Für die Rubrik sinnentleerte und verpeilte Weisheiten wollen wir uns heute einmal der Internetpräsenz von Vera Lengsfeld zuwenden. Den Jüngeren unter euch mag diese Dame möglicherweise kein Begriff mehr sein und zumindest hierfür seid ihr entschieden zu beneiden. Wir wollen an dieser Stelle auch gar nicht auf die Lebensschlängelwege der Sondershausnerin eingehen. Wer mag, sei eingeladen, diesbezüglich die Ausführungen des Weltwissens zu konsultieren. Vielmehr soll das Schlaglicht auf folgende geistig entrückte sieben Wörter, welche auf ihrer Internetseite zu finden sind, gerichtet werden: “Freiheit und Fairness statt Gleichheit und Gerechtigkeit.” Da knirschen die Verständnismuskeln, Interpretationsturbinen heulen auf und der Häh-Aha-Adapter schmort dahin. Eine Aussage wie in Schein gemeißelt. Was will uns die Christdemokratin der ersten Stunde hiermit nur sagen?! Nun sind Begriffe selbstverständlich in ihre Deutung sehr dehnbar und so mancher ermüdende Streit hätte mit einer nüchternen Verortung der entscheidenden Wörter vermieden werden können – aber ich bezweifle ernsthaft, dass uns dies in diesem Fall entscheidend weiterhelfen würde. Möglicherweise ringt man sich nach einigen Verständnisanläufen dazu durch, das Ganze in die Kategorie kruder, konservative Denke à la “Freiheit hui, Gleichheit pfui” einzuordnen. Aber selbst dann erscheint diese Aussage noch recht grenzdebil. Selbst in Anbetracht der, in der abstrusen Welt der Wahlkampfpolemik gängigen Sophistereien, bleibt der hier geäußerte “Standpunkt” ein sehr freidrehender. Was uns wieder zu der Frage zurückführt: Wie kommt man auf sowas?! Ist Gerechtigkeit in Veras Welt etwa eine von unfairen Widrigkeiten umtoste Zumutung? Eine Welt in der tatsächlich noch immer die Rede von Bürgerrechtlern ist und nicht von Fairplaykämpfern gesprochen wird, in der Kindern weiterhin die Verfehlungen der Französischen Revolution mit ihrer gefährlichen Forderung nach, unter anderem Gleichheit verschwiegen wird. Dabei könnte alles so einfach sein. Der kleine Traum der Lengsfeldschen mag dem einen oder anderen absurd erscheinen. Aber wäre es zuviel verlangt, ihrer Vision zu folgen? Von einer Welt in der jeder jegliche Begriffe wild durcheinander gewirbelt werden dürfen und auch wer nichts zu bieten hat dies anpreist als wäre es der Weisheit letzter Schluss. Eigentlich eher nicht. Daher ende ich mit den abschließenden Worten: Ja, Nee, schon klar!
Entdecke mehr von Viva Peripheria
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.