Frisch gelesen Bücher: Die Kreuzritter

An dieses Buch trat ich mit hohen Erwartungen heran. So man sich mit Polen beschäftigt, taucht dieses Buch in den unterschiedlichsten Zusammenhängen immer wieder auf. Tante Wikipedia klärt etwas ungelenk über die Bedeutung dieses Buches auf:

Die Bedeutung von Krzyżacy (Die Kreuzritter) wird durch den Umstand beschrieben, dass es als erstes Buch in Polen nach 1945 gedruckt wurde, zur Erbauung der polnischen Bevölkerung, deren Bild der Deutschritter und der Deutschen allgemein durch dieses Werk ähnlich stark beeinflusst wurde wie bei den Deutschen das der Indianer durch Karl May, wenn auch in einer umgekehrten Weise.

Verständlicherweise reizte es mich daher schon seit längerem diese Buch zu lesen. Doch bereits während der Lektüre hielr ich mehrfach irritiert inne. Dies sollte wirklich eben jenes Buch sein? Dieses harmlose Geplänkel des jungen Ritters Zbyszko, plätschernde Liebeleien, hölzerne Feudalcharaktere ohen Tiefgang und letztlich auch ein Minimum an Information über Zeitalter und Hintergründe. Schlussendlich auch ein völliges Ausbleiben der Stigmatisierung des Deutschen. Sicher, die Polen waren grundsätzlich gut und edel, während es unter den Kreuzrittern schon ein paar schräge Gestalten gab. Aber prinzipiell war der Orden ein von klugen, christlichen Menschen geführter Staat in der Nachbarschaft, mit dem es zwar bisweilen ein paar Reibereien gab, aber mit welchen Nachbarn gab es die damals nicht? Ich war enttäuscht. Mit Verve tat ich diese Enttäuschung nun auch in meiner persönlichen Polonia kund: Was das denn für ein fades Deutschenbild sei und so fort… Man schob es schnell auf schlechte Übersetzung und empfahl mir wärmstens den Film wenn ich mich nicht ausreichend beleidigt fühlen würde.

Nun, die Auflösung der ganzen Angelegenheit ist simpler als gedacht. Bei kurzer Überprüfung stellte ich fest, dass das Buch bei Amazon solide 580 Seiten mehr hat. Klare Sache, ich hab mich mit der Kinderausgabe amüsiert. Ein Blick auf’s Cover ließ diesen Verdacht ja schon aufkeimen, aber wer konnte denn ahnen, dass der Unterschied so gravierend ist. Deshalb bleibt auch dieser Lektüreauftrag weiterhin bestehen und mein Urteil zu Herrn Sienkiewicz wird ebenfalls noch aufgeschoben.

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