Da muss der Betrachter unwillkürlich schmunzeln. Welch Lebensfreude, welch ungestüme Tatkraft geht von diesem einfachen grün-gelben Schild aus und wie veredelnd wirkt es auf die unter ihm Stehenden? Da will man doch mehr erfahren, da soll nichts ausgelassen werden! So sei es!!!
Doch der Reihe nach! Nach einer doch recht kurzen S-Bahnfahrt (Ist Wartenberg evtl. der zum Stadtzentrum nächste S-Bahnhof?) gelangten wir bei durchschnittlichen Witterungsbedingungen am Zielbahnhof an. Nach kurzem Durchzählen setzte sich die, heute generationenübergreifende Wandergruppe in Bewegung. Die nähere Umgebung des S-Bahnhofs ist von zahlreichen Betonbehausungen umsäumt. Fachreferent André teilte umgehend sein Wissen mit uns und erläuterte lässig und anschaulich die Besonderheiten der Wartenberger Balkonik.
Vervollständige zu öbenstehendem Foto folgende Alliteration Grau, groß und gr…
Unser Weg führte uns im ausgedehnten Bogen um Wartenberg herum. Ausgeangspunkt war hierfür das ‚Stadion’ des Wartenberger SV (Der bienchenfleißigen André hatte sich bestens vorbereitet und führte uns wie ein Alteingesessener durch Randberlin!). Enttäuscht mussten wir jedoch registrieren, dass das Spiel gegen die Zweite vom Köpenicker SC erst morgen stattfindet. Doch angesichts der sich in den Wartenberger Grenzgebieten abzeichnenden Schönheit von Flora und Fauna war jegliche Betrübnis schnell wie weggeblasen.
Der passionierte Evolutionsbiologe (rechts im Bild) erklärt hier einem niedlichen, aber sozusagen ‚abgehängten’ Säugetier Wesen und Bedeutung der Ursuppe für die Entwicklung der Lebens. Sancho ist schwer beeindruckt.
Schnell wird klar, der Wartenberger an sich hat es sich ganz nett eingerichtet zwischen Speckgürtel und Hungerneurose. Fröhlich beschwingte Spaziergänger, juchzende Kinder und fröhlich rollende Heuballen – da hämmert sich der irritierte Berliner schon mal die eingetrockneten Depressionssekrete aus dem Gesicht.
Obwohl das Land nicht frei von Gefahren ist…
…. kann man angesichts dieser kuschelnden Gesellen doch nur eins wollen:
Und zwar SPIELEN!
Nach Herzenslust SPIELEN!
Doch bei all der Ausgelassenheit vergisst die Reisegruppe nie Ihren Bilkdungsauftrag. Architektur und bildende Kunst werden gewürdigt und eingeordnet, naturkundliches Wissen wird abgefragt und am Objekt überprüft.
Was oberflächliche Ausflügler mit einem Achselzucken abtun, wird in unserer Reisegruppe dezidiert analysiert und ausdiskutiert. Hier sehen wir Hobbyanthropologen Tom bei seiner unterhaltsamen Beweisführung hinsichtlich des Ursprungs und der Bedeutung der naiven Skulpturen zu seinen Füßen. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist ihm sicher – so sieht angewandte Wissenschaft aus!
Der Malchower See. Momente der Besinnung. Augenblicke des Einklangs zwischen Körper, Geist und Brandenburg.
Doch Wartenberg meinte wahrlich gut mituns. Entgegen der üblichen randberliner Tradition, am Sonntag alles zu verrammeln und jegliche gastronomische Bestrebung als fremdländische Teufelei zu verbrämen, fanden wir unweit des Malchower Sees tatsächlich eine geöffnete Wirtschaft. Gierig und glücklich stürzen wir die Spezialität der Region (Soljanka) und ein Getränk aus dem Nirgendwo (Dessower Pils) hinunter und wanken schließlich ausgelassen zum vertrauten S-Bahnhof.
Der überwältigenden Wirkung dieses Zeitdokuments sollten sich die Bosse der Soljanka-Konzerne des Landes nicht entziehen können. Die Billionen und Aberbillionen von Euros, die sich in den Milchschnitte- und Ahoi-Brausepalästen türmen, gründen sich schließlich auf nichts anderes als ein glückliches Kindergesicht.
Sehnsuchtsvoll gleitet unser Blick nach Norden. Es führt ein Weg durch Brandenburg, Dort irgendwo liegt Bernau. Das nächste Ziel. Die Ungeduld ist kaum bezähmbar.
Wieder am Sonnabend (2.12.)
Ein ausführliches Briefing zu dieser wirklich außergewöhnlichen Siedlung folgt wie gewohnt in Bälde!
Bis dahin!
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