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Ratgeber: Erstkontakt – Begegnung der armenischen Art

 

Während Georgien, die fröhlichste Baracke des Kaukasus, aktuell immer mehr in den Fokus des internationalen Tourismus gerät, verharrt das, als melancholisch und strandlos verschriene Armenien weiterhin gelassen im Hintergrund. Wenn sich also die Reiseführerausgaben zu Georgien nahezu täglich verdoppeln und in den Altstadtlokalen Tbilisis sich der Rollkoffer-Jetset aus Billigfliegerstan verschwörerisch zuprostet, ob ihrer Chupze in solch ein abgefahrenes Land zu reisen, so bleibt man zwischen Jerewan und Sewansee von derlei Tendenzen bislang noch verschont. Einzig ein paar versprengte bildungsorientierte Reisebusladungen an den ausgewiesenen Kunstgeschichts-Hotspots sowie vereinzelte, russische Partynomaden zeugen hier von einem real existierenden Fremdenverkehr. Dabei hat das kleine Armenien durchaus etwas im Angebot. Ja, es gibt in der Tat kein Meer und das hiesige Gebirge muss das schmälernde Adjektiv “klein” erdulden, doch wie im weiteren ausgeführt werden soll, sind all dies nicht im Geringsten Gründe um das unscheinbare Kleinod an der äußersten Kante des europäischen Balkons mit Missachtung zu strafen.

Reiseland Armenien

Ob der offensichtlichen Unbekanntheit Armeniens sollen hier zu Beginn noch ein paar einleitende Worte stehen. Das kleine Bergland, das nur einige Quadratkilometer größer als Brandenburg ist, zwängt sich im südlichen Kaukasus zwischen Georgien, Aserbaidschan, die Türkei und den Iran. Und auch wenn das Adjektiv “klein”, wie bereits erwähnt, im Zusammenhang mit Armenien erstaunlich oft auftaucht, so befinden wir uns hier beispielsweise im Kleinen Kaukasus am Übergang zwischen Transkaukasien und Kleinasien, so darf es nicht darüber hinwegtäuschen, dass Armenien ein lupenreines Bergland ist. Im Gegensatz zu seinen kaukasischen Nachbarn gibt es hier keinerlei relevante Tiefebene oder eben wenigstens eine Meeresküste. 90 % der Landesfläche liegen mehr als 1000 Meter über dem Meeresspiegel, die mittlere Höhe beträgt sogar 1800 Meter.

Das Gebiet des heutigen Armeniens entspricht lediglich dem nordöstlichen Teil des viel größeren ehemaligen armenischen Siedlungsgebiets. Die wechselhafte und tragische Geschichte der Armenier sollte, wenigstens in Grundzügen vor Reiseantritt überflogen werden. Neben Geschichte haben die knapp drei Millionen Armenier aber etliche andere reichlich originäre Accessoires im Repertoire. So brüstet man sich (zumeist historisch korrekt) mit folgenden schillernden Alleinstellungsmerkmalen:

  • das erste Volk (im Jahr 301) zu sein, welches das Christentum zur Staatsreligion erklärte
  • eines der ältesten noch aktiv genutzten Alphabete zu besitzen (zwischen 403-406; zudem noch eine der wenigen Schriftsprachen, welche gezielt erfunden wurde – detaillierter bei typographie.info)
  • und auch wenn der Georgier an dieser Stelle laut und doch mit spürbarer Unsicherheit auflacht, der Wein hat in Armenien eine längere Tradition als in Georgien, somit kann Armenien als Wiege des Weins bezeichnet werden (vor 6100 Jahren)
  • der älteste Lederschuh der Alten Welt wurde hier gefunden (200 Jahre älter als Ötzis Schuhe)

Allein die Sache mit dem Wein sollte schon genügen um Armenien exzessiv zu huldigen und zu danken. Und dies am besten vor Ort. Weitere spannende Fakten, die Armenien zu etwas Besonderen machen auf madlovelyword.com.


Erster Blick auf Jerewan am Morgen. Die Stadt, die viel darauf gibt 29 Jahre ewiger als Rom zu sein.


 

Das allgemeine Grundgefühl in Armenien ist beruhigend und entspannt. Die Menschen sind freundlich, unaufdringlich und stets daran interessiert, den ahnungslosen Armenienentdeckern unter die Arme zu greifen. Kriminalität oder Übergriffigkeit in welcher Form auch immer konnten wir in der kurzen Zeit, die wir hier verbrachten, jedenfalls nicht im Geringsten entdecken. Zusätzlich erleichternd mag für Russischsprachige der Umstand sein, dass Russisch hier noch unzweifelhaft die allgemein anerkannte Verkehrssprache ist, und nicht wie im Nachbarland Georgien, wo die Sprache stets aufs Neue verhandelt werden muss und das Angebot zum Russischen bisweilen auch völlig missverstanden werden kann.


Andere Wissensquellen

Das Angebot kann nicht anders als mager bis dürftig beschrieben werden. In den üblichen Reiseführerregalen gähnt einen diesbezüglich ernüchternde Leere entgegen. Außer dem allgegenwärtigen Lonely Planet fand ich nicht viel neben einem Architekturführer Jerewan, dem Kunstgeschichtewälzer von Dumont und dem stets präsenten Trescher-Büchlein. Die beiden letzten Ausgaben erschienen 2018, möglicherweise ein schwaches Indiz für einen aufkommenden Trend des Armenientourismus in näherer Zukunft? Die Suche nach Wanderführern führt dagegen offline wie online nur zu recht unbefriedigenden Ergebnissen. Die beste Quelle für unsere Zwecke, einer Wanderung in der Armenischen Schweiz, fand ich dann doch noch am ehesten auf der recht vorsintflutlich erscheinenden, offiziellen Internetpräsenz des Dilijan-Nationalparks sowie auf diversen Internetportalen zur Wanderroutenplanung (bspw.: gpsies.com).

Ein Literaturtipp der spezielleren Art wäre noch “Die vierzig Tage des Musa Dagh”. Dieser Versuch von Franz Werfel die Geschehnisse des versuchten Völkermords an den Armeniern von 1915 zu verarbeiten, mag nicht für jeden die ideale Reiselektüre sein. Angesichts der Bedeutung die dieses historische Ereignis für die Armenier bis heute darstellt sowie dem verzweifelten Interesse derlei bestialische Grausamkeiten, die der Mensch dem Menschen antun kann, verstehen zu wollen und nicht zuletzt aufgrund des meisterhaften Stils Werfels sei dieser Roman jedoch voller Inbrunst anempfohlen.


Einreise

Hinsichtlich der formellen Bedingungen des Ankommens werden dem EU-Bürger, ähnlich wie in Georgien, wenig Steine in den Weg gelegt. Einziger Unterschied ist hier nur, dass ein Personalausweis nicht ausreichend, sondern ein Reisepass vonnöten ist. Damit ausgestattet darf man Armenien ohne viel Federlesen ganze 180 Tage am Stück genießen.

Anreise

Eingeklemmt zwischen den zwei Problemzonen Aserbaidschan und Türkei gibt es auf dem Landweg aktuell nur die Möglichkeit über Georgien oder den Iran einzureisen. Die Grenzüberquerung von Georgien aus kann ich aus persönlicher Erfahrung als problemlos schildern (abgesehen von der wirklich katastrophalen Qualität der Straßen auf armenischer Seite). Es gibt die zwei Hauptgrenzübergänge von Bagratashen und Sadakhlo sowie einen westlich gelegenen Grenzübergang bei Bavra mit dem man im Bedarfsfall über Achalziche nach Adscharien gelangen kann (auf dem Weg läge dabei auch das hier unter “Kultur” beschriebene legendäre Höhlenkloster von Vardzia). Das populärste Reisemittel für diese Strecken ist zumeist die Marschrutka, mehr oder minder akzeptabel instandgehaltene Minibusse, die in stoischem Gleichmut den immer schlechter werdenden Zustand der armenischen Straßen hinnehmen und trotz widrigster Verhältnisse die Fortbewegung im Kaukasus gewährleisten.


Auch wenn ihr Signalton auf dem letzten Loch durch die Täler gellt – tapfer stellt sie sich den Widrigkeiten der Zeit – die Eisenbahn in Armenien


 

Selbstverständlich gibt es auch die edelste von allen Reiseformen um in Armenien anzukommen – die Eisenbahn! Es mag nicht allzu sehr überraschen, aber in Ländern, die derart unter dem Zerfall der öffentlichen Infrastruktur zu leiden haben, ist die Bahn naturgemäß eine der leidtragendsten Protagonisten. Und dennoch rumpelt sie unverdrossen weiter über die krummen Gleise und ist trotz Bummeltempo die mit weiten Abstand beste Reisealternative im Kaukasus. Die Harawkowkasjan Jerkatughi (Südkaukasische Eisenbahn), eine hundertprozentige Tochter der russischen Bahn, bedient ein breitspuriges 845km-Streckennetz, welches durch besagte Streitereien mit den Nachbarn durch Stilllegungen gen Türkei und Aserbaidschan spürbar kastriert wurde. Neben vereinzelten, scheuen Regionalverbindungen, so zum Beispiel zum Sewansee, gibt es aktuell nur noch eine internationale Verbindung. Diese geht, wen wundert’s, nach Georgien. Außerhalb der Saison (Anfang Oktober bis Mitte Juni) verkehrt lediglich ein Zug zwischen Jerewan und Tbilisi an ungeraden Tagen, in der Saison wird dieses Angebot auf einen täglichen Zug zwischen Jerewan und Batumi erweitert. 

Richtung Iran gibt es eisenbahntechnisch bislang nur Pläne, denn die einstmals funktionierende Bahnverbindung kann ja wegen dem üblichen zänkischen Kleinklein nicht genutzt werden (s. Exklave Nachitschewan). Per Marschrutka scheint der Grenzübergang in den Iran, über den höchsten Pass des Landes (Meghri, 2535m) aber offensichtlich eine recht entspannte Angelegenheit zu sein. Für eine Weiterreise in den Iran sei zu bedenken, dass hier noch Visapflicht herrscht, dies kann aber mühelos online erledigt werden (€40-€80 für 60 Tage).

Ansonsten bleibt aufgrund besagten Küstenmangels nur noch das schmutzige Flugzeug. Hier ist die einzige Landegelegenheit der Flughafen Jerewan. Da dieser gerade tagsüber umgebaut wird, kommen die meisten Flugzeuge spät in der Nacht an. Verbindungen gibt es auch nicht übermäßig viele. Direktflüge nach Deutschland gibt es zum Beispiel kaum. Es bietet sich wohl eher, auch aus Kostengründen, ein Flug mit LOT, Czech Airlines oder Ukrainian Airlines an. 

Herumreisen

Obwohl hierzu ja schon einiges gesagt wurde, möchte ich auf dieses Thema noch einmal näher eingehen. Zunächst sei aus meiner Beurteilung Georgiens von vor 2 Jahren folgendes zitiert: 

…infrastrukturell gesehen ist Georgien ein elendiglich nach Luft schnappendes Elend. Eisenbahnen verkehren selten und bedienen nur ein Minimum des Notwendigen. Der öffentliche Nahverkehr leidet unter offensiver Vernachlässigung und die Straßen zehren seit Jahrzehnten von der Substanz.

Dies kann vollumfänglich für Armenien als gültig betrachtet werden. Doch ein paar nennenswerte Unterschiede wären da noch. Da wäre auf jeden Fall die Fahrweise der Armenier. Überraschenderweise unterscheidet sich diese gewaltig von der stets präsenten Selbstmordattitüde des georgischen Fahrstils. Alle Armenier, die uns durch ihr Land steuerten, taten dies unverhofft überlegt und entspannt. Wenn man von den wütenden Tiraden, die jeder Fahrer ab und an dem jeweiligen Unbill entgegenwarf, absehen würde, könnte man sogar von Gelassenheit sprechen. Eine weitere Ungewöhnlichkeit ist die hiesige Häufigkeit an mit Gas betriebenen Autos. Aufgrund der Energiesituation in Armenien erfreut sich Erdgas als Energielieferant fürs Auto großer Beliebtheit. Glaubt man den inoffiziellen Zahlen, könnte der Anteil gasbetriebener Autos in Armenien sogar weltweiter Rekord sein. Relevant für den Reisenden ist das einzig des Umstands wegen, dass im Kofferraum zumeist etwas weniger Platz für den Rucksack eingeplant werden sollte.


Keine Mitfahrgelegenheit wie jede andere – ein schmucker Wolga, aus dem selben Baujahr wie ich.


 

Ansonsten ist es der vertraute, postsowjetische Dreisatz aus Eisenbahn, Marschrutka und Taxis (offiziell wie freischaffend), welcher dafür sorgt dass man munter durch die Gegend transportiert wird. Es versteht sich von selbst, dass man hierfür stets ausreichend Geduld und Gleichmut dabei haben sollte, doch auch wenn es manchmal etwas länger dauern sollte, das Ziel entschädigt in den allermeisten Fällen.

Sprache

Erneut möchte ich den hier bereits erwähnten Georgien-Bericht zitieren:

“Der Kaukasus galt in der Antike als der “Berg der Sprachen”, Strabo spruch einst von nicht weniger als 70 Dolmetschern, die man benötigte um allein am Schwarzen Meer erfolgreich Handel zu betreiben. Derlei Vielfalt, so sie in diesem Ausmaß je bestanden hat, ist zwar längst Vergangenheit, doch die Zahl und Eigenheit der hiesigen Schriften und Sprachen weiß immer noch zu faszinieren. Neben Georgisch werden hier noch 23 Sprachen aus sechs verschiedenen Sprachfamilien gesprochen.”

Nun, mit Armenisch handelt es sich dann unzweifelhaft um eine dieser 23 Sprachen und die hat es in sich. Wenn ich hier schon in aller Form meine Ehrfurcht vor den Geschichte atmenden Schnörkeln Georgiens offenbarte, so handelt es sich bei Armenisch natürlich auch nicht direkt um ein geschichtsarmes, neumodisches Kommunikationsmittel. Natürlich nicht.

Ein Denkmal für Buchstaben – Götzenbilder nach meinem Geschmack!

Abgesehen von ein paar kleineren updates wird Armenisch seit über 1500 Jahren in dieser Form dauernd benutzt. Es handelt sich um eine indogermanische Sprache mit vielen Parallelen zum Griechischen, dessen Buchstaben man auch nutzte bis man Anfang des 5. Jahrhunderts auf die Idee kam sich ein eigenes Alphabet zu schnitzen. Der Gelehrte und Mönch Mesrop Maschtoz schuf in wenigen Jahren (er kreiirte im übrigen auch das georgische Alphabet) etwas auf das die Armenier bis zum heutigen Tage ungemein stolz sind. Denn nicht nur dass das armenische Alphabet damit zu den wenigen Alphabeten weltweit gehört, welches gezielt erfunden wurde, es blieb ihr wichtigstes, vielleicht einziges Instrument um in den folgenden Jahrhunderten gegen alle Widerstände ihre Identität zu bewahren.


Der erste Satz, der in Armenisch aufgeschrieben wurde: “Weisheit zu lernen, Unterweisung erreichen und Verständnis erlangen”

Und so entstand hier eine beindruckende wie einzigartige Liebe zu Buchstaben die man auch im Alltag kaum übersehen kann. Alphabete werden dekorativ an die Wand gehängt, ob in Stein gekerbt, in Stoff gefärbt, auf Leder gemalt oder in Teppiche gewebt – allerorten sind diese sonderbaren Zeichen präsent. Im Dorf Artaschawan, am östlichen Fuß des Berges Aragaz wurde zum 1600jährigen Jubiläum der Schöpfung des armenischen Alphabets ein Steindenkmal der armenischen 39 Buchstaben gebaut. Und auch wenn ich viel zu wenig von Sprachen verstehe um zu begreifen was damit gemeint ist wenn behauptet wird, dass das armenische Alphabet neben dem Georgischen und dem Koreanischen zu den fortschrittlichsten Schriftsprachen der Welt gehöre, so muss ich anmerken, dass ich mit dem diskreten Charme der armenischen Buchstaben deutlich weniger Mühe hatte als mit den gezierten Schnörkeln Georgiens.

Menschen

“Unbestritten das Salz in der Suppe. Abseits jeder Verallgemeinerungen und sonstiger Über-den-Kamm-Schererei kann hier die Aussage getroffen werden, dass zwischen Großem und Kleinem Kaukasus ein ungemein herzlicher Menschenschlag lebt, der sich dabei stets unaufdringlich und galant um die Befindlichkeit seiner Gäste sorgt.”

Es bleibt dabei –  diesbezüglich gibt es schlicht und einfach nichts zu meckern.  

Kulinarik

Leider muss ich gestehen, dass ich ganz im Gegensatz zu meinen sonstigen Gewohnheiten diesen Aspekt dieses Mal etwas stiefmütterlich behandelt habe. Die massive Hitze und der rasche Aufbruch in die Berge sorgten dafür, dass wir erschreckend wenige Kontakte mit der armenischen Küche aufnehmen konnten. Doch die wenigen Berührungspunkte die es gab, ließen in mir den Eindruck entstehen, dass sie armenische Küche schon etwas stärker an die arabische, türkische Küche angelehnt ist als die georgische. Brot (Lawasch) und Lamm werden hier beispielsweise deutlich fanatischer gewürdigt. Doch letztlich ist es ähnlich wie mit dem Essen in Georgien: es mögen traditionelle und mit Liebe zubereitete Gerichte sein, deren bisweilen zungenbrecherische Bezeichnungen man sich verzweifelt zu merken versucht, das Besondere neben all der Liebe und Leidenschaft mit der man hier im Kaukasus den Gaumen verwöhnt, ist die Verarbeitung von frischen und natürlichen Zutaten. Wozu viel Würzen und Zaubern wenn schon eine schlichte Tomate ein Geschmacksfeuerwerk sein kann? Warum nach dem großen Geheimtipp suchen, wenn man allein des Duftes wegen, welcher aus den kleinen Bäckerluken strömt, Mord -und Brotschlag begehen würde. Ihr könnt einfach keine Fehler machen wenn ihr in Armenien esst, dennoch seien ein paar spezielle Gerichte auf die Liste getan, die, so sie euch über den Weg laufen, unbedingt probiert gehören:

  • Chasch (aus Kuhhaxen und manchmal Kutteln hergestellter Eintopf)
  • Harissa (möglicherweise DAS Nationalgericht Armeniens, dem auch in den “Vierzig Tagen des Musa Dagh” eine tragende Rolle zukommt; aromatischer Brei aus Weizen und Hühnerfleisch; nicht zu verwechseln mit der nordafrikanischen Würzpaste gleichen Namens)
  • Matsunapur oder Spas (eine kräftig-pikante Joghurtsuppe aus dem armenischen Joghurt namens Matsun)
  • Gata (beliebtestes armenisches Gebäck, erinnert an Blätterteigkeks mit Füllung)

Und natürlich Wein. Jeder oberflächlich am Kaukasus Interessierte weiß bei diesem Thema um die Allmacht georgischer Deutungshoheit. Wino ist ein georgisches Wort, 500 Rebsorten sind rein endemisch nur in Georgien zu finden, Tamadan, Tanz und Lebensfreude – in dieser Hinsicht lässt sich der Grusinier ungern die Butter vom Chatschapuri nehmen. Und dennoch weiß der Armenier still und beharrlich auf unumstößliche Legenden und Fakten zu verweisen. Die Sache mit der Arche Noah und den demzufolge an den Hängen des Ararat stante pede angelegten Weinhängen schenken wir uns mal lieber. Doch der eingangs erwähnte archäologische Fund des ältesten Weinguts der Welt in Areni spricht eine andere Sprache. Auch wenn Armenien als das Land mit den qualitativ besten Weißweinen der ehemaligen UdSSR gilt, so ist es vor allem bekannt durch seine süßen Dessertweine. Zu erwähnen wären hier die Varianten von  Sherry (Aschtarak, Bjurakan), Madeira (Oschakan), Malaga (Arewschat) und Portwein (Aigeschat). Doch wenn man liest, dass über die Hälfte des angebauten Weins in die Produktion von Branntwein fließt, weiß man wer der wirkliche Star der armenischen Getränkeszene ist – Cognac! Ararat, wie könnte er auch anders heißen, ist wohl der bekannteste Weinbrand der Sowjetunion und zahlreiche Experten (auch nichtarmenische) behaupten, es wäre der beste Cognac der Welt.

Das vielgepriesene armenische Gold.

Neben all den bereits aufgezählten Segnungen mit denen Armenien die Welt beglückte, muss natürlich auch noch eine ganz besondere Frucht gewürdigt werden, die ihren Siegeszug an den Hängen der armenischen Berge begann – der armenische Apfel, prunus armeniaca, die Aprikose! Archäologische Ausgrabungen belegen den Anbau von Aprikosen in Armenien schon im 4. Jhdt. v. Chr. Und so eroberte sich die Aprikose über die Jahre hinweg den Rang als Symbol Armeniens. Zwar ist die Saison kurz, von Juni bis Anfang August, doch in dieser Zeit ist ein gedeckter Tisch ohne frische Aprikosen unvorstellbar. Sie wird zum Frühstück, als Beilage zu Hauptspeisen und als Nachspeise serviert. Doch auch nach der Saison klingt die Erinnerung an die sonnenverwöhnte Frucht nach. Ob getrocknet, als Marmelade oder eben als Holz des nationalen Blasinstruments, des “Duduks”. Es versteht sich daher fast von selbst, dass beim jährlich stattfindenden Filmfest von Jerewan nichts anderes als die “Goldene Aprikose” verliehen wird.

Reiseziele – Armenische Schweiz

Nach derartig massiver einleitender Lobhudelei kommen wir nun zum Kern des Pudels: Was kann man denn so Schönes machen in Armenien? Eine gute Frage, denn obwohl es sich hier um die kleinste Sowjetrepublik handelt, scheint kein Zeitraum angemessen um wirklich alle Wünsche erfüllen zu können. Daher präsentiere ich hier ein paar Vorschläge, was ich machen würde, bzw. was ich bereits erlebt habe und empfehlen kann. Fangen wir an mit einer Wandertour in der Armenischen Schweiz.

Der Dilijan-Nationalpark fiel mir schon bei den ersten Vorbereitungen gefällig ins Auge. Denn der Großteil der Landschaftsaufnahmen von Armenien sah erschreckend baumlos, trocken und karg aus. Nun können derlei Gegenden durchaus gefallen, der freie Blick, die Grenzenlosigkeit des Horizonts und die Nichtigkeit des eigenen Seins können befreiend und erholsam sein. Doch ich bin ein Freund von wilder Vegetation  und Sorglosigkeit um den nächsten Wasserschluck. So rückten die Berge des Dilijan-Nationalparks in den Fokus.

Freundliche Warnung am Wegesrand. Schön es auf diese Weise bestätigt zu haben, dass das auffällige Knirschen der Knie berechtigt zu sein scheint.

Im äußersten Nordosten, in der Tawusch-Provinz gelegen, befindet sich auf 240 qkm eine teilweise unberührte Waldlandschaft, mit etlichen Heilwasserquellen und vielen Klöstern und anderen historisch interessanten Steinhaufen. Wenn man durch die schattigen Buchenwälder und saftigen, lichtdurchfluteten Auen wandelt, fragt man sich zwar schon manchmal warum man hierfür mehrere tausend Kilometer hinter sich bringen musste. Zu sehr erinnert dieses Gebirge in Asien an einen Wanderweg in der böhmischen Schweiz oder ähnlichem. Doch die Höhe der umliegenden Berge (deutlich über 2000m) und die Einsamkeit in der Natur verweisen sanft auf den kleinen Unterschied. Auf der oben erwähnten, offiziellen Seite des Nationalparks finden sich zahlreiche Tourenvorschläge, selbst erwandert kann ich nur folgenden Weg weiterempfehlen:

Von Dilijan zum See Parz und zurück (2 Tage, etwa 40km, ca. 1500 Hm)

Sobald man im Zenrum Dilijans angekommen ist und sich wanderfertig fühlt, gilt es nach diesen Wanderzeichen Ausschau zu halten.

Innerhalb des Dilijan-Nationalparks weisen diese Zeichen den richtigen Weg. Praktischerweise ist das was ich erst für ein Haus hielt, ein Pfeil. Dieser zeigt dann auch gleichermaßen die korrekte Richtung an.

Der Weg schlängelt sich überraschend schnell über eine Hintertreppe aus der Stadt und schon ist man zwar noch in Straßenhörweite aber auch mitten im Wald (Traumzeltplatz für zu spät Eingetroffene!). Nach leichtem Aufstieg in duftendem Nadelwald kehren wir noch kurz zu den Ausläufern der Stadt zurück (letzte Chance für Lebensmitteleinkäufe oder ein kaltes Getränk!) um danach hinaus auf die menschenleeren Weiden und Auen zuzulaufen(wir folgen weiter dem “Transcaucasian Trail” auch wenn der “Skywalk Trail” noch so verlockend klingt). Der Weg zieht sich gemächlich auf eine idyllische Bergwiese die mit 1750Hm auch gleichzeitig den Scheitelpunkt dieser Wanderung darstellt.

Der Höhepunkt der Wanderung: Eine Bergwiese fernab von allem.

Ab hier geht es über sanft in den Berg geträumte Waldwege entspannt hinab zum See Parz. Dieser ist aber, gelinde gesagt, eine kleine Enttäuschung. Nach stundenlangem Wandern in totaler Naturversunkenheit ohne jedwede zivilisatorische Störgeräusche platzt man hier in ein Event-Hotspot der unerwarteten Art rein. Dieser Bergsee ist so natürlich, dass sogar das Baden verboten ist, was angesichts des grünlichen Breis, den man hier traurig gegen den aufgewühlten Strand schwappen sieht, nicht weiter traurig macht. Ich empfehle nach ausreichender innerer Erfrischung durch die hiesigen gastronomischen Segnungen den Weitermarsch die Straße hinauf um dann die Rückwanderung Richtung Dilijan einzuschlagen. Selbstverständlich kann man von hier, sollte man etwas mehr Zeit haben, auch weiter Richtung See Gosh zu ziehen.

Das größte Glück auf dieser Erde, hängt nicht nur dran, an einem Pferde.

Unsere kleinere Route empfiehlt sich eher für ein knapp bemessenes Wochenende. Schlafgelegenheiten finden sich kurz hinter dem Trubel des Sees zuhauf. Besonders empfehlenswert jedoch ist das frisch errichtete Wiederansiedlungsgehege für Maral-Hirsche (nach dem die Straße den Kamm überquert hat, sieht man linkerhand eine Einfahrt, die auf dieses Reservat verweist. Sonst habe ich nirgends im Internet etwas dazu finden können, es existiert aber wirklich!) Hier kann man problemlos eine Nacht in Gesellschaft von friedlich mümmelnden Hirschen und zurückhaltend assistierenden Parkwächtern verbringen.


Unter der Flut an Traumzeltplätzen den besten für die Nacht herauszufinden, gehört zu den größten Stressfaktoren des kultivierten Bergwanderers.

Der zweite Tag ist dann ein sehr entspannter Wald- und Wiesenweg mit reichlich Aussicht auf Berge, Kühe und einen wunderschönen Tag. Bis Dilijan finden sich zahlreiche Zeltplätze mit Wasseranschluss und Lagerfeueranlage.

*Die Entfernungsangaben differieren hier leicht, da Komoot die Streckenkilometer bei dem Teil des Rückwegs, der auf der gleichen Route verläuft, nicht einberechnet.

Sewansee

Und natürlich kann man keine Beschreibung Armeniens absolvieren ohne ein paar Worte zu dessen “blauer Perle” zu verlieren. Fast 1900m hoch gelegen, ist der See mit 1244 qkm einer der größten Hochgebirgsseeen der Welt. Wenn man sich hier aus der Marschrutka schält und voller Juchhee in die türkisen Wellen stürzt, dann hat Armenien auf einmal sogar eine Küste und wäre damit komplett Touri-konform. Doch das hat sich ja gottseidank noch nicht so wirklich rumgesprochen, außer bei den zahlreichen Armeniern, die diesen See wie ein ausgewachsenes Meer nutzen und nach gutem sowjetischen Muster einhegen.

Das armenische Meer

Die eisernen Regeln russischer Strandkultur gelten auch am Sewansee: -jedes Fleckchen gehört mit den schrecklichsten Hits lokaler Popverbrecher beschallt
-die Distanz zu Alkoholquellen darf 50m nie überschreiten -das Auto muss so nah wie möglich dabei sein -es gibt keine Regeln!

— sasza (@muenzenberg_) 27. Juli 2018

Wenn Stadttourismus, dann Jerewan

Denn das kleine Armenien hat eigentlich nur eine Stadt die der Rede wert ist. Daher war die Neugier entsprechend stark und fokusiert auf die “rote Stadt”. Nach mehreren Kaukasusexpeditionen bin ich jedes Mal überzeugter von dieser schwer zu fassenden Region zurückgekehrt, die Städte begeisterten mich aber eher weniger. Zu überquellend, chaotisch und den gefräßigen Maden des Individualverkehrs überlassen, schreckten sie mich zumeist eher ab und ließen das folgende Naturerlebnis in einem nur noch krasseren Kontrast erscheinen. Alles was ich im Vorfeld über Jerewan las, ließ mich jedoch vorsichtig frohlocken, denn unter der feurigen Führung des heute noch in Armenien über alle Maßen verehrten Stararchitekten Alexander Tamanjan wurde die alte, verwinkelte Altstadt (selbstverständlich mal wieder eine der ältesten Städte der Welt, älter als Rom und die 13. Hauptstadt in der wechselvollen Geschichte Armeniens) in den 1920er Jahren anhand der Grundidee eines radialen Ringsystems mit ausgedehnten Parks und Gärten ausgestattet, eine Kombination von Amphitheater und Gartenstadt. Sollte es dann doch eine lebenswerte, entspannte Stadt im Kaukasus geben?

Der Meister bei der Arbeit

Der erste Eindruck war ein äußerst gefälliger. Trotz 43 Grad im Schatten, dreister Begrüßung der standesgemäßen Flughafen-Taxi-Banditen und der üblichen Patina des postsowjetischen Verfalls – es ist eine großzügig angelegte, sehr grüne und sichtbar gepflegte Schönheit aus jeder Menge rotem Tuffstein. Auch auf den zweiten Blick gewinnt Jerewan gegenüber seinen urbanen Kontrahenten im Kaukasus dazu. Zwar ist auch diese Stadt primär für Autos gemacht, doch hier ist der Verkehr irgendwie stressfreier, gelassener. Entspannung verheißende Parks, unverbindlich zublinzelnde Straßencafés und aufreizend duftende Hinterhofrestaurants – dies alles garniert mit herrlich gelassenen Menschen – ich fühlte mich erstmals in einer kaukasischen Großstadt rundum wohl. 

Antwort an Radio Jerewan: Du gefällst mir, nicht nur im Prinzip!

Jerewan – für mich die unangefochtene Nr. 1 der Großstädte des Kaukasus. Ohne Baku gesehen zu haben.

Obwohl, wie allgemein bekannt, für das bestmögliche Aufnehmen des Charakters einer Stadt das vollständige Ablaufen der Sehenswürdigkeiten als eher zweitrangig einzuschätzen ist, hier ein paar Anlaufstationen, die es wert sind, besichtigt zu werden:

  • Zizernakaberd (ein Denkmalkomplex zum Gedenken an die Opfer des Völkermords. Im westlichen Teil Jerewans auf dem gleichnamigen Hügel gelegen, hat man hier auch einen spektakulären Blick auf Stadt wie Ararat)
  • Matenadaran (wer der Sache mit der Besonderheit der armenischen Schrift nachgehen möchte, ist hier genau richtig. 17000 verschiedene seltene Handschriften lagern hier und einige Kostbarkeiten davon sind sogar zu besichtigen. Dieses Weltdokumentenerbe befindet sich in einem Gebäude im neo-armenischen Stil, welches atombombensicher in den Fels gehauen wurde doch heute zunehmend unter Wassereinbrüchen leidet)
  • Mutti Armenien (auch Armenien hat, wie so manch anderer Staat in der Umgebung eine beschwertete Dame die sorgenvoll auf ihrer Kinder und in die Zukunft schaut. Im 36 Meter hohen Sockel befindet sich auf fünf Etagen das Militärmuseum Armeniens.)
  • Festung Erebuni (im 8. Jahrhundert von den urartäischen Königen errichtete Festung im südlichen Teil von Jerewan)

Weitere empfehlenswerte, aber noch nicht erlebte Reiseziele

  • Kloster Etschmiadsin (Residenz des Katholikos und älteste noch aktiver Kirchenbau der Welt) Geghard (Höhlenkloster), Chor Virap (beste Sicht und nächste Lage auf Ararat) und Tatew (auf Felsplateau gelegen, von unüberwindlichen Abgründen umgeben, spektakulär!) und ein gutes Dutzend Klöster von dieser Güte mehr
  • Aragaz (erloschener Schichtvulkan und mit 4090m die höchste Erhebung Armeniens)
  • Areni (erwähnten ich schon einmal, dass der älteste Wein aus Armenien kommt? In Areni kan man sich auf dessen Spur begeben. Wenn man zudem noch Anfang Oktober in Armenien ist, dann nix wie hin, denn dann findet hier nämlich nach und mit der Weinlese das traditionelle Weinfest statt)
  • Geghama-Gebirge (Teil des Armenischen Hochlands westlich des Sewansees. Die Berhheidelandschaft der Hänge bedeck bis auf 3600m ansteigendes Tuff- und Lavagestein)
  • Sangesurkamm 130 km langer Kamm westlich der historischen Region Sangesur im östlichen Armenischen Hochland
  • und noch viele, viele reizende Naturschauspiele mehr. Eine kleine Zusammenfassung, was das kleine Armenien in dieser Hinsicht noch zu bieten hat, ist auf outdooractive.com ganz gut zusammengefasst



Geschrieben vonBerlin, Berlin, Germany.

Kaukasucht

So, Kaukasus, du Mutter aller Gebirge, letzte wahrhaftige Grenze, Keimzelle von zahlreichen Hochkulturen und Heimat von noch zahlreicheren zänkischen Bergvölkern – nun ist es endlich soweit! Obwohl ich mich dir schon mehrere Male mit zaghaften Expeditionen schüchtern annäherte, heute ist der erste Tag einer Reise tief hinein in die Welt meiner innersten Wünsche und Bedürfnisse. Wir haben es gegen alle Widerstände möglich gemacht und sehr viel Zeit zusammengekratzt. Lass nun also die Spiele beginnen und uns gegenseitig begeistern! Meine Erwartungen sind zurecht sehr hoch. Die legendären armenischen Fettschwanzschafe über die Zunge hüpfen lassen, auf knapp 2000m in den größten Kauskasussee springen, knurrig-quietschenden Eisenbahnexzessen frönen, die idyllische Abgeschiedenheit Swanetiens genießen, wieder ein paar der 500 nur hier vorkommenden Weine entdecken, Schaschlyk, Chatschapuri, Tschtscha – oh là là!

“Blaue kaukasische Berge, seid mir gegrüßt! Der ganze Weltschmerz geht zum Teufel, das Herz schlägt und die Brust weitet sich, man ist in dieser Minute wunschlos glücklich.” (M. Lermontow)

Natürlich werde ich versuchen, wie gewohnt, frische Eindrücke möglichst schnell den vertrauenswürdigen Eilboten des Internets zu übergeben. Hier an dieser Stelle aber wahrscheinlich eher weniger, Vivaperipheria sehe ich immer mehr als das massive Flaggschiff meines Meinungsimperiums. Hier ist eher der Raum für abschließende Beurteilungen und ausführliche Empfehlungen. Für die tägliche Dosis Kaukasus empfehle ich in den nächsten Wochen vielmehr Twitter (für die schnell aus der Hüfte geschossenen Beobachtungen) sowie Instagram (für die etlichen, zu erwartenden visuellen Eindrücke eines ausgewiesenen Schnappschussologen). Praktischerweise habe ich beides elegant an beiden Seiten dieses Blogs präsentabel und klickbar hinzugefügt. 

Ratgeber: Wandern und andere Fortbewegungsarten in den ukrainischen Karpaten

Auch wenn meine Euphorie, erstmals in der Ukraine wandern zu dürfen, hier wohl diskret zwischen den Zeilen durchgesickert sein dürfte, für den gemeinen Biodeutschen assoziiert die Ukraine bestenfalls mit Panzerkrieg und Tschernobyl. Aus Gründen wie diesen versuche ich seit einiger Zeit in regelmäßigen Abständen, entdeckenswerte Regionen zu präsentieren und alles Wissenswerte für den Start bereitzulegen (gern darf dies auch immer von anderen Reisenden mit zusätzlichen Informationen ergänzt werden). Eine Region über die es keinerlei Reiseführer gibt, Kartenmaterial nur umständlich zu erhalten ist, eine Weltenecke, welche aus mitteleuropäischer Sicht nicht mal verrufen sondern schlichtweg nicht existent scheint, birgt für eine ausgewogene Beschreibung eine enorme Verantwortung. Denn obwohl Transkarpatien von Berlin aus näher als Paris, scheint es unserer Welt doch so fern und ist daher leicht misszuverstehen. Doch nach nur einer entspannten Nacht auf dem Schienenbett wird dem aufgeschlossenen Reisenden hier eine Lebenswirklichkeit serviert, welche ob ihrer Unverbrauchtheit und Selbstverständlichkeit gleichermaßen fasziniert. Damit dieses jedem interessierten Menschenwesen möglichst problemlos gelingt, hier nun meine Anleitung für diesen vergessenen Gebirgszipfel im Herzen Osteuropas. Denn ich fühle dieses Mal mehr als sonst, dass Aufklärung Not tut um das Naheliegende in der Ferne erkennbar zu machen und die Karpato-Ukraine in das Licht zu rücken, welches sie verdient.

Wer vor soviel Text sich erst einmal visuell überzeugen möchte, dem empfehle ich wärmstens “Transkarpatien in Farbe und bunt”

Karpato-Ukraine, Transkarpatien oder Sakarpatia – was denn nun?

Dort wo die Karpaten die Kurve kriegen, wo sich also dieser wundervolle über 1300 km lange Gebirgszug entscheidet nach Süden gen Transsylvanien abzudriften, dort in etwa liegt jene historische Region die heute unter dem eher prosaischen Titel einer administrativen Verwaltungseinheit, Oblast Transkarpatien (Закарпатська область/Sakarpatska oblast) firmiert. Und hierbei stoßen wir schon auf die erste Merkwürdigkeit. Der Ukrainer schiebt ein “Sa” und der Deutsche ein “Trans” vor die Karpaten um eben jenen Raum zu beschreiben. Aufmerksame, treue Leser erinnern sich vielleicht noch an ein ähnlich gestricktes Problem im Falle von jenem sonderlichen Landstrich namens Transnistrien. Während der Mitteleuropäer mit dem Prefix “trans” suggeriert, dass da etwas “hinter” den Karpaten sei, versteht der Ukrainer mehr von seinen Regionen und weiß, dass diese eher “auf” den Karpaten liegt. Man könnte diese Begriffsverwirrungen hier noch problemlos weiterführen, denn die Geschichte dieses Fleckchen Erdes kennt zahlreiche Besitzer, welche sich im Zuge der Jahrhunderte hier die Herrschaftsklinke aus der Hand rissen und in dessen Gefolge der Benennungswirrwarr erst richtig losging.

Denn diese Gegend hat im 20. Jahrhundert wohl öfter einen Herrschaftswechsel mitmachen dürfen als anderswo auf der Welt. So kursiert die (theoretisch mögliche ) Legende von jener schlohweißen Babuschka, welche in Österreich geboren, in der Tschechoslowakei zu Schule ging, in Ungarn einen Sohn gebar, sich in der Sowjetunion als Näherin durchschlug und nun in der Ukraine ihre magere Rente bekäme. Dies alles ohne je ihr Dorf zu verlassen. Schon auf den ersten Blick (oder besser, angesichts des Kauderwelschs an slawischen Sprachen, was man hier zu hören bekommt) begreift man, dass man sich hier nicht wirklich in der Ukraine befindet. Wie viele Gebirgsregionen in Grenzgebieten hat es das homogenisierende Nationenkonstrukt, welches die jeweilige Hauptstadt entwarf, in den entlegenen Bergtälern der Peripherie meist viel schwerer sich auszubreiten. So auch hier. Wen wundert’s angesichts dieser turbulenten Vorgeschichte. Die knappe Million Menschen die hier lebt teilt sich in ca. 30 Nationalitäten auf. Huzulen, Lemken, Boiken – Nationalitäten, die teils wie aus einem Fantasy-Roman entsprungen klingen. Und so leben sie dort, eingezwängt von abstrakten Grenzen, die von etwas noch Absurderen wie Staaten durch das Gebirge gezogen sind, in der irrigen Annahme diese majestätischen Gipfel, mächtigen Bergkämme und undurchdringliche Wälder trennen zu können. In den versunkenen österreichischen Kronländern Galizien und Bukowina stößt man kurz hinter der Grenze der EU auf ein irritierendes wie betörendes Gemisch von Weltabgeschiedenheit, von Herzen kommender Freundlichkeit, bitterer Armut und einer einfachen Art zu leben, die der Standardeuropäer längst verlernt hat. Doch genug der Vorrede, damit auch ihr bestens vorbereitet euren Ausflug anträumen könnt, stelle ich nach erprobten Modell hier wieder ein kleines Starterpack ins Netz.

Andere Wissensquellen: Wie eingangs schon erwähnt, solltet ihr mit dem Gedanken spielen, euch im Vorfeld eurer Reise mit einem kleinen Büchlein zur Gegend auszustatten – lasst es bleiben! Vertraut mir, es gibt nichts. Selbst, der in Sachen abseitiger Reiseziele hochverehrte “Conrad-Stein-Verlag”, weiß hier mit lupenreiner Nichtigkeit zu überzeugen. Zwei Bücher habe ich dann doch gefunden, die mich bestens einstimmten und welche ich als Reisevorbereitung wärmstens empfehlen kann.

Aus der Zusammenarbeit der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und dem ukrainischen Biosphärenreservat ist ein tolles Buch entstanden (“Naturführer: Urwälder im Zentrum Europas”) welches sich jeder mühelos als PDF herunterladen kann. Hier erhält man nicht nur einen profunden Überblick über die hiesige Flora und Fauna, sondern, wie es sich für einen Naturführer versteht, sind hier auch reichlich Routen- und Wandervorschläge enthalten, die durchaus inspirierend für eigene Touren sein können. Außerdem kann ich Martin Pollacks kleines Büchlein “Galizien. Eine Reise durch die verschwundene Welt Ostgaliziens und der Bukowina” empfehlen. Es vermittelt auf charmante und geistreiche Weise einen Blick durch das Jahrhundert hindurch auf jene Zeit in der diese Gegend zwar ebenfalls bettelarm am Rand eines großen Landes versteckt lag, aber dennoch ein ganz anderer Kulturraum als heute war. Mich ließ dieses Buch über alle Maßen begeistert zurück, es weitet den Horizont aus der Mikroperspektive heraus und lässt mittels nachvollziehbarer Beschreibung der Vergangenheit die Gegenwart besser verstehen. Keine Frage Pollack hat in mir einen neuen Verehrer gewonnen. Von derlei Literatur sollte es definitiv mehr geben.

Die Problematik, an geeignete Karten heranzukommen, erwähnte ich bereits. Es sei hier in aller Form davon abgeraten lässig abzureisen ohne sich in irgendeiner Weise darüber Gedanken gemacht zu haben, wie man an Karten zu kommen gedenkt. Vor Ort sind sie jedenfalls keine normale Handelsware. Selbst übliche Verkaufsstellen wie Nationalparkeingänge, Hotels oder sonstige Hot Spots des Tourismus verfügen hier weder über Karten zur Orientierung wie im übrigen auch nicht über Karten zum verschicken. Diesen Mangel kann man auf zweierlei Weise überwinden: Karten lassen sich per Internet (bspw. bei polenkarten.de) ergattern oder man kauft sie vor Ort in auserlesenen Spezialläden. Verbindliche Sicherheit hat man beispielsweise in Uschgorod (am Ende der Voloschina-Straße in Uschgorod, 48°37’27.1″N 22°17’52.9″E)

Die für mich dieses Mal beste Methode dem Defizit zu begegnen war jedoch ein GPS-fähiges Gerät und gutes Offline-Kartenmaterial. Ich verwendete hierfür ein robustes Smartphone und die App Osmand. Bei der Umsonstversion von Osmand sollte man sich nicht von der Begrenzung an Offlinekarten erschrecken lassen, diese sind problemlos erweiterbar bis die Speicherkarte platzt. Die jeweiligen Karten sind hier runterladbar. Allerdings braucht man für eine Reise nach Transkarpatien ja auch wieder nicht allzu viele Karten. Für Route und aktuelle Tipps zum Wandern in Transkarpatien kann ich voller Ehrerbietung und Dank das Projekt eldp8.de von Rolf Gerstendorf empfehlen. Obzwar diese Seite im eigentlichen Sinne dem Europafernwanderweg E8 gewidmet ist, erhält man hier bislang die aktuellsten und wertvollsten Informationen für eine Wanderung in Transkarpatien, so man beschlossen hat auf der Route des E8 zu wandern. Dies so sei aber angeraten, ist für den Anfang eine durchaus sinnvolle Einstiegsdoroga!

An- und Einreise: Die Frage nach dem “Wie-komm-ich-hin?” ist in meinen Augen nur schienbar eine offene Frage. Selbstverständlich stehen Flugzeug und Auto zur Debatte, doch aus Gründen innerer Überzeugung sowie auch ganz simpel aufgrund fehlender eigener Erfahrung werde ich mich im folgenden ausschließlich über den Schienenweg auslassen.

Überblick der Gemengelage. In zarten braun gehalten sind die einzelnen Gebirgsketten, die die Region so anzeiehnd machen.

Das klassische Tor in die Berge Transkarpatiens ist Uschgorod. Von hier aus ist sind alle in Frage kommenden Ausgangspunkte für die jeweilige Bergwanderung mühelos erreichbar. Zwei Möglichkeiten, Uschgorod zu erreichen:

  • mit dem Nachtzug Prag-Kiew erreicht man Chop (danach Anschluss nach Uschgorod)
  • mit dem EC nach Budapest und von dort mit der ungarischen Bahn bis Záhony, dann über die Grenze nach Chop gefahren (danach Anschluss nach Uschgorod)

Von Berlin aus gerechnet, kommt man also in deutlich weniger als 24 Stunden und ohne nervige Umsteigerei in die ukrainischen Berge. Die Preislage sieht, so man ein paar Wochen vorher ordert in etwa so aus (Stand: August 2017): Berlin-Prag €30; Praha-Chop ca. €50 im Liegewagen;  insgesamt also €80/ Berlin-Budapest €40, Budapest(Nyugati)-Záhony ca. €20; insgesamt also etwas über €60 dafür aber einmal mehr umsteigen und weniger tschechoslowakischer Bahngenuss.

Die Alternativroute für alle die den Berghunger möglicherweise noch mit einen kleinen urbanen  Aperitif ergänzen möchten: Die Anfahrt über die unbekannte Schönheit Lemberg/Lwów/Lwiw. Von hier erreicht man ebenso alle bergigen Ausgangsorte in Transkarpatien, dauert halt nur etwas länger, was sich aber im gemütlichen Sowjetwaggon bestens ertragen lässt. Die Anreise erfolgt hier idealerweise über Polen, wobei es auch durchgehende Züge von Bratislawa, Budpest oder Wien gibt. Die sichere, unkomplizierte Planung wird einem hier durch die verquaste polnische Buchungspraxis verdorben. Polnische Einenbahntickets lassen sich immer noch nicht online erwerben. Wer also nicht den Luxus hat, nah an einem internationalen polnischen Schalter zu leben (von Berlin aus bspw. Kostrzyn), dem empfehle ich folgendes: entweder von Görlitz oder von Küstrin bis Wrocław, von hier nach Przemyśl an die polnisch-ukrainische Grenze. Hier wirft die marode Madame PKP dann einen Zug pro Tag nach Lemberg ins Rennen (14:26), aber von hier aus sollte es auch reichlich Mitfahrgelegenheiten und Busse geben. Wenn man es irgendwie schafft, vorher in Polen zu sein, kann man auch den durchgehenden Zug mittels Liege- oder Schlafwagen buchen. Es fährt ein Zug abends und einer morgens nach Lemberg (Ein Liegewagenplatz für die gesamte Strecke kostet ca. €60)

Als entspannten Geheimtipp zur Einreise kann ich auch noch die von uns absolvierte Route empfehlen. Hierbei reist man, statt von Prag nach Chop, nach Humenné (Berlin-Prag €30; Praha-Humenné ca. €25 im Liegewagen), dann weiter mit dem Bus (€2,85) bis Ubl’a, dem letzten slowakischen Ort vor der Grenze. Von hier aus kommt man über einen sehr entspannten, neu eingerichteten Grenzübergang nach Transkarpatien. Wenig Autoverkehr und Grenzer, die mit westlichem Wandersvolk Erfahrung haben da hier beispielsweise der “East-Carpathian-Greenway” entlangführt.

Herumreisen: Das Fortbewegen in Transkarpatien mag für den Osteuropaneuling durchaus einige Herausforderungen bereithalten. Diese vernachlässigte Peripherie eines nicht minder vernachlässigten Landes bietet neben den ererbten Obskuritäten sowjetischer Transportkultur ein erschreckendes Bild des Verfalls in jeglicher Hinsicht. Ob Bahn oder Straße – Fortbewegung folgt hier anderen Prämissen als im Goldenen Westen.

Eisenbahn – einstmals das souveräne Verkehrsmittel des Volkes, fristet es nun ein erbärmliches Schattendasein am Rande der Gesellschaft. Zwar sind die Züge voll und werden gern genutzt, doch die alten sowjetischen Modelle krauchen alterschwach auf wackeligen Gleisbett dahin, ihre Frequenz ist eigentlich nicht der Rede wert und wird höchstwahrscheinlich nur von extrem langfristigen Planern und Zugconnaiseuren genutzt.

Auf der ehemaligen Magistrale Lemberg-Wien verkehren aktuell nur noch drei Züge täglich. Vielleicht einer meiner traurigsten Momente in drei Wochen Ukraine.

Dabei ist sie weiterhin die preiswerteste Art zu reisen, doch ihre Nutzung will gekonnt sein. Da das beliebte Nahverkehrsmodell der Elekritschka offenbar aus dem Verkehr gezogen wurde, kann nur noch mit den wenigen überregionalen Zügen gereist werden. Hierbei gilt einerseits, dass das Ansinnen heute zu kommen um für heute eine Verbindung zu buchen eher ungewöhnlich ist und in der Ferienzeit sich auch als dementsprechend schwierig gestalten kann. Daher, so es möglich ist, gerne ein paar Tage vorher Tickets kaufen. Für den Ticketkauf reserviere man sich auch reichlich Zeit. Zumeist gibt es einen Schalter und das Ritual des Kaufs bedeutet, dass jede Kundenaktion deutlich mehr Zeit benötigt als man vermuten würde. Denn der Kauf eines Tickets ist sehr persönlich, sprich die Daten eines jeden Reisenden müssen eingetragen, diverse andere Fragen geklärt werden. Der gesamte Prozess wird von derartig viel unnötigen Ballast abgebremst, dass man hier eigentlich nicht genug Zeit einplanen kann. Aber es lohnt sich.

Und wenn die letzte Bohle verrottet ist, der letzte Zug auf der letzten Lok pfeift und die letzte Weiche falsch gestellt ist – werdet ihr immer noch nicht begreifen, dass die beste Art des Reisens verloren ist.

Für absolute Beginner hier nur kurz ein paar Dinge. Ähnlich einem europäischen Schlafwagen werdet ihr am Eingang eures Waggons von eurem Schaffner in Empfang genommen. Er behält für den Rest der Reise eure Tickets, versorgt euch mit Bettwäsche und auf Wunsch mit Tee und Snacks. Zwei Klassen stehen zur Verfügung: Kupe und Patskartni. Während erstere unseren Liegewagen gleicht, also einem soliden 6er-Abteil, handelt es sich bei letzterem um so etwas wie einen Schlafwagen ohne Abteile und dem verstörenden Begleitumstand, dass auch im Gang noch zwei Betten pro “Abteil” rangeklemmt sind. Was jetzt merkwürdig klingt, ist eine überaus annehmbare Art zu reisen und wie ihr hier eure Betten zusammenbaut, findet ihr schon alleine raus.

Bus – Man sollte nun annehmen, dass der übliche Zerfall des Schienenverkehrs zumindest dem Busgewerbe zum üblichen kurzfristigen Goldrausch verhelfen würde. Doch dies kann nur in  begrenzten Maße behauptet werden. Zwar liegt die Taktfrequenz hier deutlich höher (alles andere wäre auch gleichbedeutend mit der kompletten Einstellung des Verkehrs gewesen), doch pfeift auch hier die gesamte Struktur auf dem letzten Loch. Der gesamte Fuhrpark wie ein großer Teil der Straßen sind in jämmerlichen Zustand. Das gesamte System des öffentlichen Nahverkehrs jenseits der Schiene macht einen unorganisierten, chaotischen Eindruck. Busverbindungen existieren zwar, doch Zeit, Dauer und Zuverlässigkeit stehen auf einem anderen Blatt. Nichtsdestotrotz gehören Busse zum unverzichtbaren Fortbewegungsmittel und wenn allein nur um erleichtert aussteigen zu können und sich hiernach noch mehr auf die unberührte Natur und die Gnade des Selberlaufendürfens zu freuen.

Alles was sich bewegt, kann dein Taxi sein. Öffentlicher Nahverkehr in Bauernhand.

Mitfahrgelegenheiten – Doch nichts wird so traurig gegessen wie es wahrgenommen wird, oder wie lautet diese Lebensweisheit noch gleich? Wenn man sich also immer weniger auf, vom Staat oder freien Unternehmertum ausgehende Methoden der Fortbewegung verlassen kann, so springt hierzulande die aus der Not und der Wendigkeit der Menschen geborene Bereitschaft ein, um Menschen von A nach B zu befördern. Selten bin ich auf einer Reise von dieser Kürze mit solcher Selbstverständlichkeit mit einer vergleichbaren Zahl an unterschiedlichen Transportvarianten mitgenommen wurden. Die miserable Qualität der Straßen begünstigt zweifelsohne jene Modelle, welche durch eine gewisse Robust- und Grobheit zu überzeugen wissen. Ob mit den mächtigen, wie aus einem Stahlquader geschnitzten Lastern ZIL oder URAL, den anscheinend allmächtigen Kleintransportern UAZ oder auch mal ganz schlicht im bergfest zurechtgerüttelten PKW. Die Vielfalt der Möglichkeiten ist schier grenzenlos und wird nur von der Bereitschaft zur Mitnahme übertroffen.

Der kleine Grüne, ein gern gesehener Untersatz auf dem Weg in die Berge.

Fahrradfahren – Hierüber kann ich leider nicht aus der eigenen Erfahrung schöpfen, auch wenn ich als passionierter Fernradfahrer die Lage hier als eher suboptimal, allein der Straßen wegen, einschätzen würde. Das Netz verrät jedoch, dass es einige gewagt haben und ihre Berichte klingen nicht so übel wie ich es mir vorgestellt hätte.

Wandern – kommen wir nun zu der Fortbewegungsart wegen der alle vorgenannten eigentlich nur erwähnt wurden – der Urgroßmutter aller Bewegung – dem eigenständigen Laufen. Bzw. ihrer gestählten Cousine, dem Wandern mit Rucksack, also eher die Kategorie zivilisationsausblendender Parkspaziergang. Doch auch wenn man dem nichts abgewinnen kann und eher dem federleichten Tagesausflug zuneigt, auch dies ist problemlos möglich. Vorausgesetzt man hat die Navigationsfrage (s. Andere Wissensquellen) irgendwie für sich gelöst, steht dem selbstbestimmten Gang in die Berge Transkarpatiens nichts mehr im Wege. Natürlich sind die Wanderwege unterschiedlich gut markiert, in unserem Fall spürten wir zum Beispiel deutlich wie die Qualität Richtung Osten, also hin zu den Filetstückchen der Region, deutlich zunahm. Oftmals leiden die Wanderwege unter jenem, auch aus anderen Gegenden bekannten Syndrom, dass sie dort wo ihr Verlauf offensichtlich ist, überdeutlich markiert sind, dagegen an heiklen und unübersichtlichen Stellen durch Abwesenheit glänzen. Als Merkspruch mag gelten, möglichst konzentriert bei Auf- und Abstieg zu sein, auf den baumlosen Hochwiesen der Karpatenkämme ist der Weg der nächsten Tage meist auch ohne Wanderzeichen ersichtlich. Ich kann an dieser Stelle nur nochmals auf GPS-fähige Geräte verweisen. Wahrscheinlich gänge es auch ohne, doch es hat mit Sicherheit viel unnötiges Suchen und zurücklaufen erspart.

Kammwegweiser mit Weg im Hintergrund.

Sprache: Eines sei gleich vorweggenommen: Auch wenn die Reiseratschläge zur Region, wie erwähnt äußerst mager ausfallen, ein Tipp wiederholt sich meist in steter Penetranz – ohne Russisch- oder Ukrainischkenntnisse sei man hier komplett aufgeschmissen. Nun, was soll ich sagen?! Da ist was dran. Allein die Unkenntnis der kyrillischen Buchstaben würde einiges erschweren. Und lasst jegliche Hoffnung hinsichtlich der üblichen Sprachstützräder fahren – hier in den Bergen spricht man nicht in derlei exotischen Zungen wie Englisch oder Französisch. Jedoch möchte ich ergänzen, zumindest in dieser hier besprochenen Grenzregion ist man gut dabei so man wenigstens eine slawische Sprache halbwegs beherrscht. Die eingangs schon erwähnte wechselhafte Geschichte Transkarpatiens erzeugte eine Bevölkerung, welche sich größtenteils nicht als Ukrainer empfindet und förmlich zwischen den Sprachen zu schwimmen scheint. Und so genießt jedenfalls ein osteuropäisch geschultes Ohr hier Gespräche, die sich schwer einordnen lassen und unablässig zwischen den Sprachen springen. Versucht man ein Gespräch nun auf Russisch zu führen wird dies ohne Murren akzeptiert, doch schon nach kurzer Zeit entschwindet der Gesprächspartner zumeist in sein panslawisches Kauderwelsch. Ähnliches geschieht wenn man ein Gespräch auf Polnisch beginnt.

Kolotschawa, ein Dorf im Rajon Mischhirija in der Oblast Transkarpatien – mitten im Herzen der Tschechoslowakei

Bliebe abzuwarten was bei einem tschechischen Gesprächsstart geschehen würde, denn dies ist mit Abstand die hiesige lingua franca. Tschechisch? Ja, richtig gelesen. Der kurze Abschnitt in der Geschichte Transkarpatiens (1919-1938) in der man tatsächlich zur Tschechoslowakei gehörte sowie ein reges Interesse von tschechischer Seite nach der Wende (touristisch erlebend wie auch Tourismus-Infrastruktur aktiv aufbauend) führten offensichtlich dazu, dass diese von allen anderen vergessene Ecke einzig über die Tschechoslowakei eine zarte Verbindung in die große, weite Welt aufbauen konnte. Dieser überraschende Einfluss treibt dabei solch entzückende Blüten wie der Begleiterscheinung, dass man in manchen Karpatendörfern von Kindern mit einem flötenden “Achoj” begrüßt wird. Ein bezauberndes Erlebnis, als ob die russischen Cousins des kleinen Maulwurfs aus den Vorgärten springen würden.

Menschen: Es sollte aus dem zuvor Geschriebenen schon leicht hervorgequollen sein, dass der hiesige Menschenschlag ein durchaus netter ist. Selten habe ich auf Reisen dieser Länge das völlige Ausbleiben von unangenehmen Momenten oder kleineren Problemchen erlebt. Wir müssen hier definitiv Glück gehabt haben, denn ich bin ein fester Anhänger der These von einer universellen Idiotenquote überall auf diesem Planeten. Doch andererseits spricht es auf jeden Fall für die Menschen hier, denn an anderen Flecken der Erde fallen einem besagte Idioten zumindest schneller auf.  Es sind herzliche und freundliche Menschen. Menschen die aufgeschlossen und interessiert sind, ohne aufdringlich zu sein. Ein wenig schimmert bisweilen auch eine gewisse weltabgeschiedene Naivität durch, welche jedoch ohne Dünkel und Angst daherkommt, sondern sich stets entspannt auf den Fremden einlässt.

Passt diese kleine Gruppe netter Bergtouristen in das mit Kram bis zur Decke vollgestopfte Auto im Hintergrund? Den gemeinen Waldkarpaten regt dabei allein schon die Frage auf.

Bei allem Lob sei an dieser Stelle aber auch angedeutet, dass der weibliche Reisende in Nuancen anders behandelt wird als sein männliches Pendant. Dies hat vielleicht mehr Ursachen in der ländlichen Prägung der Region als in der kulturellen Ausrichtung Transkarpatiens. Dennoch bemerkt man schnell an kleinen Gesten und Ausrichtung der Gesprächsführung, dass die selbstständig agierende und selbstbewusst auftretende Frau hierzulande gewöhnungsbedürftig ist. Schlussendlich vermag aber auch diese kleine Schieflage den positiven Gesamteindruck nicht übermäßig zu mindern, da selbst dies mit Respekt und Charme einhergeht.

Übernachten: Überfliegt man vor Reiseantritt scherzeshalber die Übernachtungsmöglichkeiten, welche das Internet in Transkarpatien feilbietet, so streichelt man einmal mehr beruhigt sein Zelt. Außerhalb der größeren Städte, so scheint es, gibt es kaum Unterkünfte, das Prinzip organisierter Zeltplatz ist gänzlich unbekannt und die Kosten differieren zwischen absurd bis unbekannt. Die Wirklichkeit sieht einmal mehr ganz anders aus. Die allwissende Krake Google ist beruhigenderweise unfassbar schlecht informiert über Transkarpatien. Ob Restaurants mit vermietbaren Gästezimmern, spontan aufblühenden Appartements, die aus einem Gespräch in einer Kneipe entstehen können oder die schlichte Berghütte mit feinstem Quellwasser und sauberen Plumpsklo – all dies und noch viel mehr ist möglich zwischen Usch und Theiß. Sprich: Auch wenn es sich hier um eine vergessene Gebirgsecke handelt, Touristen sind hier keine unbekannte Größe. Da es sich hier um den gebirgigsten Teil der Ukraine handelt, war Wander- und Wintersporttourismus schon zu sowjetischen Zeiten üblich. Gewisse Reste hiervon haben sich gehalten, neue Anfänge zeigen sich zaghaft – kurz, in allen von uns besuchten Siedlungen hätten wir problemlos unterkommen können. Die, in denen wir schliefen, waren ausnahmslos sauber, stilvoll eingerichtet und äußerst preiswert (ein Durchschnittspreis den wir mehrfach präsentiert bekamen war 500 Hriwna/ca. €17 für 4 Personen). Eins stimmte aber tatsächlich, den Campingplatz wie er uns bekannt ist, fanden wir in der uns beschiedenen Zeit tatsächlich nicht.

Unterkunft nach Maß

Und warum auch? Überall in den Bergen ist zelten möglich. Teilweise sogar unter luxuriösesten Umständen. In den prominenteren Gebirgen wie Tschornohora oder Borschawa gibt es an den traumhaftesten Flecken ausgewiesene Biwakstellen meist mit eigener Quelle und Feuerstelle. Was will man mehr? All die, aus Mittel bis Ostmitteleuropa bekannten Sorgen hinsichtlich der Unbedenklichkeit von Wildzelten, Feuermachen und dergleichen mehr zerschlagen sich hier binnen kürzester Zeit wie ein schlechter Traum. Unbeschwertes Leben in freier Natur? Hier ist es noch ohne jedwede Haken möglich.

Hunde: Wie immer auch eine kurze Kritik zum Thema Hunde auf Reisen. Auch hier kann nur Bestes berichtet werden. Wir erlebten nicht ein einziges Mal eine Einschränkung durch unseren Hund, Unterkünfte, Restaurants, Bus, ohne Leine laufen in der Stadt – alles keinerlei Problem. Die Menschen begegnen Hunden allgemein freundlich und ohne Ängste. Streuner im klassischen Sinne sieht man so gut wie gar nicht. Für die Eisenbahn sollte man ein Ticket für den Hund kaufen, auch wenn uns das Reglement hier ein wenig willkürlich erschien, mitkommen tut man immer. In den Bergen versteht es sich von selbst, dass Besitzer von Rüden etwas achtsamer sein sollten. Wenn das zarte Gebimmel der Schafherden erklingt, ist deren hündisches Bewachungspersonal nicht mehr weit. Diese streifen in riesigen Radien um ihre Herde herum und nähern sich neugierig auch eventuellen Wanderern. Menschen gegenüber sind sie überaus respektvoll und furchtsam, doch die Erfahrung weiß, dass ein mitgebrachter Rüde die Situation hier unter Umständen verschärfen kann.

Manchmal sind die uneingeladenen Gäste die Besten

Kulinarik: Wenn die Originalität der ukrainischen Küche in der Reisegruppe auch heiß diskutiert wurde, so war eines über alle Zweifel erhaben – die Qualität der Zutaten! Ähnlich wie bei unseren georgischen Erlebnissen ist es immer wieder spektakulär, wie eine gewöhnliche Tomate die Zunge zum tanzen bringen kann. Es wäre müßig an dieser Stelle über die Entstehung von Lebensmitteln und das Verschwinden des Geschmacks zu referieren (bzw. ich verweise auf eine hier erschienene Buchbesprechung), halten wir daher einfach fest: Warum und wie auch immer, alles hier hat Geschmack, Konsistenz und Gehalt! Und noch eines sei vorweg gesagt: Abgesehen von Geschmack und Gehalt der angebotenen Speisen und Getränke fiel mir immer wieder auf inwiefern die Menschen hier eine ausgeprägten Detailversessenheit hinsichtlich der Originalität ihres Interieurs pflegen. Plastikgeschirr oder  0815-Möbel sind in Transkarpatien schwerlich vorstellbar. Selbst der kleinste Imbiss in der tiefsten Provinz hat sein eigenes individuelles Geschirr und mehrere stilvolle Ideen bei der Inneneinrichtung seines Lokals im Angebot. Nicht zuletzt sei die liebevoll in Szene gesetzten Kolybas erwähnt, jene urig eingerichteten Holzhäuser mit offenen Feuerstellen, welche nach kleineren touristischen Anpassungen an die frühere Verwendung nun mehrheitlich für ein meist verdammt gutes Restaurant stehen, in dem die typischen Gerichte der hiesigen Berge gereicht werden. Dem einen oder anderen mögen diese oberflächlichen Fragen des Speisens nebensächlich erscheinen, ich bin von einer derart ausgeprägten Vielfalt jedoch zutiefst angetan, insbesondere hinsichtlich der klaffenden Gegensätze, die sich in den meisten Nachbarländern diesbezüglich offenbaren.

Die Küche selbst ist ganz klar, wen mag es überraschen, slawisch geprägt. Wobei auch hier die Gebirge und Grenzen Faktoren sind, die die Küche Transkarpatiens noch einmal einen besonderen Stempel aufdrücken.

So ist die dominierende Suppe in den meisten Lokalitäten beispielsweise Bogratsch (nach dem ungarischen Wort Bogrács, das traditionelle Wort für den deckellosen Kochkessel in dem Gulasch zubereitet wird). Bogratsch ist dabei ein Wort für einen Eintopf für den wahrscheinlich deutlich mehr Rezepte existieren als Transkarpatien Einwohner hat. Einzige Konstanten waren: er wird heiß serviert und schmeckt hervorragend.

Eine von Abermillionen Bogratsch-Versionen im Entstehungsprozess. Nur echt wenn über dem offenen Feuer gekocht.

Eine weitere große Säule der transkarpatischen Küche ist wiederum ein treuer Gefährte aus rumänischen Wandertagen. Polenta, hier Banosch genannt, gibt es in zahlreichen Variationen als Brei, Kloß oder frittiert, ergänzt mit würzigen Bryndza (gesalzener Schafskäse), knusprigen Speck oder Gemüse.

Und dann natürlich die ganze Palette an diversen Mehlspeisen, welche in gewissen Abstufungen und Abschleifungen von der Oder bis zum Amur in den Töpfen brodelt und in den Pfannen brutzelt. Wareniki, Pelmeni, Tschebureki oder Pyrohy und die ganze Teigtaschenschar. Immer ein wohliger Genuss und nie eine schlechte Wahl.

Selbstverständlich ist auch Fleisch ein treuer und unverzichtbarer Bestandteil der transkarpatischen Küche. Auf den ersten Blick fällt zunächst der elementare Steuerknüppel sowjetischer Fleischkultur ins Auge: Schaschliki! Hier gilt zweifellos die Eingangsthese, natürlich ist so ein Schaschlik das denkbar einfachste Fleischgericht und ähnlich wie das Rad schwerlich neuzuerfinden, doch edle Zutaten sind bei einfachen Gerichten stets der Schlüssel. Und hiermit wurden die Spieße bei all unseren Kostproben immer reichlich bestückt und ließen uns entzückt zurück.

Neben diversen anderen Fleischgerichten, die hier nicht einzeln erwähnt werden können um einem Solokünstler Platz einzuräumen, der ihm ohne jeden Zweifel zusteht: Speck, bzw. Salo wie der Ukrainer es ausspricht. Speck hat es in unseren Breiten nicht gerade leicht. Dieses erlesene Schweineprodukt, welches in seinem reinen Wesen nichts anderes als Fett ist, befindet sich in Zeiten gesundheitsbewusster Ernährungskreuzzüge selbstverständlich in verlustreichen Rückzugsgefechten. Dies ist jenseits des Bug, wie so vieles noch anders. Salo hat auch in Russland und Belarus zahlreiche Gefolgsleute, doch in der Ukraine scheint er wie die Flagge oder das Wappen ein regelrechtes Nationalsymbol zu sein. Vielleicht, so könnte man ketzern, ist dieser fettige Leckerbissen so gar einer der stärksten verheinheitlichenden Artefakte des frisch konstruierten nationalen Konstrukts namens Ukraine. Und den besten Speck der Ukraine bekommt man dann wohl in der Westukraine, genauer in Transkarpatien. Wir befinden uns hier also im Epizentrum des Salo-Kults.

Salo – ein Wort so zart wie die Versuchung, so knusprig wie die Sünde und so aromatisch wie das Leben.

Dieser Speck besteht immer aus dem Rückenfett des Schweins. Am ehesten erinnert er vielleicht an den italienischen Lardo. Traditionell ist der ukrainische Speck mittel gesalzen, fest, mit Kümmel und Knoblauch gewürzt. Natürlich gibt es hier aber auch etliche andere Varianten des Salzens und Würzens: Es gibt den Speck mit Paprika, mit Sesam, mit bulgarischen Pfeffer und mit tausend anderen Gewürzen. Geräuchert wird er aber immer. Speck in seinen verschiedenen Variationen wird dann gern als Vorspeise auf saftigen, dunklen Roggenbrot, mit Knoblauch, Zwiebeln, Gurken und natürlich Wodka serviert und, vertraut mit Vegetarier aller Länder, alles Vorhergesagte mag großartig klingen, aber allein der Speck ist schon Grund genug, nach Transkarpatien zu reisen.

Die heilige Dreifaltigkeit der Getränke kann mit Kwas, Bier und Horylka recht umfassend beschrieben werden. Der Kwas, der alkoholfreie Brottrunk-Klassiker ist zumeist vom Fass in den unterschiedlichsten Varianten, von zuckersüß bis säuerlich-trüb zu haben. Jeder sollte ihn mal probieren und nicht nur einmal, denn die Geschmacksrichtungen können hier von Kneipe zu Kneipe schon enorm voneinander abweichen.

Das ukrainische Bier gehört zu den besten des slawischen Kontinents. Diese Erkenntnis überraschte uns schon bei unserem ersten Ukraine-Ausflug. Obolon, der allgegenwärtige Marktführer muss sich mit seinem Pils wie auch seinem Weizen nicht verstecken. Die meisten anderen Biere in der Ukraine sind definitiv auf Augenhöhe mit ihren Industriebier-Pendants in Mitteleuropa. Die größte Überraschung für mich war aber die Fassbiervariante von Schigulewskoje. Unter diesem Namen bekommt man in den ehemaligen GUS-Staaten zumeist irgendein Getränk was deutlich an seine eigentliche Funktion als Wodka-Spülmittel gemahnt. Die ukrainische Variante von Schigulewskoje dagegen befindet sich nicht nur auf Augenhöhe mit den Brauerzeugnissen Mitteleuropas, nein, ich möchte hier sogar todesmutig behaupten, dass sich diese Bier mit den böhmischen Delikatessen messen kann. Desweiteren haben wir auch hier in jenem verstaubten Winkel Europas die zarten Keime eine Microbrewer-Kultur ausmachen können. In Rachiw gibt es ein überraschte uns beispielsweise mitten in der Provinz ein ausgezeichnetes Craftbeer-Lokal und in Lemberg kamen wir aus dem staunenden Kosten gar nicht mehr raus.

Horylka, die ukrainische Variante des Wodkas (abgeleitet vom ukrainischen Wort für “brennen”) ist ein unausweichliches Erlebnis einer Transkarpatienreise. Ähnlich der polnischen Umgangsweise mit Hochprozentigen gibt es auch in der Ukraine eine unglaubliche Vielfalt an Sorten, viele davon aromatisiert mit Beeren, Honig oder – am bekanntesten – mit Pfeffer (der sogenannte “Pertsovka”, hier ein Vorschlag wie man ihn zu Hause herstellen kann). Dem unachtsamen Beobachter der Wodkaszene mag die ukrainische Qualität zunächst nicht viel sagen. Zu stark stehen die Wodka-Platzhirsche Polen und Russland beisammen und versperren hier etwas die freie Sicht auf durchaus originelle und schmackhafte Schnäpse. Probiert euch durch und seid für interessante Geschmackserlebnisse bereit. Aber nie pur, immer, wie euch jeder verantwortungsvoller Wodkaspender erinnern wird, mit der heiligen Allianz aus Schwarzbrot, Speck und Gurke.

Schöne Orte (selbst besehen)

Lwiw/Lwów/Lemberg – es mag sonderbar erscheinen, dass angesichts der Natur- und Wanderausprägung unserer Reise, hier mit einer Stadt eröffnet wird, doch diese Stadt hat sich diese Stellung zweifellos verdient. Lange habe ich von dieser Stadt geträumt. Neben Kiew und Odessa vermochte nur Lemberg unter den ukrainischen Städten ähnliches in mir auszulösen. Dabei wurden in meiner Klaviatur der Erwartungen hier verschiedenste Tasten berührt. Lemberg als jüdisches Zentrum Europas, als alte polnische Universitätsstadt oder als legerer Endbahnhof des kakanischen Imperiums. Und das war nur der Anfang einer unüberschaubaren Assoziationsswolke die vor mir aufploppte sobald ich an die alte Hauptstadt Galiziens dachte. Und bei all den hoch aufgetürmten Erwartungen kann ich nach mickrigen zwei Tagen Stadturlaub nur sagen: Es ist alles noch viel besser als erhofft!

So einzigartig und lobhudelnswert die galizische Königin auch ist, die Imagekampagne ließ mich doch etwas zweifelnd zurück.

Das Zentrum der 728.000-Einwohnerstadt ist von den Zerstörungen des 2. Weltkriegs vergleichsweise unberührt geblieben. Somit handelt es sich bei Lemberg um eine der wenigen osteuropäischen Städte, welche noch ein nahezu unversehrtes wie authentisches Stadtbild einer slawischen Großstadt der Vergangenheit heraufbeschwören kann. Dazu befindet sich Lemberg in einem, jedenfalls mir gefallenden Dämmerzustand zwischen Verfall und Auferstehung. Vieles macht einen maroden und kaputten Eindruck, kann aber problemlos neben neuen Lokalen oder sanierten Häusern koexistieren ohne einen Eindruck von Stilbruch und Planlosigkeit zu erzeugen. Lemberg gehört ohne jeden Zweifel in jene Kategorie von Städten, in denen ich schon nach dem ersten Flanieren gleichzeitig juchzen wie heulen möchte. Die pralle Dichte an Geschichte, Kultur, Gastronomie, Sehenswürdigkeiten und Menschen, welche mich hier interessiert, entzückt wie überfordert mich gleichzeitig. Drum wisse, geschätzter Nachreisender, wenn du Lemberg als Zwischenstation wählen solltest, wisse um die Reisezeit verschlingende Allmacht dieser unauffälligen galizischen Schönheit.

Tschornohora/Swydiwets – Auch wenn wir bei weitem nicht alles gesehen haben von den verschiedenen Gebirgen der ukrainischen Karpaten, die beiden oben genannten Gebirgszüge gehören wohl unumstritten zu den Sahnehäubchen im Angebot. Der hervorstechendste Charakterzug der die hiesigen Berge auszeichnet, sind jene im slawischen Raum unter der Bezeichnung “Polonina” (Bergwiesen oder Almen). Endlos erscheinende Wiesen, die sich auf einem mählich emporsteigenden Kamm vor dem Auge ausbreiten und die meisten Wandererherzen höher schlagen lassen. Wem das lebensfeindliche, alpine Gedöns nichts mehr ist, wer aber auch nicht ständig durch bewaldete Mittelgebirge stapfen will, der ist hier genau richtig. Bei gutem Wetter kann man hier tagelang ohne Zivilisationskontakt den Weg und das Dasein genießen. Beide Gebirgszüge lassen sich entspannt miteinander zu einer Wanderung verbinden (natürlich muss man zwischendurch wieder hinunter und hinauf!) Wasser ist für den aufmerksamen Pfadfinder selbst im Hochsommer kein Problem. Verpflegung sollte dagegen ausreichend dabei sein. Beide Gebirgszüge verfügen auf Kammhöhe über keinerlei Möglichkeit zum Lebensmittelerwerb.

Schöne Orte (noch unbesehen)

Mukatschewo – Neben dem administrativen Zentrum Transkarpatiens, Uschgorod, ist Mukatschewo so etwas wie das inoffizielle Zentrum und bester Ausgangspunkt für die Entdeckung Transkarpatiens. Nebenher hat die Stadt auch noch einiges mehr zu bieten. Hier kann nicht nur die Burg Palanok (im 14. Jahrhundert erbaut) besichtigt werden, auch die älteste Brauerei der Ukraine befindet sich hier.

Das Narzissental – nahe der Stadt Chust kann im Frühling eines der spektakulärsten Naturschauspiele Europas genossen werden. Auf einer Fläche von 170ha blühen hier lückenlose Felder von Stern-Narzissen. Das Vorkommen dieser Blume in diesen Höhenlagen ist einzigartig, denn normalerweise gedeihen sie auf Bergwiesen, kommen unter anderem in den Alpen vor. Es wird vermutet, dass der Gletscher als er von den Bergen herunterrutschte eine Erdschicht mit Bergpflanzen mitgenommen hat, unter welchen sich auch die Narzissen befanden.

Tscherniwzi/Tschernowitz – obzwar eher in Randlage der hier betrachteten Region könnte die ehemalige Hauptstadt des österreichischen Kronlandes Bukowina ein würdiger Schlusspunkt jeder Transkarpatienreise sein. Wenn Lemberg an allen Ecken mit seinem matten Glamour an die große Zeit Polens erinnert, so muss Czernowitz als ein in Würde gealtertes Klein-Wien mit sowjetischer Patina erscheinen.

 

 

 

Münzenberg – MZB025 – Das literarische Duo: Schuld und Sühne

Und mal wieder ein neues Format: euer unberechenbares Meinungsmedium für alle Lebenslagen präsentiert die Reinkarnation des Buchklubs. Feuser und ich lasen “Schuld und Sühne” und sprechen darüber. Viel Vergnügen!

Von Michail Petrovich Klodt - Русская графика от А до Я. М.:СЛОВО, 2002. С. 109Online source: Art and Photo, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3236313
Raskolnikow und Marmeladow
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Frisch gelesene Bücher: Labyrinth der Spiegel

Es gibt in der Tat problematischere Zwangsstörungen als, in gewissen Abständen zu den Büchern von Sergej Lukianenko greifen zu müssen. Seit der um die Jahrtausendwende mit den Wächter-Romanen mein Herz im Sturm eroberte, erliege ich immer mal wieder der Hoffnung derlei Spektakuläres erneut unter den neueren Werken des Meisters zu finden. Meine regelmäßigen Kritiken legen von ein beredtes Zeugnis ab. Enttäuschung wird hier zwar nie serviert, immer sind es schwungvoll entworfene Themen aus einem Bereich den ich weder Science-Fiction noch Fantasy sondern eben, ganz russisch, Phantastik nennen würde. So gesehen sind Lukianenkos Bücher dann zumindest auch immer willkommene Abwechslungen. Der Unterschied ist nicht groß, aber spürbar, angesichts des kulturellen Gleichtakts der einem aus den meisten Büchern des angelsächsischen, zentraleuropäischen Kulturraums entgegen schlägt.

labyrinth

“Labyrinth der Spiegel” stellt dabei noch in anderer Hinsicht eine Abwechslung dar. Das Buch demonstriert auf unfreiwillig komische Art die rasante Entwicklung der digitalen Revolution. Lukianenko skizziert in seinem, aus dem Jahr 2009 stammenden Roman, eine virtuelle Realität, wie wir sie zwar leider immer noch nicht erreicht haben, doch die Instrumente und Begleitumstände, wirken enorm wirklichkeitsfremd. Auch wenn die virtuelle Welt hier dank eines Tricks erreicht wird, der Autor also geschickt die technischen Fallstricke, die ein solches Szenario in sich birgt, umgeht, sträubt sich in mir alles wenn ich ertragen muss, dass der Protagonist sich mit Windows Home über sein Modem einwählt. Auch wenn im Kielwasser solcher Erwägungen folgende aufreizende Stilblüten entstehen:

Wer benutzt denn heute noch einen Mac? Es hat Menschen und Neandertaler gegeben, dann kamen IBM und Apple. Morsche Zweige sind nicht lebensfähig.

Zweifelsohne handelt es sich hier nicht um seinen besten Wurf, doch abseits der perspektivischen Fehlkalkulationen und des gerüttelt Maß an dumpfen russischen Nationalismus à la “Dafür dass er durch und durch Amerikaner war, war er ganz in Ordnung” gibt es auch in diesem Buch gelegentlich hellere Momente mit denen ich bislang noch in jedem Lukanienko-Buch belohnt wurden bin. So stolperte ich richtiggehend über erfrischende Inspirationen zu den Konsequenzen die eine Künstliche Intelligenz für die menschliche Evolution mit sich bringen könnte oder die Frage warum die Stoßrichtung jeglicher Virtualität immer eskapistische Tendenzen tragen muss.

Alles in allem also ein durchschnittlich guter Lukianenko. Für Kenner der Materie durchaus auslassbare Lektüre und für Einsteiger gibt es weitaus Besseres (s. oben).

Zemfira

Vor nicht einmal zwanzig Jahren, zu ähnlichen  Jahreszeitumständen wie heute erreichte ich ein graues und desorientiertes Land mit dem Vorhaben hier länger bleiben zu wollen. Russland – Ende der 90er ein kaputtes und desorientiertes Land hatte ich mir für für mein Auslandsstudium auserwählt. Ich brachte die Hoffnung, wie so viele vor mir, mit zu verstehen. Ich kam um zu begreifen. Dieses riesige Land, seine Menschen, seine Seele. Insbesondere der Anfang war dann alles andere als leicht. Die Wirtschaft lag darnieder, der Zweite Tschetschenienkrieg dräute heran und ein allzeit trunkenener Präsident war auf dem besten Weg die ehemalige Weltmacht, diesen selbsterklärten Versuch einer besseren Gesellschaft zu einer Randnotiz der Geschichte zu degradieren.

Земфира – Блюз от kostyukovsky на Rutube.

Wie gesagt, ich hatte erhebliche Startschwierigkeiten damals im November im Schwarzerdegebiet. Einer der ersten und bedeutendsten Anker, die mich auf dem mir fremden und unwirtlich erscheinenden Kontinent festhielten, war schließlich die Entdeckung von Zemfira. Ihre klare Stimme, deren Inhalt ich schon nach kurzer Zeit voller Entzücken decodieren lernte und ihre Musik berührten etwas in mir und öffneten ein klein wenig dieses mächtig behäbige Portal in die inneren Verständniskreise Russlands. Fortan ließ mich Zemfira nie wieder los. Sie entwickelte sich genauso wie ich. Heute ist sie nun in Berlin und ich bin dabei. Ein Moment voller Melancholie und Erinnerungen, aber hauptsächlich voller entfesselter Lebensfreude!

Frisch gelesene Bücher: Wie ich nach Swanetien reisen wollte

Wohl noch nie entsprach der Titel eines Buches so exakt meinen realen Lebensumständen. Denn in der Tat wollte auch ich nach Swanetien reisen, und zwar morgen. Doch ein klammheimlicher Blick auf die Wetterkurve ließ die Vernunft einreiten und überzeugte mich in Georgien dem Land der sieben Klimazonen ein wärmeres Eckchen zu entdecken.Und wenn es selbst der große Benno Pludra, Held meiner Kindheitstage, nicht nach Swanetien geschafft hat, kratzt es etwas weniger, ein weiteres Mal die großen Kawenzmänner an der russischen Grenze auszulassen.

swanetien1

Während Pludra durch ausufernde Gastfreundschaft und desaströse Straßen scheiterte ist es bei uns also “nur” das Wetter. Doch wenn der Regengott auf Reisen geht, dann lieber einmal ängstlicher als nötig wenn es um die ihn treu umsorgenden Wolkenschäfchen geht.

Worum sonst dreht es sich noch in dem kleinen Büchlein?  Der Rest des kleinen Erzählbands macht noch einmal mehr Lust auf den baldigen Ausflug in das heißgeliebte Georgiens. Freilich atmen die Erzählungen Pludras den Geist jener friedlichen Zeiten, die die Sowjetunion annodazumal dieser Region bescherte. Vieles hier liest sich arg beschönigt und rosarot verfärbt. Prosaisch wandeln wir durch eine Welt des Aufbaus unaufhaltbar der Zukunftssonne zugewandt. Und dennoch weiß der Kaukasusfreund zwischen den Zeilen zu lesen und zählt nun voller Ungeduld die Stunden bis er endlich wieder kaukasischen Boden betreten darf.

Frisch gelesene Bücher: Vier Panzersoldaten und ein Hund

Lange stellte ich diesem Buch auf ebay nach und als es mir nun endlich gelang, musste es auch umgehend verschlungen werden. Bekanntheit hat die Geschichte von Janek, Gustlik, Grześ und Semjon,  Szarik (Hund) und Rudy (Panzer) wohl hauptsächlich durch die gleichnamige Serie erlangt. Das Buch, obwohl ganz normal in der DDR verlegt, gehörte zweifelsohne nicht zum Standardrepertoire des normalen Jugendzimmerbuchregals.

panzerfahrer

Aber die Serie hatte es in sich. Auch wenn sie deutlich vor meiner aktiven Fernsehzeit über die Bildschirme flimmerte – Wikipedia wird angesichts des genauen Datums der Erstausstrahlung ein wenig fahrig, entweder 1972 oder 1968 soll es gewesen sein. Wie dem auch sei – den zahlreichen, folgenden Wiederholungen konnte ich nicht entgehen.  Und sie trafen einen Nerv. Wie diese bunte Truppe aus Russen, Grusiniern und Polen da leger und immer einen kecken Spruch auf den Lippen fröhlich zwischen Bug und Oder aufräumte, das gefiel mir, das war anders als die übliche staatstragische Form der Befreiung vom Nazigeschmeiß wie sie für uns sonst medial aufbereitet wurde.  Natürlich war hier viel Phantasie und reichlich Logikverdrängung gefragt, aber he, das zeichnet wohl die meisten erfolgreichen Jugendserien aus, ob sie nun mit Cowboys, Geheimagenten oder Schildkröten operieren.

Was mich nun aber nach all der Zeit wieder zu diesem Thema trieb und insbesondere zum Buch? Nun, vielleicht ein Stück weit die diffuse Sehnsucht nach jener “heilen Welt” die mir dort versprochen wurde. Eine Welt in der Polen gemeinsam mit Russen an eine Strang ziehen und dabei sogar noch Spaß zu haben scheinen. Schließlich war diese Serie in Polen kein Ladenhüter, ganz im Gegenteil. Neben diesen eher unrühmlichen Motiven hatte ich natürlich auch Lust auf das Buch, welches in den meisten Fällen detaillierter oder gar besser als die Verfilmung ist.

Nun, in diesem Fall würde ich das Buch zu den seltenen Fällen rechnen, wo dem nicht so ist. Hölzern, knöchern schleppen wir uns durch die Handlung, den augenzwinkernden Humor der Fernsehserie kann man in den unbeholfenen Dialogen allenfalls vermuten. So blieb mir Zeit mich zwischen den Zeilen an anderen Auffälligkeiten abzuarbeiten. Beispielsweise die Übersetzung: Es scheint nicht der Rede wert, dass die Ortschaften, die hier vorkommen ausnahmslos auf polnisch zitiert werden, doch das man hierbei selbst Warszawa statt dem überaus üblichen Warschau verwendet, erscheint schon ein wenig vorauseilend gefallsüchtig. Dabei unterläuft dem Übersetzer dann aber wieder solch peinliche Fehler wie Kistrzyn statt Kostrzyn. Außerdem bin ich mir nicht klar wieviel Polnischkenntnisse der Übersetzer voraussetzte, aber wenn Sätze ohne Erklärung mit “Cholera” beginnen, löste dies mit Sicherheit bei dem einen oder anderen gewisse Irritationen aus.


Anmerkung zur Titelmelodie: Die gelungene poetische Übersetzung der DDR-Synchronisation im Vergleich zur eigentlichen Titelmelodie. Netterweise als englische Untertitel zur Verfügung gestellt.

Und zuletzt noch einiges zu dem Hund. Ich gestehe, er war für mich wohl der wahre Hauptgrund, diese Serie zu lieben. Zweierlei Dinge habe ich nach der Lektüre hier noch hinzuzufügen. Zum einen erschrak ich beim Lesen tatsächlich darüber wie ich beim Genuss der Filme nie einen Gedanken daran verschwendet habe, was für ein Horror die ganze Angelegenheit für einen Hund gewesen sein muss. Krach, Gestank, Durst, Enge – das wirkte verfilmt immer irgendwie viel fluffiger. Wenigstens diesen Respekt muss man in dieser Hinsicht dem Buch erweisen, hier wird diesbezüglich nichts beschönigt. Zum anderen entnehme ich den Buch die Erkenntnis, dass die Beschreibungen von Szarik nicht wirklich einem Altdeutschen Schäferhund wie in der Serie gezeigt, entsprechen, eher wohl irgendetwas zottiges Wolfshundiges, halt ein sibirischer Tigerjäger.

Fazit: Es klang schon an, aber ich betone das gern noch mal – dieses Buch muss man nicht lesen. Selbst jenen, die die Serie gemocht haben, empfehle ich lieber noch einmal die Serie zu schauen. Diese ist in der Tat ein originäres Zeitdokument, das Buch erscheint dagegen blass und harmlos. Ist ja auch mal schön diesen Fall zu erleben. Viele weitere Beispiele für dieses Phänomen kenne ich nicht.

MZB007 – Münzenberg – Der uneinheitliche Einheitsplausch

25 Jahre am Humboldthain. Zu Füßen das ewig unbeteiligte Berlin.
25 Jahre am Humboldthain. Zu Füßen das ewig unbeteiligte Berlin.

 

I’ve been looking for freedom von David Hasselhoff auf tape.tv.

<!– http://www.podcast.de/pod_96313JMeqZ082hLD7IqTs549050/ –>

Mein Podcast bei podster

 

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Grenzerfahrungen

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So frei dieser Blick erscheint - zwei Kilometer entfernt ist die Grenze zu Russland.

Erneut wollten wir uns heute wieder dem Ehrfurcht gebietenden Kasbeg nähern. Noch ein wenig näher an Russland wollten wir uns an ihn heran schlängeln. Nette Idee, bezaubernder Weg der uns bei allerbesten Wetter beständig in die Höhe führte. Doch nach zärtlich erklommenen 500 Höhenmetern erblickten wir den lässigsten, je gesehenen Grenzer (T-Shirt&Funke). Jener erklärte uns sanft aber bestimmt, dass wir zum weitergehen einen Propusk bräuchten. Diesen gebe es auch ohne Probleme und für lau, die Station hierfür sei auch nur 5 Kilometer und 500 Höhenmeter entfernt. Unsere Motivation für dieses Unternehmen sank angesichts dieser Angaben jedoch immens. Nun denn, ich begreife derlei Erfahrungen als Teil meines Scout-Auftrags für die große Sommertour. Die Berge mögen frei und wild erscheinen, doch die Staatsgrenzen benötigen hier stets eine gesonderte Aufmerksamkeit.