt. Aber anscheinend handelt es sich um eine wahrhaft delikate Angelegenheit, die selbst so annerkannte Gourmetgrößen wie Kant nicht verschmähten. Nun denn. Noch Fragen? Also bis bald!

10.02.07, 13:00, an den S-Bahngeleisen des Alexanderplatzes

Potsdamer Lustwandeleien

 

Potsdam – wen wundert’s – zog die Massen in bislang unbekannten Ausmaß an! In Scharen begehrten sie Einlass in die SBahn um jene mythenumwölkte kleine Siedlung mal
wieder ein wenig besser kennenzulernen. Nach Angeboten wie Wartenberg oder Spandau wahrlich keine große Überraschung, aber dieses knappe Dutzend an erlebnishungrigen Touristen war dann doch ein Stück weit erstaunlich. Und wie gewohnt glänzte es diesmal auch im qualitativen Sinne. Auserlesene Experten für jeden Geschmack und jedes Interesse waren angetreten, um Potsdam in Grund und Boden zu erklären. Zunächst wurde jedoch erstmal gewartet…

Piccolo und Pils – stets eine machtvolle Allianz von Stil und Lebenslust! Wo, wenn nicht auf grenzerfahrungsreichen Ausflügen wie diesen ein gern genutzter Anheizer.


Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, wurden den unruhig mit den Hufen scharrenden Neutouristen kurze Stegreifreferate am schnell bereitgestellten 3-D-Plan gehalten.

Und als es dann endlich losging, wurde auch schnell offenbar, dass diese Ungeduld begründet war. Bei frischen Vorfrühlingswind und eitel Sonnenschein blinkerte uns Potsdam mit all seinen Reizen verführerisch zu. Gebannt gingen wir unseren Weg und kamen umstandslos in den Genuss ausgefeilter Vorträge über die Vorzüge von Sichtbeton und die schmierigen Verwicklungen der Korruption in der ehrbaren Landeshauptstadt unseres geschätzten Brandenburgs.

Bildungsluxus vom Feinsten! Das staunende Publikum kommt hier in den Genuss zweier synchron gehaltener Vorlesungen. Lang lebe der Sichtbeton!

Wer hier nur zwei Archäologen sieht – einen aus Instinkt, den anderen aus Interesse – sieht nur die Hälfte. Zumindest einer von beiden steht nämlich nicht nur aus beruflicher Neugier auf diesem charmanten Ausgrabungsstellenhaufen. Nein! Besagter Archäologe will mit seiner Ersteigung auch abgrundtiefe Verachtung für die hiesige Klüngelei und Vetternwirtschaft zum Ausdruck bringen! Wir fordern:
Freie Marktwirtschaft für freie Buddler!


Hiernach flanieren wir genüsslich auf einer der Hauptgeschäftsmeilen entlang. Lassen Sanssouci locker links liegen und spazieren zielsicher in die Russische Kolonie hinein. Natürlich lassen uns die Auslagen der prosperierenden Havelmetropole nicht kalt. Minutenlang stehen wir beispielsweise gebannt vor einem Angebot was sich „Meine erste Weltkarte“ nennt. Erschrocken registriere ich hier, dass die Grenze zwischen Polen und Weißrussland anscheinend abgeschafft ist und durch einen riesigen Wisent ersetzt wurde. Nun wir werden sehen…

Die Bandbreite gewerblicher Dienstleistungen kennt in der Tat keine Grenzen. Und dieses Angebot gehört für uns alte Säcke selbstredend keineswegs zu den Abwegigsten.


Knigi, zu deutsch Bücher, findet der willige Konsument hier eher weniger. Oder begreifen wir die eigenwillige Performance des Künstlers nur nicht ganz. Handelt es sich gar um eine eigenwillige politische Demonstration, welche die katastrophale Wissenschaftspolitik des Putin-Regimes anprangern will! Eine Installation mit der klaren Kernaussage: Keine Bücher für Öl! Möglich zumindest wäre es.


Doch flugs erinnerten wir uns an das zentrale Anliegen unserer Expeditionen und konnten es angesichts der keck gestalteten Schilder am Wegerand fortan auch nicht mehr aus den Augen verlieren.

Das dem so ist, stand für uns nie außer Frage. Dass es jedoch auch zu Hand- und Fußverlust führt, war uns dagegen neu!

Das Erlebnisprogramm verlor an diesem Tag nie an Spannkraft. Leider sind jedoch nicht alle Stationen hierfür dokumentiert. Folgende Bilder schildern aber die elektrisierte Stimmung ganz anschaulich!


Nichts läge uns ferner als Katzenfeindlichkeit. Dennoch gelang es uns nicht ein von Vertrauen und Zuneigung geprägtes Verhältnis zu diesem anmutsvollen Gesellen aufzubauen.


Bekannt aus Funk und Fernsehen durch seine bahbrechende Auftritte als DAS „Soljanka-Kind“. Hier sehen wir ihn probend für seine nächste Kampagne: die Handymelodie von „Reading is Sexy“!

Harmonievibrierend endete der Abend vorerst – wie sollte es anders sein – bei Baltika, Bliny und Balsam beim Edelrussen. Schöne Sache das und gerne wieder. Vielleicht in Teltow-Stadt? Jetzt jault doch nicht gleich auf.
Wart ihr schon mal in Teltow, ob Land oder Stadt?
Na seht ihr!
Also bis bald!!!

Am 10.02.07, 13:00 an den S-Bahngeleisen des Alexanderplatzes!

Potsdam

Ja, Freunde, Potsdam heißt das Ziel der Stunde. Eigentlich sollte das ja für sich selbst sprechen, doch Ansagen dieser Art führten in der Vergangeheit ja schon mal zu erschreckendem Publikumsschwund. Daher hier der Versuch eines kleinen Appetitmachers.

Aber was soll man zu der attraktiven Landeshauptstadt schreiben, ohne etwas zu unterschlagen oder allzu Bekanntes aufzuzählen?! Eine Stadt, welche in der Vergangenheit sehr unterschiedlich bewertet wurde: „Öde Kasernenstadt“ (Alexander von Humboldt) oder „Athen und Sparta, Feldlager und Garten Epikurs, Trompeten und Violinen, Krieg und Philosophie“ (Voltaire) – irgendwo dazwischen muss die Wahrheit wohl liegen. Eines steht in jedem Fall fest: nach solchen Siedlungswitzen wie Wartenberg oder Strausberg steht uns mit „Poztupimi“ (so die ursprüngliche, in meinen Ohren, um einiges reizvoller klingende Bezeichnung für die Stadt am Havelübergang) eine S-Bahnendstation mit Geschichte und Bedeutung bevor.

Ich verzichte im übrigen auf eine müßige Aufzählung wesentlicher historischer Eckdaten, kutureller Errungenschaften und anderer Höhepunkte. Schließlich haben wir dann noch ausreichend Zeit um Wünsche zu erfüllen und Fragen zu beantworten. Denn schließlich wird dieser Ausflug zusätzlich elegant von einem Konzert der Ausnahmegüte umrahmt. Um genau 21 Uhr werden die wagemutigen Entdecker der leicht melodischen Krachmusik, die Herren von VOLTRON, im Waschhaus zu Potsdam aufspielen. Also wenn das nichts ist, dann weiß ich auch nicht!

Doch bevor ihr euch frohgemut auf den Weg macht, möchte ich euch noch die Worte eines frühen Potsdamtouristen ans Herz legen. Im Jahre 1789 schrieb der geschätzte Mozart:

„Mein liebes Weibchen! Potsdam ist ein teurer Ort [..] So musst Du Dich bei meiner Rückkehr schon mehr auf mich freuen als auf das Geld.“

Also bringt Leergut zurück, ruft Mutti an oder geht ein bisschen arbeiten! In diesem Sinne – bis bald!

Sonnabend, 3.2.07, 13:00, an den S-Bahngeleisen des Alexanderplatzes

 

Wonne am Wannsee

Auf den Nachtrag zum diesmaligen Ausflug freute sich der Anstifter zu selbigen dann doch mehr als gewohnt. Zwar war der Cheffotograf in stilistischer Mission anderweitig unterwegs (wie man an den nachfolgenden Bildern unschwer erkennen kann) doch ansonsten war es ein rundum gelungener Sonnabend.

Es begann schon mit den meteorologisch-mystischen Begleitumständen, die diesem Tag vorangingen. Als zu Wochenbeginn der Süden der Republik unter der unfassbaren Schicht von bis zu 20 cm Schnee zusammbrechen drohte und auch bei uns annähernd winterliche Temperaturen herankisterten, da fleuchte die Vorstellung eines richtigen Winterspaziergangs unwiderstehlich heran. Gleißend blauer Himmel, knischender Schnee unter den mollig verpackten Füßen, ein frische Brise im Gesicht – so durch die rauschenden Wälder am Wannsee zu ziehen, das hätte schon was gehabt. Und mit geringen Abstrichen trat diese Wunschvorstellung tatsächlich ein.

Sommer, Sonne, Sonnenschein – was kann schöner sein?! Ein Gedanke, der in diesem Moment tief in den Eingeweiden unserer Bedürfniswartesäle wegdämmerte.

Doch bevor wir uns dem Ruf der winterlichen Wildnis von ‚Referenzwäldern’ und preussisch geharkten Waldwegen ergaben, folgte noch ein kulturelles Extra. Das für die besondere Schönheit von Stein- und Betonhaufen zuständige Expeditionsmitglied führte uns an etlichen Villen und Schösschen zu einer ganz besonderen Auserlesenheit – die Schlüterkirche! Sie war ganz toll.  

Eine Kirche. Aus Stein.
Wenn man Lust hat, kann man darüber ganz viel erzählen.

Unser Weg führte uns nun tief in das bewohnte Wannsee hinein und verschaffte uns einige wertvolle Einblicke in die hiesigen Lebensverhältnisse.
Bereits auf den ersten Blick fielen hierbei  die wesentlichen Konfliktlinien Wannsees ins Auge – Galoppierende Vergreisung und Vormarsch der Wildschweine, anschaulich durch nachfolgende Hinweisschilder verdeutlicht!

Man braucht kein sonderlich komplex denkender Evolutionsstratege zu sein, um die wahrscheinliche Entwicklung dieses Ringens um die Vorherrschaft in Berlins Südwesten zu erahnen. Die Rache der Artemis’: ausgeführt über die Flanke! Raffiniert.

Munter schwatzend und in kecker Ausflüglerpose setzten wir uns alsbald über diese lokalen Probleme hinweg und spazierten tolldreist in das Reich von Meister Schwarzkittel hinein. Und es sollte gar reizend werden. Besagte rauschende Bäume, nahezu argentinienblauer Himmel (mit Betonung auf nahezu!) und sogar ein paar weltherrschaftslüsterne Wildschweine (die „nessihaftte“ Qualität der Aufnahmen macht eine bilddokumentarische Beweisführung in diesem Falle leider unmöglich!) – kurz, ein reizüberflutendes Bouquet der Naherholsamkeit. Mit einsetzender Dämmerung erreichten wir schlielich den Großen Wannsee.

Der große Wannsee. Die unergründliche Eminenz unter den Berliner Seen. Man bedenke, dass wenige Minuten später ein stattlicher “60%-Mond” (diese Angabe beruht auf dem über alle Zweifel erhabenen Romatikbevollmächtigten des Reisekollektivs) diesen Anblick ergänzen sollte.

Voller Eindrücke zogen wir einmütig am Ufer des Sees heim. Zwar kam es noch zu wirren politischen Willenskundgebungen der üblichen Ewiggestrigen…

Wie war das nochmal gleich? Wer mit 40 kein Kommunist ist …

…und kleineren Beziehungsreibereien…

Aber im Großen und Ganzen fügte sich alles in eitel Harmonie und dem gierigen Ruf nach mehr. Daher, du junger Tourist da draußen, wenn du auch einmal von dieser bezaubernden Polyesterraupe fotografiert werden willst, komm zu uns und fahr S-Bahn!

Sonnabend, den 3.2.07, 13:00 an den S-Bahngeleisen des Alexanderplatzes
Diesmal geht die Reise nach POTSDAM!

Spandauer Grau

 
Da hätt ich doch beinah die Auswertung unseres Spandau-Abenteuers vergessen.Genaugenommen braucht die Beschreibung auch nicht allzu viel Worte. Spandau gehört für mich so zu diesen Ansiedelungen, bei denen man sich immer wieder

unwillkürlich fragt, warum es vor langer Zeit so wichtig schien, einmal auf der anderen Seite der Mauer zu stehen.

Und dieser Gedanke ist nicht mal in erster Linie spandaufeindlich. Aber nein!

Ziemlich wenig lege mir ferner. Es ist vielmehr so, dass diese zahnlose Gewöhnlichkeit,

die hier mit der unbesiegbaren Beharrlichkeit von Unkraut emotionslos vor sich hin wuchert, in mir nichts auslöste, nichts berührte – lasch säuselnde Winde trieben müde Heuballen an meinem neugierig schlagenden Entdeckerherzen vorbei!

Bahnhof Spandau – Vorposten der Hoffnung, Leuchtturm urbanen Frohsinns!

Wer verbindet mit dem aufreizenden Stahlbetongewölbe

nicht auch die eine oder andere Erinnerung, welche von ‘Endlich!’ bis ‘Na dann woll’n wa mal’ reicht.


Nun mag der keck aufgelegte Blogverfolger naseweis einwerfen, dass wäre bei dieser

Art von Ausflügen ja mal was ganz Überraschendes.

In der Tat! Doch irgendwas fanden wir dann noch immer von Ahrensfelde bis Hennigsdorf. Nicht so in Spandau! Aber vielleicht waren wir ja auch nicht in Form. Schließlich kostet es immer wieder ein wenig Mühe, sich nach dem Glamour-Dezember im doch reichlich spröden Januar zurechtzufinden. Andererseits sprechen die Bilder eine andere Sprache.



Blumenläden lügen nicht



Wer kennt dieses Gefühl nicht?! Das Leben meint es nicht gut mit einem, das Wetter ist miserabel, der Rücken schmerzt und man weiß, das wird sich alles so bald auch nicht ändern. Und dann betritt man eine dieser preussischen Festungen. Und alles ist wie weggeblasen!





Und schließlich: Wer braucht schon echte Freunde wenn es solche Kunstwerke gibt?!

Und weiter gehts!

Ja, die Winterpause ist endgültig vorbei. Jedenfalls im peripherie-touristischen Sinne. Ich verweise hinsichtlich des Ziels, resp. der Gründe für selbiges auf die untenstehenden Zeilen und freue mich auf euer zahlreiches Erscheinen zum Westberliner Naherholungsklassiker.

27. 1., 13:00 an den S-Bahngeleisen des Alexanderplatzes, mittig  
 

Aufschub für Wannsee!

Ich kann am nächsten Sonnabend leider nicht, da ich mir mal ‘ne kleine Pause im Süden gönne. Ihr würdet das aber bestimmt auch alleine hinkriegen. Ich glaub an euch! Aber egal was ihr macht, wann die nächste Exkursion abgeht, erfahrt ihr in zuverlässigster Weise an dieser Stelle!

Und damit ihr euch bis dahin nicht allzu sehr langweilt ein kleiner Spaß für zwischendurch unter dem Motto:

RETTET DEN WINTER!!!
 
Nur damit wir uns richtig verstehen, wenn ich wieder da bin, will ich mindestens solche Resultate sehen.

Bis dahin und bald!!!

Alles hat Vor- und Nachteile