Ach, Sachsen…

…es ist mit euch von jeher “ä eischen Ding”, wie es in eurer landläufig nur bedingt geschätzten Mundart ausgesprochen werden würde. Kriegspech und Bündnisstümperei führten in der Vergangenheit dazu, dass das ruhmreiche Königreich Sachsen zu einer weiteren Provinz in Preussen verkam. Das der kulturlose Emporkömmling es vermochte derart umstandslos eine immer da gewesenen Machtfaktor wie Sachsen einzukassieren, wurde naturgemäß vor Ort verschnupft registriert. Man fand sich widerwillig in die geschaffenen Tatsachen und beschränkte sich über die Jahrhunderte hinweg auf unzufriedenes, missgünstiges Gemurre. Insbesondere die kulturelle Kluft die die Feingeister aus Sachsen von den Säbelrasslern aus der Kartoffelwüste unterschied, wurde fortan essentieller Bestandteil jeglicher Erörterung der die  wettinische Niederlagenserie zum Thema hatte. Die entzückende Folgerung war dann zumeist die trotzig hervorgebrachte Erkenntnis, dass man zwar verloren habe, aber nur weil man dem Krieg nicht soviel Aufmerksamkeit entgegengebracht hätte und viel lieber Porzellan entdeckt oder verschnörkelte Steinhaufen zusammengesetzt habe. Sachsens Glanz, so die These der liebenswert nuschelnden Sachsen, konnte Preussens Gloria nicht widerstehen. Vielmehr wollte man eigentlich auch gar nicht. Auf diese Art hätte ja jeder gewinnen können, aber das wäre ja stillos, quasi ohne Glanz. Diese an sich recht nette Ansicht der Dinge kulminierte Ende der 80er sogar in einer respektablen DEFA-Produktion nach der Vorlage des Polen Józef Ignacy Kraszewski. Soweit so mythenverzuckert. Doch was soll uns jetzt die Kampagne von “Europas ersten Erlebnisweingut” sagen? Sachsens Glanz FÜR Preussens Gloria? FÜR?! Ich bitte euch! Diese Art von Anbiederung lässt das letzte Fleckchen, welches ich in meinem Herzen noch immer für Sachsen reserviert habe, offen rebellieren. Sachsens Glanz war reiner Selbstzweck. Pure, weltfremde Dekadenz, die nicht nach dem Morgen fragte. Wenn es tatsächlich so sein sollte, dass man damals vor sich hin genoss, nur um später expansionshungrigen Touristen aus Berlin gefällig zu sein, dann muss ich meine verbliebenen Sympathien zu euch nochmal einer gründlichen Revison unterziehen.            

Ein Gedanke zu „Ach, Sachsen…“

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