Und es war Bahn

„Ein Land ist stets so gut wie seine Bahnhöfe.“
(Altes böhmisches Schaffnersprichwort)

 

Der S-Endbahnhof-Korso
In 80 Tagen um Berlin

 

Es ist November und mir ist langweilig. Als ich im wundervollen Oktober erstmals die Gemeinde Erkner besuchte, mit der festen Absicht in deren Umland auf unermessliche Pilzgründe zu stoßen, gebar ich eine gar ausverzügliche Idee: Wie wäre es, einfach mal jedes Wochenende einem Endbahnhof der S-Bahn einen Besuch abzustatten?! Total verrückt , oder?! Richtiggehend super! Ja, das wäre es! Natürlich versteht es sich von selbst, dass der angefahrene Endbahnhof flugs auch noch für einen kleinen Ausflug genutzt wird. Gern kann jener auch mit kulturellen, sportlichen oder anderen ethnologisch interessanten Highlights der Region verknüpft werden. Ich arbeite derzeit noch fieberhaft daran, in dieser Hinsicht ein gediegenes Feuerwerk für die Sinne zusammenzustellen. Also, Freunde, lasst mal wieder was gemeinsam machen! Lang lebe die Peripherie! Und natürlich:

Heil Prekaria – die Abgehängten grüßen Euch! 

Treffpunkt: jeden Sonnabend 13:00, S-Bhf Alexanderplatz, mittig


Wir beginnen bereits am 11.11. mit einem wahrhaftigen Schmankerl, vielleicht so etwas wie das Filetstück der ganzen Tour d’Brandenburg: STRAUSBERG NORD.

Nagen tatsächlich noch immer Zweifel an dem ganzen Unternehmen in deinem Herzen? Fragst du dich, was der Ganze Scheiß soll? Ha! Hier kommen 5 Gründe warum du auf keinen Fall einen Ausflug in die „grüne (!) Stadt (!!?!!) am See (…)“ verpassen solltest:

1. Entdecke das Sprewanenland – spüre die elektrisierende Macht der Frühgeschichte. Sprewanen, wer kennt sie nicht?! Einst die unumschränkten Herrscher nördlich der unteren Spree, ein Volk noch mächtiger als sein heutiger Mythos! Selbst seriöse Wissenschaftler geben sich ungewohnt bedeckt, wenn die Sprache auf die wackeren Sewanen kommt: „Ihre Siedlungen befanden sich zwischen Bötz- und Fängersee, die nähere Umgebung des Straussees schienen sie aber gemieden zu haben, obwohl sie dem See seinen Namen gaben.“

2. Aufklärung und Nachbarschaftshilfe leisten. Hinterlistige Bauernfänger haben der hiesigen, gutgläubigen Landbevölkerung neben Abertausenden von Abonnements und Heizdecken auch völlig widersinnige Partnerschaften aufgeschwatzt. So begreift sich Strausberg z. B. als Partnerstadt von Hertha BSC Berlin und der Bundeswehr (m. E. ist auch die Existenz eines gewissen Frankenthal (Pfalz) auch mehr als suspekt). Hier sind wir als verantwortungsvolle Großstädter mit Bildungshintergrund gefragt. Hier müssen Tabus gebrochen und heilige Kühe geschlachtet, zerlegt, gegrillt und in riesigen Fleischvernichtungsorgien…entschuldigt!

3. Revolutionstourismus. Auch wenn also Strausberg anscheinend nicht unbedingt als Epizentrum intellektueller Höchstleistung zu sehen ist, so muss die sozialrevolutionäre Gestaltungskraft dieses „wirtschaftlich und politisch zurückgebliebenen Provinznests“ (knochentrockene Selbstcharakterisierung) ganz anders eingeschätzt werden. Erstmalig regte sich diese bereits 1848: „…im Landarmenhaus gab kurzzeitig Unruhe und Arbeitsverweigerung. Sie blieben aber ohne tiefere Nachwirkungen.“ Bereits 1890 antwortete die Reaktion zwar hierauf mit dem Wahlsieg des ersten sozialdemokratischen Reichstagskandidaten des Kreises Oberbarnim, doch die Novemberrevolution von 1918 in ihre Strausberger Ausprägung ließ hinsichtlich der radikalen Sprengkraft dieser „Arbeiterstadt“ keinen Zweifel: „hier wurde zunächst viel, aber sehr allgemein von Sozialismus geredet (…) aber faktisch änderte sich nichts…“

4. Attraktiver Fußball für Kenner. Um 13:30 ist es an der altehrwürdigen Energiearena in der Wriezener Str. Wieder soweit. Die Helden vom FC Strausberg treten an um die Haudegen vom SV Eintracht Ortrand (der Trikotsponsor von letzteren ist im übrigen der machtvolle Gießereikonzern, für den meine Schwester arbeiten darf!) Für alle die es nicht wissen: die Vereinsfarben sind Blau-Weiß; es wird in der „Varbandsliga Brandenburg“ gespielt und wir sind mitten im Abstiegskampf (13. bei 16 Mannschaften)

5. Spinnen auf dem Stöckchen. Ja, jetzt ist aber auch der letzte Kritiker überzeugt. Ich zieh mich einfach mal sachte zurück, sag leise bis bald und lass die gute Habondia mal sprechen… „…Im Herbst und Winter, wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden, ist die richtige Zeit, um es sich beim Hollerpunsch und Märchenhören gemütlich zu machen und das Spinnen auf dem Stöckchen, mit der Handspindel und am Spinnrad zu lernen!“

 

und hier das verlockende Restprogramm:18.11. Ahrensfelde (S7)

25.11. Wartenberg (S75)

2.12. Bernau (S2)

9.12. Birkenwerder (S8)

16.12. Oranienburg (S1)

23.12. Hennigsdorf (S25)

30.12. Spandau (S75; S9)

6.1. Wannsee (S1)

13.1. Potsdam (S7; S5)

20.1. Teltow-Stadt (S25)

27.1. Blankenfelde (S2)

3.2. Flaughafen Schönefeld (S9)

10.2.Zeuthen (S8)

17.2. Königs Wusterhausen (S46)

24.2. Spindlersfeld (S47)

 

2 Gedanken zu „Und es war Bahn“

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