Ein Buch mit dem kryptischen Titel BRO landet nicht unbedingt automatisch auf meinem literarischen Nachttisch, vielmehr bedarf es hier wohl einer gewissen Vorgeschichte. Eben jene beschrieb ich vor geraumer Zeit als ich mit dieser schönen Angewohnheit, unmittelbar gelesene Bücher der Öffentlichkeit vorzustellen, begann.
Neben den eher gemischten Gefühlen, welche ich damals dem Roman von Sorokin entgegenbrachte, schob ich zusätzlich fiel auf den Umstand, dass ich es mit dem zweiten Teil zu tun gehabt hätte. Nun habe ich es endlich geschafft mit BRO den ersten Teil zu lesen um mein Urteil abzurunden. Leider muss ich kundtun, dass auch durch das fehlende Puzzlestück mein Urteil nicht sonderlich besser ausfällt. Es bleibt, wie sollte es auch anders sein, bei der kruden Konstruktion um jene 23.000 verlorenen Herzen, deren Ursprung esoterisch-kosmologisch daher geschlingert kommt und ihrem Bemühen sich auf dieser, achso disharmonischen und groben Erde zu finden um sich sodann an den Händen zu fassen und ins All zu entschweben. Das klingt weiterhin so gewöhnungsbedürftig wie es auch ist. Dennoch gelingt es dem Autor einen Handlungsbogen hieran zu spannen den man dann doch nicht so schnell links liegen lässt. Es ist einerseits die Neugier, wie es eine derart durchgeknallt wirkende Sekte von lakto-frukto-veganischen Abstinenzlern schafft Stalinismus und Weltkrieg zu überstehen und dabei ihre Macht gar noch auszubauen. Zudem muss ich gestehen, dass mich die, konsequent durchgehaltene Beschreibung der irdischen Lebensweise (speziell der russischen) aus Sicht solch astraler Überwesen bisweilen in ihren Bann zog. Insbesondere der Blick auf eine Episode in der Geschichte unseres geschätzten Mutterlandes gefiel mir außerordentlich. Beispiel gefällig?„Kurz darauf gingen im Land der Deutsch sprechenden Fleischmaschinen Veränderungen vor sich. Eine Fleischmaschine kam an die Macht, die sehr laut und grimmig zu reden verstand. Sie liebte es über alles, vor den Fleischmaschinenmassen zu stehen und zu reden. Die Massen lauschten andächtig und glaubten ihr. Diese Fleischmaschine rief alle Deutsch sprechenden Fleischmaschinen dazu auf, sich im Kampf gegen anders sprechende Fleischmaschinen zu vereinigen. Sie behauptete, Deutsch sprechende Fleischmaschinen seien die besten der Welt: die klügsten, aufrichtigsten, verantwortungsvollsten. Darum sollten sie das Recht haben, über alle anderen Fleischmaschinen zu herrschen. Nur leider sei für die Deutsch sprechenden Fleischmaschinen sehr wenig Raum zum Leben vorhanden. Darum herrsche solche Enge in ihren Höhlen, es gebe wenig zu essen, die Kinder seien schwach und kränkelten. Der Vorschlag dieser Fleischmaschine war, die Deutsch sprechenden Fleischmaschinen sollten vieleKriegsmaschinen bauen und damit in andere Länder ziehen, um neue Räume zu erobern. Dort wäre dann auch genug zum Essen da. Man könnte neue, geräumige Steinhöhlen bauen. In denen würden die Kinder Deutsch sprechender Fleischmaschinen gesund und glücklich heranwachsen.“Fazit:Dieses Buch gehört für mich zu der sonderbaren Kategorie der Bücher, welche einem an sich eher weniger gefallen, man aber dennoch nicht in der Lage ist, es aus der Hand zu legen. Daher fällt es schwer hier eine eindeutige Leseempfehlung auszusprechen. Da hilft nur selbst ausprobieren.
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