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Kaukasucht

So, Kaukasus, du Mutter aller Gebirge, letzte wahrhaftige Grenze, Keimzelle von zahlreichen Hochkulturen und Heimat von noch zahlreicheren zänkischen Bergvölkern – nun ist es endlich soweit! Obwohl ich mich dir schon mehrere Male mit zaghaften Expeditionen schüchtern annäherte, heute ist der erste Tag einer Reise tief hinein in die Welt meiner innersten Wünsche und Bedürfnisse. Wir haben es gegen alle Widerstände möglich gemacht und sehr viel Zeit zusammengekratzt. Lass nun also die Spiele beginnen und uns gegenseitig begeistern! Meine Erwartungen sind zurecht sehr hoch. Die legendären armenischen Fettschwanzschafe über die Zunge hüpfen lassen, auf knapp 2000m in den größten Kauskasussee springen, knurrig-quietschenden Eisenbahnexzessen frönen, die idyllische Abgeschiedenheit Swanetiens genießen, wieder ein paar der 500 nur hier vorkommenden Weine entdecken, Schaschlyk, Chatschapuri, Tschtscha – oh là là!

“Blaue kaukasische Berge, seid mir gegrüßt! Der ganze Weltschmerz geht zum Teufel, das Herz schlägt und die Brust weitet sich, man ist in dieser Minute wunschlos glücklich.” (M. Lermontow)

Natürlich werde ich versuchen, wie gewohnt, frische Eindrücke möglichst schnell den vertrauenswürdigen Eilboten des Internets zu übergeben. Hier an dieser Stelle aber wahrscheinlich eher weniger, Vivaperipheria sehe ich immer mehr als das massive Flaggschiff meines Meinungsimperiums. Hier ist eher der Raum für abschließende Beurteilungen und ausführliche Empfehlungen. Für die tägliche Dosis Kaukasus empfehle ich in den nächsten Wochen vielmehr Twitter (für die schnell aus der Hüfte geschossenen Beobachtungen) sowie Instagram (für die etlichen, zu erwartenden visuellen Eindrücke eines ausgewiesenen Schnappschussologen). Praktischerweise habe ich beides elegant an beiden Seiten dieses Blogs präsentabel und klickbar hinzugefügt. 

Bezirke bezirzen – zehntes Kapitel: Unter Hallunken und Hallodris in Halle

Das vorvorletzte Kapitel begann mit eitel Sonnenschein und bester Bezirksstadtentdeckerlaune. Ich war ausnahmsweise schon Mal vorgefahren da ich in familiärer Mission die Design-Avantgarde unserer Republik bestaunen durfte.

Die eigentliche Entdeckertour begann am nächsten Tag mit vereinten Kräften. Ein erster Blick offenbarte neben reger Bautätigkeit und massiver Friseursdichte eine sympathische, frische Stadt. Wir schlenderten entspannt durch die Altstadt, erklommen die Hausmannstürme und riefen unser aktives Allgemeinwissen über Halle ab: Genscher und Händel.

Rliebt in Halle? Diverse Möglichkeiten verdeckt der Daumen, doch wir verraten locker es heißt “Verliebt in Halle”. In meinem Falle korrekt in seiner geballten Doppeldeutigkeit.

Danach spazierten wir, von der angestauten Hitze angemattet, hinab zum Saalestrand um bei leichtem Geplauder die heißesten Stunden zu überstehen. Vom Baden sahen wir dann doch ab nachdem wir die Schlammigkeitsgrad des zweitlängsten Nebenflusses der Elbe als zu hoch eingestuft hatten.

Fachwerkinnenleben – Inneneinsichten in eine bewegte Vergangenheit.

Auf dem Weg zum vorletzten WM-Spiel, welches wir auf der zauberhaften Peißnitzinsel genießen wollten, stolperten wir über einen unerwarteten Leckerbissen: eine wunderschöne Pioniereisenbahn. Bislang war ich in meinem tadelswerten Scheuklappendenken immer davon ausgegeangen dass neben Dresden nur noch Leipzig und Berlin über so etwas verfügten.

Wieso “heimliche Liebe”? Zu dieser Neigung stehe ich!

Doch weit gefehlt! Wie ich einem am Fahrkartenschalter entnommenen Parkeisenbahn-Quartetett entnehmen durfte, gibt es noch ganze 10 Bahnen mehr. Dräute da gar ein neues Reisemuser nach Ablauf der Bezirksstadt-Tournee heran.

Crispendorf? Vatterode? Nie gehört! Rreizvollen Reiseziele gibt es scheinbar mehr als Sand am Meer.

Der Rest des Tages verfloss schnell bei Fußball und traditionellem Brauhausbesuch. Viel zu früh mussten wir zum Bahnhof eilen, denn seit der Herrschaft der Hochgeschwindigkeit sind die Nahverkehrsverbindungen schon arg entschleunigt. So schauen zunächst einmal voller Vorfreude auf unsere beiden letzten Leckerbissen in der Bezirksstadtgala: Dresden und Leipzig! Was soll da schon schiefgehen?!

 

Gedser geht sehr

Nach längerer Zeit machte sich die Reisegruppe “Gute Nachbarschaft” mal wieder auf den Weg. Dieses Mal war nach Schweiz, Österreich, Tschechien und Polen, entgegen dem Uhrzeigersinn nun Dänemark dran. Wir blieben auch gleich nach der Überfahrt hängen und genossen so die wahrscheinlich mit Abstand kleinste Siedlung dieser Reisereihe – Gedser (800Ew.). Wen mag es dabei verwundern, das unser kleinstes Nachbarland (Hört mir auf mit Luxemburg!) folgerichtig auch mit der kleinsten Delegation aus dem Wedding beehrt wurde. Doch das tat der üblichen Entdeckerfreude und dem nachbarschaftlichen Kennenlernen keinen Abbruch. Wir nehmen mit: der Däne hat es gern still, Smørrebrød ist eine vollwertige Mahlzeit und øl ist teurer als Öl. Ich zumindest mag das kleine Land im Norden, auch wenn ich es nicht allzu oft machen kann, da ich im Anschluss immer zwanghaft alle Filme der Olsenbande bingen muss.

Ratgeber: Oder-Neisse-Friedensradweg

Unter all den Radwegen, die jenes menschenleere Gefilde, welches gemeinhin auch unter der Bezeichnung Brandenburg bekannt ist, durchqueren, sticht der Oder-Neisse-Radweg mit einigen Finessen hervor. Schließlich schlängelt er sich unter anderem durch die Landkreise Uckermark, Görlitz und Vorpommern-Greifswald – ihres Zeichens die Landkreise mit der jeweils geringsten Bevölkerungsdichte in ihren Bundesländern. Zudem hat man mit dem Nachbarland Polen, welches man auf diesem Radweg nur selten aus den Augen verliert, stets eine willkommene Abwechslung zum schläfrigen Randzonengebiet und immer bestes, mobiles Internet.

Dem Abendbunt entgegen – Ödnis muss nicht immer grau sein.

Nach mehreren Ausflügen an den Zweistromweg habe ich ihn zwar immer noch nicht komplett abgefahren. An beiden Enden franst der Radweg noch ins geheimnisvoll Umwitterte ab. So betreffen also meine hier getroffenen Aussagen, die Strecke vom sächsischen Rothenburg bis hinauf ins pommersche Löcknitz. Die eigentliche Ausdehnung vom tschechischen Nova Ves bis zum haffigen Ückermünde habe ich bislang noch nicht genießen dürfen.

Andere Wissensquellen:  Eine akzeptable Onlinestimmung könnt ihr bei oder-neisse-radweg.de oder  www.oderneisse-radweg.de erhalten. Ein vorzügliche Vorbereitungsressource bei Radwanderungen jeglicher Natur ist auch stets das radreise-wiki. Hier findet sich eine solide und schnörkellose Tourbeschreibung mit allen notwendigen Koordinaten. Daneben gibt es selbstverständlich auch Offlinequellen wie die bewährten wetter- und reißfesten Tourenbücher von bikeline.

Anreise: Für uns Molochbewohner gehört die Anreise wohl zu den leichteren Aspekten dieser Radreise. Nach einer bizarr kurzen Zugfahrt kann man aus den staubigen und überquellenden Straßen in Gegenden torpediert werden, die Enzyklopädien das Symbolbild für Einsamkeit liefern könnten. Zahlreiche Zugstrecken kreuzen den Oder-Neisse-Radweg. Zur Auswahl stehen die direkt von Berlin zu erreichenden Ziele: Frankfurt (Oder), RE1, Küstrin-Kietz, RB28 und Schwedt (Oder), RE3. Mit einmal in Frankfurt (Oder) Cottbus umsteigen kann man aber auch leicht einen südlicheren Einstiegspunkt wie Eisenhüttenstadt, Guben oder Forst auswählen. Um den Radweg ganz sauber von Anfang an zu fahren, ist ein wenig Aufwand mehr nötig. Ückermünde ist von Berlin aus nach einmaligen Umsteigen in Pasewalk innerhalb von knapp 3 Stunden per Bahn zu erreichen. Bei Nova Ves wird es schon etwas schwieriger: fünfeinhalb Stunden und Umstiege in Cottbus, Zittau und Liberec wären für dieses Unterfangen nötig. Den Wahnwitzigen unter euch sei noch gesagt, dass es auf polnischer Seite einen Zwillingsweg geben soll. Doch nach einer ausführlichen Expedition in die Raderepublik Polen machten wir Erfahrungen der Art, dass wir vom Radfahren in unserem geschätzten Nachbarland vorerst Abstand nahmen.

Übernachten: Auch wenn es sich hier fraglos um recht unbesiedelte Gebiete handelt, durch die man radelt, allein durch die wachsende Popularität des Fernradwegs sind etliche Unterkünfte an ihm entlang emporgeschossen. Diese lassen sich mühelos mit den oben genannten Informationsquellen entdecken oder auch einfach auf offener Strecke vom Wegesrand ablesen. Doch für den Oder-Neisse-Gourmet empfiehlt es sich natürlich den Tag draußen nahtlos in die Nacht übergehen zu lassen und die freie Natur ohne lästige Unterbrechung zu genießen. Gelegenheit hat man hierzu wahrlich genug. Wer diesbezüglich noch ein paar Tipps braucht, liest mein frisch herausgekommenen Wildzelten-Ratgeber.

Charakteristik der Strecke: Die gesamte Strecke beträgt 538 km, ist also in Anbetracht der gut ausgebauten Wege und des größtenteils ebenen Verlaufs in einer guten Woche zu schaffen. Ich tendiere dazu den Weg grob in drei Teile aufzugliedern:

  • Vom bergigen Dreiländereck ins Flachland – von Nova Ves bis Forst
  • Von der Lausitz in den Oderbruch – von Forst  bis Schwedt
  • Der platte Rest – Von Schwedt bis ans Haff.
Der Protagonist des ersten Teils -die Lausitzer Neisse

Der hügelige Teil im Süden wird Richtung Zittauer Berge und Liberec mit Sicherheit noch zunehmen. Der von mir befahrene Teil beendet seine Hügeligkeit von Rothenburg aus gesehen ein paar Kilometer vor Forst. Obzwar dieser Streckenabschnitt hier als hügelig bezeichnet wurde, kann man dennoch, selbst mit mittelfiter Erscheinung ohne viel Anstrengung Kilometer machen. Wenn man von Norden kommt, sollten die kurvigen Etappen mit abwechslungsreicherer Vegetation und der immer versteckter agierenden Neisse einen wahren Hochgenuss darstellen. Nach all der Plattheit sollte dies definitiv nochmal ein gelungener Wachmacher sein. Desweiteren locken auf dieser Etappe reichlich Außergewöhnlichkeiten, die eine kurze Erwähnung wert sein sollten. Die Altstadt von Görlitz sollte für den schöngeistig gesinntem Radler ein Muss sein. Diese alte, reiche Handelsstadt, welche im Krieg kaum zerstört und in den letzten Jahrzehnten edelst restauriert wurde, weiß als überbordender Schauplatz von Renaissance, Barock und Gotik zu überzeugen.

Fürst-Pückler-Park- verstörend betörend

Der nächste Höhepunkt auf der Strecke ist der in Bad Muskau gelegene Fürst-Pückler-Park. Dieser Park, welcher als der größte Landschaftspark Zentraleuropas im englischen Stil gilt, wurde ebenfalls in den letzten Jahrzehnten liebevoll restauriert und  kommt schockierend betörend daher. Der größere Teil des Parks befindet sich in Polen und ist durch mehrere bezaubernde Neissebrücken miteinander verbunden. So behaupte ich einfach mal, dass man wohl kaum schöner in Polen einreisen kann als bei einem Besuch in diesem einzigartigen Park.

Eines von vielen Instagram-Epizentren. Man denke sich nur wie schön es hätte sein können, wenn sie das Wasser nicht abgelassen hätten.

Nicht ganz auf der Stammstrecke aber einen Abstecher wert ist der Azaleen- und Rhododendronpark Kromlau. Hier kann man zur richtigen Jahreszeit in einem unbeschreiblichen Blütenmeer waten und zu jeder anderen Jahreszeit die spektakuläre Konstruktion der Rakotzbrücke bestaunen. Zur Entfernungsorientierung Rothenburg- Forst: 70km

Kommen wir nun zum großen Mittelteil: Von der Lausitz in den Oderbruch. Genaugenommen befinden wir uns auch schon zuvor in der Lausitz, denn das gesamte Gebiet bis Zittau gehört zu dieser Region, genauer zur Oberlausitz. Nachdem wir das waldige und abwechslungsreiche Stück bis Forst absolviert haben, befinden wir uns dann aber definitiv in der Niederlausitz. Ab Forst ändert sich der Charakter der Strecke. Wenn sich aufgrund des Terrains zuvor der Radweg sehr oft vom Flusslauf (der hier noch ein weitgehend naturbelassen ist) entfernt, so bleiben wir nun fast immer in Sichtweite. Der Weg wird immer ebener und schnurgerader und nutzt vielfach die angelegten Deiche für die Streckenführung. Zu Forst ist nicht allzu viel zu sagen, es sei denn man möchte nach den zwei zuvor erlebten Parks noch einen drauf setzen. In Forst kann man sich mit Rosen vergnügen – der Ostdeutsche Rosengarten wartet auf erlebnishungrige Floristen. Offensichtlich ist der exaltierte Kleingärtner in dieser Region mehr als einmal auf offene Ohren gestoßen.

Das braune Gold Lausitz – ganze Dörfer verschwinden für diesen räudigen Rohstoff. Entzückend!

Auf dem Weg nach Guben radelt man durch saftige Auen und schattige Wälder. Bis zur Wende gab es hier noch eine Zugverbindung, doch Mutter Natur hat gut gewerkelt um diese Episode ungeschehen zu machen. Mit den riesigen Tagebauen, die an der Strecke aufklaffen, hat sie dagegen wohl noch lange zu tun. Mit einem Co2-Ausstoß von 23,3 Mio. Tonnen ist das anliegende Kraftwerk Jänschwalde das vierschmutzigste Europas.

Angesichts solcher Erlebnisse schadet es nicht, dass das polnische Pendant von Guben, Gubin nicht weit ist. Das überraschend hübsche Kleinstädtchen ist die perfekte Raststätte um dergleichen Anblicke mit einem frischen Fassbier hinunterzuspülen. Nach Guben geht es auf ähnlicher Strecke wie zuvor weiter nordwärts, bis endlich nach gut 10 km endlich die Oder hinzuplätschert. Von hier lohnt sich ein kleiner Abstecher nach Neuzelle (5km) um Kloster wie Klosterbrauerei gebührend zu würdigen. Mit fremdenverführerischer Koketterie weiß man darauf hinzuweisen, dass hier angeblich das erste Bierbad Europas eröffnet habe. Danach kommt Eisenhüttenstadt, doch der Weg kreuzt nur zaghaft das winzige Altstadtzentrum und so sieht man wenig vom speziellen Charme der sozialistischen Planstadt. Wen das Einzigartige mehr als das Schöne reizt, dem sei ein kleiner Ausreißer in die Neubauschluchten Stalinstadts empfohlen.

Jede Menge Gegend für jede Menge Entspannung.

Dann geht es auf gewohnt prächtig ausgebauter Strecke nach Frankfurt (Oder) und hiermit sind wir dann auch endlich im Oderbruch. Dieses ehemals komplett versumpfte Urstromtal, welches der Alte Fritz trockenlegen ließ, legt noch mal eine gewaltige Schippe hinsichtlich Flachheit drauf. Die alternativlose Ebene dieser Region sowie ihre offenherzige Leere findet viele Liebhaber, aber auch reichlich Menschen, die dieser Landschaft ratlos gegenüberstehen. Dabei muss gesagt sein, dass interessanterweise die Strecke zwischen Küstrin und Hohenwutzen, also das Filetstück des Oderbruchs, zu den touristisch am besten erschlossenen Stücken des Radwegs gehört.

Polenmarkt Hohenwutzen – endlich normale Leute!

Was ist sonst noch zu erleben? Den, aus Funk und Fernsehen bekannten Polenmarkt in Hohenwutzen sollte man definitiv mit einer Stippvisite beehren, in Stolpe haben wir ein wunderfeines, kleines Künstlercafé (“Fuchs&Hase”) entdecken dürfen und Schwedt, tja Schwedt, hier fühlt man die Uckermark. (Zur Streckenorientierung, Forst-Schwedt: 218km, also eher etwas für 2-3 Tage)

Anfahrt auf Stolpe – den Oderbruch im Rücken

Der platte Rest – von Schwedt bis ans Haff – von hier führt der Weg nun durch den Nationalpark “Unteres Odertal” durch endlos scheinende Sümpfe welche ausreichend mit Vögeln ausgestattet sind. Die Route führt ins entspannte Mescherin, die den letzten Ausflug per Brücke nach Polen offeriert. Das zu besichtigende Gryfino auf der anderen Seite ist aber eher etwas für den Kenner desaströser Stadt- und Infrastrukturplanung. Die von gnadenlosem Transitverkehr umtoste, alte Backsteinkirche kann nur mit größter Mühe wahrgenommen werden und die ausgefransten Neubauten bieten einen wenig erklecklichen Rahmen für diesen gescheiterten Siedlungsversuch.

Das einzig wahre Feldbett. Entlang der Neisse wie der Oder gibt es etliche Gelegenheiten hierfür.

Ab Mescherin wendet sich der Radweg irritierenderweise vom vertrauten Flusslauf gänzlich ab und führt weit hinein ins Innenland. Sei es weil selbst die Oder auf dieser Höhe sich in zwei Flüsse geteilt hat, oder sei es weil der Weg sonst folgerichtig durch Polen führen müsste, auf jeden Fall geht die Strecke nun über weite Felder durch den Landkreis Greifswald-Vorpommern. Nach einem kleinen Schlenker über Penkun, geht es wieder steil nach Norden. Nach Löcknitz sind es noch gut 50km bis Ückermünde. Wer mag kann hier sogar das Angebot wahrnehmen die (in der Saison) dreimal am Tag (8:10/11:30/15:10) verkehrende Fähre nach Usedom zu besteigen um den Ausflug mit der echten Ostsee zu krönen. Angesichts der saftigen Überfahrtspreise (Preisbeispiel für zwei Fahrräder+zwei Erwachsene für 80 Minuten Fahrt: €48,40) würde ich dagegen eher zu einem Stettinbesuch mit kleiner Bahnfahrt zum Meer raten. (Streckenorientierung. Schwedt-Löcknitz: 70km)

Ratgeber: Wildzelten leicht gemacht

Nachdem ich immer mal wieder, wenn ich spaßeshalber diesbezüglich im Netz recherchierte, derartigen Unsinn und hanebüchene Ratschläge lesen durfte, fühle ich mich bemüßigt, zu diesem Thema ein umfassendes Kompendium für Ein- und Aussteiger zu verfassen. Ich kann hierbei auf ein Vierteljahrhundert Erfahrung in einem guten Dutzend Länder zurückgreifen und sehe mich daher als hinreichend kompetent.

  1. Wildzelten – will ich das überhaupt?

Gehörst du der Pauschalreisefraktion an? Sind geordnete Verhältnisse wie du sie zu Hause hast für dich elementar? Bist du ein extremer Insektenphobiker? Ist Einsamkeit und Dunkelheit für dich ein Graus? Wenn du eine dieser Fragen mit Ja beantworten kannst, solltest du die Finger von den Heringen lassen und weiterhin deinen gewohnten Übernachtungsmethoden im Urlaub vertrauen.

Bist du dagegen auf der Flucht vor dem Trubel der Großstadt und ist Erholung für dich auch der Abstand zu Menschen sowie ihren Regeln, Konventionen und anderen Zumutungen. Sehnst du dich zudem nach weitgehend uneingehegter Natur oder bist du tendenziell knapp bei Kasse, dann könnte das Wildzelten etwas für dich sein.

Unvergleichliche Momente – ein Zelt im Himmel – kein Hotelbett kann es hiermit aufnehmen.

2. Warum Wildzelten?

Nun könnte man durchaus einwenden, dass es doch in den meisten Ländern ausreichend offizielle Zeltplätze gäbe und somit doch keine dringende Notwendigkeit dafür bestehe, außerhalb der zugelassenen Räume sein Zelt aufzuschlagen. Aus meiner Sicht sprechen einige Gründe gegen diese Annahme. Zum einen schränkt die Begrenzung auf offizielle Zeltplätze eine “wirkliche” Naturreise zu sehr ein. Wandert man beispielsweise auf einem Bergkamm, stellt es eine gewaltige Zumutung dar derart viele Höhenmeter und Bergromantik zu verlieren, nur um innerhalb der verordneten Parameter des regulären Tourismus zu bleiben. Prinzipiell wären viele Passwanderungen gar nicht durchführbar wenn man nicht eine Zeltübernachtung in Eigenregie einkalkulieren würde. Zum anderen ziehen mich die meisten Zeltplätze auch nicht über die Maßen an. Duschmarken, Nachtruhe und die frisch rasierten Rabatten der Dauercamper sind einfach nicht jedermanns Sache. Sicherlich gibt es hier auch lobenswerte Ausnahmen, ich durfte etliche entspannte Naturzeltplätze erleben und zwischendurch nehme ich, sollte es sich so ergeben, auch gerne mal einen offiziellen Zeltplatz mit, doch ich verstehe diese eben als Angebote und nicht als bindende Pflichtveranstaltungen. Der überwältigendste Grund ist jedoch das Erlebnis an sich. Der unbezahlbare Genuss eines Sonnenuntergangs in den Bergen, das stille nächtliche Bad im anliegenden Gewässer, die unfassbare Stille der zur Ruhe gekommenen Natur und die unfassbare Unendlichkeit des, von Campingleuchten oder anderen Zivilisationsstörquellen unbefleckten Sternenhimmel – ich liebe es!

3. Ist das nicht verboten?

Ja, nun, in der Tat ist das der Pferdefuß. Die Rechtslage ist zwar weit davon entfernt einheitlich zu sein. Nicht nur, dass es diesbezüglich in jedem Land natürlich eigene Regeln gibt, selbst in Deutschland differiert das Reglement von Bundesland zu Bundesland. Zu dieser Frage kann man sich in besagten Internet erschöpfend informieren. Das Thema Schuld und Sühne scheint dann auch der Aufreger zu sein, der das Volk beschäftigt. Dabei ist dies in meinen Augen gar nicht die große Sache. Einerseits sind die jeweiligen Strafen, wenn überhaupt, eher zu vernachlässigen, und andererseits geht es ja auch darum nicht erwischt zu werden. Ich zumindest hatte dieses Missvergnügen ganze drei Mal und es war zwar unschön aber verschmerzbar.

Ohne Worte – ohne Erlaubnis

4. Was brauche ich zum Wildzelten?

Es versteht sich eigentlich von selbst, aber ein Zelt sollte im Inventar vorhanden sein. Ich empfehle kleine (maximal 3-Personen) Zelte in Naturfarben. Hauszelte oder schreiend bunte Festivaliglus sollten eher vermieden werden. Außerdem wäre es auch hilfreich wenn man sich mit seinem Zelt auskennt, sprich es in Windeseile auf- und abbauen kann. Desweiteren sollte eine Taschen- oder Stirnlampe zur Ausrüstung gehören. Einen Schlafsack, Isomatte – fertig. Das restliche Equipment gleicht dem einer stinknormalen Tageswanderung. Außer dem Proviant vielleicht, der sollte natürlich der längeren Verbleibedauer in der Natur angepasst sein.

5. Wie finde ich die perfekte Stelle?

Kommen wir also nun zum Kern des Pudels. Zugegeben, um das wirklich ideale Plätzchen zu finden gehört natürlich immer eine Portion Glück. Es sei denn man kann auf Erfahrungen zurückgreifen und weiß schon im Vorfeld wo man zu schlafen gedenkt. Im Regelfall ist man aber zum ersten Mal in der Gegend und schaut sich zum Abend hin gezielt um. Ein kleiner Check des Kartenmaterials kann natürlich auch helfen um das Suchraster einzuschränken. Doch zunächst geht es in vorderster Linie erst einmal darum einen Platz zu finden, auf dem man unentdeckt bleibt.

So lächerlich es klingen mag, aber sobald man mehr als tausend Meter von einer mit Auto befahrbaren Straße entfernt ist, verringert sich die Wahrscheinlichkeit von Abenddämmerung bis Sonnenaufgang auf Menschen zu treffen um solide 95%! Das gilt ebenso für dichtbevölkerte und zersiedelte Länder wie Deutschland oder Holland wie natürlich sowieso für eher menschenärmere Staaten wie die Slowakei oder Irland. Doch um eben jene zerstreuten Frühaufsteher nicht zu irritieren empfiehlt es sich ebenfalls Abstand von jenem Weg zu suchen über den man gekommen ist. Sichtschutz ist hier das Stichwort. Ein grünes , kleines Zelt hundert Meter entfernt von einem Wanderweg ist, so man sich in einer waldigen Region befindet, nur sehr schwer auszumachen. Schließlich sollte die einzige Sorge das Luxusproblem sein, dass ein paar Meter weiter wahrscheinlich ein noch idyllischeres Plätzchen gewartet hätte. Hiergegen lässt sich aber schlechterdings nichts unternehmen außer entspannter Gelassenheit und das Wissen, dass das Streben nach Perfektion ein müßiges Unterfangen sei.

Bei Wandern mit Hunden sollte man früh genug darauf achten, den Hund so zu erziehen, dass er nicht bei jedem Bäumerascheln ausflippt. Im Regelfall kann man hier mit ausreichend Erlebnissen der Angst und den daraus folgenden Bellattacken entgegenwirken.

In einigen Fällen kann man auch in die Luxussituation geraten, dass die jeweilige Naturverwaltung an gewissen Stellen das Wildzelten quasi gestattet (oder duldet) und mit einigen sinnvollen Accessoires ausstattet. So findet sich hier zumeist ein Mülleimer, eine Trinkwasserquelle, Bänke, Tische und manchmal sogar eine abgesicherte Feuerstelle oder Schutzhütte. Zu erkennen sind derlei Stellen schnell an den Zeichen der Nutzung durch andere Wanderer. Speziell im osteuropäischen Raum sind derlei Plätze keine Seltenheit, aber auch in Skandinavien findet sich Vergleichbares. Sollte man in den Vorratsschränken der Hütte etwas finden und benutzen, so gehört es zum guten Pfadfinderton, es durch etwas Adäquates zu ersetzen.

Ob zu Fuß, mit Rad oder Paddelboot – auf diese Weisen kann man sich den gewünschten Traumplätzchen am besten nähern.

In manchen Fällen kann es auch eine Überlegung wert sein, Schutzhütten oder Rastplätze zum Wildzelten zu nutzen auch wenn diese ganz klar nur als Regenunterstand oder Picknickstellen konzipiert sind. Der überwältigende Anteil derer, die in und für die Natur arbeiten, weiß das Bestreben zu schätzen, wenn man schon außerhalb der Norm nächtigt, so doch zumindest innerhalb vorbereiteten Menschenareale. In der warmen Jahreszeit spricht auch wenig dagegen hier ohne Zelt zu übernachten, denn gegen solch ein Treiben ist selbst der pedantischste Gesetzeswächter machtlos. Denn dies ist, soweit ich weiß, in den meisten europäischen Staaten legal.

6. Was sollte ich noch bedenken? 

Alles zuvor Gesagte hat nur seine Gültigkeit solange man, dem gesunden Menschenverstand folgend, sich draußen normal verhält. Folgende Dinge seien hierbei gesondert hervorgehoben: offenes Feuer! Wenn das nächtliche Zelten gemeinhin als Bagatelldelikt mit “Mach-nur-dass-du-wegkommst”-Zeigefinger gehandhabt wird, so kann es beim Tatbestand des Feuermachens ganz schnell ungemütlich werden, sollte man in Berührung mir irgendwelchen Autoritätspersonen geraten. Daher sollte man einerseits jedes Mal genau überlegen ob die Stelle ausreichend abgeschieden ist um ein Feuerchen zu wagen und andererseits hinsichtlich Brandschutz die eigenen Fähigkeiten und äußeren Gegebenheiten genauestens abklopfen.

Das offene Feuer ist ein edler Luxus und rundet das Erlebnis erst richt ab, wil laber in jedem Falle wohl bedacht sein.

Vorsicht und Respekt sollte man generell Naturschutzgebieten zollen. Selbstverständlich gibt es auch hier regionale Abweichungen, dennoch, wenn man in einen Nationalpark hinein schreitet, sollte man entweder noch einen Zacken vorsichtiger sein oder es irgendwie so organisieren, dass man das Nächtigen hier vermeidet. (Nebenbei bemerkt: In meiner Erfahrung finden sich etliche Erinnerungen, in denen sich die Wiesen vor Nationalparkeingängen als ganz annehmbare Schlafplätze offenbarten.)

Immer wieder werde ich darauf angesprochen wie es denn mit wilden Tieren da draußen aussähe. Nun, gesprochen für Europa möchte ich, ohne es unnötig kleinzureden, die von wilden Tieren ausgehende Gefahren eher als irrelevant abtun. Die wenigen Tiere die eine Gefahr sein könnten, gehen uns in aller Regel aus gutem Grund aus dem Weg. Sollte man Bären oder, viel gefährlicher in meinen Augen, Wildschweinen begegnen, sollte man ruhig und respektvoll reagieren. Lebensmittelreste sollten nicht quer ums Zelt verteilt werden und eventuelle Hunde an die kurze Leine genommen werden. Abgesehen davon sind Zecken und Mücken mit Sicherheit die größere tierische Sorge als jede säugetierbasierte Angst.

Und ganz allgemein sollte das Wildzelten im wesentlichen so ablaufen als ob ihr nie da gewesen seid. Sprich: seid still, nehmt euren Müll weg, beseitigt eventuelle Lagerfeuerreste und, vor allem, brecht möglichst früh das Zelt ab. Ich spreche hier nicht von Sonnenaufgangsexzessen, schließlich ist das ja immer noch Urlaub, aber je früher desto besser. Es spricht nichts gegen ein ausgedehntes Frühstück, etwas Lektüre in der zarten Morgensonne oder ein wenig Yoga, doch bitte, baut zuerst das Zelt ab. Kein tentus delictus, kein Problem.

Fazit

Wenn du draußen, fernab der Eurocamping-Wüsten und Hotelburgen, schlafen möchtest. Wenn du mitten in Europa wirklich auf Distanz zur Zivilisation gehen willst, so ist dies vielleicht leichter als du denkst. Auch wenn sich der Mensch in beängstigenden Ausmaß vervielfältigt und ausbreitet, so zieht er es verwirrenderweise vor, gerade jene Orte zu besuchen, die schon übervoll aus allen Nähten platzten. Deshalb wird es auch in Zukunft, trotz explodierender Städte die Leere des Oderbruchs und die Stille der Bieszczady geben. Mit den wenigen Tipps, die ich hier aufgeschrieben habe, ein wenig Intuition und ein paar selbst gesammelter Erfahrungen sollte es dir ein Leichtes sein, stressfrei und mühelos dein Plätzchen unterm Sternenzelt zu finden.

 

 

Geschrieben vonKassel, Hesse, Germany.

Bezirke bezirzen – neuntes Kapitel: Schwer(in) Ordnung, Schwerin

Schwerin – Stadt der sieben Seen und sieben Wälder – was hast du uns allesamt von den Socken gehauen. Eingekuschelt in zufrieden glucksende Gewässer und umsäumt von kokett zur Schau gestellter Flora weiß die kleinste Landeshauptstadt der Republik auf unaufgeregte Weise zu überzeugen. Immer noch heillos überrascht müssen wir konstatieren: Wir haben eine neue Nummer Zwei. Nur Suhl bleibt weiterhin unangefochten auf der Spitzenposition. Doch angesichts der noch anstehenden Perlen Halle-Leipzig-Dresden bleibt zu vermuten, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Zweifellos ist die seriöse Städtekritik ein arg wackeliges Unterfangen. Ungerechtfertigte Assoziationen, nachgetragene Erinnerungen, Tagesstimmung, Wetterlage oder schlecht gelaunte Eingeborene können genauso unvermittelt wie ungerecht zur raschen Abstempelung führen. Daher soll diese erste Exkursionsreihe hier keinesfalls als allgemeingültig angesehen werden. So wissen doch die meisten Siedlungen der nördlichen Hemisphäre bei munter-frischem Maiwetter besser zu überzeugen als im perspektivarmen November. Aber bleiben wir realistisch! Gewisse Grundtendenzen lassen sich entgegen aller Voreingenommenheit und saisonaler Tendenzen klar erkennen. Cottbus bräuchte beispielsweise einige bemerkenswerte Naturkatastrophen und sonstige massive Wunderwirkung um jemals im oberen Bewertungsbereich mitzuspielen.

Hier nahm die Überraschung ihren Lauf. Derglei Bahnhöfe gehörten bislang auch nicht zum Repertoire eines standardmäßigen Bezirksstadtausflugs.

Doch kommen wir zurück zu Schwerin. Allein die fast verdoppelte Anzahl der Reisegruppe ließ aufmerken. Obwohl sich das Vorwissen über Schwerin in Schloss, See und nicht am Meer erschöpfte, schien das linde Maiwetter und die Exotik des Unbekannten ein paar Wesen mehr als die übliche eingeschworene Peripherikergemeinde anzuziehen. Mit der sanften Wucht eines Paukenschlags begrüßt Schwerin zunächst seine besten, nämlich bahnreisenden Gäste mit einem überaus entzückenden Bahnhof.  Vor 10 Jahren erfuhr man sogar die Ehre zum Kleinstadtbahnhof des Jahres erwählt zu werden.

Marmorstein und Eisen bricht…. Gips wahrscheinlich auch, siht aber dennoch irritierend schick aus.

Der Rest des Städtchens erschließt sich schnell und ohne große Grübelei. Man schlendert von See zu See, genießt die abwechslungsreichen Freuden des Gipsbarocks und genießt leichter Dinge das was die mecklenburgischen Herzöge für pompös hielten. In der Tat ist Schwerins Antlitz unter den Städten der Region etwas besonderes. Abgesehen von den obligatorischen Backsteingotikklötzen, bietet Schwerin etwas das abseits der üblichen Hansestadtästhetik oder der preußischen Funktionssiedlung zu verorten ist. Hier kann man tatsächlich den Charme einer historischen Residenzstadt erleben, und dies sollte nicht nur im Mai Spaß machen. In meinen Augen bislang DIE Überraschung unserer Bezirzungsversuche!

Geschrieben vonBerlin, Berlin, Germany.

Bezirke bezirzen – achtes Kapitel: Ohne Bus nach Cottzug

Auf ein Wort, Cottbus! Ich will dir nichts vormachen, auch wenn ich versuchte unvoreingenommen und aufgeschlossen dir eine Chance zu geben, so sah ich es als relativ unrealistisch an, dass du in der Bezirksstadt-Rangliste nur annähernd gut abschneiden würdest. Als wir vor einem guten Jahr diese Entdeckungstour durch die einstigen Bezirkskapitalen begannen, trieb uns Neugier, Reiselust und, selbstverständlich, Aufgeschlossenheit der Peripherie gegenüber an. Doch in deinem Falle, ich will es offen gestehen, fiel mir der letzte Punkt doch deutlich schwerer. Etliche Umsteigeerlebnisse und ein vorangegangener Altstadtbesuch bestärkten mich in dem Eindruck, dass es sich bei dir um ein ganz und gar belangloses, unaufgeregtes und substanzarmes Städtchen handelt. Nicht schlimm, nicht schön – einfach nur das was der Anhalter so treffend als “größtenteils harmlos” bezeichnet. Doch nun bist du eben da und warst unzweifelhaft Bezirksstadt, auch wenn dir dieser Titel wohl damals schlicht aus Alternativlosigkeit zugefallen war (was gab es schon sonst zwischen Dresden und Berlin). Also ab nach Cottbus.

Die Kernkompetenzen des Bezirksstadtschlusslichts: Strom, Verkehr, Braunkohle und schiefe Oberleitungsmasten. Selten war die Neigung nach Erreichen des Ziels direkt die Rückfahrt anzutreten derart stark ausgeprägt.

Bedenkt man diese vorherrschende Grundstimmung, sollte man angesichts der arktischen Winde und der überwältigenden Gräunis, mit der uns die irrelevante Gurkenmetropole begrüßte, von einer denkbar schlechten Ausgangsvoraussetzung für die anstehende Stadtkritik ausgehen. Doch gar so schlimm sollte es dann gar nicht werden. Schließlich sorgen derart tief gesetzte  Erwartungen zumeist für ganz akzeptable bis annehmbare Erlebnisse. Schließlich gab es da den Branitzer Park, diese von Fürst Pückler (ja, dem mit dem Eis!) gestaltete Parkanlage weiß die eher unüberzeugenden Siedlungsversuche geschickt in den Hintergrund zu drängen.

Wasserpyramide mit Fürt Pücklers Grab. Der beste Hashtag des Ausflugs war geboren #fürstpücklereis

So stimmte uns dieser unverhofft romantische Winterspaziergang milde gegenüber den kommenden Zumutungen. Der anschließende Stadtrundgang hinterließ keine bleibenden Narben aber auch keine nachhaltigen Erinnerungen. Roter Backstein, Neubauglinker und dazwischen jede Menge Raum für bessere Ideen. Wir dinnierten ganz ausgezeichnet. In dieser Disziplin geht der letzte Platz dann wohl doch eindeutig nach Magdeburg und Cottbus strafte wacker all die bösen Zungen ab, von wegen Essen mitnehmen bei Brandenburgfahrten.

Doch letztlich waren wir dann doch alle recht froh wieder im warmen Zug gen Berlin zu sitzen. Auch wenn meine Reisegenossen wie üblich harmonisierend und vermittelnd herumnuschelten, dass es doch gar nicht so übel gewesen sei und man über den letzten Platz für Cottbus doch nochmal nachdenken müsse. Für mich eine klare wenn auch nicht einfache Sache. Angesichts des Umstands, dass uns nun nur noch Halle, Leipzig, Schwerin und Dresden bevorstehen, glaube ich einfach nicht, dass hier noch eine niedrigere Platzierung zu erwarten ist, aber realistisch gesehen gibt es für mich bis jetzt drei letzte Plätze. Da dies nun mal nicht sein kann, entscheide ich mich vor Ablauf der Bezirksstadtinspektion für einen eindeutigen Verlierer: Cottbus. Und das ist doch auch schon was. Endlich raus aus der Mittelmäßigkeit.

Geschrieben vonCottbus, Brandenburg, Germany.

Ein paar Blicke zurück

Was kann man im dunkelsten Januar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen Besseres machen als sich Bilder vom vergangenen Italienausflug anzuschauen? Natürlich: diese Hoffnungsschnappschüsse mit anderen Ergrauten und resignierten Klimagenossen zu teilen. Es braucht nicht mehr lang, dann wird es auch hierzulande wieder erträglicher und wenn nicht, der nächste Zug wartet schon…

Ratgeber: Winter, Sonne, Sonnenschein – nur in Kampanien kann’s schöner sein

Che bella cosa è na jurnata ’e sole, (Wie schön ist ein sonniger Tag,)
n’aria serena doppo na tempesta! (die klare Luft nach einem Sturm!)
Pe’ ll’aria fresca para già na festa… (Die frische Luft wirkt wie ein Fest…)
Che bella cosa na jurnata ’e sole. (Wie schön ist ein sonniger Tag.)

‘O sole mio (1898 von Leonardo di Capua im wunderschönen Odessa mit Sehnsucht nach dem noch wunderschöneren Neapel komponiert)

Kampanien! So man, wie in meinem Falle, an sich schon mittelschwer italienverknallt ist, gehört Kampanien zweifellos zu den Regionen, welche den geringsten Anlauf benötigen um einen schlicht und einfach umzuhauen. Die verschiedenen Regionen Italiens gehören per se zu den mit Attraktionen jeglicher Coleur verdichtetsten Gegenden der Welt, doch dies hier übertrifft nochmal einiges. Vom Vesuv beherrscht, von bezaubernden Küsten umsäumt – eine brachiale Schönheit die seit Jahrtausenden Künstler inspiriert hat. Pompeji, Sorrent, Herculaneum, Ischia, Capri, Pizza und SSC Neapel – hier ist wohl eine der mächtigsten Quellen jener ewigen Italiensehnsucht zu verorten, die seit längerem beständig Menschen aus dem grauen Norden anzieht und so eine lückenlose, gut dreihundertjährige Geschichte des Tourismus vorzuweisen hat. Hier kommt jeder auf seine Kosten, der Kunst- und Geschichtskenner,  Natur- und Meeresfreund sowie der passionierte Gourmet oder der verträumte Nostalgiker antiker Traditionen. Aber der Reihe nach. So übermächtig das Angebot Kampaniens auch erscheinen mag, ich wage es unerschrocken, einen kleinen Überblick von campania felix, der glücklichen Landschaft, der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Anmerkung: Da ich exakt ein Jahr zuvor ähnliches unternahm, nur eben nicht in Kampanien sondern in Apulien, versteht es sich von selbst das gewisse Punkte der Reiseanleitung sich überschneiden oder wiederholen würden. Daher war ich bei einigen Abschnitten so frei, meine, ein Jahr zuvor gewonnenen Einschätzungen zu zitieren.  

Andere Wissensquellen: Hach herrjeh, wenn ich bei vielen Empfehlungen der Vergangenheit an dieser Stelle verlegen herumstocherte und innerlich verzweifelte warum es zwar drölfzich Bücher zu dem maßlos überschätzten Jakobsweg gibt, aber nicht einen einzigen nützlichen Wissensspeicher zu dem jeweiligen Stück Planeten, den ich gerade anpreisen wollte, so ist es in diesem Fall grundlegend anders. Die Fülle an Ratgebern im Buchformat ist so reichlich wie vielfältig. Wanderführer, Geschichtswegweiser, Kulinarikkompass oder topaktuellen und grundsoliden Reiseführer – alles ist vorhanden. Auch einzelne Teilregionen wie bspw. der Cilento warten mit gut unterrichteten Nachschlagewerken auf. Auch das Internet hat etliche prall mit Informationen gefüllte Portale in petto. Als gute Einstiegspunkte seien hier portanapoli und kampanien-insider genannt. (Für den Cilento sei cilento-aktiv.info wärmstend empfohlen) Und letztlich hat diese Region wie kaum eine andere auch reichlich Literatur unserer Altvorderen im Angebot. Goethes “Italienische Reise”, Seumes “Spaziergang nach Syrakus”, Gregorovius’ “Wanderjahre in Italien” um nur einige zu nennen.

An- und Abreise: Hier bin ich so frei und verweise erstmals auf meinen Apulien-Ratgeber vom letzten Jahr: “Zum Thema Einreise bleibt nicht viel zu sagen so man die Gnade eines EU-Passes erfahren hat. Doch auch ohne dies steht eine visafreie Einreise immerhin 66 Nationalitäten nichts im Wege. Auch die Anreise gehört wenn nicht zu den leichteren Übungen so zu vielleicht so gar zum vergnüglichsten Teil der ganzen Angelegenheit. Aus ideologischer Veranlagung wie aus reinem Pragmatismus heraus konzentriere ich mich dieses Mal allein auf den Schienenweg. Wer sich für Auto oder Flugzeug entscheidet, mag sich selber informieren und langweilen.”

Eisenbahn: Auch hier kann ich größtenteils auf einmal gewonnene Erkenntnisse zurückgreifen: “Die erklärte Festlegung auf dieses Verkehrsmittel kommt nicht von ungefähr. In Italien konnte die Eisenbahn noch viele ihrer konkurrenzlosen Vorteile in die Gegenwart hinein retten. Sie kommt in rascher Frequenz, erreicht die meisten wichtigen Punkte, ist preisgünstig (wobei das Tarifsystem leicht verständlich ist) und die Züge sind in gutem bis vorzüglichen Zustand. Diese einfache Basis wird dann auch offensichtlich von der Bevölkerung goutiert. Die Waggons sind stets gut gefüllt ohne überfüllt zu sein und die Stimmung an Bord machte stets Lust auf mehr.” Obwohl diese leicht euphorisch klingende Einschätzung, nach der diesjährigen Inspektion geringfügig zurechtgerückt werden muss. Unser diesjähriger Aufenthalt beinhaltete deutlich mehr Eisenbahnnutzung als das letzte Mal, daher gab es mehr Gelegenheit dafür um die abgewetzten und schäbigen Stellen auf dem glitzernden Schienenkleid von Signora Trenitalia auszumachen. Die chronische Verspätungssucht speziell im Regionalverkehr ist erstaunlich und nahezu elementar. Ein Zug der nach Fahrplan abfährt scheint eher die Ausnahme als die Regel zu sein. Die Regionalzüge sind zudem in schlechten Zustand, ähnlich wie manche Gleise und Bahnanlagen. Außerdem könnte die Frequenz auf den Stammstrecken deutlich höher sein wie auch die Auslastung nahelegt, aber das ist soweit ja kein ausschließlich italienisches Problem. Das kennen wir aus den meisten Ländern, die noch mit einem Personenschienenverkehr ausgestattet sind. Doch trotz Verspätungen und klappernder Türen bleibt das Bahnreisen in Italien als Fortbewegungsmittel ohne Konkurrenz für alle die das Leben gern in welcherlei Zügen auch immer genießen.

Als Routenempfehlung gibt es (von Berlin aus gesehen) eigentlich nicht sehr viele Alternativen als die Zwei-Hüpfer-Partie “München-Rom”. Nach München kommt man seit Kurzem in spektakulären 4,5 Stunden oder mit dem ICE-Sprinter gar in rastlosen, knappen 4 Stunden. Und dank der rührigen ÖBB existiert auch immer noch ein Nachtzug welcher in knapp 12 Stunden die ewige Stadt zu erreichen versucht. Offensichtlich stark behindert durch die Dusseligkeit der deutschen wie italienischen Schienenverwalter, gehört der “München-Rom-Nachtzug” zu den verrufenen Bummelkindern unter den europäischen Fernverbindungen, dennoch ist er immer eine Reise wert. Man sollte einfach für den Umstieg an den jeweiligen Endbahnhöfen ein wenig mehr Zeit im Puffer haben. Selbstverständlich gibt es auch noch einige Tagzüge (was ich bei erstmaliger Reise aufgrund der Alpenüberfahrt auf jeden Fall empfehlen würde), dann heißt der Umstiegsbahnhof aber Bologna oder Verona. Eine Direktverbindung nach Rom über Tage gibt es leider nicht.

Es ist immer ungemein beruhigen zwei rote Pfeile im Köcher zu haben.

Von Rom nach Kampanien ist es nur noch ein kleiner Sprung. Die Distanz nach Neapel kann auf dreierlei Art bewältigt werden: Mit dem frecciarossa (dem “roten Pfeil”) in einer Stunde und 10 Minuten, dem Intercity in knapp 2 Stunden oder den BummelRegionale in knapp 3 Stunden. Die Preise pendeln pro Ticket hierfür zwischen 23 und 10.

Herumreisen: Blicken wir ein Jahr zurück: “Die Eisenbahn ist für Fern- und Mittelstrecken über jeden Zweifel erhaben, doch im lokalen versagt sie komplett. Die wenigsten Städte verfügen über eine annehmbare Infrastruktur zur Fortbewegung, weshalb viele aufs Auto umsteigen, was wiederum dazu führt, die Straßen heillos zu verstopfen, was wiederum die paar Busse, die sich durch die Straßen verirren zu hilflosen Beförderungsschaukeln degradiert. Kurz – ein Teufelskreis! Im Dorf-zu-Dorf-Verkehr sieht es selbstredend nicht besser aus. Mangels geringer und undurchsichtiger Angebote eines versprengt und im Untergrund agierenden öffentlichen Nahverkehrs, steigt man aufs Auto um und lässt die wenigen Verbindungen leer durch die Gegend trudeln. Ein Trauerspiel fürwahr. Empfehlung hier wäre sich reiseplanerisch an den Schienen des Landes zu orientieren und Ausflüge abseits derer entweder verteufelt gut zu planen oder einfach dem Zufall überlasssen. Es kommt meist aufs Gleiche raus.”

Dieser Einschätzung hat meines Erachtens weiterhin Bestand. Einzig hinzuzufügen seien hier die kampanischen Spezifika. Denn für einige relevante Sehenswürdigkeiten der Region kann man sich sehr gut “reiseplanerisch an den Schienen” orientieren. Die Circumvesuviana beispielsweise ist ein gemütlicher, den Golf streichelnder Nahverkehrszug mit dem man problemlos Pompeji, Herculaneum oder Sorrent erreichen kann. Auch die Standardzüge der Trenitalia stricken zumindest an der Küste ein dichtes Netz an Verbindungen mit denen man allerhand erreichen kann.

Die Kritik vom letzten Mal sei aber nochmals mit Verve erneuert. Der leidige, motorisierte Individualverkehr selbst in den schmalsten Gassen der bezaubernden Altstädte Süditaliens gehört für mich zu den nervigsten Angelegenheiten die jeden Aufenthalt hier vergiften. Wie schön könnte alles sein wenn man zumindest in den historischen Stadtkernen den Transportstandard des Römischen Reichs zurück erlangt werden könnte. Diese Viertel sind für Autoverkehr nicht im Entferntesten ausgelegt und jeder verträumte Bummel durch sie wird durch diese Gefährte enorm geschmälert. Es sollte doch im Bereich des Möglichen liegen, hier kleine Reservate des Fußgängers zu etablieren.

Sprache: “Was soll man schon viel zu Italienisch sagen? Welche Sprache versprüht mehr Charme und Eleganz? Die Sprache der Renaissance, der schönen Künste, bündelt Zärtlichkeit und rohe Kraft gleichermaßen. Schon wenige banale Sätze im Alltagskontext können mit ihrer ungebremsten Kraft wollüstiger Vokale, ihren tanzenden Silben und ihrer ganzen Körperlichkeit den unvorbereiteten Barbaren mühelos niederstrecken.

So man die Ansprüche nur ein wenig senkt, kann man dank der Einfachheit des Italienischen schon beachtliche Anfangserfolge verbuchen. So noch irgendeine andere romanische Sprache im passiven Gedächtniskeller verstaubt, kann diese problemlos angewandt werden. Meine Dialogpraxis – Spanisch sprechen zu probieren und Italienisch versuchen zu verstehen – war jedenfalls fast immer ein voller Erfolg. Auch Englisch ist selbstverständlich immer eine Möglichkeit, doch muss berichtet werden, dass die Kenntnisse in dieser allseits beliebten Weltsprache mit steigenden Breitengraden zusehends sanken.”

Übernachten: Wie eingangs schon erwähnt gehören große Teile Kampaniens zu einer Region, die auf eine mehr als dreihundertjährige, unterbrechungsfreie Tourismustradition zurückblicken kann. Dementsprechend routiniert und souverän fällt hier auch der Umgang mit Fremden und ihren Bedürfnissen aus. Gegenden wie die Amalfiküste sowie die Inseln Ischia und Capri gehören folgerichtig auch zu den auserleseneren Erholungsgebieten und sind dementsprechend teuer. Abgesehen von diesen hot spots finden sich aber beispielsweise im Cilento oder in der näheren Umgebung Neapels preiswerte und geschmackvoll eingerichtete Unterkünfte.

Altersgemäße Freizeitgestaltung für den besten Hund der Welt im besten Hundeland der Welt

Hunde: “Wie schon bei früheren Besuchen bemerkt, ist die Hundefreundlichkeit in Italien außergewöhnlich. Zumindest aus der Perspektive eines Hundes kann an Italien wirklich wenig ausgesetzt werden. Ungelogen mindestens jeder zweite Passant nimmt von einem Hund in ausschließlich freundlicher Art Notiz. Es wird geschnalzt, gestreichelt und gelächelt, als ob der letzte Hund der Welt auf dem Bürgersteig flanieren würde. Wie selbstverständlich hat man mit dem Hund Einlass in Räumlichkeiten, die ihm sonst (prinzipiell zu Recht) verwehrt bleiben. Die elenden Scherereien die allzu oft bei der Fortbewegung mit Hund aufkommen, verpuffen in Italien wie ein absurder, böser Traum.”

Kulinarik: “… die italienische Küche ist die Beste der mir bekannten Welt. Im italienischen Universum gibt es dabei weit mehr als die beiden Galaxien Pasta und Pizza. Vielfalt, Improvisationstalent und Perfektionismus unterstützt von einer fruchtbaren Gesamtsituation und einer langen, von zahlreichen Kulturbesuchen durchsetzten Geschichte sind die Grundlagen für die Entstehung dieser reizenden Verführerin. Das Wunderbarste ist dabei aber, dass jede Region, ja schon das nächste Dorf hinten am Horizont ureigene Spezialitäten und unbekannte Genüsse im Angebot hat. Das macht jede Italienreise zu einer unkalkulierbaren Entdeckungstour für die Geschmackssinne.”

Die pralle Macht von Geschmack und Frische – das Weihnachstmahl im Rohformat.

Ja, so schrub ich ahnungsloser Sklave der Genüsse noch vor einem Jahr. Doch wie mit dem bereits erwähnten Überangebot an Geschichte und Natur verhält es sich in Kampanien auch mit den leiblichen Genüssen, sprich: auch hier wird nochmal deutlich eine Schippe drauf gelegt. Sei es der zentrale Stellenwert, den diese Region seit mehreren Jahrtausenden beansprucht oder die dank Vesuv extrem fruchtbare Erde, welche sämtliche Zutaten mit einem gewissen Extra ausstattet – hier wird selbst jener positiv überrascht der mit den höchsten Erwartungen anreist.

Fangen wir bei dem Grundlegendsten an, der Pizza napoletana. Bevor diese zum Wahrzeichen Italiens wurde, war sie zunächst einmal ein regionales Sinnbild und zwar das von Neapel. 2011 wurde für die Pizza ein Antrag auf Aufnahme in das Immaterielle Weltkulturerbe der UNESCO gestellt. Und ich muss verzweifelt ächzen, selbstverständlich, aber warum erst jetzt? Über die Qualität der Pizza muss sich an dieser Stelle nicht groß ausgelassen werden. Ich halte es für reichlich blasiert zu behaupten, dass es nur in Neapel die einzig wahre Pizza gäbe. Die Qualität ist in dieser Hinsicht südlich der Alpen prinzipiell hoch und wenn man acht gibt kann man sogar nördlich der Alpen bisweilen auf ausgezeichnete Pizza treffen, sogar im Wedding. Doch es muss erwähnt sein, dass das Pizza in Neapel natürlich einen ganz anderen Stellenwert hat und daher kann man unbesorgt an jeder Ecke in in jedem beliebigen Etablissement zugreifen und wird sehr selten enttäuscht.

Ein weiterer mit Kampanien verketteter Geschmacksbaustein ist der Mozarella di Bufala, echter Büffel-Mozarella. Denn aufgrund seines DOP-Status darf eben jener nur hier hergestellt werden.In diesem Falle muss eindeutig gesagt sein, hier handelt es sich keinesfalls um wichtigtuerische Gourmetallüren. Büffel-Mozarella unterscheidet sich in der Tat von der hierzulande allgemein bekannteren Kuh-Mozarella. Er ist in seiner Konsistenz wie Geschmack eindeutig vielfältiger. Der cremige Kern und die leicht salzige Note sind Kriterien, die ihn auch bei diversen Gerichten unterscheidbar von Kuh-Mozarella machen.

Die Tomate gehört unzweifelhaft zu den elementarsten Säulen auf der die italienischen Küche ruht. Kaum vorstellbar wie ein präkolumbianisches Italien kulinarisch existieren konnte, doch das soll hier nicht das Thema sein. Kampanien weiß jedoch auch in Tomatenfragen entschieden aufzutrumpfen. Der fruchtbare Vulkanboten, die intensive Sonne und die frische Meeresluft boten zahlreichen Tomatensorten einen erquicklichen Lebensraum. Allen voran, das Flaggschiff der Tomaterei, die San-Marzano-Tomate. Der Legende nach schenkte sie im Jahre 1770 der König von Peru seinem Königskollegen in Neapel. Diese Flaschentomaten zeichnen sich durch ein intensives, fruchtiges Aroma aus und eignen sich hervorragend für den Salat, da ihr festes Fruchtfleisch nicht zum verwässern neigt und auch Salatsaucen hervorragend annimmt. Als ein weiterer Star der Tomatenszene muss die Piennolo-Tomate bezeichnet werden. Die, überall in Kampanien angebauten Pomodorino del Piennolo (auch pomodorini da serbo, spongilli oder corbarini) werden auf Schnüre gezogen und an den Decken neben Knoblauch- und Zwiebelkränzen das ganze Jahr über aufbewahrt. In diesen Bündeln reifen sie dann langsam, äußerlich trocknen sie, aber im Inneren bleiben sie saftig. So hat der gewiefte Kampanier eine Möglichkeit gefunden, das gesamte Jahr Zugriff auf die Farben, Düfte und Gewürze des Sommers zurückzugreifen. Neben diesen Highlights weiß noch der winzigste Gemüseladen ein zwei weitere Sorten Tomaten feilzubieten, doch ich möchte an dieser Stelle abbrechen, da man mir sonst vorwerfen könnte, dass ich Tomaten auf den Augen hätte.

Nicht Kolumbus sondern die geschätzten Araber brachten die Zitrone an die kampanische Küste. Neben etlichen anderen Sorten, welche in Italien aus diesem Präsent gezüchtet wurden, sticht die Sorrent- sowie Amalfizitrone heraus. Es sind riesige, sonnengelbe Früchte die einem bei jedem Marktbesuch verführerisch anblinzeln. Sie haben eine ungewöhnlich dicke Schale,  welche reich an ätherischen Ölen ist, die wiederum gegen eine ganze Batterie an Krankheiten helfen soll, außerdem enthalten diese Zitronen mehr Vitamin C als alle anderen Zitronen. Ihren praktischen und auf den ersten Blick ersichtlichen Nutzen erhalten sie in der Küche: Nudelsaucen, Fischwürzung und Backwerk – überall trifft man auf die sauren Ergebnisse dieser Riesenzitrone. Doch die wohl entscheidendste Bedeutung kommt ihr bei der Gewinnung von Limoncello, dem über allem thronenden Likör Kampaniens, zu. Wenn ich es bislang noch nicht bemängelte, so sei es hiermit nachgetragen: die Perfektion der leiblichen Genüsse Italiens krankte in meinen Augen bislang an Bier und Schnaps. In diesen Kategorien meinte ich bislang nichts Herausragendes zu entdecken. Dabei bleibt es auch bis auf weiteres. Zweifellos ist dies zutiefst subjektiv, doch Limoncello hat meine Gaumen nicht erobert. Dennoch ziehe ich meinen Hut vor der leidenschaftlichen und engagierten Art wie hier mit besten Zutaten jongliert wird um einen Schnaps zu kreiiren, der offensichtlich einer großen Anzahl von Menschen über alle Maßen mundet.

Spaghetti alle vongole – einfach, frisch, fantastisch!

Da wir dieses Mal wenig essen gingen, sondern lieber selber kochten, verweise ich auf diese Liste der Top 10 der Regionalgerichte Kampaniens, welche nach besten Können und mit ehrgeizigsten Absichten versuchte nachzukochen. Für den leichten Einstieg in die hiesige Küche kann ich Spaghetti con le vongole, Parmigiana di Melanzane sowie Pesce all’Aqua Pazza empfehlen. Selbst ein Risotto gelang mir hier und zwar das hier empfohlene Risotto alla Pescatora. Die hier ebenso aufgezählten Spezialitäten Pizza, Totani al Patate sowie Polpette empfehle ich in einem vertrauenswürdigen Lokal zu ordern, denn dies sind Gerichte für die eindeutig Erfahrung nötig sind, die bei einem Kurzurlaub selten zu gewinnen sind.

Zum Thema Wein fühlte ich schon während des Tippens Kapitulationsregungen. Wie bei jeder anderen Region Italiens wäre dies eigentlich nur mit einem eigenen Artikel zu bewältigen. Als Basisgepäck daher nur folgendes: Die grundlegenden Rebsorten vor Ort sind Falanghina (weiß) und Piedirosso (rot). Unter dieser Beflaggung erhält man in Kampanien überaus vorzügliche Weine. Im Weißweinsegment kann man dann auch Falanghinas entdecken, die mit Biancolella oder Greco verschnitten sind und nicht minder delikat sind. Einen Wein den man, wenn man in der Gegend ist, unbedingt kosten sollte, ist der Falerner. Dieser Wein gehörte im Römischen Reich zu den beliebtesten und ist mit gewissen Abstrichen auch heute noch zu genießen. Heute wird dieser Wein ausschließlich in Falerno del Massico angebaut und gilt als modernes Pendant des antiken Falerners.

Schöne Orte (selbst besehen)

Neapel! Ach Neapel. Neapel sehen und sterben. Neapel gilt seit jeher als magischer Ort, ein auf die Erde gefallenes Stück Himmel. Und dennoch scheidet diese Stadt die Geister. Die Meinungen gehen hier von offener Abscheu bis hin zu fanatischer Vergötterung. Die unumstrittene Hauptstadt des Mezzogiorno ist daher offensichtlich ein komplexer Fall. Lasst mich die Beschreibung dieser Stadt mal etwas unorthodox versuchen. Stellen wir uns einfach vor, du betrittst eine Küche, die in irgendeiner Weise deinem Verantwortungsbereich unterstellt ist. Die betreffende Räumlichkeit befindet sich auf den ersten Blick in einem miserablen Zustand, der Abwasch türmt sich bedenklich, der Mülleimer ist voll, alle Arbeitsflächen sind fleckig und schreien nach Zuwendung. Doch auf dem Tisch zwischen all dem Schmutz blinzelt dich ein Buch an, dass du schon immer lesen wolltest, aber aus Gründen nie von dir genossen werden konnte. Wenn du dir jetzt notdürftig Platz schaffst und dich völlig selbstverständlich setzt und anfängst zu lesen, dann wird dir Neapel nicht nur gefallen, du wirst es lieben!

Napoli – wo sind schmutzige Gedanken unschuldiger als hier?

Es ist der allgegenwärtige Schmutz und Lärm, die eng aneineinander gerückte Architektur und die dunkle Patina des Verlebten, die viel zur Unbeliebtheit Neapels selbst bei unvoreingenommenen Besuchern der Stadt beiträgt. Und damit haben sie völlig Recht. Neapel ist eine laute, chaotische, schmutzige Stadt. Wer lichte Renaissancemetropolen wie Florenz, filigrane Lagunenstädte wie Venedig oder mondäne Weltnabel wie Mailand mag, wird hier zumindest irritiert zurückschrecken. Dass ich über all das nicht nur hinweg blicken kann, sondern es sogar direkt anschauen kann ohne in diese Reflexe zu verfallen, habe ich zwei lang geschätzten Freunden zu verdanken: Der Geschichte und dem Fußball. Das Interesse und die Leidenschaft für Geschichte ermöglicht mir die Sicht auf eine zusammenhängende Altstadt in einer Größe (vertikal wie horizontal) die in dieser Form ihresgleichen auf dem Planeten sucht, zu erkennen. Abseits des Wissens darum, dass in den letzten zwei Jahrtausenden hier fast alles um-, ab- und überbaut wurde, kann man sich mit etwas Augen-zusammen-kneifen des Eindrucks nicht erwehren, durch eine echte Großstadt des Römischen Imperiums zu promenieren. Und in dieser Hinsicht hilft sogar all der Müll, die diversen Geruchsschwaden und der Lärm (abgesehen wie gesagt von den Motorgeräuschen), denn die Plebejerviertel der Antike waren nicht saniert und für Touristen aufgehübscht. Die unmittelbar erlebbare Authentizität (dieser abgenutzte Begriff darf hier ausnahmsweise ohne Scham verwendet werden), dieses Gefühl, winzigstes Teilchen einer Stadt zu sein, die seit über 2500 Jahren einfach nur da war, ließ mich überlaufen vor Glück. Zum Thema Fußball sei nur kurz angefügt: SSC Napoli und Maradona. Wenn man Ende der 80er den Fußball entdeckte, kam man hieran nicht vorbei und eine Stadt die so etwas der Menschheit schenkte kann einfach nicht von grundauf schlecht sein.

Der Schlund zur Hölle – ein Spaziergang der besonderen Art.

Als wir durch zähe Wolkenschwaden an einem Dezembermorgen an den Hängen des Vesuvs emporwanderten, konnten wir uns nicht einigen: Ist der Vesuv wohl der berühmteste Vulkan? Ist er im Allgemeinwissen am nachhaltigsten verankert? Ich meine schon. Zwar ist der Ätna deutlich aktiver und dementsprechend häufiger in den Nachrichten und dieser isländische Vulkan sowieso, aber dessen Namen wird niemals präsenter sein, auch wenn er den Flugbetrieb noch dreimal lahmlegen sollte. Vulkane außerhalb Europas wie der Krakatau oder Mount St. Helens können maximal einen schwachen Nachhall im kollektiven Gedächtnis verbuchen. Nein, der Vesuv ist DER Vulkan. Majestätisch thront er über Neapel (in welcher Stadt der Welt kann man inner halb einer Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vom Hauptbahnhof bis zum Krater eines aktiven Vulkan gelangen?) Doch der Vesuv ist nicht allein seiner berühmten Ausbrüche wegen bekannt und einen Ausflug wert. Eine Wanderung auf diesen Vulkan ermöglicht nicht nur einen intensiven Blick in die geologische Intimsphäre unseres Planeten, sie gestattet auch einen Ausnahmeausblick auf all das Schöne um einen herum.

Pompöses Pompeji – was hat dich bloß so ruiniert?

Und wer Vesuv sagt muss auch Pompeji sagen. Auch wenn ich hier ausdrücklich davor warnen möchte, die augenscheinliche Nähe von beiden zum Anlass zu nehmen, beide Ziele an einem Tag absolvieren zu wollen. Pompeji war eine antike Stadt, die bei dem wohl bekanntesten Ausbruch des Vesuvs 79 n.u.Z. komplett verschüttet wurde. Hiernach machte man sich nicht die Mühe, die Stadt wieder aufzubauen und nach dem Zusammenbruch des Römischen Reichs geriet das Wissen um Pompeji mählich in Vergessenheit. erst im 18. Jahrhundert erinnerte man sich wieder an die untergegangene Stadt und begann sie stückweise auszugraben. Heraus kam dabei Stück für Stück eine der am besten erhaltenen Ruinen-Städte der Antike. Die schier unüberschaubare Größe der Stadt und der erstaunliche Reichtum an erhaltenen Details sollten jeden Besucher in seinen Bann ziehen. Die Ausmaße des Besichtigungswürdigen ist derart gewaltig, dass ich das anfangs belächelte 3-Tagesticket (€15) für ein durchaus sinnvolles Angebot erachte (Tagesticket €10), so man die Zeit hat.

Es ist genug Geschichte und Kultur für alle da.

Eine weitere außergewöhnliche Anhäufung unbedingt zu besichtigender Geschichte ist Paestum. Diese ehemalige blühende griechische Kolonie wurde von den Römern übernommen und geriet nach deren Abgang recht schnell in Vergessenheit. Die mächtigen Tempelanlagen überlebten die Jahrhunderte und stehen heute in ihrer ganzen Pracht zum Bewundern zur Verfügung. Ein ideales Tagestourziel, welches mitsamt Museum und Touristen-Feierabendwein in dem kleinen Städtchen leichterhand zu absolvieren ist.

Antiker Hund trifft alte Tempel. Das Beste aus zwei Welten.

Schöne Orte (noch unbesehen)

Die Amalfi-Küste gehört zweifellos zu den Filetstücken Kampaniens. Wie eingangs schon erwähnt spiegelt sich dies naturgemäß auch in der Preislage vor Ort wieder. Auch die infrastrukturelle Anbindung, die eigentlich nur eine Erschließung per Auto sinnvoll erscheinen lässt, macht eine Entdeckung dieses entzückenden Küstenstreifens recht aufwändig. Das sollte jedoch nicht davon abhalten sich bei bietender Gelegenheit dieses Stück Bilderbuchitalien zu gönnen. Entlang des Golfs von Salerno ziehen sich, an den Fels geklebt, einer Perlenkette gleich, kleine Städtchen die in Sachen Liebreiz und Idylle auf nahezu absurdeste Art miteinander konkurrieren. Positano, Ravello, Vietrisul Mare und natürlich Amalfi sind hier nur die namhaftesten Adressen.

Die Prominenz der bereits beschriebenen Glamourruine Pompeji ist die Ursache, dass Herculaneum ein ungerechtfertigtes Schattendasein fristet. Herulaneum wurde genauso wie Pompeji durch den gleichen Vulkanausbruch verschüttet und ist dementsprecht genauso gut erhalten und zu besichtigen. Sie ist zwar etwas kleiner und zu römischen Zeiten auch nicht ganz so bedeutend wie das legendäre Pompeji, dennoch: wenn anderswo eine Ruinenstadt wie Herculaneum entdeckt würde, wäre sie definitiv eine Sensation. So aber steht sie wohl für alle Zeiten in der zweiten Reihe der antiken Sehenswürdigkeiten Kampaniens. Dabei könnte die Kompaktheit und die geringere Bedeutung für eine Besichtigung durchaus Vorteile bieten. Ein geringerer Touristenansturm und eine überschaubarere Fläche könnten einen Tagesausflug nach Herculaneum auf jeden Fall schmackhaft machen.

Und natürlich die Inseln: Capri, Ischia und Procida. Zumindest die ersten beiden sollten den meisten ein Begriff sein. Ischia hat in meinen Augen das meiste zu bieten. Die größte Insel im Golf von Neapel ist vulkanischen Ursprungs und hat mit dem Monte Epomeo (779m) auch einen nennenswerten Berg auf der Habenseite. So hat Ischia neben einer spannenden geologischen Visitenkarte auch Thermalbäder, lecker Kaninchen, feinste Strände und natürlich jede Menge antiker Steinhaufen im Angebot.

Hier handelt es sich entgegen des umlaufenden Texts weder um Capri noch um Ischia. Gaeta im nördlich kühlen Latium war unsere letzte Station und Abschluss unser Kampanien-Tour. Eine unzweifelhafte Erinnerung daran, dass es noch jede Menge mehr Italien gibt. Ich bin gespannt aufs nächste Jahr.

Capri dagegen gilt wohl unumstritten als monänste Insel des Mittelmeers. Der Klang ihres Namens löst nicht nur Schlagermelodien aus, sondern ruft Nostalgie und Schwärmerei hervor. Schon seit frühesten Zeiten war die immergrüne Insel vor Neapel ein populärer Ort für Entspannungssuchende und Sommerfrischler. In jüngerer Vergangenheit wählten die unterschiedlichsten Figuren Der A-und B-Prominenz die Insel als Domizil aus. Rilke, Gorki, Bacon und Debussy fühlten sich hier wohl und mehrten den Ruf der Insel als auserlesene Insel der Seeligen. Zweifellos ein lohnenswerter Ausflug mit Garantie auf  jede Menge Wohlklang für die geplagten Seelen des Nordens.

Und wer noch nicht genug Bilder hat, hier gibts noch etwas Bonusbildmaterial:

 

Geschrieben vonBerlin, Berlin, Germany.

Bezirke bezirzen – siebtes Kapitel: Per Sachsen-Anhalter durch die Garnixis

Was liegt näher als nach den exotischen Reisezielen der jüngeren Vergangenheit, die Reisesaison des neuen Jahrs mit solch einem erdigen Durchschnittsgaranten wie Magdeburg zu eröffnen? Im Zuge der Bezirksstadtexpeditionen durften wir nun schon die unterschiedlichsten Charaktere von Urbanität entdecken. Ob nun der graumäusige Charme Gerasdie entrückte Bergwelt Suhls, die gelassene Nichtigkeit Frankfurts oder die karge Emotionalität Rostocks – unsere Operationen an den zahlreichen offenen Herzen der Peripherie offenbarten die unterschiedlichsten Töne auf der Klaviatur von Siedlungsbemühungen. Doch nun war Magdeburg an der Reihe.

Was Gera an Unscheinbarkeit ausstrahlt und Neubrandenburg an Provinzialität feilbietet, scheint die ehemals ruhmreiche Bördeperle mit konturloser Durchschnittigkeit kontern zu wollen. Dementsprechend unvoreingenommen fuhr das reizüberflutungserprobte Peripherikerteam an einem lichten Januarvormittag zum europäisch-asiatischen Grenzfluss (Adenauer) um der ehemaligen Bezirksstadt und heutigen Landeshauptstadt einen Besuch abzustatten.

Erstes Klischee welches schon nach kurzer Zeit zertrümmert wurde ist jenes des “Landes der Frühaufsteher”. Mit dieser Titulierung versuchte das identitätslose Mischgewebe namens Sachsen-Anhalt zumindest auf der Mitleidsschiene sich irgendwie in das Passivwissen der Republik zu hacken. Doch ein Blick auf die Magistralen Magdeburgs zum High Noon sprach Bände: Gähnende Leere kreischte uns entgegen. Erst eine Stunde später als der verkaufsoffene Sonntag den lustlosen Verbraucher herauskitzelte, füllten sich die Fußgängerzonen und ein überraschend quirliges Treiben entstand.

Solang das Centrum-Warenhaus nicht auf ist, wird in Sachsen-Anhalt kein Frühaufsteher gesichtet.

Dies lag zum großen Teil auch an dem ersten Event des Jahres: “Magdeburg on Ice” , welches mit dem spektakulären Superlativ “das größte Eis-Festival Sachsen-Anhalts” antrat, hielt die Stadt fest im amüsiervergnügten Würgegriff. So wurden wir mehr oder minder schreckenstarre Zeugen von “Magdeburgs größten Morning-Workout unter freien Himmel” mit Detlef Soost sowie dem leibhaftigen Bernhard Brink. Manchmal fordern diese Expeditionen an die Peripherie von einem einiges an emotionaler Stabilität ab.

Getreu der These:Die Kunsthistoriker haben die Kirchen dieser Welt nur verschieden interpretiert, es geht aber darum sie zu instagrammisieren.”

Da half zum Ausgleich nur ein entspannter Spaziergang an Magdeburgs edler Elbpromenade, ein Bummel durch die Altstadt und natürlich das unumstrittene Zentrum der Straße der RomanTik – der Dom. Nachdem dies alles mit gebührender Anerkennung und ausreichender Ablichtung absolviert war, sollte all dies wie immer mit den kulinarischen Spezialitäten des Bezirks gekrönt werden. Doch, o weh, der Minuspunktregen platterte heftigst – in Magdeburg schließt das Brauhaus sonntags 16 Uhr, 15 Uhr Küchenschluss. So waren wir gezwungen in der schlecht gelauntesten Kaschemme des noch jungen Jahres fränkisch zu speisen. Schande über das Innenleben deiner Häuser, Friede den Außenfreuden des fröhlichen Durchschnitts sachsen-anhaltinischer Provinienz.

 

Unbeweglich, eiskalt und mit jeder Menge Ecken und Kanten – Magdeburg kompakt