In regelmäßigen Abständen, sorgsam eingeteilt gönne ich mir eines der Bücher aus der Krajewski-Reihe. Einerseits aus Gründen spießiger Einteilerei, welche sich derlei Perlen in wohl bemessenen Abständen gönnt, andererseits aber auch ob der leichten Sorge um meine sensible Psyche.
Denn die Bücher von Marek Krajewski sind wirklich starker Tobak.Nachdem an dieser Stelle schon die vorangegangenen Werken „Der Kalenderblattmörder“, „Tod in Breslau“ und „Gespenster in Breslau“ gebührend begutachtet wurden, geht es nun um den angedachten Abschluss dieser Reihe: „Festung Breslau“. Obzwar das belagerte Breslau in der Tat als würdiger Abschluss dieser Reihe zu sein scheint, hat Krajewski noch zwei weitere Bände rangehängt. Selbstverständlich nicht chronologisch weiterführend, sondern in den 20ern oder 30ern spielend.
Denn dieses Buch ist das Ende. Wenn hier, wie vielfach erwähnt, das literarische Themenjahr der Apokalypse zelebriert wird, so möchte ich keine Diskussionen darüber ob dieses Buch hier hingehört. Das Ende des 2. Weltkriegs gehört zweifellos zu den apokalyptischsten Episoden der jüngeren Geschichte und sie ist eindeutig bedrückender, da wir uns hier nicht dem Kitzel der Zombiegefahr oder dem Gedankenspiel des Atomkriegs hingeben. Dieses Katastrophe ist real, gar nicht mal so lange her und jederzeit wieder aufführbar.
Für dieses Buch holte der Meister noch einmal ein kräftigen Schwung düster-depressiver Farben aus seinem Tuschkasten und schleudert den Leser ohne Eingewöhnung in das belagerte Breslau Ende März ’45. Ende März 1945?! Obwohl mir der späte Zeitpunkt des endgültige Zusammenbruchs des Nazireichs und die Rückkehr der Gräuel zum Verursacher bewusst waren, war ich dann doch ein wenig irritert. Doch eine kurze Recherche ergab, dass Breslau wirklich erst am 6. Mai kapitulierte! Und so bietet die der Zerstörung preisgegebene Odermetrolpole eine exzellente Kulisse für den letzten Fall von Eberhard Mock. Ich muss hierbei gestehen, dass ich den Fall an sich nur halbherzig verfolgte, dermaßen eingenommen war ich von der unfassbar plastisch dargestellten Endzeitatmosphäre. Ein großartiges Buch. Und ich vermute ja mal zaghaft, dass er es hiermit hätte bewenden lassen sollen. Diese vier Bücher gehören jedenfalls in das Reisegepäck eines jeden Wratislavia-Touristen.
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