Alles nahm in einem gewöhnlichen ICE nach München seinen Anfang. Eine dieser raschen Fahrten – solide, pünktlich und routiniert – genauso wie die Deutsche Bahn nur in seltenen Ausnahmefällen erwähnt wird obwohl die meisten Züge genau diese Prädikate verdienen. Einmal mehr flog die Republik an mir vorbei. All diese entzückenden und sträflicherweise von mir noch nicht bewanderten Mittelgebirge… Schon bald waren wir in München und wurden mit allerfeinstem Schneeregen begrüßt, was das sehnsuchstvolle Schmachten hin zu dem ersehnten Ziel jenseits der Alpen nur noch verstärkte.
Im Gegensatz zu so vielen meiner Lieben aus meinem Soziotop habe ich Bayern gegenüber keinerlei Beißreflex. Nein, ich genieße bei all meinen Berührungen mit dem Freistaat die urigen Sonderlichkeiten dieses eigenwilligen Bergvolks. Speziell die Kunststückchen im Kulinarischen ringen mir immer wieder Respekt ab. So genoss ich auch dieses Mal nach kurzem Stadtrundgang Haxe und Helles, verabschiedete mich vollsr Respekt von der Welt der Barbaren.
Am nächsten Tag machten wir dann endlich rüber. In einem vorzüglichen Zug der ÖBB machten wir es uns gemütlich und genossen bei bester Sicht diese wunderschöne Hochgebirgspassage, nur um recht bald in der Poebene, dem Brandenburg Italiens, gepflegt wegzuschnarchen.
Und dann war sie einfach da: „die Fette, die Rote, die Gelehrte“ – Bologna! Schwer auf wenigen Zeilen zu beschreiben, es soll genügen zu erwähnen, dass eine Stadt, die mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und Dauerregen aufwartet in den seltensten Fällen zu begeistern weiß. Bologna jedoch gelang dieses Kunststück. Gefühlte Geschichte, gefüllte Mägen und gefallende Menschen in einem Gesamtkunstwerk von Stadt, Bologna wir sehen uns wieder!
Doch dann war es soweit. In einem bis auf den letzten Platz genutzten Zug zuckelten wir gen Lecce. Nach DB und ÖBB zeigte uns nun Trenitalia wie man die Schiene beherrschte. Und ich muss sagen: Chapeau! Komplett ausgenutzte Kapazitäten und dennoch entspanntes Fahrvergnügen auf einer zusätzlichen noch über alle Maßen beeindruckenden Strecke, welche zeitweise bis auf 10 Meter an die Adria herankam.Das alles garniert mit Freundlichkeit und ungezwungener Fröhlichkeit von Fahrgästen wie Schaffnern.
Lecce – das „Florenz des Südens“, eine „Rokokoexplosion“ – der Ruf dieser Stadt war ihr seit längerem vorausgeeilt. Voller Spannung unternahmen wir also unsere ersten Schritte und waren schon nach kurzer Zeit völlig hin und weg. Soviel Fantasie in Stein auf engstem Raum, dass der Geist Mühe hatte hinterher zu kommen. Wer in Süditalien vorbeischaut sollte diese Schnuckelchen keinesfalls auslassen. Nach ausführlichsten Rundgängen und gemeinschaftlichen Fotomassakern stiegen wir dann in den letzten Zug.
Ein rumpeliger kleiner Schienenbus, voll bis zum Dach brachte uns auf die andere Seite des Hackens, nach Gallipoli. Und nach einer guten Stunde standen wir dann in unserem Weihnachtsdomizil und wir sahen, dass es gut war.
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