Die goldene Zweidrittelmehrheit hat mal wieder zugeschlagen und erfolgreich ausgeflügt. Ich übergebe das Wort an den verantwortlichen Chronisten der Ereignisse, Thomas.
Lang ist die Anreise nach Bad Doberan, ein Umstieg in Güstrow, mit der S-Bahn bis nach Rostock, links abgebogen und eine letzte halbe Stunde die Küste entlang.
Aber der Oktobertag ist wirklich voller blau und gold, wir sind zu zweit und guten Mutes und direkt am Bahnhof erwartet uns bereits die spektakulärste Attraktion des kleinen Ackerbürgerstädtchens: eine Dampflok des „Molli“, der fast 140 Jahre alten Schmalspurbahn (Spurweite 900 mm), fährt auf dem Nachbarbahnsteig ein. Es ist ein faszinierendes und enthusiastisch fotografiertes Schauspiel für jung und alt, wir sind als Eisenbahnfreunde selbstverständlich mit dabei. Wie immer ist auch hier zu sehen, dass Trainspotting und Anverwandtes zu den leicht männlich konnotierten Leidenschaften gehört. Wir überlegen kurz warum, kommen aber zu keinem Ergebnis und besichtigen stattdessen Stadtpark und Klostergarten. Der Kurort strahlt bescheidenen Wohlstand und vor allem ein gediegenes In-sich-Ruhen aus. Die alten Bäume des Klostergartens tragen reife Früchte, die hochgotische Zisterzienserkirche scheint fast ein bisschen überdimensioniert, vermittelt aber trotzdem eine sanfte Würde.
Eigentlich fallen bei Bad Doberan nur zwei Dinge negativ ins Gewicht: der Marktplatz ist bestenfalls mit „unspektakulär“ zu umschreiben und der Kurort liegt einfach far nicht an der Ostsee??!
Abhilfe schafft der Molli: dank Deutschlandticket gibt’s die Tageskarte des Molli schon für 11 Euro, die Dampfbahn hält direkt an den Cafés der Innenstadt und wir machen uns flugs auf nach Heiligendamm.
Heiligendamm ist ja vor allem wegen des G7-Treffens im dortigen Grand Hotel bekannt. Und leider drückt die protzig-monströse Anlage immer noch alles nieder, was dem Seebad Leben verleihen könnte. Der Bahnhof ist niedlich, der kleine Park auch, aber schon der Weg zur Ostsee wird von Schranken und Metallgittern versperrt. Alle, die sich nicht im neofeudalen 5-Sterne-Tempel einmieten wollen, müssen eine weiten und wirklich schikanenhaft erscheinenden Umweg in Kauf nehmen. Es wird über Art.14 GG nachgedacht.
Die Küste entschädigt dann aber doch, der Sand ist idyllisch, die Bäume erinnern an den Gespensterwald und die sonnige Feiertagfröhlichkeit ist überall mit Händen zu greifen.
Wir beschließen, den Genuss zu verlängern und machen noch einen Abstecher zur Endstation des Molli, nach Kühlungsborn. Der Nachbarort zeigt sich als Gegenmodell zu Heiligendamm: belebt, kleinteilig, gelegentlich leicht verfallen, voller Geschäftigkeit. Die Fischbrötchen sind einfach fantastisch und die Möwen so vollgefressen, dass sie den Menschen richtig gönnerhaft und gelassen beim Verzehr zuschauen. Der Strand ist wie aus dem Bilderbuch und wir beschließen, irgendwann noch mal im Sommer wieder zu kommen.
Klostergarten, Kreisstadt, Kleinspurbahn, Kurort am Meer: ein herrlicher Tag!







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