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MZB006 – Münzenberg – Hoffnung

Aufgrund der segensreichen Empfehlungen des Goldohrentrolls erster Güte blieb die Aufnahme bei einer guten halben Stunde stehen.  Genießt den reinen Klang der Flugschneise dank WAV (24bit) +++ doch wenig später trafen wir erneut zusammen. Diesmal allerdings nur zu zweit und stellten uns den unerbittlichen Fragen Max Frischs. Diesmal dann auch mit 192 kbit/s, deswegen deutlich speicherintensiver. Ist das wert, was meint ihr?

Ringelpiez mit Anklicken

Nicht allein um erneut um die erstaunliche Ähnlichkeit mit einem Hundekopf hinzuweisen, thematisiere ich erneut den Berliner S-Bahn-Ring. Schließlich gehöre ich schon lang zu den glühendsten Verehrern dieser, die Stadt wohlgefällig abrundenden Fortbewegungsavance. (Man beachte diesbezüglich früheste Anbändelversuche mittels stilsicheren “Ringbahnsaufen”.) Daher kann ich es selbstverständlich nicht unterlassen, auf eine gar vorzügliche Informationsseite zum Thema hinzuweisen. Unter dem schlichten Titel www.ringbahn.com kann eine exzellent gestaltete Seite besichtigt werden, die vom Zugezogensten bis zum Ureinheimischten noch jeden begeistern sollte.
s-bahn
So erfährt man beispielsweise, dass es um den Bahnhof Wedding “bunt, laut und preisbewusst” zugehen soll und man sich als hellwacher Tourist zwischen Spektakeln wie der Hausbrauerei Eschenbräu oder dem Krematorium entscheiden kann. Über Tempelhof ist zu lesen, dass es hier “einen Hafen für Schiffe” und “vielleicht sogar bald einen Berg” gibt. So klischeehaft das alles vielleicht daherkommen mag, so liebenswert und zusammenfassend ist die Idee dennoch zu bewerten. Wenn wir vor drei Jahren schon diese Quelle gehabt hätten, wäre aus dem Tagesausflug wohl ein Wochenendtrip geworden.
Nebenbei erfuhr ich über diese Seite von der Existenz des “Dreiviertelrings” während der Berliner Teilung. Da können sie es also auf einmal, die Damen und Herren Wessis! Keine Rede von einem “Viertelvorring”. Ohne Zögern wird hier unsere, allzu oft als umständlich und verwirrend bekrittelte Ausdrucksweise genutzt. Sehr inkonsequent von den geschätzten Systemgewinnlern, möchte ich meinen.

Willen zum Grillen

Nicht dass die derzeitigen Temperaturen allzu massiv an kommende Grillorgien denken lassen, aber vertraut mir, der Frühling wird kommen. So unabänderlich wie der Wandel der Jahreszeiten, so unverrückbar ist auch die Neigung des gemeinen Berliners den ersten lauen Wind mit öligen Rauchschwaden zu verfeinern. Natürlich ist dies, wie alles was Spaß macht, im Regelfall hochgradig illegal. Denn neben Radfahren, Ballspielen, leinefreies Hundeleben ist in einem preußische kulturalisierten Park selbstverständlich auch Grillen verboten. Daher schaute ich vor kurzem nach wo es denn legal und amtlich abgesegnet sei. Ich muss gestehen, dass ich, durch mein früheres Friedrichshainer Leben hierbei ein wenig verwöhnt war. Schließlich fanden sich hier in direkter Nähe im nahen Lichtenberg gleich zwei behördlich zertifizierte Fleischzubereitungsplätze. Doch meine Recherche nach Grillzonen um meinen gegenwärtigen Lebensmittelpunkt herum förderte gar schreckliche Erkenntnisse zutage. Fünf Bezirke verweigern generell jegliches Grillen in ihrem Hoheitsgebiet, insgesamt stehen der Millionenstadt ganze 17 Grillzonen (eine Auflistung besagter Grillzonen fand ich leider nur beim Flaggschiff der Hetz- und Schmutzpresse!) zur Verfügung. Es ist dies, in meinen Augen eine bodenlose Frechheit. Was spräche gegen eine Grillzone mit riesiger Mülltonne in jedem größerem Park? Würde man auf diese Weise all das heuchlerische Gejammer über all dem Schmutz bezwingen können?! Könnte sein. Aber anscheinend möchten die Stadtväter hier lieber den alljährlichen Konflikt zwischen Grillern und Anwohner anheizen und nebenbei mittels Strafen auch noch das Schuldenloch gnädig stimmen. Es ist ein derart billige Art der Manipulation der öffentlichen Meinung und Schürung von vermeidbaren Konflikten innerhalb der Berliner Bevölkerung, dass einem speiübel werden könnte. In diesem Sinne – wehrt euch und seid widerständig. Der Sommer wird kommen und mit ihm das unveräußerliche Recht auf öffentliche Grillfreuden. Reclaim the barbecue! 
 

Zur Sache mit dem einen Volk

Wenn der Ossi an einem sonnendurchfluteten Sonnabendnachmittag flugs der Polin Hand ergreift um mit ihr an der frisch gerelaunchten Eastside Gallery entlangzuflanieren, dann ist es nahezu unvermeidlich, dass jener, mitunter zum Schwatzhaften neigende, sich in Erörterungen über dies und jenes, was sich da wohl im zeifllelos graueren, weil ostigeren, November zugetragen hat, erschöpft. Geschwind wirbelt der Gedanken Flug hin zu der uralten Frage über jene Dimensionen, welche zwischen den Wörtchen „das“ und „ein“ lagen in jenen Zeiten, welche wohl maßgeblich dazu beitrugen, aus einer Revolution eine Wende zu machen.Es war der altbekannte Weg sämtlicher Veränderungsbestrebungen – die unvermeidliche Vergewaltigung von selbstlosen Idealen, die, so ist hier die Natur der Sache, immer ein wenig zu naiv und schutzlos daher kommen, durch triviale Bedürfnisse der zuverlässig kurzsichtigen und leicht manipulierbaren Mehrheit. Dass die Mehrheit erst das Maul aufreißen darf, weil eben jene idealistische Minderheit sich geregt hat, dass diese Minderheit zumeist ob der tumben Forderungen jener verschreckt und angewidert in selbstüberzeugter Noblesse den Rückzug antritt, dass aber die Mehrheit ihre neugewonnene Freiheit nur dafür nutzt, sich eine neue Unfreiheit in anderem (meist schickerem) Design herbeizurevoltieren, ist die uralte Crux jeglicher sozialer Umgestaltungen. Wobei die wahre Crux ja noch die ist, dass dies sogar in Ordnung geht, denn schließlich hat die Mehrheit doch zu entscheiden. All dies vollzog sich also in der grauen, wilden DDR als im fernen Plauen erstmals die Forderung „Wir sind ein Volk“ erscholl. Vorbei war es mit „Wir sind das Volk“. Die Ablösung von utopischen, schwer zu fassenden Vorstellungen durch schnell erfüllbare, praktikable Nahziele ging mit prosaischer Gewandtheit vor sich. „Die Leute, welche damals ‚Wir sind das Volk‘ riefen, taten dies also nicht aus nationalen Beweggründen?“, unterbrach mich sonnenverblinzelt die Polin. Mit distinguierter Geste ob dieser, ihm nahezu absurd erscheinenden Aussage, wandte sich der geschichtsverplauderte Ossi jenem Gesichtsausdruck zu, den er ach so gut kannte. Jene Mischung aus Skepsis und Lässigkeit, die sie immer wieder zeigte wenn es um die angeblich so bedeutenden Veränderungsbemühungen der Deutschen ging. Geschichtsinteresse hin, Politikverständnis her – auch ohne viel Details über die jüngere Vergangenheit zu wissen, so existiert dann immer noch so etwas wie ein kollektives, historisches Unterbewusstsein. Dieses ist verbrämt durch unreflektierte Schuldzuweisungen, ausgeschmückt durch Legenden und verfeinert durch das Vergessen des Unbequemen. Im polnischen Fall weiß dieses von unaufhörlichen, blutigen Aufständen in denen man stets gegen Stärkere kämpfte und noch steter unterlag, von wirklicher Not und Entbehrung und respektloser Auflehnung gegen eben diese. Dieser bedingungslose Freiheitswillen musste dann auch, quasi in historischer Notwendigkeit, dazu führen, das  Sowjetimperium endgültig auf den Kehrichthaufen der Geschichte zu fegen. All dies mag  in jenem Blick stecken, aber vielleicht übertreibe ich auch, dennoch fällt die Analyse von Bürgerbewegung, Mauerfall und Einheit dergestalt trocken aus: „Komisch, ich hatte immer gedacht, dass die Leute auf der Straße gestanden hätten und erneut DAS Volk propagierten, während die anderen zu relativieren versuchten, in dem sie meinten, dass es nur eines von vielen wäre.“So gesehen. Mir jedenfalls brachte diese Perspektive die nötige historische Laune um dieses Jubiläum gebührend zu feiern! In diesem Sinne – gedenken wir dem wohl ereignisreichsten Tag in der deutschen Geschichte! Denn, Nummerologen aufgepasst, an diesem Tag ist mehr passiert als Reichskristallnacht und Novemberrevolution.         

Wahl im Weddingshain

Nun denn, der Parlamentarismus hat mal wieder seine Kinder besucht. Es wurde gewählt und das Ergebnis war so trist wie vorhersehbar. Lassen wir uns daher von großen Zahlen nicht beeindrucken und betrachten einmal eingehend die Ergebnisse der Wahllokale meiner zwei Lebenszentren. Auch in diesem Fall greift die Okkupation und wir dürfen nicht von Wedding sondern müssen von Mitte sprechen. Genauer: Bundestagswahlkreis Mitte vs. Friedrichshain-Kreuzberg. Noch genauer: Wahlbezirk 526 gegen 507.

Die elementaren Informationen zuerst. Beide Wahlkreise sind in ihre Grundaussage, dem Bundestrend widersprechende Einzugsgebiete. Im Friedrichshain hat Genosse Ströbele sein Generalabonnement und in Mitte fuhr tatsächlich die SPD ein Direktmandat ein. Und dies trotz des wohl unvorteilhaftesten Politikerportraits aller Zeiten, unter dessen ästhetischer Knute wir mehrere Wochen leiden mussten. Outgesourct unter „Gruselige Wahlplakate Teil 1“. Grüne und Sozis vorn, daneben starke Anteile für die Linken, CDU und FDP eher im Hintergrund – das sind wahrlich rentitente Resultate. Ich freu mich also einmal mehr, hier leben zu dürfen.

Aber kommen wir zu den wirklich wichtigen Sachen: Beteiligung und Gültigkeit. Zunächst blinkt die Anzahl der Wahlberechtigten auf. Trotz einer vergleichbaren Bevölkerungsdichte dürfen im Weddinger Wahlbezirk gut 300 Menschen (1.506/1.199) weniger die Urne füllen. Dies hat zweifellos viel mit dem Umstand zu tun, dass es in Deutschland Sitte ist, Wahlunmündigkeit mit der Herkunft zu verknüpfen. Die Wahlbeteiligung bleibt hiervon unbeeinflusst und ist in beiden Bezirken recht grottig, wobei die von Friedrichshain wenigstens noch über die 50%-Marke tropfte (53, 7% gegenüber 42, 9% im Wedding). Ein relevanter Unterschied taucht in der interessanten Abteilung der „ungültigen Stimmen“ auf. Während diese im Friedrichshain stabil über einem Prozent schwankt, ist im Wedding die Differenz zwischen ungültigen Erststimmen (16) und Zweitstimmen (6) auffällig.

Kommen wir zum Kleingedruckten und konzentrieren uns auf all die Parteien, die es im Großfeldexperiment nicht in den Bundestag geschafft haben. Diesbezüglich ist man in beiden Wahlbezirken mit der Bundesentscheidung weitestgehend einverstanden. Aber eben nur weitestgehend, denn die Piraten hätten es zumindest in diesen beiden Wahlbezirken Friedrichsshain locker über die 5%-Hürde geschafft. 55 (6,9%) Menschen, damit 3 mehr als der FDP ihre Zweitstimme gaben (im gesamten Wahlkreis kam man auf 6,0%), ist dann doch ein ganz respektabler Einstieg. Doch die Überraschung erbrachte in dieser Hinsicht der Wedding. Zwar kam man im gesamten Wahlkreis nicht über die bewusste Hürde (4,2%), doch in „meinem“ Wahlbezirk entschieden sich 42 Menschen für die Freibeuter der Wahlurne und fuhren damit gigantische 8,3% ein. Sollten tatsächlich die paar Aufkleber, die ich zaghaft angebracht hatte, zu diesem Erdrutschsieg geführt haben?!

Was gab es sonst noch?! Nur wenige Partein konnten gar keine Stimmen auf sich vereinen. Darunter die DVU und ödp in beiden Bezirken und im Friedrichshain noch zusätzlich die Reps. Mein digital suggerierter Wahlvorschlag DKP ging erwartungsgemäß klaglos unter, wobei man im Friedrichshain fünf Erstimmen und drei Erststimmen ergatterte, im Wedding dagen nur eine verängstigte Zweitstimme erhielt. Gehen wir also in diese frustrierende Legislaturperiode mit der kurzweiligen Beschäftigung, den einen DKP-Wähler in Wahlbezirk 526 kennzulernen. Das sollte doch machbar sein.

Für den internen Wettstreit vergebe ich angesichts dieses Wahlergebnisses mal ganz gönnerhaft an jeden einen Punkt.

Friedrichshain – Wedding
4-2

Gewappneter Weddingshain

Kommen wir mal wieder zum großen weddingshainer Vergleich und lassen wir heute mal den, schon seit längerem, ungeduldig mit den Füßen scharrenden Heraldiker raus. Leider müssen wir herbei natürlich die Produkte der Bezirksreform betrachten, denn keiner der hier analysierten Bezirke besitzt gegenwärtig noch ein eigenes Wappen.
Was sehen wir da also genau? Linkerhand erkennen wir zweifelsfrei die Oberbaumbrücke, das Wahrzeichen des neugeschaffenen Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, oder, wie es der Heraldiker auch formulieren könnte: „In silbernem Schild mit blauem Wellenschildfuß, belegt mit vier silbernen Wellenfäden, eine rote gezinnte Brücke, die durch zwei spitzbedachte und beknaufte Türme, welche mit Zinnen, Zwischendächern, Simsen und schwarzen Schießscharten und Spitzfenstern bedeckt sind, in drei gleichmäßige Bögen unterteilt ist.“ Wie wir noch erfahren werden, hat Friedrichshain damit entschieden mehr an Symbolik in die Fusionsära gerettet als der Wedding. Denn hier wurde man dann doch vom namensspendenden Klops aus dem Süden ein wenig vergewaltigt. Die Interepretationshilfe weiß hier folgendes zu berichten: „Der Hauptschild ist sechsfach von Rot und Silber geständert. Das golden tingierte Herzschild zeigt einen wachsenden rotbewehrten und rotbezungten schwarzen Bären. Der Bär hält in seinen Pranken einen blauen Schild mit aufrechtem goldenem Lilienzepter. Das Hauptschild versinnbildlicht das Zusammenwachsen der drei Bezirke. Für jeden Bezirk stehen jeweils die Farben Rot und Silber (Weiß).“Nun denn. Doch ein Wappen ist ja letztlich nur geronnene Symbolik. Fragen wir uns also wo sie herkommt. Zwar ist im Berliner Fall nicht allzu viel Geschichte vorhanden, aber etwas kann man dann doch zusammenkratzen. Im Friedrichshainer Fall haben wir sogar verhältnismäßig viel Wandel mit einem gehörigen Schuss Dreistigkeit.
Schließlich führte man das erste Wappen (ganz links) 1935 ohne Genehmigung des Berliner Senats ein. In diesem geteilten Schild sind erstmals die charakteristischen Symbole Friedrichshains zu entdecken. das rot-weiß(Silber)-rote Banner Berlins mit dem aufrecht schreitenden Bären, das untere, blaue Feld einen von links nach rechts schwimmenden silbernen Karpfen mit goldenen Flossen. Die Zweiteilung leigt darin begründet, dass der obere Teil für den Teil des Bezirks Friedrichshain, der schon vor 1920 Bestandteil von Berlin war , während der untere Teil das Wappen von Stralau, welches erst später hinzukam, darstellt. 1987 spendierte die gesamte Republik mit offenem Widerwillen der Hauptstadt eine luxuriöse 750-Jahrfeier. Hierzu gönnte man sich natürlich auch ein neues Wappen. Sehr schick, aber doch ein wenig arbeitsgeil-eindimensional wie ich finde. Es hatte auch nicht sehr lang Bestand, denn schon 1991 erhielt man ein neues Wappen, welches dann doch sehr an das traditionelle Wappen erinnerte. Neu war allein die rote dreitürmige Mauerkrone, deren mittlere Turm mit dem Berliner Wappenschild belegt ist. In diesem Jahr erhielten alle Bezirkswappen diese Mauerkrone, welche diesmalö nicht trennen sondern alle Bezirke Berlins untereinander verbinden sollte. Und das sit nun wirklich Symbolik, denn eine alle Bezirke verbindende Mauer ist dann doch schwer vorstellbar. Wenn wir nun aber das alte Friedrichshainer Wappen mit dem neuen Fusionswappen vergleichen, so muss zugegeben werden, dass man da doch einen ganz guten Schnitt gemacht hat. Einzig der Stralauer Karpfen fehlt. Da kommt doch die berechtigte Frage auf, wo er geblieben ist. Der Verdacht fällt automatisch auf die Kreuzberger. Ich werde dem in jedem Fall weiter nachgehen.Kommen wir zum Wedding. Hier gestaltet sich die Wappengeschichte ein wenig spärlicher. Auch hier begann die Geschichte relativ früh. Der Bezirk Wedding wurde 1920 bei der Schaffung Groß-Berlins aus Teilen des alten Berlins gebildet. Vor der 1861 erfolgten Eingemeindung befand sich auf dem Gebiet des Bezirks das Dorf Wedding und in dessen Nähe der Gesundbrunnen. Selbstredend hatte man hier von sowas wie Wappen noch nie gehört. Daher grübelte man vor sich hin und entschied dann das Wappen jenen adligen Gefolgsleute der askanischen Markgrafen, der aus dem Magdeburgischen stammenden Familie „de Weddinge“, nachzuempfinden, die auch dem Dorf ihren seinen Namen gaben. Die einzige Veränderung am Wappen war der Wandel vom ursprünglichen Blau zum späteren Rot, aufgrund der Veränderung des Weddings zum Arbeiterbezirks im späten 19. Jahrhundert. Man sollte es nicht glauben, aber eine solche gewaltige Veränderung ging tatsächlich auf eine Initiative der SPD zurück. Da ham wir uns aber mal was getraut, damals. Respekt!

Fazit: Auch wenn das Weddinger Wappen nicht das Schlechteste ist, Friedrichshain hat eindeutig mehr Schöpferkraft und Durchsetzungsvermögen. Daher einen Punkt für Friedrichshain.Friedrichshain-Wedding 3-1 

Zwei von 375 Millionen

Nach lang umquizter Nacht quälte ich mich mit der Liebsten aus dem wohligen Bett um wählen zu gehen. Die erste Stimme war recht einfach abzugeben. Der Ring brachte uns bequem ins geliebte Friedrichshain zurück, ein kurzer Spaziergang ins Bürgeramt und fertig war der Lack. Alles also ziemlich unspektakulär, wenn wir mal von dem mittleren Skandal absehen wollen, dass sich unser mächtiger Staatenbund offenbar keinen Umschlag mehr für den (imposant langen) Stimmzettel leisten kann.Manchmal ist es schon beruhigend, wenn man merkt, dass man mit seinem Humor nicht ganz allein ist.Anders sah die Sachlage schon im Falle exilpolnischer Demokratiebestrebungen aus. Lang ist es her, dass sich die polnische Vertretung im Herzen Berlins wohlfühlte. Vor etlichen Jahren zog man um und verdrückte sich in den tiefsten Westen. Da half alles nix – wir mussten nach Grunewald. Aber was soll’s – zum einen war es ein nahezu spaziergangsgeiler Sonntag und zum anderen lässt dieser Blog ja nicht nur dem Namen nach die Randgebiete hochleben. Und zu guter letzt steht der Pole an sich ja nun rein historisch in der Pflicht zum Wählen, da sie mit dem Kram schließlich vor gut 20 Jahren (jedenfalls im Ostblock) angefangen haben.Das villentriefende Gebiet um Grunewald erschreckte uns dann aber doch ein wenig. Letztendlich standen wir vollends erschöpft vor den Toren der Botschaft und, soviel Plattitüde muss gestattet sein, Polen war offen! Nach lässiger Sicherheitskontrolle traten wir ein und ließen die Formalitäten über uns ergehen. Doch – o Schreck – die favorisierte Partei fand sich nicht auf dem Zettel, welcher an sich auch recht spärlich ausgestattet war. Nur zehn Parteien standen zur Wahl. Da stimmte doch irgendwas nicht. Aber damit wir nicht ganz umsonst hierher gelatscht waren, machte sie schließlich ein Kreuzchen bei irgendeinem „z-dwojga-złego“ und fertig war der Wahltag.

Und damit auch im Herbst das Kreuzchen ein Zuhause hat…
Wähle Piraten!
Photo: Polnisches Institut

Püblic Betting vs. Public Viewing

Widmen wir uns aus aktuellem Anlass mal wieder einem lange vernachlässigten Thema, dem Kiezvergleich. Das Ende der Fußballsaison wird ja zumeist von einer Häufung verschiedener Endspiele (Championsleague, UEFA, DFB) begleitet. Das Wetter ist angenehm, die lange Zeit sozialer Isolation aufgrund der herandräuenden Sommerpause droht mit düsterer Geste und so sieht man sich um, wo man diese letzten, verbliebenen Spiel in gemeinsamer Runde sehen könnte.Bei der Vorauswahl fiel mir als lautstarken Botschafter des Weddings auf, dass hier eine eklatante Schwachstelle des sympathischen Bezirks im Norden Berlins ausmachbar ist. Nun will ich zwar im Wedding keinesfalls eine Schwemme von superschicken, aber charakterlosen Etablissements  speziell den Südkiez Friedrichhains überrollt haben. Läden ohne Stammkundschaft oder Seele, die zwar ein gestochen scharfes Bild auf Luxusleinwand bieten, aber auch 3,60 fürs Bier und jede Menge Nerven ob der Kommentare des Publikums verlangen. Nein, da ist mir der Wedding mit seinen unaufgeregten Schulle-Kneipen mittlerweile lieber. Doch was machen, wenn man mal unter Leuten Fußball kieken will. Keine Frage, der Kiez schaut Fußball. Geht man während eines beliebigen Spiels durch die Straßen, ist das allgegenwärtige Raunen, Gröhlen und Quietschen Beweis genug. Doch die Alternativen zum gemeinschaftlichen Spielgenuss sind alles andere als einladend. Entscheiden Sie jetzt: Wo würden Sie das Champeonsleague-Finale lieber sehen? Bedenke: Wo gewettet wird, da lass dich nicht nieder, Fußballkieken ist hier oftmals bieder. Abseits der großen nationalen Turniere gestaltet sich das Angebot äußerst mager. Da wäre das omnipräsente Wettbüro. Sterile Räumlichkeiten, moderate Atmo, katastrophale Getränkeauswahl. Oder wir könnten auch versuchen in einem der zumeist mitgliederbeschränkten Kültürzentren Einlass zu begehren. Hier ist schon eher was los, aber ein Mittelfeldkick in der dritten zypriotischen Liga hat hier oft einen höheren Stellenwert als so etwas absurdes wie das DFB-Pokalfinale. Außerdem gibt es hier sowieso nur Tee. Soweit zu unseren orientalischen Freunden. Würden sich im Wedding nicht auch bedeutende Populationen von Polen und Kroaten aufhalten, so könnte man angesichts dieser Sehgewohnheiten schier verzweifeln. So aber bleibt einem immer noch der Gang ins „Waleczne Serca“ oder ins „Dubrovnik“ um in trauter Runde den Großen des Sports zuzujubeln. So kann also abschließend im großen Weddingshainer Rapport vermerkt werden, dass der Wedding Fußballkuckmäßig noch nicht völlig verloren ist, aber doch auf weiten Strecken einem entwicklungsland gleicht. Auch wenn mir die Tendenz der unzähligen Yuppie-Lokale im Friedrichshain missfällt, so kann man hier wenigstens nicht in die Verlegenheit kommen, ein relevantes Spiel des europäischen Fußballs aufgrund mangelnden Angebots  zu verpassen.Fazit: Friedrichshain 2 – Wedding 1Photo: snow.iperni ty.com (via flickr)