Frisch gelesene Bücher: Feuchtgebiete

Selten unternehmen meine Lektüreabenteuer Ausflüge in die Welt der Bestsellerlisten, und wenn dann geschieht dies meist unabsichtlich (s. die großartigen Bücher von Stieg Larsson!). Wenn jedoch, die von mir an sich schon sehr verehrte Charlotte Roche es schafft, mit ihrem Erstlingswerk ganze sieben Monate auf Platz 1 der Belletristik-Charts zu stehen, musste ich meiner Neugier einfach nachgeben.

Und nun sitze ich nach abgeschlossener Lektüre ein wenig ratlos da. Erstmals bin ich bei einem Buch wirklich so richtig unsicher, was ich davon halten soll. Anfangs war, ganz klar, der Ekelreeflex dominierend. Zeitweise wollte ich das Buch gar zur Seite legen. Nicht nur weil gewisse Beschreibungen einfach nur widerlich waren, sondern weill ich mich ungern so offensichtlich provozieren lasse. Ich hatte einfach manchmal das Gefühl, dass es hier nur darum ging eine bigotte Öffentlichkeit an solcherlei unerhörten Ekligkeiten erschaudern zu lassen. Dies erschien mir an manchen Stellen einfach zu auffällig, weil zu dick aufgetragen. An diesem Spielchen wollte ich prinzipiell nicht teilhaben, deshalb ließ meine Leselust spürbar nach. Doch zum Ende des Buchs entwickelt sich nach all dem provokanten Ekelkram eine ganz zarte Geschichte und ich erkannte, dass es hier eben nicht ausschließlich um Provokation und Effektgeballer ging.

Fazit: Es ist eine interessante Figur, die Charlotte Roche da geschaffen hat. Die Handlung ist nie unspannend und die Geschichte an sich ist lesenswert, doch insgesamt ist alles eher durchschnittlich einzuordnen. Der Rang von “Feuchtgebiete” in den Bestsellerlisten erscheint mir überaus unberechtigt (was mich diesen gegenüber nochmals skeptischer macht!) und alleine den Gelüsten der Öffentlichkeit sich pikiert zu erregen, geschuldet. Man gönne sich nur einen kurzen Blick über die Rezensionen bei amazon und man begreift mit Schrecken, welche Interpretationgewalt Doppelmoral und schlichte Dummheit in unserem Land hat. Zudem staune ich immer wieder über die die mangelnde Fähigkeit vieler Menschen, Werk und Künstler zu trennen. Doch ob angewidert, bäh oder zum kotzen – das Buch wird gekauft und das nicht zu knapp. So gesehen geht der Erfolg Charlotte Roches definitiv in Ordnung. Denn auf dieses Weise kann der heuchelnden Schaulustigen-Kaste wenigstens etwas Geld abgezogen werden und so man einaml resümiert wer sonst so auf den Bestsellerlisten abhängt, findet es mit Roche eine annehmbare Empfängerin. 

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