Lernen, lernen, nochmals lernen

So man der Legende glauben schenken will, postulierte dies vor langer Zeit ein ehrgeiziger Umkrempler in einem fernen Königreich. Vieles hatte er mit dieser Aufforderung an seine Landsleute im Sinn. Dass diese die Nationalität der dominierenden Ethnie ihres Landes richtig schreiben konnten, wahr wohl eine der grundlegendsten Mindestanforderungen. Doch der reinigende Strahl der Alphabetisierung ermüdete rasch in Zeit und Raum. ruskij So ist es möglich, dass im 21. Jahrhundert in Berlins selbstsicherster Mitte beschlossen wird, dass es nun nicht mehr русский heißt, wie knapp 140 Millionen Russen weiterhin stur behaupten, sondern eben руский. Sieht schnittiger, frischer aus. Und so prangt eben dies auf etlichen Schildern zweimal im Jahr auf der abgefahrensten Modemesse aller Multiversen deren Besucher frech ins Auge. Bezüglich kecker Sprachneuentwürfe war man hier von jeher ein wenig freidrehender gewöhnlich (ich erinnere gern an meinen letzten Bericht über das linguistische Leckerli Polsañol!). Es hat schon etwas für sich der kontinuierlichen Wiederholung eines offensichtlichen Fehlers beizuwohnen, der wenn er so oft begangen wurden ist, immer schwerer korrigierbar wird. So bleibt die einzige Hoffnung letztlich wohl, dass sich diese trotzigen Slawen irgendwann schon mal eines besseren besinnen werden und ihre Orthographie dem neuen Standard anpassen. So lang hierfür nur der Hauch einer Chance besteht, werden auch weiterhin nur Rusen und Rusinnen die neusten Hosen und Schuhe bestaunen dürfen.     

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